häUmsse werden in Offenbach immer dringlicher, schon durch den Zuzug zweifelhafter Elemente. So z. B. hat Offenbach einen starken Zuzug von galizischen Juden, von Zigeunern, und von Frankfurt ziehen sich bk Anarchisten nach Offenbach Ferner iü es notwendig, daß die Frankfurter und die Offenbacher Polize. «Zusammenwirken Tas kann nur geschehen, wenn die Offenbacher Polizei unter einem staatlichen Beamten steht. Der Bürgermeister steht unter unumschränktem Einfluß der gerade in Ossenbac! vorhandenen Maiorität. Gerade der Bürgermeister ist geneigt, sich den Wünschen der Stadtverordneten anzupassen. (Zwttchcn ruf von den Sozialdemokraten: „Unerhört!^. Gegen Temon- strationszüge hat sich auch eine aus allen Schichten der Offenbacher Bevölkerung hervorgegangene Petition gewandt. Hier wird ausdrücüich dagegen Verwahrung eingelegt, daß durch aufgehetzte Volksmassen angesehene Bürger in rohester Weise beschimpft werden. Es ist das Recht und die Pflicht der Regierung, dieienigen Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, das Bürgertum zu schützen. , ..
Abg. Eißnert (Soz.). Der Redner wendet sich geffen dre Ausführungen des Ministers. Wenn solche Zustände auch früher geherrscht haben mögen, so doch heute nicht mehr. Don dem Minister tu auch selbst zugegeben worden, daß die Zustände in Offenbach durchaus normal sind. Der Abg. Dr. Winkler habe neulich hier gesagt, daß der Bürgermeister von Offenbach auch ein Anhänger der umstürzlerischen Beivcgung sei. Redner protestiert gegen die Beleidigung. Wenn Arbeiter demonstrieren, macht man ihnen daraus einen Vorwurf, dagegen läßt man studentische Umzüge zu. Es sei auch gesagt worden, daß der Bürgermeister verhindere, Verbrechen auszudecken. Das sei eine ganz unerhörte Unterstellung. Tas heiße soviel, als wenn der Bürgermeister die Verbrecher schütze. Die Sicherheit in Offenbach sei. mcht ungünstiger als anderswo. , „ t
Abg. v. Brentano (Ztr.): Ich gebe zu, daß der Abg. Eißnert ruhig und sachlich gesprochen hat. Man kann über die Frage der Verstaatlichung prinzipiell verschiedener Meinung sein. Fast man die Selbstverwaltung auf als ein Recht jeder Kommune, dann natürlich muß man zu der Meinung kommen, daß auch alles in der Gewalt dieser Kommune sein muß, auch die Polizei. Faßt man aber die Selbstverwaltung so auf, daß darin nur ein gutes Recht, eine Auszeichnung liegt, dann wird man zu einer anderen Behandlung kommen. Dann muß man die Behauptung, daß es sich um einen Eingriff in das Selbstverwaltungsrecht der Kommune handele, als irrig ablehnen. Es gibt keinen Juristen von Bedeutung, der aus Ihren (zu den Sozialdemokraten) Standpunkt steht. Die Tätigkeit der Polizei erfolgt im Auftrage des Staates und -nicht aus eigenem Recht heraus. Man kann deshalb aus prinzipiellen Gründen nicht von einem Eingriff sprechen. Man kann dies aber umsoweniger tun, als feststeht, daß auf Grund unserer Gesetze der Negierung jede^eit das Recht zusteht, die städtische Polizei zu verstaatlichen. Wer von einem gesetzlich anerkannten Recht Gebrauch macht, der verletzt niemals die Gesetze. Die Vertreter der Städte Mainz und Worms würden nicht eine Minute widerstreben, wenn es sich zeigen sollte, daß auch in diesen beiden Städten sich die Notwendigkeit einer Verstaatlichung ergibt. Ich bedauere nur, daß die Regierung nicht gleich ganze Arbeit gemacht hat und auch für Mainz und Worms die Verstaatlichung der Polizei beantragt hat. Es ftagt sich, liegt für die Regiegierung eine Veranlassung vor und welche und ob wir sic als gerechtfertigt erachten müffen. Die Wünsche der Bevölkerung sind maßgebend. Der Umzug am 11. November 1910 war nur das letzte Glied in der unerträglich gewordenen Kette. Ich trete dem Bürgermeister nicht zu nahe, wenn ich saae, daß er abhängig sei von der jeweiligen Majorität. In Offenbach existiert eins organisierte Gruppe Anarchisten. Man muß alles tun, um die zweifelhaften Elemente fernzuhalten.
Es tritt eine Pause ein.
M>g. Raab (Soz.) ist der Ansicht, daß der Bevölkerung das Recht auf die Straße zustebe, und daß, wenn man Kricger- vercinen und religiösen Gemeinschaften Umurgc gestattet, man solche nicht den Arbeitern versagen dürfe. Man wolle die Polizei gewaltsam aus der föanb der einen Majorität in die der anderen legen. Es liege offenbar eine Schikane der Regierung vor.
Präsident Köhler ruft den Abg. Raab wegen des Ausdruckes Schikane zur Ordnung.
?lbg. Raab: Ich wollte sagen, daß es sich hier um eine Vergewaltigung handelt.
Präsident Köhler: Sie dürfen auch nicht Vergewaltigung sagen. Ich rufe Sic deshalb zum zweitenmal zur Ordnung
Abg. Grünewald (fortschr. Vp.): Er werde unabhängig uacl) lurkv und rechts, nach oben und nach unten, nur sachlich N.ch äußern Es werde die Regierungsvorlage zu Unrecht als eine ine Verstaatlichung der Polizei bezweckende bezeichnet. Verstaut- Ircht solle nur die Spitze, das Oberhaupt werden. Der Körper bleibe bommunal. Die Schutzleute sollten nach wie vor städtisch bleiben und von der Stadt bezahlt »oerden. Die Polizeigeivalt sei an und für sich ein staatliches Recht. Der § 57 lasse zu, daß der tot aal die Polizeigewalt in den Städten an sich nehme, es frage sich nur, ob es nicht ein Eingriff in die übertragene Selbstverwaltung fet und ob die Gründe, eine einzelne Stadt lner- durch auSziizeichnen, d. h. zu stigmatisieren, hinreichten, einen [o1d>cn einflrin ju rechtfertigen. In Gießen fei im Jahre 1848 mc Polizei der totadt abgetreten worden. Heber Offenbach wolle er nichts weiter sagen, als daß diese Stadt nicht, wie nach den Aeußerungen des Ministers es nach außen den Anschein erwecke eme verberge von aalizsschen Juden, 3i-Kunern und Anarchisten sondern eine außerordentlich gewi-rbsfleißige stolze Stadt, aus die unser Land stolz zu sein alle Ursache Italic. In Gießen hat man seit 1850, nadtbem der totaat die Leitung der Polizei wieder habe, ständig für die Rückkehr gekämpft. Im Jalne 1875 fei eine ausführlich begründete Eingabe an die Regierung gerichtet worden und 1896 hatten fünf Städte des Groß- herzogtumS enc solche einaerricht. 1902 habe Oberbürgermeister ©nautb eine ausführliche Denkschrift an die Regierung gcriditet
^äe'vieien wird auf die^ großen Unzuträglichkeiten und viele Konstillc, welche durch bic -Spaltung der Polizeigcwalt entstanden seien. The Berstaatlickmng des Leiter,' ' ~
>,. , — vw des Polizeiamts
schiebe >mr ein neues und fremdes Glied in die Verwaltung ein und bie Zwickmühle, von der Brentano geredet hat, werde nur wmvlizierter Die Exekutive verlange, zumal in Offenbart) einen erfahrenen, bc<. Lebens kuiidigen Pvlizeirat, der melxr zur Per- Ortung von Konflikten alS zu deren Unterdrückung berufen sei entnKter iei brr neue Staatskommissar schneidig — bann werde halb Blut fließen — oder er |ci sanft und zart, bann werde " an den gegenwärtigen Zuständen nichts ändern. Die Straße In«?11? für1l,miü9c da: Militärabteilungen, Provisionen, Fackel- Äg- VcmMIkn mtrocilig brn üertebr. Srr Untrrschirb fei ,mr r w br2lix.U-n,JUflC .'^stnttet uiid diszipliniert vor sich gehen, oder 'SCn ^absehbaren Folgen entsteben: diese WUten auch bie toOMa(bcmokaten ablcbnen. Die Fraktion der Fortschrilllirtx-n Volkspartei lehne die Vorlage ab, birfclb? eintn-itlich zu ordnen? unter atnautT gt*. setzlicher Abgrenzung der staatlichen und der fuibtmlxn Komve. ÖCn^nrtCnlfOrC<b^ber.^Fcllu^ der Kosten ber ’sSbt bad) cm Stigma aurbnufc, das als Repressivmaßregel gegen tue Sozialdemokratie gedartu. auS grunbfäBlnben ffrmÄ ^7» Dtt lohnen sei. während erhebliche ÄnäSt^nb^enrn^!' 5BcrftaatlidMing des VolizeivorstandeS sprechen 9 9 ^tc Minister v. Hombergs: Es wäre rirh‘t™»r <
ganzen Polize,Verhältnisse mit einemmal nnbeitlitf) °xu ^o?hn^!C ^^.?C9tmm9 Verstaatlichung m allen Städten im^e behalten, gegenwanig aber schien un> die Mitte! ba-u ttr Cnenbad) btlh-fc Her die BerviUchmng fLn .L Derstaatlirtmng zu beginnen In Oheftcn al» UnibCrfii?MR^ hegen bn Verhältnisse anders ^n Lmmdach ist cÄ b 1 bett ndrthrrtHt. Wenn Kriegerverein-- usw Umzüge oeranstalttn jo haben derart,ae Veranstaltungen kein-., bebrPblidx^binahn
1bat>fn aber einen bedrohlichen Charakter
gehabt. 2.cr .lbg. Raab bat bemängclr haß die •'labr orV>-n von der becchsichtigten BeNtaatt.ch.mg h*mv Mitteilung Ik-ES ** ^^ber über unser Vorgehen gehört morben und s,e hat s,ch auch barüiH-r geäußert. nwroen,
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es für notwendig erachtet. ES handelt sich nicht um eine Beschränkung der Selbstverwaltung. Tie Staats^heit wird ledig ’id) dem Bürgermeister übertragen und nicht der Stadtverordneten Versammlung. Wir haben uns darüber zu )träten, ob bitte Maß regel hier zweckmäßig ist, und ob der Landtag in der Lage ist sie Mittel zu bewilligen. Man muß sich auch fragen, ob die Stände nicht bie Verpflichtung haben, biese Mittel zu bewilligen.
Verhältnisse zwischen Gießen und Offenbach lassen keinen Ver .ssäch zu. Die Kommunalisierung richtet sich nicht ^iach einem Schema, sondern nach der Art der Stadt. Diese Frage kann inan nicht theoretisch behandeln. Bei der Kommunalverwaltun hat man fäne Möglichkeit, einen Beamten zu versetzen, was sich bei evtl. Ungeeignetheit für einen Posten doch als notwendig erweisen kann. Ju der Arbeiterschaft Offenbachs ist auch der Wunsch vorhanden, die Polizei zu verstaatlichen. Wir sehen in der Verstaatlichung eine Verbesserung und stimmen deshalb der Vorlage bä
Abg. Ulrich (Soz.) verbreitet sich nochmals über die wiederholt dargelegten Zustände in Offenbach. Auch er siebt, wie seine Fraktionsgenossen, in der Verstaatlichung äne Machtanwendung ber Regierung.
Die Debatte ist damit geschlossen. Der Antrag des Aus- sdmsses: Bewilligung des Betrages von 151 220 Mk. wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und ber Fortschrittler angenommen.
Abg. Dr. Weber als Berichterstatter zu diesem Kapitel er- ftattrt Bericht über die Verhandlungen im Ausschuß.
Abg. Ulrich (Soz.) erhält das Wort zu einer persönlichen Bemerkung.
Die Sitzung schließt nach V-2 Uhr. Fortsetzung heute nachmittag Uhr.
Nachmittagssitzung.
Vizevrästdent S cb m i 11 eröffnet bie Sitzung um 31/, Uhr. Tie Beratung wird fottgesetzt.
Kapitel 33 und 34 werden ohne Debatte erledigt nach den Anträgen des Ausschusses.
Zu Kapitel 3ö, Kirchen, regt Abg. Wolf- Stadecken an, einige kleinere Pfarreien eingeben zu lasten.
~ Abg Schönberger (iintL) wünscht die Feststellung ber Staatszuschüsse für bie einzelnen Konkeistonen.
Abg. Korel l-Königstädten (Forlschr. Vp.) freut sich, daß Abg. Wolf zugibt, daß die Pfarrer notwendig sind. Dem )!n:rage Schön- berger könne man zustimmen, schon damit einmal die Legende zerstört werde, als ob der Staat der Kirche große Geschenke bringe Die Kirche erhalte sich im wesentlichen selbst. Die Aufhebung kleinerer Pfai-reien ist an sich nicht unberechtigt, sie hat wohl ihre Schwierigkeiten, rote bie Praxis ergeben bat.
Minilter von Hombergk sagt die Unterstützung der Regierung zu, um zu größeren Pfarrgemeinden zu kommen.
2lbg. M o 11 b a n (Ztr.) erklärt, daß die Staatsbeiträge auf einer Rechtsgrundlage beruhen
Der Antrag des Ausschusses: Bewilligung der Ausgabe mit 483 221 Mk., wirb gegen 6 Stimmen angenommen.
Kapitel 86:
Landesuniverfitat.
Abg. Korell - Angenrod (Bbd.): Man muß in der Lage sem, das Landwirtschaftliche Institut Io auszubauen, daß es für die Landwirtschaft dienstbar gemacht werden kann. Der heutige Zustand ist für die L aner nicht haltbar, da ein Professor die Arbeit allem nicht leisten kann.
Auf nähere Einzähäten einzugehen, halte ich heute nicht füt nötig, da uns ja "än Antrag in dieser Angelegenheit vorliegt. Ich werde später bä Beratung dieses Antrags Gelegenheit nehmen, über nähere Einzelheiten betr. das landwirtschaftliche Institut zu sprechen.
Abg. Ur stabt (fortschr. Vp.): Derr Kollege Grünewald hat ausgefuhtt, wie der Frankfurter Konkurrenz zu begegnen sä. Sie ist besonders gäahrlich auf dem Gebiete ber neueren Sprachen. Auf diesem Gebiete wird jetzt schon in Frankfurt auch ohne Universität hervorragendes geleistet. Daß aber diese Ausbildung besonders wichtig ist, ist allgemein anerkannt. Ein Lektor kann aber nur segensreich wirken, wenn er sein Amt nicht nur als Durchaangsstation betrachtet. Wenn er wirklich Ge deihlidsts erreichen soll, muß er die besonderen Schwierigkeiten
..%0- Grünewald (Fortschr. Bp.): lieber bie Staatsuni- ücrfüat sei im allgemeinen zu sagen, daß sie blühend unter ben deutschen Universitäten dastehe, und daß unser Land auf sie ' >5^. c •' £an^ der Fürsorge der Regierung und ber Bercit-
willigfeit ber Stände, bie erforderlichen Mittel für sie zu bewilligen. Die Landesuniversität rüstet sich zur Konkurrenz mit per neuen Universität Frankfurt, von der man jetzt weiß, daß sie kommen wird. Wir fürchten diese Konkurrenz nicht. Gießen mit seinem Jahrhunderte alten Ruf, feinen vorzüglichen Lehrern, seinem fröhlichen Studentenleben, seiner herrlichen landschaftlichen Lage, wird seine Anziehungskraft bewahren. Aber Staat, Regie- rung Stande und Stadt müssen Zusammenwirken, um die Uni* ?er !iaL nic^t bloß aus ihrer Höhe zu erhalten, sondern sie zu komplettieren. In dieser Richtung wird in der nächsten Zeit vieles geschehen: die Kinderklinik, auf Initiative der Großherzogin ^lchtet, geht der Vollendung entgegen. Die beiden Spezial- Hinnen sind bereits im Finanzausschuß bewilligt. Die Stadt Gletzcn hat das wätgehenbe Entgegenkommen bewiesen, daß sie zur Erfüllung diäer staatlichen Aufgaben äne hohe Summe zur Verfügung stellt. Die Errichtung des Lupusheims ist gesichert und bannt eine Heilstätte der Universität hinzugefügt, die bis m ganz wenigen Orten sich befindet. Wo sich aber solche Heilstätten befinden verschwindet allmählich ber Lupus aus der nn??nrr,ynt9 Ä -Vorbereitung ist begriffen die Errichtung eines Unsallkrankenhauses, Endgültiges liegt aber noch nicht vor. Den S9 Gy^bunften entspreche ein Antrag des Redners ^Ä^c?as Landwirtschaftliche Institut. Es stehe niemand als sein Wunich, getreu dem Programm cl Fortschrittspartei, die Landwirt,chaft durch Lehre und Wissen- fHh.t h,r “nb rfe? Wunsch, zu verhüten, daß ein Jn-
La^dnü/tt^??^unlversitat, die inmitten einer zum größten Teile Landwirtschaft treibenden Bevölkerung stehe, aufqegi unb veröde Zum wenigsten müsse ber Beschluß d
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der gif w a, Äeme *icu<5t?e, bti {g'üetlauh-, putzen- 1 3» tet . ^uiümmcn Föramcnnn
Gehermerat Dr. Weber. Der Abg. Motthan hat gesagt, bic Stadt Gießen hätte einen Zuschuß geleistet, er wisso allerdings mcht, unter welchem Drucke. Es ist äne Tankespslicht, hier zu konstatteren, daß es eines Druckes nicht bedurfte. Eine Konferenz habe genügt, und der Oberbürgermeister hat mitgäeih, daß bis Stadtverordnetenversammlung gänzlich bedingungslos dem Staat ^ud^.uun9 biefer beiden Spezialkliniken den Bettag von 100 000 Mk. zur Verfügung stelle, Dies veranlaßt mich, hier öffentlich den Dank ber Regierung zum Ausdruck zu bringen
Abg. KoreIl - Angenrod (Bbd.). Die Bildung, wie sie heute an dem Landwirtschaftlichen Institut möglich ist, beförbert nur eme Halbbildung. Es fragt sich, ob cs zurzät möglich ist. das Institut auszubauen. 233ernt der Ausbau mit mäßigen Kostw möglich ist, so soll man nicht zögern.
Es folgen persönliche Bemerkungen der Abgg. Grünewald und Molthan.
dem Kapitel 36, Landesuniversität, beanttagt der Ausschuß: Bewilligung der Einnahme mit 614 937 Mk., der Ausgabe mit 1628 536 Mk. Der Antrag wird einstimmig angenommen.
Zu Kapitel 37, Technische Hochschule, will ber
?lbg. Stöpler (natl.) einen Lehrstuhl für Elektrotechnik für landwirtsdsaftliche Maschinen errichtet wissen.
Geheimerat Weber sagt bte Bereitwilligkeit ber Regierung zu, diäer Anregung näherzutreten.
Abg. Tr. Osann (natl.) macht Mittälnngen über Beratungen tm Ausschuß.
Abg. Bähr (Bbd.) bittet bie Regierung, strengeren Maßstab an bie Vorbildung der an ber Hochschule fhtbietenben Ausländer zu legen.
.„.Ter Antrag bes Ausschusses zu Kapitel 37 fordert die Be- willtgung der Einnahme von 347 975 Mk. und bet Ausgabe Don 771300 Jutf $er Antrag wird einstimmig genehmigt.
Zu Kapitel 38, Gymnasien, Realgymnasien usw. spricht als erster Redner der r-c. Ä rFV* ber in einer längeren Ausführung schul technische Fragen erörtert. Et wünscht, daß dem Zudrangc zu den höheren Schulen gesteuert werde. Zum Schluß seiner Rede ttttt er für die Besserstellung der Schuldiener ein.
2Ibg Kore 11» Angenrod (Bbd.) spricht sich gegen bte Extemporale aus und verweist auf das Vorgehen Preußens.
k 3 Abg. Ur stabt (Fortschr. Vp.) ist mit den Ausführungen des Abg. Münch im großen und ganzen änverstanben, besonders m bezug auf bte Besserstellung ber tochulbiencr. Auch mit den Ausführungen des Abg. Korell-Angenrod ist der Redner ein- verstandem Er verbreitet sich bann über bie Neuordnung der höheren Mädchenschulen. Man habe bis jetzt nur die Frauenrechtlerinnen gehört, nicht aber auch bie Frauen, die Mütter sind. Er tritt für bte Errichtung des Elternrats ein. Das Wirtshaus- und das Rauchverbot müßte abgä'chafft werden. Die Stenographie müßte tn_ ben Schulen cüiqerührt werden, dürfe aber in ben höheren tochulen nicht als Lehrfach genommen werben, bcn ^chulveränen überlassen werben. In der Volksichule dagegen könne man die Stenographie zum Lehrsac- rnachen. ^.as Selbstverwaltungsrccht bet Schule müsse errocüed roerben. Tie Stundenzahl müsse verringert werden auS Gründ« der Lvariamkeit und aus pädagogischen Gründen. ES müsse eine ttarfere .'oeranztehung der seminaristisch gebildeten Lehrer zu den höheren schulen erfolgen.
Abg. Wigand (Ztt.) spricht über die Schulbeiträge ber Regierung.
Qr. i ü lFortschr. Bv.) tritt ben Ausführungen des
2Ibg. Munch bei und bittet, ben Andrang zu ben höheren Klassen emiubammen.
'Mbg Münch (mrtl.) wünscht, daß man nicht von ben mitt' ..ren Beamten verlangen solle, daß sie ihre Ausbildung auf den hcren schulen erhalten haben, sondern daß man auch andere Btldungsamtalten -ulassen solle.
« .^brimetat Süfferl gibt auf die einzelnen Schulreben SSiS?*? txe f4vr°9Cr 3“ nrofeen Zahl der Studierenden . u ntige ihn schon lange. Aber in der Kammer habe man 9^?^r^ cc 'ei stets bestrebt gewesen, zu bremien. Von emer Erhöhung des Schulgeldes soll Abstand werden Die Regierung freße der Lehrplanreform . ch gegenüber. Ucber bie icruelTe Aufklärung wolle er 2er 5S»^CC-2!rbr^lcn'- 'ei ein sehr wichtiaes Kapftel, * r 9td>ncr l,t Ulcht rätlos für bte Abschaffung der Ertemporalc..
lcnnen, die sich unseren hessischen Studenten bitten. Die Zahl der Interessenten für neuere Sprachen ist groß. Es ist klar, das; es nid)t genügend ist, einmal ein paar Wochen im Auslände gewesen zu sein. Es wäre gut, dem Lektor äne Pausd-alsummo zu geben. Das Geld rentiert sich gut. Wenn man 600 Mk. für Auslandreisen ausgibt, so kann man mehr erreichen, wenn man diesen Betrag den Lektoren überweist.
Abg. Molthan (Ztt.): Der Satz im Ausschußbericht, ber besagt, daß der Ausbau des landwirtschaftlichen Instituts „jur* zeit und wohl auch für die Zukunft unmöglich" sei, sei nur hinein» gebracht, um dem Antrag Grünenxlld ein Bein zu stellen. Es kann der Ständekammer nicht der Vorwurf gemacht werden, als hätte sic es an Unterstützung der Landesuntversität fehlen lassen. Herr Kollege Grünewald sprach davon, daß die Frank« turter Universität eine Schädigung für Gießen bedeuten wurde. Ich glaube das. nicht. Die Summe, die für Zwecke der Universität investiert ist, ist so groß, daß man sich die Frage vvrlegen muß, ilt es notwendig, noch weiter so große Mittel aufzuwenden9 Wenn von Vertretern der Landwirtschaft gesagt wird, daß für das landwirtschaftliche Institut kein Bedürfnis vorhanden ist, so müssen roir iw Interesse des Landes endlich Einhalt tun. Wir müssen nlfo die Frage zurückstellen. Wir haben alle Veranlassung, jede neue Ausgabe erst genau zu prüfen.
Abg. Breidenbach lBbd.): Der Anttag Grünewald lag nod) nicht vor als der Ausschußbericht in unseren Händen war. Wir wollen einen Ausbau und nicht einen Abbau.
Berichterstatter Brauer (Bbd.): Man könnte die Frage aufwerfen, ob bas landwirtschaftliche Institut nid)t der Darmstädter Hochschule angegliedert werden könnte, zumal sich hier auch die landwirtschaftlichen Versuchsstellen befänden. Redner macht dlusfühiungen im Sinne des Aussrtmßanttages. Er wolle in bezug auf das landwirtschaftliche Institut keine Hoffnungen erwecken, die man später nicht realisieren könne.
Abg. Bähr (Bbd.) unterstützt die Ausführungen des Abg. Brauer. Das Institut, so wie es jetzt fei, erfülle seinen Zweck. Wenn man es weiter ausbauen wolle, sä ein Kapital von mindestens 100 000 Mk. nötig.
Minister v. Hombergk: Die Regierung steht auf dem Standpunkt des Abg. Grünewald. Es muß alles geschehen, um die Universität auf ber Höhe zu erhalten, um konkurrenzfähig mit Frankfurt zu fein. Wir begrüßen die Errichtung ber Anstalten, wie Des Lupushäms, der Kinderllinik und des Uiifallkrankenhauses. Auf die Frage des Ausbaues der landwirtschaftlichen Fakultät hier änzugehen, muß ich mir mit Rücksicht auf bie Geschäftslage b<* Dauses ersparen. Der Anttag Grünewald wird ja noch Gelegenheit zur Aussprache geben. Es ist gesagt worden, daß bic Regierung ftch über diesen Punkt ausgeschwiegen bättc. Das ist nicht ber Fall. Man müsse mit einer Ausgestaltung Rücksicht nehmen au' me Finanzlage.
Abg. Dr. Osann (natl,): Wir können uns noch nicht bar auf feftlegen, baß das Institut jetzt fchpn ausgebaut wird. Wir müssen uns daran halten, was die Vertreter der Landwirtschaft im Ausschuß ausgesührt haben.
ünih^? k.AUm ?2"Men müsse der Beschluss ber Landes- ÄmfA oÄ "erden, daß nicht auch für bie Zu-
bcd Hnstttuts abgelehnt roerbe. Sein Material ^b^ ■trfl£c* vorlegen. (Lebh. Beifall.)
ch el (Bbd ): Meine Herren! Als mein Vorgänger iqndbCätDr6nor s^9' Kohler-Langsdorf, am 1. März des Jahres 1904 einen Antrag stellte, welcher nod) von 28 Abgeordneten Forstst^^?L-'^ bisherige Hilfsinstitut des VetcL- und ?ileselbständigen auszubauen, waren L J?"™ ewig. Die Kammer bewilligte damals die er- forderlichen Mehrmittel, die Universität richtete eine Liste ftuöie- be^^nfHfHt^im^" UAbx“n^fhiBtC aI(c Wünsche, die von feiten Mm riihäff röntV£tC 5Rc9,KrunVrtot.irfte bei Seiner König- ttchm voheit dem Großherzog den Erlaß einer umsanaräcken f^nr^h9/0/0^9' k^,lCc?Stun9 der Lätung des Instituts ging instittit^d^ 3nfhtut oor allem auch als Forschung^
r vrakttschen Landwirten nutzbar zu machen Dast dieses gelungen ist, geht^ daraus hervor, daß das früher dem if? ^,ute überall bekannt geworden
hl1? f If.10’ die Tätigkeit naturgemäß auf den An-
Ichluß an die benachbarten Landwirte mtt brnpn • „ m.
unb sonstigen Gelegenheiten bie Leiter des Instituts oftmal"^u" fammentraten, ohne datz die Fürsorge für die übri»7n sK.atv? ffEWLNL-ZS
?"brst aut bie Förderung des Pflanzenbaues. § ortender iu die «u- die flaujenüditun^rourVe^im
3nternfe bes Lan^S etfng bearbeitet, so daß im Fabre 1911 b«r ihmgres beutxSrr Pilenzcuzüchter in Sieben tag?n tonnte 3mmer neue «ragen tauchen aus unb finben für bas Arabien.
“"b <wch ^ontell tflr Eberbeiien unb ben ’ Bearbeitung. Tas Bier en er Jnstüut n»r beftrebt bi, ®tet>mer Siebigfcbe Trabitian nneo.-r auiuinebmen unb ni»t nur rür bteSuqenb te&renb. fonbern auch forftbenb fü? unsere KfiU Lanbnnrtschaft zu wirken. Tas Anwachsen der Zahl bet ? Ä tenben zäat datz das Institut Erfolg hatte. Saturn fern ohne roti eren Änlatz, ohne datz non ber Universität irgendwelcher Anlast porhegt, den Weiterausbau des Instituts zu verhindern?
iotl nun die Kammer von ihrem früheren ' unb ber Anmerkung des Aussch'.ischerichtes Ausbau des Instituts für di-. Zeit uno auch für die
Verhältnisse io berücksichtigen wie G,eßen^^mlc ^"-rt>c funft ber Ausbau deS Instituts unmöglich fn, geÄÄ rocÄ


