Koalitionsfreiheit?" Darum sollten ^öch Eid Herren erst kor der eigenen Tür Lehren. (Sehr richtigt rechts, gBitep sprach links.), ~ |
Abg. Weinhansen '(Vp-)S , _
Bei der Arl, wie diese wichtige Frage hier kehankelt worben ist. wäre cs kein Wunder, wenn das Interesse an unseren Ver- Handlungen im Lande sinkt. Wir fragen: Wie stellt sich die Reichs- regierung zu dem Koalitionsrecht? Von der Antwort, die uns gestern zuteil wurde, sind wir durchaus nicht befrre« bigt Ter Staatssekretär meinte, Tr. Müller-Meiningen sei rhm immer näher gerückt, nein, er ist ihm immer weiter und ferner gerückt. Ein Koalitionsrecht un^so Mel Lochern ist uns keine halbe Stunde Beratung wert. (Sehr ridjhg!, links.) Wir sehen daraus nur, daß das Koalitionsrccht viel resormbe- dürftiger ist, als wir je geglaubt haben. (Sehr wahr! links.) Wir lvcrdcn unsere an gekündigten Anträge deshalb mit größter Beschleunigung einbringen. Von den juristischen und namentlich den politischen Ausführungen des Staatssekretär» waren wir aufL höchste und peinlichste überrascht. Seine Auffassung von der Enzhklika ist derart, daß man ganz zweifellos mit gewissen politischen Zwecken rechnen muß. Wenn wirklich die christlichen Gewerkschaften in erster Linie sittliche und religiöse Zwecke verfolgen neben den sozialen, dann soll doch der Staatssekretär sein Amt and en Kultusmini st er v. Trott zu Solz abtreten.
In dieser Hinsicht stiinmen übrigens die christlichen 'Gewerkschaften mit dem Staatssekretär keineswegs überein. Er sprach eben so günstig für die Enzyklika, daß daß Zentrum ordentlich aufatmete und seine Zufriedenheit erklären konnte. Aber bei den Christlich-Sozialen herrscht eine ganz andere Auffassung. So haben sich in ihrem Organ die Abgg. Behrens und Mumm ausgesprochen, sietrauenRomalleszu. Jetzt müßten sie nicht bloß Nom. sondern auch dec Neichsregierung alles zutrauen (Sehr richtig! links). Und diesen richtigen Standpunkt hat auch Dr. Müller-Meiningen vertreten. Herr Delbrück ist anscheinend wenig unterrichtet oder er hat seine gestrige Rede zu politischen Zwecken gehalten. Er wollte absichtlich den Zentrums. Herren gute Dienste leisten (Sehr richtig! links). Das war fein Zweck, und das nehmen wir ihm übel, zumal in einer Zeit, wie heute, wo die Reichsregierung mit dem Kanzler an der Spitze sich in A ch t und Aberacht des Zentrums befindet. Klug war es auch nicht, die christlichen Gewerkschaften zu loben, als ob sie für das Staatswohl wünschenswerte Organisationen wären. !«. Die Regierung kann heute einen Verband durch ein Verbot schwer schädigen, aber sie kann eine Organisation nicht hochloben. Soweit reicht ihre Autorität in Arbeiterkreisen nicht, i h r Lob erregt hisr eher Mißtrauen, Noch lvernge? hak der Kriegsmiuister den richtigen Ton angeschlagen, er war nach unserer Ansicht völlig unbegründet. Er hat keine Aufklärung geschaffen, sondern beweislose Behauptungen aufgestellt. Und das sollte eine milde Form sein! Keine Spur von Milde war darin. Er sagt: das ist meine Sache und geht Sie gar nichts an. Das geht uns sehr viel an. Tie Zeiten des Freiherrn von Stumm, der für seine Arbeiter sorgte, aber auch erst [eine Genehmigung selbst zu ihrer Heirat geben wollte, sind endgültig vorbei. Für ihn waren die Arbeiterorganisationen einfach Streikvereine, die Führer Agitatoren und Hetzer; die Seuche der Organisation wollte er wie etwa eine Viehseuche durch eine Art Grenzsperre von seinen Arbeitern fern» halten. So etwa hat jetzt noch der Kriegsminister gesprochen. Die Organisation der Arbeiter ist eine Erziehungsanstalt. (Sehr richtig!)
Nach den gestrigen Reden der Negierung können wir nicht erivarten, daß die Praxis auf diesem Gebiet ton feiten der Vec« waltung eine andere wird. Meine politischen Freunde sind ober der Meinung, daß das grobe Geschütz des Mißtrauensvotums im Anschluß an unsere Interpellation hier nicht angebracht ist, sondern daß man das aufheben muß für Falle, wo eS sich um die Gesamtpolitik handelt. Aber wir möchten doch hier zum Ausdruck bringen, daß wir in keiner Weise einverstanden sind mit der Art und Weise, wie sich die VerwaltungSchefS hier zu unserer Interpellation gestellt haben. Schaffen Sie einheitliches klares Arbeitsrecht und Angestellten- recht, dann wird die innere Zufriedenheit in diesen Kreisen wiederkehcen. (Beifall links.) . "
' Abg. Voehle (Soz.)'r .
Die Ausführungen der Regierung hatten den Trundgedanken, das Koalitionsrecht der Arbeiter zu untergraben. Dabei sind die Staatsarbeiter ohnehin schon schlecht genug behandelt worden. Herr Dr. Müller-Meiningen hat seiner Interpellation selbst das Rückgrat gebrochen, indem er den Vorsitzenden des Militärverbandes von vornherein fallen ließ. (Abg. Dr. Müller-Meiningen: I bewahre!) Ein solches Vorgehen ist wohl begreiflich, aber nicht tapfer. Mit dem Abg. Behrens brauche ich mich nicht zu beschäftigen, denn er ist schon so abgebrüht, daß auch meine Worte nichts helfen werden.
Präsident Dr. Kacmps ruft den Redner wegen dieses Ausdrucks zurOrdnung.
w Abg. Boehlc (Soz.)': -
v. , Der Kollege Jckler möge die Nummer des »Vorwärts" auf den Tisch des Hauses niederlegen, in der ein Bericht über eine nicht stattgehable Eisenbahnerversammlung gestanden haben soll. Herr Hegeuscheidt ist von Beruf 5anbrdl, daraus L - r,~u !id> leine Ausführungen. Früher war das Zentrum »tet» für das KoalttionSrecht der Staatsarbeiter, ganz im Gegensatz zu dem, was wir gestern gehört haben.
Nach den gestrigen Ausführungen des Staatssekretärs ist daS Koalitionsrccht nicht allein der Staalsarbeiter, sondern aller Arbeiter illusorisch gemacht. Diese Kriegserklärung an Millionen von Arbeitern werden diese aufnehmen; sie werden den Kampf durchführen.
Abg. Schwarz-Schweinfnrik (3enlr.)"f z-- DaS »Berl. Tageblatt" hat heute morgen vor dem Gezänk °c,c 2 * ? ? Ne?,lekretäre QetoarnL solchen Fragen ist Tageblatt nicht kompetent. Wir lehnen eS ab, Herrn Muller-Memingeu als Schl.tzherrn der christlichen Gewerkschaften zu betrachten Ich wiederhole, daß die christlichen Organisationen dem Staat Vertrauen entgegenbringen. Unter allgemeiner Un- ruhe tragt der Redner einige Fälle vor, wonach christlich organi- sierle Arbeiter auf Drängen freier Gewerkschaftler entlassen werden mußten. 11
Gin Vertagungsantrag firitb angenommen.
, folgen persönliche Bemerkungen
* , Abg. Waldstein (Vp.):
- Herr Behrens hat dem Z e n t r a l v e r e i n deutscher Staatsbürger ; u d i s ch'e n Glaubens vorgeworfeu, daß er die Koalitionsfreiheit der Angestellten beeinträchtigt. Ich kann
nc ‘fe’1 emer persönlichen Bemerkung nicht richtig stellen, •o“) stehe selbstverständlich auf dem Boden dec Koalitionsfreiheit und wurde mich niemals an einer Verletzung des Koalitionsrechts beteiligen. Wenn aber j ü d i s ch e K a u f l e u t e A n t i s e m i t e n nicht an st eilen w o l l e n . » .
Präsident Kaempf: DaS ist nicht persönlich, j -v.v
Abg. Müller-Meiningen (Vp.)k
Ich verlange das Koalitionsrecht nicht nur für die Militärarbeiter, sondern für alle Kategorien der Staatsarbeiter.
Abg. Jckler (Natl.)k
Der Bericht über die angebliche Eisenbahnerversammlung stand im „Vorwärts" am 27. September.
Donnerstag 11 Uhr: Interpellation über den Wagen- m*nÖcl' Denkschrift über die Aostellungsverhältninc der Vost- assistenten usw., Wahlpriifungen. V 1
Schluß 6’Z« Uhr.
Provinzial-Ausschuß der Provinz Lberhessen.
I,. Gießen, 11. Dezember.
Anwesend: Bei Punkt 1 Provinzinldirektor Tr. Usinger, bei 2—4 Regierungsrat Welcker als Vorsitzender und fünf Mitglieder. Anfang 9, Ende 121/2 Uhr.
1. Enteignung von Gelände wegen -Verlängerung der Nollgässe in Grunin gen. Von der ho freite der Christian Ernst Bingel II. Eheleute zu Grüningcn sind 64 qm zur Verlängerung der Nollgane erforderlich, für die von den Eigentümern je qm 5 Mk. gefordert wurden. Außerdem wurde eine Minderwcrts- entschädigung von 5000 Mk. für erschwerte Wirtschaftsmöglichkeit verlangt. Tie Ortstommission schätzte den Geländewert auf 4 Mk. je qm und hielt eine Minderwertsentschädigung von 1000 Mk. für genügend. Ferner sollte die Gemeinde als Antragstellerin die Kosten der Verlegung der Toreinfahrt und einer allenfalls notwendig werdenden Einfriedigung tragen. Ter Provinzialausschuß, der bereits früher an Ort und Stelle Augenschein genommen hatte, billigte heute 4 Mk. für den qm und 2000 Mk. für Mrnder- wert zu. Für die Nebcnforderungen hat die Gemeinde wie von der Ortskommission festgelegt aufzukommen. Tic Kosten des Verfahrens hat die Gemeinde zu tragen.
2. Gesuch des Löb Grünewald zu Gießen umErlaubniszumGastwirtschaftsbetriebim Hause Mühlstraß c Nr. 3. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich für dieses Gesuch ausgesprochen, während das Polizeiamt seine Ablehnung beantragte. Durch Zeugenvernehmung wurde heule sestgeftellt, daß für eine jüdifch-rituelle Wirtschaft, wie sie Gesuchsteller errichten will, hier ein Bedürfnis besteht, weshalb der Provinzialausschuß die erbetene Erlaubnis erteilte.
3. Gesuch des Heinr. Rudolf Langlitz zu Merkenfritz 11 in Gen ehmigung einer fest- stehenden Dampfkesselanlage. Langlitz will ein Dampfsägewerk auf einem Grundstück an der Bahnstrecke Stockheim—Lauterbach errichten. Gegen das Gesuch hat die Eisenbahndircktion Frankfurt a. M. Einspruch erhoben, weil die für solche feuergefährlichen Anlagen vorgeschriebene Entfernung von 20 m vom Bahnkörper nicht ein- gehalteu sei. Der Kreisausschuß des Kreises Büdingen erteilte die Erlaubnis unter der Bedingung, daß die Säge- werkshalle aus Tuffstein errichtet und mit Ziegeln gedeckt werde. Gegen die Entscheidung des Kreisausfchusses verfolgte die Bahnverwalwng Berufung an den Provinzial- ausfchuß, indem sie darzmegen suchte, daß den gesetzlichen Vorschriften in keiner Weise genügt werde. Der Provinzialausschuß verwarf die eingelegte Berufung und setzte nur noch als weitere Konzesswnsbedingung fest, daß die Fenster nach dem Bayntörper zu stets geschloffen zu halten seien.
4. Enteignung von Gelände zur Bahnhofs- crweiterung Ortenberg. Bereits in der Sitzung des Provinzialausschusses vom 18. September d. I. war die Enteignung des Grundstücks Fl. IV Nr. 497*/io der Ge- martung Ortenberg dem Grafen Karl Martin zu Stolberg- Roßla un Grundbuch zugeschrieben, für zulajfig ertannt worben. Nack>dem nunmeyr die Eisenbahnvireltivn Frankfurt a. M. die Hinterlegung der zuerlannten Entfchäbi- gungssumme von 2876 Mk. nachgewresen hat, konnte heute oie Enteignung ausgesprochen iverden.
WanOern und Reisen.
— Ein Luxuszug für den Wrntersport, der Engadin-Expreß, wurde am 9. Dezember zum ersten Male in London abgelaßen. Ta der Zug nut dein L l 0 y d - Riviera- Expreß in Verbindung gesetzt wird, so stellt er Verkehrsbeziehungen her mit Verlm, Hambulg, Bremen, Munster Essen, Tmsburg, Amsterdam, dem Haag, Düsseldorf, Köln, Mainz, Frankfurt, Straßburg usw. Er luirb über Calais, Paris und Beliort nach Bafel, Zürich und Ehur geführt. Zwischen Berlin und Ehur laust ein Wagen durch. Alan fährt von Berlin 3.5 nachmittags, von Hamburg 1.21, Bremen 2.58, Frankfurt 11.14, von London 11 oor- inittags, Parts Ostbahnhof 7.47 uachnuttagS und t|t in Chur 9.25 vormittags. Zurück fährt man von Chur 7.30 nachmittags und tommt nach Frankfurt 6.58 früh, Berltn 3.25 nacy- nuttags, Bremen 3,50, Hamburg 5.40, riöln 10.25 vormittags.
Unlvcrjitats-Lrttctzrichren.
— T i e berliner Universität weift m dtefenr Semester die höchste bisher erreichte Zahl von Studierenden auf. Ste war von 10 uli Studenten besticht, davon sind 887 Studenlmnerr.
Verhandlung find zwei Tage vorgesehen, 59 Zeugen sind^zu vernehmen. Tie Anklage vertritt Staatsanwalt Schuhmann, die .Verteidigung führt Rechtsanwalt Loewcnsberg.
*
London, 10. Tez. In Baldwin in Michigan erschoß ein iunger Ctndent namens Au erb ach, Sohn eines Waihmgioner Eifenoahnmagnaten, feinen Freund Fifher. -Auerbach hielt sich zur Erholung auf Fishers Besitztum auf und soll sich mit der Frau 3i|berS eingelassen haben. Fishers Leben in mit einer Million Mark versichert. Man glaubt, daß Auerbach diese Summe Fishers Frau sichern wollte. Auerbach ist gestern wegen Mordes z u n: Tode vernrteilt worden.
Kleine Tageschronit.
Auf dem Tienstwege zwischen Oberesch bei Menis unb dem Dorfe Silvingen wurde der Landbriesträger des Merziger Postamts im Walde von zwei Wölfen- angefallen. Er gab zwei Revolverschüsse ab, woraus die Bestien, die auch von den Bewohnern Silvingens bemerkt worden waren, entflohen,
Im Walde von D 0 n g a l i in Sardinien wurde der Briganl Masui, seit zwei Jahren der Schrecken der Gegend, im Kampfe mit Carbinierie getötet.
Das Sechstagerennen in New 'Dorf brachte einen schweren Unfall Walker Ribettes. Nach einem Vorstoß des Australiers Walker hatte sich das Feld eben wieder geschlossen, als Franz Suter und Thomas in Kollission gerieten. Tie beiden Fahrer kamen zu Fall und über sie hinweg stürzte Rüst und Moran. Et erlitt erhebliche Verletzungen an Armen und Beineu. Bei Ablauf der 31. Stunde hatten 13. Mannschaften 1090 Kilometer bedeckt.
vüchettisch.
— DurchNacht zum Licht. Ein Beitrag zur Geschicht, des Jahres 1812, herausgcgeben von Hauptlehrcr A. Storch. Butzbach, betitelt sich eine soeben im Berlage von Emil Roth in Gießen erschienene Schrift. Dem Gedächtnis an die große Zeit „vor 100 Jahren" ist dieses Buch geweiht, welchem cm großer allgemeiner Anklang zu wünschen ist. Es bietet zu dem billigen Preise von nur 60 Psg. eine reichhaltige Auswahl, die zu Erträgen bei patriotischen F-estversammlungen oder in Schulen uni Vereinen Benutzung finden wird, und empfohlen werben kann. — Durch Ernst Moritz Arndts markige Episteln angeregt, bring' der Verfasser einen würdigen Beitrag bar, in bem er derer gebend, bic bamals für unser Volk imb Vaterlanb zuversichtlich hofften und so tapfer rangen, bamit es zu seiner heutigen Stärke sich entwickelte. Für unsere Jngenb, für bie Volks- unb Schul- Bibliotheken erscheint es uns ebenso geeignet, wie cs für Vereine zur gemeinschaftlichen Anschaffung empfohlen werden kann. Die Kreise der hessischen Lehrerschaft aber werden dieses Buch ihres bekannten Kollegen besonders beachtenswert finden. Durch bu Erinnerungen bes hessischen Offiziers Friedrich Peppler liefert es einen historischen Beitrag zur damaligen Zeit.
rLirchlictze rrachrichten. Z;
IrraeiiLijche Religionrgemeinde. 1 , Gottesdtetist in Oer Synagoge ^uo-Anlagelr Samstag, den 14. Dezember 1912;
Vorabend: 4.30 Uhr. i
DtorgenS: 9.00 Uhr.
St ach mit tags: 3.30 Uhr. Schrifterklärupg.
Sabbatausgang: 5.15 Uhr.
Israetttische Religionrgefellschast.
tvottestzienst. >'
Sabbatfeier am 14, Dezember 1912:' Freitag abend 4.00 Uhr.
Samstag vormittag 8.30 Uhr.
Samstag nachmittag 3.30 Uhr. '
Sabbat-Ausgang 5.15 Uhr. •„
Wochengottesdienst: Morgens 7.00, abends 7.00.
Meteorologische Beobachtungen der Station Sietze».
M3
SZ
ä
748,6 -2,1
746,3
<43,4
3.0
3,7
Tez.
1912
5,2
5,5
5,6
Wetter i
11.
11.
12.
p
trt
2§=<
Spf«
Höchste Temperatur am Niedrigste „ ,
Niederschlag: 0,5 mm.
S 5 tiD
98
97
94
10. d
10. ,
SE
S 8
s 11.
11.
2
2
2
veze
10
10
10
nber
Nebel, Sprühregen
Bed. Himmel
" • i
- + 3,0» a
■ — 0,2* 0. j
Großschlächtcr Nußhag vor dem Schwurgericht.
Mainz, 12. Dez. Der 37 jährige Mctzgermeister Karl Nußhag aus Eppingen, seit 30. Juli in Mainz in Untersuchungshaft, ist angeHagt, im Sommer 1912 als Schuldner, welcher seine Zahlungen eingestellt Hal unb über bes,en Vermögen bas Konkursverfahren eröffnet würbe, in ber Absicht, feine Gläubiger zu benachteiligen, Vermögensstücke unb zwar einen Gelbbetrag von 52 000 Mk., zwei Gelbbetrage von je 600 Mk., sowie seine Geschäftsfiliale in Pirmasens mit Inventar und Zubehör, fowie Fleisch- und Wurstivaren verheimlicht und beiseite geschasst zu haben. Nußhag betrieb mehrere Jahre in Mainz eine Großschlachterei, er verkaufte seine Fleisch- unb Wurstwareu zu billigeren Preisen. Er hatte mehrere Filialen in Mainz unb an, anderen Orten. .Als er im Juli 1912 seine Zahlungen eingestellt, Ivurde über sein Vermögen der Konkurs verhängt. Tic Aus- sichten sind für bic Gläubiger äußerst schlecht, ben Passiven von etwa 100 000 Mk. stehen fast ferne Aktiven gegenüber. Es wird ihm von ber Antlagebehörde zur Last gelegt, baß er bicfen Zuftanb absichtlich herbeigeführt habe unb baß er schon vor ber Zahlungseinstellung bcbcutenbe Vermögensobjekte beiseite gebracht hat. Tie Hereingesallenen sinb in erster Linie Viehhänbler, bic dem Angeklagten Schlachtvieh auf Kredit geliefert hatten. Vor allem lüirb ihm zur Last gelegt, baß er einen Barbetrag von über 52 000 Mk. beiseite gefchasit hat. Am 16. Juni begab sich Rufshag auf bic Reise, er wollte angeblich nach Kopenhagen 'ähren, um Bich unb Fleisch cinzukauscn unb Schulden aus früheren Lieferungen zu bezahlen. Er hatte, roic er behauptete, in feiner Brieftafäje 62 400 Mk., bie aus Scheinen bestanben, aufbewahrt. Er will auf ber Fahrt geschlafen haben unb wahrenb- bem seiner Brteftafche beraubt worben fein. Den Verlust hatte er in Hamburg unb auch in Kiel angezeigt. Die Anklagevehörbe hält biefe Darstellung für ein Märchen, fic glaubt, baß Nußhag den Betrag abfichtlich beiseite geschafft habe. Dec Angeklagte hatte im Mai 1912 eine Filiale in Pirmasens gegrünbet, burch Vertrag vom 5. Juni 1912 will er biefe auf feinen Schwager Münjlc unb besten Frau käuflich übertragen haben. Rufshag will bas Gelb für bas Pirmasenser Geschäft bar erhalten haben, auch habe Künzle stets bie Flcifchsenbungcn, bie nach Pirmasens ginge«, au ihn bezahlt. Die Anklagebehörbe bagegen ist ber llebcrzeugung, baß bic ganze Sache nur eine in betrügerischer Absicht vorgenommcne Schiebung ist unb baß auch bie Fleisch- cnbungcn, bic in großer Menge von dem Geschäfte in Mainz nach Pirmasens gingen, nicht gebucht unb nicht bezahlt wurden, um das Geld ben Gläubigern zu entziehen. Gut Vierteljahr vor dem Zusammenbruch wurden von Russhag keine Bücher mehr geführt. ^Weiter soll der Angeklagte durch seine Frau noch eine weitere Schiebung im Juni 1912 habe vornehmen lassen, als |ic Einlagen auf der Bezirksfparkast'c Mainz, die auf feine beiden Kinder eingetragen waren, nämlich je 600 Mk., auf den Namen Ieiner Schwägerin Hclcnc Simou übertragen ließ. Für bic
Neues probieren heißt ost,
Zeil verlieren. '
Seit bald 40 Jahren hat sich Scotts^ ■ Emulsion als ein zuverlässiges, wirksames
' Kräftigungsmittel für groß und
klein bewährt. Daß sie gut ist, steht -/ fest, und weil sie gut ist, wird sie 'nachgemacht. Man hüte sich bor; bicfen Nachahmungen, bic meist' nicht leisten, was sie versprechen, und nicht auf 37 erfolgreiche Jahre zurückblickm können wie
' Scotts Emulsion. Wer sich eine Nachahttwü- 7 aufreden läßt, verliert nutzlos Zeit und Geld.
Darum nur -Scotts Emulsion,


