Zweiter Blatt
162. Jahrgang
Nr. M
Erscheint tL-lich mit Ausnahme des EonnlagS.
Tagen des bamobnrn. die Miliz-
Vie schweizerische Armee.
Bon 3- C. Lußtig.
Tie „Siebener Semilieitblitler" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da» ^Mreliblatt fir den Kiels Giehen" zweimal wöchentlich. Tie ..kandwirilchaftllchen Zett, fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Aur Kaifcr 8ranz Jofcfs dustulum.
B. S. Ischl, im August 1912. flenn die Wiener Sommerfrische geniesten und in Sole baden 91, ziehen sie mit Vorliebe nach Ischl. Sie verleiben dem eben rinen gemütlichen Zug und bewahren es vor jener
Montag, 19. August 1912
Rotationsdruck und Verlag der Br üblich« UniversnätS - Buch- und Steindruckerei.
R, Lange. Diesten.
Redaktion. Expedition und Trnckerei: Schulstraste 7. Expedition und Verlag: «e-^D bl. RedaknonrL^S HL. rel.-^ldr^ Anzeigers «esten.
Vie Ausstellung „Der Mensch".
rb. Darmstadt, 16. Aug.
3n der crfrkn allgemeinen Ucbersicht über die im Srotzh «csidenIchlost eröffnete Ausstellung „xer Mensch ist bereits dar auf Inngewiesen worden, das; der menschliche Körper «neuhöckck fomfrlünTten, kunstvoll zusammengefugten Bau bildetund' eb^w. -ne alle anderen Lebemeseii, anS vielen Millionen kleiner Bau steine, den sog. Zellen, besteht. Auf der Ausfr e Umgw.rd nun xu ansclxmlicher Weise gezeigt, aus ^ckrcn -tosten stormr nn'ammngesetzt ist. Der norma l e Mcm A, ju
ron 70 Kilogramm gerechnet, enthalt nur Kilogramm Mte Stosse imd 45 Kg. Wasser. Bon den testen Destandttilen^nnd n 7 Qitrfi'r 3 5 Ma ^-alze. 7 Kg. «rett und 14 Kg «.uveiß. Ten ästigsten Faktor im menschlichen Organismus bildet^ekanm Ach das Blut, und dessen Erstellung wird auch am der Aus xellung ein breiter Raum gewidmet. Jleber die Aufgaben die,es 'üten Lebenssaftes besagt eine grofze Tafel an der Wand, ^.as Blut vermittelt den Gaswechsel des Körpers und dengeigmtm tztosswechiel des Körpers und das Blut M das beste ^mdmuttl Tür den Körper. Diese drei lapidaren oofr werden damn nover erläutert: Der Farbstoff der roten Mutkörperchen verbindet sich in den Lungen mit dem cinjcatmetvn -auerftoff trän portiert ibn in die Körpergetvebe. Die Kohlemaure der Korp^zelliNwird in der Hauptsache von der Blustlmstgkeit ^Blutplasma au ge lommen und in den Lungen an die^^ust abgegeben^ a'ährfioffe Süssigkeit transportiert die aus dem xarm au,gelogenen ^ahrflE in die Körperzellen unb schafft Abfall,toste cms Tort Müssen Blutkörperchen wandern deii BlMgesaken deraiis, rachen die in den Körper eingeivanderten Bakterien am und ver Nichten sie. Die Blutflüssigkeit bildet Abwehr,toiredie bte -irrung der in den Körper eingedrungenen Bakterien au beben ^ Blut bat also vor allem die Ausgabe, die ,0 vielgestMttgen Gewebe des Körpers zu erneuern: es must deshalb auch ur alle Gew^e himnn bringen, was mit Hilfe des Herzens ge,ckneht. ^m normalen Körper des erwachseneii Memci^n ,md o Lrter Blut vordondcm TreseBkutmenge wird dem Laien m einemGlasbeballn vor Augen gerührt, daneben aber vier Gefayc mit 2 Sitern »tut geengt, namlidj dasjenige Quantum Blut, das ^der b .
Blutverlust auf einmal entbehren.kann. Mut des norm^ü Menschen enthält etwa 1 Kg. fester Bc,tandteUe mW znmr Gramm Hämoglobin (farbswfshaltige (ruoeiBltone), -oQ Gramm
Knie. Hüftgelenke, Schulterblätter usw., und weiter kann man zwischen dem Sclädelbau des Menschen und dem vieler Tiere, Löwe, Pferd, Hund, Affe, Gans, Huhn, Steinadler usw. Vergleiche an- teilen. Besondere Aufmerfsamkeit erregt die Darstellung der Entwickelung des menschlichen Skeletts vom kleinsten ,rötus an und die Knochenstrukmr in den verschiedensten Lebensaltern. Tci Hauptbestandteil der Knochen ist kohlensaurer Kalk. Dessen Wichtigkeit für den Aufbau unseres Knochengerüsts wird an verschiedenen Präparaten und an einem Naturprodukt dargetan, bei welchem der Kalkgehalt vermittelst Säure entfernt ist, so daß der Mnotben ganz weich wurde und zu einem Knoten zusammen- geschlungen werden kann. Bekanntlich hat ein großer Teil der Knochmkrankheiten, B. die englische Krankheit, die mangelnde Kalkzufuhr zur Ursache. In Verbindung mit den Knochen wird auch eine eingehende Darstellung der Muskeln und ihre Tätigkeit gegeben und in einem beweglichen Modell die gruppenweise Arbeit der Beugung und Streckung des Unterarmes Dor geführt.
Eine andere Abteilung ist der Haut gewidmet, der nicht mir die Aufgabe zufällt, als Schutzdecke für die Muskulatur zu dienen, sondern die auch als Sinnesorgane und jum Stoffwechsel dient. Hier wird u a. der Satz ausgestellt: Ze mehr der Mensch wächst, desto kleiner wird die Hautoberfläche im Vergleich zum lvewicht. .sowohl über die Konstruktion der Haut und ihre verschiedenen Ergenfchasten, ihre Pflege, Beseitigung von Mistbildungen, wie über die seine Struktur des Haares und dessen Entwickelung erfahren nur mannigfache Aufklärung und Belehrung.
Ein recht eingehendes Studium verdient der daneben liegende Saal III, in welchem die Kapitel: Atmungs- und Ser» bauungsorganc, sowie die Smteabsonderungen und die Nerven behandelt werden. Die Atmung zwecks fortgesetzter Sauerstoffausnahme erfolgt bekanntlich hauptsächlich durch die Lunge die aus Millionen kleiner elastischer Bläschen besteht und den Austausch von Sauerstoff und Kohlensäure vermittelt. Zn einer großen Glasvitrine sind zahlreiche präparierte Lungen von Menschen und Tieren ausgestellt, darunter die einer 87- jährigen Frau: die Lunge ist z. T. von Kohlenstaub ,'c^oar; gefärbt und lästt deutlich die Spuren früherer, vernarbter Tuberkulose erkennen. Vie wir hier weiter belehrt werden, atmet der LNensch m der Minute 10 Liter Luft ein, in der 2 Liter Sauerstoff uns 3 Kubikzentimeter Kohlensäure enthalten sind. Der mechanische Vorgang bei bet Atmung kommt in der Hauptsache oureb das Zwerchfell, dann aber auch durch die Mns/ejn
nur bis zum CberfL Im Kriege 'mrd^Generi^^ Armeekommandant gewädU ne km deren Kommandanten heißen Oberst Brigadier, Oberst-TiviNonar und ^bttst-KorpS- kommandant Zm ganzen gibt rS m.der L>ck»ve»z an Offiziere 2<e Besoldung der C M U t r r r beträgt ‘
für den Brigadier täglich 25 itrff . sür den Oberstleutnant 1.» .zrS, für ben \Muptmann 10, für den Cberleuhiant 8. und für den teut-
Zm Frieden werden Trnppenkörper nur gelegentlich der Manöver au'gestellt Zeder Trupp nkorper bat '"uen foge' nannten Wasfenplatz, doS heißt einen Crt, an dem sich die Iruppen versammeln. T,-' Rekruten bekommen einmal unentgeltlich bie Bekleidung und bie Ausrüstung, die iie in die Heimat mitneomen und auch im Stand erhalten müssen Der Staat letstet mir Ersatz für Beschädigungen im fünfte ober für ),o^^.bte durch unverschuldetes Unglück entftanben find. Nach voMtteckter Ttenst pflicht ledock, verbleibt den Wedrmännern die Ben»afntuug und Ausrüstung als ihr freies Eigentum.
Nach der Neuorganisation der Armee merben von der Eid- genosiensdast folgende Truppen für den Kriegsfall aufgeiidlt. Zm Auszug In Infanterie Brigaden mit 36 Znsaittene .negi- mentern, 6 Etappen Infanterie Bataillonen. 8 Radfahrer-xom» pagnien und 6 Znianterie Mittailleur-lbteilungen. Dann 4 Kavallerie.Brigaden mit 8 Dragoner Regitnentern, 6 Artillene-Btt- gaben, 6 Sappeur-Bataillonen unb b Sanität-kompagnien.
Gemischt aus Auszug unb Landwehr werden neu auf gestellt: 3 Fußartillerie Abteilungen, eine Lustschisser Abteilung, ertwn* nrrfer Kompagnien, bann eine Funken Pionier Kompagnie. Zn der Landwehr kommen 6 Infanterie Brigaden zur Aufstellung. Dann Sabr-cure, Tivisionsvarks unb VerpflegungS Kompagnien. Aus alt diesen Truppen werben außer den Festungsbefatzungcn formiert 6 Divisionen, davon 4 mit GebirgS-Brigade.
Am Anfang des lausenden Zahres begann für die schweizerische Armee die auf 4- - Jahre verteilte E i n f ü b r un g etn eS n euett abgeändertenf Gewehres. Tas Änliber betragt^6^5 Millimeter mit einem Magazin für 6 Patronen, einem ^nnewrmja«n: von 300 - 2000 Meter, und einem Bollmantel-Spibgc,cbotz. uc Tasckienmunilion betragt 120 Patronen, in den BaMonS 86, bei dm Znianterie Park-Kompagnien 140 Patronen, per Gewehr, einschließlich Depot» 750 Patronen für das Gewehr von Auszug unb Landwehr Tie Offiziere tragen Säbel und Repetierptttole. ZweS Bataillon hat eine Fahne, bie Kompagnien fuhren Spaten, Pickel, Handbeile unb Felbsignalflaggeu. Jeder Mann tragt ein JUu- minimum Modigefd irr. Die bisherige Zeltausrüstung soll im Laufe der Zeil durch Biwackdeckrn ett'etzt werdcii. ^»e Artillerie besitzt ein Kruppsches Rohrrücklausgeschütz mit einem Kaliber von <•> Zentimeter mit hydraulischer Bremse. • ,___ _
Tie Heeresleitung bewirkt das Militardepartement deS Bundesrates, und in jedem Kanton sührt ein M i li t ä r bi re kto r ben Befehl über bie militärischen Angelegenheiten. Der Militärunterricht unb die Bewaffnung obliegen dem Bunde, Dem auch das Verfügungsrecht über bie ganze Wehrmacht zusteht Tie Ausrüstttng und Bekleidung besägasst der Bund für dte Bundeätruppen birett, für bie kantonalen Truppen besorgen mes dte Kantone, benen bann die Auslagen vergütet toerden. Zn der Schweiz gibt es drei Dienstsprachen: Deutsch, .französischund Italienisch, je nach der Sprache des Ergänzungsbezirkes, beziehungsweise des Kantons. Für die Divisionen gilt nach Bedarf Teutsch oder Französisch als Tienstsprache, für daS Oberkommando Französisch, beziehungsweise Teutgch, evtl, werden die Besehle in beiden Sprachen zusammen audgeferhgt.
Tie mit dem ersten April dieses Jahres in Straft tretOcheNeu- organifation der gesamten Armee sieht für den Krieg vor: Einen Armeestab, der aber erst im Kriegsfälle aufgestellt wird. Ferner drei Armeekorpsstäbe. Tie Zusammenfassung der Divisionen zu Armeekorps erfolgt gleichfalls erst im MohüisieningsfallQ Tie Truppen vereinigen sich zu 6 Tivisionen. Ter Gesechlsstand einer Tivision beträgt 14 500 Gewehre. In den Rahmen der Armeeoersaiiiing gehören ttoch die Stäbe derG 0 t th a r d-Besatzung unb ber Besatzung von Saint Maurice, oenter gehören dazu die Besatzungen dieser Befestigungen selbst. Es gibt auch noch außerhalb des Verbandes der Tiviswnen unb Festungs- bcsayungen verfchiebene H ilf ss or ma t iv neu kleineren Um- sanaes, unb in ber zweiten Linie noch 6 3nfanteriebngabcn. An größeren Festungswerken sür bie Zwecke bet Laubesverteib,- gung besitzt die Schweiz bie Besestigungen des St. Gottharb mit ben Gruppen Anberrnat, Airolo, Oberalppaß unb Furkapast, sowie bie Befestigiingsgruppe 3t. Maurice im Rhonetal. Von Befestigungen geringeren Urnsanges sinb vorhanben: Talsperren bei Bellinzona, Befestigungen am Sirnplon und bei Luziensterg im Rheintale Tie Besatzungen dieser Werke sind sehr ansehnttch^ Tie (Gruppe St. Gottharb wirb nach der Neuorganisatton 8Vt Bataillone Infanterie mit Spczialtruvven, bie Gruppe St. Maurice ; 41 . Bataillone Infanterie mit Spezialtruppen umfassen, alle 1 Truppen durchweg mit Gebirgsausrüstung.
1 Tie Schweiz wirb nach vollständig durchge,ührter Neuregelung
und auch sonstige Unterstützung.
Tie Armee gliedert sich in Auszug, Landwehrund Landsturm Wenn wir die Infanterie als dte Ha»wtwaffe tn Bettacht ziehen, so dient der Mann in der Schweiz -Tage in ber Rekrulenschule, 77 Tage in den Wieberbolungskurfen, die unfern Waffenübungen entsprechen, unb 5 Tage uir Waffen- inspektionen Auf bkfe Zeit beschränkt sich die ganze Dienstpflicht, bie der Auszug wahrenb ber aefetzliclfen ^.ienftznt unter der Waffe abzuleisten hat. Zn der Landwehr dient der.Monn odann noch 18 unb im Lanbsturm noch 8 Tage, fo bau alles in allem ber wehrfähige schweizerische Staatsbürger ,m .vrteben 173 Tage in ber Armee berbringt. Ueberdies aber find die mit Gewehr ober Karabiner ausgerüsteten Unteroffiziere, Gefreite unb Solbatcn des Auszugs unb ber Lanbwehr f.owie bie Subaltern- Offijicrc zur Teilnahme an jährlichen Sckrießübungeii in ^dneß- oercinen verpflichtet. , . t .
Tie Kriegsstärke des Heeres betrug nach dem letzten Stande für den Auszug 142054 Mann, tn Landwehr 69^13 und im Landsturm 15 580. Zufannnen also 227 147 Wann bem- nach 6 Prozent der Bevölkerung. Die Schwei; kennt übrigens noch die Ginriditung ber sogenannten Hilfsdienste. Zu dmen gehören Pioniere, Radfahrer, Automobilisten,^uhrer und Trager, Gleftrifer, Signalisten, Werkstättenleute, ^anitatsmannichaften, Bäcker, Metzger, Kochmannfch«ift, Mannschaft für Magazine, der Train, unb ber Platzdienst. Für biefe Formattonen unb für ben Kriegsfall 206 705 Mann, zur Verfügung.
TieChargekabers bestehen aus Znstruktoren.M»- lizunter off i zieren unb Milizosfi zieren. Tie Instruktoren sind Berufssolbateii, eigentlich vom Bunb angcuclltc Beamte, welche bie Rettutenausbilbung zu leiten haben. Sie um. fassen Oberste, Stabsofsiziere, Hauptleute unb Subalterne, Aspi ranten, sowie Tambour unb Trompeter-Instruktoren -sie ge niefjen keinen Vorzug im Avancement unb haben anch kerne Pensionsberechtigung. Zu M.lizunteroftizieren werben olcke Mannschaften ernannt, die eine Unterosfizrerfchule abwlviert habet, Ter LehrkurS dauert nur 20—35 Tage. x-er_ «old für leben im aktiven Tienst verbrachten Tag betragt für den Rekruten einen Halden Frank, für den Soldaten 80 Zentimes dis ^n Frank, für ben Wachtmeister bis zwei 'Franks, tut den Adiutant Unter- offiuer drei Franks. Tazu kommt die sogenannte. Mundportion, bas ist bie Monnschastsverpflegung. Tie Milizofnziere werden teils von ben «antonen, teils vom Bunb ernannt. Es besteht ein gesetzlicher Zwang, bie der Eignung des einzelnen entfprechende Charge zu erreichen. ,, . . . , . . ,
Die Ergänzung der M i li z os f i z 1 e r e erfolgt durch bie Ernennung von Unteroffizieren in die -i/tenftgrabe der Ofuttere. Tie Bedingung aber zur Ernennung ist Teilnahme an einer Rekrutensdwle als Instruktor, und die erfolgreiche Absol Vierung ber Ossizier-Bilbungsschule, beren Kur us bei bet 3n- fan^rie unb Kavallerie 80 Tage, bei der Artillerie 105 Tage , währt. Tie weitere Beförderung erfolgt nach Teilnahme an ben Rekrutenfchulen, sowie nach der Wolyicrung ber tut jeben -Ltenfb grab vorgeschriebenen Unlerrichtskune. Zur Aufnahme in den Generalstab müssen drei Kurse absolviert werden, die zufammen ’ 133 Tage in Anspruch nehmen. Sie Gbu v.m b.r Ltnu r. 1 idnn
Mehener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für ©berljeffen
Kaiser Wilhelm loirb, wie bekannt, in den ersten Sepiemder den Manövem ber schweizerischen Armee Obgleich die Absicht und ber Wunsch des Kauers, truppeii der Gibgcnoffcnftbaft zu besichtigen, schon seit längerer Zen bestand, scheint dock) gerade dieses Jahr für bie geplante Teilnahme an den schweizerischen Manövern gewähr worden zu fein, weil die Neuorganisation der Armee, die im Zadre 1907 beschlossen ivorben n>ar, bis zum 1 April beä. huuenbtn Jahres zum größten Teile durchgeführt fein soll, eomit wird b-r Kaiser bie Truppen unb ihre Formalionen in Berbrinden in Augenschein nehmen können, bie vorausfid klich auf einen längeren Zeitraum hinaus für die Schweiz bestehen 1^1 etben werden
In der Schwei» besteht die allgemeine Wehrpflicht Befreit von ibr sind mir die Mitglieder des Bundesrates: auch die Geistlichen, aiisgenommen die F-»lbprediger, werden als un- ciitbchrlid.e Staatsaiigesteilte betrachtet unb find von der Erfüllung der Wehrpflicht ausgeschlossen. Nicht dienende Staatsbürger bezahlen bis zu ihrem 40. Lebensiahre eine Wehrst c u e r Auch in der Sckiweiz besteht die Bestimmung, bau mora- jsch Unwürdige von der Ausübung der Tienstpslid t auggeidilonen sind. Tie ganze Armee gründet sich auf ein reines M iliz- fnstern Ginc Präsenzdienstpflicht besteht nidst, lur die Vor- bildung der Wehmiänner wird auf verschiedene Werse gesorgt. Zunächst durch einen umfassenden Turnunterricht im idiulPUid)- tigen Alter, dann durch Untcrridit in uniformierten Mittelschulen, sogenannten Kadettenkorps, burd) sreiwilliges Ldstetzweien lind endlich durch Reit , Pontonier-, Fahr- und Tambourvernne. xen Turn- und Schießvereinen gewährt der Bund finanzrclle Beihilfe
Eiweiß, I" Gramm Salz, 13,5 Gramm Secrtbul «ramm Fett, 2,8 Gramm Eisen und emc entsprechende Menge Zucker. Tas Blut durchsttömt den Körper in >/, Minute in einem 'ottgeietzten Kreislauf Gin großes Glasichema stellt dies m o’ifdjauli^t Weise bar. Die Arterien letten den Lauerstoif m bie Gewebe. Tie Venen führen bie beim Lcbensvorgang ansgefchiedene schädliche Kohlensäure wieder ab.
Tie Blutzirkulatton im Körper wird durch d a s H e r z bewirkt, das ein kleines Pumpwerk von außerordentlicher Kraft darstellt. Es besteht aus einem Hohlmuskel, der im -jnnern - Vorhofc und 2 Herzkammern enthält. Das Herz arbeitet wie nne saug- und Truckpiimve. Jeder Herzschlag ist eine Zuiammenziehung des Herzens unb nach jeber Zusammenziehmig rndt fich bas Herz eimm Augenblick aus. Von Zntereffe ist die Tattgkeit des Herzens. Es ,'chlägt bet ber Leibesfrucht in ber Mmute 140mal, beim Neu geborenen 120mal, bcun 5jäbngen Kinde l^ia.^un gefchlechts^ reifen Kmb 80mal und beim erwachsenen Mernchen ,0mal. Tas menschliche Herz schlägt also in <0. ^°dren nicht loaiiger aB > 600 000 OOOmal Bemerkenswett ist, bafi, bet ben~ .Saugetieren das Her; um so langsamer schlägt, je grotzer bas Tier ist. ^0 schlägt es beim Glnantcn nur 2a—28mal in der Schwein unb Sckaf 70—80mal, bei ber Katze 180—200mal ^Herz von Kalcklütem, Frosch, Fisch u,'w. schlägt burckweg langsamer, nämlich 20-60maL Tas Her; treibt bei einer Zusammenziehung aus jeber Herzkammer etwa /5 ccm Blut, in ^Stunde alfo 730 Liter, unb bie Kratt, die es baba anroenbet, ift so groß, daß damit 1000 Kilogramm exnen Meter botb gehoben rirben könnten. Bei Anstrengung des Lottens wurde ,,cd dieie Leistung noch verdoppeln lassen. Um d.e anormale Kratt des Merzens mich dem Besucher klar ;u mad^n. nt emc 3 Meter hohe Glasröhre mit dem Blutauantum des Menichen aufgttttllt an deren Mündung man men Gummiball drucken kann: bas Herz hat barnad) etwa ' 10 Atmosphäre Druck zu Überwinden. Etn anderer Apparat zeigt uns, daß sich auch in ben neunten odüagabem, j B. in den Fingerspitzen noch ber PnlS nachwn,en laßt.
Mtt großem Interesse wirb der Laie weiterhin das menschliche Knochengerüst bettackten, das an einer Nebemmind in feüien einzelnen Bestandteilen zerlegt, gezeigt wird: dw ^eiamt- mbl dieser Knochen beträgt 212. In einem großen Warrant Midi man zwei normale, besonders v^rterw menidKiche ske- lette und zahlreiche Knochenteile, Querichnitte des ^d.^del^, den Lenden-, Brust- imb Ha^wirdel, em mit Blutmane gefüllte^
achten steifnackigen Vornehmtheit, bie ben Aufenthalt an manchen > (Ttberni Kurorten zur Qual macht. Gewiß, Luxus, das Korrelat , der höheren Kultur, muß fein. Elegante Toiletten, taudxn benn 3 irt) ,'aif der Esplanade unb im Stafinogarten, wohin bie Musik 1 irft, ui Menge auf, aber die Wienerin ist kein Kleiberstock — versteht es ausgezeichnet, den ganzen textilen Zauber mit Güster Zwanglosigkeit und liebenswürdiger Schalkhaftigkett vor faftoren. Mit ihrem natürlichen Lachen, ihren weißen Perlen lLl)nfn unb ihrem anmutigen weanerifcheii Geplauder schlägt je alle strohgelben Töchter Albions, steilen Ladies Amerikas und y-jllantierten Damen Moskaus unb Petersburgs siegreich aus dem ).lde. Man freut sich, daß Ischl mit der internationalen Gesell- oaft nod, nicht allzu sehr überschwemmt ist unb sich sein gut 1 Krreid)ifd)e» Gepräge bewahrt hat.
Isdil ist Kaiser Franz Joses, ber am 18. 9£uguft hier leinen 82. Geburtstag feiert, ans Herz gewachsen Er hat diese 8 che von seinem Vater, dem Erzherzog Franz Carl, erertt, kr hier mit Vorliebe Sommerrast zu halten pflegte. Auch der Inifer hat feit dem Jahre 1856 feiten einen Sommer vorüber- «-heu lassen, an dem er nicht das schöne Tuskulum für einige Sonate ausgesucht hätte. Er gedenkt diesmal bis Anfang Sep- tmtbrr zu bleiben. Für feinen ausgezeichneten Gesundheitszustanb if- bezeichnend, daß er schon wenige Tage nach feiner Ankunft — in Juli - zur Jagd nach Untcrroier fuhr, die ziemlich steile ferglchne hinanschritt unb einen kapitalen Zehnender erlegte. Itr Wilbbestand ist dort ganz vorzüglich, wie überhaupt bie faifer- ßchen Jagdgründe in der Umgebung Ischls reich an Hochwild finb. Als passionierter Jäger mag er auch aus diesem Grunde flchl ollen anderen Orten als Sommeraufenthalt vorziehen.
Das Leben des Kaisers spielt sich so einfach und geräuschlos ■», daß die Zschler unb die Kurgäste wenig bavon gewahr werben. if Kaiservilla liegt im Norden des Ortes auf einer mäßigen An- ! ihr hinter einem Nadelgeböl.z, bas gegen neugierige Blicke ber Ußenwelt hinreichenben Schutz gemährt. Gerabe zu Füßen ber Iilla strömt bas Wasser der Ischl in bie Traun, während zu
11 Häuptern der stattliche Jainzen-Berg ragt. Ein 20 Hektar 1 roher Park mit wundervollen Anlagen, köstlichem Blumenslor, eiligen Matten, wechselvoUem Gehölz unb einer Schweizerkottage
■ sich gen Nordwesten aus, bequemen Zugang zu Berg und vald vermittelnd. Dem Park wendet sich auch die Haumf'ront der Iilla zu. Aus langgestrecktem Bau springen drei Flügel vor, vorn fr-rbunben durch dicht umrankte Säulengänge. Der mittlere Flügel rit breitem Balkon ist der bedeutendste. Die von Säulen getragenen Giebel enthalten als plastischen Schmuck Rudel von Edcl- kild Auch die Vestibüle sind nimrodmäßig dekoriert, unb zwar Bit mancherlei Seltenheiten aus ben Iagbtrophäen bes Kaisers. Oie ganze Anlage, umslossen vom feinsten ästhetischen Reiz, gibt Ml Vorliebe des Kaisers sür fd)öne Natur, Blumen, lustiges Gern! unb Jagb bezeichn en ben Ausbruck. ,
MIn Gesellschaft seiner Tochter Valerie unb seines Schwieger-
des Erzherzogs Franz Salvator, füftrt hier der Kaiser das Lüofein eines LandedelmaiineS. Allerdings sind bie Staatsgefchast.' I Bullt ausqemerzt, denn an täglich eintreffenben Aktenbunbeln ■unb an Votträgen ist kein Mangel. Die Tagesorbnung ist genau Instgesetzt. Schon des morgens um 6 Uhr macht der Kaiser, nach- Idem er fid) mit einem Glase Milch gelabt, einen längerer I koaziergang durch den Park. Ist Sonntag, so begibt er sich zur | fmihmeh'c. Nadi einfachem Frühstück widmet er ,ich von 8 bis | r Uhl- nut kurzer Pause der Arbeit. Um 3 Uhr folgt in größerer I Mrllfdwft das Tiner, dem sich später ein Ausflug zu Wagen ■ cuschlfeßt. Um 7 Uhr wird der Tee eingenommen, und um 9 Uhr I das Lager ausgesucht. Eine Aenderung der Tagesordnung tritt | mir ein, wenn die Jagd ruft. In solchem Fall ist es früher I häufig vorgekommen, daß der Kaiser schon morgens zwischen 4 I unb 5 Uhr auf den Seinen war 9üid) fetzt stellt er bei der ^agb I Ansorberungen an sich, die ihm Verhältnis zu feinem hohen I 'Alter als außerordentliche gelten müssen.
| Daß der Kaiser den dlusenthalt in Ifckl stets als wohltuende I Erfrischung ernpsindtt, hat er selbst mehr: gemißert. Dte Jschler I Lust kann er nicht entbehren. Möge sie ihm auch dies Mal | »jeder verjüngende Kraft spenden. . , 4
Bad Ischl, 18. Aug Ter Kais er wohnte heute vor- I mittag in der Kapelle der kaiserlichen Villa der Mehe bei | unb nahm dann die Glückwünfche der Familienmitglieder ent- | gegen. Um 2'z Uhr nachmittags war Farn,lieudmer. Prinz | Leopold von Bayern brachte den Trinkspruch. auf den Steif« I aus, wofür dieser kurz dankte. Jeder Teilnehmer an dem Tmer | erhielt mr Grinnerung an den Tag eine früher ne Ctatuettc, | d e den Kaiser als Oberstiiihaber seines Jägerregiment.' zugt


