Ausgabe 
12.12.1912 Zweites Blatt
 
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Märkte.

4- Nidda, 11. Dez. Heute mnb liier der Weihnachts» markt statt. Der Austrieb zmn S ch w e i n e m a r k t mar io stark, wie seit Ja Kren nicht. Trotzdeul herrfditen so hohe Preise, wie aus den Trübsal)rSmärkten. Ein Preisabschlag war gcflcn die voriaeu Tiörfte nicht zu bemerken, denn 7 bis 8 Wochen alte werkel kosteten das Paar 45 bis 50 Mk., 12 Wochen alte daS Paar 60 9)1 f. und Einlegeschweine das Paar IOC bis 120 Mk. Cbflleic das Angebot sehr groß und die Preise so hoch waren, wurden boit alle Tiere verkau't und mancher Kauflustige fuhr wieder leer Heini Wenn auch der nachmittags abgehalteue Krämermarkt rotnr Stände auswies, so brachte er doch recht regen Verkehr und di« hiesigen Kaufleute batten viel zu tun.

F.C. Wiesbaden. Vlebhok »M ark tbertcht vom 11. Dez Austrieb: Rinder 101 (Ochsen 28, Bullen 0, Kühe 73), Kälber 21b

Schafe 35, Schweine 3k3.

Geschäft mittelmäßig. Preise für 100M

Lebend- Schlacht-

Ochsen. oewicht

VoNKeischige, aukgemästete. höchsten Schlacht- Mk. Mk wertes im Alter von 47 Jahren .... 5356 9610.

Die nock nicht gezogen haben tunqejocht) . . 52-55 9410( Lunae, fleischige, nicht auSgeinästete und ältere

auSgemästete............ 4750 85-91

Bull en.

Vollfleischige, ausgew^ höchsten Schlachtm. . . 4952 8187

Vollfleischige, jüngere 4448 73-80 Märien, K n h;.

Vollfleischige auSgemästete Färsen höchsten

Echlachtwertes........... 49 -53 88-95

Vollste,schige auSgemästete Kühe höchsten

Schlachtwertes b,r zu 7 Jahren ... . 4144 8085

Wenig gut entwickelte Färsen 4348 8392 Aeltere auSgemästete Kühe und wenig gut ent-

wickelle lungere Kühe 8640 6674

Mäßig genährte Kühe imb Färsen .... 3035 6172 51 ä t b ec.

Feinste Mastkälber .... . 6668 11111«

Mältere Atast- und beste Saugkälber . . . 5963 98-10. Geringere wtasl- und gute «vaugkätber . . . 5358 8897 Geringer« Saugkälber......... 4852 8087

o d) a <*.

Weidemastschafe.

Geringere Mauhammel und Cchaie .... 0000 86 -00 Schweinr.

Vollfletschige Schweine von 80100 k? Lebend­gewicht 67-68'/, 8688

Lollfleischige Schweine unter 80kx Lebendgewicht 6,-677, 86-87

Vollsleischige Schweine von 100120 kg Lebend­gewicht 69-70'/, 86 -88

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wirken ganz vorzüglich gegen

verhütet oder im Keime erstickt werden können. Vorfälle wie die letzten von Aminuis, Auob usw., über die sich die Be­hörden nach wie vor hartnäckig aussckweigen, da­mit wir ja nicht wissen, was los ist, würden wahrscheinlich auch ausgeschlossen sein, wenn ein recht reger Patrouillendienst gehand­habt wird. Vor einigen Tagen hörte man wieder von einem Ge­rücht hier am Platze, daß einer der alte st en Farmer des Südens von einem Iagdzuge nicht zurückgekehrt s e i und vermißt werde. Erne solche Nachricht muß in dieser Zeit, wo man immer noch annehmen muß, daß sich bewaffnete Einge­borene im Gelände umheNrerben, beunruhigen."

Eine sichere Meldung über den Verbleib des vermißten Farmers vermag das Blatt auch nicht in den folgenden Nummern, die bis zu der vvm 13. November in Deutsch­land eingetroffen. sind, zu geben.

Au- Stadt und Land.

Gießen, 12. Dezember 1912.

** Handelsrichter. Der Großherzig hat Kommerzien­rat Ferfr. Jacobi, Kammerxierrrat Ludw. Frölich, Kommer­zienrat Louis Röder, Buchdruckereibesitzer Rud. L. Wittich, in Darmstadt, Brauercibesitzer Justis Hildebrand in Pfung­stadt, Kommerzienrat Jean Göbel in Darmstadt zu Handels- cuiytern, Kaufmann Wilh. Kölb und Ingenieur Emil Schenck, beide in Darmstadt, zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen in Darmstadt; die Fabrikanten Phil. Sbe i m, Rob. Weintrau- und Eugen Fcistmann, Kommerzienrat Jak. Hinkel in Offenbach, zu Handelsrichtern, die Fabrikanten Wilh. Klingspor in Offenbach, Jak. Erckrath in Klein-Krotzen­burg, Gg. Äch. Koch in Neu-Isenburg und Kaufmann Karl Schömbs in Offenbach zu Erganzmrgsrichtern bei der Kammer für Handelssachen in Offenbach; Geh. Kommerzienrat Sigm. Heichelheim, die Kommerzienräte Gust. Mueller und Hch. Schirmer, den Fabrikanten Herrn. Eichenauer in Gießen, M Handelsrichtern, Kaufmann Max Friedberger und Kom­merzienrat Adolf Klingspor in Gießen, zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen in Gießen; Kommerzienrat Aug. Feine, Kaufmann Jos., Rein ach, Kommerzienrat Dr. Otto Jung, Kommerzienrat Jos. Harth, Kommerzienrat Beruh. Mb. M ay er, Kommerzienrat Jos. St enz in Mainz, zu Han­delsrichtern, Kaufmann Karl Aug. Barthel, Bankier Felix Goldschmidt, Kommerzienrat Florian Kupferberg, den Kaufmann Karl Ihm in Mainz, Kaufmann Jak. Albrecht in Bodenheim und Kaufmann Konr. Jung in Mainz zu Er- gäirzungsrichtern bei dec Kammer für Handelssachen in Mainz; Kommerzienrat Wilh. K ö l s ch, Kaufmann Karl Stockhausen, Kaufmann Hch. Rnd. Süttenbach, Bankdirektor Christian Lot! m Worms, zu Handelsrichtern, die Fabrikanten Jak. Heckel und Augult Eller in Worms zu ErgänzungsricKern bei der Kammer für Handelssachen in Worms, ernannt.

** Er senbahn - Personalien. Versetzt wurde: Regierungsbanmcister Bergmann von Halle zur Eisen­bahndirektion Frankfurt, technischer Eisenbahn-Sekretär Schmitt von Alsfeld nach Grebenau zur Verwaltung des Baubezirks für die Nebenbahn Niederaula-Alsfeld.

La n dwirtschaftliches. Die Aachener und Münchener Feuervecsicherung§gesellschaft,Generalaaentur Darm- stadt, überweist seit Jahren aus ihren durch Versicherung von Landwirten sich ergebenden Ucberschüssen den landwirtschaft­lichen Bezirksvereinen namhafte Unterstützungen. So wurde auch im abgelaufcnen Rechnungsjahr den sämtlichen land- wirtschaftl. Bezirksvereinen in Hessen ein Betrag von 549 Mk. überwiesen und seit dem Bestehen deS Abkommens sind ins­gesamt 186 551,70 Mk. von der Versicherungsgesellschaft ge­spendet worden.

" Stadttheater. Nochmals sei auf den heutigen Lustigen Abend von Professor Marzell Salzer hingewiesen. - Die Vorstellungen vonBraut von Messina" am Samstag Nachmittag und vonPrinzip" am Sonntag Nachmittag sind die unbedingt letzten Aufführungen dieser Merke überhaupt.

** Bcsitzwechsel. Die Stadt kaufte vom Archi­tekten Louis Seuling dessen in der Nähe der Mar- garethcnWtte gelegenes Fabrikanwesen (Gipsdielenfabrik, für 40 000 Mk. Das Gelände stellt sich mit den dar­auf stehenden Fabrikgebäuden auf etwa 89 Mk. pro Qua­dratmeter. Die Stadt ist mit diesem Kauf mit der Ab­rundung ihres Geländes am Güterbahnhof wieder einen Schritt weiter gekommen. Es muß in dieser Gegend über kurz oder lang doch einmal zu einer gründlichen Erwei­terung der Gleisanlagen kommen.

Zur schnellen Abwickelung des Post- schalterverkehrS während der Weihnachtszeit kann daS Publikum selbst wesentlich beitragen. Die Ein­lieferung beV Weihnachtspakete sollte nicht lediglich oder vor- wiegend bis zu den Abendstunden verschoben, namentlich müßten Familiensendungen tunlichst an den Vormittagen aufgegeben werden. Selbstfrankierung der einzuliesecnden Weihnachtspakete durch Postwertzeichen sollte die Regel bilden. Mit seinem Bedarf an Postwertzeichen müßte sich ein jeder schon vor b-mi 19. Dezember versehen. ZeitungSbestellungen dürsten nicht vom 19. bis 24. Dezember am Schalter der Postanstalten angebracht werben. Für bie am Postschalter zu leistenben Zahlungen sollte der Auflieferer bas Gelb ab­gezählt bereit halten. Die Befolgung bieser Ratschläge würbe der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen.

** Einstellung von Freiwilligen. Die 2. Ab­teilung II. Torpcdodivision in Wilhelmshaven stellt am 3. Januar, 1. April und 1. Oktober VierjährigLreiwilligc als Torpedo-Masckinisten-Anwärter ein und zwar: Maschinisten und Maschine,lenassistenten von Dampfern und im Betriebe be­findlichen Dampfmaschinen, sowie junge Leute, die eine dreijährige Lehr- ober Arbeitszeit als Maschinenbauer, Schlosser, Kupfer­schmied, Elektrotechniker, Meäxmikcr, Klempner, Kesselschmiede ober in ähnlichen Handwerken Nachweisen. Von dieser Zeit dars rin Jahr als Maschinist ober Gelstlfe zugcbracht sein. Bewerber wollen sich umgehend unter Vorlegen eines vom Zivilvorsitzcnden der Ersatzkornmission des Aushebungsbezirkes ausgestellten Melde schemes zum freiwilligen Dienst auf vier Jahre lautend, eines selbstgeschriebenen und selbstverfaßten Lebenslaufes und sämtliche Schul- und Arbcitszeugnisse evtl. Seefahrtspapiere an das oben genannte Kommando wenden. Zur Erlangung des Meldescheines sind den Zivilvorsitzenden der Geburtssck>ein, die väterliche Ein­willigung für eine vierjährige Dienstzeit und ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Die Aufnahme zum Mafchinistcn- Auwartcr umfaßt: einige Fertigkeit in mündlicher und schrift- hdter Wiedergabe der Gedanken, die Grundrechnungsarten mit gewöhnlichen und Dezimalbrüchen, einige Kenntnis im Anfertigen von Skizzen einfacher Maschinenteile. Das 4. Dienstjabr ist für den Besuch einer scd)Smonatlichen, unentgeltlichen Maschi­nisten Maat-Schule (Nnteroffizierschule) bestimmt. Die mit Erfolg abgelebte Prüfung und die erwiesene Brauchbarkeit als Torpedo- Mafchinisten-Maat berechtigt zum Besitz des Seedampfschiffs- maschmisten-Patentes 3. Klasse.

Landkreis Gießen.

nc'J2' 'Die Bürgermeisterei Saasen schreibt uns: Auf Ihren Bericht m Nr. 290 teilen wir Ihnen mit, daß kein Grund vorlieyt, an der Schranöen- bedienuny am Bahnübergang bei Saasen ettoaa au§- Su' btzem Alle bisher an dieser Stelle vorgekommenen Unglucksfalle sind in der Hauptsache immer den Fnhr-

werksleitern zuzuschreiben gewesen. Trotzdem hat der Eisenbahn fiskus auf Antrag der Bürgermeisterei angeord­net, daß «die Schranke von morgens 6 bis «abends 6 Uhr durch eine Wärterin bedient wird. Im Sommer dagegen wird die Schranke bis abends 10 Uhr bedient. Der Fuhrwerks­verkehr zur jetzigen Zeit nach 6 Uhr ist nicht so umfang­reich, daß vielleicht wegen einem oder zwei Fuhrwerken ein Wärter bis 10 oder 11 Uhr bei der Schranke sitzen sollte, um so mehr, als von der Eisenbahnverwaltung Vorsichts­maßregeln getroffen sind, so daß bei einiger Aufmerksam­keit des Fuhrmanns jeder Unfall ausgeschlossen bleibt. Der Uebergang ist doppelt beleuchtet, sogar in der Mitte der Fahrbahn, eine Signalqlocke gibt so frühzeitig und so laut das Wc.rnungszeichen, daß man schon bei 39 m Entfernung halten kann. Jedoch haben die meisten Fuhrwerkslenker die Angewohnheit, sobald die Glocke ertönt, schneller zu fahren, um noch über den Bahnkörper zu gelangen.

.Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 11. Dez.

Die Untersuchung über den Geisteszustand des Taglöhners I. H. III. von Rübdingshausen würbe von bem Gericht angeorbnet, da in der Verhandlung Bedenken darüber austanchten. Der Angeklagte, der wegen Bedrohung sckwn häufig vorbestraft ist, hatte in der Angetrunkenheit einen 18 jährigen Burschen ohne nennenswerte Veranlassung mit einem geladenen Revolver bedroht.

Betrug int Rückfall.

Der Arbeiter L. G. von Simmern hatte sich im Februar l. I. in Friedberg unter Vorspiegelung falscher Tatsachen 5 Mk. er­schwindelt. Das Gericht zog seine Not strafmildernd in Berück­sichtigung und verurteilte ihn zu drei Monaten und eine Woche Gefängnis.

Wegen Arbeitsverweigerung hatte sich der Zimmermann O. D. zu verantworten. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, da nicht nachzuweisen sei, daß er aus Arbeitsscheu die aufgetragene Arbeit verweigert habe.

Wegen Viehseuchevergehens sind angeklagt: der Landwirt A. S. in Gambach, der Landwirt Fr. K. B. in Rodenbach, der Landwirt I. G. K. und der Landwirt K. M. III. von Bösgesäß. In zwei Sachen wurde die Verhandlung zur Vornahme weiterer Ermittelungen aus­gesetzt, in den übrigen auf die geringstzulässige Geldstrafe von jc 15 Mk. für jede Ucbertretung erkannt.

Furcht vor dem Arbeitshaus veranlaßte den Arbeiter P. S. von Schmiegel, gegen ein Urteil des Schöffengerichts Butzbach, das ihn wegen Bettelns mit drei Wollen Hast bestrafte, Berufung einzulegen, da das Gericht auch die Uebecweisung an die Landcspolizeibchörde angeorbnet hatte. Es blieb inbessen bei ber Ueberweisung, da der Angeklagte wegen Bettelns häufig vorbestraft ist und auch schon in einem Arbeitshaus untergebracht war.

<Scrid>tofa<iL

Der Diebstahl der Kölner Kaiserkette.

Köln, 11. Dez. Zu der heutigen Verhandlung waren gemäß entern gestrigen Gerichtsbeschluß die zwei Zeugen aus Ham­burg cingetroffen, die aber nichts wesentliches bekunden konnten. Sämtliche Angeklagte richteten an diese beiden Zeugen eine ganze Reihe oon Fragen, die aber vom Vorsitzenden als unzulässig abge­lehnt wurden. Zeuge Juwelier Karl Wagner wurde nochmals daraufhin befragt, ob das von 5>ochgeschurz ihm zum Kauf an­gebotene Gold von der Kaiserkette herrührte. Der Zeuge erklärt, daß in dem Metall ein Drittel Gold, ein Drittel Silber und ein Drittel unedles Metall enthalten gewesen sei. Es sei aber immerhin möglich, daß das Gold tatsächlich von der Kaiserkette hcrrührte. Auf Antrag des Verteidigers des Angeklagten Hoch- aeschurz wurde der Zeuge Haefke, der bettlägerig krank zu 5)ause liegt, durch einen GerichtSbeisitzenden in seiner Wohnung ver­nommen. Dieser Vernehmung wohnte der Angeklagte Hochge- schurz gefesselt und unter Bedeckung von zwei Schutzleuten bei. Nach der durch diese Vernehmung notwendigen Pause wurde in die weitere Zcugenvernehmima wieder eingetreten. Die Ver­nehmungen ergaben nicksts wesentlich neues, so daß int Einver­nehmen sämtlicher Prozeßbeteiligten auf eine ganze Reihe von Zeugen verzichtet wurde. In vorgerückter Nachmittagsstunde be­gannen die Plädoyers. r

In später Abendstunde mürbe solgenbes Urteil gefällt: K n i e V erhielt 7 JaHre Zuchthaus und Hochgeschuvz 7 Jahre Zuchthaus unb eine Woche Gefängnis. Letztere Strafe wurde wegen falscher Namensangabe verhängt. Beide wurden außerdem zu 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Anstifter Bayer wurde freigefprochen, weil es sich nur um Vorbereitungsbehanblungen hanbele. Wegen verbotenen Waffentragens erhielt er 20 Mark Gelbstrafe. Der Hehler Rvlla erhielt 1 Jahr 6 Monate Ge­fängnis, ber Hehler Hamacher 10 Monate Gefängnis, der Kölner Zahntechniker T h i l l würbe ebenfalls wegen Hehlerei zu 5 Monaten Gefängnis verutteilt. Bei Rotta wurden 5, bei Hamacher und Thill je 4 Monate Untersuchungshaft angerechnet. Bayer und Thill wurden sofott in Freiheit gesetzt.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Dttikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

1 Gießten, 12. Dezember.

Zur Errichtung eines Saalbaues.

In meinem Eingesandt in Nr. 288 bin ich auf die Aus­führbarkeit des Planes, einen Saalbau zwisclZen Seltersweg und Johannesstraße zu errichten, nicht eingegangen, um nicht zu ausführlich zu werden. Die Zweifel, welche der Verfasser des Eingefandts in Nr. 291 in dieser Beziehung äußert, veranlassen mich, das nac^uholeu. Für einen Saalbau an genannter Stelle würde nicht nur das As Prions che Gelände 13438 Quadrat­meter), sondern auch das an dieses anschließende städtische das alte Hvspitalgrundstück (1725 Quadratmeter) zur Verfügung stehen; zusammen also 5163 Quadratmeter, die sich durch AK- kaus 'weiteren Hintergelandcs, falls nötig, noch vermehren ließen. Das Theater befreit ein Areal von zirka 1580 Quadratmeter, für einen Saal bau mit 16002000 Sitzen würden höchstens 2500 bis 3000 Quadratmeter nötig fein. An Platz fehlt es also nicht. Einsahtten sind zwei vorhanden; einmal vom Seltersweg aus, wo die Lotzsche Wittsck-aft zum Asprionscheu Gelände, imd das daneben stellende Haus der Stadt gehört. Fallen müssen beide Häuser so wie so, wie auch die weiteren nach dem Kreuz- platz zu gelegenen, ba die Straße wegen der elektrischen Bahn verbreitert werden muß. Zweitens von der Johannosstraße her, wo das Asprionsche Grundstück eine Front von zirka 22 Metern hat.

Die Bedenken des Einsenders, daß das Läuten der Glocken der nahen Johauneökirche während eines Konzertes störend wirken, muß ich zwar teilen, doch halte ich gerade diese Art der Störung für die erträglicbihi, und sie würde auch m ber Mvltkestraßc nicht ganz fehlen. Große Städte muffen ba ganz anberc Störungen mit m den Kauf nehmen. Man denke z. B. an bie berühmten Chorkonzerte in ber Thomaskircke zu Leipzig, wo während eines Konzertes zirka 200 Straßenbahnwagen wegen des abschüssigen Terrains klingelnd vorüberfahren, und das Glockenläuten haben die Zuhörer noch obendrein. Ich iverde falls sich kein besserer Platz gefunden hätte doch eher bie Geräusche einiger an dem Klrmkgrundstück vorüberfahrender Züge, als das Helle Klingeln ber elektrischen Bahn über mich ergehen lassen. Ein zwischen Seltersweg und Johannesüratze zentral errichteter Saalbau würde vor dem Klingeln ber elektrischen Bahn durch die davor zum Teü wieder aufzubaueufren Häuser hinreichend geschützt sein.

Ein an Stelle ber alten Klinik errichteter Saalbau, den ich dk^halb ins Auge gefaßt habe, weil ich die Verwendung diefes Platzes Tür einen Saalbau immer noch für besser halte.

als für ein Rathaus, würde den Vorteil bieten, daß das au.- wärtiqe Publikum, welches zumeist zwischen 4 Uhr 56 Min. «4 4 Uhr 59 Min. hier ankommt lDilltal, Lollar, Butzbach, Al,' feld) noch rechtzeitig im Konzettsaal eintreffen kann. Dos trif auch für einen im Zentrum gelegenen Saalbau zu. Die V<- waltung ber elektrischen Bahn wird selbstverständtich zum mir besten an den Konzetttagen eine Haltestelle vor dem Einganr einttchten, so daß bie Fremden innerhalb 10 Minuten zu biefi gelangen können. Dos wäre aber nicht mehr möglich, n>enn d: Saalbau in ber Moltkestroße errichtet würbe. Man kann v. - den Fremden nicht verlangen, daß sie mit früheren Zügen. i eintreffen, da sie alsbann z. T. sofott nach dem MiNagefsqr I ihren Wohnort verlassen müßten. Außerdem müßten sic, un den Saal bau in der Mvltkestraße zu erreichen, den südlichen Ti : dieser Straße zu Fuß zurücklegen, loos im Winter sehr ui bequem ist. Es ist zu befürchten, daß die Hoffnung, frurd i einen Saalbau den Fremdendes"h her K-mzette zu fteigmt, ec täuscht werden w rd, und ohne diese Steigerung mür .c d.r K njrg oerem in eine ungünstige frefunure rrag. .o.nmen, ober die C.u .* tat feiner Darbietungen herabsetzen müssen. Man möge bogegr nicht einwenden, daß das Fremden-Abonnerneut sich von 50 Plä^- im Vorjahre auf 80 im laufenden erhöht hat mtb baß auch de Verkauf an der Kasse sich jetzt schon auf zirka 40 Pläg beläuft, obgleich die 2Iule, in welcher 6 Konzerte abgehalten wer den, vielleicht noch ungünstiger gelegen ist, als ein Saail^, in der Moltkestraße. Die Leitung des KonzettvereinH bat nej nur schwer e^ttschließen können, gegen das Vorjahr 3 .M o 115er! mehr in die Aula zu verlegen und es bleibt abzmoatten, roelch Folgen diese Erscheinung des Besuches für die Fremden, die diese- erft im laufenden Jahre zum Bewußtsein kommt, für den Besuch de. Konzctte in späteren Jahren haben wird. Aus alle Fälle würde : sich aber die Aussichten für die Zukunft des Konzertveccins wescni lich verschlechtern.

Nicht beadjtet hat ber Einsender, daß der Saalbau ja nick: mir den Konzerten, sondern ganz besonders den Kongressen dienen soll, zu welchen Tausende von Personen nach Gießen kommen und ihr Geld hier ausgeben werden. In erftcr Lim- kommen hier die medizinischen Kongresse in Frage. 21 1 dann darf ber Saalbau nicht zu weit von den Kliniken und dec Universität entfernt liegen, da die Vorträge abwechselnd in bm genannten Räumen ftottffnbcn. Gießen kann im Frühjahr unb im Herbst, in welcher Zeit die meisten Kongresse abgehalicn werden, zahlreiche Personen beherbergen. Bei den großen Kon greffen wird der Ueberschuß in Wetzlar, Nauheim usw. für bv Nacht untergebracht, während die Teilnehmer am1 Tage unb an Abend tn Gießen verweilen. Um letzteren den Besuch der Vottric zu ermöglichen, muß ber Saalbau möglichst nahe am Bahnte- errichtet werden.

Ein seln gewichtiger, bisher nock) mcht genannter Grunb. weshalb die zeittralc Lage unbedingt den Vorzug verdient, if der, daß bie Heranzielfung ber Fremden durch den Saalbci gebietettsch die Errichtung eines größeren und eleganten Restan rats verlangt, insbesondere für bie Kongreßteilnehmer. Dies« im Parterre des Saalbaues untergebracht, wird sich, wenn 'm Zentrum errichtet, auch in den Zeiten rentieren, wenn weder Kongresse noch Konzette stattfinden und an sich einen Anziehung^ fünft für. Fremde bilden. Die Rentabilität eines zentralqe legenen Restaurants wird weiterhin dadurch begünstigt, fraß an beir m Aussicht genommenen Platze eine alte, gutgehende Wrttfäxv: so wie so verschwinden muft Ein in der Motckestzraße errick tttes Restaurant würbe bei weitem nicht solche Chancen br Rentabilität besitzen, da eine Sommerwittsckxift an dieser Stelle wegen des Windes, wie übcrhauvt unserer Witterungsverlßiltnisse und wegen der frort starken Mückenplage wenig Aussichten Hot

Ich will es als nebensächlich betrachten, daß ein Bau an ber Stelle der jetzigen Eisbahn den zahlreichen Spaziergängern der Mvltkestraße bat einzigartigen Blick in das Busecker Tc. raubt; darauf muß jedoch noch hingewiesen tverden, daß bi: Errichtung eines so großai Baues in den feuchten Wiesen )"cb: bedeutende Kosten für die Fundamente verursachen wird. Tc das völlig frefliegende Gebäude außerdem nicht nur einer mo numentalat Front bedarf, sondern von allen Seiten ansehnlich ausgestattet werden muh: und ba das allseitig Wind und Wenn ausgesetzte Gebäude hohe Unterhaltungskostcii erfordern wird, fc mutz ein Bau in der Moltkestraße sehr erheblich teurer toerbnt, als ein im Zentrum ohne große Front und gesckrützt errichteter.

Nach den oben angeführten Gninden glaube ich annclnncn ju müssen, daß. ein Saalban in ber Moltkestraße seinen Zweck nicht crftlllen wirb. -t.