Ausgabe 
19.9.1912 Erstes Blatt
 
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D.r((cid)t mit sich handeln lassen, wenn der Ministerpräsi-

I bdit sich einem nachträglichen Indernnitätsgesuch cnt- | «ließen tonnte; das aber fyat Graf Lukacs erst dieser Tage

Unbtueg abgelehnt.

mui versaßt.

An den Ufern der Donau geivahren wir

Liraitteil seiner Zigeuner den Häuptling ui Nachdenken. Jede -acht verläßt seine Tochter Fleana das Lager. Tic stunden

. . . . r, die Regierung zu

c u w a h l c n zu zwingen, von denen die Zusth, Apponyi vib Kojsuth sich angesichts der Stimmung im Lande Erfolg i r rsprcchen. 2 er Ministerpräsident Lukacs und Graf Tisza luikberum, die beide im Einverständnis mit der nationalen

So zeigt sich fürs erste fein Ausweg aus diesen Wirren, die ganz den Eindruck machen, als ob der ungarische Parla-

Tie Polizei im Hau e.

Um 11 Uhr betrat Pawlik, gefolgt von mehr als 100 Wachleuten Den Saal nnb zog einen Kordon zwischen den Mitgliedern der Arbeiterpartei und dcn Mitgliedern der Opposition. Jetzt ver­ließ die Opposition unter höhnischen Rusen auf die Regierungspartei den Saal und begab sich in den Klub der Kossuthpartei, um dort eine Konsercn- abzuhalten.

Um ll^Uhr 20 Minuten eröffnete Präsident Grat Tisza wieder die Sitzung. Ec rechtfertigte zunächst kur; sein Borgehen und beantragte sodann, daß 38 Abgeordnete an den Zrttmumtäls- aus schuß verwiesen werden Ties sind meist dieselben Abgcord- neten, die gestern an den Znrmunitälsausf'chuß verwiesen wurden.

Sodann ergriff HanbelSminister Beoethy das Wort unter lebhaftem Beifall der Arbeitspartei. Ein Abgeordneter, der wahrend des heutigen Tumults Ohrfeigen erhielt, hat zwei Abgeordnete zum Duell gefordert.

Ter üandelsminisier führte aus: Ich bedauere überaus, daß ich mich durch die Beschimpfung seitens der Oppositionellen dazu habe hinreißen lassen, die bedauerliche Raufszene zu veranlassen. Er verweise jedoch auf seine hochgradige Erregung, die es ihm unmöglich machte, die höhnischen Zuruse länger zu ertragen. Präsident Gras Tisza erklärte, man müsse die Aus­

führungen des HanbelSminister» zur KemumS nehmen imb über die Angelegenbr.t rur Tagesordnung übergeben. Sowohl die Er- fiarunti des Minister» als die des (Braten Tisza wurden mit stürmischen Bertall-ru'en au'genommen Sodann wurde über den Berndt de» ZmmuilitatSausfauffee -.'erhandelt. Rach dem Bericht werden 30 Abgeordnete für die nädiucn 30 2i»ung#tage ausge­schlossen, 10 Abgeordnete für die nächsten 16.

hieraus wurden die Wahlen der Telegations Mit­glieder vorgenommen. E-.- wurden 4<> ordentliche Telegatious- mitgiiebcr und 10 Ersatzmänner gewählt: sie gehören lamtluti der nationalen Regierungspartei an. tfünf s.nd Kroaten, die jedoch auch der Regierungspartei angeboren, hieraus stellte der Präsident den Antrag, das Haus bis aus weitere» zu vertagen und während der Tagung der Delegationen (ein« Sitzungen abzuhalten

Tie Oppositionellen beschlossen, gegen die Wahl der Delegationen keinen Protest einzulegen, sondern sie al» vollendet» Tatsache hinzunehmen Hieraus wurde die Sipung unter be­geisterten Elienrufcn aus den Präsidenten um 12* t Uhr ge­schlossen.

Leoncavallor neue ©per.

London, 16. Sept.

Die Uraufführung von Leoncavallos neuer OperTie | i 31 g c tt n c r" war mit großer Spannung erwartet worden: ttaestro hatte erklärt, sie überträfe an Schönheit und dra- natischer Wirkung dieBajazzi". Rach der heutigen Auf- ^thrung können wir uns vorläufig dieser Ansicht taum unschließen. ES mag fein, daß die enorme "Ausdehnung

VariötShmtseS die Klangschönheiten und die gesamte musikalische Wirkung arg beeinträchtigte und daß die Oper Innrer der selbst für eine Londoner Vtusikhalle krassen Hand- ;üug leidet.

Eine ausgesprochene Eigenart ist denZigeunern", selbst 1knn man sie unrcr so ungünstigen Umständen zu hören HJnb schauen bekommt, jedoch nicht abzuftreiten. Ter Hom» Monist hat Rumänien zum Schauplatz auserkoren, durch- ttzt daS Ganze mit der sonderbaren chromatischen Skala, Hilf denen sich die rumänischen Volksweisen aufbauen, die er benutzt, denen er jedoch einen stark italienischen Charakter Du prägt. Leoncavallo ist mit diesem Werl direkt zur Ä.'i'ummern-Oper" zurückgekehrt. Tas Tenorsolo, das den < 1 atmenBlaue Augen" führt, dürfte mit der Zeit große Popularität erlangen und vielleichtLache, Bajazzo!" Kon- änrenz machen. Tie musikalische Erfindungskraft wirkt ;ib»od) nicht überwältigend.

Die neue Oper zerfällt in zwei Szenen. Tie erste spielt üfi in einem Zigeunerlager, die zweite auf einer Ebene Aümäniens ab. Die lyrischen Einlagen stammen von Enrico , Lctoazchioli, die eigentliche Handlung hat Guglielmo Ema-

Tie Ausgrabungen am Römerkastell von Haltern. Tie Ältermmskommission für Westfalen hat jetzt die Arbeiten zur Fortsetzung ber Ausgrabungen bei Haltern wieder ausgenommen. Ter Borsitzende, Tr. Koepp aus Munster, teilet die Untersuchungen, die an drei verschiedenen Stellen, auf dem Annaberge, im Großen Lager unD am Lwveuser ausgesührt werden sollen. Auf dem Annaberge hofft man hauptsächlich kera­mische Funde zu machen, um durch die Vergleichung mit den bisherigen eine genaue Zeitbestimmung für die Lagcrgründung Zu ermöglichen. Zm Großen Lager ist das bisher wenig durch­forschte Gelände zwischen dem Pratorium und Dem nordwestlichen Lagereingang als Unterfuchungsgebict in Aussicht genommen. Am Liv prüfet jn der Rühe des Bahnho's, wo man vor einigen Fahren beim Sanoau-Heben Ueberreftc eines mächtigen Bohlen- weges zu entdecken glaubte, will man durch weitere Untersuchungen Ausschluß Darüber gewinn n, ob es sich hier um den so viel ge­suchten t'ipwübcrgang zur Römerzeit handelt oder nicht.

5 i n neuer Hom et. Obschon der Rechnung gewiß auch für das Fahr 1912 mehrere Homeien zu erwarten waren, hatten dic Obfcroatorien hu dem Verschwinden Der vom Kometen iahr 19i 1 überkommenen Haarsterne wenig Glück. Nun aber liegt die Nachriwt vor, daß von Gale in zehnen Australien ein neuer ya-Tritern, Homer 1912a wie er vorläufig k.ißr, entdeckt r.utbc Am 8. September, dem Tage Der Entdeckung, braiu) 'ich das Gestirn in Rektaszension 13 h 37 m und XeUinaiion 363 31'. Ter scheinbare Turchmeh'er des gegenwärtig roch 'Lwetflosen und teleslopifchen Amrefen fand sich ;u zwei Bogen- mmuien; die Helligkeit i|t, roie es scheint, wechselnd. Tas Ge­

stirn kann mit freiem Auge nitbt ^efe&cn werden, da der Komet von der Sonne in seiner Rektafzeniwn nicht eben viel o er schieden ist. Für uns Bewohner der nördlichen Erdhalbkuget ist außerdem die tiefe Teklination des Gestirns sehr mißlich. Zwar steigt der Morn et nordwestlich rasch empor und kommt so in immer bessere Sichtbarkeitsverl.ältnisie, bevor er aber denCentauren" nicht verläßt, ist wenig Hoffnung für Amateure, ihn zu finden.

-- Münchener Musikbrief. Tie reiche Münchener Musiksestzeit liegt hinter uns. Ter 3. Zyklus der Wagner- fest spiele im Prinzregententhcater schloß am Sonn­tag mit einer in jeher Beziehung würdigen Meistersinger-Auf­führung unter Hofkapellmciftcr Röhrs Führung. Am Abend zuvor fand das letzte der zehn Festkonzerte de» Konzert- oereins München mit Beethovens Neunter statt Diese Konzerte unter der Leitung des Diener Tirigenten Ferdinand Löwe nehmen heute neben den Münchener Bühnenfeftspielekt einen ebenbürtigen Rang ein und erfreuen sich al eich jenen bereit» eines internationalen Rufes. Auf welche Höhe Löwes Erziehungs« lunst und beherrschender Einfluß die Kaimsaalkon^ne gehoben hat, dafür erbrachte diefe letzte Serie von Musikaufführungen glanzende Beweise. Außer Den hervorragendsten Meisterwerken der symphonischen Schöpfung kamen Die verschiedenen neuesten Richtungen Der Tonkunst durch charakteristische Beispiele zu Gehör.

Ter Zentralverband Deutscher Tonkünstler und Tonkunstler-Bereine hielt feine 9. Tagung am 14. und 15. Sep­tember in Erfurt ab. Nach Erledigung geschäftlicher Ange» legenbeüen hielt Assessor Tr. .Jacobi einen Vortrag über Die Privatversicherung. Tie Aussprache schloß mu Der Annahme einer 'Petition an Den Reichstag, Die eine Zusammenfassung Der für Den Privatlehrer besonders schweren Mißstände enthalten roiro. AuSj oen Verhandlungen des 2. Tages, dessen Tagesordnung sich mif einer größeren Anzahl Anträge be''chaftiLte, ist ber Antrag 6 c» earius-Sieber- Düsseldorf bemerkenswert, Der nach län­gerer Aussprache angenommen wird: Ter Verband soll sich an Den Vorstand des Rnchsvereins Der Deutschen Preise wenden/ Damit öfsentuche Konzerte, in Denen T'.ienanten Mitwirken, nicht kritisiert werden. Tie Kahl ergab Wiederwahl des bisherigen Lorstandcs. #

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissend schäft. Ter Augenarzt, Universitätsprofessor Tr. me). Zakob Stillrng in Straßburg i. G feiert am '2. September iemen <0. Geburtstag. Er ist zu Kassel als Sohn des berühmten Anatomen und Ehirurgen.Geh- Sanitätsrat Dr. Benedikt Stil- ling geboren.

lnigehen ihr unier Küssen und Herzen mit Radu, einem -c!>ömlcuernoen Prinzen, der vorn Hof geflohen ist Radu htni) Fleana werden überrascht und gebunden ins Lager i xcÄrachr. Als die beiden Liebenden ihr Geheimnis dem

1 Zuli angenommenen Gesetze und die Aufhebung vrr Verschärfung der Hausordnung.

Tas; die Rückgängigmachung der für beide Teile der Eionarchie bereits in straft getretenen Gesetze ein Ding tr Unmöglichkeit ist, darüber können nun freilich die Führer tr Opposition kaum im unklaren sein, und sie würden

Zitier eröffnen, segtict und traut er sie. Aber auch Tamar, itF Zigeunerpoet, liebt dic alles bezaubernde Fleana in- ttuinstig. Sie erteilt jedoch dem liebekranken Dichter einen ci;b. Die zloeite Szene spielt auf der von hellem?Nönd»

lichr übergossenen Ebene. Fleana hat ungeachtet der heißen Liebe des Prinzen nun doch ihr Herz an den Sänger ver­loren. Wäbrend Radu schläft, verbringt sie in TamarS Hütte die Nacht. Radu erwacht und hört die Liebenden. Er uvcrgießr die Hütte mit einer Flasche Petroleum, zündet sie an und laßt sein Weib mit dem Dichter verkohlen. Tann zieht er mit seinem Racheschrei in die Nacht hinaus.

Aus dieser kurzen Analyse erkennt man das Krasse der Handlung, dic am Ende auf die Nerven fällt, ohne sich irgendwie durch echte Schönheit auszuzeichnen. Natur­gemäß leider die Komposition darunter. Ter Schluß mag lehr wirksam für em Varislö der Weltstadt sein, aber in Text und Musik vermißt man das Treffsichere, Logische, Zwingende.

Die neue Sifoung im ungarischen Abgeordnetenhaus.

Auch gestern wiederholten sich im ungarischen Abgeord­netenhaus Die blamabelsten Szenen, die je ein Parlament diskreditiert haben. Sogar ein Minister ließ sich, wie er entschuldigend später sich ausdrücktc,vom Zorn über- mannen" und veranlaßte eine offene Prügele,. Als der »ackere Pavlik wieder mit einer großen Anzahl Schutzleute «schien, war die Opposition diesmal so einsichtsvoll, das Leid aus freien Stücken zu räumen.

Was soll nun werden? An Vorschlägen zur An­lehnung einer Einigung zwischen der nationalen Arbeite purtci und der vereinigten Opposition hat cs nicht gefehlt, über sie sind bisher auf taube Ohren gestoßen. Ter Minister- Präsident Lukacs hat in einer Unterredung als Grund­lage einer solchen Verständigung folgende vier von ilpn cuizubringende Gesetzentwürfe bezeichnet: 1. Ein neues

Lmmunilatsgesetz zur Verstärkung des Schutzes der Ab ^ordneten; 2. Neubegrenzung des Wirkungskreises des 'l arlamentspräsidenten und Schaffung einer Parlamenls- nachc; 3. Reform der Hausordnung mit genauer Umschrei­bung der parlamentarischen Mehrheits- und MinderheilS- i?chte; 4. Wahlreform auf demokratischer fortfchrilt-

t ionelle Abgeordnete mit Tisza zusammen. Der sich ebenfalls nach dem ersten Stockwerk begeben wollte Ter Abg K o v a c s z verließ nut den Dortenmit Schurken sitze ich nicht unter einem Dache ' Den Lift. Zinn folgten Die anderen Opposi­tionellen, woran, Tisza allein im Lut btnauffubv In den WanDclaängen konferierien dic Abgeordneten Franz Kof'utb und Graf Andrasty. Hierauf traten die Führer Der Opposition zu einer Konferenz zusammen Nach Beendigung erklärte Graf Apponyi, Die Opposition solle sich von Den Dele- gatlonswahlen fern halten. Diese Mitteilung rief zu­nächst große UnzusneDenheil hervor. Da man annahm. Die Cppo- imon lollc heute Überhaupt in Der Sitzung nicht erscheinen: Avronyi legre aber seine Worte Dahin aus, die Abgeordnnen follten. beim Namensausrui erklären. Daß ue sich an oen Delegations- Wahlen nicht beteiligten. Da sie Diese für ungesetzlich hielten.

Wiederum Lärm und Prügelei.

Hierauf wurde die Parole ausgegeben, die Ovvosiiion solle sofort ihre Platze einnehmcn. Dies geschah, so Daß vor Eröffnung Der Sitzung Die Bänke dicht besetzt waren. Zn den Reihen der £ uoutionellcn wurde eine Sammlung z u» gunsten Des Polizisten veranstaltet, ber gestern den Ge­horsam verweigert hat.

Znzmischen war auch der Zmmunitütsansschuß zusammenge- tretm, uni über die gestern an ihn überwiesenen Abgeordneten abzuurteilen. Bicrundvierzig Abgeordnete wurden zur Ausschließung auf 30 Sitzungstage und vier zur A h b»11 e l e i st u il g verurteilt. Um 10* t Uhr kamen auch die Mitglieder der Arbettspartei in Den Saal. Sofort be­gannen Die Oppositionellen roieDcr einen Höl­lenlärm. Einige uberbäuften die Mitglieder Der Rechten mit Schmähungen. AnwescnD waren auch Die Minister Gras Sercnyi unD Stanislaus Beoethy, Dic ebenfalls mit Den heftigsten Schimpf- Worten überhaupt wurden. In diesem fXugcnblicf fah man, wie Der Minister Beoethy von feinem Platze auf sprang unD mit erhobenen Fäusten auf Dic Oppositio­nellen losslürzte. Mehrere Oppositionelle warfen sich gleichfalls auf Den Minister unD versetzten ihm Schläge aus Den stopf. Es entstand nn unbeschreiblicher Tumult. Von allen Seiten stürzten Abgeordnete auf den Schauplatz Des Kampfes unD schlugen mit Den Fäusten aur e i n a n D e r. Einige Besonnene trennten die Raufenden. Dock) Dauerte e» lange, bis Dies gelang.

Um 10.40 Uhr betrat Grai Tisza die Präfidententribünc. Es entstand wieder ein £) o 11 e n (d r m auf Der Seite Der Opposition, währcnD die Regierungspartei dem PräsiDenten leb­hafte Ovationen brad^c. Graf Tisza schrieb Die Namen Der Lärmenden auf und unterbrach um 10.45 Uhr die Sitzung, um sich mit Dem Polizciobcrtnspektor Pawlik zu be sprechen. Während Der Paufc blieben Die meisten Abgeordneten auf ihren Plätzen.

Met Grundlage. Tiefe Zugeständnisse werden von der Cjpofition als unannehmbar bezeichnet, denn diese erklärt, » daß sie sich aus Verhandlungen überhaupt erst cinlaffcn l| ü«lle, nachdem Lukacs 'und Tisza zurückgetreten seien. || IScttcu aber sordert sie nichts mehr und nichts weniger »als die sogenannte restitutio in integrum, das heißt die ||Uglgültigkeitserklärung aller nach dem

Tie Kundgkbungen in der Stadt.

Lsenpcst, 18. Scpt. Ter Polizeichef verösscnk- licht eine Kundgebung, in ber die joztalistischcn Sttaßenauszüge verboten und die Sperrung der Haustore für 8 Uhr abends angcordnct werden. Polizei und bewaffnete Macht wurden mit größter Entschiedenheit Auf­treten und nach einem ermahnenden Hornsignal, tvodurch die Menge aufgeforbert werde, fich zu zerstreuen, gegebenen­falls von der Schutz was sc Gebrauch zu machen

Bis 8 Uhr abends waren in ber Stadt nur ganz un­erhebliche Zufammenslötze zwischen Aufrührern und ber Po­lizei vorgekomincn. Einige Gruppen wurden von der Pvliz« ausgelöst und in dic Flucht getrieben. Um 8 Uhr wurde auf Anordnung der Behörde der Stratzenbahnverkehr auf der Ringslratzc eingestellt.

Gegen 8 Uhr abends rottete sich eine große Gruppe an der Kreuzung Der Racusistraße und der Ringstraße unter lärmenden Kundgebungen zusammen. Sic schlu­gen Fenstcrscheiben ein, zertrümmerten 6ad- lamp e n und griffen bie Straßenbahnwagen an. Polizei und Gendarmerie fah sich daher zum Einschrei.« ten genötigt und trieb bie Menge auseinander. 9tunmehr verübten kleinere Trupps in den Nebengassen allerlei Aus­schreitungen. Auch einige Revolverschüsse wurden ab- gefeuert. Wahrend ber Zusammenstößc mit ber Polizei wurden mehrere Ruhestörer verletzt- Bei dem Polizeiamt. des 7. Bezirks wurden etwa 100 Personen cinge­liefert. Die Relkungsgesellfchaft wurde iw 60 Fällen in Anspruch genommen. 28 Verletzte wurden tzcn ztrankenhäusern zugefühn, darunter zwei Polizeibeamte

Gegen 11 Uhr trat allmählich wieder Ruhe ein. '^kach den amtlichen Feststellungen sind bei den StraßenauSschrei». tungeii etwa 80 Personen sestgcnommen worden, von denen 37 in Haft behalten wurden. Verletzungen sind zahlreich vorgekommen. 2 4 Personen wurden schwer ver­letzt.

Die Eihllog deS Maguatenhause».

Os en pest, 18. Sept. Das Magnatenhaus ver­sammelte sich zur Wahl der Telegatwnsmitglledcr Der Opposiiionelle Graf Hadik richtete einen heftigen Angriff gegen den Ministerpräsidenten und forderte ihn auf, seinen Platz zu verlassen, um die Wieder Herstellung des parlamew- tarischen Friedens zu ermöglichen. Ter Ministerprä­sident erwidertem Tie Regierung wird ihren Platz ver­lassen, wenn ber König ober bie Majorität ihr bas Ver­trauen entzieht, aber feine Regierung pflegt zurückzutreten, weil bie Minorität ihr kein Vertrauen entgegenbringt. Von jeber persönlichen Beziehung abgesehen, wurde ein Rück-

.A ehrheilspartci die an sich unvermeidliche W a h l r e f o r m nud) Möglichkeit hinausschieben und abschwächen wollen, füben feine Neigung, die jetzige große Mehrheit durch Neu- tsahlcn aufs Spiel zu setzen, und sie fühlen sich stark genug, nriit der Opposition fertig zu werden, die ihrerfcits bei btc Fortbauer ber parlamentarischen Wirren auf einen Truck von Wien aus zu Gunsten ber Auflösung des Ab- jtordnetenhauses zu rechnen scheint. Das dürfte aber eine a Ische Rechnung sein, beim man wirb in ber Hofburg schwer- iut) Neigung haben, ben Herren Lukacs und Tisza einen .'IchenTank vom Haus Oesterreich" abzustalten. So eigt sich bisher auf keiner Seite die Möglichkeit eines luswegs aus dieser parlamentarischen Krisis, die in Wahr- eit eine StaatskrisiS darstellt.

Ofcnpcst, 18. Sept. Tie oppositionellen Abgeordneten Innen halb nach 9 Ityr, nachdem sie vorher eine Versammlung iLycfcaUcn hatttn, natu bm Parlamem gezogen. Tcr Platz vor liefern war von Neugierigen bicht beicht und em fkärkeres Wach- tuigcbot war aufgcftcllt. Beim List trafen mehrere opposi-

Ur. 221 Lift« Blatt (62. Jahrgang Oonuetstag, 19. September 19(2

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i-it voniiittags S Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Stschüftrstelle vahnhofftraße (6a. AnzeigenteilH. Beck.

I mentarismuS sich im Todeskarnpfe befistde. "Das Ziel der f^positivn geht unverkennbar dahin^