162. Jahrgang
Zweites Blatt
Hi. 15
Gießener Anzeiger
Erlcheml ISgllL mtt TuSnobme deS Sonntags.
General-Anzeiger für Gderheffen
Tte ^«tetzenn .famllienblättff werben bem ,yinAeiqere oimnol roöcbeiithcb beigeleql. das „Krrisblon für öee Kreit Gießen" zweimal wöchenilich. Tie „£anön>irl|d)aftlld)eii -eil- tragen" erscheinen monailid) zweimal.
Dienstag. 16. Januar 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brükllchea UnwerülälS • Buch- und Sieindruckeret.
9t. Lange, ffiicßen.
Redaktion. ErvediNon und T ruderet: Schul- firaue 7. Exved.tron und Verlag; e=Ä M- RedakUom^E 112. TeL-'.’lbr j 'JlujetgerlSteBeiti
Das Ministerium porncare.
Mit Vertrauen blickt der größte Teil des französischen Volles auf zu dem neugebildeten Ministerium Porucare, das sich am 18. Januar der Kammer vorstellen wird, «md doch in ujm die politisch bedeutendsten Namen Frankreichs vertreten, so daß man cs mit dem „grand miiii|Cer2 Leon (vambcttad (1881) vergleicht. Ob es Liefe Vor.chußlorbeercn wirklich verdient, wird avzuwarten sein. Vorläufig rann man nur sagen, daß der Präsident FalliöreS al.es getan hat, um im Gegensatz zu den Ministerien Monis und eail- laur, die aus der Orcregung der Parteirümpse geboren wurden, ein Ministerium zn berufen, das infolge seines erheblichen Einschlags von Senatoren nicht so leicht in bie Verworrenheit Der parlamentari,chen Zustande g-zogen werden kann, somit also eine gewisse StcdglcLt der tiLgierung verbürgt. Und man kann des weiteren annehmen, daß Potn- care und seine Ressortminister, weil sie infolge ihrer Be- währung aus den verschiedensten Regrerungsposten Kenntnisse genug besitzen, auch imstande sind, Frantreia) dura) die ihm drohenden Klippen zu steuern.
Wie schon gemeldet, übernimmt der bisherige Senator Raymoiid PoincarS das Ministerprüfidium und das Aeußere. Er, der schon Minister war, ist in ganz Frankreich so allgemein beliebt und angesehen, dag cs ihm deshalb gelang, eine Rci.-e ganz bedeutender Persönlichkeiten zum Eintritt in das Ministerium zu bewegen. Für Frankreich bedeutet es c.waS völlig neues, wenn Leute, wie Aristide Äriand und Leon Bourgeois, die bereits Mini,ter- prasidenten waren, sich PoincarS unterordnen wvl.en und sich mit den Ministerien der Justiz, ja, sogar des sür Ar- beiterangelegemr-eiien begnügen, und es ivill viel sagen, wenn Thüophile Delcafsö, dessen Streben immer das Ressort des ckusmärtigen war, jetzt zugunsten PoincareS darauf verzichtet hat und in das Ministerium der Marine zurüctrehrt, während Millerand, in dem man nach seiner Verteidigung des MaroRaablommens schon den Nachfolger Des früheren Ministerpräsidenten Cailiaux zu eroliucn glaubte, jetzt uiüer Poincars das Ministerium des Krieges annimmt. Tas Ministerium des Innern wird Steeg verwalten, das der Finanzen Klotz, das des Unterrichts G) u i ft i) a u, das des Handels Fernand David, das der Kolonien Lebrun, das des Ackerbaus Pams und das der öffentlichen Arbeiten Jean Dupuy.
. Bon diesen 12 Männern sind zwei Ministerpräsidenten, acht Minister, einer (Guistyau) Unrerstaatssetretär gewesen, und nur Fernand David, der erst 43 Jahre alt und l)<;i Beruf Rechtsanwalt ist, hat noch keines ver höchsten sue> grerungsämter bekleidet. Er ist Abgeordneter für Hoch- favoyen, und gleich chm fitzen, wenn man die vier ernannten Unterftaatssctre.äre noch hinzunimmt, von diesem se^zchn- löpfigen Kollegium noch 11 andere in der Kummer, während der oenat durch PoincarS, Bourgeois, Dupuy und Pams vertreten ist.
WaS die P ar t e ist ellu n g der neuen Minister an- betrifft, so gehören vier der radikal-sozialistischen, drei der radikalen Gruppe und ebensoviele der demorratischen Linien an, während Herr Millerand sich „sozm.istrscyer Repu- blilaner" nennt und Herr Bxiand nach seinem Austritt aus der sozialistischen Partei „Wilder". Ausfällig bei der Zusammensetzung des Ministeriums Poincarü ist, oaß, während bisher in den Ministerien immer der Süden vorherrschte, diesmal sieben Minister dem Norden Frankreichs, vier der Mitte und nur fünf dem Süden angehören.
Läßt der Lenatoreneinschlag, die MitgäeD,chast früherer Minister und die Zurüädrangung des temperamenivollen Südens von dem Kabinett Poincars erwarten, daß es sich auf leine inneren oder äußeren Abteuer einläßt, so wiro diese Erwartung hinfichtlicy des letzten Punttes noch da-
durch bestärkt,, daß der ruhige Poincars die Leitung des Auswärtigen in Händen hat, und Millerand das iDriegsministerium verwaltet. Tas läßt auch an einen kriegerischen Konflikt mit Spanien nicht glauben. Nicht so ruhig wird es dagegen wahrscheinlich auf dem Gebiete der inneren Politik zugehen, wo zwar jetzt die Verabschiedung des Maro.koab.vmnwns im Senat durchaus gesia-ert ist, aber die Wahlreform, das Bc- amtenstatui und die Einführung einer Einkommensteuer noch heftige Kämpfe mit sich bringen werden. Außerdem aber )estei't, da das Ministerium even so v.ele bewahrte und berühmte Männer zu seinen Mitg.iedern zähli, die Gefahr, daß das, was jetzt seine Stärke ist, späterhin seine Schwäche »edeuten wird. Tenn man hat nie davon gehört, daß bedeutende und markante Persönlichkä.cn lung-re Ze.t miteinander arbeiten können.
5am Hüdtriit öts spanischen Kabinetts.
Das gesamte Kabinett Eaualejas ist zurüclgetretcn, weil König Aisons auch Den letzten der wegen der Meuterei von Eullera zum Tode verurteilten |i.bcn Niatro- s en b eg nav i g te. Bereits vor einigen Tagen waren sechs von den fieven Verurteilten begna^gi worden. Das Kabinett glaube ange.ichts der Vegneidiguug aller Schul- digen die Verantwortung für die Wahrung Der Staatsautorität nicht mehr tragen zn können.
TaS Ministerium EanalejaS Lj-Le am 10. Februar 1910 die Erbschaft des liberalen Kabinet.S Moret angetreten und hat sich allerdings unter verschiedenen Umformungen zwei Jahre am Ruder gehalten.
Wieder em Kabinett Canalcjas.
Madrid, 15. Jan. Eanalejas bildete das Kab in ett mit den bisherigen Mitgliedern.
politische Lagesscharr.
Zur cntf.hi»d.gml- bei Aide.tue.iiitcHmigell.
Dem Deutschen Jndustrieschutzverbande (Sitz Dresden) 'hak sich neuerdings der Verband Deutscher Klernpnec- und Jnitaliateur-Jnnungen (Sitz Leipzig) für seine suy hie^u bereilerllärenden Mitglieder auf Grund eines Gegenseitigteits- Lcurage-3 angeschlosfen. In gleicher Weist hat der Arbcitgeber- samtzverband Deuiswcr Glassabrikcii, die Schudvcrcinigung der Glashütten, Schleisereicn, Mäsereicn und Ztaismer.e.i Deutfckf- lanos mit dem Deutschen Jnouftricschutzvcrbande neue Vereinbarungen gelrosscn, um seinen Mitgliedern für die Fälle von Arbeitseinstellungen einen Rüahall zu siuiern.
Während des abcelauseuen Gesa)ä>ts,ahres sind dem Deutschen Jndutirstsu)ul.v.roand neben nuh.cr.n Arbeilucberrerbänocn 710 Einzelfirmcn mit über .110 Millionen Mark Lohnsumme neu beigctreten.
Die Ausprägung der Münzen im Nechnungesthr 1912.
Im Rechimngsjahr 1919 werden zur Ausmünzung kommen: 78 Millionen Mark in Doppelkconen, 8 130 000 Ml. in Kronen, 16 2j< OUÜ Mk. ui Dreimarkstücken, je 2 70J 500 Mk. in Zwei- markstücien, Einmarkstüaen und uünfzigp,cnnig,tüäcn, 1354.50 Mart in Fünfundzwanzigpstnnigsrüclen, 6/73/j Mk. in Zehn- psennigstüäen, 541LOO Mk. in Funspsennigstücken, 108 ^00 Mk. in Zweipsennigsiückcn, 200 000 Mk. in Einpfennigstücken. Insgesamt iverdcn zur Ausmünzung kommen 113 39/625 Mk.
Aus Hessen.
Parlamentarische Nachrichten.
bs. D a r m st a d t, 15. Jan. 25e na.ionalliberale Fraktion Der Zweiten Kammer hielt heute eine interne Sitzung ab, in der eine Besprechung des Budgets vorgenommen lvuroe. Sodann wurde über einen Antrag Schö nberger verl-andelt, der die llebertragung der
Schullasteu auf den Staat fordert. Der Antrag wurde von der Fraktion angenommen.
Tie für den IG. Januar angesehte Sitzung des Finanzausschusses wurde auf den 17. ds. Mts. verlegt.
rb. Darrnstadt, 15. Jan. Tie nationallibe^ raleFraktionder Zw.iten Kammer beschieß einstimmig, soigenven Antrag einzubringen:
„Wir LediitiQutd, zu ersuchen, diesem Land-
tag im Anschluß an die Mitteilung in der Trucksache 914 dcS 31. Landtags eine Lcnkscorist u-er die llebernahme der V o l k s i a; u l e auf d e n S t a a t in samächcr und persönlicher .Viniia,t vorzulegen, daoci Auskunft zu gcjcii, wie sich die histo- rija-e Entwickelung in unserem Lande uno in den üorigcn Staaien Deulfchlands vockzogen HM, sowie welche finanziellen Wirkungen oie Ueoernahme dieser Äonen für den Staat und die Gcmemoeu gaben mürbe."
In Der vorstehend erwähnten Regierungsmitteilung an den 31. Landtag (190./02) waren den Landständen in sechs statistifcheu Tabellen die Ergebnisse der von der Regierung auf Wunsch Der Kammer angestellten Erhebungen vorgelegt worden, krs sei daraus erwähnt, daß sich nach Den damaligen Ermittelungen Die von den Gemeinden au,zubrin- geifuen gesamten Vonsschullasien (einsc.)iießlich der Kosten für die Unterhaltung der Gebäude, in der Provinz Rhein- Hessen auf 1 6j8ö4ü Mk., in Starkenburg auf 2 61ui6J Mk. uno in Oberstes seit auf 1055 755 Mk., insgesamt also auf 3 339 764 Mt. stellten. Hierzu kamen als Ziifchüsse für die höheren Schulen noch sür Rheinhefsen 7318Z Mk., für Starkenburg 181537 Mk. und sür i^berhessen 83 alG Mk., io daß sich also vor ze^n Jahren die Gesamtausgaben der yessischen GcnicinDen für die Volksschulen auf 5 711505 Mk. beieajnetcn. Die per,önlichen Au-gaben Der Volksschule stellten sich damals sür die Gemeinven in Rheinhessen auf 1410190 Mk., in Starkenvurg auf 2125105 Mk., in Ober- Hessen auf 862 502 Mt., in Summa also auf 4 307 798 Mk. Zu den Kosten der Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Real- ichulen uno Realschulen hatten die hessisa)en Gemeinden 1JÜ2/03 insgefamt 289 540 Mk. zu leisten.
rb. Darmstadt, 15. Jan. In der Ersten Kammer der LauDslände hat das Mugüed Frhr. Heyl zu Herrnsheim an die Regierung oie Anfrage gerichtet^ welche Schritte Die Regierung aus Die Eingabe der in R.-e.n- sachen vereinigten RheiugemeinDen nameu.iich bezüglich der Lampertheimer Altrheine uiuernommen habe.
Deurjcye Kolonien.
Eine Auflöning der selbständigen Verw.'.ltnng SamoaS und eine Angliederung Sarnoas an die Zentral^ Verwaltung von Neu-Guinea ist für das Etattzjahr 1913 von der Koloniatverwaltung geplant. Schon seit längerer Zeit wurde dieser Geoanke an zuständiger Stelle erwogen. Es i|t beabsichtigt, den Gouverncurposten von Samoa nicht mehr zu besetzen, er wird vorläufig provisorisch verwaltet werden bis die Angliederung Sarnoas an die Verwaltung von Äteu-Guinca durchgcsübrt in. Tie Zentralverwaltung von Neu^ Guinea, der bereits die Ä'aroünen und Marschall-Inseln unter- stellt sind, wird später also die Gesamtverwaltung aber deutschen Südscekolonicn darstellen.
Die Gründe für die Aufhebung des Gouvernements Samoa sind folgende: Tie Kolonialverwaltung steht auf dem Standupnkte, daß nach Durchführung geordneter Rechts- zui.ände auf Sumoa ein selbständiger Gouverneur entbehrt werden fann und die Verwaltung aller Südscekolonien von einem Vunkie aus sowohl ans wirlfck-aftlichen als auch sinanzieUm Gründen geboten erscheint.
Vesiere Aussichten fur den deutschen Tiamantenvrrgbau.
Am letzten. Freitag haben Beratungen i m Reichskolonialamt mit Fachleuten stattgesunden, die der Ersetzung des zurzeit bestehenden Tiamanten-Arutto-Zolles durch den Dia- manien-Netto-Zoll galten. Die Verhandlungen haben noch zu teüiem abschließenden Ergebnis geführt und werden in allernächster
ver Zrudhos und seine venimäler?)
Eine seiner besten Erzählungen nennt Wilhelm Raabe „Ter Schüdderump" nach einem großen Karren, mit dem vor Jahrhunderten Die Pestleicl>en zur Grube getarct und unterschieoslos in sie hineingeswüitet wurden. Es ist wahrhaftig kein sreund- lichcs Bild, das sich hier in diesem gewaltigen Verfahren hinter der Kiraihossmauer zeigt. Ter Lchüdderuinp iit lange beifcue gesetzt; vecjckstvunden aus dem Leben ist er Darum Doch nicht. In langen "Reihen liegen die Verstorbenen auf dem Friedho,, ohne Uiuerschied, cs sei Denn, daß die ausdringliche Form irgendeines Denkmals einen Wechsel bringt. Man sagt, daß der Tod die Gegensätze ausglciche; äußerlich tommt das schon in der über- cinstiniuienden Hätzlichreit der Denkmäler zuni Ausdruck, die nur schwer durch die Vegemtion gemildert wird. .Schon Die vielfach nüchterne, einförmige Nlauer, die hart und schrolf wie em Gefängnis die Statte umschließt, kündet die Lieolosigt'eit des lebenden Geschlechts Den Toten gegenüber. Der emjelne ist machtlos gegen Die Gewohnheit; nur ein allgemeiner Wechsel der An- febauungen, gegen Den sich Die Geistlichkeit am allerwenigsten stemmen sollte, tann eine Besserung cinieiten
Seit wenigen Jahren ist Denn auch eine Bewegung un Gange, dem Gräberkultus eine höhere Weihe zu geben. Vor em^gen Jahren veranstaltete Die Geieckickiaft sür Stirn,t ui Wiesbaden eme Ausstellung guter Grabdenttnalstunst, über die ein größeres, ^vert herausgegeoen wurde, nackchem Heinrich Sohnrey in seinem Sammelwerle „KAnst auf Dem Lande" Den Boden Daiur bereuet hatte. Seit der Zeit ist die Frage nid)t zum Stillstand gekommen. Ter landsckxrstlia) schöne Fnedhof zu Ohlsdorf bei Hamburg hat durch Laurat Hans Grässel ein modernes Gegenstück in dem bekannten Waldsriedho, bei Müiichett gcfui^en, eine Reihe von Veröffentlichungen über Friedhöfe und Friedl/ofskunst, uiucr ihnen eine ausgezeichnete von Högg und Holtz üoer norddeutsche Grabdenkmäler Verlag der Deutschen Landbuchhandlung in Berttn) ist erschienen — und doch ist dec Erfolg nur gering anzuschlagcn. Gewiß gehört dazu, auch einen Wandel der Ansck-auungeii an- zubahnen: hier aber sollte er erleichtert fein durch Die alte Friedl,osstnnst. Die noch vor einem halben Jahrhundert wenigstens auf den Tönern nicht erloschen war. Das ist.um so trauriger, als hier die Platzfrage nictst in demselben Maße eine Besserung erschwert. In der Großstadt werden ja_ die Toten lewer schon nach zwei Jahrzehnten in ihrer Ruhe gestört, um neuen Grabern Platz zu nm .rat; hier ist auch die Grabdenkmalsuidustrte mit ihrer geschmacklosen Dutzendware schwerer zu üüerwiirden als aus dem Lande. Trotzdem bat wenigstens vereinzelt schon eine Les-
*) Aus „Heimatschutz in Brandenburg", Milteilungen der Landesgruppe Brandenburg des Bundes Heimaischutz.
serung eingesetzt, wenn die Kirchhossverwaltung ihr entgegen» kommt. Au, dem Dorfe aber hat diese Bewegung noch teilten Erfolg gezeitigt.
Die Gegenwart freilich drängt den Friedhof immer mehr heraus aus den Siedelungen. Wir werden zufrieden lein dürfen, wenn die allen Friedhöfe mit ihren Denkmälern als Gärten erhalten werden. Daß man einen neuen auf einen möglichst öden Platz verweist, ist sastießlich nicht schlimm, daß man aber so wenig Sinn für eine schlichte Anlage hat, daß man die häßlichen polterten Granite uno die schlimmeren Zementgüsse dort duldet, ist weniger zn begreifen. Es i,t durchaus nicht nötig, die malerische Gestaltung der alten Friedhöfe, die zum größten Teil cm Ergebnis der Zeil ist, künstlich in die neuen Anlagen Hinüberzurelten. Man kann sehr gut Ordnung nut der Kunst in Ueber- einiiimmung bringen, wenn nur die letztere nicht in eine prunkende Jndustricherrschajt ausartet. Mehr vielleicht als aus anderen Gebieten ernt sich hier em schlichter Ernst mit der Ausgabe als bei anderen künstlerischen Aufgaben, um fo mehr, als die Namr von selbst vollendet, was der künstlerische Wille beginnt.
'.Ui an wird bei Friedhöfen Unter schiede zwischen denen Der Großstädte und Der Dörfer machen müssen, obwohl auch hier Die Wahl Des Platzes Den vorhanDenen WalD begünstigen lonn.c. Aleer Die endlosen Gräberreihen mit ihren protzigen Eisengittern, die unausstehlich blinkenden schwarzen oder weitzen Tentmäiec, Der ParaDearchiteltur Der Erbbegräbnisse müssen j.de Stimmung ertöten, auch wenn sie ein stattlicher WalD beschattet. Es wäre an der Zeit, Daß Die Konsistorien über gutgemeinte, meist schlecht besclgie Anregungen sich hinwegsetzien und üb.rcinitimmenDe Anordnungen über Anlagen von Friedhöfen, über die Grab- und Tenkmalsgestaltung erließen. , Ter künstlerischen Freiheit mühte natürlich eine Entfaltung gesichert bleiben, die ja auch älteren Friedhöfen nicht versagt war. Was indessen ein fester Wille m dec Stadt erzwingen muß, sollte sich in den einfacheren Verhältnissen des Torfes von selbst heranbilden. ....
Und cs gehört nicht viel dazu, wenn man Die einsamen unD doch so schönen Grabdenkmäler der älteren Zeit betrachtet. Ta war der Torftischler oder Schmied wohl imuanDe, ein schiuotes Holzkreuz oder em reicheres au- Eisen herzustellen. Auch Der S.em sand Verwendung, wenn ein geeignetes Material in dec Nähe war. Tas erstere ist fast völlig ausgeschaliet, weit von ängstlichen Gemü.ern seine Vergüngtiusleit geiieno gemacht wird. Man sindet aber auch in NorDdeutschlanD Gcab,teine aus Holz, die 30 bis 40 Jahre am Platze, uno Oie noch länger zu ergal.en sind, wenn das Dolz gegen Fäulnis geschützt wico. Dieser Grund ist al>o nich: stick,haltig; er wird aus, wo l nur angc ugr!, weu^itan fiel» die Hauptgründe nicht eingestchen will. Aus De; einen oe.tc erolickt man cm Zcitgen der Armut m Dem Holz uno mautc es oen Besscrgestetllen nachmaiyen, wenn man auch nur die
ödeste Marktware kauft, auf Der anderen aber fehlt den Dorl- tischlern jedes Vertrauen zu ihrer Kunst. Als für Das ostpreußische Heimatmuseum vor einiger Zeit einige, technisch alleroings sehr hochstehende eigenartige hölzerne Grabstellen aus dem ermländifchen Oberlande nacygebildet werden sollten, sah sich kein Dorftischler dieser Ausgabe gewachsen, obwohl in den achtziger Jahren Des. vorigen Jahrhunoerls solche Stelen angefertigt rourDen und Denkmäler genügend zur Nachbildung vorhanden waren. Wo einmal eine VoU-tunst ausgefiorben ist, widerstrebt der NächstbeteiligkL am heftigsten ihrer Wiederaufnahme. Tas zeigt sich auch bä den sck)öncn eisernen Grabtreuzen, die in Norddeutschland kaum noch, in Süddcutschland nur in stark verminderter Kunst herae,teilt werden. Und was in Stein an ihre Stelle tritt: Die grellen schwarz oder weißpolierten Stellen uno Kreuze stehen auf derselben Stufe wie die einer mißverstandenen Gotik nachgebildeten Kreuze aus Gußeisen oder die be.enden Engel und aufgeschlageneu Bücher aus Porzellan. Daß diese letztgenannten aber in Den letzten Jahren etwas verschwunDen sinD, gibt wenigstens Hoffnung auf das Verdrängen auch Der teuren, prunkenoen und Doch so unschönen, stimmungsvollen Granit- unD Marmordenkmale durch einfache unb künstlerische Gebilde. . t t
Es soll damit aber nicht getagt fern, daß der Granrt ober Der. Marmor unter allen Umständen zu vermeiden sei. Auch Diesen Stoffen kann eine tünstleri^ckfe Gestattung gegeben werden, wenn sie aua) taum die stimmungsvolle Wirkung am einem Friedho,e erreicht, die bem Holze oder dem Schmiedeeisen eigen ist. Nicht das Material ist es, was unsere Friedhose entstellt, sondern die flache, gcsck)äcksmähige Unfunit, mit der Die Steinschleiscreien Das Land überschüitcn. Wer Das Geld Dazu anroenoen will, sich ein ftei- nernej Denkmal zu leisten, dem soll es, wenn es einigermaßen künstlerisch ist, unbenommen sein. Er wird die Wege dahin,schon zu finden wissen. Tie anderen aber, die nur aus Unb.hilslichkeit und vielleicht auch aus mangelndem künstlerischen Verträum zu der neueren Marktware greisen, müßten über diese aufgeklärt werden.
In wirkungsvoller Weise tonnen das nur Die Geistlichen und Die Lehrer. Namentlich der erstere soll es sich ange.egen sein lassen, den ihm unterstellten Kirchhof von geichmacklosem Prunt sreizu- hallen, wenn es nicht anders geht, Durch .Archhofsvvrschriflen, Die eine gewifsc Einheitlichkeit gewährleisten. Für Den schon crwähmen Münchener Waldsrieohof find solche erlassen. Die für einzelne Abteilungen hölzerne, titerne oder steinerne Denkmäler vorschrciben. Aus Dem Tonsrieichof kann man allerdings diese Un.erschiene nicht machen, aber möglim ist es, für alle Tenkmä.er Gestaltungsgrundsatze sestzulegen uno auch bei Verwendung besonders prunwotler erhöh.c Geoüyrcn für Das Grab in Rechnung zu stellen.
Ter Sckiopfcc Des Münmener K.rchgo.s ging auch weiter, indem er die Steinmetzen mehrmals zu Versammlungen aus Den Kirckjhos, wo er eine Reitze tünstleäscher Musterdenkmälec ausge-


