Nr. 39
frfdjeinl täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Nicht unpci'traft verletzt man die
(Sehr richtig! links.)
Ausgaben sind die w i ch t i g st c n.
für das Tenn hier Veraniwor-
162. Jahrgang
Tie „rießener ZamillenblLtter" werden dem .Anzeiger* dermal wöchentlich bergelegt. dar „tiretrdlatt ffir den Krcts «tetzen- zweimal wöchentlich. Die „randwlttschaktllchen Lett» tragen" erscheinen monatlich zweimal.
ein ungesundes Verhältnis.
Gesetze der Volkswirtschaft.
Die militärischen Reich unzweifelhaft.
Rotationsdruck und Vertag der Drübliche» Umvciiuats • Buch» und ©rcmDrudcteu VL Lange, Gießen.
Redaktion. ErvediNon und Dnickerelr kchuk- fhnBe 7. 6rveömon und Vertag. 5L Dtcöatnun;e*9»112. Lcl.'2lbl^AuzeigerG»eßen
hat das Reich seine Hauptaufgabe und seine größte hing. Aber man genügt dieser Verantwortung nicht, wenn wir Wehrvorlagen zwar bereini
gen, wenn re i r aber vor der Deckung die Augen schließen, in der Hoffnung, daß die Zukunft das Versäumte schon nachhalen wird. Tas heißt nichts anderes, als die Für» sorge für die Existenz der Nation auf eine spätere Generation abschieben. Tenn auch für unsere Nachkommen wird vermutlich noch der Satz gelten, das gesunde Finanzen auch die Grundlage unserer Wehrkraft bilden. Wir haben unS dieser Einsicht nicht entzogen, und zweimal kurz hintereinander in großem Maßstabe neue Deckungsmittel beschafft, nicht ohne schwere politische Erschütterung. (Sehr richtig! und Unruhe im ganzen Hause.) Aber wenn man einem durchgehenden Roß die Zügel wieder anlegen will, so läßt sich das nicht mit einem Ruck erreichen. Wir haben daber die Anleihen auch jetzt noch nicht ganz vermeiden können, aber sie betragen diesmal nur 44 Millionen, davon 12 Millionen Marr für werbende Ausgaben. Und doch ist der Etat sehr vorsichtig gemacht worden, viele Ausgaben, die früher
Mb. Deutscher Reichstag.
8 Sitzung, Mittwoch, den 14. Februar.
Elm Tische bc5 BundeSratS: Einige süddeutsche Kommissare. TaS Haus ist stark besetzt, die Tribünen überfüllt.
Erster Vizepräsident Scheidcman» eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Minuten mit der Mitteilung, daß vom zweiten Vize- vräsidcnten Dr. Paasche folgendes Schreiben eingegangen ist:
..Dem Präsidium des Reichstags teile ich hierdurch ergebenst mit. daß ,ch mein A m t als zweiter Vizepräsident hiermit niederlege. Dr. Paasche."
(Beifall rechts und im Zentrum, Heiterkeit links.)
Erster Vizepräsident Scheidemann:
Ich schlage dem Hause vor. die nunmehr notwendig gewordene Wahl des zweiten Vizepräsidenten heute sofort nach der Wahl des Präsidenten vorzunehmen. DaS ist nur zu» lässig, wenn kein Mitglied deS Hauses widerspricht. Ich frage deS» halb das Haus, ob eß mit meinem Vorschläge einversianden ist. (Widerspruch wird nicht erhoben.) Es erfolgt kein Widerspruch fcic werden also nach der Wahl des Präsidenten sogleich die Wahl zweiten Vizepräsidenten vornehmen.
Die Wahl des PräHdenfen.
Cö erfolgt nun die Wahl des Präsidenten durch Zettel.
ES wurden 374 Stimmen abgegeben. Davon waren 173 Zette! unbeschrieben. (Zentrum und Rechte.)
Auf den Abgeordneten Kaernpf lVp.) entfielen 193 Stirn- men. Je eine Stimme erhielten noch die Abgeordneten Z u b e i l (Soz.), Simon (Soz), Kreth (Kons.), Dr. Will (Zentr.) und Graf Oppersdorfs (Wild).
Abgeordneter Kne m p f ist also zum Präsidenten des Reichstags gewählt. Auf die Frage des ersten Vizepräsi» deuten Scheide mann, ob er die Wahl annehme. erklärte et: Ich fühle mich verpflichtet, die Wahl anzu» nehmen. (Lebhafter Beifall links.)
Präsident Kaempf übernimmt darauf das Präsidium.
Es folgt die Wahl des- zweiten Vizepräsidenten.
Es werden 371 Zettel abgegeben, davon find 165 unbe- schrieben. Der Abgeordnete Tove (Vp.) wird mit 194 Stimmen zum zweiten Vizepräsidenten gewählt.
Außerdem erhielten noch R o e f e r (Vp.) 3 Stimmen. Dr. Müller.Meiningen (Vp.) 2 Stimmen, Stadt» bagen (Scz.) 2 Stimmen. Je eine Stimme erhielten die Abgeordneten G o t h e i n (Vp.), Haußmann (Vp.), Simon .(Soz.), Dr. Heck sch er (Vp.) und Basser mann (Natl.).
Auf die Frage des Präsidenten, ob er die Wahl annehme, erklärt Abgeordneter Dovc: Ich nehme die Wahl an. (Beifall links.)
Das Präsidium ist also gewählt, und der Reichstag ist Ion» iHtuicrt.
ES wird in die sachlichen Verhandlungen eingetreten.
Am Tische des Bundesrat sind erschienen: Wermuth, Delbrück, Kraetke, Kühn.
Ein Antrag auf Einstellung schwebender Strafverfahren gegen die Abgeordneten Ebert (Soz.), Fischer-Sachsen (Soz.) und Feuer st ein (Soz.) wird angenommen.
Aus der Tagesordnung steht bann die Interpellation SJa ff ermann (Natl.) bet reffenb die Verhandlungen der Brüsseler Zuckerkonferenz.
Auf die Anfrage des Präsidenten erklärt der Staatssekretär des Neichsschatzamtes Wermuth: Die Lage der Verhandlungen über eins etwaige Aendcrung und Verlängerung der Brüsseler Zuckerkonvention gestalten eS nach dem internationalen Brauche nicht, die Interpellation jetzt zu be- antworten. Sobald cd mir gestattet ist, werde ich es nicht unterlassen, auf die Interpellation zurückzukommen und dem Herrn Präsidenten eine dahingehende Mitteilung zu machen.
Damit ist für Ü'ute die Interpellation erledigt.
Auf der Tagesordnung stehen weiter die Interpellationen D r. Ablaß (Vp.) und Albrecht (Soz.) betreffend die sofortige zeitweilige Aufhebung b c ß Zolles auf Mais und Futtergerste und die Suspendierung des am 15. Februar eintretenden Kartoffelzolles bis 1. Mai dieses Jahres.
Scl)atzsekretär Wermuth erklärt dazu: Der Reichskanzler wird bereit sein, die beiden Interpellationen im Laufe der nächsten Woche an einem, dem Präsidenten noch anzuzeigenden Tage zu beantworten. Da die Interpellationen auf das unmittelbar bevorstehende Inkrafttreten des Zolls für Früh- kartosseln hiawirken, möchte i* hinzufügen, daß Erwägungen darüber schweben, ob und in welcher Weise der Bundesrat innerhalb der ihm zustehenden Befugnisse d i e Einfuhr von Kartoffeln vorjähriger Ernte in der Zeit vor dem 1. M a i erleichtern kann. (Beifall.)
Damit sind auch diese Interpellationen vorläufig erledigt.
Die erste lieiung des Etats.
Schatzsckrctär Wcrmuth:
Beim Beginn der Legislaturperiode ist c5 vielleicht nützlich, «inen Rückblick auf der. Weg zu werfen, den das deutsche Finanzwesen bisher zurückgelegt hat. Er war anfangs eben, bemach ist er zusehends gesteigert worden. DaS junge Reich stand im Jahre 1872 vor Ausgaben in Höhe von 450 Millionen, davon 5^ auf daß Heer, '/.» auf die Marine. Der Staatssekretär gibt- im weiteren die Einzelziffern für die einzelnen Verwaltungen. Der Etat, den ich Ihnen jetzt vorlege, schließt, abgelegen von den Ucbcrrocifungen und den durch sie gedeckten Matrikular- ■beitränen im Betrage von 183 Millionen mit einer Gesamtausgabe von 2519 Millionen. Davon entfallen auf die fortdauernden ordentlichen Ausgaben 2275 Millionen, auf die ordentlichen einmaligen Ausgaben 410 Millionen und auf die ordentlichen außerordentlichen Ausgaben 34 Millionen. Die effektive Anleihe be- läuft sich auf 44 Millionen Mark. Wenn man die Schulden- 1 tilgungSbeträgc abzieht, so «-ntfällt von der Gesamtfumme auf daß Heer etwa ein kleines Drittel, 875 Millionen, auf die Marine 450 Millionen, a’fo etwa ein Sechstel, auf die Post 714 und die 1 Eisenbahnen 124 Millionen, diese'beiden zusammen also auch ungefähr ein Drittel. ES folgt daS ReichSarnt des Innern mit 142, das Auswärtige Amt mit 19, die Verwaltung der Schutzgebiete i mit 33 und die kleinen Verwaltungen mit 22 Millionen, schließ- ■ l'ch die Beträge der Kompensationen mit 184 und Sebuldenzimen < mit 185 Millionen. An der Spitze der ^'"nahmen > stehen die aus Zöllen und Steuern im Betrage bon 1564 Millionen ■ Mark. i
Die Post hat eine Gesamteinnahme von 781 Millionen und Daneben, je nachdem man die Anleihe mitrrdmet oder nicht, einen Ueberschuß von 67 oder 89 Millionen, die Eisenbahnen eine Bruttoeinnahme von 139 Millionen, einen Ueberschuß von 14 bezw. 24 Millionen. Dazu treten die kleineren Verwaltungsein, nahmen mit 110 Millionen, die Matrikularbeiträge mit 52 Millionen. Danach zeigt der Anfangspunkt und der bisherige Endpunkt unserer Finanzwirtschaft Unterschiede, toi; sie nur i n einem fugendlich auflebentcn Gemeinwesen vorkommen können. Aber c5 ist nicht nur, daß wir un3 eine Fülle von Aufgaben neu zugelegt haben, die mit den Aufwendungen verbunden sind, wie beispielsweise dieganze sozialpolitische Fürsorge, die Verwaltung der Schutzgebiete, das Fernsprcck> wesen, das Poitscheckwesen, die Verwaltuiig des Kaiser Wilhelm- Kanals und vieles andere; c5 ist auch nicht nur, daß reit während dieses Zeitraumes uns eine Flotte vollständig neu geschaffen haben, — nein, es ist in hohem Maße mit der unerhörte Aufschwung, den lvir, und nicht wir allein, erst im letzten Menschenalter genommen haben. Die Vermehrung Der Bevölkerung um 60 Prozent bietet für tiejen Aufschwung keineswegs einen ausreichenden Nachweis; die Annäherung von Landern und Menscheii, die ganze au(jcrorbe»tlic('c Ausdehnung des Schaffens und des Austausches auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens baden daß ihre dazu beigetragen. Haben sich die Ausgaben der Post verachtfacht, so ist die Zahl der Poslscnoungcn auf das zwölffgche gestiegen usw. Auch in der Statistik des Verkehrs, bed Innen- und Außenhandels, der Gütererzeugung und des Bank und Geldwesens findet diese Ausgabenvermehrung ihren treuen Spiegel.
Tie erste Aufgabe, die die zu in ewigen Bunde vereinten Fürsten und Länder übernommen haben, war der Schutz des Bundesgebietes. Indem das Reich mit dem Hauptteil teiner Kraft diese Aufgabe für dse einzelnen Staaten übernahm, ermöglichte es den Bundesregierungen, auch den ihnen vor behalte ne ii Ausgaben gerecht zu werden. Wenn das Reich so in den Kreis der den Staaten vorbehaltenen Aufgaben hinein- griff, so war die notwendige Folge, daß es sich eines Teiles ihrer iSherigen Einnahmequellen bemächtigen muß. Damit wurden die Sebcnßbcbir.gungcn der Glieder des Reiches erleichtert. Es ist irreführend, wenn man berechnet, daß von den Ausgaben des Reiches 58 Prozent und von seinen reinen Ausgaben 80 Prozent auf Heer und Marine entfallen. Ein solches Zahlen- spiel mache ich nicht mit. Man muß nämlich :n die Ausgaben oeß Reiches auch diejenigen Posten der Bundesstaaten stellen, die sie sonst für ihren Schutz brauchten. Nun haben im ganzen die Bundesstaaten eine Ausgabe von 8,11 Milliarden, und, wenn man gewisse Betriebe abrechnet, von 5,2 Milliarden, föeer und Marine beanspruchen aber, und zwar im weitesten Sinne, einschließlich der Pensionen und der Zinsen für die zu solchen Zwecken aufgenommenen Anleihen 1558 Millionen, daß sind von den Rohausgaben 18,2 Prozent und von den ReinauSgaben 26 8 Proz. Das Reich ist eß den Bundesstaaten, der Bevölkerung und seiner eigenen Machtstellung schuldig, seine Wehrkraft auf der H ö h e zu er- ha'l t e n. (Sehr richtig! rechts.) In dieser Beziehung ist hier nichts übertrieben und nichts verabsäumt worden und es wird auch in Zukunft nichts übertrieben und verabsäumt werden. (Lebhaftes Bravo.) Nun ist zwar ein Vergleich zwischen 1872 und 1912 sehr lehrreich, in welcher Weise die Ausgaben des Reiches gestiegen sind. Sie übertrafen im Jahre 1887 die erste Milliarde. Eine Anleihe wurde bis 1877 nicht ausgenommen. Da beginnen einige kleine Anleihen, die aber durchweg unter hundert Millionen blieben. Die Zeit von 1887 bis 1804 brachte beträchtlichere Anleihen, und wenngleich mehrere Jahre mit geringeren Schuldenaufnabmen auSfamen, so belief sich doch in der cutten Zeit des neuen Jahrhunderts die Gesamt- schuld auf mehr als zwei Milliarden, während gleichzeitig bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts die fortdauernden Aufwendungen dieselbe Höbe erreichten. Die Anleihen wuchsen schnell, im Jahre 1909 batten wir 2,7 Milliarden aufgenommen. (Hört! Hört!) War schon dieser hohe Betrag und die fortwährende schnelle Beanspruchung des Geldmarktes bedenklich, so war der eigentliche Mißstanb doch der Zweck dieser Anleihe. Nur 14 Proz. entfielen auf werdende Ausgaben, auf Post und Eisenbahn, die übrigen 86 Proz. auf außerordentliche, davon 60 Proz. auf Heer und Marine und 14 Proz. auf sozialpolitische Zwecke.
Daß Verhältnis zwischen werbenden und nicht werbenden Anlagen ist ganz verschieden im Reich und in den Bundesstaaten. In den Bundesstaaten finden wir hauptsächlich Anleihen für Anlagen, die sich nicht nur selbst verzinsen, sondern noch durch Ucberschüsse auf den allgemeinen Haushalt günstig eimvirkeii. DaS sind besonders die Eisenbahnen. Von der gesamten preußischen Etatsschuld entfallen nicht weniger als 78 Prozent auf Eisenbahnanlagen, und ähnlich ist cs in den anderen Bundesstaaten, z. B. in Baden 100 Proz., Mecklenburg-Schwerin 69 Proz. Zu den Eisenbahnanleihen kommen in Preußen noch kleine An leihen für Ausgaben der Bergverwaltung. Ganz anders im Reich. Die Ueberschüsie aus den Betriebsverwaltungen treten hier bei den Einnahmen vollständig zurück, selbst in der Postver- roaltung. Deshalb kann sich auch im Reich ein Anleihe- Wesen mit fundiertem Charakter gar nicht entwickeln. Insgesamt betrugen die Schulden be5 Reichs und der Bundesstaaten zusammen Anfang 1910 19,3 Milliarden. Seit- dem dürfte c5 noch eine Milliarde mehr geworden sein. tHört! hört! links.) Von diesen 19,3 Milliarden sind Anleihen für nicht werbende Ausgaben 7 bis 8 Milliarden, und von diesen 7—8 Milliarden fallen 1,5 Milliarden auf das Reich. TaS ist
im außerordentlichen Etat standen, sind jetzt auf de t ordentlichen übernommen worden.
Im außerordentlichen Etat finden sich jetzt Dot allem noch die Raten für die SchiffSbauien, die sich biß zum Jahre 1917 binziehcn; ferner Ausgaben für den kleinen Wohnungsbau usw. Waren 1911 noch 182 Milli'nen auf dem außerordentlichen Etat, so betrug diese Ziffer im Jahre 1912 nur noch 103 Millionen. Unb demgemäß ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß die >-ck'uldent:IgungSbeträge, diesmal 85 Millionen Mark, ihrer wirk- licken Bestimmung zugeführt werden. Im Jahre 1010 und 1911 mar daS bekanntlich nur auf dem Umwege über die Uebersck'iissc möglich. Allerdings ist die Bereinigung des außerordentlichen Etats noch) nickt beendet, und wir müsieu bosi'en, daß die Schuldentilgung nicht Ivieder in! Stocken gerät. Eine Uel'ersicht darüber, was die Bundesstaaten in den 40er fahren des Reiches an Matriknlarbeiträgen geleistet und was ne an Ucbcrrocifungen bar erhalten haben, ist baß Bunteste, iraß die Geschichte der Finanzen beß Rcicheß bisher hervorgebracht hat. (Hört hort II Bis 1879 bewegten sich bic Matrikularbeiträge auf ber Turchschnittßhöhe von 64 Millionen. Daun änberte sich bas Bilb infolge ber Zolltarifgesetzgebung von 1870. Dadurch sanken bekanntlich die Matrikularbeiträge herab und berluanbclten sich in Mehr übel Weisungen, bic 1889 mit 110 Millionen den Höhepunkt erreichtem
Leickw muß der damaligen Finanzverwaltung die Heraus- Zahlung nicht geworben sein. (Große Heiterkeit.) Denn gerade 1,1 $cn ^krcii 1887 biß 89 mußte daß Reich eine Gesaintanlctbe Von 640 Millionen Mark aufn hmen. DaS kennzeichnet die ganze Perrode. Don 1883 biö 1K89 haben die Bundesstaaten vom Reick, an Ileberweisungen erhalten 512 Millionen Mark, während das Reich Anleihen Von 1915 Millionen Mark kontrahierte. (Leh. boflcS Hört, hörtl) Dabei darf inan auch die Fehlbeträge nicht Vemcffcn, mit denen mehrere Etats abschlossen. Von 1898 an Nichte man nun mit der SpannungSthcoric den Effekt zu er- zielen, daß nn Verlauf mehrerer Jahre die Matrikularbeiträge 'Nid ucbcrrocifungen sich ausgleichen. Dann bildeten sich die be« itmmt bemessenen Matrikularbeiträge heraus, und daraus ent- ftanb da s Shstem ber ge ft unbeten Matrikularbeiträge, baS bekanntlich einer bebingkn Anleihe zum Ver- weckneln ähnlich sieht. (Lebhafte Zustimmung.) Da- war eine oCit der größten Unsicherheit, sic brachte auch ben Bundesstaaten nicnt die erhoffte Sicherheit, denn über ihnen schwebte wie eine drohende Wolke die Wiedereinsetzung der Matrikularbeiträge.
Seit 1909 bildete fick, ein zwar nicht auf Gesetz beruhender Beharrungszustand: 80 Pf. Dcatrikularbciträge und Fehlbeträge und Uebcrschüsse zu Guisilen und Lasten des Reiches. Jedenfalls können wir auf dem Gebiete der Matrikularbeiträge nicht mehr »roße Erperimente machen. Die Matrikularbeiträge find nach wie vor ein wünschenswertes und unentbehrliches Bindeglied zwischen Reich und Bundes st a a t e n Aber sie sind nicht mehr eine der wesentlichen Bestandteile ter RcichSeinnahmen, weil die Leistungsfähigkeit der Bundesstaaten gegenüber dem ungeheuren ReichSbedarf keineswegs unbegrenzt ist. zumal das Reich fein eigenes Steuergebiet Wesentlich ausgedehnt bat. Die Bundesstaaten, insbesondere die kleineren, sind außer Stande, die Lasten des Reiches neben den eigenen Etaats- lasten ohne Begrenzung zu tragen. (Sehr richtig!) Wollten wir ihnen den Mehrbedarf aufbrängen, so hieße daS. die gegenwärtige Verlegenheit in derselben Weise sich von der Seele schaffen, wie eö durch die Aufnahme von Anleihen geschehen kann. Es läßt sich unschwer prophezeien, das; ein solcher Ball bald auf das Reich zurückfallen wird. Wollen wir die Deckungsfrage ernstlich ins Auge fafsen, so müssen wir unser eigene? Gebiet bearbeite«, taS der Zölle und Reichsabgaben. (Lebhafte Zustimmung.)
In den Ueberschüsscn und Fehlbeträgen prägt sich der Geist der jeweiligen Finanzpolitik aus. Darin unterscheiden sich bic letzten brei Jahrzehnte wesentlich von cinanber. In den acht- ziger Jahren hatten toir feste regelmäßige Fehlbeträge von geringer Höhe. TaS Jahrzehnt von 1890 ob bringt meist Hebet- schüsse. Dagegen das Jahrzehnt von 1900 biß 1909 — mit Ausnahme ber Jahre 1905 unb 1906 burchweg Fehlbeträge, die in den überaus großen Defiziten von 1908 unb 1909 ihren Höhepunkt erreichten. 1910 ist jeooch toieber ein Heberschuß im Betrage von 117,7 Millionen Mark festzustellen. Man wird sagen dürfen, daß die Mehrerträge, die die Zölle und Steuern, die Post und die Reichseisenbahnen jetzt aufweii'en, durchaus normal sind, hervor- gerufen durch die günstige Entwicklung der neuen Einnahme- quellen, die günstige Wirtschaftspolitik und die vorsichtige Aufstellung des Etats.
Dagegen haben die Ergebnisse für 1911 entschieden einige Punkte, die über da» Normale hinausgeheu, unb zwar zunächst bei den Getreidezölleu. Die Mehreinnahme an Getreidesoll war in dem ersten Halbjahr int lausenden Rechnungsjahr groß und im Juni unb Juli sogar außerordentlich groß; seitdem hat sic wieder abgenommen, unb auch namentlich toegen der Anrechnung ber Einfuhr scheine (Hört, hört! links) ist eS noch nickst vorauszusehen, ob ber jetzt ?u ertoartenbe Mehrertrag von 45 Millionen sich wirb halten lassen. Auf alle Fälle aber sind diese Mehreinnahmen bc6 Jahres 1911 bei der Schätzung für die folgenden Jahre nicht mitzurechnen. Das Glejcke gilt, für die Zucker st euer, bic uns nebenbei beschäftigt. (Heiterkeit.) Sie hat 1911 einen Mehrertrag von 18 Millionen gebracht; davon entfallen aber 13 Millionen auf die Vorversorgung bei Anfang der ungünstigen Riibenernte. Dieser Mchrerirag wird sich also im kommenden Jahre nicht nur nicht wiederholen, sondern Tiefe nächsten Jahre sogar ungünstig beeinflussen. Da außerdem die Lage des Zuckermarktes gegenwärtig durchaus ungünstig ist, so sind wir nicht in der Lage, für die Zuckersteuer mcchr einznsetzen, sondern haben sogar um 7 Millionen herabgesetzt. Endlich ist eigenartig 1911 die Heberkontingentsabgabe für Kali im Betrage von 6% Millionen.
Tie Zölle bringen gegen 1910, gegen die Schätzung von 1911 ein Mehr von 64 Millionen sHörtl Hört!) und gegen baß tat- sächliche Eingehen von 1910 78 Millionen. Voran itcht babei ber Branntwein mit 27 Millionen, es folgt ber Tabak mit 24 Millionen; do? Tabakgcsetz ist für die Reiebökass: sehr günstig verlaufen, wenngleich die Steuer für den inländischen Tabak nachgelassen bat. Es folgt dann die umgestaltete Sörfen neuer mH 141; Millionen mehr, die Steuer auf Lcuchtmi11el mit 3 Millionen, Zündwaren 2’4, Bier 2 Millionen mehr. Ter Stempel für Grund st ücksübertragungen ist 1910 zweimal in ungewöhnlicher Höhe eingegangen; April-Mai bei Einbringung des Zuwachs st euergesetzeS unb dann Sep- tcmber-Cftober, als bic Wiederaufnahme ber Beratung dieses Gesetzes unmittelbar bevorstanb. Tcmgemäß bringen gerade diese Monate im vorigen Jahre geringere Erträge; inist ber Trunbstücksstempel in ben letzten Monaten im wesentlichen schon wieber gestiegen, auf den Betrag, den sie in den entsprechenden Monaten tm Vorjahr hatte. DaS aber die Z u w a ch s st e u e r
Touttcrsla^, 13. Februar 1912
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für O'oerhes,en
lüi ML 10.-
> Zitronen
stück Mk. 3.75
" 4 75
UM
stück Mk- 650
mbilligePreis
300 »W st. Handel, Ml-» . Mk. 33.--
1L--13.-- „
eingetrofe
- dünnechalk
um 2.75 |
i n 3.10
- ° «0
- „ 5L
lüi Mk. 7.25
n n 8.—
jlsinen
Nie:
nick ML 2L
. „ 3.25
lück Mk. 7.25
Isinen
lück Mk. 550
Garten
Pabllboiitt'l' Ak Ludwigs ipKta reisen! 'M
itüi Mk. &50 oppel-Blu! | itück Mk. 7Ä
„ „ &50


