Donnerstag, H. November 1912
162. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 269
Lricheml täotich mit AuSnahnre d«S GenntagS.
neue
Rotationsdruck und Verlag der Drübt'fchen Universiläls - Buch- und bteindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Aus StaOt und Tand.
Gießen, 14. November 1912.
Wer darf Meister sein?
ff. Cvrano von Bergerac als Oper. Aus New ?)ork wird berichtet, daß das Metropolitan Theater tn seiner eben beginnenden Spielzeit eine interessante Neuheit bringen werde, nämlich Cyranv von Bergerac in Form einer Oper. Wie der „Corricrc" du^ch seinen New Yorker Vertreter, ix^tce Ferrco, erfährt, Händen cs sich um ein Aber? des Amerikaners Walter Tamrosch. Tas Libretto der Oper soll jedoch eine recht freie Bearbeitung der Rostandschen Fassung des Eyrano sein.
— Eine „Krankheit der Fürsten". Die jüngste amtliche Erklärung der russischen Hofärzle über die Erkrankung de- Zarewitsch — der jugendliche >dronprinz leidet an Härnv- philic und ist ein „Bluter" — ist der Ausgangspunkt eines interessanten Aufsatzes über diese merkwürdige Krankheit, der in der englischen medizinischen Zeitschrift „Hospital" veröffentlicht wtrd. Tie Hämophilie besteht, wie sckwn ihr Name sagt, in einer übertriebenen Neigung zu 'Blutungen verschieden,ter Arlane aut alle bisher bekannten Blutstillungsmittel nickt reagiert. Tas Leiden ist fast immer erblich und man iinbet cs merkwürdigerweise sehr oft in fürstlichen Familien. die Geschichte der Heilkunde verzeichnet schon aus dem Mittelalter her eine lange Reihe von Fällen, in denen die Mitglieder fürstlicher (^schlechter von dieser Blatsuckt beimgesuckt waren. In der Volkssprache erflarte man diese krankhafte Neigung zu Blutungen mit der Annahme, daß die sogenannten Bluter „nur eine Haut statt drei" hätten. In Wirklichkeit I>al??n die Bluter natürlich ebensoviel Häute wie i^cder andere Mensch, nämlick eine. Tie Ursache und das Weien des Leidens ist der Wissenschaft noch heute ein Gegenstand mannigfacher Streitfragen und.manche Gelehrte wollen die Sltanr hctt in einer ungewöhnlich leichten Zerrissenheit der Blutgefäße und in einer angeborenen Enge der Aorta suchen. Allgemeiner ist die Annahme, daß das Blut der Hämophilen von einer geringeren Gerinnbarkeit ist als normales Blut, ,'ö daß bei leichteren Der- kbungcit in Fällen von Blutsucht die Blutung nicht nachläßt. Ein spezisisches Hellmittel gegen das Leiden steht der Wissenschaft zurzeit nicht zu Gebote, man ist auf eine prophylaktische Behandlung angewiesen, auf eine nahrhafte, leicht verdauliche
Ausland.
Die Frage von Tanger.
Hebet den gegenwärtigen Stand der Frage von Tanger wird dem „Figaro" aus Madrid gemeldet, England verlange, daß Tanger von einem einzigen Gcmeindcrat ocrwaltet werden solle, in dem die eingeborene Bevölkerung in demselben Verhältnis wie nie anderen Nationalitäten vertreten sein solle. Frankreich habe dagegen beantragt, daß wegen des numerischen Ucber- gewichts der Marokkaner der Stellvertreter des Sultans ein Aui-
Niißstände beim Dreschen.
Vom Lande wird uns geschrieben:
Ter Brand in Ober-Schmitten lenkte die Aufmerksam« teit auf einen an vielen Orten der Umgegend vorl-andcnen Mißstand. In Ober-Schmitten brach der Brand in einer - Scheuer aus, in der die Ta mpsdresch maschine tätig war und des Abends. Wenn dies in einer Hosreite
............ ....."
Diät und auf eine Vermeidung aller körperlichen Ansttengungen. Allem Anschein nach beschränkt sich in unseren Tagen die Krankheit vorwiegend auf die Angehörigen fürstlicher Geschlechter. So war beispielsweise der Herzog von Albany Hämophile und auch der zweite Sohn des spanischen Königspaares soll an dieser Krankheit leiden und infolge einer inneren Ohrenblutung unheilbar schwerhörig geworden sein. In der Familie bei; Königin Mary von England sind mehrfach Fälle von Blutfuckst vorgekommeu und auch unter den Hohen Zollern hat es hin und wieder an hämophilen Erkrankungen nicht gefehlt. In der Regel leiden nut männliche Personen, und zwar meistens im Mm oben alt er, an dieser Krankheit. Bei der Vererbung hat sich die merkwürdige Tatsache erwiesen, daß die Weitergabe der krankhaften Anlage fast ausschließlich durch die weiblichen Angehörigen der sogenannten „Bluterfamilien" erfolgt.
Hk. Kapt. Rallier du Batys zweite Expedition n a co ® e r g u e I e n. Um seine Forschungen auf Kerguelen, die er 1908/09 begonnen hatte, fortzusetzen, und zu einer Aui- nabme der noch unbekannten Teile der Insel auszudehnen, tritt Kapt. Rallier du Baty eine neue Expedition dorthin au’ dem Schoner ,2a Curieuse" an. „Peterm. Mitt." zufolge wil' er aut der Rückreise andern isolierten Inseln, Neuamsterdam St. Paul, Campbell, Tristan da Cunha, einen Besuch abftatter und die lange gesuchte Insel Bouvet, die erst von der „Valdivia" Expeditton 1898 wieder gesichtet worden ist, zu erreichen sich be mühen.
— Peter Ros eggerund seinDenkmal. In Erinnerungen, die der Bildhauer Professor Hans Brandstetter im No- oembcrhcft von Vclhagcn u. Mlasings Monatsheften veröffentlicht, teilt er einen Brief mit, den ihm Rosegger im Jahre 1906 geschrieben hat, als es sich darum handelte, dem steirischen Tichter ein Ebrendenkmal zu setzen. Brandstetter hatte drei Entwürfe gesckasfen, von denen der Waldschulmeisterbrunnen später ausge- führr ivurde, und zwar unter ausdrücklicher Billigung des Tich- ters, der folgendermaßen an den befreundeten Künstler schrieb: „Deine Mitteilung, daß man mir im Mürztale ein ehernes Denkmal setzen will, und zioar noch bei lebendigem Leibe, hat die widersprechendsten Gefühle in mir erweckt. Beklommenheit, Gedrücktheit und Stolz zugleich. Wer könnte, dürfte denn so etwas annehmen, solange niemand und am wenigsten er selbst weiß, ob der Rest seines Lebenswerkes seinen Landsleuten wohl auch entsprechen werde! Ich habe mir, wie bisher so in Zukunft, meine literarische, meine moralische Freiheit zu wahren: ich muß meinen eigenen Weg gehen dürfen, wie ich glaube, daß mir ihn Gott hat vorgeschrieben, und deshalb sollte man mit einer so großen und dauernden Anerkennung doch wohl warten, um zu sehen, wie die Sack-e verläuft. — Nun, wenn schon, bann die : Person in den Hintergrund, die Idee voran! Nun ist aber unter
Die „Gießener $emilienblitter" werben dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt fir ben Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie Seih
fragen" erscheinen monatlich zweimal.
„Er schreckte ;. B. nicht davor zurück, mir am frühen Morgen zu telephonieren, daß er das Königliche Opernhaus kaufen wolle. Es gab für ihn überhaupt kein Objekt, das groß genug war, feine weitgehenden Pläne zu befriebigen. Er bringt mit feiner unüberlegten Handlungsweiie eine unenbliche Verwirrung in unsere keineswegs erfreulichen Theaterzustände, die man in diesem Jahr ui bessern hoffte. Es wirb der Ansvanniing vieler Kräfte bedürfen, um den >tzriegs zu stand, ben uns zwei österreichisch-ungarische Theatcrniänner geschaffen haben, zu lokalisieren. 3ebenfalls Iteht eine Reihe wichtiger Aenberungen im Berliner Theaterleben bevor."
Sitze.
Die Vorarbeiten für einen Umbau des Obergeschosses des Reichstagsgcbändes
sind durch das Reichsanit des Innern in Angriff genommen worden. Es handelt sich bei diesem Umbau darum, int Obergeschoß des Reichstags au den Hoffronten ein Stockwerk anfzusetzen, um etwa 1 00 kleine A r b c i t s z i m m e r für Abgeordnete zu schaffen. Der Umbau dürfte die Summe von rund dreiviertcl Million Mark beanspruchen. Mit dem Umbau soll zu Beginn des neuen Rechnungsjahres begonnen werden. Das äußere Bild des Reichstags wird durch den Umbau nicht beeinträchtigt werden, da die aufgesetzten Stockwerke an den Lichthöfen liegen. Auch für den Bundesrat werden einige neu e Zimmer geschaffen werden, da bei der intensiven Tätigieit einzelner Ressorts im Reichstage, namentlich wahrend der Elatsberatungen, für die Herren bce. Bundesrats die Schaffung von Arbeitsräumen tunlich erscheint.
Redaktion, Expedition und T ruderet: Sckml- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:^SllLrel.-AdruAnzeigerHieben.
Die Tagesordnung für b i c 70. Plenarsitzung des Reichstags
am Dienstag, dein 26. November, nachmittags 2 Uhr, ist ausgegeben worden Aus der Tagesordnung stehen zwölf Berichte über Bittschriften, die u. a. folgende Gegenstände behandeln: Reichsgesetzliche Regelung des Irrenwesens, Aenderung der Bestimmungen der Zivilprozeßordnung über den Ossenbarnngseid, Aenderung der deutschen Gebührenordnung der Rechtsanwälte.
Die nationalliberale Fraktion des Reichstags
beantragt den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Anfechtung amtlicher Verfügungen. Das Gesetz hat folgenden Wortlaut: „Alle von Behörden oder Beamten ergehenden Entscheidungen, Bescheide, Beschlüsse, Anordnungen, Verbote und anderweiten Verfügungen, deren Anfechtung an die Innehaltung einer Frist gebunden ist, müssen am Schluß die Erösmung enthalten, innerhalb welcher Frist, in welcher Form und bei welcher Stelle die Anfechtung anzubringen ist. Fehlt die Eröffnung, oder ist sie unvollständig oder unrichtig, so beginnt die Frist erst zu lausen, sobald sie nachgeholt, ergänzt ober berichtigt ist; in den beiden letzteren Fällen jedoch nur dann, wenn inzwischen eine Anfechtung erfolgt ist, die den in der Eröffnung gegebenen Weisungen genügt."
Beiden «tadtverordnetenwahlen in Altona gewannen gestern und vorgestern die Sozialdemokraten fünf
sicktsrcckt über die Eingeborenen ausübc unb daß neben dem europäischen Gemeinderat ein eingeborener Gemeinderat funk tionicre.
Rote Parlaments wählen in Norwegen
Aus Christiania wird gemeldet: Bis Miitemackü zum Mittwoch waren die Ergebnisse von 121 Storlbingswab l c n bekannt, für zwei Kreise flehen die Wahlen noch aus. ^Ge mälHt sind 74 Radikale, 24 Mitglieder der Rechten und Frei sinnige, und 23 Sozialdemokraten. D i e i c v i ii c Regierungspartei, die R cchl c unb ber Freisinn gewannen reinen unb verloren 41 Sitze, davon 28 an bie .na bi- lalcn und 13 an bic Sozialdemokraten: die .Kabi* l a l e n verloren einen an die Sozialisten und geivannen einen Sitz von den Sozialisten.
Der Urach öes Berliner Komöbienffaufes.
AuS Berlin wird uns geschrieben-- Tas rasche Ende der Direktion Lothar im K omö die n h a u s e, mitten im Erwlg des ersten Zugstückes, wirst ein grelles Schlaglicht auf die Ver imrrung der Berliner Theaterzustände und auf die Vorgeickickte so mancher Theatergründung, die bereits ben .Heim deS schnellen Fiaskos in sich trägt. Genaue Einzelheiten über die Uriachen des jüngsten Thcalert racheS, ber durch keine Fehlschläge während der Tirektionszcil hcruorgerufen wurde, sondern in der Art der Gründung selbst hebingt lag, teilt der bekannte Fachmann Tür Theaterstnanzeii Max Epstein in der Schaubühne mit. (rr nennt ben Fall Lothar „einen der traurigsten, den die Theaterge,chickte bisher gesehen Hal," und glaubt, daß er nur durch die gehler und Nachlässigkeit des Tirettors Lothar herbeigeführt worden sei.
Zur Ermordung öes spanischen Ministerpräsidenten.
M-adri b, 13. Nov. Der Mörder war besser gc- kleidet, seine Wäsche war nicht gezeickpret. Bei ihm wurde ein Heft gefunden, auf dessen Deckel die Worte „Eon- llagration" und „Internationale" standen. Das Heft ent hielt den Schlüssel ei n c r G ehei m s p r a ch e, die aus iner Mischung von französischen und spanisckstm Wörtern und fremden Zeichen bestehl. Ein Augenzeuge des Anschlages versichert, daß der Mörder von einemMit- schuldigen begleitet war, dem es gelang, in der Menge zu verschwinden.
Die Blätter verurteilen ohne Ausnahme den Anschlag und spenden Canalejas warmes Lob, der von seinen Gegnern ebenso geliebt und geachtet wurde, wie von seinen Freunden. Um Mitternacht wurde der Leichnam Eana- l,jas nach der Teputiertenkammer geschafft und dort auf- gebahrt. Tie Blätter sagen, die Polizei besäße das Signalement Pardinas Er ivurde vor acht Monaten von Buenos-Aires als Anarchist gemeldet. Er begab sich von borl nach Paris, sodann nach London, Bordeaux und Biarritz, wo die französische Poli.zei auf ihn fahndete. Kürzlich befand er sich in Marseille, von wo er nach Paris ging, daS er vor ungefähr 10 Tagen verließ und sich nach Madrid begab. Seine Abreise nach Madrid wurde von der Pariser Polizei nach Madrid gemeldet. In Madrid kam er mit einem anderen Anarchisten an, welcher der Gesellschaft Befreier in Paris, London und Madrid angehörte. Die Blätter glauben, daß Pardinas eine andere Mission hatte, als Eanalcjas zu töten. Angesichts der Unmöglichkeit, sie auszuführen, benutzte er die Gelegenheit, den Ministerpräsidenten zu töten.
Der König hat angeordnet, daß der Lleichnam Can w- lejaS im Pantheon beigesetz t wird.
Aus Madrid wird noch gemeldet, man glaube, daß der Anarchist Pardinas ursprünglich die Absicht hatte, den König zu töten, der eine Blumenaus- stellung besuchte und den Weg über die Puerta del Sol nehmen wollte. Der Mörder stand wenige Schritte von ben Schutzleuten, welche aus Anlaß der erwarteten Vorbeifahrt des Königs Aufstellung genommen hatten. Ter Mörder dürfte erst, als er Canalejas in seiner Nähe sah, den Beschluß gefaßt lstrben, den Ministerpräsidenten zu
Lothar übernahm baS Neue Operettentheater, baS er in bas Komöbicnhaus ummaiibeltc, von Direktor Palst, bem er für bie Ausgabe des TbcaterS unb bic Ucbcrlaifung des Mietsvertrages, sowie für bic Ucbergabc des gesamten Funbus eine Abnnbung von 250 000 Marl zahlte. Lothar hatte au6erbem eine Miete von jährlich 150 000 Mark zu zahlen, einen Betrag, ber zwar nicht niebrig, aber auch nicht außergewöhnlich hock zu nennen ist. Was ben Fundus anlangt, so betrug ber Anschanungswert ungefähr so viel wie ber Kaufpreis. Für denjenigen, ber weiter Operetten gab, war der Funbus natürlich auch gut zu nermenben: für Lothar war er zum großen Teil unbrauchbar. Nack dem Vertrage mit Palsi harte er 150 000 Mark in kurzer Zeit zu zahlen, unb er hat diese Summe tatsächlich erlegt. Er har bann später weitere 25 000 Mark unb noch einmal 40 000 Mark ba durch gezahlt, daß er in die Festlegung des polizeilichen Lpcrr- sonds für Palsi willigte. Es sind also recht erhebliche Betrage, die Lothar zunächst aufgebracht hat. Als Betriebsmpiral hätte nun Lothar mit einem Betrage von 100 000 Mark auskommen können, aber durch drei Torheiten hat er es fick von vornherein unmöglich gemacht, bas Theater zu halten. Ter critc rveblcr bestand in der Eilfertigkeit, mit der er unendlich viele etfirfe erwarb unb 81 Schauspieler engagierte, die zum -teil logar Gelb für das Engagement gaben unb nun ohne Stellung unb. Dann gestaltete er bas Theater um unb zwar in so durchgreifendem Maße, daß er eine Schuld von 150000 Mark dadurch anbauttc. Tabei hatte sich das Publikum in dem Raum des früheren Operettentheaters sehr wohl gefühlt und eine Notwendigkeit des Umbaues lag nicht vor. Als dritter Um,taub kam hinzu, bar, Lothar sich cinrcbetc, er könne in bem Hanse billiger sitzen, wenn es ihm gehöre, wenn er also lediglich .Hypothekenzinsen zu zahlen habe. Er schloß also mit Tirektor Palst einen Kaufvertrag, der allein 20 000 Mark Stemvelgebühr kostete. Lothar besaß als Direktor eine allzu reiche Einbildungskraft,
über den Verkehr mit Leuchtöl. Das Gesetz ist mir 20 Paragraphen stark: viel länger ist die beigegebene Begründung, die die Möglichkeit für ein Eingreifen des Reiches erörtert. Dem Bundesrat soll überlassen bleiben, den Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes festzusetzen und wird ermächtigt, den Vertrieb von Leuchtöl auf 30 Jahre einer Gesellschaft zu überlassen, deren Satzungen der Genehmigung des Reichskanzlers unterliegen. Die Festsetzung der Verkaufspreise sowie der Reichsgewinnanteile erfolgen durch das Gesetz. Die Angestellten, die nicht mit übernommen werden, 1 ollen nach Lebensalter und Dauer ihrer Tätigkeit in der Branche entschädigt werden. Tie Gewinnanteile des Reiches sollen zur Besserstellung der Veteranen und für verschiedene sozialpolitische Zwecke verwendet werden.
Giehener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Cberheffen
Am 1. Oktober 1913 ist die gesetzlick>e UebergangS- frist ab gelaufen, die Handwerkern die Adle g u n g der Meisterprüfung ohne de n Nach- weis einer bestandenen Gesellenprüfung ge- stattet. Tie Novelle ftur Aieichsgewerbeordnuug vom CO. Mai 1908 bestimmt hierüber: Wahrend der ersten 5 Jahre nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes darf die Zulassung zur Meisterprüfung von dem Bestehen der Gesellenprüfung nicht abhängig gemacht werden. Für Personen, die beim In- krasttreten dieses Gesees zur Anleitung von Lehrlingen befugt sind, gilt das gleiche auch nach 'Äblauf dieser fünf Jahre. Wer also am 1. Oktober 1908 nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen besaß, kann auch nach dein 1. Oktober 1913 zur Meisterprüfung zugelassen werden, ohne den Nachweis der abgelegten Gesellenprüfung zu erbringen. Alle übrigen Handwerker müssen dagegen, wenn sie nach dem 1. Oktober 1913 die Meisterprüfung ablegen wollen, sich zuvor der Gesellenprüfung'unterziehen. Es liegt daher tm Interesse der in Betracht kommenden Personen, die kurze Frist noch auszunützen und sobald wie möglich die Vorbereitungen zur Meisterprüsung in Angriff zu nehmen. Erfahrungsgemäß zögern immer noch viele teils aus Laisig- teit, teils aus Verkennung des Wertes des Meistertitels mit Ablegung der Meisterprüfung. Jeder jurufe Handwerker muß es sich aber zur Ehre anrechnen, bie Meisterprüfung abzulegen, um damit den NackstverS eines abgeschlossenen Bildungsganges und die kl8crcd)tigung zur Führung des Meistertitels zu erwerben. Der Besitz des Meistertitels wirkt enipsehleird auf den Kundenkreis und legt äußerlich schon Zeugnis davon ab, daß der Inhaber Titels sein Handwerk ordnungsniäßig erlernt hat und beherrscht. Auch sonstige materielle Erfolge werden nicht auSbleiben, da immer weiter daran gearbeitet wird, bet Arbeitvergebungen durch Behörden nfro. in erster ---iine bzw überhaupt nur diejeuigen Handwerker zu berücksichtigen, die die Berechtigung zur Führung deS Meistertitels besitzen. Allen denen, die eine genügende Gesellenzeit zuruck- gelegt, zurzeit aber noch mit Ablegung der Prüfung gezögert haben, seien ernstlich errnahiit, sich im kommenden Jahre derselben zu unterziehen, denn die bis Oktober k J. bestehende Vergünstigung erfährt keine Verlängerung, für die Folge kann sich aber auch der junge Handwerker die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingeii nur noch durch Ablegung oer Meisterprüfung nach vorhergegangener Gesellenprüfung erwerben.
erschießen. c c _
Mehrfach verlautet, Gareia Prieto werde das Mr- »listerpräsidium endgültig behalten.
Tas Testament Ea na les äs' enthält u. a. zahlreiche Vermächtnisse zugunsten mehrerer Arbeiter- ffenossenschäften und Legate für Soldaten, die zur Zeit des nmerikanifchen Krieges auf Kuba verwundet ivorden sind.
Madrid, 14. Nov. Tie sterblichen Ueberreste Eana lejas nnirden gestern nach dem Pantheon übergeführt. Der König folgte dem Leichenwagen zu Fuße. Mit ihm gingen die Jnfanteii Carlos und Fernando. Eine überaus zahlreiche Menschenmenge umsäumte den Weg des. Trauerzuges. Schoii eine Stunde vor Beginn der Ueberführung waren alle Handelshäuser imb auch die Casäs in der Hauptstadt und in den Vorstädten geschlossen. Ganz Madrid steht im Zeichen des nationalen TrauertageS._________________
Dcutfdie» Reich.
Ter Kaiser
reiste am Mittwoch um 3.27 Uhr mit Gefolge von Breslau nach Mosche,! ab. Auf dem Wege tion der Kürassierkaserne nach dem Bahnhof bildeten Truppen der Garnison nut Fahne und Musik Spalier, ebenso ein Pfadsinderkorps^ vom „Jungdeutschland-Bund". Der Kaiser wurde überall mit Hochrufen begrüßt.
Der Gesetzentwurf über das Petroleum- m o n o v ol
soll Freitag abend in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht werden unter dem Titel des Gesetzes


