Ausgabe 
14.10.1912 Zweites Blatt
 
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Neue

Jede echte Osram-Lampe muss die InschriftOSRAM" tragen.

noch immer dein Amerikaner Mac Türken gehört, der am 30. Januar 1011 bei Key West au'ftieg und bei Havanna, feinem Ziele, ins Meer stürzte. Tie Strecke betrug damals 175 Kilometer

Sy ort.

Der große Preis von Karlshorst.

Vor einer nach vielen Taufenden zählenden Menge gestrigen Sonntag der große Preis von Karlshorst zur Snt^ sch-eidung Den Sieg errang Leutnant Braune auf dem in Frankreich gezogenen ,Le Miracle" des öerrn Iunk.

f>an0cl uitO Vcrfcbr, Volfsivirffcbätt-

** Filialsteuer für Gießen In einer von der Handels­kammer am CamStag nachmittag emberiifenen Konferenz wurde die Eiuflihrung einer Fitialsteuer für fließen beraten. Von der Steuer betroffen können nur diejenigen Firmen werden, deren In­haber außerhalb ihren Wohnsitz haben und bort ihr Hauptgeschäft betreiben. Filialen in Gießen von Hier ansässigen Geschäftsleuten werden nach dein Gesetz von der Steuer nicht berührt.

* Tie Hafervreife sind feil dem 1. September in Berlin um fofl 14 Maik gestiegen. Aber noch inehr sind die <?aferpreife m Cfenpcft gesiiegen, wo der Hafer heute höher im Preise steht wie Weizen, eine Erscheinung, die seit 40 Jahren nicht da war.

** Steigerung der Glyzerin vreise. Im Hinblick aus die kriegerische Lage am Balkan hat fid) die Nachträge nach Glyzerin gewaltig gesteigert, da es für Sprengstoffe Verwendung sinder: m Folge davon sind die Preise enorm gestiegen.

* Der Grudekoks. Seit einiger Zeit findet in unserer Gegend ein so lange nicht gekanntes Brennmaterial der Grude­koks mehr und mehr Verwendung. Es interessiert daher gewiß, über seine Gewninnng näh'" zn erfahren. Ter Grudekoks ist ein Nebenprodukt bei der Gewinnuug von Brauiikokilenteer. Durch TrockendestlUatioii wird auS der Schwelkohle der Braunkohlenteer und aiis diesem wiederum Mineralöl und Paraffin gewonnen. 9115 Rückstand bleibt der Grudekoks im Schwelofen. Ter Grudekoks ist im Ausleben schwarz und von körniger Beschaffenheit. Sein Heiz­wert ist gleich der Steinkohle oder Zechenkoks. Bis vor kurzer Zeit noch taub der Grudekoks nur in seiner Heimat, den Gewiunungs- üätten der sächsischen Braunkohlen-Industrie, Verwendung. Heute fleht er durch gani Deutschland und ourb nach dem Ausland. Seine Produktion ist ganz bedeutend gestiegen, hat man dock überall die Vorzüge der nioderuen Grndefeilerung erkannt. Es ist der allerbilligsie Brand: beim die Kosten des täglichen Verbrauchs belaufen sich auf ein paar Pfennige.

Lingesan-t.

(Für Form und Inhalt aller unter Dieter Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

StrahkNNan''.

Gießen. Ueberall machen sich hier Reformbestrebungen bemerkbar. Aber in einem Punkt, und er ist meines Erackftens der wichtigste, denn er gefährdet d i e Gesundheit, ist man noch sehr im Rückstand. Aber bei gutem Willen läßt sich auch hier Abhilfe schaffen: denn man sollte meinen, was in anderen Städten schon seit Jahren eingeführt ist, müßte auch in Gießen möglich sein. Jeden morgen kurz vor <8 Uhr, in der Zeit, in der die Kinder zu Hunderten nach der Schule eilen und in der sehr viele kaufmännische Bedienstete und Beamte unsere Haupt­verkehrsstraße, den Seltersweg, passieren, ist große Straßenrei­nigung. Nun muß man ja anerkennen, daß die Leute durch reich­liches Spritzen es versuchen, den Staub möglichst zu binden; aber beim Versuch bleibt es, denn stauben tut es doch. Die Kinder, die es nicht wissen und merken, müssen eben den Staub mit allen seinen Bazillen und Keimen, die auf einer so belebten Straße reichlich vorhanden sind, beim Plaudern usw. mit einatmen. Tie Erwachsenen halten das Taschentuch vor den Mund, anstatt auf dem kurzen Weg zur Arbeitsstätte die Lungen noch einmal tüchtig mit reiner und gesunder Morgenluft füllen zu können, zumal der ganze Tag vorwiegend im duinpsen Zimmer verlebt werden muß. Läßt sich hier mit gutem Willen nicht Abhilfe schaffen? Kann man in den belebtesten Verkehrsstraßen, die doch nunmehr durch die Bogenlampen taghell erleuchtet werden können, nicht wäh­rend der Nacht reinigen? Ein so starker Lärm, der die Be­wohner im Schlafe stören könnte, ist bei dem immerhin ruhigen Geschäft nicht zu befürchten. A. L.

Rodheim a. d. Bieber. Unter der Leitung unseres be­währten Bürgermeisters Beclstold sind hier große Werke entstanden, die ihm Ehre bereiten bis in die fernsten Zeiten. Doch soll man nie denken, genug getan zu haben. Zwei große Tinge tun uns not, elektrisches Licht und die Konsolidation, deren Folge ein Ortsbebauungsplan wäre. Elektrisä^s Licht! elektrische Kraft! ist ein Notschrei unserer meisten Einwohner. Tic schwer ringenden Kleinhandwerker und Geschäftsleute können zum großen Teil ohne maschinelle Kraft nicht mehr auskommen. Manche greifen zum Benzinmotor, obgleich die elektrische Kraft in nächster Nähe auf uns wartet. Gießen und Wetzlar führen ihre Elektrizität in weite Fernen und wir behelfen uns mit Erdöl und Benzin! Hier. könnte sich unsere Gemeindeverwaltung ein neues Denkmal setzen mit der Inschrift der neuen Schule:Den Alten zur Ehre!" Sodann der zweite Punkt, der nickft minder zu einer Notwendigkeit geworden ist, die Konsolidation ober Feld­bereinigung. Wieviel alte Rechte oder oft auchUnrechte" bestehen oder sollen bestehen! Wieviel lästige Scherereien gibt es in Feld und Wiesen, wenn der eine auf sein Grundstück will und es der andere nicht duldet! Ta werden Zäune errichtet, Sperr - maßregeln angewandt und bann widerrechtlich entfernt. Zank und Streit sind die Folgen. Warum tut man nicht, was andere Gemeinden längst getan haben?Tie Räume roadjfen, es dehnt sich, das Haus," sagt Schiller. Aus uns angewandt, müßte es heißen:Es dehnt sich das Tors" oder richtiger, es will sich dehnen, weit ausdehnen und kann nicht. Soll man immer in Lücken bauen, daß einer dem andern auf dem Nacken hängt und riecht, was es in der Küche gibt ? DiesAufeinanderhängen" haben andere Orte schon längst als Krebsschaden erkannt und Hessen ab. Die freien Plätze, mit Bäumen bestanden, sind die Lungen der Städte, sagt man und baö mit Recht. Warum sollen wir uns aufeinander hängen, wenn es nick-t nötig ist? Feldbereinigung und als bereu Folge einen vernünftigen Trtsbebauungsplan, iväre das anbere Denkmal, welches sich unsere Ortsverwaltung setzen sollte zum Segen des Torfes. Ohne Feldbereinigung keinen Ortsbebauungsplan. Unsere Großbesitzer sind sicherlich der Ent­wicklung und Ausdehnung unseres Dorfes nicht im Wege. Drum herangetreten an die Ausgaben, die uns gestellt sind. Die Nach- welt wirds lohnen, wenn es auch jetzt noch nicht alle anerkennen.

Meteorologische Beobachtungen -er Station Stehen.

cn.

Wetter

1912

o» <u CD

gicrung beschlossen, in der zu der bevorstehenden end­gültigen Regelung der Beamtenbesoldungen die Bitten vor­getragen werden:

1. daß die seither noch bestehende Ungleichheit in der Be­soldung der höheren Beamten, nach der die Richter in nicht ge­hobenen Stellen ein höhere? Endgehalt erreichen als die anderen akademisch gebildeten Lokalbeamten, beseitigt werde:

2. daß ihnen jetzt endlich dasjenige T'.enftcinkommen gewahrt werde, in dessen Genuß ihre Amtsgenossen im Reich und in Preutzen schon seit dem 1 April 100-8 netzen.

ttafinchen- und Pro-ntten-Au§ftel!ung.

Gießen, 14. Cftober.

Unter sehr günstigem Zeichen stand die gestrige 1. Lokal­ausstellung des Kaninchenzucht und Pflegevereins in den Raumen derStadl Marburg". sic war reich beschickt, erfreute sich eines starken Besuchs uno der Unterstützung des Stadtvorstandes. Man scheint sich jetzt in der Zeit der Fleischteuerung allgemein für das Kaninchen zu interei'iieren. Eine Anerkennung dafür, daß dieser Zweig der .Kleintierzucht imstande sein kann, die in­ländische Fleischproduktion zu heben.

Samstag abend sand im Saale derStabt Marburg" em Kommers zu Ehren der Preisrickster statt, bei dem Vorsitzender Jporft und Ausstellungsleiter G. Koch Ansprachen hielten. Ge- sangsvottrüge und humoristische Darbietungen sorgten für Unter­haltung. Von der A n sst e l l u n g ist zu sagen, daß das Zucht­material sehr befriedigte, besonders war die Pflege der Tiere als gut zu bezeichnen. Es waren so ziemlich alle Rassen vertreten, und man sah in den einzelnen Abteilungen schöne Exemplare. Außerordentlich zahlreich und gut waren die Farbenkaninchen vertreten. Tic Prämiierung geschah nach dem westdeutschen Stan­dart durch Preisrichter Bürkle-Hersseld. Die Fellverwertimg zeigte in der Abteilung Produkte ganz vorzügliche Sachen. Tic Industrie hat sich bereits der Verwertung der Felle angenommen. Man ficht Felle, die in Natura gehalten sind, während andere zur Heilung aller möglichen Nachahmungen gedient haben. So werden Zobel, Silberfuchs, Hermelin u. bergt, nachgeahmt. Welcher Damen würden nicht die schönen Mussen, fttagen, Stolas, Hüte und Mützen gefallen! Wie schmuck nahmen sich die Bettvorlagen, Teppiche usw. aus. Auch Handtäschchen aus Kaninchenfell waren ausgestellt. Daneben Tag eine reichhaltige Literatur über das Gebiet der Kaninchenzucht auf.

Nacktmittags sand durch Preisrichter Bürkle-Hersseld ein Vortrag statt überTer volkswirtschaftliche Wert der Ka ninchenzucht". Er wies auf die frühere falsche Haltung der soge­nannten Stallhasen in Kuhstallen usw. hin und sprach dann über die Haltung der Tiere, wenn sie wirtschaftlichen Wert haben sollen. Er wies auf eine Stadt hin, die jährlich etwa 10000 Zentner Fleisch berbraudje und betonte, wenn jeder 10. Ein­wohner nur mit fünf Tieren züchte, so könnte der zehnte Teil des Iahrcsbcdarss an Fleisch durch Kaninchen produziert werden und das sei ganz niedrig gegriffen. Der Stadt würden 1000 Zentner Kaninchenfleisch im Jahr zur Verfügung stehen. Er fordert die Zuhörer auf, mehr Fleisch als bisher zu erzüchten und besonders die Landbewohner ^ur Zucht heranzuziehen, weil diese durch die Platzverhältnissc und das zur Verfügung stehende Futter am ehesten in der Sage feien, rationelle Kaninchenzucht zu be­treiben. Es sollten statistische Erhebungen von einer Zentral­stelle gesammelt werden, damit man den Behörden und den Land- wirtschaitskammern beweisen könne, daß die deutschen Kaninchen­züchter ebenso wie ihre Kollegen in Frankreich und Belgien in der Lage seien, Fleisch auf den Markt zu bringen. Ihr wird und muß bann auch von den maßgebenden Faktoren die Unter­stützung zuteil werden, wie sie schon die übrige Kleintierzucht seit Jahren genießt.

Zur Prämiierung hatte die Stadtverordnetenversamm­lung eine Summe bewilligt, die in mehreren Ehrenpreisen zur Verteilung kamen. Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis:

A. Alttierklasse: Stadtehrenpreis für belgische Riesen­kaninchen K. Seim: Ehrenpreis auf deutsche Riefenscheckcn K. Kirchner, 2. Preis H. Horst, 3. K. Fleischer (2) und E. Seim; für Hasenkaninchen 1. Preis Gustav Koch: für Silberkaninchen Ehrenpreis Gust. Koch, K. Leib, W. Eisfeller, 2. W. Eisfeller und Franz Bock, 3. Gustav Kock» (3); für Holländer lobende An­erkennung Freihöser; für Black-and-tan Stabtehrenpreis und Ehrenpreis Freihöfer, 1. Preis L. Kreiling-Reiskirchen, 2. und 3. Franz Bock: ftir Hermelin lobende Anerkennung L. ftreiüng; für Havana W. Bopp. S ch l a ch t z n ch t kl a s s e: Damenehren­preis Hch. Weber, derselbe 1. Preis, 2. K. Leib, 3. I. Nikolai, Gust. Koch, Adam Dönges. I n n g t i c r kl a ss e, über 4V2 Mo­nate: Stadtehrenpreis Franz Bock, Ehrenpreis K. Fleischer. Hch. Weber und Gustav Koch, 1. Preis Gustav Koch, 2. Adam Dönges und I. Nikolai, 3. Hans Horst, Gustav Koch, Ludw. Kreiling- Nciskirchen. Jungtiere, unter Monate alt: Stadtehren­preis Hch. Weber, Ehrenpreis K. Kirchner, Gustav Koch, Hch. Kreiling, Freihöser, Franz Bock, Karl Schneider, 1. Preis Hch. Weber und Franz Bock, 2. Hch. Weber, K. Fleischer, Gustav Koch (2), 3. K. Fleischer, Gustav Koch, K. Leib (2), Freihöser und Franz Bock. Für 'beste Gesamtleistung erhält Gustav Koch ein Vcrbandsdiplom vom rnktteldeutschen Kaninchenzüchterverband nnb Franz Vock für die zweitbeste Leistung ein Diplom vom Preisrichter Bürkle-Hersseld.

theologischen Fakultät zu Gießen anwesenden Professor Eck. -ter Schriftführer, Pfarrer Fischer-Großbickerau, entartete den Jahresbericht, worauf Mifiiousinspektor W er s h a u v t -Lnvztg überErziehungsaufgaben und Erziehungserfolge der Mmimi" berichtete. Er betonte scharf die evangelische Auffassung der Er­ziehung heidnischer Völker. Bei aller Wertschätzung der kul­turellen Arbeitserziehung ist das wichtigste, den Verben das Gtriftenhrm als Lebensmacht nahe zu bringen, und eine Reaktion der Heidenseele gegen die Sünden und Greuel des Heidentums tzervorzurufen. Tie Erziehungserfolge zeigen sich bereits, in dem Wegfall der Polygamie, der Hebung des weiblichen Geschlechts, der wirtschaftlichen Zustande, der Wertfckrätzimg der EhriUen, die sich z. B. darin beweist, daß Christen am liebsten zu Unteraus - sehern von der Regierung auf Pflanzungen begehrt werden. Ein besonderes Verdienst gebührt den Missionsschulen. 96% aller Schüler befurfjen diese in den deutschen Kolonien, nur 4% befinden sich in Regierungsschulen. Es wäre zu wünschen, daß die deutsche Regierung noch tatkräftiger diese Missionsschulen unter­stützte, denn sie leisten eine große Kulturarbeit umsonst. In der Nachmittagsversammlung wurde da Kirchenrat D. Schlosser wegen Arbeitsüberlastung eine Dahl von vornherein ablehnte Pfarrer Tr. Best-Wißmar zum Vorsitzenden gewählt, und an Pfarrer Leydhecker ein Tanktelegramm gesandt. Es folgte ein interessanter Vortrag von Mittelscknillehrer M ü ll er - Frankfurt a. M.: Wie Tonnen wir die Missionsgedanken der Apostelgescknchte für die gegenwärtige Missionsaufgabe im Religionsunterrichte fruchtbar machen? Hoffentlich versteht es die hessische Missions- konserenz auch fernerhin, in noch verstärktem Maße alle theo­logischen Richtungen unseres Landes in friedlicher Zusammenarbeit zu beeinflussen und auch weitere Kreise boffentlid) auch die ge­bildeten für das so zeitgemäße riesengroße Werk der Mission zu erwärmen. -

überall erhältlich. Auergesellschaft Berlin O. 17

Provinzial-Ausschus; der Provinz Obcrheffen.

L. Gießen, 12. Okt.

Anwesend: Ter Vorsitzende Gelzrimerat Tr. Ufinger, zwei ordentliche und zwei Ersatzmilglieder. Beginn 9, Ende 123/.t Uhr.

1. B ü r g e r m e i ft e r w a h l zu Burkhard s. Der Kreis- tat des Kreises Sdjotten hatte Anstand genommen, die Wahl des Landwirtes S. zum Bürgermeister von Burkhards zu bestätigen, weil jein Vorleben nicht die Gewähr für eine cinmanbfrcie Fülnung der Dienstgesckiäfte zu bieten schien. Ter Kreisaussckmß Schotten bat daraufhin die Wahl nicht bestätigt. Heute stand der Rekurs des Geumhlten gegen die Entscheidung des Kreisausschusses zur Verlraichlung. Tie Entsck)cidung soll in einer demnächstigen Sitzung verkündet werden.

2. Beigeordnetenwahl zu Ober-Seemen. Gegen die Wahl des H. H. zum Beigeordneten mar Einspruch erhoben worden, in der neben anderen Momenten darauf lfingewiesen Wurde, der Gewählte sei wegen Körperverletzung vorbestraft und deshalb zur Verselmng des Amtes nicht geeignet. Ter Krcisrat Kreises Schotten beanstandete deshalb die Wahl und der Kreisausschuß gab der Beanstandung statt, inbenr er die Bestätigung versagte. In der heutigen Verhandlung wurde durch Vernehmung emer Reihe von Zeugen feftgeftellt, daß H. einen guten Leumund hat, daß die Körperverletzung, deren Tätersckxift H. übrigens bestritten hat, 12 Jahre zurückliegt, und daß der Gewählte für das fragliche Amt geeignet erscheint Ter Provinzialausschuß gab deshalb dem Einspruch gegen das zkreisausscknlßurteil statt und entschied, daß der Gewählte zu bestätigen sei.

ICircbc rind Schule.

Da rmstadl, 9. 0kl Verspätet eingegangen.) Heute fand an Gemeindelwuse der KieSstraßc die 18. hessische Mis­sion s k o ii f e r c n 5 statt. Sie perfolgt den Zweck, die Missions­freunde unseres Landes wissenschaftlich für die Mission zu inier- cssicren und zu fördern. Ta Pfarrer Levdhecker wegen Kränklich­keit fein Amt als Vorsitzender leider niederlegen mußte, leitete bienitältefk Vorstandsmitglied, »kirckenrat D. Schloss e r, dieJßerlKuthlungen. Nach einer von Psarrer W i d m a n n Tarnt ftttbt gehaltenen Andacht begrüßte er die Erfckneiienen, besonders die Vertreter des Oberkonsistoriums und den im Namen der

Gießener Strafkammer.

X Gießen, 11. Okt.

Durch Indizienbeweis verurteilt wurde die Ehefrau K. K. in Freienseen wegen schweren Dieb­stahls. Im September l. I. waren der Witwe K. in Freienseen ein Geldbeutel mit 90 Mk., ein englisches Pfundftück, eine eng­lische Silbermünze, ein Zwanzigfrankstück und ein Zehnmarkstück aus einem Koffer gestohlen worden. Sie bemerkte eines Abends, als sie von ihrer Arbeit aus dem Wald zn^ückkam, daß eine Tür, die aus ihrem Stall in ihr verschlossenes Haus führte, offen stand. Sie sprach ihren Verdacht, daß jemand in ihrer Wohnung gewesen fein müsse, ihren Mitarbeitern gegenüber aus und wurde von diesen veranlaßt, ihre Ersparnisse nachzusehen. Dabei be­merkte sie ihren Verlust. Unterdessen hatte sie die Angeklagte, der sie durch kleinere Darlehen öfters aus der Not geholsen hatte, in ihrer Wohnung aufgesucht und ihr ohne jede Veranlassung erzählt, wie sie das Geld zur Tilgung von Schulden, für die bei ihr Pfändung borgen,ommen worden war, aufgebracht hatte. Hatte sich die Angeklagte durch diese unmotivierte Erzählung bei der Bestohlenen verdächtig gemacht, so wurde dieser Verdacht noch bestärkt durch den Umstand, daß die Witwe K. nachträglich auf einem Stuhl in ihrem Zimmer eine Schere fand, mit der äugen» scheinlich der Riegel der Stalltür, wie die daran befindlick-en Spuren anbeuteten, zurückgeschoben worden war. Witwe K. zeigte die Schere unvermittelt der Tochter der Angeklagten, welche sie sofort als das Eigentum ihrer Mutter erkannte und ihre Ver­wunderung darüber aussprach, wie die Schere in K.'s Besitz ge­kommen sei. Offenbar hat die Angeklagte die Schere bei Aus­führung der Tat versehentlich liegen gelassen. Auch sie erkennt die Schere als ihr Eigentum, will sie iedoch schon längere Zeit vermissen. Scheinbar hatte sich die Angeklagte aber auch das gestohlene Geld nicht genau betrachtet. Als sie nämlich kurze Zeit nach dem Diebstahl Gemeindegelder bezahlen wollte, wies ihr der Gemeindeeinnehmer ein Goldstück, aus dem sich ein Pferd mit einem Reiter befand, zurück. Ein gleiches Geldstück, ein englisches Pfundstück, ist der Bestohlenen abhanden gekommen. Tie Angeklagte behauptet, sie habe versehentlich dem Gemeinde­rechner ein Zwanzigsranksstück, welches sie gesunden habe, in Zahlung geben wollen. Doch stellte dies derselbe entschieden in Abrede, da er Zwanzigsranksstücke kenne und ihm das Pferd mit dem Reiter besonders ausgefallen sei. Eine kleinere englische Silbermünze, welche die Bestohlene ebenfalls vermißt, wurde bei der Angeklagten beschlagnahmt. Sie behauptet, ihr Sohn habe sie von einem anderen Kind als Geschenk erhalten. Einige Tage nach dem Diebstahl erhielt Witwe K. einen anonymen Bries, in welchem der Täter die Ausführung des Diebstahls näher beschreibt. Offenbar hat ihn die Angeklagte zum Verfasser, die den Verdacht ablenken wollte. Es ließ sich feststellen, daß die Angeklagte das gleiche Briefpapier benutzt, auch wurde bei ihr ein zu den Brief­bogen passendes einzelnes Kouvert vorgefunden. Bei ihren ver- schiedentlichen Vernehmungen hat sich die Angeklagte stets von neuem in Widersprüche verwickelt. Das Gericht maß auch ihrem heutigen Vorbringen keine Glaubwürdigkeit bei, hielt sie vielmehr durch die geschloffene Beweiskette für überführt und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten.

CaiiSroirtktyaft«

Ehringshausen, 13. Oft. Vorn 26. September ab bis zum gestrigen 12. Oktober wurden in den Gemeinden an der Dill sogenannte 'M i l d) ü e r w e rtuugskurse adgehalten, die durch­weg gut besucht waren. Zwar huldigt man hier im großen und ganzen schon lange nicht mehr dem veralteten Topsversahren, aber in kleineren Bauernwirtschaften ist es noch im Gebrauch. STrei5- haushgltSlehrerin Müller, Landwirtschaftslehrer Hinders und Kreis- obflbaukhrer Kill) waren an biefen Kursen als Lehrende beteiligt. .Tic intensive, b i c lohnendste Wirtschaft. Unter den heutigen Verhältnissen ist die Landwittsckwft da am lohnendsten, wo intensiv aewittschaftet wird. Besonders ist eine nicht genügende oder falsch angewandte Düngung häufig noch die Ursache mangelhaften Erfolges. Alle Kulturpflanzen gebrauchen zu ihrem Wachstum viel Stickstoff, verhältnismäßig wenig Phos­phorsäure und sehr viel Kali. In diesem Verhältnisse find die Nährstoffe auch im Stallmist enthalten und müssen sie auch, namentlich auf iiährstoffarmen Böden, den Pflanzen im Künft' bünger zur Verfügung gestellt werden. Wo das geschieht, wirb die richtige und reichliche Anwendung von Kunstdünger stets fidicren Erfolg und das aufgewandte Geld hohe Zinsen bringen

CuHicbiffabrt.

Gin Flug übers Mi11elrneer. Der italienische Flieger e a g l i a n i beabsichtigte schon am Sonntag daS Mittelmeer und zwar zwischen Pisa und Korsika zu überfliegen Infolge des herrschen­den dichten NebelS mußte der kühne Flieger jedoch' sein Vorhaben aufgeben. Gagliani hat nun am Mittwoch seine Absicht ausgesührt die von einem vollen Erfolge gekrönt wurde. Gegen 3 Uhr nach- mittags stieg er bei Pisa auf und bald hatte sein Apparat eine dohe von 500 Dietern erreicht. Der Flieger wandle sich dann, dem Laufe deS Arno folgend, dem Meere zu. An der Küste angekommen flog er in der Richtiing nach Livorno weiter, von wo er, begleitet von den drei vom englischen KriegSminislerium zur Versüguiig ge- stettteii Torpedoboote», die Richtung nach Korsika einschlug. Tie ,mhrt ging glatt und ohne Zwischenfall von statten Nach emem prächtigen Gleitfluge über das Kap landete Eagliani gegen lII)r af öcm ^atze Rinella in Bastia. Tie rcsich zusammen- flcftromtc Bevölkerung empfing den Flieger, der durch seinen Flug zum ersten 'Male das Mittelmeer überguert hat, mit großem Jubel Ter ivhcger erklärte, daß der Flug ihn keine.Z.vegs ermüdet habe' <te Entfernung von Livorno nach Bastian, d.h. also die über dem eere durchfloge>ie strecke, beträgt ungefähr rund 125 Kilometer riierju i't m bemerken, daß bei Rekord des längsten Meeresfluges'

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Unzerbrechlich