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15.4.1912 Zweites Blatt
 
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|62. Jahrgang

Nr. 88

Zweites Blatt

Eilchetnt tSgTlch mit vulnabme 6el Sonntag*.

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erfonen getötet.

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ließen sich noch mehrere solcher Beispiele anführen, doch mit den erwähnten sein Bewenden haben.

Wetzsteinetrasse 45 ff Ausgabe von Rabatl- lwrken des Konsum-Pereins Giehen und Umgebung.

lang cs zu flüchten. Bei den schädigenden Ereignissen wurden 4262 Personen verletzt und 343 P

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 6L

Redaktion:«« II2. rei.-Adr^Än-eigerGleßrn.

Dieflftfcener ZamilienblStter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da* Krmblatl für bev Kreis fitefcen*' zweimal «Schemlich. Dieranbwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheme» monatlich irocimoL

Endlose Briefmarkenrollen. In den letzten haben sich infolge der Einführung von Briefmarkenauto-

Montag, 15. April 1912

R-tationßdruck und vertag der 8tübild)en UnwersuälS - Buch- und StetnbrudeceL 91 Lange, Gießen.

Von den Verletzten waren 311 Führer, 702 Insassen und 3249 dritte Personen, unter den getöteten befanden sich 24 Führer, 49 Insassen und 270 dritte Personen. Der herbeigeführte Sach­schaden betrug rund 1 778 000 Mark, von welchen etwa 1 458 000 - 82,0 v. S). auf Schäden, welche die beteiligten Kraftfahrzeuge erlitten, entfallen. Von den 517 Kraftfahrzeugführern, welche nach eiugctrctcnem Unfall flüchteten, wurden 252 nachträglich er­mittelt, es blieben somit 265 Kraftfahrzcugftihrer unbekannt. Bei dieser Art von Unfällen wurden 150 Personen verletzt, 8 getötef und ein Sachschaden von etioa 7400 Mark herbcigeführt. A m zahlreich st en kamen Unfälle in Großstädten vor, es wurden deren 6194 festgestellt: alsdann folgen der Zahl nach die Unfälle auf Landstraßen und Chausseen mit 1022. In Städten mit weniger als 100 000 Einwohnern ereigneten sich 716 und auf Dorsstraßen 499 Unfälle. Von den Wochentagen, an welchen sich Unfälle ereigneten, steht der Samstag mit 17,0 v. £). aller Unfälle an erster Stelle, es folgt dann Montag mit 14,9 v. ö.: am wenigsten Unfälle ereigneten sich am Sonntag mit 11,8 v. £>.

Bon den an Unfällen beteiligten Kraftfahrzeugen dienten 7878 bei: Personenbeförderung, es entfallen somit auf 100 Personen­fahrzeuge 12,5, welche Unfälle erlitten haben, im Lastenverkehr stellt sich die Zahl auf 14,5. Am 'ungefährlichsten haben sich die Pcrsoucnkrafträdcr erwiesen, welche nur mit 1,1 v. H. an Unfällen beteiligt waren. Am häufigsten, nämlich mit 22,0 v. H., waren die Personenkraftwagen mit 16 bis 40 PS. an schädigenden Er­eignissen beteiligt. Bei einer Trennung der Kraftfahrzeuge nach ilzrem Verwendungszwecke ergibt sich, daß die im öffentlichen Fuhr verkehr benutzten Droschken und Omnibusse am häufigsten an Unfällen tcilnahmen, von 100 dieser Wagen haben 76,4 an Un­fällen tcilgenommen, es folgen dann mit 14,6 die Fahrzeuge im Dienst der öffentlichen Behörden, danach mit 12,3 die Vergnügungs­und Sportfahrzeuge.

maten und Frankiermaschinen und durch den steigenden Bedarf an Marken überhaupt für die Fabrikation ganz neue Berr utnisse ergeben. Tie Reichsdruckerei muß daher mit der bisln'r befolgten Art der Herstellung brechen und sie wird vom 1. Mai an anrch ein neues Fabrikationsverfahren ersetzt. Baurat Tr. Nicolaus beschreibt es in der neuesten Nummer desArchivs für Buch­gewerbe". Demnach werden vom 1. Mai Briefmarkeurvllen, die endlos hergestellt sind, dem Verkehr übergeben. Sie sind zu­nächst sür die einfarbigen Marken vorgesehen, man zieht aber die Anwendung des endlosen Rotationsdruckes schon jetzt auch für die zweifarbigen in Erwägung. Tie sehr tonu&aürte Maschine

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Statiftif der Kraftfahrzeuge.

Im Deutschen Reiche wurden am 1. Januar 1912 70006 Kraftfahrzeuge festgestellt, von denen 63162 zur Per­sonen- u n b 6 8 4 4 zur Lastenbeförderung dienen Die Zunahme gegen das Vorjahr beträgt 12 201 Kraftfahr­zeuge = 21,1 v. H. Unter den Personcnkraftfahrzcugen befanden sich 20000 = 31,7 v. H. Krafträder, deren Zahl gegen das Vorjahr um 584 zurückgegangen ist. Unter den 6844 zur ^Lastenbeförderung dienenden Kraftfahrzeugen waren nur 157 = 2,3 v. H. Krafträder. Von den Personen- kraftfahrzeugen wurden 23 350 = 37,0 v. H. für Bergnü- gungs- und Sportzwecke, 22 942 = 36,3 v. H. im Handels­gewerbe und in sonstigen Gewerbebetrieben, 7084 = 11,2 v. H. für andere Berufszwecke, z. B. für Aerzte und Feld­messer usw., verwendet, 5262 = 8,3 v. H. waren Kraft­droschken oder Kraftomnibusse, deren Zahl gegen das Vor­jahr um etwa 1000 zugenommen hat. Die zur Lastenbeföe derung dienenden Kraftfahrzeuge sind seit dem Vorjahr von 4ö27 auf 6844 angewachsen, haben also einen Zuwachs von 58,2 v. H. gehabt.

In dcr Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 30. September 1911 haben 18 316 Kraftfahrzeuge die Reichsgrenze überschrit- ten, darunter waren 1389 Krafträder. Aus Frankreick) stammten 6937 Kraftfahrzeuge, aus Oesterreich-Ungarn 4138, aus der Schweiz 2353, aus Belgien 1628, aus den Niederlanden 1200, aus Großbritannien 628 und aus den Vereinigten Staaten 494. Ter stärkste Verkehr ausländischer Kraftfahrzeuge trat im August mit 4216 Kraftfahrzeugen ein, im Juni überschritten 3367 und im September 2588 Kraftfahrzeuge die Grenze.

In der Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 30. September 1911 gelangten 8431 schädigende Ereignisse zur amtlichen Kenntnis, an welchen 8931 Kraftfahrzeuge beteiligt waren. Von den Führern dcr Kraftfahrzeuge konnten 8263 = 92,5 v. H. ohne weiteres der Person nach festgestellt werden, 151 1,7 v. H. machten einen Fluchtversuch und 517 = 5,8 v. H. ge-

hauptvttsamnilung des hessischen Gberlchreroerein;.

Gießen, 14. April.

Dcr hessische Oberlehrerverein hielt am 12. und 13 April in Gießen feine 27. Hauptversammlung ab, die von beinahe 200 Mitgliedern besucht war und in allen ihren Teilen einen anregenden Verlauf nahm. Der Freitag war haupt­sächlich den Fachsitzungen der verschiedenen Abteilungen tzewidmet. Die mathematische begann schon am Vormittag chre Tätigkeit mit einem Vortrag des Geheimen Schulrats

vom Meeresgrund zum Sonnenlicht.

Mitte März d. I. ist das englische UnterseebootA. 3", welches bei einer Hebung von dem KanonenbootHazard" ge­rammt und dann gesunken war, gehoben und in das Trockendock der Sundown-Bucht gebracht worden. Obgleich die Bergungs­arbeiten sofort nach dem Unfall mit aller Energie unternommen worden waren, dauerten sic doch gegen fünf Wochen, woraus sich ohne weiteres die Schwierigkeit derartiger Arbeiten ergibt, zumal cs sich hier nur um ein kleines Boot gehandelt hat.

Auf dem Meeresgründe liegen enorme Schätze. Betrachteten dock die japanischen Admirale die auf dem Grund des Hafens von Port Arthur liegenden russischen Kriegsschiffe als die wertvollste Kriegsbeute. Dies ist begreiflich, wenn man bebenft, daß ein Linienschiff 20 bis 30 Millionen Mark, ein großer Panzerkreuzer 18 bis 22 Millionen und ein Torpedoboot bis zu 1 Million Mark kostet. Man hatte daher vorgeschlagen, beit Hafen trocken zu legen, indem man einen Damm quer vor der Hafen entfahrt in Port Arthur errichtete und das Wasser dann auspumpte. Aller­dings dürfte dieses Projekt nicht zur Ausführung gekommen sein, obgleich es in .Anbetracht der Anzahl der Fahrzeuge und mit Rücksicht auf die geringen Tiefcnverhältnisse des Hafens ernstlich erwogen worden ist. Indessen ist auch von erfolgreichen Hebungs- Versuchen in den ostasiatischen Gewässern zu berichten. Im Jahre 1903 war der chinesisck)e zßreuzerHei-Ti" mit einem Teil der Kriegskosten, die China für den Krieg von 1894 zu zahlen hatte, nach. Japan gesandt worden, erlitt jedoch bei den Elliot-Inseln Schiffbruch und sank mit seiner wertvollen Ladung, die 230 Mil­lionen Pen betragen haben soll. Nach mehreren erfolg-reichen Hebungsversuchen bildete der dänische Konsul in Shanghai ein Konsortium, um die Ladung zu retten. DerHei-Ti" war mit dem Vorderteil auf eine Klipve gerannt und lag unter einem Winkel von 45 Grad auf Grund, so daß nur die beiden Schorn­steine und die Masten aus dem Wasser ragten. Schon die ersten Tauchversuche lieferten ein vorzügliches Resultat, indem nämlich im Lauf von drei Tagen 8 Kisten mit Gold und ein großes Geschütz von 34 Tonnen geborgen wurden. Das Konsortium hatte sich einen Bergelohn von 2Vs Millionen Pen ausbcdungeit.

Weiter wäre von der erfolgreichen Hebung eines deutschen Dampfers zu berichten. Am 15. Januar 1902 war der Dampfer Emil Bcrenz" mit einer Ladung Hafer von Neufahrwasser nach England in See gegangen und hatte bereits bei Hela aus uncrklär-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

licher Ursache eine so starke Schlagseite, daß man ihn auf den Strand setzte, wo er auf Steuerbordseite in etwa 6 Meter Wasser­tiefe liegend dem starten Seegang in der Danziger Bucht preis- gegeben war. Zunächst versuchte man das Wrack dadurch zu heben, daß man mittels Saugbaggers die Haferladung zum Teil aussaugtc, doch führten diese Arbeiten infolge schwerer Stürme zu keinem Erfolg. Nun bemühte man sich, das Wrack zu kanten. Zur Unterstützung wurde ein zylindrisches Ponton am hinteren Ende des Wracks befestigt, weil dort der schwerste Teil des fast völlig entladenen Schiffes, nämlich Kessel und Maschinen, lagen. Die drei Luken, welche sich unter Wasser befanden, wurden mit schweren hölzernen Deckeln belegt. Durch Einpumpcn von Preß­luft und Auspnmpen von Wasser mit Hafer vermengt, suchte man das Wrack anzuheben, was auch wirklich nach mancherlei Fähr­nissen gelang. Die Bergutigsgesellschaft hatte sich eine Prämie von 90 000 Mark ober das Wrack zusichern lassen. Der glückliche Erfolg ist vor allem dem Umstand zuzuschreiben, daß das ge­sunkene Schiff sich kein Leck gestoßen batte, auf nur 6 Meter Wassertiefe lag und die Ladung verhältnismäßig leicht zu be­seitigen war.

Einer der schwersten Verluste unserer Kriegsmarine war der Untergang des vollkommen neuen PanzerschiffesGroßer Kur­fürst" am 31. Mai 1878 vor Folkestone, wobei 269 Menschen der 487 Köpfe starken Besatzung ihr Leben einbüßten. Das Fahrzeug war bekanntlich vor demKönig Wilhelm", der ein Kommando falsch verstanden hatte, gerammt worden, kenterte, da man bei dem schönes Wetter Fenster und Türen hatte offen stehen lassen, und liegt jefct kieloben auf dem Grund des Eng­lischen Kanals. Da ist denn oft die Frage aufgeworfen worden, ob sich dieses kostbare Schiff nicht hätte heben ihnen können. Es wurde vorgeschlagen, alle Oeffnungen durch Taucher abzu­dichten und in die Schiffsräume Luft einzupumpcn. Zunächst bedenke man, daß Gegenstände auf dem Meeresgrund infolge der Strömung sehr bald mit einer hohen Schlick- ober Sandschich- bedeckt sind. DerGroße Kurfürst", dessen Maste gewiß wie Streichhölzer abgebrochen waren, wäre nun wohl allerdings, wenn man hätte Luft einpumpen können, an die Wasseroberfläche ge­kommen. Wie aber jetzt das Schiff umkehren? Woher die kolossale Kraft nehmen, um cs zu halten und zu verhindern, daß es voll- schlägt und von neuem in die Tiefe sinkt?

Es wäre nicht schwer, eine Fülle weiterer Beispiele dafür anzuxühren, daß auf dem Meeresgründe noch enorme Schätze

Münch (Darmstadt) über die Erziehung zum funk­tionalen Denken im mathematischen Unter­richt. Am Nachmittag fand ein Besuch der Universitäts­bibliothek und der Handschriftensammlung statt, den Ge­heimrat Haupt bereitwilligst gestattet hatte und danach hielten die altsprachliche, die neusprach­liche und die naturwissenschaftliche Abteilung ihre Fachsitzungen ab. In der altsprachlichen wurde in Vor­trägen von Direktor Müller (Laubach) und Professor Büchner (Darmstadt) die Frage erörtert, ob es sich auf der Oberstufe des Gymnasiums empfehle, die schrift­liche Uebe rsetzung ins Lateinische durch eine solche aus dem Lateinischenzuersetzen, wie dies 'n Elsaß-Lothringen bereits geschehen ist. In der Be­sprechung gingen die Ansichten weit auseinander, sogar der längst entschlafene lat. Aufsatz fand seine Fürsprecher, doch entschied sich die große Mehrheit für den Mittelweg, die Beibehaltung der lat. Hinüdersetzung auch auf der Ober­stufe. In der neusprachlichen Abteilung verbreitete sich Professor Heil (Darmstadt) über die nachteiligen Wir­kungen der letzten Umgestaltung im Lehrplan des Realgymnasiums, und Oberlehrer Kl eck (Mainz) führte das Haus der Zeiten vor, ein neues Lehrmittel zur Veranschaulichung grammatischer Beyriffe. Um die Erfahrungen der einzelnen Kollegen bei ihrem Aufenthalt im Ausland für alle nutzbar zu machen, wurde eine Auskunftstelle gegründet, die unter der Leitung von Oberlehrer Drescher «Mainz) steht. Die natur­wissenschaftliche Abteilung beschäftigte sich nach einem Be­richt des Oberlehrers Prätorius (Darmstadt) über die Tätig­keit des auf der letzten Tagung gewählten Ausschusses mit der Verteilung des biologischen Unter­richtsstoffes auf die Klassen Sexta bis Untersekunda, worüber Professor Biedenkopf (Groß-Umstadt) be­richtete. Darauf hielt Professor Hei neck (Alzey) einen Vortrag über bie Photographie im Dienste d er Schule unter Vorführung selbstgesertigter photographi­scher Aufnahmen.

Der Abend vereinte die Vertreter aller Fächer in Steins Garten beim Biere, wo die dichterischen und anderen Kräfte des Vereins mit ihren dramatischen Schöpfungen usw. zu Wort Tarnen. Am Samstag wurde zunächst das Museum für Völkerkunde und das Altertumsmuseum unter der liebenswürdigen Führung der Herren Professor Tr. Sievers und Dr. Kramer besichtigt. Um 11 Uhr be­gannen die geschäftlichen Beratungen in einer geschlossenen Mitgliederversammlung. Es wurden einige Aenderungen an den Satzungen vorgenommen und für die Unter­stützungskasse, die ihre besonderen Satzungen erhielt, ein Vorstand gewählt. In den Hauptvorstand traten neu ein Oberlehrer Glcnz und Lehramtsassessor Pöpperling (Darmstadt). Dem jaus scheid enden (Professor Grein (Fried­berg), der eine Wiederwahl abgelehnt hatte, wurde in herz­lichen Worten der Dank des Vereins für feine langjährige verdienstvolle Mitarbeit im Vorstand ausgesprochen. Da der stenographische Bericht über die Landtagsverhandlungen noch nicht genügend zugänglich gewesen war, wurde dem Vorstand anheimgegeben, über die von dem Abgeordneten U r ft a b t in der Zweiten Kammer vorgetragenen Ansich­ten auf ber nächsten Tagung in Bensheim eine Aussprache ki erbeizu führen.

In bem öffentlichen Teil der Hauptversammlung be­grüßte zunächst dcw Vorsitzende, Professor Beck (Mainz), bie Vertreter bes M-nisteriums, ber Provinz unb ber Uni­versität; bie Stadtverwaltung war nicht vertreten. Aus ben erstatteten Berichten ging hervor, baß bie Mitglieber- zahl infolge ber starken Zunahme ber Assessoren unb Refe­rent) ar e nunmehr bie Taufenb überschritten hat. 17 Assesso­ren würben tm verflossenen Schuljahr an gestellt, unb 82 Reserenbare traten neu hinzu!

Den Schluß ber Verhandlungen bildete ein Vortrag des Geheimen Schulrats Dr. Hensell (Gießen) über die freiere Gestaltung des Unterrichts in den höheren Klassen. In lichtvoller Darstellung gab der Redner in dem ersten Teil seines Vortrags einen Ueber- blick über eine lange Reihe von Maßnahmen, die seit dem

liegen. Es sei nur noch erwähnt, daß auf dem Grund der Bucht von Vigo ein spanischer Schatz versunken ist. Im Jahre 1702 gelangten 12 spanische Galeonen mit dem aus Gold unb Silber­barren bestehenden Tribut dcr amerikanischen Kolonien, der einen Wert von vielen Millionen hatte, bis auf die Höhe von Vigo. Der spanische Erbfolgckricg war aber gerade ausgebrochen, und Engländer- und Holländer suchten sich der reichen Beute zu be­mächtigen. Als sie aber in der Nähe der Cies-Inseln gesichtet wurden, sollen die Spanier ihre Schiffe, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu lassen, in den Grund versenkt haben. Taucher haben diese Schiffe tatsächlich befunden: doch ist cd nicht gelungen, ihren kostbaren Inhalt ans «Lwnnenlichr zu fördern.

Begreiflich ist es nach alledem, daß verschiedene Staaten Schiffe gebaut haben, deren Zweck das Hcraufholcn von Gütern aus ge­sunkenen Fahrzeugen ist; es sind dies die unter)ceifd)cii Bergungs­schiffe, welche in ihrer Konstruklion den Unterseebooten ähnlich sind. So hat z. B. Amerika ein 12 Meter langes Boot, welä)es an der Oberfläche durch eine Aasolinmaschinc und unter Wasser durch eine Dynamomaschine bewegt wird. Das Boot har zwei auf einer gemeinsamen Achse unter dem Vorderteil sitzende Rader, mit denen es sich auf dem Meeresgrund bewegen kann, unb achtern unter ber Schraube ein drittes zum Steuern. Aus dem vor­dersten Raum des Fahrzeuges können Taucher im Taucherauzug durch eine am Boden befindliche Oeffnung aus- unb cinsteigen. Dieser Raum ist mit Preßluft gefüllt, damit das Wasser nicht in ihn cinbringen kann.

sowie einen Posten ihlirtt

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Jahre 1898 angeregt ober ausgeführt worden finb^ um den Unterricht in den beiden Primen oder in der Ober­prima allein freier zu gestalten, vor allem durch Berück­sichtigung der verschiedenen Beanlagung dcr Schüler für die inathematifch-naiurwifsensckfaftlichen Fächer einerseits und die sprachlich-geschichtlichen andererseits. Man hat des­halb die Primaner in zwei Gruppen geteilt, und in der einen die sprachlichen Stunden verminocrt, die mathema­tisch-naturwissenschaftlichen vermehrt, in dcr anderen um­gekehrt. Der Vortrageudc befürwortet diese-' Gruppcnbil- düng (ober auch das Frankfurter Reforrngnmnasium) ledig­lich für kleine Städte, in denen sich nur eine höhere Schule befindet. Andere Schulmänner haben zur freieren Gestaltung des Unterrichts das Fachsystem für die drei oberen Klassen empfohlen, so daß ein Schüler in Mathe­matik in Obersekunda, in ben anderen Fächern in Ober­prima sitzen könnte. Auch Souderlursc oder gar Sonder- schulen für bie begabtesten Schüler hat man gewünscht, die diese über das jetzige Ziel der Schule hinaus führen sollen; der radikalste Reformer will bereits Von ber Unter­tertia an die Ijeröorragenbeftn Schüler, d. h diejenigen, die die Lehraufgäde zweier Jahre in einem Jahre be­wältigen können, in einer besonderen Schule vereinigen. Matthias und andere raten, die Zahl der wahlfreien Fächer zu vermehren. Die Einrichtung der Studientage, die Paul­sen wünschte, besteht schon in Pforta und Frankfurt; Wei­mar hat sie bereits wieder zum größten Teil aufgegeben.

In dem zweiten Teil des Vortrages machte der Redner eine Anzahl Vorschläge, wie sich im Rahmen der bestehenden Schulformcn eine freiere Gestaltung des Unterrichts durchftihren lasse. Wenn man keine Rück- sicht auf bie schwachen Schüler nehme und hemmende Ele­mente von der Prima fernhalte, könne diese zu einer Elite­klasse gemacht, den Primanern dann größere Freiheit auf wissenschaftlichem und sittlichem Gebiet gewährt und da­durch ihr Verantwortlichkeitsaefühl gestärkt werden. Durch Zusammenlegung von zwei Stunden desselben Faches an einem Tage werde die geistige Konzentration zu Hause und in der Schule erhöht. Statt ber tägliche): Zuteilung einer bestimmten Aufgabe solle man es den Schülern überlassen, freiwillig ihren Fleiß zu betätigen. Tie regelmäßige Wiederholung des behandelten Schriftstellerabschnitts sei unnötig, es genüge eine Erfassung des Inhalts nach den verschiedenen Seiten hin und Wiedergabe in freiem Vor­trag: Inhaltsangaben hätten in der fremden Sprache zu erfolgen, anch im Lateinischen und Griechischen. Man könne die Schüler zu Vorträgen über den Besuch von Museen und Fabriken usw. heranziehen unter Benutzung eines Bild­werfers. Die schriftlichen Arbeiter: brauchten nur von Zeit zu Zeit mit einer Note bedacht zu werden. Für den deut­schen Aufsatz möge man verschiedene Aufgaben zur Wahl stellen und für eine größere Abhandlung den Verfasser von einer Anzahl von Aufsätzen befreien. Die Primaner könn­ten auch für die unteren Klassen Märchen erzählen und Dichtungen Vorlesen, wissenschaftliche Vereine unb Lese- abenbe gründen. Sie wären anzuleiten, aus einem Vortrag ober einer Vorlesung den Aufbau und die führenden Ge­danken herauszuheben und schriftlich festznhalten. Solche Arbeiten müßten bei der Versetzung lund in der Reifeprüfung znm Ausgleich und zur Erhöhung der Noten in die Wag- schale fallen, und von der Zulassung zur Reifeprüfung im dritten Halbjahr der Prima müsse häufiger Gebrauch ge­macht werden. Für mehrtägige Ausflüge hätten die Pri­maner selbst den Plan auszuarbeiten und. alle Geschäfte zu besorgen, indem der Direktor gleichsam nur als Gast an der Fahrt teilnehme.

Von einer Aussprache über den zweiten Teil des Vor­trags wurde der vorgerückten Zeit halber abgesehen; be­züglich des ersten Teils wünschte Professor Altendorf (Mainz), daß auch in größeren Städten mit mehreren Pa­rallelschulen die Möglichkeit der Grilppenbildung gegeben werde.

Nach Schluß der Beratungen fand, ebenfalls in Steins Garten, ein gemeinsames Mahl statt.

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