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13.3.1912 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

162. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

162. 3*w mittoo«, 15. ntärj 1912

erscheint täglich, außer V ® Q Ve»u«»vrei-:

EonntagS. Beilagen: M * _ _ . monatltcf)75l,BUotcrtcI-

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für die Redaktion 112, MM Verantwortlich für den

MAHD General-Anzeiger für Oberhessen MIM

WÄSSS ^otatlonrdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpeditlon und Druckerei: Zchuistraße 7. h?5 "

b15 D0uttQ«* 9 __Büdingen: Fernsprecher Rr. 269 «eschastsstelle vahnhofstrahelöa. L.gemeü? H^Beck.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

Der vergarbeiterausftand im Ruhrgebiet.

Da die christlichen Gewerkschaften der Bergarbeiter die Teilnahme an dem Ausstand mit scharfem Widerspruch ab­gelehnt haben und die Ausständigen bei ihren beschränkten Geldmitteln keine große Aussicht auf Erfolg haben (wie von ihnen in ihrer Ausstandsert'lärung selbst angedeutet worden ist), so war eS vorauszusehen, daß die Gefahr der Ausschreitungen und Belästigung Arbeitswilltger umso bedrohlicher auftreten würde. Heute liegen leider in der Tat Berichte über die schlimmsten llebergrifse vor, wobei den Arbeitswilligen die Kleider böswillig zerschnitten worden sind und Gewalttätigkeiten gegen Personen verübt wurden. In Hamborn hat eine förniltche Schlacht Wischen Poli- zisten und Ausständigen stattgefunden, wobei mehrere Poli­zisten durch Steinwurfe bedenklich verletzt worden sein sollen. Sogar die Gewerbetreibenden und Laoenbcsitzcr wurden in Mitleidenschaft gezogen, so daß die Läden ver­barrikadiert werden mußten.

Mit einem solchen Borgehen werden die Ausständigen natürlich noch mehr sich die Sympathie der Allgemeinheit verscherzen als bisher. Wenn sie glauben, durch solche gewaltsamen Vorgänge am ehesten etwas durchsetzen zu tonnen, so befinden sie sich doch auf einem falschen Wege. Daß die Beteiligung am Ausstande durch diesen Lerrorts- mus etwas größer geworden ist, mag sein. Aber auf der anderen Seite wird, auch damit ein unerbittlicher Wider­stand der Arbeitgeber herausgcfordert, und Bestrebungen, -wie sie am gestrigen Dienstag im preußischen Herrenhause zuin besseren Schutz der Arbeitswilligen in Gang gekommen 'sind, werden immer mehr Anhänger bekommen. Schon erschallt in den Arbeitgebertreijen auch der Ruf:Meine Vermittlungsaktion im Bergarbeiterstreik!" TieDeutsche Vokkswirtsch. Korresp." veröffentlicht einen solchen Aus­ruf, in dem die Regierung getoarnt wird, ihre Autorität zwecklos aufs Spiel zu setzen.

Wenn die dringend wünschenswerte Probe gemacht werden soll, ob, wie die Regierung in den letzten Tagen und Wochen wiederholt behauptet hat, die bestehenden Gesetze zum Schütze gegen Strcikvergehen a u s r c i ch e n. so ist die erste Vorbedingung, daß die kämpfenden Parteien unter sich gelassen werden. Das ist das beste Mittel, der ge­rechten Cache den Weg zu sichern und den Frieden bald wieder herzustellen, gleichzeitig auch den Nimbus zu zerstören, als ob für eine Machtprobe der ritoten Internationale mit der Wirkung, .der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung Gesetze zu diktieren, die .Zeit bereits gekommen wäre."

Das sollte den Aufstandsschürern doch zu denken geben. Nur durch eine baldige Vermittlung können sie den Schaden einigermaßen wieder gut machen, den sie durch die vom Zaun gebrochene Bewegung in Tausende von Fa­milien hineingetragen haben.

Die Lage im Ausstandsgebiet hat sich gegen Montag .wesentlich geändert, da es vielfach bei der Einfahrt der Mittags- und der Frühschicht am Dienstag zu Unruhen gekommen ist, bei denen die S ch u tz m a nn s ch a f t e n ver­schiedentlich den Säbel gebrauchten. Arbeitswillige wurden vielfach verhöhnt und tätlich angegriffen. Stellen­weise ist infolge dieser Vorgänge die Zahl der Aus- ständigen erheblich gewachsen. Angesichts des auftretenden Terrorismus fordert eine größere Anzahl von den Arbeitern nahestehenden Zeitungen militärischen Schutz. Tie Zechenverwaltungen haben teilweise die Früh- und die Mittagsschicht zusammengelegt.

Essen (Ruhr), 12. März. Von insgesamt 266 835 Berg­leuten des Ruhrbezirks sind heute 110107 angefahren. Es streiken demnach 58,74 Prozent.

Die Polizei im Kampfe mit Aukstiindischea.

Hamborn, 12. März. Heute abend kam es in Ober- Marxloh zu schweren Ausschreitungen. Als eine Anzahl Arbeitswilliger von einem Polizeiaufgebot nach den Woh­nungen begleitet wurde, entwickelte sich ein Kampf zwischen Streikenden und Polizeimannschasten. Auch heute wurde die Polizei mit Steinen beworfen und aus den Fennern der Häuser wurden ca. 200 Schüsse auf sie abgegeben. Tie Ladenbesitzer sahen sich gezwungen, ihre Läden zu ver­barrikadieren. Ter Mob zertrümmerte die Straßenlaternen. Eine Laterne wurde umgerootfen und das ausslrömende Gas angezündct. Erst nach mehreren Zusammenstößen gelang es der Polizei, die Ruhe wiedcrhcrzustcllen. Viele Polizei- b e a mte, unter ihnen zwei Kommisfare, wurden durcp Stein­würfe erheblich verletzt.. Unter den Verletzten befindet sich auch ein zenjähriger Knabe.

Im Laufe des Nachmittags weilte der Regierungspräsident D r. Kruse aus Düsseldorf auf dem Kampfplätze der gestrigen Krawalle. In einer außerordentlichen dringenden Stodlverord- netciiversammlung wurde beantragt, zu gestatten, daß für die Tauer des Streiks die GewerkschaftDeutscher Kaiser" eine Schutz iv ehr von 52 Mann und die ZecheNeumühl" eine solche von 22 Mann einrichtet, welche aus Beamten der Gewerk­schaftDeutscher Kaiser" gebildet werden. Tie Schutzwehren haben P o l i z e i r e ch t e und werden mit Pistolen und Polizei- tnütteln ausgestattet. Im Laufe des Nachmittags wurden wieoer zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.

Dortmund, 12. Murz. Vor den Zechen, die im Stadtgebiet Dortmund liegen, lam es heute nachmittag gegen 4 Uhr, als die Schicht der arbeitenden Bergleute zu Ende ging, zu Ansammlungen, die von der Polizei ohne Zwischenfälle zerstreut wurden. Einige Stunden später versammelten sich Streitende auf dem Borsigplatz. Hier wurden die Schutzleute mit Steinen bewor- fen. Ein Pferd eines Schutzmannes überschlug sich und begrub oen Reiter, dec Verletzungen erlitt. Tie Polizei zog blank und nahm drei Veryaflungen vor. An einer anderen Stelle fiel ein Reoolverfchuß. Verletzt wurde niemand.

Der Vermittluogsversuch in England.

Lond on, 12. März. Die Konferenz der Ver­treter der Grubenbesitzer und der Bergarbeiter, die unter dem Vorsitz des Premierministers Asquith im Auswärtigen Amt stattsand, ist nach dreieinhalbstundiger Tauer auf morgen vertagt worden. Eine Mitteilung über den Verlauf der Verhandlungen ist nicht erfolgt.

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Das neue englische -ftottenprogramm.

London, 12. Marz, bum neuen Flottenbau- programm sind an Schiffsneubauten vorgesehen: vier große Panzerschiffe, acht leichte gepanzerte Kreuzer, zwanzig Torpedobootszerstörer und eine Anzahl von Unterseebooten und Hilsssahrzeugen. Der Mannfchastsbestand wird um 2000 Mann vermehrt werden.

In der Erläuterung, die der erste Lord der Admiralität Churckill dem Flottenooranschlag beigegeben hat, heißt es, daß der Voranschlag unter der Voraussetzung zu'ammen- gqicut worden sei, daß die vorhandenen Flottenprogramme der anderen Mächte keine Erweiterung erfahren. 'Im Falle solcher Erweiterungen wurde es notwendig sein, sowohl für die zu bewilligenden Mittel wie für den Mannschaftsbestand einen Nachtragsetat einzubringen. Für Schisfsneubauten werden 13 971327 Pfund Sterling gegen 15 0u3 877 im lau­fenden Rechnungsjahr, davon 12O3, 727 für die Fortsetzung der Arbeiten an den bereits im Bau befindlichen Schiffen und 1 903 800 Pfd. Sterl. für die Inangriffnahme der Neubauten des neuen Programms bestimmt. Ter Prozentsatz der neuen Schiffe des neuen Programms, deren Bau im neuen Rech­nungsjahr begonnen werden soll, ist größer als gewöhnlich. Danach wird es nötig sein, den Bau der gesamten neuen Torpedobootszerstörer auf einmal zu beginnen.

2111» reifen.

rm. Darmstadt, 12. März Aus den Ausschüssen der Zweiten Kammer.

Der Finanzausschuß tagte heute früh, um über den Vorschlag der Regierung zu dem Antrag der Abgg. Köhler, Tr. Osann uiio Gen. betr. die Anstellung der S ch r eibgehilfen Stellung zu nehmen. Die Regierung schlägt als Uebcrgangsbeftimmung vor:

Diejenigen Schreibgehilfen, welche vor dem 1. April 1912 das 30. Lebensjahr zuruclgelegt haben, mit dem 33. Lebens­jahr ^iach 13 Bordienstjahren anzustellen, ferner soll sür alle Schreibgehilfen ein Kontingent festgelegt werden, das nicht überschritten werden dar,. Wenn nach dem feiJ).agvn Verfahren nur noch 5 Zähre Schreibgehilfen angcftclit wer­den, habe man dann zusammen etwa luüU angestellte Schreib- gehilsen. Der Finanzausschuß erklärte sich mit dem Vor- Ichlag der Negierung einverstanden.

Unter dem Borsttz des Staatsministers Dr. Ewald tagte nachmiftags der Ausschuß ,ür die Vereinfach u n g im «-taals haushalt und beschäftigte man sich nur mit der Frage der veränderten Einteilung der A in t s g e r i cy t s b e z i r k e. Tie Großy. Regierung hat hierzu une ausführliche Denkschrift versagt, in welcher zu- nächst eine Uebersicht über die seit dem Jahre 1879 in den verschiedenen Bezirken eingetretenen Aenderungcn enthalten ist. Tann wird aus die näheren Verhältnisse in den 34 Amts- gerichtsbeziclen, In denen Veränderungeil vorgesehen waren und die Dagegen erhobenen Einwendungen eüigegangen. Tie Schrift lünimt dann zu folgendem Schluß:

Stehl man von einer Aufhebung oes Amtsgerichtes Wimpfen ab, so ergibt sich folgendes: Es fallen ui Wald- Michelbach, Schotten, Ulrichstein, Nied.-Olm uno Wörrstadt je ein, zusammen 5 Richter fort. Von diesen jiiiö 2 nach Alzey und Oppenheim zu versetzen. Tie üürigen 3 finden alsvald Beendung in Gro^-Gerau, Offenbaa- und Darm­stadt II, da vort je ein HilsSrichler durch einen ordentlichen Richter ersetzt werden muß. Von den 6 Hilssrichtern, Die in Altenstadt, Hungen, Oppenheim, Groß-Gerau, Darmstadt 1 und Offenbach entbehrlich werden, finden 5 in Wald-Michel- bach, Ulrichstein, Nied.-Olm, mit Wörrstadt, und demnächst Gießen Verwendung. Hiernach tritt eine Ersparnis nach drei Richtungen ein. Zunächst ist die Möglichkeit gegeben, drei Richterstellen, deren Neuschaffung unver­meidlich ist, mit vorhandenen Richterlräften zu be­setzen und damit die Neuanforderung der für diese Stellen erforderlichen Mittel zu vermeiden. Sodann wird eine An­zahl Hilfsrichter nur während eines Teils des Geschäfts­jahres Verwendung finden. Endlich wird das bei einzelnen Gerichten näher ruckende Bedürfnis nach Vermehrung Der Richterlräfle hintangehalten. Die Ausschußmilglieder er­klärten sich mit den Ausführungen der Regierung im allge­meinen einverstanden.

Dom itQlieni|ct)=türtifd)en Kriegsschauplatz.

Eia erbitterter Kampf bei Tobruk.

Tobruk, 12. März. (Agenzia Stesani.) Gestern früh rückten zwei Bataillone Infanterie und eine Batterie Ge­birgsgeschütze aus den italienischen Verschanzungen vor, um eine Kompagnie Pioniere, die mit der Herstellung neuer Forts beschäftigt waren, zu beschützen. Gegen zehn Uhr bemerkten sie eine Karawane, der sie mit einigen Kanonenschüssen schwere Verluste beibrachten. Gegen mittag näherten sich größere Massen von Türten und Arabern bis auf vier Kilometer der Stelle, wo Die Italiener neue Fortisikationsanlagen begonnen hatten. Die Italiener eröffneten ein heftiges Geschützfeuer. Es entstand ein e r bitterterKampf,in dem die Infanterie

Gicszener Stadttheater.

Der Leibgardist.

Komödie von Franz Molnar.

Gießen, 13. März.

Franz Molnar, der vor etwa vier Jahren mit seinem zwar Nicht wertvollen, aber immerhin ganz nett gemachten SpielD e r Teufel" seinen ersten großen Erfolg errang, ist ein großer Freund fader Pikanterie. Eine lustige Idee, die sich ganz niedlich erzählen läßt, stellt er auf die Bühne, und nachdem er uns im ersten Aufzug glauben macht, daß er uns einen wohlschmeckenden, frischen Trank zusammenbraue, erweist es sich in der Fortsetzung als ein recht abgestandenes, schales Zeug, das nur solange etwas rechtes erschien, als man davon nur hörte.

So ist es auch mit seinem neuen Spiel, dem Leibgardisten, den er uns gestern abend vorexerzieren ließ. Im ersten Aufzug wird mit Witz und Laune ein Schauspielerpaar geschildert, das nach halbjähriger Ehe in frostiger Katzbalgerei lebt, weil das schöne Weibchen das schon zehn Liebhaber hatte die Ab­wechslung liebt. Ihr Gatte, der große Schauspieler, fühlt das verlangen seiner Frau und will ihr in der blanken Uniform Der yeibgart>i|"ten nahen, da er instinktiv empfindet, daß sie etwas ein­faches, gesundes, dummes ersehnt. Soweit ist der Scherz ganz vÄbfch, aber sobald nun die Maskerade beginnt wird er Platt, öeil sich von den unmöglichen Voraussetzungen ganz abgesehen --solche Vorgänge nur bis zu einer gewißen Grenze Dariiellcn (Qllen, ohne abgeschmackt zu werden. Schon Ludwig Fulda ift m seinem weiblichen Gegenstück des Leibgardiften, in Der Hrillingsschwester, ein wenig über diese Grenze hinausgegangen, ater Molnar geht noch viel weiter, indem er den Freund Des Ehepaares zum Zeugen des SteUDicheins in Der Theaterloge stacht, wo er den beiden Gatten nun Ritterdienste leisten muß. -ü>ei läßt es der Dichter sehr im Dunkeln, welche Stellung > Kritiker bei Der Schauspielerin einnimmt.

Die Prüfung schließt enblitriDamit, daß die Frau ihren Mann U-berredet, sie habe ihn längst drdel'schaut und alles ift wieder g»it natürlich nur solange,üigen >er nächste Liebhaber kommt.

Ob das Molnars Ansicht.jnm^hkt sich allerdings kaum imt- !Aeiden, denn er läßt auch ö^Ulllbll unklar hat die erau Men Mann erkannt, hat sie Steint-tfannt? Wer will es Itngen? anmahr. Rc

en nabt. Gar

Blumensta

Wer von euch ist so weise, eine Frau zu durch­schauen, ihr bis auf den Grund Der Seele zu blicken? Wer will behaupten, daß er es vermöchte? Das ist wohl der Sinn des Spieles, dessen Geschehnisse alle nur diese eine Frage illu­strieren, die riesengroß am Ende wieder auftaucht. Nur eine Antwort gibt das Stück: Ihr.Männer roolit betrogen sein; ihr glaubt noch, wenn euch auch schon zehn Liebhaber Doraufgegangen sind, glaubt noch, wenn ihr Den Beweis Der Untreue vor Augen habt. Da macht mans wie der Kritiker: Man verzichtet und lächelt lächelt

Tie Aufführung, die Herr Direktor Steingoetter im allgemeinen mit gutem Erfolg eingerichtet hatte auf Einzel­heiten komme ich noch zurück, fand Den lebhaften Beifall Des sehr stark besetzten Hauses und hätte zweifellos noch mehr ge­wirkt, wenn man in den letzten beiden Auszügen noch ein paar kräftige Striche angebracht hätte. Vorteilhaft wäre es auch ge­wesen, wenn man im zweiten Aufzuge den Logenhintergrund durch einen Vorhang von dem eigentlichen Bühnenhaus ab­geschlossen hätte, denn es mutet doch recht merkwürdig an, wenn gebildete Menschen sich sozusagen vor dem ganzen Theater in der ungeniertesten Weise benehmen. Dadurch wäre wohl auch der die Oper vortäuschende Phonograph etwas gedämpft worden und das gemalte Publikum wäre ganz natürlich erschienen. Im übrigen war diese Einrichtung sehr gut gelungen.

Die Darstellung, die sich zum Teil vor sehr schwierigen Auf­gaben sah, hatte sich redliche Mühe gegeben und versuchte nicht ohne Erfolg auch in den heiklen Situationen den Ernst zu wahren. Fräulein Kitty Franke oom Stadttheater in Barmen, die in der Rolle der Schauspielerin auf Anstellung spielte, brachte für das nervöse, lüsterne Weibchen ein lebhaftes, empfindungsfähiges Temperament mit, das zwar im Anfang etwas zögerte und tastete, dann aber, als es sich gesunden hatte, forsch darauf losging. Mil natürlichster Anmut spielte sie die gewagtesten Stellen, doch hätte sie Die schon zehn Liebhabern den Kopf verDreht hat mitunter noch einen Schritt weitergehen Dürfen unD lockenDer, bestrickender, verführerischer spielen müssen, um die Maskerade ihres Mannes und seine unsinnige Leidenschaft glaubwürdiger er­scheinen zu lassen.

Herr Goll, der sich in der Uniform allemal am wohlften fühlt, batte mit seiner Doppelrolle als Gatte und Leibgardist eine sehr schwere Aufgabe, Die fein Schauspieler restlos bewäl­

tigen kann. Ganz davon abgesehen, daß sich ein Schauspieler, tote dieser gezeichnet ist, ein Könner, vielleicht gar ein Genie, niemals so verstellen kann, wie Molnar es verlangt, birgt die Rolle eine Unmenge von Schwierigkeiten, Die sich aus Dem Doppelspiel ergeben. Indem Herr Goll als Leibgardist Den großen Schauspieler dar,teilte. Der sich auch im schlimmsten Falle zu beherrschen weiß, mußte er Den Gatten, Der uns menschlich näher steht, natürlich vernachlässigen, und Daß er es oerfianD, diesen Zwiespalt Dennoch leise anzuDeuten, war aller Ehren wert. Wo et sich rein als Mensch, natürlich geben konnte, ivar er, in einer äußerlt gefälligen Maske, Die stark an Matkowsky erinnerte, mitunter geradezu glänzenD. Auch Herr B o l ck als Kritiker hatte eine immerhin recht schwere Aufgabe, aber er löste sie mit Dem leinen Takt, Den er schon so oft bewiesen hat, sehr glücklich. Als Mama war Ftäulein Scholz in Der bremischen, «was gesuchten Rolle von heiterster Wirkung, und Herr Hilbert spielte Den Gläubiger ebenfalls recht vergnüglich. Zu erwähnen wate noch Frl. M ü h l p f o r t als Dienstmädchen.

Taß das Spiel über 8/* StunDen später tnbigte, ate an­gegeben, sei nur bemerkt. n

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EhrungenAmundsen-. Ehristiania, 12. März. In der heutigen Sitzung Des Storthings brachte Der Abg. Vit einen Antrag ein, 60Ö0 Kronen jährlich stlr ein ArnunDsen zu über- tragenDes außervrDentliches Professariat an der Universität xu be­willigen. Ter Antrag wurde dem BuDgetansschuß uoerroiefen Ter Ministerpräsident teilte mit, die Regierung beabsichtige in Den nächsten Tagen einen Antrag auf Bewilligung eines Be­trages für Die Expedition Amundsens einzubringen, damft . ^nundsen, in Den Stand gesetzt werde, oas Ziel ;u erreichen, oos er sich von Anfang gesetzl habe, nämlich zum 9tordpol oorzudringen. Tie Geogroptische Gesellschaft Hal heute Die angerünoigte Auf­forderung an das norwegische Volk erlassen. Beitrage für Amund­sens NordpolexpeDition zu zeichnen.

Eine neue T7 etbobc Der Krebsbehandlung. Aus Moskau wird berichtet: In allen Ländern arbeitet die Aerztewelt mit fieberhaftem Eifer an Der Klärung Des großen Problems, auf welchem Wege Der Krebs sich bekämpfen läßt. Am Montag hat nun vor einer Versammlung Moskauer Aerzte Dr. v. Stein über eine neue MethoDe der KrebsbehanDlung, mit Der er in Moskau überraschend günstige Ergebnisse erzielt haben will, einen interessanten Bericht erstattet und seine Tar-