Ausgabe 
17.9.1912 Zweites Blatt
 
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ungeheuren R'k r ch t u stt 's v Vr"m ehr u n g der Be­sitzenden geführt bat, während die arbeitende Kl a sic durch eine zunehmende Verteuerung ihrer wichtigsten Bedarfs­gegenstände an der Erhöhung ihrer Lebenshaltung gehindert wurde und in Gefahr geraten ist, der E r r u n gen» schaft-en ihrer gcwerkschaftlichen Oraanisatio- nen beraubt zu werden. Ter Parteitag sieht in dreiem Gegensatz der Bereicherung der wenigen Kavitalmaanaten und der zunehmenden Massenverarmung den stärksten Beweis für die Unvereinbarkeit der kapitalistischen Produktionsweise mit den Interessen der arbeitenden Klasse und für die Notwendig­keit des Sozialismus. Ter Parteitag erkennt in der herrschen­den Schutzzollpolitik Teutschlands eine unerträgliche Ver­schärfung der Verteuerung. Er fordert die Beseitigung dieser Wirtschaftspolitik, deren Zweck nur die ungeheuerliche Vermeh­rung der Rente der Großgrundbesitzer, die treibhausartige Förde­rung der Bodenpreise und die Erhöhung der Monopole, der Großgrundbesitzer bildet. Er fordert die Beseitigung des Systems der Einsuhrscheine und der Getreide- und Auttermittelzölle, die den Großgrundbesitz auf Kosten der städtischen und bäurischen Bevölkerung begünstigen. Er fordert besonders zur Abhilfe der Fleischnot Oeffnung der Grenzen für Vieh und Fleisch unter Beobachtung der unerläßlichen gesundheitlichen lieber» wachungsmaßregcln und entsprechende Abänderung des Gesetzes bctr. .Schlachtvieh- und Fleischbeschau und Einfuhr von frischem und zubereitetem Flcifch, insbesondere Gefrierfleisch, dauernd zu ermöglichen. In Verbindung mit diesen Maßnahmen fordert der Parteitag eine gründliche Reform unseres Steuersystems mit dem Ziele der Beseitigung aller in­direkten Steuern auf Derbrauchsartikel und Ersetzung durch direkte Vermögens-, Einkommen- und Erbschaftssteuer. Ter Parteitag protestiert gegen die infamen Bestrebungen der Junker und Scharfmacher, die Selbsthilfe der Arbeiter durch Erdrosse­lung des K o a l i t i o n s r e ch t s lahm zu legen. Er fordert die ÄuLgestaltung undSicherung der Koalitionsfreiheit. Ter Parteitag hält zur Durchführung dieses Resormprogramms die s o f o r t i g c Einberufung des Reichstages für unerläßlich und fordert die arbeitenden Klassen aus, den Kampf gegen das herrschende Ausbeutungssystem mit aller Wucht durchzuführen."

Hierauf erhält Schepperte (Göppingen) eine halbe Stunde Redezeit, um die Gründung des Parteiblattes in '-Göppingen zu rechtfertigen. Wir mußten Fliegen 'Iressen, weil wir in der Not waren. ''Heiterkeit.) Trotz der ur­sprünglich ablehnenden Haltung des Vorstandes hatten wir die Hoffnung, daß sein Vertreter doch noch mit einem Sack voll Geld zu uns zurückkehren wird, i Lachen.) Der Redner erregt weiter große Heiterkeit, als er erklärt, daß er eine ihm abgeforderte Erklärung unterschrieben habe, aber mit dem Bemerken, daß er damit nicht einverstanden sei.

Mattutat (Stuttgart): Der Vorredner scheint beute noch nicht zu wissen, um was es sicü handelt. Es ist nicht eine Hetze gegen das Göppinger Organ emgcleitct worden, sondern man ist in' unverantwortlicher Weise bei der Gründung dieses Organs vorgegangen. Zum Wegwerfen sind die Beiträge der Arbeiter doch nicht da, dazu ist Idas Geld Zu kostbar. Die angebliche Hetze war nur der naturuotwendige Widerstand der Genossen gegen das Vorgehen derGöppinger Volkszeitung", die andere Partei- gefiossen in systematischer Weise heruntergerissen und provoziert hat. Für die Gegner war das natürlich ein gefundenes Fressen und hat ihnen bei den Wahlen entsprechenden Nutzen gebracht. (Hört! Hört!) .Die Sache hat uns ein Mandat ge­kostet. Leider ist der Göppinger Fall nur ein Teil der Er­scheinungen, die sich so unangenehm bemerkbar machen, nur ein Teil der Skandale, die leider der Partei so sehr geschadet haben. Es handelt sich nicht um Radikale und Revisionisten, diese haben mit den dortigen Streitigkeiten nichts zu tun. Der ganze Streit bezieht sich auf persönliche Stänkereien und hat eine Zuspitzung erfahren, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Und da steht der große iW c ft m e i c r in erster Reihe. Längst vor dem Königsessen waren bereits persönliche Angriffe auf die verdienten maßgebenden Fak­toren in der Partei in der gehässigsten Weise ergangen. Sachlich ilnnn man ja diskutieren, durch Westmeicr aber hat die Sache i-eiii anderes Gesicht bekommen. Seitdem herrscht eine Verbitterung und Verhetzung in Württemberg, io i c s i e nicht schlimmer sein kann. Man macht es dem Parteivvrstand zum Vorwurf, daß er nicht früher und energisch genug eingeid)ritten ist. Noch jetzt besteht die Möglichkeit, daß endlich einmal von feiten des Vorstandes die Genossen auf beiden Seiten zur Ordnung gerufen werden.

Westmeicr: Gerade die andere Seite, die Vorwürfe gegen mich erhebt, hat ihr Meisterstück bej den letzten Gemeindewahlen in Stuttgart abgelegt. (Vereinzelte Zustimmung.) Mit Flug­blättern hat man uns in Fabriken und Werkstätten bekämpft, schlimmer, als wenn es gegolten hätte, eine bürgerliche Partei zu bekämpfen. Die Gegenseite hat eine besonders geheime Organi­sation, und zu gewissen Sitzungen ergehen nur an dieHafen- rcinen" Genossen Einladungen (Vereinzelte Hört! Hört!) Noch in den letzten Tagen hat man anonymen Flugblättern gegen mich gearbeitet, in denen sogar mein Familienleben in der niederträchtigsten Weise heruntergerissen wird.

Man hat in der württembergischen Landesversammlung mich zu hängen versucht, es ist aber nicht gelungen und wird auch bei den heutigen Verhandlungeii hier nicht gelingen. Der Landes Vorsitzende Hildenbrandt bat in Heilbronn alles Persönliche, alles längst Erledigte wieder hervorgezerrt. Richtig ist, daß jetzt in Göppingen eine ganz verzweifelte Situation geschaffen ist: Der Zusammenbruch des Blattes, die großen Verluste der Genossen, das Zurückwerfen der Agitation für Jahre, aber ich bin daran nicht schuld. Ich hätte gewünscht, daß diese Angelegenheit vor einer Kommission verhandelt wird, diese würde zu einem anderen Urteil kommen. Wir haben getan, was wir im Parteiinteresse für richtig hielten.

Redakteur Noßmann (Ulm): Tic Göppinger sind an dem dortigen Zustand selbst schuld. Richtig ist, daß der angebliche Radikale in Göppingen die Ulmer revisionistische Braut heiraten wollte, aber der Vorschlag ist von Göppingen ausgegangen, nicht von uns. Man muß vorsichtig sein gegenüber Genossen, die heute widerrufen, was sie gestern für richtig hielten und ihre Angriffe mit gehässigen Fälschungen unterstützen.

Reichstagsabgeordneter Hildenbrandt (Stuttgart) vertei­digt fein Verhalten: Niemand habe den Göppingern ihr Selbst- beftimmungsrecht nehmen wollen. ES habe sich nur um eine Vereinbarung zwischen Ulm und Göppingen gehandelt, die der Landesausschuß empfohlen habe. Westmeicr und die Göppinger hätten aber in der geschäftlich unfähigsten Weise die gante Zei­tungsgründung unternommen. Was soll man dazu jagen, daß die ganzen Maschinen auf Wechselakzept gekauft wurden. Landes­ausschuß und Parteivorstand haben durchaus gerecht gehandelt. Der Vorstand hat der jr^rttembergil'djen Landesparter bei der Sanierung vollständig freie Hand gelassen. Mit revisionistischen Bestrebungen hat die ganze Sache nichts zu tun.

Inzwischen erfolgt die Vorlage zur Abänderung des Or­gan i s a t i o n s ft a t u t s , die bekanntlich der Reichstagsfraktion eine Vertretung von Vs ihrer Mitglieder auf Parteitagen gewahren und einen VerbandsanSschuß schafjen will. Auch zwei Anträge sind eingegangen. Der erste spricht dem Parteivorftajnd die Aner­kennung aus, daß er in der Göppinger Affäre richtig gehandelt habe: der zweite beantragt die Einsetzung einer Kommission von 9 Personen zur nochmaligen Prüfung der Frage. Der An­trag wird aber nicht genügend unterstützt.

Henke (Bremen) verteidigt unter großer Unruhe, da die

Zeit "schon sehr vorgeschritten ist, die Haltung der Bremer Bürger­zeitung. Verschiedene süddeutsche Redakteure hätten früher die radikale norddeutsche Presse bedient und seien gleichzeitig an re­visionistischen Blättern tätig gewesen. Er verteidigt den Redakteur Radeck gegen den Vorwurf, daß er nicht Mitglied der deutschen Sozialdemokratie gewesen sei. Zahlreiche Ausländer schrieben für die Parteipresse, ohne Mitglied der Partei zu sein. Als er bei der Mehrheit Widerspruch fand, rief er erregt: Meinetwegen mag er ein Hund sein, aber Sie müssen das erst beweisen.^

Dr. Len; (Leipzig verteidigt in ähnlichem Sinne die Hal­tung der Leipziger Volkszeitung.

Nach persönlichen Bemerkungen wird die Debatte durch einen Schlußantrag beendet und die Verhandlung auf morgen vertagt.

Teuerungskllndgebunge» in Stuttgart.

Stuttgart, 16. Sept. Tie Sozialdemokratie ver- anstalttte gestern vormittag 23 Proteftversa mm lungen gegen b i e Fleischteuerung. Nach _ den Versammlungen begaben sich viele Teilnehmer auf den Schloßplatz. Gegen 12 Uhr hatte sich dort eine nach Tausenden zählende Menschenmenge cin- gesunden. Redakteur Crispien hielt von dem Musikpavillon aus eine Ansprache, die in ein Hock auf die Sozialdemokratie ausklang. Inzwischen war Polizeidirektor Büttingcr erschienen. Nach kurzer Unterhandlung des Polizeidirektors mit dem Redner erfiärte dieser die Temonstrationsversammlung für beendigt. Nun zogen die Teilnehmer unter Ansingen der Marseil­laise auf Den Marktplatz. Ein großer Trupp zog am M i- nij'terium des Innern, vor dem ein starkes Schutzmanns­aufgebot stand, vorüber. Der Minister des Innern von Pischeck beobachtete das Treiben vom Fenster aus. ,Auf dem Marktplätze sprach der Schriftsteller Westmeyer. Die Massen begaben sich dann, sozialdemokratische Lieder singend, bur chdie König- und Tübinger Straße nach dem Marienplatz. Die Polizei verhielt sich reserviert. Im Hofe des Waisenhauses stand Schutzmannschaft in Bereitschaft.

Bad-Nauheim als Nougrehsiadt.

Tie günstige Lage, die landschaftlichen Schönheiten, die man­nigfachen Ausslugsgelegenheiten und nicht zuletzt die vielerlei Unterhaltungsmöglichkeiten, die die Saison bietet, bedingen es, daß unsere freundliche oberhessische Badestadt von größe­ren Körperschaften und Verbänden, selbst von solchen, die sich über daS gesamte Reich erstrecken, in letzter Zeit immer häu­figer als Versammlungsort gewählt wird. Vor mehreren Jahren ist kaum ein einziges vergangen, in dem nicht ein ober mehrere größere Kongresse hier tagten. Nachdem auch in diesem Sommer sich schon mehrere Verbände in Bad-Nauheim versammelt hatten, taten dies am Samstag und Sonntag zwei su gleicher Zeit, der Mittelrheinische Verein der Gas- und Wasserfachmäuner und der Verband der hessischen Detaillisten-Vereine, über deren Ta­gungen wir im folgenden berichten.

Mittelrheinischer GaS« und Wasierfachmänner Verein.

O Bad-Nauheim, 15. Sept.

Die 49. Jahresversammlung des Mittelrheinischen Gas- und Wasserfachmänner-Vereins tagt seit gestern in unserer Badestadt. Aus allen Teilen des Verbandsgebietes sind dazu zahlreiche Mit­glieder mit ihren Damen eingetroffen. Mit einer Besichtigung der Saline, elektrischen Zentrale, Waschanstalt, des Fernheiz­werks, der Sprudel und der Badeanlagen begann gestern die Tagung. Einleitend dazu hielt Regierungsbaumeister Berk einen Vortrag über die genannten staatlichen Anlagen und hieß die Teilnehmer namens der G r o 6 h. Bade- und Kurver­waltung willkommen. Nach Schluß der Besichtigung machte Regierungsbaumeister Lorenz an der Hand von Profilen, Plänen und eines befonberen Modells noch interessante Mitteilungen über die Gruvpenwasserversorgung Bad-Nauheims und über das Lauterer Wasserwerk. Abends veranstaltete dann im Sprudel- Hotel die Stadt Bad-Nauhcim eine Begrüßungsfeier, bei der etwa 200 Damen und Herren anwesend waren. Auf die herz­lichen Begrüßungsworte des Bürgermeisters D r. Kayser dankte Gaswerks-Direktor G ö h ru m - Stuttgart, der Vorsitzende des Ver­eins.

Heute fand nun im Theatersaal des Kurhauses die eigentliche Jahresversammlung statt. Nach der Eröffnung durch Direktor Göhrum und der Begrüßung durch Kreisrat Sckliep-- ha ke - Friedberg und Bürgermeister Tr. Kayser, sowie nach Vornahme einiger Wahlen und Erstattung der Geschäftsberichte, machte zunächst Direktor Röder vom hiesigen Gaswerk inter­essante Mitteilungen über die Versorgung der Stadt Bad-Nau­heim mit Wasser und Licht. Tann folgte eine Anzahl fach­männischer Berichte, die zumeist >eine lebhafte Aussprache her- vorriefen. 'Dr. Nübling^tuttgart sprach über9? euere Ko hlen- schuppensysteme", während Oberina-enieur Haas -Mainz über eine neue Automatenkonstruktion berichtete. Oberingenieur Petsch- Berlin machte Mitteilungen über Gasstarklichtbeleuchtung und Fr. Lux-Ludwigshafen über das Mc. Leansche Feuerungsver­fahren mit ausgeglichenem Zug. Nach einer längeren Pause nahm bann ein Vortrag von Bergrat Prof. Dr. Steuer» Tarmstabt überdie Entstehung von Mineral- unb Grundwasser" auch das allgemeine Interesse in Anspruch. Der Redner gab an Hand von Karten unb Profilen einen geologischen Ueberblick über die Umgebung Bad-Nauheims unb erörterte besonders auch die Ent­stehung der hiesigen Quellen. An eine Beschreibung eines neuen Apparates zur Entnahme von Wasserproben durch Direktor Ru­tz o l p h - Darmstabt schlossen sich noch eine freie Aussprache, Mit­teilungen unb Verhandlungen über Vereinsangelegenbeiten an. AIS Ort der nächsten Hauptversammlung wurde Colmar gc» wählt.

Während den Verhandlungen hatten die Tarnen eine Besichti­gung der Trinkkuranlagen unb einen Spaziergang durch den Park unternommen, um bann am Tcickchaus ein Frühstück rinzu nehmen. Abends gab es im Kurhaus ein Festmahl, wobei noch verschiedene Ansprachen gehalten wurden. Morgen finden Ausflüge zum Provinzialwasserwerk bei Inheiden, nach Hom bürg v. b. D. unb der Saalbura statt, .ferner eine Besickpigungl der WanderausstellungTas GaS in Haus und Beruf", die durch die Bemühungen unserer Stadt mit der Tagung verbunden werden konnte. Die Ausstellung, die am Freitag durch Bürger­meister Tr. Kayser eröffnet wurde, bleibt bis zum Dienstag abend geöffnet. Ter Eintritt ist kostenlos.

Verband der Tetaillisten-Vereine im Großherzogin« Hessen.

=/+ Bad-Nauheim, 15. Sept.

Die vierte Jahresversammlung des Verbandes mar aus allen Teilen des Großherzogtums von Vertretern uni) Mitgliedern zahl­reich besucht. Nachdem schon gestern abend im Sprudel-Hotel eine engere Ausschußsitzung unb beute früh ein Besuch des Früh- konzerteS an den Trinkkuranlagen, sowie eine Besichtigung beS neuen Riesenbotels vorausgegangen waren, eröffnete um 10 Uhr ber Vorsitzende W. Kalbfuß - Tarmstabt im oberen Saale des Kur­hauses die Vertändlungen. Darnach sprachen u. a. für bas Krelsamt Friedberg Regierungsrat Muhl, für die Stadt Bei­geordneter Lentz, für den Kur- unb VerschonerungSverein Lehrer Wagner, für den Gewerbeverein Sckn einer meister Reich wein, für die hessische Handelskammer Handelskanrmermitglieb Stoll, ferner Herren aus Frankfurt, Pforzheim und Kassel im Namen verwandter Verbände. BeackKenswert ist es, baß auch Lanb- und Reick'stagsabgeorbnete ihre Sympathien für die Forde­rungen der Detaillisten Tunb gaben. Landtagsabgeordnet er Mol - lhan und Reichstagsabgeordneter Tr. Werner taten dies in

kurzen Ansprachen: Reickstagsabgeorbneter Strack erschien rr I im Verlauf der Verhandlungen wurde vom Vorsitzenden nr» I nachträglich begrüßt.

Ten Jahresbericht erstattete sodann Sekretär Keßler. I nach hat der Verband, dem letzt 10 Vereine mit 11010 Mitglieds I angeboren, eine reiche Tätigkeit entfaltet. Ter Bench» enoäM| das Zusammengehen mit den andern wirtt'chaftlick-en Verbände! I in großen gemeinsamen Fragen, weiter die Stellungnahme dMl Verbandes zur Kleinkwndel-Beruisgenossenschast, JlonhtrreiUj Häufel, Sonntagsruhe, Festlegung des Olterfestes, 5ubnimton««: I wesen unb Vergebung staatlicher Lieferung unter Umgebung t>* Zwischenhandels, Bekämpfung des heimlichen Zwisch-.-nhandeM u. a. mehr.

Ter Gegenstand des ersten Vortrages war das neue .Vanbdjj kammergesetz, über das sich Ka! bfuß- Darmstadt rin Trhcnb veM breitete. Tie mit viel Beifall aufgenommenen Ausß.hruna^ gipfelten in der folgenden Entschließung, die einftimnufl| Annahme fand:

Der Verband der D. V. i. Gr. H. bedauert, daß in bttjl neuen Abänderungsgesetz zum Handelskannnergesey der VmuMW gemacht wird, einen Teil der Handelsgericht!tch eingetragen^ I Kleinlaufleute von dem aktiven und passiven Wadlrech: schließen. Tie am 15. September in Bad-Nauhenn tagend I Hauptversammlung erklärt sich mit der von der Skrbantah !?_] | an die 2. Kammer gerichtete Eingabe einverstanden."

Darnach sprach HandelskammersyndikuS Dr. Humann.I Darmstadt über,die Erledigung von Fällen unlauteren Sa;. I bewerbs durch kaufmännische Einigung-Gunter". Nach leb haftet I Aussprache wurde folgende Entschlietzung einstimmig an jnioinmni]

Der Verbandstag sieht in der Errichtung der Einigun;:. I ämtcr das wirksamste Mittel zur Bekämpfung des unlautere! 1 Wettbewerbs. Er begrüßt den bei der Handelskammer larrr. I stadt eingereichten Antrag auf Schaffung eines Einigungsaw:i D und spricht die Erwartung aus, daß der gleiche Antrag feiten« I Verbandsvereine bei ihren Handelskammern gestellt rom? - I

Lebhaft erörtert und einstimmig angenommen wurde auch rj Antrag Gießen, den Röhr -Gießen unter allgemeiner ftintmung begründete, nämlich:

Tie Verbandsverrinc sollen baldigst bei ihren Kommunal.» behörden den Antrag auf Einführung der Warenhaus- Filialbesteuerung stellen. Tie Verbandolritung wolle diese stvi. berung mit allen Kräften unterstützen."

Auf einen Antrag Offenbachs, den H ä u ser - Lyendech erläuterte, wurde sodann eine Ent schließung angenommen, wonach '

es zu erstreben wäre, daß 'ber Verkauf von Mischungen, welche aus Kaffee und Ersatzmitteln bestehen, unter der Kanee verboten werde, und daß Ersatzmittel nicht in Verbuch», mit dem Wort Kaffee in den Handel angebracht mvrden.* 1

Weiter entschloß sich die Versammlung dazu, der Konsm. vereins-Zentrale für Handel und (bewerbe in Hamburg gege*. ! eine abwartende Stellung einzunelnnen, dagegen aber dem 8» tralverband für Handel und Gewerbe in Leipzig brijutreten.- Tie letzten Punkte der Tagesordnung, die sich mit KassenbW t und Wahlen besänftigten, sanden eine Fasche ErledigungI Vorstand wurde wiedergewählt.

An die Verhandlungen schloß sich ein gemeinsames Ach ' im Kurhaus an. Darnach hatten die Teilnehmer freien Zmich zum Militärkonzert auf der Terrasse. Auch wurtze am «echS j mittag noch die von der Stadt Bad-Nauheim veranstaltete Jifr i ftcllungTas GaS in Haus und Gewerbe" befidjrigt Abeich» , sand eine Beleuchtung des Kurhauses statt.'

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 13. September. I NahrungSmittelsälschuna.

Ein Bäckermeister von Gießen roai vom Schöffengericht CÜtw| wegen Nabrungsmittelfälschung zu einer Geldstrafe von 20 M verurteilt worden, weil er übrig gebliebene trockene Brötchen mchM beit Brotteig verarbeitet hatte. Tie gegen das Urteil eilige Berufung war jedoch erfolglos, weil das Gericht in Uc' -uOM slimmuug mit dem zugezogeueu Sachverständigen der AnsHMW daß der Brotteig durch Zusatz von alten Brötchen im wertiger wird.

Vergehen gegen das Wertgesetz» j

Der Kaufmann Sch. von Berlin und der Pferdehändler G. w Hannover waren angellagt wegen Betrugs, Vergehens gegen»« Wertgesetz und toegen gewerbsmäßigen Glücksspiels. Wegen ' Betrugs und des gewerbsmäßigen Glücksspiels mußten jedoch beüe Angeklagte aus Mangel an Beweisen sreigesprochen loerben. M dem eigenen Geständnis der Beschuldigten und nach dem Ergedn« der Beweisaufnahme haben sie aber tut Sommer dieses Jadre« e BadMauheun daö Vermitteln von Wetten fiir ausländische Pferd» I rennen gewerbsmäßig betrieben. E., der wegen desselben yaM | schon mehrsach vorbestraft ist, wurde mit einer Gefängnisstrafe 3 Monaten bedacht: gegen Sch. wurde auf eine solche von »« | Monaten erkannt, die durch die erlittene Untersuchungshast für ve» büßt erklärt wurde. 'UM

Der falschen Beurkundung war Bürgermeister und Standesbeamter M. von V. ongefhL während sein Sekretär |ber Beihilfe beschuldigt war. M. ha» durch seinen Sekretär Urkunden über Geburten und Sterbe-allk nehmen lassen, während er nicht zugegen war, und bat diese oan Später unterschrieben. Ter Angeklagte wurde mit der genug'« gesetzlich zulässigen Strafe von 1 Monat Gefängnis, der cdtttr ntil8 Tagen Gefängnis bestraft. 1

Sport.

-- Die II. Mannschaft dek Gießener 6ror Ij Vereins von 1900 errang am Sonntag bei den Pokalln«*! in Wetzlar den Pokal des Wetzlarer FußbaUklub» unter Be-eitnuZ von sechs Vereinen. ES spielten folgende Mannschaften: Wetzlc-^ ! F. E. I gegen Gießener ®. 5.14:2, V. f. B. Gießen II gMj Wetzlarer 23. (L I 1:0, Gießener Sportverein von 19u0 II am1 Marburger V. f. B. 2:0, Gießener Sportverein von 1900 II Wetzlarer F. C. 5:2, Gießener Sportverein von 1900 11 gegj V. f. B. Gießen II 2:1. Tie Leistung der 'Mannschaft in beiouvc, . zu loben, da dieselbe drei Wettspiele hintereinander spielen mui» Ter Pokal ist im Schaufenster des SchuhhauseS Reiß Tie III. Mannschaft deS Gießener Sportvereins von 1900 |pte» in Marburg gegen Germania Marburg 1:1.______

IHärtte.

Gießen, 17. Sept. Marktbericht. Auk heutigem ntarfte kostete: Butter das Pfund 1,101^00)^ (-iibnereier 1 -t 3 89 Pfg^ 2 Stück 00 Pfg., Enteneier 1 Stück 100 Psg., «^annc-n

1 St. 20 Pf^ Käse das Stück 68 Psg^ Räfematte 2 Stück 6-J - Tauben pr Br. 0,801,00 Mk^ Hühner pr. GL *1

Hahnen pr. Stück 0^01,80 Dlk^ (ritten pr.t

Gänse das Psd 70-80 Psg^ Ochsensleisch pr. Md. - -

Rindfleisch vr. Pfund 9094 Ps<p, )tuhsteisch e!c , fteisch vr. Pfund 90110 Pfg^ Slalbflctfd) pr. Psd. 92" *;P Hammelfleisch vr. Pfd. 7090 Psa^ Kartoffeln pr. IM »» bis 6.00 Alk., Weißkraut daS Stück 7 di» 15 Pfg, ZwiebcM j- tr. 8,0010,00 9JIL Aiilch das Liter 22 P'g^ Nutze J* i etücf 5000 fßfju ver Ztr. v00 Mk, Gurken lOO^tud 1.^ 0.00 Alk, Bohnen das Pfd. 1012 Pfg. Birnen daS Pfund 1 15 Pfg., Zwetschen der Ztr. 4-6 Mk^ Aepsel bet Zentner b r 15 Sit. Riarktzeü von 7 bis 1 Uhr.

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