!Tr. 219
Zweites Blatt
162. Jahrgang
Erscheint t&glid) mit Ausnahme beS Sonntag*.
die Tr.
des den und
Dienstag, 17. September 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universität« - Buch- und ettiubnideccl R. Lange, Dietzen.
Rtbaftion, Expedition und Druckerei: Sckul- stratze 7. Exvedinon und Verlag: 61.
Redaktion:«^ 112. T«l.-Adru AirzergerD'etzen.
Vie „Gtetzeaer SawrilkwblätteT" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« ,Krtisblatt ftr den Kreis Gießet," zweimal wöchentlich. Die „ra»d»ittfchaftlichen Seit- fragen'' erscheinen monatlich zweimal.
43 000 Mark weniger sür d.e Tuberkulosendedandlun.r ausge geben werden, es waren 1911 auch weniger Anträge aus £>nl- versabren eingerangen 3in ähnlicher Rückgang wird aus Vaden gemeldet, wo vieliach Berten leerstanden. Dieser erfreuliche Rück ang sei wenigstens teilweise aus die energische Bekämpfung der .'uberkulose zurückzuführen An die (Fmdming weiLTcr ixib statten werde man nur nut Vorsicht derantreren D i e große Masse des Mittelstände- sei aber bisher den Wohltaten der Heilstätten vollständig t c r n geblieben, und deshalb sei die gewaltige Bewegung Mir Br kämprung der Tuberkulose im Mittelstand.- frenbii zu begrüßen
sei eine Ehrenp litt't, auch dem Mittelstände die Wohltaten der Heilstätten zuzuiühren.
Nach dem m,t lebbaüem Befall ausgenommenen Vortrag teilte der Vorsitzende mit, daß der Ausschuß beschlossen habe, die dem Verein als Versicherung^ Provisionen zufließenden Beträge^ die bisher anderweitig verwendet wurden, etwa *2000 Mk tm -3abrc, sür die nächsten Jahre zu kapitalisieren und die Summe iväter rur Sd’affung von Tvteibctten zu verwenden Tie Bersarnml tng ctllarte sidi mit diesem Beschluß einverstanden.
Aus eine Anfrage bemerkte der Vorsitzende, daß namentlich bei Steinhauern und Zigarrenarbeitern bei Ausnahme in Heilstätten die Forderung aus einen Sedn'd des Bernis gestellt werden müsse, daß aber letzt bei Zigarrenarbeitern in modern eingerichteten Betrieben aud) Ausnahmen gemacht würden.
Stadtrat S a m e $ • Tarmftabt hob nod) hervor, das; auch der Kampf der organisierten Arbeiterschaft gegen den Mißbraud, oes Alkohols mit zur Verbesserung beige tragen tobe, tva? her Vortragende mit dem Hinzusügen bestü.igte, bafo seht in den Hdlstütten der Alkohol gattz abjefd):fh worden sei, cs gehe letzt auch ohne diesen! Ter Redner ersucht schließlich dringend, daß möglid>st viele neue Mitglieder dem Heilstätten- verein beitreten mochten.
Nach kurzen Mitteilungen über Vorträge in den ('-emerb? vereinen entbrannte eine heftige Montur rem über die Abhaltung her näd inätriflcn Versammlung jwiid eit Lauterbad), Bad N a u h e i m , Büdingen und Vilbel, wobei Lauterbach gc* n-äblt nurde. Nach Zurückweisung eines Antrages König i. C. schloß die Beratung um 2 Uhr Ter Beratung sdstoß sich ein gemeinsames Mittagessen im „Pariser Hof" an.
friedens angenommen wurden.
BerenS in den frühen Abendstunden strömten große Manen in die Riesen-Spotthalle, hie bald überfüllt war. Tie El et- Irische Straßenba hngefttlschatt batte eine große 3aH von Extra- wagen eingestellt, die dem Verkehr kaum gerecdr werden fonmen. Tic Eröffnungsfeier wurde ein geleitet mit Vorträgen der sorialdemokratischen Gesangvereine von Ebemnitz. Tarrn be- grüßte Redakteur Mar Müller (Ibcmnib, die „Sendboten des deutschen Proletariats" namens der Ehemniycr Organisation. Ter Vorsitzende des Parteivvrstandes, Reick^tagsabg. Rechtsanwalt Haase Berlin, iruber in Königsberg, teilt mit, daß Bedel sehr gern die Eröffnung oorgenommen Hüne, er müsse sich aber noch Schonung auferlegen. Tann fährt er fort: Gerade in Sachsen seien die ^ortid?rinc der Partei glänzend. Bis aut drei Sablfreiie habe sie 'amtliche übrigen 23 erobert. „Tas haben untere Veteranen nicht erwartet, daß im Reichstag einmal o viele rote Vaterlands lose Gesellen sitzen werden. Bei den bürget lidxn Kreisen bat sich ein Bild entwickelt, das im ersten Moment i nsaßbar ist. Mancher hat nun allerdings erwartet, daß, wenn auch nickt die Burgen des Kapitalismus von den 110 Männern alsbald niebetgefdXagen werden, dock Gesetze geschaffen würden.
Glehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
die eine wesentliche Erleichterung der Lasten und Leiden nut sich bringen würden Richtig ist. daß die mächtige Fraluon der
Partei so geivachfen ul, daß sie mehr al# bisher in der Lage ist, verbrecherische Anariise gegen die .IrbeitsNaise abziiwehren. Aber noct> stellen wir eine recht 1-etr.ickNiche Minderheit dar T-ic erste Vorlage, die kam, war die tHotten- und HeereSvottage Tos war die Parole unter der dar neue Reichstag versammett nnirbe. Neber <»50 Millionen Mark wurden dem Moloch des Militarismus und Matinismus geopfert, und alle bürgerlichen Parteien bewilligten diese Lasten, lltib^tür die ul ölten- und Dehrvereine ist das noch nidit genug! Tn je wollen neue Forderungen und daß diese kommen uxrben, ist io sicher, als daß auf den Morgen der Abend folgt. Tie Besitzsteuern irerben o gehalten werden, daß aus den Mittelschichten möglichst viel her- ausgeholt wird, um die Reichen zu schonen Tie Erregung über dieses Regiment wird in immer größere Kreise bringen und die sozialdemokratische Pattei ist die einzige Pattei, die der Regierung widerstand geleistet bat. Tazu lonnnt bie Teuerung, von der die Regierung immer behauptet Hot, sie sei nur eine vorübergehende Erscheinung. Heute wird sie nidit mehr den Mut haben, mit dieser Ausrede zu kommen Tic Teuerung wird bei uns noch gestärkt hurd) ein vvlksscindlid S Sdmtzzollsvstem. Ter Notstand ist fetzt bei uns so groß wie tue zuvor. Aber die Regierung tut nichts, in kübler Ruhe i»crharrt sie. ^bre Kundgebungen klmgen wie ein blutiger vobn auf das warben und .ungern brr Volksmassen «Benall.i Tie bürgerlichen Parteim versuchen letzt mit Hilie der Schule und der 3 u g c n b p e re t n c ten Nachwuchs eimufattgen. früher haben sie sich nicht darum gekümmert, erst als unsere Iugendvereine prächtig gediehen, haben sie sich darauf besonnen, Jetzt müssen demgegenüber die Mütter aus dem Prolttariat die ftiüber erst recht mit sozialdemokratischen Anschauungen burchtränkeu 3lt die innere Politik wenig erfreulich, so leben wir txuiernb in der Gefahr, daß eines Tages die ftriegsfurie durch das Land ober gar die zivilisierte Welt rast: eines Tages können die Kanonen iinb Torpebod gcgencinanber ins treuer geididt werden. Auf dem Balkan, wo nach dem dürften Bismarck nickt einmal die ftnocken irgend eines pommerscken Grenadiers geopfert werden sollen, hat Teutsch- lanb letzt große roirtidiahlidK Interessen und ist daher an bat dortigen Zuständen mitbaaligt und dort sieht es aus, wie in einer großen Pulverkammer: cm fünfen kann den ftrieg bringen. Zwischen England und Teutschland sind die ftriegSlu tzer am Werke, Herde in einen Krieg gegeneinander zu lieben < über diesem ftriegsgefchrei ist unsere Parole: „irriehc und irret* beit für alle Völker.'" «Lebhafter Beisall > Möge sich die ganze bürgerlid<e Welt gegen uns verschwören, unser Sieg wird nidjt auf* gehalten werben, .hierauf erklärte Adg. Haase den Patteitag für eröffnet.
Zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten wurden gewählt: bie Abgeordneten Haase lBerlin) und Noske (Ehemnitz
Es wurden dann eine Reihe von Begrüßungstelegrammen aus der Schweiz, aus Täncnurrf, aus Sofia und Tur in Oester- rcidi verlesen und hierauf die Tagrsordmmg festgesetzt. Auf
fit Hauptversammlung des Gewerdevereinr für öas Srohherzogtum Hessen.
rb. Bingen, 15. Sept.
Zu Ehren der großen Jahresversammlungen des Landes - vrbevereins und des „Verbandes deutscher Gew erb ev er eine und mdwerkervereinigungen" prangt heute unsere Stadt ,m berr- t Dien Festkleid. Ter Hauptversammlung des Landesgewerbe F !>inS ging am Samstag nachmittag eine Sitzung des Aus- I e'feS voraus, am Abend erfolgte im Saale des „Paristr Hvst zahlieid) nicht nur ( t i dem Großherzogtum, sondern auck aus den meisten anderen kmdesslaalen herbei gcfoni menen Tde-jicrten.
Heute vormittag fand zuttächst eine allgemeine Besichtigung dc r I ttreffanten A uS stell ung von Smülerarbcttcn b< r ? njer Baugewerksckmle, sowie anderer Sehenswürdigkeiten der adt, besonders des Goethe-Hauses ■ Hotel Weißes Ros jn. dessen überaus wertvolle und seltene Otoctbe Reliauicn vici rindert und von ihrem Besitzer, Herrn Friedrich Reisenstein. ,ip benb erläutert wurden.
Zn der um 10’,'j Uhr im großen.Bahnhofssaal eröffnden Haup in In na, in Der mir neben betrörblidjni Vertretern auch den j n inerpräsidenten, Oberbürgermeister Köhler- Worms, und ß-hrere Landtagsabgeorbnete bemerkten, hieß sunädnt der Bo. tinbe der Großh Zentralstelle, Geh Regierungsrat Noast I1-’ große Zahl der Versannnelten Herzlid, willkommen. Als |rreter der 1f/roßh Regierung überbrachte RegierungSrat Pfeif* II freundliche ttzrüße des leider am Ersännen per bindert en tiistcrs des Innern v. Hombergk und des Boriitzend.m der ; pttilung für Handel und Efewerbc. Tie Frage der ^ürforge für iilari gemerblidy Jugend werde vom Ministenum lortgejetzt mit 0iier Aufmerksamkeit bcadUct. Ter vom t^eneralfttdmaischall Hit il v. b. G o l tz erlassene Weckruf des Iungdeutid Ittd-Bu ndes habe aud) in Hessen einen allgemeinen Wider en und neben der Bewilligung von 151
Handpflege sei ein SondernuSsdniß ans Männern aller Stande ifammenberufen worden, dem auck ein Vertreter des Lande ^»oirbevereins angehören dürfte. Ter Redner betonte, daß die
I flierung alle Besttebungeit zur Förderung des hessisch, n Ge tztlrstandcs aufs eifrigste unterstützen werde und wünschte den Ifciiecn ycrlxmblungcn den besten Erfolg.
Nadstiem daraus der Direktor der Binger Baugewerlfchule, T K l g, die enhnaligc Ausstellung von Schülerarbeiten und Ek ri Bedeutung näher erläutert batte, erstattete Geh. Rcgierungs 1: •iond an der Hand des bereits gedruckt vorliegenden Jahres ■ridjto über bie Tätigkeit des Landes Vereins vom September 1911 ‘ 8- » tzt einen kurzen Beridrt, in dem er auf die fortschreitende Ent- »Mung der Einrichtungen des Vereins hinwies. So itätten im Pinien Jahre rund 2000 Lehrlinge bie Gesellenprüfung bestanden, aud, bie Angaben und Berichte aus den Lrtsv.wcinen und ^--t^ksverbänden bennefcn, daß alle ilyren vermehrten Obliegen r-> tin prompt nad^ekommen feien. Tic Mitgl^derzahl des Vor r Ixibc einen kleinen Rückgang erfahren: die Gründung I atjn .Handwerkerschulen habe ihre Sdmncrigfriten einmal I g •:n der Ausbringung der dafür erforberlidyen Mittel, dann I iti aud, wegen der Organisation kleinerer Sdmlen. Ter Redner ’ uiit, vor allem darnach zu streben, daß die Nditgliedcrzahl in ii antelnni Vereinen vermehtt werde. Er hoffe, daß cs gern rn werde, zu einer Verbesserung des Wahlrechts für die >Hand- .i MTammcrn zu gelangen, nadidcm dies auch fdron in ver- "(icoenen anderen Bunde>5staaten mit Erfolg ncid^ben sei. Im biiicn Jahre seien ocridxcbenc Neubauten für S chu l en erst so besonders in Offenbach und JVricbbcrg. In ■ r Schulen wurden namhafte Zwrtschritte gentackt, defonders auf ui Gebiete der T c k o r a t, o n s m a l c r e i, des B u d) d r u ck s
h der Denkmalspflege. Im Einlährig-^rei- illigen-B er ecktigungs wesen Tonnten einige Ver- iimingcn emgemhrt und von der Großh. Zenttalstellc nad, rirung nach den Vorschriften der TeutidKn Wehrordnung 21 rb ningc Leute zur erleichterten Prüfung empfohlen werden, ■r Landesgeinerbeverein könne nad) alledem mit einer gewissen »nugtuung auf das verstossene Vereinsfahr zurückblicken und Icnni aud) fünitiqbin afic fträftc ziisammenarbeiten und gemein- i, weiterstreben, bann dürfe man boffnungssreudig in die Zu- n: bilden. Ter Redner gedachte weiterhin der tatkräftigen iicrftüBung durch die Großh. Regietting und der segensvollcn L ii 'orgc unseres Landesherrn und btc Tstwsammlung brachte daraus
i dreimaliges Hott' auf den E'roßhcrzi'g aus.
Pin alter freund der Bestrebungen des LandeSgewerbevereiNS, hvlleurcr Kahl, knüpfte an die Bemerkungen über die Ver l i iiTung des Wahlrecht" zur Handiverkskammer an und betonte, Ski kein Handwerker seines Wahlrechts vettustig gehen sollte. K müßten bod) die Bestrebungen des Perbandes deutscher Gewerbe litr.iic, allen .Handlverlerii das Wahlrecht zu sichern, nad' Srräften I'kfKstützt werben und es habe ihn deshalb etwas gewunden, d.)i> 11 einer Bemi'rkiing tn*r Hanbn'erkskamn'w eine midere Meinung rtlrrtcn wurde. Geh. Reg. Rat Noack und Handn'erkskamftier fibihii.; Engelbach bemerkten, daß die Handn'erkslammer und (ij: Lande.gclverbeverein im besten irrieben lebten, aud) wenn I taral Meinungsdisfcrenzcn vorkämen. . ...
Ter nädrfte Punkt der Tagesordnung brachte einen ,chr ein !> ,enden Bott rag des GVeb. Regierungsrat Tr 2. i c t> über c Tuberkulose-Bekämpfung m M11 leist and. j r Redner rülrrtc aus, daß nad) der Statistik im Alter von bio 60 3obren > aller Todesfälle am die ^uberkuloie zurück it-.il rcn sei. In Hessen seien Alsfeld und Laute rj) a ck, I Io lanbimrti'dxiitlid' Bezirke, mit weniger Todesfällen an 2über L>"_- bepackt, als die größeren Industrieottc des Landes: m l’trnt Orte seien sogar , 0 vom Hundert aller z ob e5 » Ile auf Tuberkulose zurüchzuführen. a>ic iuberfuloic m imon grauen Altertum vorhanden gewesen, aber man habe lid\ ' nidna baqcgen zu machen war, gleichgültiger ihr ver at Erst nad) Robert ftocbs Entdeckung des -lubertuloK
uä im Jahre 18b2 feien in allen ftulturltaaten Maßnahmen -gen getroffen worben. In Teutfddanb kam bcionber* die r!politische ostsetzgebung dieser Bekämpfung zugute, namentlich Invalidenvett'ick-ettiiig, da die Erfahrung lehrte, datz durch Tuberkulose die meinen InvaliditätStäHe herbeigetuhtt worden Jetzt aibt es in Tcutldianb bereits 1 3 8 Tuberkulose
jlstatten mit 14000 Betten, so daß^lltahrlick etwa *N) Kranke darin Heilung linben können, ixt Redner er» I fat -rtc eingehend die Maßnahmen ;ur Bekämpfung der ft rank tüt Tie AÜn'orgcftätten seien auf dem Lande nicht minder völlig, als in den Stabten, die Bekämpiung sei aber bisher bem Sittelüanb nickst in bem erwünschten Maße zugute gekommen, k« Erkrankten wüschen cmeln aufgesucht und barur gciorgt i k-ta-n, baß jede Wohnung eines Tuberkulosen in eine Hcrlsttttc ! egflvanbdt werbe. Es sei errreulidi, baB nad) den im Januar ii Berlin veranstalteten Beratungen alsbald eine neue, 14. JJp trliung, eine Mittelstands Deckstätte. begrunb« werben konntt.
1 br Mittelstände müßten alle Personen, auch Akademiker mm ffiechnet werden, die nickt in der Lage sind, aud eigenen Mitteln Ke Heilstätte aufzusuchen. . _ .__
Zn c s s c n konnten von den in Heilanstalten untirgebrathtcn !:rifpnen" 90 Proz. als arbeitsfähig enttanen werden und^nach st . ihren waren noch 60 Pri^. davon arbeitsfal' g. x'm catjn i ü-lOti waren 1278 Persoicn in den Heilstätten menens unterge- kidbt, 1911 nur noch 1151, und es tonnten daher 1911 schon
delegiert.
Tic Verhandlungen des Patteitages begannen am heutigen Vormittag um 11 Uhr mit vier großen Volksversammlungen, darunter einer unter freiem Himmel im Garten hiesigen Volkshauses, in denen sich die Telegierten mit Chemnitzer „Genossen" zu einer gemeinsamen Aussprache ftunbgcbung für den Völker frieden xufammenfanben. Als Redner traten von deutscher Seite Rcickstagsadgeordneten Frank (Mannheim, Recktsanwalt Liebknecht i Berlin) und der Gewerkschaftsführer Robert Schmidt Berlins auf, während von den anwesenden Ausländern Rcichstagsabqeordnner B r a n t i n g (Kopenhagen >, Bande r m i s f c n und de D ro uck er e «Belgien, Marcel Eachrn Paris , Reichsratsabgeordntter Seitz Dien , C u e I di London und Buckin ger <Eicnpett। das Dort nahmen. Alle Redner feierten übereinstimmend die Internationale als die wahre und einzige Garantie für den Völker frieden, worauf in allen Dicr Vett'ammlungen gleichlautende ErNärungen zu Gunsten des Delt-
dic Tagesordnug nnitiien noch gesetzt die Lcbensmrttelteuetting und das Bergarbeilersck'utzgesetz Zivei Anträge, davon einer auS Steglitz, betreffend bie bürgcrlidK Jugendpflege und einer aus Char- fottenburg Teltow-Beeskvw, betr. die TcuenrngSfrage wurden nicht genügend unterstützt.
Hierauf schloß der Vorsitzende Haase die Versatninlung.
~ Chemnitz, 16. Sept.
Auf der heutigen Versammlung erfolgten zunächst Begrüßungen.
Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte, nachdem auch Bebel im Saale erschienen war, Lipinski (Leipzig), die sieden- flünbige Tagung von 9 bis 1 und von */s4 bis */•? Uhr. Nack- dem man 22 Jahre auf den Parteitagen acht Stunden getagt, könne man den einen Schritt weiter gehen, dann wären auch die ftommissionsteilnehmer in der Lage, sich mehr an den Sitzungen zu beteiligen. Reichstaflsabgeordneter Sebebour erklärt sich aud) für bie ficbcnftünbtge Tagung, aber für englische Tischzeit von 9 bis 5 Uhr mit einer cinftünbigen Mittagspause. August Bebel widerspricht Ledebour. Er verstehe, daß lokale Verhältnisse eine andere Tagungszeit rechtfertigen. Er bitte aber, den Antrag Lipinski anzunehmen, er sei nicht für die englische Arbeitszeit. Bei der Abstimmung wird der Antrag Lipinski mit geringer Mehrheit abgelehnt und hieraus der Antrag Ledebour nut großer Mehrheit angenommen. Ter Parteitag arbeitet also zum erstenmal in der Zeit von 9 bis 5 Uhr.
Hierauf erstattete der Parteisekretär Ebert (Berlin) den bereits gedruckt vorliegenden
Geschäftsbericht des Parteivorstandes, aus dem wir schon das wesentliche mitgeteilt haben. Ebert teilte noch mit, daß der Parteivorstand der Schaffung einer sozialistischen Modenzeitung als Beilage zur „Gleichheit" naher treten werde, und wendet sich dann gegen bie allzu eifrige Gründung von Parleiblättern. Maschinenfabriken und Schriftgießereien sollten nicht leichtfertig ftredit' gewähren in der Hoffnung, daß schließlich die Parteikasse einspringen werde.
Tann bespricht der Redner ausführlich den Göppinger Streit, der für die „Leipziger Volkszeitung" ein fetter Bissen war, den sie sich natürlich nicht entgehen liefe, und ebenso für btc „Bremer Bürgcrzeitung". Westmeier und Thalheimer hätten sich als 91 etter der Moral der Partei aufgespielt. (Zurus: Tas sind die richtigen dazu!) Tas Göppinger Patteiblatt habe der Parteikasse bereits 82 000 Mark gekostet und werbe noch mehr verschlingen. Ter politische Redakteur Radeck fei während bei ganzen Streites überhaupt nickt Patteimitglied gewesen, erst in allerletzter Zeit sei er der Partei beigetreten. Im Jahre 1908 habe er sich zwar im Wahlkreise Berlin 6 als Mitglied ge» meldet, er habe aber niemals Betträge gezahlt. (Heiterkeit.) Die letzte Erklärung von Radeck sei eine bewußte Verdächtigung gewesen. Es gebe keine Tofumcnte von irgendwelchem Belang, die von bem Parteivorstand der Oefsentlichkett vorenthalten würben. Ter Vorstand habe seine volle Schuldigkeit getan, obgleich es ihm manchmal sauer genug wurde Beschämend sei es, dafe einzelne Ergannationen von Parteiblättern in dem Streit aus Seiten her Gegner der Partti gestanden hätten. Zum Schluß gibt der Redner einen Ueberblia über bie wachsende Agitation«- und Werbearbeit bet Organisationen in den letzten Jahren. Tie Sozialdemokratie kamvi- und siegesbereit zu machen, müsse bie nächste Aufgabe für bie Zukunft fein.
Tarauf tritt die nnftünbige Mittagspause ein.
Nach der Pauie werben wieder einige Begrüfeungstekegramme verlesen, darunter eines aus Sofia und aus Portugifien. iheiterk.)
Äsbann erftattete Braun den Kassenbericht. ES werden hieraus eine Reibe von Anträgen besprochen und hierzu die UntentüRimgsfragc gestellt. Nicht genügend unterftüfet wurden u. a. ein Antrag Hanau auf Einleitung einer gemeinsamen Aktion mit den Gewerkschaften zur Erziciung enter Propaganda für den Ausbau unserer Arbeiierschutzgesetzgebung, ein Antrag staisel, bei der Anlage von Parteigeldern möglichst bie ge- no'i'enschaftliche Zentralkasse zu berücksichtigen.
Inzwischen war die Entschließung des Parteivor- standes zur
Teuerungsfrage cingegangen. Sie hat folgenden Wortlaut: „Ter Parteitag konstatiert, daß der Kapitalismus in bet stürmischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte zu einer
$O3iaidemofratifd}cr Parteitag.
. ~ Chemnitz, 15. Sept.
Ter diesjährige Sozialdemokratische Patteitag, der 23. fett der Aufhebung des Sozialistengesetzes, nahm am heutigen Sonntag in ber Hauptstadt des erzgebirgifchen JndustrierevierS, Chemnitz, einer der Hochburgen der deutschen Sozialdemokratie im „roten ftönigreid)", Sachsen, seinen Anfang Neben etwa 500 Telegierten der venckiedenen sozialdemokratischen Pattcivrganisationen au-3 fast allen RcickrStagswahlkreisen TeutschlandS sind auck die meisten ozialdemokratischeu Abgeordneten des Deutschen Reichstages und der Einzel-Landtage erschienen. Allgemeines Interesse bringt man vor allem der greifen Führer der Partei August Bebel enb gegen, der von seiner letzten schweren Erkrankung nodi nicht völlig genesen, trotzdem schon vor einigen Tagen hier eingetrossen ist, jedoch der heutigen Eröffnung des Parteitages noch fcmblcibcn mußte, ftür ihn ist Chemnitz ein ermnerungsreicker Boden, da er hier vor nunmehr 46 Jahren die „Sächsische Volkspartei" gründen half, unter deren Mitwirkung drei Jahre später aus >em Arbeiterkongreß in Eisenach im Jahre 1869 die Grundlagen der heutigen Sozialdemokratie geschafsen wurden Auch der „Der ’ floffene" Vizepräsident des Reichstages, Reichstagsabgeordncter S ck e i d e m a n n Kastel) ist cridnencn Er wirb also bas Thema „Tie Rcichstagswahlcn" auf dem Parteitage behandeln. Von den sozialdemokratischen Vertretern aus dem preußischen Abgeord netenhausc interniiert in erster Linie Julian Bordtardt, der fick, im Verein mit feinem Leidensgefährten Leinett (Hannover> unmittelbar nach Schluß des Patteitages vor der Berliner Straf Jammer wegen dcr bekannten Vorgänge im Abgeordnetenhause zu verantworten hat. Mit diesen beiden ist auch der redegewaltige Abgeordnete Hoffmann, der sogenannte Zehn-Gebote-Hofsmann, in Edemnin ettckienen. Unter den Vertretern der radikalen Richtung bemerkt man Ledebour, Stadthagen, Liebknecht, Zubeil, Lipinski Leipzig), Tr. Adler ftiel), Tr. Mensch von der „Leip- ziger Volkszeitung" und Klara Zttkin (Stuttgart), während die Revisionisten ebenfalls ihre bekanntesten Männer wie Eduard Bernstein, Tr. David (Mainz», Tr Heine (Berlin , den Schwiegersohn Bleichröders Tr. Arons Berlin), den Reichstagsabgeordneten Tr. Hildebrandt (Stuttgart), den Gewerkschaftsführer v. Elm ^Hamburg' und Tr. Frank (Mannheim» entsandt haben.
Unter den Vertretern der sozialistisdien Bruderparteien aus dem Auslände interessiert zunächst der Engländer H arryQuelch l London, der wegen seines Auftrttcns auf dem Internationalen Sozialistenkongrefe in Stttttgatt ausgewiesen wurde. Ferner ist aus ft open ha gen der Reichstagsabgeordnete Branting erschienen, der auf dem letzten Internationalen Sozialisten Kongreß in ftopcn bagen den Vorsitz führte. Die Franzosen haben Marcel Eachin Paris, die Lesterreicher den Reichsratsabgeordneten Seitz (Dien)


