Fort schrik"1 spartet gegründet. Die aus eurer Verschmelzung des liberalen, demokratischen und nnab- bänqiaen Elements hervorgegangene Partei steht auf dem Boden des Anschlusses an das Deutsche Reich und erstrebt die völlige Gleichstellung Elsaß-Lothringens mit den Bundesstaaten des Reiches.
Au» Stadt und Land.
(Sieben, 13. Mai 1912.
- Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer JohS. Dietrich zu Guntersblum eine Lehrerstelle an der eoang. Schule zu Gundershelm. — Erledigt ist eine Schul stelle zu Hirzenhain. Bes ndere Befähigung in der französischen Sprache und Musik gewünscht.
•• Den Nachweis der Befähigung zur lieber- nähme eines KirchenamteS haben erbracht die Kandidaten der cvang. Theologie Gust. Barth zu Kettenheim, Phil. Bernhard zu Darmstadt, Theodor Sie Reimann zu Bornhausen, Edwin Hamburger zu Gronau, Hch. Mink zu BenSyeim, Gg. Sann zu Darmstadt, Jak. Schlamp zu Gumbsheim und Theodor Weber zu Gedern.
— Bei der LandeSverficherungsansialtGroßh. Hessen sind im April 1912 = 340 Anträge emgegangen und zwar: 280 Anträge auf Invaliden- und Krankenrente (I. u. K.), 22 auf Altersrente (2L), 14 auf Witwen- und Witwerrente (iß.), 16 auf Waisenrente (C.) und 8 au Witwengeld (Wg.). — Unerledigt wurden in diesen Mgnat übernommen 383 Anträge, so daß 723 Rentengejuche in Bearbeitung standen. ES fanden Erledigung: 259 Anträge durch Bewilligung (220 I., 8 K., 13 2L, 3 W., 3 Wg., 12 £).), 1 Antrag durch Anwartjchaftsbefcheid (§§ 1258 und 1743 RVO.), 35 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründe (25 5 2(„ 1 W., 1 Wg., 3 O.), 18 Anträge durch
andere Weife — Zurücknahme upv. (9 Z., 8 2l., 1 W.), zusammen 313, so daß 410 Anträge als unerledigt aus dm Monat Mai l. I. übernommen iverben mußten. — In welchem Umfange die LandesversicherungSansialt Heilverfahrens- kosten für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende April 1912 in Anstalten 317 versicherte Personer untergebracht waren. In der Eleonorenheilstätte besonder sich ailßerdem noch 36 Personen, die teils auf eigene Kosten teils auf Kosten des Fonds der Großherzogin oder sonstige, Stiftungen eingewiesen waren.
** Rationale Flugspende. In unserer (Sc. schäftsstelle gingen ferner ein: Pension Haserkorn 10 Mk, Geh. Schulrat Rausch 10.—, Unterprima der Ober-Realschule 10.—, T. 100.—, Obersekunda der Oberrealschnle 7—, F. 5—, Ortsgerichtsvorsteher Gros 10—, Verlag des Gießener Anzeiger 152.40 Mk. Zusammen 304.40 Ml Bereits quittiert 414.80 Mk. Bis heute eingegangen 719.2t Mark. — Die Nationalflugspende bat in gan; Deutsch land freudigen Anklang gefunden, so daß schon fetzt mit einem Ertrag von mehreren Millionen Mark gerechnet werden kann. Gießen hat bis fetzt, im Gegensatz zu früheren ähnlichen Sammlungen, bei der Flugspende noch zurück gehalten, so daß anzunehmen ist, daß noch recht viele Zeichnungen aus steh en. Im Interesse des in Aussicht gc* nommenen baldigen Abschlusses der Sammlung märe zu wünschen, wenn die noch beabsichtigten Zeichnungen recht bald erfolgen würden.
**BezirksturngangamL>immelfahrtStag Von dem 9. streiä der Deutschen Turnerschaft wurde an- geregt, am Himmelfahrtstage (16. Mai) in allen Gauen Turngänge, verbunden mir Geländespielen, zu veranstal ten. So wurde auch von dem Gau Hessen beschlossen, in seinen 5 Bezirken Bezirksgänge mit Spiel zu machen. Der 2. Bezirk hat sich den Tünsberg mit seinen umliegenden Wäldern ausgewählt. Tie Vereine von Wetzlar und Umgebung sammeln sich morgens ?i/2 Uhr in Raunheim unter Führung des Bezirks tumivarts Schüler-Wetzlar. Die Vereine von Gießen und Umgebung, die durch weiße Armbinde kenntlich sind, sammeln sich um 7 Uhr vormittags in Gießen (Oswalds Garten) und besetzen das Gelände zwischen Hohensolms und Krofdorf. Führer sind die Turn- warte Erb-Gießen, T.-V., und Leib-Krosdorf. Die Vereine von Grünberg und Umgebung, Führer Turn wart Geh- ringer, fahren 7.32 nach Lollar und suchen, ungesehen von der Abteilung Gießen, ebenso wie die Abteilung Wetzlar den Dünsberg zu erreichen. Um 1 Uhr versammeln sich alle Turner auf dem Dünsberg, woselbst eine Ansprache gehalten wird. Später ist ein gemeinsamer Marsch nach Krofdorf. Es ist erwünscht, daß sich die Vereine zahlreich
beteiligen.
OeNentliche Lesehalle. Im April wurden 2119 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 953, Zeitschriften 378, Iugendjchrislen 287, Literaturgeschichte 18, Verdichtungen und Dramen 30, Länder» und Völkerkunde 64, Kulturgeschichte 31, Geschichte und Biographien 94, Kunstgeschichte 21, Raturmihenschast und Technologie 110, Heer» und Seewesen 32, Haus- und Landwirtschaft 26, Gesundheitslehre 8, Religion und Philosophie 43, Sprachwissenschaft 12, Fremdsprach- llches 12 Bände. Stach auswärts kamen 74 Bände.
* Unfall. Am Samstag abend sprang ein junger Bursche während der Fahrt in der Marburger Straße von von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn und kam da- bei zu Fall. Er erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und Schädelbruch.
•• Unfug. In der Nacht auf Sonntag wurde in der Go et he st raße vor dem Kollegiengedäude ein Stück der eisernen Einfriedigung nebst den Sockelstemen um- gerissen. Hoffentlich werden die Täter festgestellt, damit solche Roheiten nicht ungestraft hingehen.
Kreis Büdingen.
Büdingen, 12. Mai. Der preußische Minister für öffentliche Arbeiten hat nunmehr die Hergabe eines mit l8/* Prozent zu verzinsenden hypothekarischen Dar- lehen8 in Höhe von 395 000 Mk. für die preußische Teil- strecke der projektierten vollspurigen Kleinbahn Hanau- Büdingen an die für die Bahn zu gründende Aktien-Gesell- schaft genehmigt mit der Maßgabe, daß verschiedene Bedingungen erfüllt werden und das Aktienkapital der zu gründenden Aktiengesellschaft mit 1 865 000 Mk. bemessen wird-
Kreis Lauterbach.
~ HerbsteiN, 9. Mai. In der Gastwirtschaft zum Darmstädter Hof hier wurde die Krerslehrerver- sammlung unter dem Vorsitz des Schulrats Andres aus Lauterbach abgehalten. Rach der üblichen Begrüßung durch den Vorsitzenden und Erstattung deS Jahresberichts hielt Lehrer R o th-Lanoenhausen einen Vortrag über „Sparkassen in den Fortbildungsschulen", deren Einrichtung von der Minifterialabteilung für Schul- angelegenheiten empfohlen wurde. Die Bemühungen des Vortragenden, bei der Lehrerschaft die von ihm ivarm empfohlene Änführung der Sparkassen an Fortbildungsschulen zu fördern, sanden bei einem großen Teil der Lehret keinen Anklang, da die Jungen in den kleinen Orten des Kreises keine Gelsgenheit hätten, Geld zu verdienen und daher auch nichts sparen könnten, in größeren Gemeinden dagegen Sparkassen vorhanden seien. Ein zweiter Vortrag wurde von dem Kreisarzt Tr. H e i n ri c y - Lauterbach über Krüppelfürsorge gehalten, der an Hand von Bildern die Gebrechen der Kinder vor und nach der Heilbehandlung schilderte und den Lebrem die wichtigsten Punkte der von ihnen zu beobachtenden Maßnahmen, um die Aufnahme eines solchen Lindes in eine Heilanstalt herbeizuführen, an Deute re Jcad) Dem gemeinschaftlickien Essen erfreute Pfarrer Zinn-Herbstein Die Versammlung mit einem interessanten Vortrag über Herbsteins 8er- ? angenbeit. Der geplante Gang nach dem nahen Burgrieden mußte wegen des eingetretenen Gewitters unterbleiben.
Kreis Schotten.
§ Schotten, 11. Mai. Die fett 1906 bestehende Spar- und Darlehnskasse(e. G. m. u. H.- hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein außerordentlich gunstigeS Ergebnis. Der Gesamtkassenumsatz betrug 3 925 811 Mk., die Spareinlagen 673510 Mk. Tas seit 1910 cingefül^te Heimsparkassensystem hat sich gut bewährt. An 407 Mid güeber konnte ein Reingewinn von 5636 Ml. gezahlt werden
A Gedern, 12. Mai Der Gesangverein ,^ieDer- t r a n z" feierte gestern abend int Saale dq? Bergwtns- hauscs fein 70jähr ig es Jubiläum. Bei Beginn des Festessens begrüßte der Dirigent Lehrer Sch a ad die Gafu und Sänger. Gleichzeitig wies er auf die Bedeutung des Gesanges hin, ermahnte Die Mitglieder, die Vereinstreuc zu wahren und das Lied zu pflegen, und überreichte Dem ältesten Mitglieds des Vereins, Heinrich Fay, als An crkennung ferner 50jährigen Treue eine prachtvolle Ehren«
Arbeiterbewegung.
Lohnbewegung in der Metallindustrie.
Hannover, 11. Mai. Tie hiesigen Metallindustriellen beschlossen, am 27. Mai 60 Prozent der in ihren Betrieben beschäftigten Metallarbeiter auSzusperren, wenn bis dahin die zurzeit noch streikenden Arbeiter der hannover- cheu Firmen die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben. Ten von der eventuellen Aussperrung betroffenen Arbeitern wird die Kündigung rechtzeitig zugestellt.
Der Abschied der Kaiserin von Vad-Nauheim.
K. Bad-Rauheim, 12. Mai.
Tie Kaiserin hat nun am Samstag unsere Stadt nach 32tägigem Aufenthalt verlassen und sich nach Homburg vor der Höhe begeben, wo sie im Schloß für etwa 14 Tage Wohnung genommen hat. Tort wird sie weder Bade- noch Trinkkuren machen und die vielfachen gegenteiligen Meldungen ruhen auf Erfindung. Die Kaiserin wird, wie dies nach den Bad-Rauheimer Kuren lets vorgeschrieben wird, nur der Ruhe leben. Hier hat ie im ganzen 22 Bäder genommen, die allmählich immer tarier angewendet wurden. Ter Erfolg der Kur ist der >enfbar beste und die Kaiserin hat sich darüber wieder- )olt anerkennend ausgesprochen. Kurz nach Mittag am Samstag waren Medizinalrat Professor Tr. Gr o edel, seine beiden Söhne Tr. Theo und Franz Groedel nebst Gattinnen und Kind zur Abschiedsaudienz geladen. Diese dauerte längere Zeit. Die Kaiserin sprach Medizinalrat Dr. Groedel ihre allerhöchste Anerkennung und Tank aus ür die so mit dem besten Erfolg verlaufene .Kur und Behandlung. Sie habe sich in seiner Villa sehr wohl gefühlt. Mit seinen Söhnen und dessen Gattinen sprach sie ebenfalls. Später erschienen dann Geheimer Baurat Dr. Eser, Kurdirektor Oberst von Frankenberg und Bürgermeister Tr. Kayser zur Abschiedsaudienz. Hierbei äußerte sich die Kaiserin sehr anerkennend über unsere Stadt, die Bäder mit Den trefflichen Einrichtungen, Die Anlagen usw. Inzwischen waren die beiden Automobile vorgefahren und eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich auf der Straße angesammelt. Kurz vor 3/45 Uhr verließ sie bann die Villa und schritt nach dem Auto, mit Medizinalrat Professor Dr. Groedel nocy in lebhafter Unterhaltung, der sich dann am Automobil verabschiedete. Polizeikommissär Schildwächter reichte sie die Hand und sprach ihm mit kurzen Worten ihre hohe Anerkennung aus. Dann bestieg sie mit Hofdame v. Keller das Automobil. In dem anderen nahmen Frhr. v. Mirbach und Leibarzt Dr. Zuncker Platz. Die Autos setzten sich in Bewegung und im Schritt fuhren sie die Terrassenstraße hinab. Von dem spalierbildenden Publikum wurde sie durch Hurra-Rufe und Tücher- schwenken begrüßt, wofür sie dankte. Bald waren die Automobile außer Sichtweite. Dann fuhren Möbelwagen vvr und expedierten das Inventar. Am Vormittag war schon ein Teil Gepäck abgegangen. Als ein Beweis, daß es der Kaiserin in unserer Stadt gut gefallen hatte, kann man an den zahlreichen Auszeichnungen erblicken, die erteilt wurden. Soweit wir bis jetzt erfahren konnten, haben folgende Auszeichnungen erhalten: Medizipalrat Professor Dr. Groedel den Kronenorden 2. Klasse, ferner das Bild der Kaiserin mit eigenem Namenszug in einem prächtigen Rahmen. Prinz Joachim hatte seinerzeit ebenfalls fein Bild mit Namenszug geschenkt. Dr. Theo Groedel und Tr. Franz Groedel Den roten Adlerorden Dierter Klasse; deren Gattinnen prächtige Andenken in Form von Broschen. Bürgermeister Tr. Kayser und Postdirektor Flaschenträger den roten Adlerorden 4. Klasse. Postinspektor Klein jteub er, Polizeikommissär Schilo- wächter, Bahnhofsvorsteher Grien, Bureauvorsteher Faust den Kronenorden 4. Klasse. Bademeister Kissel, Wachtmeister Kern die goldene Medaille zum roten Adlerorden mit der Krone. Großh. Bureauvorfteher Huth und Schutzmann T ü s ch e r die Goldene Medaille zum Kronenorden mit der Krone. Weiter erhielten: Badefrau Stumm eine reizende goldene Brosche mit kleinen Diamanten; Gärtnergehilfe Winkler eine goldene Krawattennadel; Oberpostschaffner Hübner ebenjo und namhaftes Geldgeschenk; Oberbriefträger Heß ebenso; Waschanstaltsvor- steherin Adolf, Frau Spediteur Mayer, Masseuse K i e r eine goldene Brosche. Weiter erhielten Geschenke der Direktor und Angestellte der Villa Groedel. Am Freitag mittag wollte die Kaiserin die Kinder im Elisabethheim aufsuchen. Sie traf sie jedoch nicht an, da die Kinder tm Walde spielen waren. Sie ließ es sich aber nicht nehmen und fuhr abends 1/27 Uhr noch einmal vor, wo sie dann Die Kinder auch antraf und von den Kleinen ehrsüchtig empfangen wurde. Ein kleines Mädchen überreichte ihr ein Bukett, was sie auch dankend annahm. Die Kaiserin unterhielt sich mit den Kindern längere Zeit und besichtigte Dann das Heim selbst, worauf sie ftch sehr lobend aussprach. Am Samstag vormittag wurden im Heim der Kaiserin von Bürgern prächtige Blumenspenden abgegeben.
üationallibecalen Pattei Wir haben einen Vergleich unb^rch »denke einen guten Vergleich. Tie hübe Bedeutung der national- ! liberalen Partei 11t in diesen ^trcuiflfeiten rotebet ,
geworden; denn die ganze öneniliche ^iskufsron drchtt Uch darum. Selbst der R c ichslan.Ucr .prack^ belehrende Borte, -jn der Mutigen gärenden Zeit bleiben, iokbe ^^enymrngm m dm An- Ischauungen feiner Partei erwart, (sehr ri^rg.). ^lge- , '.schmähte und viel gelobte nationaHiberale Jugend hat doch das Verdi eilst, daß r. in Riten der Erstarrung des nahonaHiberalen Lebens neues Leben braucht' Frühlmg und Reifsommer vereinten sich in der Partei. Gewiße Geschähe zwilchen Jung und Alt wird es immer geben, rote es mich tn jeder harter einen rechten und einen linken Flügel gibt. Aber in Bayern- in Baden, • sowie im Rheinland hat die nahonaihberede Jugend in teueren 1 Zeiten Schulter an Schulter mit den Alten gekämpft. Auch die- fertigen Herren, die die Anträge an den Zenttalvorstand stellten, wollen die Jugend nicht entbehren. Xtft Redner kommt sodann : auf die gegenwärtige politische Lage zu sprechen. Man befinde .
’T<u nb e'hag lichen Periode der Völkergegensatze, und der inneren Gärungsprozesse -lic Regierungsvolitik 1« matt gefriebigenb. Man schiebt die Lö,ung des Probien^ der,erN., wie die Wahlrechtsreform, die Frage der allgemeinen BestSsteuer. .Diese Frage muß gelöst werden weil emmal der Tag kommen wird, an dem die Reichsfinanzrewrm ausgeglichen wird. Unfroh, müde und glucklos zieht diese Ncgierungspolitik dahm sodann schilderte der Redner das Verhältnis der nattonalliberalen USattet zu den anderen Parteien. Er kommt dabei zu dem Schlüge, baß Sozialdemokratie und Zentrum otc grimmigsten Gegner der nativnalliberalen Partei bleiben müssen, daß die Naiwnalu berat en an der Verschlechterung der Verhältnifse mit den Konservativen nicht schuld seien, und daß die Natlonalllberalen lederzeü taktoch mit der Volkspartei zusammen gehe. Em Blocks von Bebel bis Bassermann sei aber eine Utopie Der Redner eronert dann eingehend die Aufgaben der nationalliberalen Partei, die eme volkstümliche nationale Politik treiben müsse. Wenn er in fchweren Stunden fest und treu zur Fahne gestanden habe, \o habe er das nur aus dem Gefühl heraus gekonnt, daß die natwnalliverale Partei nicht unter gehen werde. ^Stürmischer Beifall.) Fort, <mitt mit den Bedürfnissen des Volkes, Pflege des vaterländischen Geistes, Pflege der freiheitlichen Entwicklung, das )ei die Tradition der uationalliberalen Partei. (Sturmisckfer, minutenlanger BelsaN.)
Nach einer Pause nahm als erster Diskussionsredner Abg. Dr. Lohmann das Wort, der ausführte: Wenn bei uns von einem rechten und einem linken Flügel die Rede ist, so unterdrückt man, daß wir doch auch ein Mittelstuck haben, das viel starker ist als der rechte und linke Flügel zusammen Was uns zu- sammenhält, ist unendlich viel schwerer und größer als das, was uns trennt. Was das „ . .
Verhältnis zur konservativen Partei anlangt, so liegt das Verschulden an dem jetzigen Zustande an dieser selbst, da ihre Führung immer mehr aus den Bund der Landwitte übergegangen ist. Von den Freikonservativen gilt das gleiche. Blätter vorn Schlage des „Berliner Tageblatts haben nur die Absicht, uns zu radikalisieren und uns unfchadlich zu machen. Die Abwehr gegen die „Deutsche Tageszeitung" muß aber ebenso energisch fein wie gegen das „Berliner Tageblatt . Wenn man beide Blätter in ein Zimmer Herren konnte, biSfie .sich gegenseitig ausgefressen haben, so würde unseren politischen .Verhältnissen ein großer Dienst erwiesen werden. In sozialpolitischer Beziehung wird die Partei jede Initiative der .Ke- ’gierung mit aller Sorgsalt prüfen, ob unsere Industrie sie noch gegenüber dem Wettbewerb des Auslands tragen kann. , Die .nationalliberale Partei ist eine Notwendigkeit, da sie die einzige Partei ist, die sich bemüht, die wirtschaftlichen Gegensätze nicht zur Hauptsrage werden zu lassen.
Rechtsanwalt Kauffmann (Stuttgart), der Führer der Jungliberalen betont, daß auch die Liberalen nur eins tm Auge hatten: das Wohl der nationalliberalen Partei. Eine , loyale und wachsame Opposition gegen die Regierung stehe schon in dem Gründungsprogramm der Partei. In der sozialpolitischen Gesetz- fgebung dürfe man nicht Halt machen. _ Voraussetzung für die Erreichung der nationalen Ziele sei, daß sich das deutsche Volk zu Hause wohl fühle und nickst das Gefühl habe, wie cm Kmd behandelt und bevormundet zu werden.
Landtaasabgeordneter Geheimrat Dr. Friedberg gibt zu, Laß Gegensätze vorhanden seien. Es trennt den Norden vom 'Sübcn die Stellung zur Sozialdemokratie. Man muß sich aber auch gegenseitig Der tragen. Von vielen Patteifteunden ^tst es nicht verstanden worden, daß man die Anwesenheit von 110 Sozialdemokraten im Reichstage als quantitö negligeable betrachtet. Deshalb hat man gewünscht, daß man
die Scheidelinie nach links
mit aller Schärse ziehe. Die Sozialdemokratie ist gefährlich nicht wegen ihrer utopistischen Ziele, sondern wegen ihrer Kampf'es- metbobe, die schließlich eine revolutionäre Strömung in unserem Botte erzeugt. Und diese wieder fühtt zu nichts, als daß der Reaktion die Wege geebnet werden. Wenn 6 Leute sich dazu 'bingeben, ein ganzes Parlament zu terrorisieren, wenn man sich äls anständiger Mensch von diesen Leuten ins Gesicht sagen lassen muß: Sie sind die Schmach und Schande von ganz Europa, Sie stellen einen moralischen Sumpf dar, so weiß man doch wirklich nicht, was man mit einer solchen Pattei anfangen soll. Ein 'Stichwahlabkommen, wie es die Freisinnige Bolkspattei ‘mit der Sozialdemokratie abgeschlossen hat, ist für uns unannehmbar. Wenn wir als Pattei etwas bedeuten wollen, dürfen wir nicht in der Disziplinlosigkeit verharren.
Nach Wlehnung eines Schlußantrages sprach Landtagsabgeord- (neter R e.b ma nn (Baden). Er betonte die Möglichkeit, daß Hie Möglichkeit, daß die Sozialdemokratie sich einmal entwickeln könne. Ihn febeibe eine tiefe Kluft von dieser Pattei, doch schmiede ihn das Schicksal zu täglicher Arbeit mit ihr zusammen. Die Unterschiede in der Patt ei seien nur gering und lägen an ber (Peripherie der Parteiarbeit.
Geheimer Rcgierungsrat Professor Dr. Leidig (Charlotten- iburg) befürchtet von einer Zusammenarbeit mit Der Sozialdemo- fwrtie eine zu große Intimität mit dieser Partei.
Nachdem noch Redakteur Jung (Köln) und der frühere iReichstagsabgeordncte ©trefemann (Sachsen) gesprochen «hatten, wurde der Patteitag mit den üblichen Dankesreden geschlossen._______________________________________________________________
Der italienisch.türkische Krieg.
Die Italiener auf Rhodos.
Rhodos, 11. Mai. (Agenzia Stefani.) Die Italiener fahren mit Der BilDnng einer Operations- basis fort. Sie brachten nach RyoDos 185 Kisten mit Patronen, 600 Geschosse für Die Gebirgsartillerie, 400 Sack Mehl, 100 Sack Schiffs Zwieback, Kisten mit MeDikamenten und andere Beute, iveiche Die Italiener in dem Kamp am 4. Mai erobert hatten. Weitere 49 reguläre türkifcye Soldaten -wurDen gefangen genommen. Die Meldung mehrerer türkischer Blätter von der Besetzung der Inseln Kos und Scaranto sowie anDerer Inseln Des Archipels Durch die Italiener ist vollständig unbegründet.
, Athen, 12. Mai. (Agence Havas.) 250 türkische Soldaten, von Tschesme kommend, sind glücklich auf Chios gelandet. Man erwartet auch Artillerie.
Deutsche» Reich.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung"' schreibt: Die Beratungen über die H c ere s ve r stär ku n g gelangten im Reichstage zu einem Yocherfreulichen Ergebnis. Mit hoher Befriedigung nimmt man überall auf deutschem Boden von den Beschlüssen des Reichstages Kenntnis. Sic bedeuten eine nanonalc Tat, an Der er freulicherweise alle reichstreuen Parteien mitroirften.
Der „Berliner Lotalanzciger" meldet aus Straßburg: -Ayr Soyn^ag rouiDe hier Die elsaß-lothringische


