Ausgabe 
12.3.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. 61

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Starkenburg und Rheinhessen.

Erschetw tTtzNch mti AuSnahmr bei 6ermta<4.

Dieeitfcewer ^emlllenMatter* werten bem .Anzeiger' otermal wöchentlich deig-legt, bal Krtlsblah fir btn Kreis «letzen" iwetmai wöcheniltch. Dietanbelrlfct?aftli<6en Aetl» hM<n erscheinen monalilch »wennat.

ist gespannt, wie sich die Neuheit in der Praxis bewähren wird. Allerdings wird sich die Gemeinde erst daran ge- wöhnen muffen. Ihr neuer Organist wird sich nicht nach ihr, sondern sie muß sich nach ihm richten und e§ wird schon eine geraume Zeit vergehen, bis sich beide aneinander ge*

♦♦♦♦* , Verein

Angestellter öoiti8-ionit Abend afic 5IH. y .AAAi *wv

Lich, 10. März. Orgelbauer Nikolau S in Lich führte am CamStag eine selbsttätig spielende Orgel vor, die ihre Tätigkeit zur allgemeinen Zufriedenheit auS- übte. Das Instrument ist für Steinfurt bestimmt und man

S 4 bis 6 Ehr konztrl

Aus Stadt und Land.

Gießen, 12. März 1912.

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** Gemeinde st euern in den hessischen Städten. Von den fünf größten hessische Städten hat Offenbach die höchsten Gemeindeumlagen aufzubringen, deren Prozentsatz von 154,8 Proz. im Jahre 1908 auf 189 Prozent gestiegen ist. Die modrigsten Gemeindeumlagen hat Worms, die seit 1908 eine Erhöhung um nur5Proz. mit 102 Prnz. zu verzeichnen hat. Es folgt dann Mainz mit 106,5 und Gießen mit 120 seit Jahren. In Darm-, stadt ist seit 4 Jahren der Steuerkoeffizient von 103,8 Proz. wöhnt haben, auf 128,4 Proz. gestiegen.

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Dienstag, 12. März 1912

H*<enort«bnid <mb 8f\1ag bet Ar ablichen Unt»ertu6ti - Buch- uni 6teinbrudenu Ä- C en | e, vießen.

von 19U0Q 500 W. [in; ierer ^enM henden (Jon!)! [ gegen gut he Sichel,

Ansragn >nter;eichnelrr Z» richikn, L.MärzML lngelische henvorsland. ilossrr. ßea

Rebefhen. Exvedttton an6 Druderet: Schul- strabe 7 Expedltton uni Verlag 6L RrtahtorceeB 112. rel.-Adr^AnteigerGieben.

Die Bewegung im 5chneidergewerbe.

Vom allgemeinen deutschen Arbeitgeber­verbande für das Schneidergewerbe erhalten wir über kie Bewegung im Schneidergewerbe folgenden Bericht:

Der Hauptvorstand des Allgemeinen Deutschen Arbeitgebcr- berbandes für das Schneidergewerbe ist am Freitag den 8. März Nachmittags in Berlin zusammengetreten, um sich nochmals mit ter Durchführung der beschlossenen Generalaussperrung zu befassen NM bezüglich einiger Einzelheiten Beschlüsse zu fassen. Neue {Wigcre Momente traten bei dieser Beratung nicht in den Vordergrund, so daß die getroffenen Maßnahmen ohne wesentliche lC oninß am Sonnabend den 9. crt. durchgesührt wurden. Von o'-» Arbeittichmcrn scheint noch vor dem Zeitpunkte der General- Drfsperrung eine Annäherung zwischen den Parteien geplant ge- !r-x Ju ic*n' weil die Hauptvorstände der Gehilfenoerbände am Zeichen Tage, an welchem der Hauptvorstand des ATAV. in d?» m .l?Fte, nochmals auf telegraphischem Wege eine Sitzung "viräte und sämtlicher Ortsvertreter einberufcn hatten, um über die Stimmung im Reiche zu orientieren. .Es sind jp5°d) von keiner der beiden Parteien Annäherungsversuche er- offenbar die Meinungen über die Grundlage zu einer uandlgung noch so weit auseinandergehen, daß man beider-

Mit im Jahre 1911 auf 206 500 Mk. gesunken, so daß der Neber- schuß mit 162 700 Mt. veranschlagt wird. Tie Wertzuwachssteuer hat einen Ueberschuß von 550000 Mk. und die Huiwcstcuer von 8500 Mk. Die Unterhaltung der Straßen, Plätze, Wege, Brücken usw., die eine Einnahme von 57933,90 Mk. ergaben und eine Ausgabe von 248 941,44 Mk. erfordern, kostet der Stadt einen Zuschuß von 191007,50 Mk. Ter Zuschuß für Straßenreinigung usw. beträgt bei einer vorgesehenen Einnahme von 30 153,85 Mk und einer Ausgabe von 292800 Mk. für 1912 262 646,15 Mk. Wx

" Kath. Pfarrpersonalien. Der kath. Pfarrer m Offenbach a. M., 10. März. Tie Betriebsrechnung Adam ßa f om5 fi zu Hohen-Sülzen wurde zum Pfarrer derstädtischen Voranschlags für 1912 balanciert mit 8092300 Mk. Pfarrei Ober-Wöllstadt ernannt. ^gen / 476340 Mk im Voriahre. Durch diese Mehrbelastung

»« c-m a -- v des Voranschlags braucht kerne Erhöhung der Steuern zu erfolgen

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bas man früher unter Sugrunbetegung non ,alto neruanaenen kr bes Saiiermarfä mit 195000 Mk. uni> her K ehr »tits-. auNralrschen Vcrhaltnren, eine der Wirklichkeit nicht cnt>prechcnde werks mit 15 000 Mk. veranscklaal Die

Meinung von der Ehe trotte. (tt: beharchelte Völker, die noch im bahn erfordert einen Zuschuß von 87 100 Mk. gegen 52500 Mk ieÄCT»fanen-ÄU(f^-feiTy Kleidung,! im Jahre 1911. Die Abgaben für Schulzwecke si^ infolge der keine Wohnung, kein <-prel, kaum spräche. Lie kennen nicht händigen Zunahme der Beooittning und der stinder-adl von die Grundoegrine der Religion. <sie haben keinen (^iilerglauben, 1 161 078 Mk. in 1911 auf 1 216017 Mk. gestiegen Zn teunä infolgedessen auch Furcht. In bezug auf ihre Nahrung Kapitel ist die städttsche Armenpflege, bie einen^toftcncuf^artb hnb ,ie wenig wählen,ch: ein R^enwurm m chnen ebenw lieb von 510355,44 Mk gegen 481238,93 Mk. im Jahre 1911 allein ^r^cki >lber ue leben schon mit ihrer Frau in ausge-rr fordert. Für den Krn- und oie drovin; sind eine Vittel wrockwner Einehe und zwar aus wirt,chattlichm Gründen Sie Million Ausgaben vorgesehen. Die Allgemeine Verwaltung h^t deuten ihre Nahrungsplabe aus, ohne auf die Zukunft bedacht zu eine Einnahme von 113 WO Mk. und eine Ausgabe oon 687 300 fein. ^t em Ort abgegrast, ,o wird der nach,tr aufge.ucht. Hätten Mk. gegen 110000 Mk. bezw. 667 800 Mk. im Jahre 1911 ne mehr all eine rz-rau, ;o wäre der Wettbeiverb ein größerer. Tie Einnahmen der Verbrauchssteuern sind von 304 450 Mk Aus dieser Stufe und Mann und Frau vollständig gleich. Mil' " ' r """"" - - - - u

dem Speer und Bogen und Pfeilen weiß das eine so gut üm- zugehen wie das andere. T-as Kind bleibt so lange bei der Mutter, als es sie nötig hat. dem 8. bis 10. Lebensjahr geht es aus eigene Faust weg. Dann kommt es vielleicht noch einmal wieder und sagt den Eltern, daß es diesen oder jenen Gatten heiraten wolle, um dann oft fürs ganze Leben nicht mehr mit den Eltern zusammenzukommen. Tie Australier die man früher für das niederste Volk hielt, haben schon Schmuck und

erwartet?601 ^0cn ^tabium des Kampfes keine Verständigung

Am Freitag, dem 8. d. MtS., abends fand in Berlin eine große r v e 11 g e b c r v c r a m m l u n g statt, an welcher etwa 40<

Personen tcilnahmcn, die sich nicht nur auS den fast vollzählick er,chicncncn Mitgliedern der Berliner Ortsgruppe, sondern aud oon anderen Interessenten des Gewerbes zusammcnsetzten. In ^^^/r^^wmmlung erstatteten die Vorsitzenden des Allgemeiner deutschen Arbeitgeberverbandes für das Tchneidcrgeioerbe ein gehende Berichte, in denen sie die Entwickelung der ganzen Bo wegung sthilderten und ausdrücklich betonten, daß sie jederzeit

e9l(9c ^Ibfitht dcgten, auch in diesem Jahre wieder einen friedlichen "Ausgleich zwischen den Parteien zu ermöglichen. Nach- dem dies nun nicht gelungen sei, bliebe beiden Parteien fein Ausweg übrig, als die zur Verfügung stehenden gefefr- limcrt Machtmittel anzuwcnden und durch den 5k a m p f eine Ent­scheidung herbeizuführcn.

m =S!C öußerst zuversichtlich gestimmte Versammlung nahm die Ausführungen mit stürmischem Beifall entgegen und erteilte dem Vauptvorstande ein einstimmiges Dertrauensvottlm, in welchem ausdnicklich ausgesprochen wurde, daß die Berliner Ortsgruppe fest und treu mit allen übrigen dem ADAV, angehörenden Ver- einen den unvermeidlichen Kampf führen werde. Die General- ausspcrrung ist nun in sämtlichen Städten des Reiches, welche ?.c,m angehören, zur Durchführung gelangt. Während

sich die Zahl der seit dem 1. März streikenden Gehilfen auf etwa 10 000 belief, sind jetzt annähernd 30 000 organisierte Ge­hilfen einbezogen

P a r i s, 11. März. Der für heute festgesetzte 24stündige Äusstand der französischen Bergleute, welcher die Aufmerk­samkeit des Parlaments auf ihre Forderungen lenken.soll, verlief bisher ohne Zwisckfenfall. Vollständiger Ausstand herrscht in Trets (Departement Bouches du Rhone, ferner in St- Gtienne, Terrc-Noire, Cransac und de Eazeville sowie im Schieferbruche von Trclaze, teilweiser Ausstand in Rochc- la-Moliere, St. Chamant, im Tal des Gers und im Stein­bruche von Segre.

vom ita!ieni'ch türkischen ttriegrschauplatz.

Kämpfe bei Benqhafi.

Konstantinopel, 11. März. Der Komman - dant der Türken oon Be nghasi telegraphiert: Eine türkisch-arabische Abteilung näherte sich in der Nacht zum 1. März den italienischen Stellungen bei Tobruk und er­beutete einigen Proviant. Am 3. März nachts zerstörte eine dlbteilung von fünfzig Mann eine im Bau befindliche Befestigung. Am 4. März früh entstand mit deii Italienern ein fünfstündiger Kampf, in den auch die italienischen Landbatterien und Panzerschiffe eingriffen

Rom, 11. März. Die Agenzia Stefani bezeichnet die Meldung aus Konstantinopel von einem Kampf bei Benghasi am 3. März zwischen einer türkisch-arabischen Mteilung und zwei italienischen Kompagnien, die mit großen Verlusten zurückgeschlagen seien, als völlig unzu­treffend und erklärt, daß am 3. März kein Kampf bei Benghasi stattfand.

Em Ueberfall bei Ain Zara.

Paris, 11. März. Der im türkischen Hauptquartier in Azizie besindliche Berichterstatter desT^mps" meldet: In der Nacht vom 9. März gelang es den Türken, in Ain Zara einzudringen, wo sie zwei Gebäude in Brand steckten. Darauf sand bei Ham et Bey Ad im ein lebhaftes Ge­fecht statt, in welchem die Türken vier Tote und neun Ver­wundete hatten.

Tripolis, 11. März. (Agenzia Stefani.) Gestern früh 4 Uhr griffen ungefähr 500 Araber mit regulären türkischen Truppen eine Schanze bei Ai,n Zara in einer sehr ausgedehnten Front an, wobei sie auf 700 Meter heran kamen Von der Schanze blieb das Feuer unerwidert. Um 5,30 Uhr begann der Feind unter Kampfesgeschrei weiter vorzugehen. Daraufhin wurde auf der Schande gefeuert, zunächst nur von den besten Schützen; auch die italienische Arttllerie aab einige Schüsse auf 700 Meter auf Gruppen von 200 bis 300 Arabern ab. Der Feind begann mit dem Rückzüge, bei dem er von italienischer Arttllerie verfolgt wurde, oie auf die deutlick)er sichtbaren Gruppen schoß. Um 7,30 Uhr war der Rückzug des Feindes allgemein. Die gegnerischen Verluste sind sicher beträchtlich, denn von der Schanze wurde deutlich beobachtet, daß in den feindlichen Reihen der Sanitätsdienst mit Tragbahren in reger Tätigkeit war. Die Italiener hatten keine Verwundeten. 9Lack)ts um elf Uhr wurden verdächttge Araber, von denen zwei mit Martinigewehren bewaffnet waren, von Askaris fest­genommen.

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Landkreis Gießen.

I .CA * Großen-Linden, 10. März. Heute nachmittag hielten 450 Turner in unserer Gegend ein RrtegSfpiel ab. Tie Partei der Blauen, die durch den Rtänner-Tnrnverein Gießen, tue Turn­vereine Heuchelheim, Watzenborn und Steinberg gebildet war, rückte um 2 Uhr von der Station Cchifsenberg in drei Abteilungen aus, um einen 4 Uhr 51 Min. von Frankfurt a. M. auf Station Großen- Vinben ankommenden Zug an der Ankunst durch Besetzung und ^erslörnng des Bahnkörpers zu hindern. Tie rote Partei, die aus den Turnvereinen Grüningen, Leihgestern, Langgöns, Ghoüeii-Vinbeu, Mein-Lmden und Hochelheim bestand, war ebenialls nm 2 Uhr von Hochelheim aufgebrochen, um die Absicht der Blarien zu vereiteln. Von beiden Seiten klarten starke Radfahrer - Abteilungen auf. -tie Noten hielten die Ziegelei am Bahnhof Großcn-Ltnden besetzt, der von einer fchwachen Abteilung der Blauen ledroht war, wahrend eine zweite Abteilung der Blauen in Leihgestern ein- gerlickt war und von hier an5 in ein Gefecht wegen des Bahnhofs Großen-Linden eingreisen wollte. Der Führer der Roten an der Ziegelei glaubten eine Zeitlang Leihgestern besetzt, und wagte auch nicht, seine feste Stellung aufzugeben. Tie Blauen zogen aber von Leihgestern dte Straße nach Lang-Göns zu. Rechts beobachteten sie eine Abteilung der Noten, die den Uebergang über den tiefen Eisenbahneinschnttt zwischen Großen-Linden und Lang - Göns besetzt hielt. Eine Zeitlang standen sich die Gegner gegen­über, dann stürmten die Blauen die Brücke. Ter Angttß' wurde vom Unparteiischen als erfolglos bezeichnet, da beide Par­teien gleich stark zur Stelle waren Tie Roten wie die Blauen mußten sich an dem Uebergang zurnckziehen. Inzwischen war in der Nähe des Bahnhofs Lang-GcnS die dritte Abteilung der Gegner aneinander geraten. Tie Mannschaften, die außer Gefecht ge­kommen waren, ruckten den Streitenden zu Hilfe. Fast gleichzeitig traf für beide Parteien die Verstärkung ein. Mit Hurra gingen die Blauen im Laufschritt auf die Bahnlinie vor, die von den Noten gedeckt wurde, so daß der Angriff mißlungen war. Es wurde das Ganze Hott geblasen und Sieger und Besiegte rückten gemeinsam nach Leihgestern in die Krone ab, wo man gegen ö'/, Uhr anlangte. Drei Offiziere der Gießener Garnison, die im Auto die Hebung verfolgt hatten, sprachen sich sehr anerkennend über das Gesehene aus.

A Göbelnrod, 9. März. Unsere Bahnstation hat im abgelaufenen Jahre 3600 Mk. Einnahme erzielt. Der Gemeinderat hat verschiedentlich nachgesucht, daß auch der letzte Zug, der von Fulda in Gießen um 10 Uhr ein­trifft, hier halten möge. Dies ist nun für 1. Mai d. I. in Aussicht gestellt.

Beschluß de8 Zecheuverbandes.

Essen, 11. März. In der heutigen Vvrstandssitzung desZechenverba-ndes wurde beschlossen,allen dem Ver- barrde angeschlossenen Zechenverwaltungen zu empfehlen, die Arbeiterausschüsse baldigst einzuberufen.

Ausschreitungen.

Hamborn, 11. März. In Bruchhausen kam es heute Lbeno zu schweren Zusammenstößen zwischen Strei­kenden und Polizeibeamten. Vor dem Schacht 3 der GewerksckroftDeutscher Kaiser" hatte sich eine große Anzahl Streikender angesammelt, um die heimkehrenden Arbeiter -u belästigen. Die immer größer werdende Menge nahm eme drohende Haltung an, woraus der Zechenplatz von Polizei­beamten gesäubert wurde. Tie Beamten wurden mit Stein- würfen empfangen, auch aus den Fenstern wurde mit Steinen geworfen. Nunmehr gingen die Schutzleute, etwa 40 Mann, m i t bet blanken Waffe gegen die Menge vor und zcr streute sie. Mehrere Polizcibeamte wurden durch Steinwürse verletzt. Auch der Bürgermeister und ein Polizeikom- miss ar wurden von S t e i n w ü r f e n getroffen. Von den Streikenden erlitten viele durch Säbelhiebe Verletzungeri. Eine große Anzahl von Verhaftungen wurde vorgenommen. Nach der Säuberung trat allmählich wieder Ruhe ein. Als nunmehr eine Anzahl Polizeibeamter mit der Straßenbahn nach Hamborn zu- -rückkehrte, wurden in der Albrechtsttaße auf die im Straßenbahn­wagen sitzenden Polizeibcamtcn 15 Revolverschüsse abgegeben, die ledoch ihr Ziel verfehlten.

Berlin, 12. März. Einer Kölner Meldung derTeut scheu Tageszeitung" zufolge kam es gestern in Recklinghausen zwischen Polizei und über 4 00 Streikenden zu einem Zusammen st. Sieben Personen wurden durch Säbelhiebe schwer verletzt, vier verhaftet. Einem Arbeitswilligen wurde ein Auge ausgeworfen.

Die sächsische Negierung und bie Bergarbeiterbeweguug.

Dresden, 11. März. Im Verlaufe der Sitzung der Zweiten Kammer erklärte Ministerialdirektor Geheim­rat Dr. Wahle bei Beratung des Berghaushalts, es sei zuzugeben, daß die Löhne 1909 etwas niedriger waren, als 1908 und 1910 etwas niedriger als 1909. Für 1911 liege noch leine Statistik vor Weun eine Lohnbewe­gung cintreten sollte, so sei die Regierung gern für die Vermittelung bereit. Dr. Wahle schloß: Tic Sozialdemo­kraten mögen die Bergarbeiter beruhigen; die Arbeiter mögen sich an ihre Arbeiterausschüsse und an das Bcrgamt als Einigungsamt wenden. Wenn das nicht genügt, so tet)t auch die Regierung zur Verfügung Wir hegen den 'ringenden Wunsch, daß die Lohnkämpfe ohne Arbeitsein­teilungen auf gesetzlichem Wege geregelt werden.

Folgen des englif tien Ausstandes.

3rocites Blatt 162. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

seum iSEN irl Ohm.

Gasteplel ngs Bühne.

angN/.lsti ki. W

I ficibung. Sie kennen die Menschenfresserei, die man hier als ^ulturcrrungcnfrfmft betrachten muß. Nur gfeidjaltrigc Mmsckxn jciratcn sich. Auch tritt schon eine gttvific Arbeitsteilung ein: Der ..tann geht aus die Jagd, die Fran gräbt nach Wurzeln. Ein veitercr ,wrtschritt ist die Erfindung des Ackerbaus, mit dem die Seßhaftigkeit beginnt. Wenn auf dieser Stufe die Frau heiratet, Mfftt ber riMe eine Arbeitskraft verloren, bie vom Galten burch Geld erietzt wirb. Jetzt cntflcbt ans wirlschaftlichcit Oninden die tMcimcibcrcL AuS der Neigungsheirat wird die Vernunft^irat -rie tfrau mufc beim Ackerbau mit tätig sein Ucbmhif; an Nals- ning bedingt bei diesen Leuten Handel. So finden wir ai5 <\raucnarbeit Töpferei und Flechterei Neben der Jagd baut der .Wann Häuser, sorgt für Schmuck usw. In den Musesttinden widmet er sich dem Tanz. Die Arbeit wird mehr und mehr auf n Frau abaewälzt, bis sie ganz zum Lasttier wird. Mit dem Verteidigen der Wohnsitze beginnt der Kamps uni» damit das Unterortmcn unter Häuptlinge Eine Anzahl Lichtbilder ergänzte den Vortrag aufZ Vvrlresilichste. Wir sehen, wie die :1teifer, butte der Uiwölker allmählich zum Palaste bei den Gniifrcborcncn ausgevaitt wird. Für jede Tochter, die heiratet, bekommt dieser Pa- last einen weiteren Giebel. Wir leben die schönen Urlradjten k u mLiUntcr. bcm Einfluß der Mission begeneriertm Tracht, mwere Bilder bringen Frauen und Mädchen an der Arbeit. Der Vortragende erntete reichen Beifall.

"Ter Rodbergklub feierte, wie man un6 schreibt, am -ainStag, 9. März, Im Kolosseum sein zehnjährige« S l i i t ii n g 8- ieft, baS stark besucht war. Tas gut znsammeiiaesetzte Programm nn& allgemeinen Beifall. In einer kurzen Ansprache wie« der i. Vorsitzende Moser auf bie Gründung und den Werdegang des VkreinS hin. Die GesangSabteilung des BereinS, bie zwei Zahre besieht, trug unter Leitung ihres bewährten Dirigenten H. fa. Furths einige rooblgelimgene Lieber vor, bie IcbljaQcn Beifall fanben, wie auch einige Lieber bes Gesangvereins .Teutonia"- veuchelbeim unter berselben Leitung. Ferner fand ein Gcsamt- Elwr von deibcn Vereinen .Beim Liebchen zu Haus^ flarken Bei­fall. Tie Vorträge bes Mitgliebs Schäfer erregten stürmische vcüerfeit. Nach Beenbigung beS Programms ging man zum Ball über.

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Der Bergarbeitcrausftnnö im Ruhrgebiet.

Tie Ausdehnung des AuSiiandes.

ff cn, 11. März. Heutemorgcn mußten imRuhr- Vezrrck anfahreu 170 868 Mann, davon find angefahren 112 109 Mann. Es streiken also 34.38 Prozent.

dei der heuttgen N a ch m i t t a g s s ch i ch t sind von 109 884 Arbeitern 46 971 eingefahren. Es streiken 57.25 Prozent.

Im Gelsenkirchener Revier beträgt der Soll­bestand der Belegschaft 10142 Manu. Davon sind anqefahrcn 7954 Mann, es fehlen 2183 Mann, gleich 21.57 Prozent

Oberhausen, 11. März. Von der Belegschaft der Konkordia Bergbau-Aktiengesellschaft sind heute früh drei Viertel ordnungsmäßig angefahren.

Hamburg, 11. März. Infolge des englischen Koh- lenarbeitcrausstandes ruht die englische Kohlen- einsuhr seit acht Tagen vollständig, wodurch eine bedeutende Preissteigerung eingetreten ist. Durch die Aushebung der Einftihr ist auch die Schiffahrt stark in Ntttlcidensck)aft gezogen, was sich durch das Auf­liegen der auf der englischen Fahrt beschäftigten Dampfer bemerkbar macht. O/egenwärtig befinden sich etwa zwölf Dampfer außer Betrieb. Von Stettin ist die erste Ladung schlesischer Kohle hier angekommen.

Der Ausstand in England.

London, 11. März. Infolge des Kohlenarbeiteraus- sklmdes stellten drei große Zuckerraffinerien in Liverpool den Betrieb ein. Aus Tyne wird die Ltteikzeit dazu benutzt, die Schiffe instand zu setzen. Von ber auf den 23. März angefetzten Abfahrt des St. Paul der Amerika-Linie von Southampton nach Neuyork und von der Mfahrt des DampfersOzeanic" der White-Star- Linie wird abgesehen.

Tie Bewegung in Frankreich.