Ausgabe 
15.6.1912 Erstes Blatt
 
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Erster Blatt

162. Jahrgang

Samstag, 15. Juni (912

Die heutige Nummer umfahr 16 Seiten.

Nr. 159

Ter Eiehener Anzeiger Ä -

erscheint täglich, außer JMW W A "WT" W Bezugspreis:

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Verlag u. Expedition 51 ZT * w zl< < politischen Leit: August

ä- General-Anzelger für Oberhessen Annahme von Anzeigen «.xn . k , v X? I 4 TI »GcrichtSsaal-: N. Reu-

Hir die Tagesnumn.er «oranonronick und vertag der Brühl fchen Univ.'Buch- und Steinörncferei R. Lange. Hcöaftion, Erpedition und Druckerei: Zchuiftraße 7. lr.all,J ^,'^Ea^t nno w °°rm>i,°gs s _____________________vüdingen: $tntfprcd)er Nr. 269 S«,chSst5ftrlle vahnhssftrahe 16».

Apolitische Wochenschau.

Gießen, 15. Juni.

Das amtliche Wolsssche Bureau Ijat eine Art, über deutsche Interessen im Auslande zu Berichten, die einem die Freude auch an wirklich bedeutungsvollen und angeneh men Geschehnissen 'beinahe verderben kann. Wir wollen dre vielen Bankette und Trinksprüche nicht nachzählen, über die aus Anlaß des deutschen Geschuxider-Besuches in New VJort in einer gewissen Hurra-Stimmung berichtet worden ist. Will man in unseren amtlichen Berliner streifen den Beobachtern unserer Auslandspolilil einmal trinm- phierend dartun, welcher Beliebtheit das Teutschlum im Auslande sich erfreut? Nachdem immer wieder die stunde uns erschreckt Tjatte, daß so viel Has; gegen das neue deutsche Reich >sich draußen angehäust habe? (Vewiß, wir ver­zeichnen es mit Genugtuung, das; der Besuch unserer Offi­ziere und Mannschaften ganz New York aus die Beine gebracht hat, daß die amerilanisclzen Waftgebcr nicht müde wurden, ihre Besucher und das deutsche Volk ihrer Sym­pathie und Benmuderung zu versichern. Wir leben ja nicht im Kriegszustände, und unsere Handelsbeziehungen zu den Bereinigten Staaten sind mit einem provisorischen Abkommen vom 5. Februar 1910 einstweilen notdürftig geregelt worden. Amerika hat uns so gut wie feine Zu- ßf ludnisfe gemacht; die deutsche Kleineisenindustrie hat uumerwährend Anlaß zu Klagen, und der deutschen Ein­fuhr wurden die amerikanischen Zollermäßignngen für die lauadische Einfuhr verwehrt. So trägt der Wortlaut des deutschen Gesetzes vom 5. Februar 1910 nicht gerade den Charakter vollen Vertrauens und Entgegenlommens. Tie süßen Reden, die in der abgelaufenen Woche in Amerika gewechselt worden sind, erhalten dadurch doch einen etwas herben Beigeschmack.

In den wirtschaftlichen Verträgen mit Amerika liegt das Hauptgewicht des jetzt so viel gerühmtenengen Freund- schastsbandes". Weitere politische Garantien für den Fall weltpolitischer Verwicklungen kann uns weder der Präsident Taft noch fein Rivale Roosevelt geben. Tie New Yorker Festtage Haden uns auch keinerlei Neuheiten und lleberrascyungen beschert. Hüben und drüben haben wir zeitweilig |ola)c Ausbrüche rauschender Feste und Reden miterlebt. Vor drei Jahren, bei tc«. Hudson-Fulton-Feier, hat der Großadmiral v. st öfter annähernd die gleichen Fest- strapazen über sich ergehen lassen müssen wie jetzt der deuliche Admiral v. Rcdeur-Pafchwitz. Ta war es auch, wo unser Gesandter Gras Bernstorfs in einer vielbemerkten Rede die Welt von der bcutfdieii Genügsamkeit, ober nach dem Bismarckschen Wort, Saturierthcil, zu überzeugen suchte und die,/Offene Tür" als unseren führenden Grundsatz pries. Tann taui die große »tposevelt Tournee mit ihrem Nassenaufwand ähnlicher, tönender Reden und es ist wieder stiller geworden, und die gefährliche Krisis des Jahres 1911 kam doch! Wenn ein deutsclz-englischer Krieg ausgebrochen wäre auf welche Seite hätte Amerika sich gestellt? Wir dürfen uns infolge der vielen Freund- lchaftsreden keiner Lelbsttäuschnng bingeben. Tie Jubel- drahtuugen unseres amtlichen Nachrichtenbureaus lesen sich wie Liegesberichte, sind (iber nur einzuschätzen als erfreu­liche Zeicl^eu dafür, daß das Ansehen der deutschen kul- turellen Leistungen in dem Lande derunbeschränlten Gastfreundschaft" gut und fest gegründet stehl. Bürger­meister Gaynor soll gesagt Haden, von den Deutschen stamme alle Zivilisation in Amerika. Dieses eine Wort darf uns stolz machen; unsere tvestlicheu Nachbarn,

von bemen viele uns noch für halbe Barbaren halten, mögen dabei einmal aufhorchen! Ter Worte Ueberzayl und lieber maß aber ist nicht nützlich Tie Leiter unserer amtlichen Politik scheinen zu jenen Diplomaten zu gehören, bereit Schwerfälligkeit Ialob Grimm als Beispiel deutscher Pe­danterie anführte: über Kleinigkeiten, um die sie^ausend '-Worte mad)en, vergessen sie die Hauptsache, das Richtung gebende. Genau wie unsere pedantischen Philologen es gemacht haben - auf die gelehrte und gelernte Regel bildeten sie sich alles ein, daraus brüteten sie sich fest und verschul- beten manche Mängel, au denen unsere Sprache heute leidet Und Jakob Grimm hatte schon, bei seinem Seitenblick auf die Pedanterie der deutschen Tiplomaten, erklärt, daß unsere 9iad)barn daraus ihre Erfolge zu ziehen verstanden hätten. Tie Politik verlangt Beweglichkeit, und unsere Offiziösen verrichten ein schlechtes Bildungswerk, wenn sie das- Volk so beparrlid) in den Halbschlaf sentimentaler Freundschafts­duselei wiegen.

Tie Reden, die auf dem dritten Jahrestag der Grün­dung des Hansa bundes gewechselt worden sind, haben schon ein etwas inhaltreicheres und interessanteres Ge­präge. Und der Präsident Geheimrat Jakob Riefter hat ent­schieden diplomatisches Geschick. Trotzdem, für die Praxis werden die neuen Richtlinien nur wenig ins Gewicht fallen. Tie Presse aller Schattierungen hat mit Recht einen kleinen Zug nach rechts in dem neuen Programm entdeckt. Der Aus­fall der Reichstagswahlen und die radikale Politik der Ge­nossen hat zunächst die entschiedenere Stellungnahme gegen­über der Sozialdemokratie bewirkt. Ter Hansabund will künftig die Partei bekämpfen, die gegen diekon- stitutionell-monarchische Staatsordnung" fich richtet. In die Augen fallend ist ferner, daß der Hansabund keine luicin- geschränkte Sozialpolitik befürwortet. Der Umfang der so­zialen Lasten soll möglichst durch internationale Vereinbarungen geregelt werden. Tas sieht theoretisch ganz schon aus, bedeutet aber praktisch den schlichten Stillstand, dem nur ein dürftiges Mäntelchen umgehängt werden soll. Was die Handels- und Zollpolitik anlangt, so soll für die Ablehnung einer weiteren Erhöhung der Agrarzölle ge­wirkt werden, und dieFranks. Ztg." fragt erstaunt,ob das alles sei"? Herr Riester l-at es eben vermeiden wollen, ein Parteiprogramm abzuschreiben. Wenn er aus dem '21b- ftralteu ins Konkrete überzutreten sich vermaß, so blieb er doch nur bei allgemeinen Wendungen, Denen die praktische Stoßkraft fehlt Ter Hansabund konnte nur Arbeit im großen, nicht im einzelnen leisten- dazu sind die Elemente, aus denen er sich zusammenseyt, zu verschieden- artig. Er wird aber dem Leben aud) weiterhin erhalten bleiben. £b ihm sobald wieder Gelegenheit aegeben jein wird, zum Aufruf der Geister ins Horn zu bläsen und ob dannsein Name wieder wie ein Kricgsgolt durch die Welt gehen" wird, das darf einigermaßen bezweifelt werden.

15 Zahre Staatssekretär!

TieTägliche Rundsclzau" schreibt:

Es war ein famoser Griff, den der Kaiser tat, als er am 15. Juni 1897 v. Tirpi tz zum Staatssekretär des Rcichs- marineamtcs machte, in einer tritischen Zeit, in der nur noch ein Mann uns helfen konnte, der unbedingte und unverrückbare Willenskraft mit diplomatischem Geschick verband. Für den Sol­daten v. Tirpitz war cs nicht leicht, zur Verwaltung überzugchen. Schon in jungen Jahren war er der Schöpfer der grundlegenden praktischen Bestimmungen für unsere Flotte geworden, mit denen sie später von v. Koester exerziert wurde, hatte dann als Kor- vcltcnkapitän dem Torpedowesen seine iwch heute gültigen Formen gegeben, die inzwischen von Frankreich übernommen und von England nachgeahmt worden sind. In dieser Arbeit ging er völlig aus. Sein ganzes Herz gehörte dem Frontdienst. Heute

nach 15 Jahren können wir ihm dankbar fein, das; er D(m Ruse des Kaisers folgte, der damals für, ihn selber mehr Tragik als Ehre bedeutete: denn es hieß sich losreißen von der See und fortan nickt mehr für sich, sondern für andere das Schwert ,.i schleifen. Was er in dieser Zeit geleistet, das bezeugen die sechs Flottenvorlagen und Novellen von 1898 und 1912, die Schrill für sckritt unsere Wehrmacht dem Ziele näher brachten, das beide Männer, der .Kaiser und v. Tirpitz, fick acicyt hatten Mit einer ungeheuren Zähigkeit, mit einem auch in Märtyrerzeiten bewährten Beiderstangeoleiben wurde es gefdhipen Und mitunter war der Kaiser der einzige, der ihn noch hielt, der mit ihm durchhielt Glänzend ist die Art, wie er mit dem Reichstage sich zu stellen gewußt hat. ES geht eben von ihm der Reiz der genialen Perfönlickkeit auS, die für ihre Ideen zu gewimten weiß, auch wenn man ihnen zunächst widerstrebt .Als der Roon unserer Marine wird er in Der Geschichte fortleben.

Der französische Ministerpräsident über die au§' wärtige poütif.

Der Ministerpräsident PoincarS Hal der französifck)en Kammer einen Ueberbtick über die auswärtige Lage ge­geben, der nichts auffälliges an sich bat. Bemerkenswert ist die kühle Art, in der er über die Beziehungen zu Teutfch- land fprad>:

Paris, 14 Juni In der heutigen Frühsitzung der Kammer ergriff bei der Besprechung des Budgets des Minifteriunis des Auswärtigen Ministerpräsident Poincars das Wort, dessen Rede häufig von Beifall unterbrochen wurde. Er auhüortetc verschiedenen Rednern und sagte u. a. folgendes:

,/Jm italienisch-türkischen Kriege beobach­ten wir gewissenhafte Neutralität. Unsere Beziehungen zu Italien, die einen Augenblick wegen der Zwischenfalle derCarthage" undMannba" schwierig waren, sind wie­der ausgezeichnet. Unsere Beziehungen zur Türkei sind in gleicher Weise ausgezeichnet." Poincarö sprach dann von den Verhandlungen mit Spanien und sagte, der auf beiden Seiten vorhandene gute Wille gestatte die Hoff­nung, daß eine Verständigung sehr bald zu erwarten sei. (Beifall.)Unsere Beziehungen zu Deutschland sind loyal, h ö f [ i d) und korrekt. Wir bemiihen uns, Die gleiche Bona fides in sie hiiteinzulegen. Sollte in Marokko sich die geringste odgvierigleii ergeben, so haben wir die Möglichkeit, das Schiedsgerid;t anzurufen." (Bc^'all., PoincarS fügte hinzu, das; die Beziehungen Frank reichs zu Rußland und England niemals besser ge­wesen feien als gegenwärtig. Die Allianz mit Rußland und die Freundschaft mit England fänden überall gebüh­rende Würdigung und würden überall als eine Stütze des Friedens betrachtet. (Beifall.) Poincar4 erinnerte an die englifch-französifchen Unterredungen, lieber eine Allianz zwischen Frankreich und England erklärte er, daß, wenn diese Entente cordiale auch der Urkunde ermangele, sie doch die Majorität der beiden Volker für sich habe. Tie Triple Entente trage gleichfalls dazu bei, den euro­päischen Frieden zu sichern, ohne jemand zu beunruhigen. Ter Ministerpräsident schloß:In uns selbst ruht "der Siern unserer Straft; Bündnisse mit uns werden im Ver­hältnis unserer Stärke gesucht." (Lebhafter Beifall.) T.i- rauf wurde die allgemeine Beratung geschloffen und das Budget des Ministeriums des Auswärtigen angenommen.

Paris, 14. Juni. Nach einer Note der Agcncc Havas hat der russische Botschafter Iswolski dem Ministerpräsidenten P o i n c a r e den Zeitpunkt mitgetcilt, zu dem der Kaiser von Rußland ihn in Petersburg in Audienz empfangen kann. Tie Audienz ist endgültig aus den 10. August festgesetzt worden.

Lebcrecht Hühnchen in der Natur.

(Zu Heinrich Seidels 70. Geburtstag.)

Die tief poetische Gestalt des bescheidenen und in seiner Be« fckeidenhen so glücklich chsriedenen Lcberecht Hühnchen ist Die köstlichste Gavc Heinrich Seidels, der am 25. Juni seinen 70. Ge­burtstag feiern würde, wenn er nickt bereits am 7. Novbr. 1906 in ein besseres Sein hinübergerilfen worden wäre. Wie ein Wesen aüS einer anderen Welt schaut diese stille und in sich beglückte Tichtersigur mit den frohen, klaren Augen in unsere Gegenwart, ein lebensvoller, unvergeßlicher Nachfahr jener hei­leren Gestalten, wie sie die englischen Romandichter des 18. Jahr­hunderts, wie sie Jean Paul und Raabe geschaffen. Daß Leberecht las echte Kind seines Vaters war, daß enge Fäden gemeinsamer Anschauung zwijchen dem PlwMasiegeschöpf und dem Dichter sich zogen, bringen uns so rcd)t deutlich die Erinnerungen an veinrick Seidel" ins Bewußtsein, die sein ältester Sohn, H. Wollgang Seidel, soeben im Cottaschen Verlage herausgegeben hat.

Noch einmal umfängt uns jener idyllische sonnen- und Liebes­dust, wie er im sommerlich glühenden, l>armonisch abgeichlonenen 1-oetengärtchen Heinrich Seidels so lieblick wehte, ine Perlon- lichkeit dieses herzerauickend unmodernen Menichen tritt uns nahe, der von dem Hasten und Rennen der neuen Zeit nichts winen liochte.Der liebe Gott hat es durchaus nidü gern, ichrewt t: einmal an Trojan,wenn man durch seine ^chömung ^dahin- taft wie eine wahnsinnige Wanze; auf die behaglichen.^wlen- betcr aber, welche feine Werke sorgfältig betrachten, >letzt er htt Wohlwollen herab." Die Sehnsucht nach , Bernhmtheir lag Ljtn so fern, daß er schon 1892 meinte:^ch werde je&t alle Sage ein bißchen berühmter. Ick werde, uiic nächstens,^einen lorbt'crfrüm machen lassen und ihn ftety beim siebten nuyetzen. tber meinst du, daß ein Spickaal mich heiler klndm wurde stus solchen Worten spricht die zpezisiiche ^ben-amchauunL, die in Lcberecht Hühnchen Gestalt gewonnen hat; der ^.kcht^r iremch ballte, obwohl er fick selbst scherzhaft nach einem ^glilticn l-'Ocbild alsthe inimitable authoros Leberecht v- unter-

ft rieb, nicht mit feinem Helden vDentinjicrt werden, d<.r ia viel-

als der Typus des behaglicl^beschrankten ^leßburger^ aui- Lcßaßt wurde. In einem tieferen iinne aoer ist ton seinem Fleische, denn er Halle ihm lenen keligi-n m die Welt, jene reiche, das Kleine wie das Große umarmende

Liebesfülle, jenes genügsame und doch tief innerliche Bewußtsein seiner selbst mitgegcbcn, die ihn auszeichncten. Alle Szenen seines Meisterwerichens sind von ihm ganz durchlebt: hier hat er einen Widersckiein seines eigenen Hochzeitsfestes aufleuchten lassen, hat sich selbst als Großvater dargestellt und für Figuren wie Den Major ohne Pointe", Haoelmüller und Wendebach sind die Vor­bilder in seinem Freundeskreise leicht aufzufinden. Ein heiterer Glanz Der inneren Herzenswärme liegt über all seine persönlichen Aeußeruiigen gebreitet, von denen wir in den Erinnerungen reiche Proben erhalten; am leuchtendsten aber entfaltet er sich in seinem Verhältnis zur Natur. Seidel schaute sie an mit dem zärtlichen Blick des Liebenden und dem scharfen Auge des Forschers.

Seine erste Prosaarbeit (1864) war ein Schmetterlingsmärchen, und 1872, als der junge Ingenieur stellungslos war, schickte er an seinen Bruderteils aus Pläsier, teils aus Langerweile" Berichte überdas neue Viehzeug im Zoologischen Garten und das große Vogelhaus". Aus dem Gebiete Der Vogelkunde war er ein Fach­mann, wie sein Buckdratursänger" beweist, und noch kurz vor seinem Tode sagte er:Die Literatur wird einem doch immer gleichgültiger!" Dagegen nannte er mit Leidenschaftlich­keit als Gebiet seines fielen Interesses die Naturwissenschaften. Seiner Beobachtungsgabe gelang manche Entdeckung, so z. B. Die, daß Der Pirol neben seinen bekannten Flötenrusen noch einen leisen, abwechslungsreichen Gesang hat, einwunderliches Gemisch von schwatzenden, kreischenden und schirpenden Tönen". Wie reizend schildert er den Gesang eines neu erworbenen Nenn- töners.^Zuerst war er noch zngcdeckt, und mit einem Male höre ich, daß Da jemand Dreimal hintereinandergark, gar!, gart" sagt, und dahinter kommt ein Finkenschlag, so sauber und nied­lich, wie er nur sein kann. Tann nach längerer Pause wieder gark, gark, gar!" und dahinter pickiverpick, oickwerpick und ein ganzer Strämel Feldlerche." Vögel waren überhaupt seine Leiden- sck'aft, und stets hatte er ein paar in Käsigen um sich. Deren Fütterung er selbst besorgte. Zu diesem Iw:ck standen auf einem Bord feiner Bibliothek mächtige, mit Pergament zugebuickenc Steingullöpse, die feine geliebte Mehlwurmzucht enthielten.Meine Mehlwürmer genügen mir," schreibt er einmal dem exotisches Ge­tier liebenden Bruder,sie sind still, fteundlich und genügsam, sie schreien nicht, sie stinken nicht und stiften keine Fam'ilien- zerwürfnisse. Sie sind eines kleines Äatnial, das mächtig Zinsen trägt Auch erfreuen sie durch ihre bloße Anzahl. Sonntags

pflege ich sie zu besehen und wühle ein wenig in ihnen, wie ein Geizhals in seinen Schätzen."

Seine Prachtmehlwürmer waren sehr begehrt, aber es war eine unabsichtliche Ehrung, als er einmal einem Besucher statt einer Zigarre zwei Mehlwürmer überreichte. Doch über Den ein­zelnen Tilgen vergaß der Natursreund nicht das Ganze.Man muß einen Blick für Die Landschaft als solche haben, und Den gibt feine (Gelehrsamkeit," sagte er. Stundenlang saß er in Der weiten Gotteswelt, das Auge geradeaus gerichtet und horchend auf 'Die Stimmen der Luft unDJses Wassers. Kein anDcrcr verstand wie er die einsame Lust des Schauens zu genießen. Als der 53 jährige sich endlich im Besitz eines kleinen Gartens sah, schrieb er: Endlickj wieder ein Verhältnis zur alten Mutter Erde!" Und wie entzückende Miniaturen hat er von dem Memleben in seinem Gärtchen gezeichnet! Mit seinen Kindern zog er aut weite Spazier­gänge, suchteaus den Schöneberger Wiesen Orchideen" oder wies ihnen die heimischen und exollschen Wunder im Tiergarten, berdamals noch etwas Dschungelartiges an sich" hatte, zeigte ihnen einen Bauer, aus dein Waldkäuze wohnten, eine Stelle, wo cs Immergrün und Parasol-Pilze gab, ober Den alten, morschen Kakao-Baum". Wollte er aber ungestört fein, dann nahm ec eine geflammte Glaskugel und warf sie mit Macht voraus, woraus wir himertzer stürmten, um sie einzusangen. Dies wieder­holte sich ununterbrochen, es wurde dabei nicht geredet, und mein Vater gewann Zeit, zu arbeiten, denn auf folchen (Äugen schrieb er im Kops Geschichten und erfand Sonderlinge.

Die Tätigkeit der frankfurter ©per in Zrankfurt a. M.

Tie Intendanz Der gereinigten Stadttheater in Franksurt a. M. gibt bekannt: Tic Tätigkeit Der Frankfurter Oper während der soeben beendeten Spiel^it erläutert nachstehende.Aufstellung Es landen m Der Zell vom 15. Juli 1911 bis einschließlich 13 Juni 1912 insgesamt 349 Vorstellungen statt, davon waren 301 Abend- 44 Nachmittagsvorstellungen und 4 Konzerte.

Bei ermäßigten Preisen wurde 56mal gespielt. Wagner er idjicn mit 9 Werken 46mal, Mozart mit 3 Werken 13mai BeethovensFidelio" 7rnal, Verdi mit 4 Werken 19mal, Lortzing mu 4 llmaL Richard Strauß mit 2 Werken 14m4, Puc ini mit 3 Wer km 12mal, öumverdinck mit 2 Werken 11 mal usw. Zum ersten Male nnircc.i folgende B erke g geden:Tie romaMisch