Ausgabe 
16.8.1912 Zweites Blatt
 
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sports zu verzeichnen; Spanien mit 14 Fliegern hatte mit vier Todesfällen wohl den höchsten Prozentsatz von Todesopfern; Oesterreich-Ungarn hatte 48 Flieger und beklagte drei tödlich Verunglückte; die Vereinig­ten Staaten werden mit der niedrigen, wahrscheinlich zu niedrigen Zahl von 43 Fliegern und mit der Riesenzahl von 26 Opfern des Flugsports aufgeführt. Für die Nie­derlande setzt Garros 19 Flieger und einen tödlich Ver­unglückten an; die Schweiz hatte 21 Flieger und drei Tote; außerdem nennt Garros noch Dänemark mit sechs Fliegern, mit ebenso vielen Argentinien, Schweden mit fünf und Aegypten mit einem. Diese letztgenannten Länder haben im Flugsport noch keinen Todesfall zu be­klagen. Seitdem Garros fein Manuskript der Druckerei übergeben hat, hat sich die Totenliste des Flugsports noch um 10 Opfer vermehrt. Was die Ursachen der Flug- katastrophen angeht, so meint Garros, sie seien in den meisten Fällen nicht zu ermitteln; jedoch bestreitet er nicht die Angaben, die der französische Kommandant Renard jüngst gemacht hat. Renard behauptet, ein Viertel aller Flugkatastrophcn sei auf angeborene Ungeschicklichkeit der Flugzeugführer zurückzuführen, 15 v. H. gingen auf un­genügende Ausbildung zurück, 9 v. H. aus Virtuosentum beim Fliegen, 8 v. H. auf Unvorsichtigkeit, 13 v. H. auf Baufehler, 20 v. H. auf zu geringe Festigkeit einzelner Maschinenteile und 10 v. H. oder etwas mehr auf atmo­sphärische Bedingungen. Ein französischer Fachmann hat einmal behauptet, von den Fliegern käme jeder vierte in seinem Berufe um. Diese Zahl weist Garros als übertrieben zurück: in den Jahren 1910 und 1911 betrug die Sterblich­keit unter den Fliegern (natürlich im Berufe) zwischen 6 und 8 Proz. Auf rund 60000 durchflogene Kilometer kommt dabei ein Todesunfall.

Die Fahrt des LuftschiffesHansa" nach Rügen konnte am Donnerstag nicht erfolgen, da durch die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters eine Gaszelle beschädigt wurde, die bis Freitag ausgewechselt sein wird.

Aus Statt und (and.

Gießen, 16. August 1912.

** Bei der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen sind im Juli 1912 = 430 Anträge eingegangen und zwar: 320 Anträge auf Invaliden und Krankenrente iJ. u. K.), 21 Anträge auf Altersrente (A.), 39 Anträge auf Witwen- und Witwerrente (W.), 43 Anträge aus Waisenrente (O.) und 7 An­träge auf Witwengeld (Wg.>. Unerledigt wurden übernommen 383 Anträge, so das; 813 Rentcngesuchc in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 314 Anträge durch Bewilligung (243 I., 17 K., 11 A., 15 W., 4 Wg., 24 £).), 9 Anträge durch An­wartschaftsbescheid, 79 Anträge durch Ablehnung, weil un­begründet (58 I, 2 A., 4 Ä., 6 Wg., 8 O., 1 Oa. sWaisen- aussteuerj), 15 Anträge durch andere Weise Zurücknahme usw. (14 I. und 1 Wg.), zusammen 417 Anträge, so das; 396 als ünerledigt auf den August übernommen werden muhten. In welchem Umfange die Landesvcrsicherungsanstalt Heilvcrfahrens- kostcn für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende Juli 1912 in Anstalten 397 vcrsichnte Personen unter- gebracht waren. In der Eleonorenheilstättc befanden sich außer­dem noch 51 Personen, die teils auf eigene Kosten, teils auf Kosten des Fonds der Großherzogin oder sonstiger Stiftungen eingewiesen waren.

Sein 25jährige8 Arbeitsjubiläum begeht heute der bei der Großh. Nebenmerkstätte hier bedienstete Hobler Christian Deibel von Wieseck. AuS diesem Anlaß wurde ihm im Auftrage seiner Mitarbeiter vom Vorstand deS OrtSocreinS Gießen des Verbandes deutscher Eisenbahn- Handwerker und -Arbeiter (Sitz Berlin) ein Diplom nebst Blumen und entsprechendem Geschenk überreicht.

* Unfall. Gestern nach 7 Uhr abends stieß der Ar­beiter Gustav Hoffmann von Wieseck mit einem Wilch- wagen hier Ecke Wetzsteingasse-Walltorstraße zusammen. Der Radfahrer kam mit seinem Rade unter das Pferd des Wagens, mürbe ein Stück geschleift und erheblich verletzt. Der Ver­unglückte rourbc von der Sanitätskolonne in die hiesige Klinik verbracht.

Landkreis Gießen.

Steinbach, 15. Aug. Der Gesangverein »Eintracht" hier feiert nächstes Jahr sein bOjährigeL Stiftungsfest mit Fahnenweihe. Voraussichtlich wird ein volkstümliches Wertungssingen damit verbunden sein. An Stelle des verstorbenen Direktors der Spar- und Dar- lehnSkasse Steinbach, Karl Gerhard, wurde in der letzten Generalversammlung Altbürgermeister Krämer von hier zum Direktor der Kasse ernannt.

m. Hungen, 15 Aug. Schlossermeister Otto E b e r - ohn und Frau begingen gestern in körperlicher und cistiaer Frische das Fest ihrer silbernen Hochzeit. '.uS diesem Anlasse brachte der GesangvereinEintracht"

dem Jubelpaar ein Ständchen. Morgen begehen Dr. Suffert und Frau in guter Gesundheit ebenfalls das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Der Gesangverein Eintracht" wird wiederum Veranlassung nehmen, seinem Mitglieds die Glückwünsche im Liede darzubringen.

m. Hungen, 15. Aug. Ein Arbeiter des Elektrizitäts­werkes stürzte heute nachmittag von einem Dache herab auf einen Holzstoß. Er zog sich erhebliche Verletzungen zu und wurde ins Krankenyaus gebracht.

Kreis Schotten.

0 Stumpertenrod, 14. Aug. Eine Diebesbande hatte sich Montag nacht unser Dorf zum Beuteplatz ou5- ersehen. In verschiedenen Häusern wurde eingebrochen und größere Tiengen von Lebensrnitteln gestohlen. Bei einem Gastwirt waren am anderen Morgen viele Flaschen Sekt, Bier, alle möglichen Nahrungsmittel, mehrere Flaschen teure Liköre und Branntweine und verschiedene Flaschen Rotwein verschwunden. Einem benachbarten Landwirt fehlten acht Hühner und ein Hahn. Der Verdacht lenkte sich sofort auf Zigeuner. Am anderen Morgen begab sich sofort eine Streife auf die Suche nach den Dieben.

r. Ober-Seibertenrod, 15. Aug. Bei dem gestern nachmittag über unsere Gegend ziehenden Gewitter schlug der Blitz in der Nähe unseres Ortes in eine an der Ohm­straße stehende Fichte. Ein in der Nähe der getroffenen Ftchte gehender junger Mann von hier stürzte betäubt zu Boden. Scheinbar hat er keinen Schaden erlitten. Die Fichten an der Ohmstraße sind im Winter bei Sturm und im Sommer bei Gewittern als Einfasiung einer Verkehrö- slraße sehr gefährlich.

r. Ulrichstein, 15. Aug. Die Kornernte schreitet infolge bcS ungünstigen, regnerischen WetterS nur langsam vorwärts. Wir haben seit einiger Zeit Regenwetter unb cS ist so kalt hier wie im November.

Kreis Friedberg.

--- Bad-Nauheim, 15. Aug. Herr Max Würz­burger, Mitglied des Mainzer SchachvereinS, wird am SamStag abend im TenniS-Cafü gegen die Mitglieder des Bad-Nauheimer SchachvereinS als Amateur simultan spielen. Herr Würzburger hat schon häufig gegen Mitglieder seines Vereins gespielt und wird sich nun am SamStag mit dem Nauheimer Schachverein messen.

Landwirtschaft.

** Um höchste Erträge beim Getreidebau zu erzielen, ist es notwendig, leistungsfähige und gutkultivierte Sorten anzubauen und falls man diese nicht selbst erzeugen kann, ober einen Saatgutwechsel vornehmen will, aus bewährter Quelle zu be­ziehen. Der Landwirt wird daher gerne Gelegenheit nehmen, sich bestes Saatgut aus solchen Quellen zu beschaffen, die zur Gewinnung und Herstellung von Saatgut unserer ertragsreichsten Getreidesorten berufen und auch eingerichtet sind. Tie mehrjährige Tätigkeit der Saatbaustellen der Landwirtschastskaminer für Hessen hat diese durch die vielfachen Erfahrungen, unter den verschiedensten Boden- und Wittorungsverhältnissen in den Stand gesetzt, den Anbau der Sorten %\x betreiben, die heute für die ge­gebenen Verhältnisse die ertragreichsten sind. Es trifft dies sowohl zu für den Roggen wie für den W,i n t er we i,z e n und die Wintergerste.

Rcichsgcrichtsbricf.

(Nachdruck verboten.) js. Leipzig, August 1912.

Haftet der Beamte dem Empfänger wegen Ver­

zögerung in der Telegrammbeförderung?

Tas Reichsgericht hatte sich unlängst mit einer Frage zu befassen, die für weite Kreise Interesse bat. Es handelte sich um die Feststellung, ob ein Postbeamter auch in den Fällen für sein Verschulden hastet, wo die Reichspost an sich die Haftung ablehnt. Tie Reick>spost haftet für Verzögerungen in der Be­förderung nicht. Tas Reichsgericht hat aber mit der Be­stätigung eines Urteils des Oberlandesgerichts Celle erklärt, daß der Postbeamte haftpflichtig ist, der die Verzögerung verschuldet hat. Die Prozeßeinzelheiten sind folgende:

Ter Kläger war wegen einer drohenden Zwangsversteigerung in Schwierigkeiten. Er schrieb an seine Schwester und diese sandte ihm auf telegraphischem Wege 800 Mark. Tie Sendung ging über Hannover und erfuhr durch das Verschulden des Beklagten, der dort als Telegravhenassistent tätig war, eine Verzögerung. Wegen dieser Verzögerung konnte die Zwangsversteigerung nicht mehr verhindert werden; dem Kläger ist dadurch ein beträchtlicher Nachteil entstanden, für den er jetzt vom Beklagten Ersatz verlangt.

Landgericht Hannover und Oberlandesgericht Celle haben den Anspruch des Klägers dem'Grunde nach als berechtigt anerkannt. Zur Begründung führte das Oberlandesgericht aus, daß der Beklagte dem Kläger nach § 839 des Bürgerlichen Gesetzbuchs haftpflichtig ist. Tie verletzte Amtspflicht habe dem Beklagten gegenüber dem Kläger

obgelegen. Weiter heißt es: Ter öffentliche Teil der Telegram» bcsörderung hat dem Interesse der am Verkehr beteil toten P. sonen gebient. Diesen gehörte sowohl der Kläger als (Vo ränget, wie auch der Absender des Telegramms an. Senn V Beklagte hat ausführen lassen, daß eigentlich [eine gesetzt Grundlage für den Schadensersatzan'pruch vorhanden sei Di die Post vertraglich nicht harte, so ist diese Ausführung al«>'- fehlt zu bezeichnen. Tie Frage, weiche Sck«densersatzankorü» durch Vertrag begründet sind und die Frage, meldx Sieder; ersatzansprüche nach § 839 B. G. B. aus unerlaubter Handln-. eines Beamten gerechtfertigt sind, haben grundsätzlich nichts n» einander zu tun.

Tie Revision des Beklagten machte geltend, daß seine fcaftut, nicht größer sein könne als die des Staates. Tas Reichsgerj , hat das Urteil des Oberlandesgerichts Celle t>^ [tätigt und die Revision des Beklagten zurückg^ wiesen.

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vermischtes.

* Herzogin Elisabeth von Genua t. Wie p» in einem Telegramm gemeldet wird, ist H e r zo g in El isabe'> von Genua, geb. Prinzessin von Sachsen, am Mntivoch abm in Stresa am Lago inaggiore im 83. Lebensiahre gestorb-, Am Sterbelager weilten ihre Kinder, Königinwitwe Margluri. von Italien und Herzog Thomas von Genua. 'Jün 4 fabn.: dieses Jahres hatte Herzogin Elisabeth von Genua, deren sch^n Erkrankung wir vor kurzem meldeten, ihr 82. Lebensjahr tcC endet. Die Verstorbene war eine Schwester der verstör denen Könige Albert und Georg von Sachse, und ihr Heimgang versetzt also auch den Dresdener Hos in nr Trauer. Sie war eines der neun Kinder des Königs Johar von Sachsen und seiner Gemahlin Amalie von Bauern, & 22. April 1850 vermählte sie sich mit dem Prinzen ^x-rbinat von Savoyen, Herzog von Genua, einem jüngeren Bruder bt, nachmaligen Königs Viktor Emanuel II. von Italien Zch, am 10. Februar 1855 blieb sic als Witwe mit zwei Kinder einer Tochter Margherita unb einem Sohne Thomas, jmu- Im Oktober 1856 schloß sie eine zweite Ehe mit dem Mai chese Nieeolo Rapollo, mit dem sic 26 Jahre glückt vermählt war. Ihre Tochter Margherita heiratet, im von 16 Jahren ihren Vetter, den späteren König Hum 6 er t, und wurde die Mutter des jetzigen KönigSPil tor Emanuel III. Herzogin Elisabeth war bereits im 5a|r 1910 in Streia, wo sie letzt der -tob ereilte, schwer crftcifc und schon damals von den Aerzten aufgegeben worden.

Märkte.

ke. Wiesbaden. 15. Aug. Heu- und Strohmar' Angesahren waren 26 Wagen mit Heu und Stroh. Man notier» Heu 5.606.60 Mk., Stroh (Richtstroh) 3.204.00 TIL . Fruchtmarkt. Haler 23,20 Mk. Alles für 100 Kilo.

Verantwortlich für ,,Feuilleton" unbVermischtes":

I. V.: A u g u st G o e tz.

Meteorologische Beobachtungen der Station Glehn

9111g.

1912

Baromelc auf 0° reduziert

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Höchste Temperatur am 14. bis 15. Aug. = + 17 9' C, Niedrigste , 14. , 15. _ 4-10,46 C.

Niederschlag : 0,2 mm.

An schwülen Angnsttagen, wenn der Appetit nachlätzt, ist ein natürlicher Fruchtflammeri gekocht mit Mondamin zu den Mahlzeiten sicher stets willkommen. Nun denken Sie mal einen Augenblick nach einfach IMan nimmt den Saft von frischen gekochten Frücht« mit Zucker durchgesecht und dann Mondamin, nithti weiter! Dies zusammen 3 Minuten durchge­kocht und dann abkühlen lassen, gibt eine er» frischende Zwischenspeise". Ausführliche Rezepte gratis franko v.Mondamin-Kontor,Berlin62. Verlangen Siedasv-BüchleiL

An alle Hausfrauen!

Zunächst eine Kurze Mitteilung:

Sie Können in allen einschlägigen GeschäftenKornfrancK** erhalten.Kornfranck ist etwas Neues. Er geht aus unserm nahrhaften und Kräftigen BrotKorn (dem Roggen) hervor, der einem eigenartigen Mälzungsverfahren unterworfen wird.

Sodann den Hinweis,

dass man aus diesemKornfrancK durch Mischung mit Aecht FrancK-Kaf feezusatz" ein starKes, dunKles. wirKlich fein schmecken des Kaffeegetränk gewinnt.

Mit andern. Worten:

AusKornfrancKmitAecht FrancK erzielen Sie das Kaffee- getränK, das Ihrer Geschmacksrichtung wirKlich entspricht.