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Grfcheiw tä-klch mti Ausnahme des Sonntag*.
General-Anzeiger für Oberhefien
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,■ toie Frhr. b. Hertling, der bekannte Reichstagsparla- M mcntaiier, an der Spitze der bäuerischen Regierung steht. M Und zioar besonders desl>alb, weil er in bayerischen Zen- M trumsireisen gar nicht so beliebt ist, lvie man denken IT inödite. Tenn als er z. B. bei den Reichstagswahlen von M IM", in Illertissen gewählt wurde, mußte er den Wahl-
Mittwoch, U. Zebruar 1912
•Utettentbrud anb 6n1ag der 8tübl1d)te UnuHrfuÄtl - Buch- und Stemörudecti.
9L Lange, ttdltn.
brr Zentrumsmann, sich natürlich fast gänzlich aus Zen trumskreisen aus. So gelten direkt als ultramontan: der Minister des Innern, Frhr v. 2 o d e n - F r a u e n h o f e n, der intime Freund des Thronfolgers Prinzen Ludwig, bei ja überhaupt bei dem ganzen NabiitettSwechsel eine Rolle gespielt haben soll. Ferner der Perkehrsminister v. Seid lein, der Kultusminister v. Knilling und der Finanz- Minister v. Breunig Rur ein einziges weißes Lamm befindet sich unter dieser schwarzen Herde, rin sogenannter -on-essionsschulze. Tas ist der neue Justizminister von Thelemann, der sogar Protestant ist, aber freilich.ganz lid) ungefälsrlich, weil er einmal orthodor und demgentäß mtiirlich auch streng tonseroatib ist. Alle Minister, mit Ausnahme des Ministerpräsidenten Frhrn. b. Hertling, der ai4 der Unibersitätstarriere hervorging, und des Frhrn. X 6oben, der ein ganz hervorragender Landwirt ist, ent- iwinmen dem höheren Beamtentum, und zwar gerade den Isforts, an deren Spitze sie jetzt treten. Man könnte in diesem Sinne das Mabinctt S? er Hing, das cd deshalb an fachgemäßer Arbeit nicht wird fehlen lassen, begrüßen, wenn <3 nicht gleichzeitig fast ausschließlich klerikal lväre. Seit den traurigen Zeiten Abels, also oor etwa 70 Jahren, hat es ein solches Ministerium in Bayern nicht gegeben.
(Sin bemerkenswertes Moment ist es, daß ein Mann,
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Rebaftton. •fpebthon und Trudrctii 6Au(- ftraRc 7. Srpeöinon und Ptrlag. 3L Hebafttanze^llS. Let.»Abr> AntngerGugen.
könnten. TaS klang nicht ermutigend. „Ich habe leine .700 Toller in bar," sagte Sam, „aber ich habe ein Stück Land in Tennessee, den Acre 25 Cents mert; ich will Ihnen 2000 Acre davon geben." Bixby schüttelte den Stopf: „Rein, so was will ich nicht, ich hob schon selbst so viel davon." Ter junge Mann dachte nach, wie er zu dem Okibc kommen könnte. Er wußte, 100 Dollar würde ihm sein Schwager Mofsett in St. Louis borgen. „Gut, ich will Ihnen 100 Dollar in bar geben und den Rest, wenn ich selbst verdiene." Etwas in dem Wesen des jungen Mannes hatte fooracc Birbys Herz gewonnen. Sein langsames angenehmes Sprechen, die ruhige und besonnene Art, mit der er das Steuer packte, die ofienbare Ehrlichkeit seines Wollens — all dies war es, aber außerdem noch etwas von jener besonderen Geistes- und Gemütsart, die später die ganze Welt Mart Twain lieben lehrte. Das Abkommen ward geschlossen und Samuel Clemens „lernte den Strom".
Das kleine Notizbuch, in das er seine Auszeichnungen als Lotse eingetragen, ist noch vorhanden und es läßt in seinen verblichenen Schriftzügen ahnen, wie sich der junge Lotse in die Tüdenjinb Wunder des Riesenstromes vertiefte, wie er ihn mit ganzer Seele lieben lernte, so park, daß er ihn später in unvergeßlichen Bildern darstellen konnte. Aus dem jungen Anfänger wurde allmählich ein geschickter und beliebter Lotse, der sich mit einer gewissen Eleganz kleidete und unter seinen Gefährten als ein lernbegieriger Leser und sich unermüdlich bildender Mann bekannt war. In )einem Notizbuch stößt man aut allerlei Sprachstudien, die er damals trieb, und man kann aud: verfolgen, wie sich in seinen Aufzeichnungen der Schriftsteller ausbildet, der genaue und anschauliche Beobach hingen in einem prachtvollen Stil aufschrieb. Der Ausbruch des Bürgerkrieges machte dieser prächtigen, von Sonnenglanz uno Abenteuern erfüllten Zeit ein Ende und trieb Mark Twain in neue Irrungen und Wirrungen, in denen der Journalist und Schritt- ftdler sich die ersten Sporen verdienen sollte.
kf. Was bedeutet die Medusa? Die weltbekannte Schreckensgenalt der Medusa ist bisher in der Regel dahin gedeutet worden, daß die Griechen in der Meduse, einen bösen Dämon, die Verkörperung von Sturmdämoiien, Donner und Blitz sahen. Run gibt aber der amerikanische Archäologe A. L. Fro- t b i n g h a m eine völlig andere und in mancher Hinsicht bestechende Deutung der Medusengestalt. Frothingham ist, wie wir einem Berichte der Munstchrouik entnehmen, der Ansicht, daß die ursprüngliche Idee der Medusa für die Griechen eine Verkör- perung von Fruchtbarkeit und befruchtender Mraft war, daß die Medusa ursprünglich mit der großen Muttergottheit verknüpft war und foäter mit der Sonne und Aoollo in Bezug zu setzen sei Als außer der erzeugenden und befruchtenden Kraft der Sonne auch der verderbliche Sonnenbrand mit der Medusa in Beziehung gesetzt wurde, vereinigte sie nun sowohl die schaffende wie die zerstörende Kraft der Sonne. Medusa wurde die Trägerin der Sonne, gleichsam die „solare Marparibc", und dies erklärt aud) die Kmesteklung und die erhobenen Arme in ihren frühen Darstellungen. Auf den neuen Funden von Korfu
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zeigt sich die Meduse mit zwei gewaltigen Löwen dargestellt, die sie als die große Muttergottheit erkennen lassen. Weirn die archaischen Typen der Medusa schreckenerregende Symptome zeige», so sieht der amerikanische Gelehrte darin nur die Unfähigkeit der alten Kunst, die Ideen einer Glementorfraft und -Macht, die der Meduse zugeschrieben wird, besser auszudrücken: fo muß ja in der archaischen Kunst auch das Lächeln vielfach als Charakteristik bienen, wo der Künstler keineswegs Heiterkeit darstellen will. Besonders in den berühmten Schlangen der Meduse will Frothingham Frucktbarkeitssynrbole erkennen, und die um den Kops starrenden Schlangen standen wohl dock) ziemlich sicher anstelle von Sonnenstrahlen Frothingham glaubt eine fortlaufende Ueberlieferung von Kreta über Kleinasien nach Griechenland über fast anderthalb Jahrtausende nachweisen zu löniten.
kf. Eine Rundfrage über bie fein ft e Rasse hat die englische Zeitschrift „Straub Magazine" veranstaltet: gar seltsame Ergebnisse sind das Ergebnis gewesen. Unter anderen, meist Ausländem, bat auch ein Deutscher, der Mnchener Professor Bergmann, sein Urteil abgegeben; er hält die Eingeborenen von Samoa für den schönsten Volksstamm der Welt. Sehr zum Leidwesen der Engläud.'r stellt er sie noch hinter Schweizer und Skandinavier sowohl, als Italiener und Türken. Bon einer ganzen Anzahl icbodi werden die Engländer als ein Typus angesehen, der dem IxÜcniiden am nächsten kommt. Der aud) in Deutschland ziemlich bekannte Sandow hält den Engländer allen anderen Völkern überlegen: nach ihm kommt der gelenke Japaner. Shack- leton, der bekannte Polarforscher, sagt, daß er auf allen seinen Reisen nirgends schönere Frauen gesehen habe, als bieJSngfänber- innen und Amerikanerinnen. Ein anderer Forscher, Sven Hedin, spricht die Siegespalme den Schweden und Norwegern zu. Mer am meisten werden dock) die Italiener bewundert. Marküs Stone lagt: „Ter Italiener ist der typische Mensch". Der bekannte Maler Sir William Goscombe John pflichtet ihm bei. Bewerbers die SütItaliener hat er in fein Her; geschloßen. Ebenso denkt Arthur Giosy, der in der Gesamtheit den Durchschnittsitaliener für das Wesen hält, das dem heUenifchen Muster dm nächsten kommt. Den Preis für männliche Schönheit spricht er im einzeln en jedoch den Sikbs und den Pajputs in Indien zu, für weibliche Schötchen den irischen Frauen: den schönsten Körper haben die Mädchen von Samoa. Der Herausgeber der Zeitschrift zieht lolgenben Schluß aus allen Beiträgen „Im allgemeinen haben die Italiener die meisten Stimmen, besonders in Bezug auf die Männer, in diesem Wettkampfe bekommen. Was die Frauett allein anbetrifft, so ist die Siegespalme den „Schönheiten" der britischen Inseln zugesprochen worden, allerdings nicht ohne Widerspruch, Skandinavier, Türken und Franzosen sind mehr als einmal lobend erwähnt. Aber die Deutschen hat Seiner gelobt, und wenn sie genannt wurden, geschah es nur zum Vergleiche, und nicht in rühmlicher Weise. Als die in der schnellsten Entwicklung be’inte liche Rasse werden die Amerikaner angesehen.
obaditungsgedietes an der L st grenze auf Staatskosten. Der zweite BcrichterNatter, Geheimer Regierungs- und Medizinalrat Professor Dr. Dam mann (Hannover ) halt den Antrag Clbenbnrg für mcht durchführbar. In der Ausivrache bezeichnet Geheimrat S I a m in e r vom Reichsamt be4 Innern die Errichtung eines Beobachtungsgebietes an der Cltgrenje auf Staatskosten wegen der hohen Kosten für unmöglich. Der Direktor im Reich-gesund- heit-amt Dr Lstertag betont 8ie Notwendigkeit der Kontrolle des Viehhandels, da gerade burdi diesen die Seuchen verschleppt werden Er empfiehlt die Desinfektion der Ttallungcn zur Ber Hinderung der Ausbreitung der Tuberkulose Geheimer Ccfonomu rat Andrae (Braunsdorf wies am Schluß feiner kurzen Aus führungen auf die Schwierigkeit der Kontrolle der Viehhändler hin. Landesökonomierat Kappel Fronberg hob die Gefahr hervor, welche in ber Verbreitung von Viehseuchen aus den Fett viehhösen sich ergeben; $u Man unb ZüchtuiigSzwecken büritc Vieh aus den Fettviehhöfen überhaupt nicht ausgeführt werden. Tomäncurat Brödcman >t zog feinen Antrag darauf zurück worauf der Ausschußantrag einstimmig angenommen wurde.
lieber „Bedeutung unb Durchführung der gemeinnützigen Rechtsauskunft
auf dem Lande" sprachen Rat Dr. Link, der Geschäftsführer des Verbandes der detitschen gemeinnützigen unparteiiidjeu Rechtsaus kuitftsstellen in Lübeck unb Geheimer Iustizrat Schneider (Stettin). Die beiden Herren betonten den Wert ber gemein nüyigen Rechtsauskunft für das Land und erläuterten eingehend die verschiedenen Zwecke. Sie stellten sodann den Antrag, diese Einrichtung auf dem Lande weiter auszubreiten unb zu vervoß fommnen unb gegebenenfalls mit bem Verband bei deutschen gemeinnützigen unb unparteiischen Rechtsauskunftsstellen zu vei binden: besonders empfehlenswert fei die Beschaffung einer ge mcinfanfrn Vertretung für die Derbandlimgen vor dem Reichs verficherungsarnt und dein demnächstigen OberfchiedsgeridN der Aiigestelltenverf'icherung. Dieser Antrag wurde angenommen und hierauf die weiteren Beratungen aus morgen vertagt.
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40. Plenarversammlung der veutft-cii £anöa):rtjd}aftsratcs.
~ Berlin, 12. Febr.
Der Deutsche Landwirtschaftsrat begann heute im Sitzungs faal des Herrenhauses mit den Verhandlungen der 40 Pleuar Versammlung. Ter Vorsitzende Gras Schwerin-Löwitz eröffnete die Sitzung mit einem Hoch auf den Kaiser. Außer zahl - reidfen Vertretern der verbündeten Regierungen war als Vertreter des Reichskanzlers Staatssekretär Delbrück anweseiid. An Stelle des aus bem Vorstanb des Landwirtschaftsrates ausscheiden den Tr. Frhr. v. Soben-Frauenhofer, der bas bayerische Ministerium des Innern übernommen hat, wurde Frhr. v. (Sotto zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten hielt Dr. Holl in a n n, landwirtschaft kicher Sachverständiger beim Generalkonfulat in St. Petersburg, einen Vortrag über die
landwirtschaftliche Entwicklung Sibiriens:
Tic klimatischen Verhältnisse Sibiriens feien für die Land wirtschaft nicht günstig. Ter Anbau von SSintergctrciDc fei insbesondere im Steppengebiet ausgeschlossen. Wan rechne in Sibirien in einem Jahrzehnt mit zwei bis drei Mißernten. Für den Getreidetransport aus Sibirtcn ließe sich ganz leicht ein nördlicher Seeweg schaffen. Tic Getreideausfuhr Sibiriens stieg von etwa 2 Millionen Doppelzentnern 1900 auf ca. 61Z_. Millionen Doppelzentner 1909.
Hierauf wurden die Ausführungsbestimmungen zum
Viehs euch enge setz, insbesondere die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche, behandelt. Der Ausschuß stellte dazu einen Antrag, daß bei Neu- ausbrechen der Seuche die Tötung des Bestandes gemäß S 159 zu erfolgen habe, daß aber aus ziviugenden wirtschaftlichen Gründen Miloerungen zugelassen werden können. Die Sperrbezirke sollen zweckentiprechend groß gemacht werden. Die Landwirtschafts- tammev des Herzogtums Oldenburg stellte den Antrag, bei den zuständigen Behörden zu beantragen, daß die sämtlichen Klauenviehbeftänbe auf das Vorhanden'ein von Maul- und Miauen- icud)c untersucht werden. Der erste Berichterstatter Domänenrat Brödermaiin (Knegendorf) fordert die Errichtung eines Be-
Hus Mark Twain; Lotse jähren.
Der Mann, der den jungen Mark Twain dereinst in die Ge- »imnisse der Schiffahrt auf dem Mifsifippi cingcweiht hat, Horace fijbn, lebt nod' unb nach feinen Erinnerungen schildert Albert digclow Paine die Lotsenjahre des großen ^chriftflellers in feiner lnfangceicken Biographie, aus der er einige Kapitel in Harpers Mlyazine veröffentlicht.
In seinem prachtvollen Erinnerungsbuch „Leben ^auf dem ttifmippi" hat Mart Twain seiner Phantasie freien Spielraum iddifcn unb fo manches anbers gcfdiilbert, als es fick) in Wirklich' ht zugetragen. Er spricht von sich als von einem etwa 17sädrigen Kuriä;en: in Wahrheit war er bereits 21 Jahre alt, alv^cr int Ipril 1857 seine Lotscnlaufhalin auf dem Dampfer „Paul ^ones" Irgann unb jene vier wundersamen Jahre verlebte, die ihn nicht tir mit unvergeßlichen Eindrücken erfüllten, sondern aud) bett Lichter in ihm erstehen ließen. Horace Birby, damals ein Mann hu 32 Jahren, lehnte eines Morgens behaglich an Bord^ feines dchiffes neben dem Steuer, als eine gedehnte, angenehme stimme t ihm heraufrief „Guten Morgen". „Guten Morgen, üir" unoortete ber Lotse gleichgültig, ohne sich untaubreben, beim er iattc cs nicht gern, loenn ihn jcmanb bei seinem steuer bejuditc.
tr Ruser aber kam sogleich heraus und blieb ein wenig hinter ■’m stehen. „Möchten Sie nicht einen jungen Mann annchmcn, a bet Ihnen „ben Strom" lernen will ?" Der Lotse guckt.- über ine Schulter unb sah einen ziem lick) schmächtigen, gelenkigen ingtn Mann mit einem hübschen mädchenhaften Gesicht und einem wgcn Busch von tastanienbraunen Haaren. „3d> modit nicht, onenjungen machen mehr Arbeit als sie wen sind: viel mehr Irbeit als dabei raus tommt." Der Bittende war nidst eutmuiigt. •dd) bin von Berus Drucker," sagte er in seiner freien offenen ccifc. „Das gefällt mir aber nicht. Ich denke, ich mochte nack) Südamerika gehen." Bixby hielt das Auge iinverwandt auf den lluß gerichtet, aber es lag eine gewisse Anteilnahme in feiner klimme, als er weiter fragte: „Warum ziehen eie denn x>brc Lortc beim Sprechen so lang?" Der junge Mann hatte fich pterbeffen gemütlid* auf die Bank beim Steuer gesetzt. „Da mimen kie meine Bdutter fragen," sagte er noch gebehnter als vorher. ,Dic zieht sie auch so." Lotse Birby sah auf unb lachte: er hatte nun guten Sinn für Humor unb die Art ber Antwon amüiurte ihit „Komnit her," sagte er, „unb tretet neben mich, wie ut tit.i Name'?" Der Bittende antwortete und bann blickten die inden eine Weile hinunter in den sonnenbeglänzten Fluß. ,,Könnt vhi steuern?" fragte Bixby. „Ich habe schon überall aus dem entom gesteuert, außer auf einem Dampsboot, deut ich." 'Run !kurvte der Anfänger ein paar Handgriffe am Steuer zeigen, unb w» Lotsen schien es, als stelle er sich nicht nngescknckt an. „Ta 8^1'3 mir eine Art," meinte, er, „auf die ich einen jungen Mann emrehmen würde, um den Strom zu lernen: nämlid) rur Geld . ,SaS fordern Sic?" „500 Dollar, und für irgendwelche Äalten । j e&rcr Art komm ich nicht auf." Er meinte damit Kosten, die
M Neuling un Hasen ober bei unvorhergesehenen Fällen erwachf en
Das Kabinett hertling in vayern.
Das Mabinctt Podewils war zuin Abschied reif, als am 5. Februar die bayerischen Landtaaswahicil die Zentrums- Herrschaft, gegen bie es mit ber Landtaasauflöfung an^i- tämpfen versucht hatte, nicht beseitigen, fonbern nur er touttern konnten. An seine Stelle tritt nun, nachdem der ^rinzregent schon am 9. Februar ben Reichstagsabgeord- icten Irhrn o. Hertling (Zentrum' zum Ministerpräfi- denten ernannt, ein Mabinctt, dessen Bildung zunächst ■nnige Schwierigkeiten verursachte, weil es nicht gelang, iRänncr, wie z B. die bisherigen Minister v. Wehner, o. Miltner, Brettreich, zum Eintritt in das neue Mabinctt zu bewegen Welchen Grund diese Herren zu ihrer Absage hatten, ist äußerst fraglich: fast schont es, als feien sie der Ueberzeugung, bie Lebensdauer des neuen Ministeriums
Zweites Blati 162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Aur Hessen.
Die Finanzausschüfie der b-iden Kammern fanden sich Dienstag nachmittag zu tfner gemeinsamen Sitzung zusammen, an der sich ebenfalls Vertreter der Regierung und bie Minister beteiligten. Der Finanz niiniftcr madjtc bekannt, daß nach ben neuesten Nachrichten die Ergebnisse der preußisch-hessischen Eisen b a h n g em ein s ch as t sich noch um den Betrag von 700*000 Mk. verbessert hätten Nach Abzug ber^Schuldcn zinsen bleibe also eine Reineinnahme für ben Staat von 4133600“Mk. Diese erfreuliche Mitteilnitg würbe nahir lieh von beiden Finanzausschüssen lebhaft bcarüjjt. Man wies aber auch darauf hin, daß ja noch die beiden großen Aufgaben, B e a m t e n b e s o l d u u g und S ch u l d c n t i l g u n g, zu lösen seien. Im übrigen wurde ber gesamte Voranschlag au Hanb bes Berichtes des Finanzausichusses der Zweiten M'ammer durchgesprocheu unb sand im all gemeinen Zustimmung. Nur über einzelne Punkte fand eine kleine Aussprache statt, ohne aber besondere Meinungs Verschiedenheiten hervortreten zu lassen. Bei den erfreulichen Einnahmen der Eisenbahngemeiuschaft ließ ber Vorsitzende des Finanzausschusses ber Ersten Kammer es frag lid) erscheinen, ob Verhandlungen über eine Revision des Vertrages mit Preußen angezeigt wären. Zu dem sei ihm aus parlamentarischen und Regierungskreisen Preußens mitgeteilt worden, daß dort an eine Revision nicht berangetreten werben würde. Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer stellte sich durch seinen Vorsitzenden auf den Standpunkt, baß ein einstimmiger Beschluß ber Zweiten Kammer des vorigen Landtages vorliege, wonack) die Frage, ob unb welche Verhandlungen mit Preußen ge führt werben, demnächst im Plenum der 'Zweiten kämmet zur Entscheidung Täme, uno baß man bcshalb feine Veranlassung habe, diese -Frage heute näher zu erörtern.
sich demnächst über ben Lottcrievertrag mit Preußen wohl recht angenehm unterhalten wirb Das Gute habet ist, baß Frhr. v. Hertling, sowohl beim Prinzregenten Luitpold, als aud) bei seinem Sohn, dem Prinzen Ludwig, et neu großen Stein im Brett hat, also an ihnen eine Stütze gegen seine Gegner im Zentrum findet, und daß er, der schon als Reichstagsabgeordneter mehrfach bewies, daß er das Wohl des gan.zen Deutsdilands im Auge habe, sich für bayerische Cigenbrödeleien nicht wird einsangen lassen.
So sind zwischen dem neuen Ministerpräsidenten und bem Zentrum schon jetzt Tifferenzen vorauszusehen, unb ebenso wird es and) nur zu bald zu solchen mit den einzelnen Ressortministern kommen — ganz abgesehen davon, daß die fetzt verstärkte Lpposition ein Interesse daran hat, das Mabinctt Hertling nicht zu alt werden zu lassen. Tenn überlegen wir doch einmal: die Ressortminister sind ihrer Gesinnung nad) wohl Zentrumsleute, aber sie sind gleichzeitig durch die lange Schule des Beamtentums gegangen unb wissen daher, daß diese unb jene Forderung des Zentrums aus praktischen und technischen Gründen einfad) unerfüllbar ist. Tas aber bayerischen Zentnunsabgeord-- iictcii klar zu machen, ist eine schwierige Sache. Tie schlagen nur auf ben Tisch und sagen: „Dös muaß!", unb bann kommt es zur Schäbelprobe, wobei sich gewöhnlich, natürlich bilblick; gemeint, der Schädel des Zentrumsabgeordneten als her härtere erweist.
Für den feingebilbeten und feinfühligen Gelehrten unb Diplomaten Frhrn. v. Hertling ist bas Laub zwisdicn Main unb Alpen bei der urwüchsigen Grobheit eines großen Teils seiner Bewohner jedenfalls nidjt der Boden, auf dem er Lorbeeren als Ministerpräsident wird ernten können.
würde unter ben gegenwärtigen Verhältnissen, falls es sich mcht völlig und in allen Dingen unter das siegestrunken-.' Jentrum beugt, nur kurz bemessen fein.
Frhr. v. Hertling war daher nur in ber Lage, ben bisherigen MTiegsnünifter
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a kreis, da er als „Sanprcuß" eines bayerischen Mandats 1 nicht wert war, ivieder abgeben. Die Komik dabei war, daß strhr. v Hertling gar nickt Preuße, sonöern Hessen Darm Vftrbevercil ’:ibter Aud) bis in bie jüngste Zeit hinein hatte er, __ali Reidisrat der Krone Bayerns, mit dem demokratisch- deniagogischen Flügel des bayerischen Zentrums heftige .Kämpfe auszusechten unb mußte fid) von der dein bekannten Dr. Heim nahestehenden Presse echt bajuvarische Grobheiten gefallen lassen. Aber wenn aud) Dr. Heim sich mcht mehr für ben Landtag hat wählen lassen, — sein Geist beherrscht noch heute den linken Flügel des bayerischen (Zentrums, so daß man sich nur zu bald auf ein „Aufkochen der Volksseele" gegen den neuen Premier wird gefaßt madieit müssen, zumal an Frhrn. v. Hertling der »Preuße" hasten geblieben ist, und der bayerische Landtag


