llrvllbienst eingerichtet und von heute an dürfen die Besatzungen der fremden Kriegsschiffe in Galata und Pera Patroinllendienste versehen.
8! lechtk Lage der Montenegriner.
Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Cat- taro: Einwandsfreie Berichte stellen fest, daß die mili- tärischeLage vor Sku tari für die Montenegriner entschieden ungünstig ist. Die Kolonnen auf dem linken Bojan aufer wurden nach dreitägigem Kampfe von Essad-Pascha bis nach Belas zurückgeworfen. Vor dem Eintreffen der Garden unter Jan ko witsch ist keine Besserung der Lage der Montenegriner zu erwarten, welche durch Neberschwemmungcn der Bojana und große Schneefälle Verpflegungsschwierigkeiten haben. Die Meldungen über die Besetzung von San Giovani di Medua und Messio durch die Montene^ griner haben sich als falsch erwiesen.
Das Reuter-Bureau meldet dagegen aus Bjeka vom 11. November: Das Bombardement Skutaris wurde gestern abend wieder ausgenommen, die Türken zogen sich auf die höchsten Stellungen zurück. Wegen des Mangels an Lebensmitteln und des herrschenden Schneetreibens versuchten sie am Abend, ihre Stellungen zu verlassen Mid sich in die Stadt zurückzuziehen, wurden aber durch die Montenegriner zurückgeworfen. Ter König ist gestern nach A n t i v a r i abgereist.
Aus Rjeka wiro ferner gemeldet: General Wnko- titsch unterwarf vollständig die Arnauten in der Nachbarschaft von T j a k o w a, die alle Waffen ablieferten. General Wukotitsch ist auf dem Bormarsch um die B e l a g e r u n g s - armee von Skutari zu verstärken. Eine serbisch Heeresabteilung unter General Zivkowitsch soll ebenfalls auf dem Marsche sein um die Montenegriner vor Skutari zu unterstützen.
Das Vorrücken der Griechen.
Athen, 12. Nov. General Sapundjakis telegraphierte aus Arta: Die griechische Armee hat gestern die Festungswerke Penoepigadia besetzt. Der Feind wurde verfolgt, zog sich hinter Pendepigadia zurück und stellte dort Batterien auf, die den ganzen Tag ohne Erfolg feuerten.
Athen, 12. Nov. Gestern ist die erste Depesche aus Saloniki hier eingetroffen In dieser verlangt der Chef der Telegraphie in der Armee des Kronprinzen die Entsendung von 25 Telegraphenbeamten und verschiedenen Materials, da die Telegrapl^nleitungen an versckfic- 'denen Stellen der Stadt durch Feuersbrünste zerstört sind. — Die Prinzessin Sophie und die ausländischen Militärattaches begeben sich hmte auf Einladung des .Kronprinzen an Bord des Dampfers „Eykali" nach Saloniki.
Infolge schwerer Regengüsse sind die Verbindungen mit den Provinzen unterbrochen Mehrere Eisenbahnlinien sind beschädigt, auch sonst ist der in Athen und den Provinzen cm gerichtete schaden beträchtlich.
Ein Rat Müens on Serbien.
Die „Neue Freie Presse^ meldet aus Belgrad: Der Italienische Geschäftsträger suchte am Montag den Ministerpräsidenten Pasitsch auf, nachdem der öfter reickstsch-mngarische Gesandte ihn verlassen hatte. Er erklärte im Namen der Regierung:
Tie italienische Reaierung l?at immer die nationale Ent- wicklung Serbiens mit dem größten Wohlwollen begleitet. Die italienische Negierung verstand auch, daß Serbien das Verlangen hat, seinen Stammesgerwssen in Mazedonien zu helfen. Aber gerade der Grund, der die Serben veranlaßt hat, in den Krieg zu gehen, müßte Serbien die BerpfliclMng aufcrlcgcn, Albanien gegenüber eine andere Haltung an zu nehmen, als dies gegenwärtig geschieht. Auf Grund des nationalen Prinzips Trat Serbien den Krieg begonnen und darf dieses Prinzip den Albanesen gegenüber nicht verletzen. Vom nationalen Standpunkt aus wäre es zu verurteilen, wenn Serbien die albanische Nation unterdrücken wollte. Italien fühlt sich in der Angelegenheit betreffs Albaniens und dec Frage der akbanesisckien Häfen mit Oesterreich-Ungarn solidarisch Italien gibt Serbien den Rat, seine Ansprüche zu mäßigen. Italien würde dazu beitragen, daß die wirtschaftlichen Bedürfnisse Serbiens möglichst befriedigt werden. Ministerpräsident Pasitsch antwortete, er verkenne nickt die wohlwollende Gesinnung Mbaniens. Die serbische Negierung werde den Rat der italienischen Negierung in Erwägung ziehen.
Die „Tribuna" schreibt in einem Leitartikel:
Europa, das auf dem Balkan das Prinzip der Nationalität onwcnde, habe ein volles Recht daraus, dieses Prinzip auch auf Albanien, das für bic Auwnomie einen langen Kampf gegen die Türkei geführt und jetzt dem siegreichen Balkanbund den Weg geebnet habe, anz uw en den. Ein autonomes Albanien könne dem Balkanbund ein nicht zu verachtender Bruder, ein zerstückeltes, unterjochtes Albanien aber könne die Quelle dauernder Unruhen werden. Die Einigung Europas über diesen Punkt sei schon erreicht. Die Balkanstaaten begingen, wenn sic sich widersetzten, einen schweren Fehler, der die Negation der Prinzipien herbeiführen werde, die zu ihren Gunsten bei der europäischen öffentlichen Meinung wirksam seien. Was den von Serbien verlangten Adria Hafen anlangc, so sei nicht ein- zuschen, weshalb Serbien, wenn es sich nur von Handelsinteressen leiten lasse, auf Durazzv bestehe, dessen Besitznahme die Zerstückelung und Okkupation Albaniens bedeuten würde, anstatt sich mit einem montenegrinischen Freihafen oder einem Zugang zum Aegäischen Meer zu begnügen. Hinsichtlich der von Oesterreich-Ungarn betonten kommerziellen und wirtschaftlichen Interessen glaubt die „Tribuna" nicht, daß Oester- reich-Ungaril zu Ungunsten anderer Nationen von Serbien besondere Privilegien verlangen wolle. Daß Blatt meint, daß Oester reich nur die Aufrechterhaltung des Durchgangsrechts nach dem Aegäisckwn Meer durch die neuen Gebiete der Balkanverbündeteil anstrebe. Die „Tribuna" spricht schließlich die Hossnung auS, daß alle Schwierigkeiten durch die politische Klugheit der Groß Mächte und durch die Mäßigung der kleineren sich beseitigen lassen würden.
Mobilisierung Oesterreichs.
Tie „Boss. Ztg." meldet aus Po la: Heute ist die Mobilisierungsordre für die Kriegsmarine ausgcgeben worden.
Aus S e m l i n wird gemeldet: Die Donauflotille wird heute mobilisiert.
N e i ch e n b e r g, 13. Nov. Tie offizielle Kundmachung einer Teilmobilisiermig der Reserve des Jahres 1902 wird für Donnerstag erwartet. Zalflreiche Reservisten haben bereits ihre Einberufung erhalten.
Das „Bcrl. Tagebl." w'.N dagegen aus Wien erfahren falben, eine friedliche Lösung des österreichisch-ser- bischen Konfliktes fei in Sicht. Serbien scheine den Vorschlag, das; es einen albanesischen Hafen ohne Hinterland erhält, den es nicht befestigen darf und zu dem durch ein autonomes Albanien eine neutrale Bahn fiistrt, auf Betreiben Bulgariens näher zu treten.
Russischer Besuch in Belgrad.
Belgrad, 12. Nov. Ter Erpräsident ber vussischen Reichsduma Gutschkow ist lfier ein- getroffen.
Der Präsident der bulgarischen © obren) e verabschiedete sich am Dienstag mittag in Dfenpeft vom Grafen Berchtold. Er begab sich nach Stara Z-agora ms Hauptquarti-er.
Wie Serbien Albanien gewinnen will.
„Daily Ehronicle" veröffentlicht einen Bericht eines kürzlich aus Serbien heimg-ekehrten Korrespondenten, in welchem es heißt :
Die Serben veranstalteten Massakers unter den Arnauten. Hunderte von Soldaten sowie Dutzende Offiziere und Privatleute, die es wissen können, erzählten dasselbe. Zwischen Kumanoivo und UcSkueb wurden 2000 Arnauten niederg emetzelt, bei Prischtina 5000. Nach dem Fall von Ueskueb wurden starke Patrouillen in die Umgegend geschickt, welck-e die A r - nautenbörfer anzündeten und flüchtende Einwohner niederschossen. Dutzende Offiziere erzählten, daß die Flüsse jener Gegend durch Leichen geradezu verswpst waren. Bei Durchsuchungen nach Waffen wurden in Hunderten von Fällen Leute in ihren Häusern kalten Bluts erschossen, gleichviel, ob sic Waffen besaßen ober nicht. In der letzten Nacht, die ich in Ueskueb zubrackte, wurden 38 Münncr von einer Patrouille gefangen und erschossen; die Leick>en wurden in einen Fluß geworfen. Die Serben suckren die Arnauten nicht in gewöhnlicher Weise zu unterwerfen, sie wollen sie vernichten. Soldaten aller Nangklassen sagten mir in dutzenden von Fällen: Wir wollen sie ausrotten, das ist die praktischste Methode. Ein Soldat in UeSkueb lud mich ein, seine Truppe auf einer Expedition zu begleiten. Diese Einladung wurde von einem Leutnant, einem Hauptmann und einem Major dringend wiederholt. Ich sollte ein Gewehr und 250 Patronen erhalten und würde etwas zu sehen bekommen. Schon diese Aufforderung trägt viel dazu bei, alle jene fürchterlichen Geschichten zu bestätigen, die ich gehört hatte.
Rumänien.
Die Wiener „Zeit" meldet aus Os en pest: Ter frühere rumänische Ministerpräsident Earp ist — wie verlautet in einer Scmderkommission — hier eingetroffen. Er ist der Ueberbringer eines Handschreibens des Königs Carol an den Kaiser Die Mission Earps scheint darin zu bestehen, die Ansprüche Rumäniens mit der durch die Erfolge der Bulgaren geschaffenen neuen Lage in Einklang zu bringen.
Deutsches Reich.
Der Bundesrat wählte als Mitglied des Reichsgesundl>eitsrats den Ober- Medizinalrat Balser, Vortragender Rat im hessifck)en Ministerium in Darmstadt.
Die Tagungen der Hansa-Woche wurden am Dienstag mit der Sitzung der Submissionszentrale des Hansa-Bundes fortgesetzt. Diese begann mit der Vorlegung des von der Submissionszentrale ausgearbeiteten Gesetzentwurfs über das Verdingungswesen, welcher besonders nach der Richtung industrieller Forderungen wesentlich ergänzt worden ist. Nach eingehender Besprechung an der Hand des Vortrags des Vorsitzenden der Submissivnszentrale, Herrn Architekt Gestrick), wurde beschlossen, nunmehr alsbald den Entwurf dem Direktorium des Hansa-Bundes zur weiteren Behandlung vorzulegen. Danach sprach der Geschäftsführer des Hansa-Bundes, Mg. v. Nichthofen über „Die Reform des Verdingungswesens im Reich und in den Bundesstaaten", wobei einmütig der Standpunkt festgestellt wurde, daß eine gesetzliche Regelung dieser wichtigen Materie unter allen Umständen erforderlich fei. Als weitere Punkte der Tagesordnung seien die Vorträge des Generaldirektors Schiff über das bei der Submissionszentrale eingelaufene Beschwerdematerial und dasjenige des Obermeister Markus über die Forderung des Handwerks zum Submissions- Wesen erwähnt. Zum Schluß wurden nach Ausführungen des Sekretärs der Submissionszentrale, Dr. Schumann, Zuwahlen in die Zentrale vorgenommeu. Auch diese Tagung war wiederum von einer großen Zahl führender Kreise der Industrie, des Handwerks und des Handels aus allen Teilen Deutschlands besucht. Die Verhandlungen werden zurzeit fortgesetzt.
Die Reichstagsersatzwahl in Greife nberg- Cammin
ist vom 14. auf den 25. November verschoben worden.
Ausland.
D'erKönigvonJtalienan Kai ser Franz Josef.
Wie aus 'Ofenpest gemeldet wird, ist vom König Viktor Emanuel folgende Äntwortdepesche eingegangen: Ich bin Eurer Majestät dankbar für die Wünsche, die Sie mir in so liebenswürdiger Form auszusprechen die Güte hatten. Von 'ganzem Herzen entbiete ich Eurer Majestät meinen wärmsten Dairk, indem ich Sie bitte, mir die lebhafte Genugtuung zu glauben, mit welcher ich die liebenswürdigen Glückwünsche entgegengenommen habe, die Sie an mich wegen des Ergebnisses der Aktion in Libyen wie auch rvegeu der Fül)rung meines Heeres und meiner Marine zu richten geruhten.
Ein Telegramm deS Staatssekretärs v. Tirpitz an den italienischen Marineminister.
Ter italienische Ministerpräsident Leonard C a 11 o l i c a crljicU folgende Depesche vom Staatssekretär von Tirpitz: Heute, an dem Tage der )Reüue der stegreichen Flotte, beglückwünsche ich 'Eure Exzellenz zu der vom König verliehenen Auszeichnung. Diese hohe Auszeichnung nruß Ihnen eine sehr große Genugtuung bereiten, weil sie der Initiative und der un- ennüdlichen Tätigkeit Euer Exzellenz zu danken ist. Eure Exzellenz haben mit ebenso großem Erfolg die Arbeit Ihrer Vorgänger fortgesetzt. — Ter Minister antwortete, indem er seiner lebhaften Dankbarkeit und Gefühlen der Kameradschaftlichkeit der beiden Marinen Ausdruck gab.
Der russische Hauptmann Kostewitsch, dessen Sache am Donnerstag zur Verhandlung kommt, ist am Dienstag mit seiner Frau in Köln eingetroffen.
Die Bewachung der französischen Eisenbahnen in Kriegszeitcn.
Aus Paris wird gemeldet: Hinsichtlich der vom Polizei präsektcn Lepine gegebenen Anregung, die Schienenwege in Kriegszeiten durch Veteranen bewarben zu lassen, erklärte der KrieaSminister Millerand einem Berichterstatter, daß die Regierung sich schon seit langem mit dieser Frage beschäftigt habe. Auch die Idee deS Präsekten, den Veteranen im Kriegsfälle die Bewachung von Paris anzuvertrauen und ihnen einen Stab niebtmobihfierter Schutzleute beizugeben, scheine logisch und wirksürn.
Eine Ztudentenschlägerei in Darmstadt.
bs. Darmstadt, 13. Nov. lPriv.Tel.) Heute morgen 6 Uhr kam eS in der Rheinstraße vor dem Hotel Heß zu einer Schlager ei zwischen deutschen und russischen Studenten, in deren Verlauf der Student Weiser von Ezenstochau erstochen wurde. Er erhielt einen Stich in die Schlafe und mehrere
Stiche in die Brust. Mehrere andere Studenten erlitten erhebliche Verletzungen, teilweise auch Schußwunden.
Bon anderer Seite wird uns dazu noch gemeldet, daß der Schlägerei ein Streit in einem Eafä vorausging, der sich dann auf der Straße erneute. Der Student Weiser soll schon im Safe mit einem Revolver gedroht und dann auch während des Vorfalles auf der Straße geschossen haben. Schwer verletzt wurde durch Stichwunden der Student Allftaedt aus Langensalza, ivährend Stub. Dahr einen Stich an ber rechten Hand erhielt. Die Polizei hat Der. schicdene der Beteiligten festgenommen.
Eine weitere Meldung besagt, daß die Polizei den früheren Studenten Ewald Dahr als den ermittelt hat, der den russischen Studenten Weiser erstochen hat. D ist ah Raufbold bekannt, er ist seit zwei Semestern nicht mehr an ber Hocfachule eingeschrieben.
Aus Statt unt Land.
Gießen, 13. 'Jloucmbcr 1912.
* * Tageskalen ber für Mittwoch, 13. Nov Stadttheater: v© o l bf i f d) e". Anfang 7 Uhr.
Koloni a l s e st in Siems ©orten. Anfang 5 Uhr.
Allg. Deutscher Sprachverein. Vortrag von Geh Hofrat Pros. Tr. B e h a g h e l: Von deutscher Wortbildung. Abends 8H Uhr im Easö Ebel
*
" DaS GroßherzogSpaar ist auf einige Tagt inkognito nach Bayern gereist.
» ** Konziertverein. Ter 1. Orchesterabenb am Sonntag, 17. Nov., im Stadttheater bürste unter versckie denen Gesichtspunkten von besonderem Interesse fein: Zunäctm ist es wiederum die für jeden Musikfreund willkommene, Jeiber zu seltene Gelegenheit, ein auserlesenes Programm klassiscker Instrumentalmusik in gediegener Ausführung zu hören, sodann aber der Name deS hervorragenden Solisten Robert Hutt, des gelegentlich der Parsifalszencn sehnsüchtig erwarteten, damals aber durch schwere Krankheit verhinderten Frankfurter Tenors In erster Linie sei auf die geschickte Zusammenstellung ber drei größten Meister des 19. Jahrhunderts hingewiesen: Mozart. Beethoven, Wagner. Mozarts Ouvertüre zur Zauberstöte, jenes unverwüstliche Kabinettstückchen für ein gutes Streichorchester, Richard Wagners großzügige Faiiüouvertüre und schließlich Beethovens Siebente — (A-Dur, Op. 92, vielleicht die freundlichste aller Sinfonien bc5 großen Meisters > sind an sich schon Zugstücke. Die 7. und 8. Sinfonie find der Entstehung nach Zwillingssckwestcrn und in ihrer Eigenart Vorläufer der gewaltigen 9. Sie flammen in ihrer Anlage beide aus dem Jahre 1809; vollendet ist die 7. 1812, und aufgcsührt wurde sie 1813 zum ersten Male, zum Besten ber in der Schlacht bei Hagenau invalib gewordenen österreichischen und baierischen Soldaten. Schon bei dieser ersten Aufführung hatte die Sinfonie großen Erfolg, der ihr ob ihrer unvergänglichen Schönheit zu allen Zeiten und den wechselnden Geschmacksrichtungen zum Trotz bis heute treu geblieben ist. Richard Wagner nannte die Sinfonie Apotheose b c S Tanzes und ckaraktcrisiertt sie vortrefstich in einer ausführlichen Bespreckmng. Nack einer breit auSgeführten Einleitung, in der die Oboe ein schlichtes und schließ lich zu großer Bedeutung gelangendes Motiv cinführt, beginnt nach langem Taften aus dem einen Tone e der erste S(i§_ (vivace^, her fick durch die charakteristische Nhythmisierung im ^/g-Take wie durch eine gewaltige Durchführung auszeichnet. Der wundervolle, jedem Klavierspieler zur Genüge bekannte zweite Satz, hat eine weiche elegische Stimmung und beginnt mit einem marschartigen Thema, dem sich bald eine wundervolle, fast wehmütige, klagende zweite Melodie anschließt. ES ist einer der schönsten Sätze Beethovcnscher Musik, der früher bei den Wiener Konzerten regelmäßig wieder holt werden mußte. Der dritte Satz, obwohl kein ausgesprochenes Scherzo, wohl aber ein Presto in schnellsten Schlägen iü voll übermütiger Laune, voll Freude und Lust und hat die verschiedenartigsten Auslegungen erfahren. Namentlich das herrliche Irin, daS nach Abbe Stadler einem niederösterreichifchen Wallfahrt» gejang abgelauscht sein soll, ist, wie auch immer cs gedeutet werden mag, von wunderbarer Wirkung, wenn zu dem, während des ganzen Satzes von den Geigen und Holzbläsern gehaltenen hohen a die Hörner, Trompeten und Fagotte ihre weihevollen Akkorde bis zum höchsten Fortissimo erklingen lassen, „wie im Sommernack mittag mit leuchtendem Sonnenschein und in tiefe Bläue sich wölbenden Himmel" wie Max Ehov sagt. Ein Unikum in der nrui'i-» kalischcn Literatur ist der Schlußsatz, ein Tanz von ausgelassenster Lust, eine bacchantische Weise, im Grundmetrum beS Daklplos gehalten, ein Wunderwerk thematischer Verarbeitung und dabei, wie überhaupt die ganze Sinfonie leicht verständlich, anmutig und von nachhaltiger Wirkung. Vielleicht gibt diese flüchtige Skizze unseren Musikfreunden Veranlassung sich an der Hand der vor- handcnen ausgezeichneten zwei- oder vierhändigen Ausgaben eingehender mit diesem Monumentalwerk zu beschäftigen und auf die Auffilhrung vorzubereiten. Wer fick dieser kleinen Mühe — oder besser gesagt „Freude" — unterzieht, wird am >fonzcrttage einen doppelten Genuß haben.
• • Für bas erste Operngast spiel deS Großh. Hof- theaterS ist die Aufführung von Richard WagnerS ,Walkure^ in Aussicht genommen.
• • Schnee. Heute nacht hat eS hier ziemlich lebhaft geschneit, so baß noch um 8 Uhr früh auf Wiesen, in den Anlagen usw. eine leichte Schneedecke lag. Auch von außerhalb werden Schneefälle gemeldet, so z. B. vom HoherodS- kopf bei 5 Grab Kälte 40 Zentimeter.
Landkreis Gießen.
s. Lollar, 12. Nov. Gemeinberatssitzung vom 12. November. Anivcsenb Bürgermeister Schmibt, Bei- georbneter Gerlach, bie Gemeinberäte Erdmann, Ringleb, Forbach, Back, Sckmpp, Schmitt, Römer, Hofmann und Go- meinberechner Schwalm. Geuehmiyung ber Rechnung von 1911: Die orbentlichen Einnahmen betragen 21 498,35 Mk, bie cmßerorbcutlichen 13 182,85 Mk, bic Umlagen 51 675,22 Mk., milhin Gesamteinnahmen 86 356,42 Mk. Die Gesamtausgaben betragen bei 58 689,52 Mk. orbcnt- lichen unb 18 219,39 Mk außerorbentlichen Ausgaben 76 908,91 Mk., so baß ein Ueberschuß von 9447,51 Mk. bleibt Die Rechnung wird genehmigt. — Der Voranschlag für 1913 sieht wegen verschiedener Mehrausgaben eine Erhöhung ber Umlagen auf 60000 Mk. vor. Er wirb eben falls genehmigt. — Am Sonntag hielt ber Turnverein Lollar eine gutbesuchte Hauptversammlung ab U. a wurde beschlossen, das 30jährige Stiftungsfest für 1913, verbunden mit dem Bundesturnfest des Lahn-Dünsberg Turnerbundes, in größerem Stile zu feiern. Als Fcsttagi sind der 28. bis 30. Juni vorgesehen. — Bei der heute hier abgehaltenen Treibjagd durch Jagdpächter Bauunternehmer Hr. Deibel wurden 29 Hasen und 1 Fuchs -ui Strecke gebracht. — Seit SamStag abend spenden bic neuen elektrischen Straßen lampe ri ihr Licht Auch sieht man hier unb ba in Privathäusern schon das menc Licht brennen.
a. Hungen, 12. Nov. Heute starb, wie schon drahllick gemeldet wurde, hier im 84. Lebensjahr Geheimer Medizinal rat Dr. Ferdinand Rouge. Weit über die Grenzen eine» nor malen Wirkungskreises eines Arztes hinaus ist ber Berstorbenc bekannt und gesucht gewesen, sein Ruf erstreckte sich bis außer halb der Provinz. Stets hilfsbereit, hat Dr. Rouge, der du Verhältnisse seiner Mitbürger von Jugend auf kannte, Genc rationen feine Dienste gewidmet und seine weitauSgcdchntc Praxü vergrößerte das Zutrauen mehr und mehr. In den letzten Jahr«z allerdings praktizierte der Dahingeschiedsnc meist nur noch an Ort, aber bic Patienten suchten ihn von weither auf. Die Bürger schäft, ber er ein Freunb unb Berater war, schätzte und ehrtc


