Ausgabe 
13.11.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 268

Der ewwr teeytgei erf* *rt"i täflltd, auber konntag«. - Beilagen: Dternia I roöcbentlid) Otche«er.^amiIiendIäNer Iwennal tüödicntl.KrtiS: lattfür^en Kreis ftteKcn lTienStaq nnt<;reuaa). zweimal monntl tand> »lrklchosiüche Seltfragtn Hernwrecti - Anschlüsse: hu die Redaktion 112, Vertag u. Expedinon 51 Adresse für Depeschen: «uzetger Stiessen.

Annahme »en Anzeigen ha d»e Tagesninnmer biS vormittags 9 Uhr.

Erster Blatt - 162. Jahrgang

Mittwoch, 15 November 1912

Giessener Anzeiger General-Anzeiger für O'oerhessen

Rotationsdruck vnd Verlag der vrühl'schen Unio.vuch- und Steindruckeret R. Lauge. Redaltion, Lrpedition und Druckerei: 5chuiftratze 7. vüdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vadndofstrahc 16a.

veznqd» rei >; monatlich 75 l$fw mertel» lährhfb JDlt. S.80, durch Abdole- il Zweigstellen monatlich 66 Bi., durch dieBost DK. 2. oicrtd- lührL auSschl. Bestell^. Zeilenprere: lokal 15 HU aueionrt» 20 Wenniq. Lheiredakleur: il Goetz. Verantivorrlich für den potiNichen Zeil August Goer;, tüx .(t<ul(le- ton*.,Vermischtes' und .Geiichlssaal" K. 'Neu- raib, für .Stadt und Land" T.Hen: für den Anzeigenteil H. Beck.

Die heutige Nummer umfafot 14 Seiten.

Der spcrni cbe Miniiterpräsidcnt

Canalejar ermordet!

Madrid, 12 Nov Ministerpräsident Can al es a 8 wurde auf dem Platze Puerto del Sol, gegenüber dem Ministerium deS Innern, erschossen, als er fitz in das Ministerium des Inner» begeben wollte. Ter Mörder Pardinas Serrato ist Anarchist. Er erschoß sich mit demselben Re- »olver. Zn Madrid herrscht große Aufregung. Manne Pardinas Serrato ist 27 Jahre alt und stammt aus El Grando (Provinz Huesca).

Der Mörder ist Anarchist, aber es fällt doch schwer, zu glauben, das; es sich hier um eine planmäßige politische Tat handelt. Vielleicht war es doch nur ein Ausbruch des Wahnsinns, der den Mörder zu der Tat veranlaßt hat Am 8. August 1897 war der konservative Ministerpräsi­dent Canovas del Castillo gleichfalls einer anarchistischen Mörderhand zum Opfer gefallen: die spanischen Umstürzler machen also vielleicht keinen Unterschied zwisä>en konser­vativ und liberal Wer die Ordnung im Staate aus recht erhalten will, kommt auf ihre schwarze Liste. Cana- lejas hat möglicherweise den Mord durch (einen jüngsten Gesetzentwurf'über die Berkehrsausstände herausbeschworen.

Ter Ermordete war im Februar 1910 Ministerpräsident geworden. Im Oktober 1909 war das konservative Kabinett Maura über den Ereignissen von Barzclona und Melilla gestürzt, dann hatte der liberale Führer Moret die Ge­schäfte übernommen, allein schon im Februar ergab sich, daß er das Vertrauen der Gesamtpartei nicht mehr zu besitzen schien, weil er nicht für eine kräftigere Turcl)- führung des liberalen Programms zu haben war.

Canalejas war vordem ein vielbeschäftigter Anwalt und lange Zeit Abgeordneter, bevor er einen maßgebenden Einfluß gewann. Im Ministerium Sagasta, dem er im Jahre 1901 einige Wochen angehörte, zielte er unter an­derem auf eine Ordnung der kirchlichen Angelegenheiten unh des Schulwesens in modernem Sinne hin. '

Tie erste Frage, die Canalejas im Parlament zu lösen hatte, war die der Beziehungen zu Rom und des Abschlusses eines neuen Konkordates, das insbesondere die Frage der geistlichen Orden lösen sollte. Bekanntlich sieht das ve- stchende Konkordat die Zulassung von nur drei Männer­orden vor, allein jeder Orden behauptet, damit gemeint und mithin ermächtigt zu sein. Darüber, daß die Zahl der Ordensleute ins Uebermäßige gewachsen ist, besteht eigentlich, so entnehmen mir derKöln. Zta", kein Mei- nungsunterschied zwischen Liberalen und Konservativen, nur wollen letztere, die sich mehr auf die kirchliche Seite stützen, den Anstoß zu einer Reform nicht geben. Rom weiß, daß spanische Ministerien nur eine kurze Tauer l^abcn und hat bisher alle praktischen Unterhandlungen zum Absclstus; eines neuen .Konkordates verhindert oder verschleppt, und unter dem Ministerium Canalejas kam es deshalb zum tatsächlichen Abbruch der Beziehungen. So sah sich denn die Regierung genötigt, endlich auf eigene Faust vorzugehen Sie hat es durch Erlaß des sogenannten Vorhang es chloßgesetzes, das bis zum Abschluß eines Konkordats, aber mit Geltungsbeschräntung aus zwei Jahre, die Errichtung weiterer klösterlicher Niederlassungen verbot. Das nmr der erste große Erfolg des Kabinetts, doch darf inan ihn nicht zu hoch anschlayen, weil die Geltung des Notgesetzes zu Ende geht und eine Erneuerung unter den jetzigen Umständen und Parteiverhältnissen nicht sehr wahrscheinlich ist.

Dauerhafter aber und die Leistungen der meisten Mini­sterien übertreffend sind die Hinterlassenschaften des Kabi­netts Canalejas in andern Fragen der inneren Politik. Ihm verdankt Spanien die Auslwbung der altertümlichen, ver- kehrsfeindlichen und antisozialen Stadtmauten, sowie in Schulsachen eine wenig bemerkte, weil nicht durch Ge­setz, fonbern durch Verordnung erlassene Reform der Ge- Haltsverhältnisse für die Volksschullehrer, die endlich, ivenn auch nicht gut, so doch in ihren materiellen Verhältnissen sichergeftellt werden. Ter größte Erfolg Canalejas liegt aber wohl in seiner Msa r o kkopolitik, wo er durch Beharrlichkeit und Zielbewußtsein den für Spanien gün­stigen Vertrag erreicht hat, der auch durch den Tod des Ministerpräsidenten nicht mehr in Frage gestellt ist. Der spanische und der französische Bertragstext ist bis aus wenige Ausdrücke gleichlautend. Den spanischen Liberalen wird es schwer werden, den Verstorbenen zu ersetzen.

Wir erhielten noch folgende Drahtnachrichten:

9Jt a b r i b, 12. Nov. Um 2 Uhr 30 Minuten erschienen (Extrablätter ber Zeitungen mit Einzelheiten über die Ermorbung bes Ministerpräsidenten, ber von Passanten auf gehoben unb in eine nahe Apotheke, bic nahe bem Tatorte ge legen ist, gebracht worben war. Ter Apotheker erklärte nach kurzer Untersuchung, bas; bei Tob sofort eingetreten sei. Darauf würbe ber Leichnam in bas Ministerium bes Innern gebracht. Tas Portefeuille bes Ministerpräsidenten, bas 200 Pesetas unb einige Dokumente enthielt und auf ben Sobcn gefallen war, würbe ber Polizei von Vorübergehenden über­geben Ter Leichnam würbe im Hanptfaal bes Ministeriums aufgebahrt. Der König verrichtete ein kurzes Gebet vor ihm. Draußen vor dem Ministerium bereitete die bichtgebrängte Menge dem König langanhaltende Sbulbigimgcn. Um 12 Uhr trat ber M i n i st e r r a t zusammen unb beriet eine halbe Stunde. Unter anberen Maßregeln beschloß ber Ministerrat. zum vorläufigen Präsidenten des Kabinetts den Minister des Aeußern, a r c i a Prieto zu ernennen.

In der Kammer machte nachmittags der Minister des Aeußern Mitteilung Dom Tobe des Ministerpräsidenten unb schloß seine kurze Ansprache mit ben Worten: Canalejas starb zwischen seinen beiben Lieben, bem Volk unb ben Büchern. In ber Tat würbe Canalejas von ber tötlichen Kugel getroffen, als er bas Schaufenster einer Buchhandlung betrachtete.__________

(Erfolge der Türken?

Es sind nun anderthalb Wochen her, daß die großen Schläge bei Luele-Burgas und Bunar fciffar fielen: es war gemeldet worden, daß die Bulgaren sofort die Ver­folgung aufnebnieit und mit den Flüchtigen zugleich die Tore Konstannnopels erreichen wollten und heute ist alles uock; so weit wie am 3. Novembertage. Alfo auch die Bulgaren hatten Ruhe und Verstärkungen nötig. Viel­leicht wollte die Hauptarmee die Kapitulation von Adria- nopel abwarten, um mit allen verfügbaren Truppen dann den letzten Kampf zu wagen. Aber die belagerte Festung hält sich länger, als man geglaubt hatte. Heute gibt der Berichterstatter der WienerReichspost", der bekanntlich int bulgarischen Lager sich befindet, zu, daß es mit der Er­stürmung von Adrianopel noch gute Wege hat. Tie Stürmer sollen entsetzliche Verluste erlitten haben. Ties wird zwar in einer amtlichen bulgarischen Meldung bestritten, allein man hat dort allen Grund, die Wahrheit zu verheimlichen. Wie oft hatte man vorhergesagt, die belagerte Stadt könne sich nur noch wenige Stunden halten! Heute sind die Militärsachverständigen in Sofia laut untenstehender Mel­dung etwas anderer Meinung geworden. Wie wird es nun um Tschataldscha werden? Wird man den Türken noch weitere Zeit lassen, Verstärkungen heranzuziehen? Nicht nur bei der Belagerung Adrianopels haben sie Er­folge gehabt, sondern auch int Kampfe mit den Montene­grinern. Auch die Eroberung Skularis wird, wie die­jenige Adrianopels, noch etwas auf sich warten lassen.

Folgende Meldungen illustrieren die heutige Lage:

Heber die Kämpfe vor Adrianopel

meldet der Berichterstatter der WienerReichspost":

Tie Bulgaren haben vor Adrianopel Feinen leichten Stand, ba ihre ftfovere Belagerungsartiller ie zwar hinsichtlich des toten unb lebenden Materials vorzüglich, aber nie genügenb zahlreich ist, ivährend einzelne türkische Werke eine relativ große sortifikalorische Stärke besitzen. Die Bulgaren ersetzten den Mangel au genügend zahlreicher Belagerungsartillerie durch eilten wahnwitzigen Vorwärtsdrang und durch heroische, entsetzlich blutige I n f a n teri est ü r mr. Ich sah zwei Bataillone im Sturm vorgehen, von denen kaunt zwei Kontpagnien zurückkamen. Von K a b i n k o j aus stoßen die bulgarifdwn Kolonnen jede Nacht in dem Raum zwischen dem Werk Ainali Milet und dem nördlich gelegenen Kemertabja vor. Ebenso entbrennt jeden Tag aufs neue der Kampf um Marasch, daS nunmehr ein niedergebrannter Trümmerhaufen ist. Seit dem vorigen Sonntag sind serbische Truppen bei der B el a g e r u n g s a r m e e bei Adria­nopel ein getroffen. In Mustapba Pascha sind uw gesähr l1/» Divisionen burclmiarschiert. Tie Entscheidung' dürste auf beiden Punkten, bei Tschataldscha sowie Adrianopel ungefähr gleichzeitig fallen.

:/: So fia, 13. Nov. (Priv.-Tel.). Militärische Sachverständige, die den Stand der Belagerung Adrianopels gut kennen, erklären, daß die Festung noch lange keinen Mangel an HilfS- gueilen hat. Namentlich ist noch rechlich Munition vorhanden. Die Türken unternehmen mitunter auch An­griffe, wenn sie sich auch gewöhnlich auf die Mwehr der bulgarischen Angriffe beschränken. Wenn die Belagerten nicht durch Hunger zur Uebergabe gaumigen werden, be­darf es noch großer Anstrengungen der Bulgaren, um bi< Festung zu nehmen.

Bulgarische Meldungen.

Sofia, 12. Nov. Tie Agence Bulgare meldet: Die in Mazedonien operierenden bulgarischen Truppen nahmen am 6. November Strumizo und Demir- H i s s a r ein. Die Bulgaren drangen vorgestern bis zu den Tschataldscha-Stellungen ohne Widerstand vor. Rodosto, Eregli, Siliwri und Midia wur­den besetzt. Die zweite bulgarische Armee, die Adria­nopel belagert, zieht den Belagerungsring um die Stadt immer enger. Tie Forts Papztepe und Kartaltepe wurden eingenommen. Die Gerüchte, daß die Bulgaren bei der Einnahme dieser Forts große Ver­luste erlitten, entbehren jeder B c g n b u n g.

Der türkische widerstand vor Tschataldscha.

Konstantinopel, 12. Nov. Mahmud Mukh- t ar Pascha, welcher den Flügel bei Stirf Misse später bei Wisa kommandierte, ist gestern hier eingetroffen und abends nach Tschataldscha abgereut. Heute abend geht ei n Militärzug mit Truppen und zahlreichen Offizieren nach Tschataldscha. Ter Militärkom« Mandant im Perneu, der frühere Generalstabschef Izzet Pascha, welcher, wie bereits gemeldet, eiligst nach Kon­stantinopel berufen wurde, soll in einigen Tagen eintreffer und das Oberkommando der Armee übernehmen.

Aus Konstantinopel.

DasBerl. Tagebl." meldet aus Konstantinopel: Die Regierung hat zur Aufrechterl)altung der Ordnung alle bekannten türkischen Blätter bis auf zwei unterdrückt. Auf £en Brücken ist strenger Kon-

Ucbcr die Entstehung der bekanntesten Gedichte Ludwig Uhiands

werden einige Angaben bei seinem 50. Todestage wohl inter elfteren Daß durch die Mehrzahl von Uhlands Jugendpoesie, sowohl der Lieder als der Balladen, das Bild einer, sei es durch den Tod, sei es durch Entsagung, nach kurzer Seligkeit äußerlich .getrennten und im Herzen des Liebenden noch fort­dauernden innigen Neigung geht, ist äugen,allig. Ob aber dm es sichtbar bevorzugte Bild nur Erzeugnis der bet vielen zarten Gemütern int jugendlichen Alter vorherrschenden elegnchen Sttm mung gewesen oder ihm ein wirklich erlebtes Verhältnis zu gründe gelegen, läßt sich schwer entscheiden. Jndeven idieint die Häufigkeit der Schilderung denn doch für ein wirkliches Erlebnis ju sprechen, und in diesem Sinne fassen auch alle nut Uhlands Jugendgeschichte vertrauten Personen die Sache auf. Wahr,ä)eui Htb war die schon im 18. Lebensjahre (1807 verstorbene als ungemein reizend geschilderte Tochter eines Tübinger Profetsors, Wilhelmine G , die Angesungene: vielleicht war es eine ge wisse, ruhige Zuneigung, die ent durch den Tod des Madchens sich zu wirklickier Leidenschaft entzündete Die Gettalt der der Erde Entrückten mag dann tm reinen Aetherlicht über dem ^ung fing geschwebt haben. Möglicherweise war es auch eine verborgen gehaltene Liebe, die der Dichter, seines reizlosen Aentzern, icutcr Ilngewandtheit sich bewußt, nicht auszusprechen gewagt hatte, da­gegen sind die GedichteWunder" undEntichlul; , die beide in das 18. Jahr des Dichters 1805 fallen, an die damals werzelm jährige Schwester des Juristen und Politikers Jlben ^cbott^ ge richtet, die später einen Franzosen heiratete unb eine <rrau von Turand-Mareuil wurde. Andere Gedickte imc z. B.An eie «Deine Augen sind nicht himmelblau"),Lch.imme Nackbanckatt usw. sollen an eine schöne Blondine, Fraulein Gren, eine Nach­barin des Poeten, gerichtet gewesen lein, wie andere an eine Cousine Uhlands. Abgesehen von solchen zarten Beziehungen sei bemerkt, daß dasMetzelsuppenlied" als Entgegnung lur üastliche Aufnahme an seinen Stuttgarter Freund t^riedrich Knapp entstand, und das GedicktAuf das Kind emes Dichters dem ältesten Kinde I. Kerners gegolten hat. Unter dem

willst dn dich mir offenbaren, wie ungewohnt geliebte- Tal? soll das südöstlich von Tübingen gelegene, nach dem morschen ant' heim benannte Tal gemeint sein, in welchem, als dem ^ilwlings- -mfenthalt Uhlands, überhaupt eine bedeutende Zahl seiner Poepen

entstanden ist. Die wirklickn' Szenerie zu bem GedichteAus der Ueberfahrt" hatte die Gegend des unterhalb Cannstatt reizend am Neckar gelegenen Dorfes Hofen geliefert. Als der Ort, der zu dem viel gelungenen GedichteDie Kapelle" (Droben stehet die Kapelle" Anlaß gegeben, wird die bekannte, auch von Lenau, G. Sckiwab und Karl Maver besungene Wurmliuger Kapelle in der Nähe Tübingens bezeichnet. Die drei scherzhaften Gedickte Ter Rezensent",Frühlingslied eines Rezensenten" undTie Bekehrung zum Sonett" haben den Bekämpfer der romantischen Schule, Ehr. Fr. Weißer, zur Zielscheibe, lieber die Entstehung der BalladeTes Sängers Fluch'^ soll Uhland selbst die Er flärung gegeben haben, daß in diesem zur Zeit der Knechtung Deutschlands entstandenen Gedicht unter dem Könige Napoleon, unter dem jungen Sänger die von jenem unterdrückte Freiheit und unter dem Alten das Volk zu verstehen sei. Sicherlich denkt niemand beim Lesen dieses Gedichtes an eine solche, etwas froitig anmntende Allegorie: das Gedicht wirkt ungleich ergreifender, wenn man es ohne solche politische Zeitbestimmung auffaßt.

Ein neuer Band von König Victor Erna« uels Münzenwerk. Aus Rom wird berichtet: Soeben ist der dritte Band des Münzwerkes erschienen, mit dem König Victor Einanuel der Münzeniorsckung eine wertvolle Gabe darbringt. Während der erste und der ziveite Band die Münzprägungen Savonens, Piemonts und Sardiniens behandelte, gibt der nun erschienene Band einen erschöpfenden Ucbcrblid über das Münz- mefen Liguriens und Korsikas, vor allem über die Münzprägungen (v.enua^. Ein reicher Schatz von Illustrationen und Nachbildungen besonders charakteristisckier Münzcii, deren Originale sich zum großen Teile in den 'Sammlungen des Königs befinden, begleitet die Ausführungen. Es werden diesem nahezu 600 weiten um­fassenden Bande noch ein vierter und ein fünfter folgen, die sich mit den lombardischen und den mailändischen Münzen beschäftigen.

Ein Museum für Höhlenkunde. Ein eigen­artiges Institut ist von dem Verein für Höhlenkunde in Oesterreich auf dem Pöstlingberge bei Linz eröffnet worden: ein Museum, in dem die Früchte der österreichischen Höhlenforschung in syste­matisch geordneten Sammlungen ausgestellt sind. Wie Dr. L a h n e r in der Umschau mitteilt, sind in diesem außerordent­lich wertvollen Studienmaterial besonders reichhaltig die blinden Lebewesen der Hohlen vertreten, die Amphibien, Gliedertiere und Molusken, bie sich int Laufe unzähliger Generationen der ewigen

Nacht ihres Aufenthaltes angepaßt haben. Eine reichhaltige Bilder­galerie gibt über das Innere der Höhle, ihre Tropssteinbildungen, Wasserschlünde und eiserfüllten Tome Aufschluß: die Ausdeh­nung dieser llnterroelten wird durch eine umfangreiche Samm­lung von Plänen veranschaulicht. Aus Tropsfteingebilden bet Adelsberger Grotte ift eine kleine Grotte errichtet: Geräte und technische Hilfsmittel der modernen Höhlenforschung vervollstän­digen die Sammlungen.

T ie neuesten Funde von Alesia. Aus Paris wird berichtet: In der Akademie der Inschriften und der schönen Künste erstattete Prof. Toutain, ein Mitglied der Kommission für die Ausgrabungen von Alesia, Bericht über die jüngsten be­deutungsvollen Funde. Tie unter der Leitung Pernets fort» gesetzten Arbeiten führten im September d. Js. zur Auffindung eines ganz eigenartigen alten Bauwerkes. Dies bestand aus einem rechteckigen Saale, der an einem Ende in eine Cella auslief: die Cella aber enthielt eine alte Begräbnisstätte, die Dolmen­charakter zeigte. Tie Verbindung eines Dolmengrabes mit

einem alten römisch-gallischen Bauwerke läßt sich nur dadurch erklären, daß das Grab zu Ende der gallischen Zeit unter römischer Herrschaft zu einer Kult- und Verehrungsstätte erhoben worden fein muß. In einem Winkel diejses Grabes fand Pernet einen prachtvollen Bronzekopf, der eine Göttin darstellte, ent­weder tr.c Juno ober die Tiana: das Werk zeigt den Charakter und den Stil hellenischer Formengebiing. Außerdem aber wurde eme 'weite Bronzebüste gefunden, die das Porträt einer Gallo- Römerin aus dem ersten christlichen Jalrrbundert gibt. Das Stück erregt nickt nur durch die Güte der Arbeit Aufmerkfamkeit, sondern vor allem durch die eigenartige Haartracht, die aus einer Art aufgeschürzten Zopfes besteht und an den Rändern lockig gekräuselt ist. Außerdem wurden noch eine Reihe von Bronzestücken gefunden, darunter ein Gewandstück, das von einer lebensgroßen Statue herrühn und ein ausgezeichnet modelliertes Bronzebein. Besonders die beiden Kopfe sind vortrefflich er->» halten und stellen sich den schönsten bisher gefundenen Proben gallo-römischer Kunst vollwertig zur Seite.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In Berlin starb am 9. d. Mts. der em er. ord. Professor der Musikwissensckiaften an der Universität Straß­burg i. Els. Dr. Gustav Jacob st Hal im 68. Lebensjahre.