Ausgabe 
13.7.1912 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

In Gera (Reich) wählte trotz zweimaliger Nickstbcstätigung durch die Regiening der Gemeinderat zum drittenmal die s o z i al- oemokratischen Mitglieder Rohmann und Fischer zu Ltadt- r L t e n.

Das Zrauenstudium in veutschlanü im Sommer 19(2.

§ Wie die Zahl der deutschen UniversitLtsstudenten überhaupt, so ist auch die Ziffer der unsere höchsten Bildungsanstalten als oollverechtigte akademische Bürger besuchenden Frauen diesen Som­mer weiter angewachsen und von 2552 im Vorjahr auf 2958 gestiegen, ö. i. gegenüber dem Wintersemester 190809, in dem auch Preußen den Frauen seine Universitäten öffnete, eine Zu­nahme uni ellva 160 Prozent. Dieser starke Andrang ist int jetzigen Entlvicklungsstadium des Frauenstudiums zum Leit dar ans zu erklären, daß infolge des mehrjährigen Studiums der ein­zelnen Slndentin dem jeweiligen Scmeslerzuwachs noch Jein nor­maler Abgang gegenüberstcht, was erst in einigen Semestern der Fall sein wird.

Von den heutigen weiblichen Studierenden sind 1962 66,3°o ihrer Gesamtzahl an den 10 preußischen Universitäten eingeschrieben, wahrend von den männlichen Kommilitonen nur 50,8",o in Preußen studieren, 279 9,5% befinden sich an den drei bayerischen (gegen 16,3% vom anderen Geschlecht), 417 14,1% (9,1%) an den zwei badischen und 300 10,1% (23,2%) an den übrigen secl>s einzelstaatlichen, einschließlich Straß­burg; etwa 2500 mögen Deutsch', der Rest (458- ^tuslänocrinnen i sein. Von diesen stellt Rußlan» das größte ztontingcm, nämlich etwa die Hälfte, am midritcn steht Nordamerika mit einem Fünftel, . ixinn folgt Oesterreich-Ungarn mit etwa 40, der Rest verteilt sich sauf die übrigen Kulturstaaten, selbst Asien, Afrika und Australien ' sind ab und zu vertreten. Der verhaltnismämge Anteil der

Ausland.

Bergen, 12. Juli. Der Kaiser machte heute vormittag bei warmem Wetter einen Spaziergang und begab sich alsdann auf den KreuzerBreslau", wo er mit dem beujfdjen Konsul Mohr und mit einigen Herren des Gefolges das Frühstück cin- Inahrn. DieHohenzollern" nahm im Hafen Kohlen ein.

London, 12. Juli. Unterhaus. Die Regierungs- jlape über die Wahlrechtsreform wurde in zweiter Lesung mit 290 gegen 213 Stimmen angenommen.

Lissabon, 12. Juli. Heute früh erschien eine Gruppe zu Pferde auf dem C a r r e q u c i r c - G e b i r g e, 20 Kilo­meter von Lissabon entfernt, um dort die Wiedcrau,rich- tung der Monarchie zu verkünden. Truppen und berittene Artillerie wurden ausgesandt und einige Verhaftungen vor­genommen. Dabei fielen den Truppen Waffen und Munition in die Hände. Die monarchistische Gruppe setzte sich aus jungen Leuten zusammen, die zur Elite der Bevölkerung von Lissabon gehören. Der Führer der monarchistischen Ausrührer Eon- ceiro lagert mit 350 bewaffneten Leuten und vier Maschinen­gewehren auf spanischem Gebiet gegenüber von Monte Lagres. Tie aus Cabaeeiras de Basto angekommenen Aufrührer versuchen 'sich mit Coneeiro zu vereinigen, doch dürfte es ihnen infolge Iber von den republikanischen Truppen getroffenen Vorkehrungen raum gelingen, die Grenze zu erreichen. Tie Monarchisten aus !Cabaeeiras de Baito teilten sich in mehrere Gruppen. Sie werden von Republikanern versolgt. Auf Seite der Mon­archisten sind viele kampfunfähig gemacht worden. Tie Republi- I kaner hatten keine Verluste.

Madrid, 12. Juli. Mehrere portugiesische Verschwörer l wurden nach Ueberschreiten der Grenze in Spanien verhaftet.

Wien, 12. Juli. Laut Mitteilung von hiesiger albanischer s Seite marschieren die aufständischen A l b a n e r f ü h r e r i mit ihren vereinten Streitkräften in der Richtung auf I v e k. Tie , Albanesen erklären, sie hätten Abdul Hamid eine Ver,assung ab- gezwungen, schließlich seinen Thron zertrümmert und jetzt Schefket | Pascha dieselbe LeEtron erteilt. Demnach sei kein Kabinett im- 1 stände, gegen den Willen der Albaner zu regieren. Tiese schworen, ; bic Waffen nicht niederzulegen, als bis die Autonomie durch- , geführt ist.

Fez, 12. Juli. Vorgestern machte die Garnison Sefru leinen Ausfall, zersprengte den Feind und brachte ihm be­trächtliche Verluste bei. Tie örtlichen Kontingente der Ein­geborenen kämpften auf französischer Seite mit. Französischer­seits wurden zwei Eingeborene getötet, sieben verwundet. Gouraud I und Dalbiez nehmen täglich zahlreiche Unterwerfungen entgegen.

Aus Hessen.

bs. Darmstadt, 12. Juli. Ter Ausflug, der heute zu Besichtigungs-Wecken von beiden Kammern unternommen wurde, fand eine große Beteiligung. Tie Zweite Kammer war fast vollzählig erschienen; von der Ersten Kammer .war der Fürst zu Solms-Hohensolms-Lich, Prinz zu Er­bach-Schönberg, Graf Stolberg-Roßla, Fürst zu Isenburg- Büdingen u. a. erschienen. Die Negierung war vertreten durch die Minister« Braun und von Hombergk, Gehcimerat Dr. Becker, Geheimcrat Süffert, Oberfinanzrat Rohde und einige Ministerialräte. Von Darmstadt aus ging die Fahrt nach Mainz, wo sich die Mainzer Mitglieder der Kammer zugesellten. Ein Dampfer brachte die Gesellschaft nach ! Bin gen. Die Eisenbahndirektion Mainz hatte Vertreter I gesandt, um den Parlamentariern bezüglich der neu zu er­bauenden Rheinbrücke für die neue Verbindungsbahn von Rüdesheim über Geisenheim und Ockenheim nachSarmsheim Erläuterungen zu geben. Kurz vor dem Zieh also an der SteÄe, wo die neue Brücke errichtet werden soll, machte der Geheimrat Schneider einige Ausführungen, die für den Fachmann recht interessant waren. lieber die Art des Baues, ob große Spamrungen-oder mehr Pfeiler verwandt werdet! sollen, scheut man sich noch nicht ganz einig zu sein. Aus ästhetischen Gründen will man die hohen Bogen­spannungen bevorzugen, die aber den Bau um etwa 800 000 Mart verteuern würden. In Bingen wurden die Ausflügler durch Böllerschüsse begrüßt. Der Bürgermeister hatte sich zum Empfang eingefitnden. Nach einer Besichtigung der Hafenanlagen wurde auf der Burg Klopp der Ehrentrunk verabreicht, der sich aber weit über eine Stunde ausdehnte und zur Hebung der Stimmung ungemein beitrug. Hier begrüßte Bürgermeister Neff seine Gäste offiziell durch eine kleine Anspraä-e, auf die Präsident K öhle r ant- .ivortetc und ein Hoch auf den Großherzog ausbrachte. Auch wurde beschlossen, an den Landesherrn ein Tele­gramm zu senden. Im Hotel Viktoria wurde zu Mittag gegessen. Da man gestern in den Kammern Reden aus Vorrat gehört hat, hatte man davon Abstand genommen, Tischreden zu halten. Nur ein Telegramm an den erkrank­ten Staatsminister Dr. Ewald wurdeverlesen und ge- iNehmigt". Gegen Ende der Tafel waren die Antworten auf beide Telegramme bereits eingelaufen. Inzwischen Ihatten sich viele Autos vor dem Hotel eingefunden, die die Gäste Bingens nach dem Hotel Rochusberg bringen sollten. Aus dein Wege dorthin wurde noch von einem Teil 'der Mitglieder die drahtlose Funkenstation besichtigt und von sachlundiger Hand Experimente vorgeführt. Bis nach 6 Uhr harrte man hier auf dem Rochusberg gern aus. Um 7 Uhr brachte der DampferAuguste Viktoria" die Volks­vertreter wieder nach Mainz. Aber sie wäret: an Zahl geringer geiuorbcn. Niemand konnte angeben, wo einige von ihnen gerieben waren. Nun, in Bingen ist der Wein ja gut; warum sollen nicht besonders gewissenhafte Abge­ordnete eine eingehende Prüfung vorgenommen hirben. Auf dem Mainzer Bahnhof war das Häuslein noch kleiner. Auch Mainz sorderte seine Opser.

Fran am bcutid^n Universitatsstudimn beläuft sich derzeit auf 4,9% gegen 4,4 im Vorjahr und 2,7 vor drei Jahren.

Die Verteilung der Studentinnen auf die einzelnen #0* kultäten und die einzelnen Studienfächer zeigt von Jahr zu Jahr mehr, daß die studierenden Frauen überwiegend denjenigen Fächern zuftteben, bW eine staatliche Anstellung zu­sichern, nämlich der philosophischen Fakultät mit dem Enoziel des Lberlehrerinnenexamens, worauf die Frau freilich Begabung und Neigung zunächst Hinweisen, was aber zu einem großen Teil auch daraus zurückzuführen sein dürfte, daß namentlich viele preußische Studentinnen ein Lehrerinnenseminar besucht haben. So stiegen binnen Jahresfrist die Studentinnen der Philosophie, Philologie und Geschichte von 1438 auf 1635, bieienigen der Mathematik und Naturwissenschaft von 423 auf 539, während die Medizinerinnen, die vor einigen Jahren noch dominierten, nur von 549 auf 625 fliegen und jetzt stark in Hintergrund ge­drängt sind; Staatswissenschaften und Landwirtfchast studieren 74 gegen 56 im Vorsahr, Rechtswissenschaften 39 gegen 42, evan- geliicl-c Theologie 11 gegen 6, ferner soweit die Personal- Übersichten der Universitäten hierüber Aufschluß geben (dre mcht- preußischen Universitäten, ausgenommen Tübingen, behandeln die studierenden Frauen leider noch etwas stiefmütterlich!) Zahnheil­kunde 28 gegen 31, Pharmazie 7 gegen 7. Zum Vergleiche sei hier eingefügt, daß die französischen Universitäten im letzten ^ahr von etwa 4300 Studentinnen besucht waren, die sich aus die ein­zelnen Fächer folgendermaßen verteilten: Philosophie und Philo­logie etwa 2300, Mathematik und Naturwissenschaften 500, Medi­zin 1300, Jura 150 und Pharmazie 50. Davon waren etwa 1900 aus dem Ausland und die Hälfte war an der Pariser Universität eingescksrieben.

Was die Verteilung der Studentinnen auf die e i n z c l n e n U n i v e r s i t ä t c n des Reichs betrifft, so sind offen­sichtlich die preußischen Hochschulen von den Frauen bevorzugt, was sich namentlich aus der Herkunft erklären dürfte, da aus dem Norden relativ mehr studierende Frauen stammen als aus dem Süden. Eine nähere Untersuchung der Heimatverhältnisse würde ergeben, daß von den reichsangehörigen Studentinnen fast drei Viertel in Preußen beheimatet sind. An Der Universität der Reiclsshauptstadt befindet sich denn auch fast der vierte Teil der weiblichen Studentenwelt, nämlich 717 ; am nächsten steht Bonn mit 283, dann folgen München mit 241, Göttingen mit 234, Heidelberg hat 231, Freiburg 186, Münster 157, Breslau 142, Marburg 127, Leipzig 112 Königsberg 93, Greifswald 81, Halle 69, Kiel 59, Tübingen 40, Straßburg 38, Gießen 25, Erlangen 23, Würzburg 15 und Rostock 6. Im Vergleich mit dem Vorjahr sind zurückgegangen Erlangen, Gießen und Tübingen, während die Steigerung wesentlich Heidelberg, Marburg und Münster zugeflossen ist. Im Verhältnis zum Gesamtbesuch ist der Prozentsatz der studierenden Frauen am höchsten in Berlin, Göttingen und Heidelberg, am niedrigsten in Leipzig und Rostock.

Mit den nur an einzelnen Vorlesungen teilnehmenden 1183 Gastzuhörerinnen nehmen diesen Winter 4141 Frauen ap: deutschen Universitätsmiterricht teil, gegen 3764 im Vor­jahr. Am meisten Hörerinnen hat diesen Sommer München, nämlich 193, in Bonn sind es 98, in Tübingen 97, in Berlin 88, in Leipzig und Straßburg je 70, in Freiburg 29 und in Mar­burg nur 8. Die Zahl der Hörerinnen an den einzelnen Uni­versitäten ist naturgemäß auch von den Anforderungen bedingt, die au die Vorbildung der Hörerinnen gestellt werben, in welcher Ricl)- tung keine Einheitlichkeit, sondern starke Verschiedenheit zwischen den Universitäten besteht. In den mittleren und kleineren Universitäts­städten steigert vielfach auch eineMode" der Frauenwelt, Uni­versitätsvorlesungen zu hören, die Ziffer der weiblichen Hörer, woraus sich auch zum Teil die ungleichmäßigen Zahlen der Hochschulen erklären.

Arbeiterbewegung.

Zürich, 12. Juli. Infolge des Generalstreiks ruht der Straßenbahnverkehr vollständig; ebenso feiern alle Transportarbeiter. Auch die Gemeindearbeiter haben die Arbeit eingestellt. Tie Lage ijt ernst; es tarnen mehrfache Ausschrei­tungen, besonders seitens der italienischen Arbeiter vor. Der Verkehr stockt vollkommen; die Läden sind geschlossen. Die EiseN- industriellen beschlossen als Gegenmaßregel die Aussperrung prin­zipiell. Truppen werden in Bereitschaft gehalten.

Antwerpen, 12. Juli. Hier wurden sämtliche Vor­standsmitglieder der Gewerkschaft verhaftet, weil sie versuchten, Arbeitswillige von einigen Reederfirmen fernzuhalten.

Paris, 12. Juli. Aus Marseille wird gemeldet, daß der Streik der Seeleute seinem Ende entgegengeht. Mehrere Dampfer werden teils heute, teils morgen mit den ge­wöhnlichen Mannschaften abgehen.

Marseille, 12. Juli. Zahlreiche eingeschriebene Seeleute, begleitet von ihren Frauen, veranstalteten heute nachmittag im Jolietteviertel eine Kundgebung gegen die Erhöhung des Brotpreises. Polizeibeamte und Gendarmen wurden mit Steinwürfen empfangen. Mehrere Beamte wurden verletzt. Zahlreiche Verhaftungen sind vorgenommen worden. Später er­neuerten sich die Zusammenstöße. .Der Ordnungsdienst mußte verstärkt worden.___________________________________________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, 13. Juli 1912.

** Tageskalender Hine in a tograph: Täglich Vor­stellung.

Biograph-Lichtspiele: Täglich Vorstellung.

Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 111 Uhr unentgeltlich.

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittag von 111 Uhr.

Gemäldeausstell;'. ngdesKunftvereinsim Turm­haus am Braud. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag), von 111 Uhr, Sonntags von 113 Uhr.

* I

Die Anlagenmusik fällt morgen aus.

L.-U. Landesunivers ität. Der Rektor unserer Landesuniversität, Herr Professor Dr. König, fyat sich gestern nach London begeben, um als Vertreter der Uni­versität an der 2 5O.jäh rigen Jubelfeier der Royal Society teitzunehmen.

* Katholische Pfarrpersonalien. Im April und Mai sind folgende Personalveränderungen in der Ver­waltung katholischer Pfarreien zu verzeichnen: Dem Pfarrer Friedr. Hoffmann 511 Guntersblum wurde die kath. Pfarc- stelle zu Bretzenheim, dem Pfarrverwalter Joh. Jakobi zu Hohen-Sülzen die kath. Pfarrstelle daselbst, dem Pfarrer Jak. Ebersmann zu Westhosen die kath. Pfarrstelle zu Dieburg. deut Pfarrer Joh. Neber zu Friesenheim die kath. Pfarrstelle zu Münster, dem Pfarrverwalter Joh. Lucas zu Vendersheim die kath. Pfarrstelle daselbst über­tragen. Der Groß Herzog hat genehmigt, daß die kath. Religionsgemeinde Wall d orf unter Zuteilung dec Katholiken von Mörfelden zu einer selbständigen Kirchengemeinbe er­hoben wirb.

Lehrerpersonalien. Uebertragen würbe dem Lehrer Peter Mauer zu Ludwigshöhe eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Erbach (Kr. Heppenheim), ferner den SchulamtSaspirantinuen Charlotte Beck ausHeppenhettn a.d.B. und Maria Wunderte aus Mainz Lehrerinstellen an der Gemeindefchule zu Heppenheim a. d. B.

Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Arn 11. Juni wurde der "Referendar Dr. Frig B ock i tt s zu Gießen zur RechtSanwaltfchaft bet dem Landgericht der Provinz Rheinhessen, am 13. Juni roitrbc der Referent Dr. Albert Aaron au5 Bobenhoufen znr Rechtsanwaltschaft am Land­

gericht der Provinz Oberheffen, an demselben Tage wnrde der Gerichtsaffeffor Dr. Rich. Domm auS Lauterbach zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Herbstein, am 24. Juni wurde der Gerichtsaffeffor Start Beck zu Alzey zur Rechtsanwaltschaft bei bcni Amtsgericht Alzey zugelaffen.

** Eisenbahnpcrsonalien. Der G r o ß h e r - zog hat den Regierungsbaumeifter Friß Hartmann zu Kandrzin zum Vorstand eines Berriebsamts in der Hessisch. Preußischen Eisenbahngemeinschaft ernannt.

** Der allgemeine Geburtenrückgang in Hessen sck)eint sich auch im Jahre 1912 fortzusc-zen. Tenn in den ersten 6 Monaten d. I. wurden in den 5 Städten Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms und Gießen 4184 Kinder lebend geboren gegen 4300 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Tas erste Halbjahr schließt also mit einem Minus von 116 Geburten ab. Es ist dies um so beachlens- roerter, als die Geburtenzahl des Vorjahres überhaupt schon recht gering war.

" Besuch in der alten Heimat. AuS New Port ivird mitgeteilt, daß der dortige ,H e ss cn - D a r m st ä d t e r V o lk sf e st verein^ beschlossen hat, im nächsten Jahre eine gemeinschaftliche Reise nach der aiten Heimat zu machen. Er, schreibt: ,(xS soll dies nicht allem eine VergnügnngS- und. Erholungsreise sein, es gilt and), unfern Landsleuten, unfern Verivandten und Bekannten m der alten Heimat zu zeigen, daß die Söhne und Töchter deS Hessenlandes, die, dem deut­schen Wandertrieb solgend, in der neuen Wett sich eine Heimat gegründet haben, dein ihrer Gebtirt immer eine treue Liebe und Anhänglichkeit bewahrt haben, daß wir nie ver­gaßen, was wir dem Lande, wo wir unsere Sttndheit, unsere Jligend verlebten, wo (Elternliebe uns gepflegt, und ivo wir unsere Erziehllng genossen, schuldig sind. Die Ideale für Recht und Freiheit, für alles Schöne, Edle und Gute, der Sinn für eine ernste und doch gemütvolle Lebensweise, und die Liebe zur Arbeit und Sparsamkeit, die un5 in unserer Jugend ein» gepflanzt worden, sind uns auch in Amerika nicht verloren gegangen, sondern haben nns immer als Führer auf unserem Lebenswege gedient. Und lucun wir in diesem Sinne nnd Geist unsere alte Heimat betreten, so sind mir einer herzlichen Aufnahme von Seiten der Regierung, der Behörden und unserer Landsleute gewiß. Wir können versichert sein, daß überall, wo wir auch hinkoinmen, wir mit offenen Annen empfangen werden.'

** Sondcrzügc anläßlich des st arten Reise­verkehrs. Aus;er den bereits bekannt gegebenen fahren noch: Vor-Schnetlzug 104 HalleFrankfurt. Gießen an 4.43, ab 4.47 vorni. vom 12./13. Juli bis 29./30. August. Nach-Schnellzug 101 FrankfurtHalte. Gießen an 12.37, ab 12.41 vorm. vom 13., 14. Juli bis 30./31. August. Nach- Schnellzug 45 GießenSangerhausenHalle. Gießen ab 1.40 nachm. vom 20. bis 24. Juli und 1. August bis 20. Sept.

"Sonderzüge anläßlich des Fr a n k f urter B unOcS» schießens a in Sonntag, den 14. Juli. Vorzug 792 GießenBockenheim. Gießen ab 639, Bockenheim an 848, vorm. Vorzug 790 GießenFrankfurt Hbf.: Gießen ab 815, Frankfurt Hbf. an 1025 vorm. Hauptzug 790 folgt dem Vorzug in kurzem Abstande. Rachzug 92 Gießen Frankfurt Hbf. (Eilzug): Gießen ab 850, Frankfurt an 1037 vorm., mit "Aufenthalt in Langgöns ab 909, in Bntzbach 923, in Vad-Ranheirn 938, in Friedberg 948, in Großkarben 1004, * in Bilbel Nord 1014, in Bockenheim 1030. Nacyzug 709 FrankfurtGießen: Frankfurt ab 738, Gießen an 1000 nachm. Vorzug 711 Frankfurt Gießen: Frankfurt ab 900, Gießen an 1108 nachm. Hauptzug 711 folgt in kurzem Abstande. Vorzug 771 FrankfurtGießen: Frankfurt ab 1134, Gießen an 135 nachts.

In Amerika verstorbene Hessen. Ludw. Spanier, 47 Jahre alt, aus Schotten, in Elifton Staaten Island N. 9).; Joh. Sch äfer, 59 Jahre alt, aus Lauter­bach, in Brooklyn R. 9).; Frau Therese Thomy, geb. Arnheiter, 54 Jahre alt, aus Offstein, in Boston Maff.; Valentin Rau, 73 Jahre alt, auS Klein-Hausen, in West- Chicago, Jll.

** Die Aussichten im höheren Schuldienst in Hessen. Dic besonders günstigen Verhältnisse, die in den letzten Jahren die hessischen Lchrarntsassesioren srühzcittg zur dauernden Verwendung uni) defftnitiven Anstellung führten, bewirkten naturgemäß einen großen Andrang zu den Studien, die 3um Oberlchrerberuf führten. Dies war nicht bedenklich, io lange die zunehmende Schülcrzohl, die Trennung ubcrrüUtcr Schulen und Klassen und die Errichtung neuer Anstalten all­jährlich eine starke Vermehrung der Obcrlehrerstellen bedingten. In den letzten Jahren babeit aber diese Umstände nicht mehr in gleicher Stärke gcroirt<; Stellenvermehrungen waren nicht mehr nötig, vom laufenden Schuljahre ab tonnten sogar 13 etatsmäßige Stellen aufgehoben werden. Zu der srühzeitigen Ver-> Wendung und Anstelluirg der hessisck-en Lehrmntsassefforen trug auch dic starke Mwandenmg von hessischen Oberlehrern und An­wärtern des höheren Lehramtes nach anderen Bundesstaaten bei. Sind doch in wenig Jahren etwa 100 Hessen in außerhessische Schuldienste getreten. In Zukunft wird diese Abwanderung nur noch in geringem Umfang möglich sein, da in den anderen Staaten, insbesondere in Preußen, jetzt eigener Nack>wuchs in ge­nügender Zahl vorhanden ist und da auch die durch die NcugestaltunA des l>öheren Mädchenschulioesens säst überall bedingte proec Ver­mehrung der Oberlchrcrstellcn allmählich nachlaßt. Dre Verhält­nisse haben sich nach derDarmst. Ztg." demnach in zremlich kurzer Zeit aanz wesentlich zu Ungunsten der Anwärter des höheren Lehramtes geändert. Die solgenden Zusammen­stellungen lassen erkennen, wie die Aussicksten im Oberlehrer­berus zurzeft sind und nxic sie sich in nächster Zukunft wohl gestalten werden. 1. Zachl der definitiven Anstellungen als Ober­lehrer (an sämtlichen höheren Schulen einschließlich der höheren Bürgerichulen, höheren Mädchenschulen und Lehrerseminarien):! Jahr 1906 Zahl 49, Jahr 1907 Zahl 29, Jahr 1908 Zahl 17,

Jahr 1909 ZaÄ 11, Jahr 1910 Zahl 15, Jahr 1911 Zahl 11,

Jahr 1912 (bis 1. Juli) Zahl 3. Zahl der zur Verfügung^

stehenden Lehramtsasscssorcn und Referendare (ttotz der starken Abwanderung). Aus dem Fakultätsexamen: Herbst 1905 3, Ostern 1906 20, Herbst 1906 19, Ostern 1907 22 Herbst 1907 26, Ostern 1908 18, Herbst 1908 16, Ostern 1909 21, Herbst 1909 26, Ostern 1910 32, Herbst 1910 41, Ostern 1911 21,, Herbst 1911 59, Ostern 1912 33, zusammen 357. 3. Die Zahl der Studicrerrden an der Landes-Universität Gießen tnr Sommer-Semester 1912: Mathematik 50 Hessen, Naturwissen- sclwft 71, Geschichte 18, Klassische Philologie 57, Neuere Philo­logie 171, zusammen 367 Hessen. Zu dieser Zahl treten die zahlreicl>en Hessen, die sich den gleichen Studien außerhalb der Landes-Universität widmen. 4. Zahl der etatsmäßigen Stellen an den höheren Schulen einschließlich der Stellen an den höhe­ren Mädchenschulen, den höheren Bürgerschulen und den Lehrer­seminarien: 40 Direktoren, 514 Oberlehrer, 93 Assessoren.

** Die Aufbringung der Atittel der Brand- ve r s i cheru n g s kas s e für 1911. Der Gesamtbedarf der Brandvcrsichcrungskasse aus dem Jahre 1911 berechnet sich aus 2 292 118.99 Mk. Davon sind an 'S ran b ent* s chadr g'um gen ztt zahlen 1610259.^3 Wk., der Re/t per-: