Ausgabe 
10.12.1912 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Hl 291

viertes Blatt

162. Jahrgang

Lulchemi ti-Iich mit Ausnahme des Sonntags.

VeGießener ZamUienblätter" roerben dem .Anreiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS KieisNatt für -en Kreis Gießen'* zweimal wöchentlich. Tiecan-wirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

Dienstag, 10. Dezember 19f2

Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Umoerslläls - Btlch- und SteinbnicfcrcL R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckiü- slraße 7. Expedit,on und Verlag: öl.

SRcbatüome^S 112. Tel.-Adr.:AuzeigerGießen.

politische Saacsldiau.

DaS Jrsuitengesth und Zeluitenpater Eohantz.

Der Zcntrumsabg. Fchrenbach hat im Reichstage wegen des Vorgehens der Badischen Regierung gegen den Jesuitenpater Cohantz eine Anfrage an den Reichskanzler gerichtet. In dieser Anfrage 'heißt es:

In Freiburg in Breisgau hat in der Woche vom 2. bis 6. Dezember d. I. in der städtisck>en Festhallc entsprechend bis beriger Uebung ein Jesuitenvater Vorträge gehalten mit den Themen: Gott, Mensch, Gottmcnsch, des Gottmenschen Werk, des Gottmenschen Liebe. Am 6. Dezember wurde dem betreffenden Pater eine Verfügung des Großh. badenschcn Kultusministeriums eröffnet, des Inhalts, daß r c l ig i o n s wi ss e n s ch a f t l i ch c Vorträge von Jesuiten verboten seien und in Zu­kunft nicht mehr gehalten werden dürfen. Es wird demgegenüber daraus hingewiesen, daß der Reichskanzler am 4. Dezember erklärt Hobe, daß die bestehende Praxis oder die bestehende .Handhabung des Gesetzes durch den neuen Bundesratsbcschluß nicht geändert roerbcn solle und der Staatssekretär Lisso am 6. Dezember gesagt habe, daß die jetzige Auslegung in keiner Weise eine Verschärfung der früheren Verordnung sein solle.

Tie Anfrage will wissen, wie diese Erklärungen mit dem Sorael>cn der badischen Regierung in Einklang zu bringen sind.

»

Eine Vorstandssitzung der Freikonservativen.

In der auf Samstag in Berlin einbcrufenen Sitzung deS G esam tv orsta nd cs der Reichs- und frei- konservativen Partei waren fast alle Reichstags­und Landtagsabgcordneten der Partei vertreten. Freiherr von Zedlitz und Neukirch begründete seine lieber«- zeugung, daß wir vor einem Weltkriege be­wahrt bleiben werden, mit folgenden Erwägungen:

Bei dem Dreiverbände sehen wir in Frankreich eine starke militärische Inanspruchnahme durch Marokko, für Ruß­land kommt der starke revolutionäre Einschlag in Betracht, den der Panslawismus unserer Tage als charakteristisches Merk­mal aufweist, insbesondere liegen sichere Anzeichen dafür vor, baß die Polen sich darauf eingerichtet haben, einen europäischen Krieg zu einem Versuche der Wiedererrichtung eines Polen reiches, wenigstens in Russisch-Polen, zu benutzen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß die russische Probcmobilmachung sich nicht allein gegen das Ausland, sondern in vielleicht noch höherem Maße gegen diese polnischen Bestrebungen richtete. Für uns folgt daraus die Lehre, daß wir mehr denn je an einer C st - markenpolitik scsthalten müssen, welches uns, um mit Bis marck zu reden, in jenen Landestcilcnsichere Menschen" verschafft. Großbritannien endlich wird gehemmt durch die Sorge um die Aufrechterhaltung des türkischen Kalifats, dessen Sturz naturgemäß die ganze Welt des Islams in schwere Wirren stürzen, und somit auch das britische Weltreich mit seinen 80 Mil lionen Muselmännern in Mitleidenschaft ziehen müßte. Diesen bremsenden Momenten in dem Dreiverbände steht gegenüber aber der unter deutscher Leitung neu gekräftigte und neu befestigte Dreibund. Wir dürfen zu unserer Regierung das Vertrauen hegen, daß sie mit sicherer und entschlossener Hand das Steuer im Dreibunde führen und zu verhüten wissen wird, daß er in abenteuerlichen Bahnen treibt, die über den Rahmen unserer Bündni'pslicht hinausführcn würden.

DaS Ende der Briestanben.

Auf Grund des Reichsgesetzes über den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege ist den Brieftauben, die von der Militärverwaltung verwendet wer­den, ein besonderer Schutz gegen Zueignung oder Tötung gewährt worden. Auch unterstanden diese Brieftauben nicht den lande-gesetzlichen Bestimmungen über Sperrzüt'n für den Taubenflug. Schon seit Jahren wird in landwirt­schaftliche:- Kreisen lebhafte Klage geführt, daß durch feldernde tauben den Saaten empfindlicher Schaden zu­gefügt werde und gegen diesen Mißstand nicht eingeschrit­ten werden könne, weil sich nicht feststellen ließe, ob diese Tauben Brieftauben seien. Aus diesen: Grunde trägt man sich, wie uns -aus Berlin geschrieben wird, mit der Absicht, das betreffende Reichsgesetz abzuändern und auch die Brief­tauben den Sperrvorschriften zu unterwerfen. Tie Militär­verwaltung bat an derHaltung von Brieftauben ein großes Interesse sucht mehr, da bei der fortgeschrittenen Technik der drahtlose'.: Telegraphie und der Luftschiffahrt sonne des gesamten Flugwesens die Verwendung von Brieftauben für militärische Zwecke im Ernstfälle kaum noch in Betracht fommt und zurzeit nur noch eine Art Sport bildet.

An» Hessen.

Der neue Parteisekretär der Freien Ver­einigung hessischer N a t i o n a l l ib e r a l e r , Dr. Linse, hat, wie uns geschrieben wird, am 1. Dezember seine Tätigleit in Hessen begonnen und zunächst sich den einzelnen Vereinen in ihren Mitgliederversammlungen (Samstag in Lollar, Sonntag in Grünberg und am Mon tag in Gießen» vorgestellt. Seine Ausführungen über Fragen der inneren und äußeren Politik", die sich durch­aus auf der mittleren Linie hielten, getreu den Grund­sätzen der nationalliberalen Reichstagsfrattion, fanden überall lebhaften Beifall und allseitige Zustimmung. Es ist zu hoffen, daß die Tätigkeit des gewandten Redners und besonnenen Politikers in den fünf hessischen Wahl­kreisen, in denen er wirken soll, guten Erfolg haben wird.

Kirche unö Schule.

giu Brief des Papstes an Kardinal Kopp lautet nach Presseberichten wie folgt:

Unser geliebter Sohn! Gruß und Apostoli'cken Segen! AuS den: Schreiben, das du und die übrigen Bischöfe Tcutidi- landS vor eurer Abreise aus Fulda au uus gerichtet habt, haben Wir anßer der Kundgebung eurer gememfnmeii Ergebenheit mit Freude wahrgenommen, mit welcher Gesinnung ihr die jüngst von Uns an euch gerichtete Enznklika über die Arbeue>- vereintgunge» ausgenommen hobt. Ihr möget dieie in eurem Schreiben betonte Bereitwilligkeit, zu gehorchen, ciewisstuhatt pflegen, und euch davon überzeugen, daß nicht Gon an Uns angenehmer und der Kirche nichts mirheber lei als der gemeinsame Euer im Denken und im Haiidel» .vclchen eine gleiche Ergebenheit gcaen Den Apostolischen etubi stärkt oder unterstützt. - Wir wünschen sehr, datz die von end sehnsüchtig erwartete Kon.stantinische Feier bei allen Kalhostteu mi die Freiheit der Kirche cm solches Interesse erwecke, daß sie z vofsnunaen berechtigt und eine bessere Gesinnung herbei inljrt. Als Unterpfand der himmlischen Gnaden und zum Zeichen

ilideied Wohlwollens spenden Wir dir. Unser geliebter Sohn, de" Bisdiöstn und den ihnen anvertrauten Verben liebevollst im Jöerv" den 'Apostolischen Segen. (Gegeben zu Rom bei St. Peter am 14. Nov. 1612, im zehnten Jahre Unseres Pontifikats. PiuS X., Papst.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 10 Dezember 1912.

«offen die Sparkassen Den Zinsfuß erhöhen?

_ In der ZeitschriftTie Sparkasse" finden sich zu. der Frage: Sollen die Sparkassen den Zinsfuß erhöhen ?" nachstehende Aeuße- rungen:Diese für die Sparer wie Hhpothetenschuldner gleich wiclüigc Frage bildete auf dem 25. Prooinzial-S-parkassenlagc, der in diesen Tagen in Hannover abgehalten wurde, wieder einen Äauptverhandlungsgegenstand, und m ar veranlaßt durch den Um­stand, daß ctiva ein Dutzend Sparkassen «vornehmlich im Regie­rungsbezirk Lüneburg) zur Erhöhrnig des Einlagenzinssußrs von 3i/o am 4 Prozent übergegangen sind, so daß die Erhöhung des Hhvothekenzinssußes, soweit sie nicht schon erfolgt ist, notge­drungen folgen muß, falls die Sparkassen nickst mit Verlusten ar­beiten wollen. Um das Ergebnis der in Hannover über diesen Gegenstand geführten Verhandlungen vorweg zu nehmen: die Erhöhung des Zinsfüßes wurde fast von sämtlichen Red­nern, besonders von Stadtwndikus Reimerdes-Osnabrück, Direktor Märtens-Lüneburg und Direktor Schirnrnler-Hannover, als eine volkswirtschaftlich nicht zu rechtfertigende Maß­nahme auf das entschiedenste verurteilt. Die w.migen Stimmen aber, die sie zu reckstfertigen suchten, ließen ertennen, daß die betreffenden Kassen auch nurder Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" zu der Erhöhung gekommen sind, daß sie den 3 >-Prozent i gen Zinsfuß beibehalten bitten, wenn nicht einige Kassen benachbarter Orte zu der Erhöhung übergegangen wären. So zeigte sich und das wurde in Hannover bitter beklagt, daß nicht etwa die Lage des Geldmarktes zu der Erhöhung geführt bat, sondern die Konkurrenz in Verbindung mit dem Streben, mög­lichst viel Geld heranzuzieh.'n, um die Kassen in die Lage zu setzen, beim Abschluß auf einen tüchtigenFortschritt" in Gestalt eines hohen Einlagenbcstandes Hinweisen zu können. Dagegen wurde aber von den genannten Rednern geltend gemacht, daß. es ein beruhigenderes Gefühl für die Sparkassen sei, wenn sie sich sagen könnten, daß sic unter Beib Haltung des Zinsfußes von 31 _ Proz. vielleicht keine allzugroß.e Steigerung des Einlagenbestandes er» fahren hätten, als wenn sic sich sagen müßten, durch Erhöhung des Zinsfußes aus 4 Prozent zur Verheuerung des Geldmarktes in an und für sich schon teueren Zeiten beigetragen zu haben." Es wäre lebhaft zu ipünjdvit, daß diese Stellungnahme des han­noverschen Sparkassenverbandes auch außerhalb der Provinz all­seitige Beachtung und Anerkennung findet, ein Wunsch, der er­freulicherweise auch von dem Organ des Deutschen Sparkassen - vcrbandes zum Ausdruck gebracht worden ist.

** Sei der Landesversicherungsanstalt Hessen find im November 319 Anträge eingegangen und zwar: 213 Anträge auf Invaliden- und Krankenrente (I. u. K.1, 28 An­träge auf Altersrente (A.), 34 Anträge auf Witwen- und Witwer renke (W.), 38 Anträge auf Waisenrente (SD?, 5 Anträge au Witwengeld (Wg.1, 1 Antrag auf Waisenaussteuer (Da?. Un erledigt wurden übernommen 282 Anträge, so daß 610 Renten­gesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 283 An­träge durch Bewilligung >226 I., 12 K, 10 A., 12 W., 6 Wg., 17 O?, 9 Anträge durch Anwartschaftsbescheid (§§ 1258 und 1743 R.V.O?, 42 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (21 I., 4 A., 8 W., 1 W., 8 £).), 22 Anträge durch awdeve Weise Zurücknahme nur». (13 I., A., 4 W., 1 Wg. 3 O., 1 Da?, zusammen 354 Anträge (hiervon wurden 73 durch Um­wandlung erledigt? so daß 318 -als unerledigt auf Dezember übernommen werden mußten. In welchem Umfange die Landes­versicherungsanstalt Heilverfahrenskosten für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende November in Anstalten 242 versicherte Personen untergebracht waren. In der Eleonoren- Heilstätte befanden sich anßerdein noch 33 Personen, die teils au eigene Kosten, teils auf Kostete des Fonds der Großherzogin oder sonstiger Stiftungen eingewiesen waren.

Der akademische Wartburgbund veranstaltet am Freitag seine erste öffentliche Versammlung. Pfarrer Schilbach, Generalsekretär deS evangelischen Bundes, wird über das Tbema .Protestantische Weltanschauung, deutsche Kultur und modernes Stu deute ntu m" sprechen. In den letzten Jahren sind die Angriffe von Nom gegen die Errungenschaften der Neformation in besonders '"chrofser Weise geführt worden. Dem gegenüber gilt es. immer wiederum hervorzuheben, daß Reformation und Pro­testantismus Grundlagen einer wahrhaft deutschen Kultur sind.

** Konzcrtvcrcin. Der 1. Kammermusikabend das 4. Konzert im ylbonnement- findet Sonntag, den 15. Dezember, in der Universitätsaula statt. Wenn der Konzertverein auch in diesem Winter seine drei Kammermusik abende veranstaltet, so kommt er einem musikalischen Bedürfnis nach dieser, zwar intimen, aber um so beliebteren Art des Musi­zierens in der Absicht entgegen, durch die Pilege dieser Gattung den Sinn und das Verständnis für gute Musik in immer weitere Kreise zu tragen. Unter diesem Gesichtspunkte mag auch die Einrichtung eines Sonderabonnemeuts für die Kammermusiken allein angesehen werden, das für einen ganz bescheidenen Be­trag Anspruch auf einen nummerierten Platz nach Dahl für alle drei Mende gewährt. (Vergl. Inserat.) Seit mehr als 10 Jahren hat sich unser, fast könnte man sagen, einheimisches Trio-Ensemble, Prof. T r a u t nt a u n , A. Redner und E. s? c g a r durch künstlerische, ausgereifte Darbietungen aus dem Gebiete der Kammerinusil, der llcffsisck-en sowohl als der modernen meist in sehr glücklick er Auswahl unter Vermeidung musikalischer Auswüchse") sehr verdient gemacht. Auch für nächsten Sonntag steht ein überaus atrzieltcndes Programm bevor, auf das kurz (angewiesen sei: Beet honens Es -du r- Trio, ein Trio von Dubois, Märckrcnbilder von Schumann für Bratsche u. a. Theodore Dubois 1837 geboren zu Rosnah) ist seit 1871 am Pariser Konservatorium tätig, dessen Direktor er 1896 wurde. Er hat sich hauott'ächlich auf dem Gebiete der Orchester- und Elwrlornpositionen, netrerdings aber auch als Scböv- 'cr gediegener Kammermusik einen großen Namen erworben. Wie der Mehrzahl der Werke aus neufranzösischer Schule eignet auch den (einigen interessante Harmonisierung, Rhythmik und eigenartige Klangeffekte, so daß es in der Tat eine will­kommene Gelegenheit ist, diese Art des Gestaltens an der Hand eines Beispiels kennen und prüfen zu lernen. Der seltene Genuß, dasjenige Instrument für sich allein zu hören, das bet Dilet­tanten unbilligerweise eine untergeordnete Rolle zu spielen pflegt, die Bratsche «Violas wird geboten durch Schumanns Mär- dienbilbcr, op. 113, die meist in der Violinbearbeitung gespielt werden. Nur ein einziges Mal zuvor haben wir hier ein Braffchen- iolo erlebt und zwar durch keinen Geringeren als Henri M a r - teau. Dieses Mal vermittelt uns Herr Ad. Redner das reizvolle, 1851 entstandene Schumannsche Werk, ebenso wie die Bratschenbegleitung in dem gesanglichen Teile, den wundervollen Llltliedern von Brahms, welche sich die Sängerin des Abends,

Fräulein Else Pfaff, gewählt hat. Die Klavierbegleitung zu diesen und den weiteren Liedern von Wolf, welche die Künstlerin noch fingen wird, hat erfreulicherweise Herr Prof. Trautmann wieder übernommen. f

Tie hessische Siedln ngSgesellschaft. Au i)em VerbcmdStage der Nassauischen Raiffeisen-Vereine zu Frankfurt sprach am Sonntag LandgerichtSrat Klingenbiel (Marburg) über die im Jahre 1910 gegründete hessische SiedlungSgeselkfchaft in fesselnden Ausführungen. Diese von den beteiligten StaatSregierungen unterstützte Gesellschaft ist ein erster Versuch im großen, eine wirtschaftlich gesunde Besitz­verteilung auf dem Lande zu erhalten und zu fördern, der gewerbsmäßig betriebenen unwirtschaftlichen Güterzertrümme­rung und der damit verbundenen Ausbeutung der ländlichen Bevölkerung entaegenzuwirken. Sie bezweckt ferner die Be­seitigung und Stärkung eines leistungsfähigen bäuerlichen Besitzes, die Gründung von Zwergbetrieben zur Seßhaftmachung eines ländlichen ArbeitelstandeS. Sie will dies erreichen durch An- und Verkauf ländlichen Grundbesitzes, vorübergehende Erwerbung von Hypotheken, Vermittlung von Grundflücks- verkälifen und Hyvothekenabtretungen. Die mit einem Kapital von 250 000 Mk. arbeitende Gesellschaft erstreckt ihre Tätig­keit auf Hessen - Nassau, Hessen, Waldeck und daS EichS- feld. Die bisher erzielten Erfolge berechtigen zu den 'besten Hoffnllngen.

Ein Zeitungskiosk wurde gestern am SelterS« weg 44 eröffnet. Tie verschiedensten Zeitungen und Zeit­schriften werden dort einzeln und im 9lbonnement verkauft', auch der Gießener Anzeiger ist dort täglich zu haben.

' O e f 1 c n 11 i d) e Lesehalle. Im November wurden 2 7 6 8 Bände a u 5 g e 11 e h c n. Davon kommen onf: Erzählende Literatur 1310, Zeitschriiten 499, Iugendfchrifien 806, Literatur-- aescbichtc 16, Persdichnmacn und Dramen 59, Länder- und Völker­kunde 11, Kulturgeschichte 52, Geschichte undBiographien 112, Kunst­geschichte 24, Naiurwisfeuichast und Technologie 146, Heer-und See­wesen 26, Haus- und Landivirtschaii 19, Gefundheitslehre 4, Religion und Philosophie 37, Slaatswissenschast 14, Svrachwissen- schatt 7, Fremdsprachliches 15 Bände. Nach auswärts kamen 87 Bände.

** Die Preise für Schweine sind gestern auf dem Frankfurter Vichmarkt durchschnittlich um zwei Pfennig gesunken. Bezahlt wurden 1. Qualität Schweine Lebendgewicht das Pfund 671/269 Psg., Schlacht­gewicht 8688 Pfg., 2. Qualität 6769 bezw. 8688 Psg. Auch machten die Preise für Rinder eine kleine Bewegung nach abwärts. Das Sinken wird auf die Einfuhr von holländischem Vieh zurückgeführt. Auch auf dem Schweine­markt macht sich dies bemerkbar, da das Publikum jetzt statt Schweine-, Rindfleisch verlangt. Trotz des Rück­gangs der Schweinepreise heute war das Geschäft schlepp pend und der Auftrieb von 2115 Schweinen konnte nicht geräumt werden Dieselben Preisrückgänge zeigten sich auch bei dem Viehmarkt in Wiesbaden.

** Hundesteuer in Hessen. Es sei darauf auf­merksam gemacht, daß die im Lause d. I. abgeschafften Hunde bis spätestens zum 31. Dezember bei der Bürger­meisterei abzumelden sind. Wird die Abmeldung erst nach dem 31. Dezember bewirkt, so ist die Hundesteuer für das folgende Jahr weiter zu entrichten. Wer ferner am 1. Januar selbst ^züchtete junge Hunde im Alter unter drei Monaten besitzt, wird entweder gleich oder nach­träglich zur Hundesteuer für das kommende Jahr zuge­zogen. Rur wenn nachgewiesen wird, daß ein junger Hund vor Erreichung des Alters von drei Monaten zugrunde gegangen ober nach Orten außerhalb Hessens veräußert worden ist, tritt Steuerbefreiung ein.

Kreis Schotten.

Eichelsdorf, 9. Dez. In 8 Tagen wird unser Dorf seine elektrische Beleuchtung haben. Die Lei­tung ist im Anschluß an die Zentrale Wölfersheim ge­baut. Da diese aber erst nächsten Sommer fertig wird, so wird hier vorläufig eine Dynamomaschine ausgestellt.

Ulfa, 9. Dez. Auf Veranlassmrg der Landwirtscliafts- karnrner fand kürzlich hier eine Vorführung aller zur Zucht ge­eigneten Stuten aus Ulfa und den benachbarten Orten statt, zwecks Auswahl passender Hengste mr die in Ulfa geplante G e st ü t s st a t iv n. Mit der Stutenvorführnng, der Oberland- ftallmeister von Willick' beiwohnte, war zugleich eine Körung der Stuten für das Hessische Pferdestammbuch verbunden. Die Be­teiligung war auch aus der näheren und weiteren Umgebung außerordentlich gut. Vorgeführt wurden etwa 150 Stuten, ge­kört nahezu 60 von dein belgischen Schlag. Im Anschlüsse daran fand dann im Gasthause von Job. Konr. Töll eine Versamm­lung der Interessenten statt. In ihr sprach sich der Oberland­stallmeister anerkennend über das gute Pserdematerial der hiesigen Gegend aus und versicherte, daß der Eröffnung der Station nichts mehr im Wege stände, sobald die erforderlichen Mittel zur Errichtung der Gestütsstation durch die Landstände bewilligt seien. Was die Hengste für die hiesige Station anbelange, so kämen biet zwei Belgier in Betracht. So besteht denn für unsere Pferdezücyter die Hoffnung, daß ihr sck-on lange gehegter Wunsch seiner Erfüllung cntgeaengeht, zumal auch Landtagsabg. Tr. W.'ber-Konradsdorf und Kreisrat Tr. Kranzbühler-Schotten der Errichtung einer Ge- stütsstation in Ulfa durchaus sympathisch gegenüberstehen. Die Stallungsfrage ist noch nicht endgültig entschieden.

Kreis Friedberg.

r. Reichelsheim, 9. Dez. Ende voriger Woche wurde die in diesem Jahre erbaute Lehrerwohnung be­zogen. Die Bauleitung war der Kreisbauinspektion Fried­berg übertragen. Am Samstag, 7. Dez., hielt der Zweig­verein Reichelsheim des B. H. E. seine Hauptversammlungi ab. Es wurde beschlossen, allmonatlich am 2. Samstag einen Gesellschaftsabend abzuhatten. Ferner wurde ein Ausschuß bestimmt, der den Wanderptan für 1913 aus­stellen soll. Am 7. Dezember sprach Oetonomierat Spieß von Friedberg im Gasthofe zur Post hier über die Frage: Welche Mittel sind dem Landwirt an die Hand gegeben, um seine Tierzucht rentabel zu gestalten? Am fifreU tag hält Garteninspektor John von Friedberg im Gast­haus zur Lilie einen Vortrag über Obstbau. , Hessen-Nassau.

h. Frankfurt, 8. Dez. Unter dem Vorsitz des Ver- bandsleitdrs Pfarrer Schmitt (Höchst a. M.) hielt heute der .Mittelrheinische Verband evang. Arbeitervereine" seine Hauptversammlung ab. Tie Ster belasse ist durch den