Rüsickes, Dr. Dietrichs, Hahns, v. Lldenburg-Ionuschans u. a. und meint, daß die kühnsten Hoffnungen bes Hansabundes bei den ReicMagswahlen übertroffen worden seien. >6 Mitglieder des Hansabundes sind im Reichstage imb 33, bie out dem Boden der Richtlinien des Hansabundes stehen. Er wendet nch dann gegen bte Behauptung, daß unter diesen Abgeordneten die Kaufleute und Gewerbetreibenden nicht genügend vertreten jeicn, ia in geringerer Zahl vorhanden seien, als im vorigen Reichstag. Tas Gegenteil sei der fall; es sei nur eine Verschiebung zu Gunsten des Handwerks uno der Angestellten eingetreten.
In den Einzellandtagen
ist der Hansabund folgendermaßen vertreten: In Oldenburg mit 10, in Braunschweig mit 6, in Bayern mit 25, in Hessen mit 10, im preußischen Abgeordnetenhaus mit 50, im preußischen öcrren* hause mit 16, in der Ersten sächsischen Kammer mit 3, in der Zweiten mit 19, in der Ersten elsaß lothringischen Kammer mit 6 und in der Zweiten mit 10.
Sodann wurden die vom Vorstand vorgeschlagenen Zuwahlen zum Direktorium und zum Gesamt- ausschuß
gutgeheißen. — Hierauf erstattete der Geschäftsführer des Hanfa- bundes, Assessor Tr. Kleefeld den Geschäftsbericht, aus dem zu entnehmen ist, daß neben der Subrnissionszentrale die Gründung eines besonderen Jndustrierates beabsichtigt ist. Set Hansabund zählte im Juni 1912 67 Landes-, Provinzial- und Bezirksgruppen, 643 Ortsgruppen, 1600 Vertrauensmänner, und 823 angeschlossene Vereine und Verbände. — Rach dem Bericht des Rcvisionsausschusses legte der neue Geschäftsführer Freiherr v. Richthosen Satzungsänderungen vor, die ohne Aussprache genehmigt wurden.
Hieraus trat der Hansabund in die Beratung des wichtiglten Gegenstandes der diessährigen Tagung ein, in die -Schäftung neuer Richtlinien des Hansabundes.
Das Präsidium und das Direktorium des Hansabundes haben der Versammlung hierzu Leitsätze vorgelegt, in denen betont Wirb, dnß bic nationalen Interessen allen einseitigen gewerblichen Interessen bedingungslos voranzustellen seien. Es werden dann ausführlich die Ausgaben des Hansabundes im Staatsleben, in per Finanz-, in der Zoll-, Verkehrs-, Handels- ustd Gewerbepolitik erläutert. Weiter ist in Ergänzung der Richtlinien ein vorläufiges Programm bet Mittelstandspolitik das Hansabundes beigefügt.
An Stelle des am Erscheinen verhinderten Geheimrats Prof. Dr. D u i s b e r g erläuterte Direktor Tr. W a l d s ch m i b t (Berlin) ausführlich diese Richtlinien. Er betonte insbesondere, daß die Industrie vor Erlaß von Gesetzen und Handelsverträgen gehört werden müsse. Zollstreitigkeiten sollten durch ein internationales Schiedsgericht geregelt werden, ferner sei der Wechsel-, Scheck- und Patentschutz, sowie der Markenschutz international zu regeln. Sodann kommt der Redner auf die Lage der Industrie ini Inland zu sprechen. Man müsse darauf bedacht sein, daß das Tempo, in dem die sozialen Saften verstärkt werden, eine Mäßigung erfahre und daß man mehr Rücksicht darauf nehme, wie weit das Ausland uns auf diesem Gebiet allmählich nachkomme. Vielleicht sei auf diesem Gebiete eine internationale Verständigung zu erwägen. Die Organisationsfreiheit her Arbeiter müsse erhalten werden. Daher müsse auch das Prinzip der Gewerbe
freiheit gewahrt werden, das den Arbeitern, die bereit sind, unter den Löhnen und Besiimmungen zu arbeiten, die anderen nicht mehr passen, ermöglicht, zu arbeiten. (Lebhafter Beifall.) Industrie und Landwirtschaft sollen sich daran erinnern, daß sie Töchter derselben ehrwürdigen Mutter sind, des gemeinschaftlichen Vaterlandes. (Stürmischer Beifall.)
Kaufmann Hecht (Berlin) stimmte dann den neuen Richtlinien vom Standpunkte der Exportindustricllen zu, Dr. Köthener (Berlin^ von dem des Detailhandels, Obermeister K n i e st (Kassel) als Handwerker und Schaper (Leipzig) vom Standpunkte der Angestellten aus.
Ter neue Geschäftsführer Freiherr v. Richthofen teilte dann noch mit, daß der Hansabund in einer späteren 'Sitzung bestimmte Vorschläge zum Schutze der Arbeitswilligen machen werde.
In seinem Schlußworte bezeichnet Geheimrat Professor Dr. Ri eß er es als unrichtig, daß die Frankfurter Bürgerschaft ihn nach Frankfurt ziehen wolle. Er teilte mit, daß im Herbst des Jahres
eine H ansa-Woche veranstaltet werde. Mit einem Appell an die Versammlung, -mit altem Idealismus und mit dem vielgeschmähten Optimismus an die Arbeit zu gehen, schloß der Vorsitzende die Tagung.
Deutscher Reich.
Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hört, ist für den Gesandtenposten in Lissabon, der durch das Ausscheiden desFreiherrn von undzuBodmannseit einiger Zeit Unbesetzt ist, der bisherige Gesandte in Bukarest, Dr. Rosen, in ^lussicist genommen. An dessen Stelle tritt der Wirkliche Geheimrat Gesandter v. W a l d t h a u s e n, der in Kopenhagen durch den bisherigen Generalkonsul in Ofenpest, Grafen von Brockdorff -Rantzau, ersetzt werden wird. Als Nachfolger des Wirklichen Geheimrats Gesandten v. Bülow in Bern, der bekanntlich nach dem Besuch des Kaisers in der Schweiz den Posten des preußischen Gesandten in Dresden übernimmt, ist der derzeitige Vortragende Rat im Auswärtigen Amt Freiherr von Romberg ausersehen.
Darüber, daß deutsche Matrosen in New Pork sich als Lebensretter auszeichneten, verlautet: In einem Hause war ein Brand ausgebrochen, durch den dessen Bewohner schwer bedroht waren. Ohne Zögern stürzten sich die zufällig vorbeikommenden Matrosen in die Flammen und retteten unter Gefährdung des eigenen Lebens eine Mutter mit ihrem Säugling. Als sie sich überzeugt hatten, daß niemand mehr in Gefahr sei, entzogen sie sich unerkannt dem Beifall der Menge. Man konnte bisher nur fest stell en, daß sie zur Besatzung des Kreuzers „Stettin" gehörten und daß her eine von ihnen Richter heißt.
Ausland.
In Paris ist am Mittwoch Fr6d6ric Passy gestorben. Er war einer der eifrigsten Vorkämpfer der Friedensbewegung Im Jahre 1901 erhielt er den Nobelpreis. Fr6d4ric Pafsu nxir der gelehrte Friedenstheoretiker, der den Krieg aus volkswirtschaftlichen Gründen bekämpfte und einen Erfolg nicht für den Augenblick erwartete, sondern eine gradmäßige Entwickelung deS FriedensgcisteS voraussagte. Als Nationalökonom in emo kleine Beamtenstellung verschlagen, wandte er sich schon in frühen Jahren der Publizistik zu und trat zum erstenmal als Verfechter der FriedenSidee vor die Oesfentlichreit, als wegen der luxemburgischen Wirren 1867 ein Krieg zwischen Preußen und Frankreich drohte. Noch als 86iührigcr und schon fast erblindet, nahm Passy 1908 an der 15. Interparlamentarischen Konferenz in Berlin teil, um für den Weltfrieden ernzutrcten.
Aus London wird gemeldet: Die Ernennung Oberst Seel Vs zum englischen K r i e g s min i st e r ist am Mittwoch abenb amtlich bekannt gegeben worden. Das „Berliner Tageblatt" läßt sich melden, es gehe das Gerücht, daß im Kabinett weitere Veränderungen folgen werden. Ter Lord Präsident des Gelreimen Rates, Lord Morley und der Minister der Kolonien Harcourt seien mit der radikal-sozialen Politik des Kabinetts nicht mehr einverstanden
In Moskau fand am Mittwoch unter außerordentlichen Feierlichkeiten bie Enthüllung des Denkmals Kaiser Alexander III. statt.
Die Untersuchung bes A g r a m e r Anschlages auf (S u vai ergab, daß der Täter Iu kitsch mehrere Mitschuldige hat, welche verhaftet wurden.
Kirche und Schule.
Ter Vatikan auf dem Rückzüge.
Die „Augsburger Postzeitung" erhielt von dem apostolischen Nuntius in München, Fruhwirth, folgende Mitteilung:
Tie Erklärung des Monsignores Heiner entspricht den Huffanungen des Heiligen Vaters. Ter Heilige Vater in immer von dem Wunsche beseelt, die unzeitigen Meinungsverschiedenheiten in Deutschland ein Ende nehmen zu sehen. Seine Heiligkeit, die treue Liebe der deutschen Katholiken kennend, segnen sie von Herzen und ermuntern alle, insbesondere die Arbeiter, daß sie fortfahren wollen in Eintracht zu arbeiten für das Wohl der Kirche und des Vaterlandes, treu sich haltend an den päpstlichen Weisungen unter Führung und Leitung der zuständigen Bischöfe.
Oesterreichischer SchnlbureaukratismnS.
Der „Bresl. Ztg." entnehmen wir einige Angaben über einen Index, der ein Verzeichnis aller jener Bücher enthalt, welche öffentliche Bibliotheken der österreichischen Volks- und Bürgerschulen nicht führen dürfen. Also Grimms „K inder- unb Hausmärchen" sind durch zwei Erlasse verboten, auch Andersens Märchen, weil „ihr Inhalt von geringem Wert ist". Die spezifischen Jugendschriftsteller, die ein geläuterter künstlerischer Geschmack unserer Zeit für Kinder abgelehnt hat, sind in Oesterreich natürlich erlaubt — tollte man meinen — nein, auch deren Bücher sind verboten! Aber warum? Der bekannte Franz Hoffmann darf nicht gelesen werden: weil seine Geschichte „Sophiens Leiden" gegen bie Sittlichkeit uerftößt; denn „in ihr sind böse Eigenschaften eines Kindes dargestellt'. Wegen der berühmten Sittlichkeit stehen auch der meist von Moral triefende Nieritz .und die fromme Ottilie Wildermuth auf der schwarzen Liste. In einer ihrer Geschichten entfährt ihr das Schimpfwort „Maulaffen" — und deswegen wird ihr Buch verboten! Weiter geht's nimmer!
Interessant wäre zu erfahren — welche Bücher eigentlich erlaubt sind? Wenn der österreichische Schulbureaukratismus schon am dürren Holze so furchtbar wütet, wie mag er erst mit dem grünen umgehen?
*. ।
** Evang. Konferenz für Hessen. Unter reger Beteiligung hielt am Mittwoch die „E v a n g. Konferenz für das Großherzogtum Hessen" (Friedberger Konferenz) unter dem Vorsitz des Geh. Kirchenrates Prof. D. Eger- Friedberg ihre dres- lährige Hauptversammlung zu Frankfurt ab. Zunächst erstattete Professor Werner-Friedberg den Kassenbericht, der an Einnahmen 1028 Mk. und an Ausgaben 1023 Mk. auf» weist. Das Vereinsvermögen ist auf 1021 Mk. angewachsen, lieber den Verlaufdes letzten Geschäftsjahres sprach der Vorsitzende. In dieser Zeit fanden in Friedberg und Darmstadt Bezirksversammlungen statt, in denen die „Konfessionslosen Schulen" behandelt wurden. Weiter behandelte der Jahresbericht den „Fall Jalho", den Streit um die theologische Prüfung in Gießen und die Aussicht über den Religionsunterricht in den Volksschulen. Der letzte Punkt verursachte eine längere Besprechung, an der sich u. a. Pfarrer Vogel- Reichelsheim i W., Lehrer Dollinger-Oberkleen, Prof. Matthes-Darmstadt uno der Vorsitzende beteiligten. Den Hauptvottrag hielt Geh. Kirchenrat Prof. D. Eger-Friedberg über „Das Be kenn t- nis unserer hessischen Landeskirche". Der Redner ging zunächst auf die Geyenfcitze ein, die zwischen der positiven und der liberalen Theologie in bezug auf bie Bekenntnisfrage obwalten, gab in knapper Form einen Ueberblick über den geschichtlichen Werdegang des Bekenntnisses, um bann in längeren Ausführungen ein Bild von dessen Bedeutung für die jetzige Kirche zu entwerfen. Hierbei betonte der Redner, daß unter allen deutschen Landeskirchen die hessische Kirche das evang. Erbgut am treuesten bewahrt habe. Die Kirche legt den Geistlichen bei der Ordination feinerlei Zwang auf das religiöse Innenleben auf, sie schiebt es dem Pfarrer ins Gewissen, daß er das Evangelium lehrt und hat dabei bis hertto gute Erfahrungen gemacht. Es ist nur zu sorgen, daß die inneren Vorbedingungen des Be- kennrmsses erhalten bleiben. Dem mit lebhaftem Beifall auf» genommenen Vortrage schloß sich ein langer Meinungsaustausch an, an dem sich u. a. beteiligten Pfarrer Dr. Becker- Alsfeld und Professor Fechter-Bensheim, der auf die interessante Tatsache hinwies, daß die zahlreichen Gustav-Adolfgemeinden Hessens eigentlich gar keinen Bekenntnisstand haben, weder lutherisch, noch reformiert, noch uniert, und daß es im Lande nur eine Gemeinde gibt, die sich als evangelisch bezeichnet, nämlich Fürth i. O. Weiter sprachen zu dem Thema Pfarrer St r a ck-Gustavsburg, Prof. Werner- Friedberg, Pfarrer Bogel- Reichelsheim i. W., Pfarrer Vogel- Darmstadt, Oberlehrer Gaul- Bensheim, Hof- prediger Widmann-Gedern, Pfarrer Grein-Darmstadt, Lehrer Dollinger - Oberkleen und der Vortragende. Mit einem längeren zusammenfassenden Schlußworte des Geh. Kirchenrates Prof. D. Eger fand die Konferenz ihr Ende.__________________
Attr Stadt uttfc Canö«
Gießen, 13. Juni 1912.
** Tageskalender für Donnerstag, 13. Juni: 2. Abonnements-Konzert unserer Regimentsmustk. Abends 8‘/4 Uhr in Steins Garten. *
" Landesuniversität. Der Personalbestand der Landesuniversität für das Sommersemester 1912 ist nunmehr erschienen und für 50 Pfg. zu haben. Er enthält die genauen Adreffen sämtlicher Dozenten, Beamten und Studierenden der Landesuniversität.
** Ordensangelegenheiten. Der Grvßherzvg hat die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der von dem König von Preußen verliehenen Orden erteilt dem Oberbürgermeister Dr. (Staffing zu Darmstadt für den Kronen-Orden 3. Klasse, dem Beigeordneten Ekert zu Darmstadt für die Krone zum Roten Adler-Orden 4. Klaffe, dem Beigeordneten Baurat Jäger zu Darmstadt für den Roten Adler-Orden 4. Klasse.
** Geburtenrückgang in Hessen. Wie die übrigen Bundesstaaten hat auch Hessen rn den letzten Jahren einen bedenklichen Geburtenrückgang zu verzeichnen. Es wurden nämlich in Hessen in den einzelnen Jahren 1908 bis 1911 Kinder lebend geboren: 37359 — 36 299 — 34 670 — 33 209, also im Jalire 1911 4150 Kinder weniger als vor vier Jahren. Die Geburtenzahl des Jahres 1911 ist so gering, daß man bis zum Jahre 1895, also 16 Jahre zurückgehen muß, um niedrigeren Wahlen zu begegnen. Es ist anzunehmen, daß sich die rückläufige Bewegung, die die Geburtenzahl in Deutschland genommen hat, noch weiter verschärfen wird. — In den kürzlich erschienenen Medizinal- statistischen Mitteilungen aus dem Kais. Gesundheitsamt sind Diagramme über die Geburtenhäufigkeit in einzelnen Bundesstaaten veröffentlicht, die n. d. Darmst. Ztg. infolge falscher Berechnung irreführend sind.
*♦ Postkartenwochc Nach den getroffenen Vereinbarungen können auf den offiziellen und den bereits mit der Kais. Postbehörde verabredeten inoffiziellen Postfahrten insgesamt 700 Ky. Luftpost befördert werden Bei größerem Bedarf wird eine weitere Postfahrt eingefchoben Bis jetzt sind erst zusammen 360 Kg. Postkarten eingeliefert worden. - Alle offiziellen Postkarten dürfen nur zu dem ausgedruckteu Preis verkauft werden. In diesem Preis ist der Rabatt der Vermittler bereits eingeschloffen.
•• Der Lberhesfische Geschichtsoerein unternimmt am nächsten Sonntag einen Ausflug nach Fritzlar. Fritzlar gehört zu den bedeutendsten deutschen Kunststätten. Wie Büdingen und Alsfeld, wie Gelnhausen und Friedberg
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ringen. Seine ersten Tondichtungen gab ihm Türk mit unmäßigem Gelächter zurück. Die von ihm selbst am höchsten geschätzte Oper „Emmy" hat er nie zur Aufführung gebracht Er erzielte wohl Erfolge mit feinen Tondichtungen, aber nicht von der Art, daß sie ihm einen Verzicht auf feine feste Stellung mit ihren großen Ansprüchen an Kraft und Zeit ermöglicht Hütt Tie Rücksicht auf seine Familie zwang ihn fast, bis zuletzt zur
ist auch Aiitflor darum von blonderem, künstlenschem und romantischem Reiz, weil hier das moderne Leben die Spuren des alten noch nicht überwuchert hat, rote etwa in Nürnberg, und weil da? alte noch unverfälscht und unreftauriert dasteht, im Gegensatz etwa zu Rotenburg. In der Fülle eigenartiger kleiner künstlerisch und geschichtlich bedeutsamer Zentren in der Umgebung unserer UmversitätSstadt, die dem GeschichtS- verein die Wahl für seine Sommerjahrt so leicht macht, nimmt Fritzlar eine besondere Stelle ein. Aehnlich wie Friedberg in seiner Burg und seiner Stadt erwuchs die BonifatmSstadt an der Edder im Kampfe zweier Gewalten, deS reichen Chorherren- stiftes und der Stadt, und dieser Wettstreit wirkte auch aus die Kunst steigernd zurück. Eine Einführung in das reiche geschichtliche Leben FritzlarS und seine Zeugen, die Kunft- denkmäler, soll der Aufsatz in den heutigen Familienblättern geben. Möge er auch so manchen, der nicht an dem Ausflüge teilnehmen kann, veranlassen, die Schönheit der alten Stadt zu suchen.
— Heute, nicht am 2 7. Juni, wie e8 gestern infolge eines Schreibfehlers mitgeteilt wurde, findet das 2. Abonnementskonzert der RegimentSmufit statt.
**3umSöroeabenb wird uns geschrieben: In Anbetracht des morgen ftartfinbenben Löweabenos sind vielleicht einige lebensgeschftUliche Daten willkommen. Karl Löwe, geboren 1796 als der letzte von 12 Gesckmnstern, entstammt, wie so viele hervorragende Deuffche, einem alten Pastorengeschlecht. Sein romantischer Sinn wurde besonders durch die Nkärchen und Erzählungen seiner Mutter geweckt, während er seine erste musikalische ?lus- bildung seinem Vater verdankte, der Oraanist und Kantor in Löbejün in der Nähe von Halle war. Mit 10 Jahren erwarb er sich als Solosänger im Köthener Gesangschor den ersten Unterhalt. Seine weitere musikalische Ausbildung nahm UniverntätS- musikdirektor Türk in Halle in die Hand. Nach dessen 1814 erfolgten Tod widmete sich Löwe feinen wissenschaftlichen Studien, ohne die Pflege der Musik zu vernachlässigen, erhielt das Maturum und bezog 1817 die Universität Halle, um Theologe zu werden. In diesem Jahre, also in seiner Studentenzeit, entstanden feine ersten Balladen. 1820 erhielt Löwe eine Anstellung als Lehrer in Stettin am alten Gymnasium: er hatte in Musik und daneben in Naturgeschichte zu unterrichten. Schon 1821 wurde ihm die Stelle eines Musikdirektors für Stettin übertragen; er hatte in diesem Amt das Orgelspiel uito die musikalische Leitung deS Gottesdienstes in der Hauptkirche, die Aufführung von Kirchenmusik an allen hohen Festtagen, ferner den musikalischen Unterricht an Gymnasium und Seminar (wöchentlich 18 Stunden) zu leisten und bezog dafür einen Gehalt von 850 Talern. 1850 verbesserte sich sein Einkommen um 300 Taler durch Uebemabme der Kantorstelle für den Kirchendienst an Wochentagen. 1869 starb ir in Kiel, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Löwe hatte schwer um die Anerkennung seiner Volksgenossen zu
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Ergänzung seines Einkommens Privatstunden zu geben. Das allmähliche Anwachsen des Sinns für edle Musik in Pommern war fast ausschließlich sein Verdienst: die Stadt Stettin banfte es ihm, indem sie ihn 1866 verabschiedete. Löwe, der sich wenigstens das Recht, zuweilen seine geliebte Orgel spielen zu. dürsen, erkaufen wollte, bat, chm einen von der Stadt zu wählenden । und von ihm z. T. zu besoldenden Vertreter zu gewähren: die Stadtverwaltung schlug ihm die Bitte ab. In Pommern wird noch b heute, imc fein Biograph Runze schreibt, tiefes Stillschweigen 1 üben ihn beobachtet. Dabei hat Löwe auf dem Gebiet der Bal- V laben geradezu grundlegend gewirkt und steht hier heute noch als der anerkannt größte Meister da.
"Einen Besuch unserer neuen städtischen SchlachthofSanlage machte Privatdozent Dr. Feist mit den Hörern deS chemischen Instituts. Unter Führung deS Direktors Modde wohnten bie Herren mehreren Schlachtungen | bei. Sie besichtigten die Kühlhallen und interessierten sich besonders für die Herstellung deS EiseS und für da» Trichinoskop.
** Schaukochen. DaS gestern und vorgestern veranstaltete Schaukochen im großen Saale von Steins Gatten hatte mehr als 600 Hausfrauen unb solche, die es werden wollen, angelockt: auch die Herrenwelt, die schließlich für gute unb babti billige Küche erst recht ein begreifliches Interesse haben muß, war nicht ganz unöertreten geblieben. Die vorn Gaswerk veranstalteten Bottührungen in der Kochkunst gelangen so vortrefflich, baß manche Hausfrau beschlossen haben wirb: fortan gelte nur noch bie Parole: Koche mit Gas auf einem modernen Herd mit Sparbrennern nach der so verblüffend einfachen unb sparsamen Methobe des Vor- tragenben. Vorgeführt würbe die Herstellung einer MittapS- mahlzeit, bestehend aus: Suppe, Fisch, Braten, Reis in Much und Obst, wobei die Töpfe zur besseren Ausnutzung der Wärme übereinander gestellt wurden. Dadurch und durch die neue Mtthode, daß Fisch und Fleisch ohne Butter, die Kartoffeln ohne Wasser anaesetzt wurden, blieben den Speistti die Nahrsalze und daS volle Aroma erhalten. Ueberraschend war es zu sehen, in welch kurzer Zeit ein Kalbs- ober Schweinebraten ohne Butter,zusatz und ohne daß bie Fleischstücke einschmorten, auf dem Gril Most- bratpsanne) aufging unb fertig war, ehe man sich es versah, mit vollem Saftgehalt unb Wohlgeschmack. Ein großer Schetlsisch, auf dem Rost zubereitet, war gerabe&u köstlich unb erregte aaiq befonberen Beifall. Von dem nicht besonbers angenehmen Schetl- fischgeruch unb «Geschanack war nichts zu b em er!en. Die Tarn« verzehrten bie Kostproben mit großem Appetit. Kartoffeln in der Schale, bie ebenfalls herumgereicht wurden, waren vorher nur gut gewaschen worden unb bann einfach in den Backofen geworfen, um nach 25 Minuten, wohlschmeckenb tzmd überaus mehlig, serviert werden zu können. Besonderen Beifall fanben aber auch die im Gasbackofen hergestellten Backwaren. Die Topfkuchen wäre» wunderschön auf gegangen uitb zeigten eine prachtvolle braune Farbe. I Die Vorführungen zeigten, daß sich auf alle Fälle mit Gas billiger' unb besser kochen, braten unb backen laßt, als auf einem Sohlen- | Herde. Aber auch das Plätten auf Gas bietet so viele Votteck unb ist so billig, daß es eigenttich zu verwundern ist, wenn noch nicht alle Hausfrauen sich des bequemen Gasplättapparalcs bedienen. Mit den Vorführungen war eine Ausstellung von Modellen verbunden, bie eifrig besichtigt würbe. Ausgestellt war eine große Anzahl von Gaskochern unb Gasherben, GasbabeöM und Gasplätten. Tie einzelnen Gegen stäube wurden den Jnter- .ciienten erklärt und vorgeführt. Ein kleine- Kochbuch mürbe ' kostenlos verteilt; es enthält nähere Erläuterungen über die moderne Gasküche. Interessenten, die das nicht erhalten ober die den Vorführungen nicht beiwohnen konnten, föraien Kochbücher von dem Gaswerk beziehert.
♦* Die Verbindung zwischen Ebel- unb Stephan st raße. In den letzten beiden Nächten, al? nach 2 Uhr der letzte Zug die oberhessische Strecke passiert hatte, entwickelte sich an der Baustelle der Verbindung von Stephan- und Ebelstraße eine seltene Nachtszene. Mit Geschwindigkeit wurderi die Eisenbahnschienen intb deren Unterlage aufgehoben. Eine Lokomotive wurde vor die schweren eisernen Balken gespannt, auf denen während des Baues die Schienenunterlage ruhte, und nach kaum 10 Minuten waren sie aus ihrer Lage entfernt. Tartu wurden die senkrechten Mauern der 3 Meter breiten Unterführung durch Flaschenzüge mit einer aus Eisen und Beton ber- gestellten Decke versehen, über die sofort der Schienenü^S \


