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13.4.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfatzt 18 Seiten.

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Kurze 9? n rfi r i rfj t e n aus Kunst und Wissen­schaft. Tie Geschäftsführer der 84. Natursorscherversammlung in Münster i. W. Professoren Tr. R. Rosemann und Tr. K. B u B versenden das vorläufige Programm der Versammlung, die vom 15. Lis 21. September stattfindet.

Zum Nachfolger Tschudis, des verstorbenen Direk­tors der Königlich bayerischen Staatsgalerie, ist der Direktor des Berliner Kupferstichkabinetts Prof. Tr. Friedlaender aus­ersehen, der nach München abgereist ist, um die Unterhandlungen abzuschließen.

Neues von der Mona Lisa. Durch die Verhaftung eines Arbeitslosen namens Chauveau glaubt die Pariser Polizei den Räubern der Mona Lisa auf sicherer Spur zu sein. Seine Geliebte wurde gleichfalls verhaftet. Eine Reihe von Kunstwerken, welche von Diebstählen in verschiedenen Museen herrühren, wurden in der Wohnung eines gewissen Ferrand ge­funden, der das Haupt der Diebesbande ist und bisher noch nicht gefaßt werden konnte.

Reinach-Preis Ein Preis von 500Mk.

soll der besten Arbeit zuerkannt werden, die einen Teil der

I fügungsrecht überlassen. ,

Verfassern zurückgesandt.

Tas Pariser P oli z ei m u so u m. Von einem merk­würdigen Museum, das unter dem Dache des Pariser Polizei- amtes in ein paar Räumen von zivei gelehrten Archivaren von den Herren R e y und F 6 ron eingerichtet worden ist, berichtet derTemps". Es ist das Pariser Polizeimuseum, das bescheiden nur aus einem Flur und drei Zimmern besteht und doch in diesen wenigen Mu men die ganze Geschichte des Pariser Sicher- hcitswesens vor unseren Augen vorüberziehen läßt. In dem Vorraum finden wir, chronologisch und nach Gefängnissen ge­ordnet, photographische Nachbildungen berühmter Haftbefehle: der Name Charlotte Cordays oder der berühmten Mme. Roland leuchten uns entgegen: sie waren Zellennachbarn der Marquise de Brinvilliers, der berüchtigten Giftmörderin. Und ein paar Schritte weiter finden wir den Haftbefehl gegen dieTarne Jeanne von Valois", Gräfin de La Motte, die bekanntlich in die Halsbandaffaire der Marie Antoinette verwickelt war. Tann folgen eine ganze Reihe von Tokumcnten, die uns die Tage der Schreckensherrschaft wieder mitcrleben lassen, Haftbefehle, die fast ausnahmslos l>en Weg zur Guillotine bedeuteten. Ter erste Saal enthält interessante alte Stiche, Gravuren, Photographien und Manuskripte, die uns von dem Altpariser Gesängnisivesen er­zählen: wir sehen die farbigen Modelle der 1830 von der Po­lizei genehmigten öffentlichen Troschken und Wagen, die Uni­formen der Kutscher zur Zeit des zweiten Kaiserreiches, die Ver­fügung, aus der die Morgue entstand, und alte Stiche und Holzschnitte, die berüchtigte Attentate und Mordszenen aus dem alten Paris wiedergeben. Ter zweite Saal bringt die Bilder der Pariser Polizeichefs und besonders tüchtiger Beamter, die zum Teil in Erfüllung ihrer Pflicht ihr Leben opferten. Eine Sammlung von Uniformmodellen aus der Zeit Ludwigs XIV. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ergänzt den Eindruck, der dem Kulturhistoriker in übersichtlicher Anschaulichkeit so viel In­teressantes bietet und den Blick zurückschweisen läßt in die Zeiten, da die öffentliche Sicherheit noch nicht über jenen großzügig organisierten Polizeiapparat verfügte, den heute alle Kültur- staaten besitzen.

Geologie des Gebietes zwischen Aschaffenburg, Heppenheim, Al z e y , Kreuznach, Koblenz, Ems, Gießen und Büdingen behandelt; nur wenn es der Zusammenhang erfordert, dürfen andere Landesteile in die Arbeit einbezogen werden. Tie Arbeiten, deren ErgÄrnisse noch nicht anderweitig veröffentlicht sein dürfen, sind bis zum 1. Oktober 1913 in versiegeltem Umschläge, mit Kennwort versehen, an die Direktion der Senckenbergsschen Natur­forschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. einzureichen. Ter Name des Verfassers ist in einem mit gleichem Kennwort versehenen zweiten Umschläge beizufügen. Tie Senckenbergische Natur­forschende Gesellschaft hat die Berechtigung, diejenige Arbeit, der der Preis zuerkannt wird, ohne weiteres Entgelt in ihren Schriften

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ind Kleidermache: iurse beginnen wider rospekte und Auskunft

Eisenbahn vaiimschulen.

Unter den mancherlei Faktoren, die den Wald in den Vev- cinigten Staaten während der letzten Jahrzehnte mit bemerkens­werter Schnelligkeit zerstört haben, spielen die Eisenbahnen keine geringe Rolle. Insbesondere durch das Funkensprühcn haben ue ganze Wälder in Brand gesteckt, die Gebiete von riesiger Ausdehnung bedeckten; die Anlage von Feuerschutzstrcifen, die man in dem vorsichtigeren Europa bald als notwendig erkannte, hat man in Amerika lange Zeit für unnötig gehalten. Was machte cs denn, wenn ein kleiner Wald ab brannte? Es waren ia noch genug andere vorhanden. Und ebenfalls machte man sich keine Gedanken darüber, wenn man zur Herstellung von Brücken und anderen Eisenbahnbauten sowie zur Verarbeitung zu ^cl^vellen die umliegenden Waldungen einfach mederhieb, ohne für Wiederaufforstung Sorge zu tragen.

Tas hat sich nun aber bitter gerächt. Tie Waldungen sind infolge des Raubbaues und infolge der ganz allgemein betrie- beiwn Verschwendung so schnell zu Grunde gegangen, daß sie nach einer Berechnung des Forstamtes der Vereinigten Staaten irur noch etwa ein Menschenalter ausreichcn werden. Schon bc- ginnt sich Holznot fühlbar zu machen. Könnte man nicht aus dem Auslande Holz in bedeutenden Mengen einführen, so wäre diese Not bereits unerträglich geworden. Immerhin sind die volzprcise wesentlich gestiegen, und für die amerikanischen Bahnen bedeutet es eine recht unangenehme Mehrausgabe, daß man für Schwellen und für alle anderen Tinge, zu deren Herstellung man Holz verwendet, dies zum Teil zu hohen Preisen kaufen muß.

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k'eui- Abteilung «trenger Aufsicht.

la. Referenzen, nmeldg, bald, erbet -n. Bismarckstr. Ga I i: 101; 4-7.

junge Kaufleute.

bcmfelben Stoatc sind zwei große Anlagen zur Herstellung von! fügungsrecht überlassen. Nicht preisgekrönte Arbeiten werden den irisenoahnschwellen geschaften worden-, die zusammen heute be- ' ....

reits jährlich etwa V/2 Millionen' Eisenbahnschwellen hervor­bringen können. Man konnte ihre Eröffnung am 1. Juli 1910 vornehmen, weil nun zum erstenmal eine entsprechende Menge von Holz durch die Baumschulen geliefert wurde. Im ersten Jahre betrug die Zahl der hergestellten Schwellen 671369: doch hat sie sich bisher auf die angeführte Zahl (l/2 Millionen) gehoben. Ferner wurden etwa 41/» Millionen Kubikfuß Holz für andere Zwecke verarbeitet, da trotz aller Erfindungen der Neuzeit, die dem Eisen eine immer größere Rolle im Eisenbahnwesen ver­schafft haben, das Holz doch noch weiter eine ungeahnt große Rolle spielt.

dem Vorstoß geschoben. Herr v. Bethmann-Hollweg ivird den Zentrumsgelüsten ein energisches Halt zu gebieten haben. Tenn die Zeittimstände sind für einen neuen Kultur­kampf keineswegs günstig. Will die Reichsregierung sich nickst mit Haut und Haaren der Zcntrumspnrtei verschreiben, so muß sie an deren Wagen beizeiten die Bremse anziehen.

Wie der göttliche Städtebezwiiiger dem heraus­fordernden Euryalos begegnete, so müßte Herr v. Beth- mann-Hollweg also zum bayerischen Ministerpräsidenten sprechen:Jetzt umringt mich Kummer und Not; denn vieles erduldet hab' ich in Schlachten des Kriegs, und den schrecklichen Wogen des Meeres. Aber auch jetzt, so ent­kräftet ich bin, versuch ich den Wettstreit?" Und Herr von Hertling wird weniger leicht zu überreden sein als dev phäatische Jüngling, und wird von seinen Parteigenossen nicht, wie dieser von seinen Landsleuten, sagen: ,^Lieben nur immer den Schmaus, den Reigentanz, und die Laute, oft veränderten Schmuck, und warme Bäder, und Ruhe." Eifriger denn je sinnen die Zentrumsleute, trotz ihrer inne­ren Streitigkeiten, auf die Ausbreitung ihrer Macht.

vom ltalieuiich-tüikischen Kriegsschauplatz.

Auf in verschiedenen gut unterrichteten Kreisen ein­gezogenen Erkundigungen erfuhr das Reutersche Bu­reau, daß bisher in Konstantinopel von den Mächten nod) feine Schritte unternommen worden sind, um eine Vermittlung im türkisch-italienischen Kriege herbeizuführen. Die Mächte stellen Erwägungen an über die im Falle der gemeinsamen Mitteilung anzuwendende Formet. Jedenfalls ist nur in Aussicht genommen, im An­schluß an die vor einigen Wochen in Rom unternommenen Schritte sich zu vergewissern, unter welchen Bedingungen die Türkei bereit ist, über die Einstellung der Feindseligkeiten zum Zweck des Friedensschlusses zu verhandeln.

Die Landung neuer italienischer Truppen.

Rom, 12. April. Agenzia Stesani. In dem ausführ­lichen telegraphischen Bericht des Generals Caneva heißt es: Gestern um 11 Uhr 20 Minuten wurde auf dem Fort B u ch a m e z nahe der Grenze von Tripolis und Tunis die italienische Flagge gehißt. Während sich die demon­strative imposante Aktion in den Gewässern von Zuara, wo sich auch gestern noch unsere Seestreitkräfte mit den Truppen zur Ausschiffung an Bord befanden, abspielte, überwand man am 10. April früh kühn und energisch die nautischen und technischen Schwierigkeiten, denen sicher noch niemand bei ähnlichen Unternehmungen mit so beträchtlichen Streitkräften gegenübergestanden hat. Der erste Teil un­serer Truppen wurde bei der kleinen Halbinsel Macabez ausgeschifft. Mittags wurde das Truppengros ge­landet. Man ging an die Ausschiffung des Materials. Die Besetzung ist damit gegen etwaige Vorkommnisse voll­kommen gesichert. Hierdurch wurde auf alle Fälle das er ft e wesentliche Ziel erreicht, die Beförderung von Kriegskonterbande auf dem Seewege völ­lig zu unterbinden. Der Befehlshaber der Expedi­tion wünschte noch in derselben Nacht den Golf von Macabez ru durchqueren und über das Festland bis zu dem türkischen Fort Buchamez vorzudringen, aber das bewegte Meer hin­derte ihn. Am 11. April um 11 Uhr früh gelang es einer Kompagnie erythreischer Askaris und den Matrosenabtei­lungen die kleine Meerzunge, die zwischen der kleinen Halb­insel und der Küste liegt, zu überschreiten. Sie besetzten Buchamez ohne auf Widerstand zu stoßen und pflanzten dort die italienische Flagge auf. Während man die Ver­bindungen zwischen der Halbinsel und der Küste zur Ueber- schreitung der Meerzunge einrichtete, wurde der Feind durch

Infolgedessen hat die größte Eisenbahngesellschaft Nord- Amerikas, die Pennsylvania Railroad Company, deren Schienen­netz ungefähr die Ausdehnung des größten Staatsbahnnetzes der Welt (der Preußisch-Hessischen Staats bahnen) um- iaßt, vor einigen Jahren Baumschulen auf breitester Grund- I läge angelegt. In den letzten 9 Jahren sind nicht weniger als vier Millionen Bäume angepflanzt worden. Man begann 1902 ntit 13 610 Bäumen und steigerte die Zahl der angepflanzten Ääume von denen übrigens manche aus Deutschland bezogen wurden bis sie im Jahre 1909 die riesige Menge von 1 054 010 Anpflanzungen erreichten. Tie Baumschulen sind an verschiedenen Punkten östlich der genannten Gesellschaft von Pitts- buirg und Erie angelegt worden. Tie Baumschule in Morris-1 falle (im Staate Pennsylvania) umfaßt etwa 32 Acres, d. e.umu lu cujuiKn

ungefähr Hektar. In Mount Union und in Greenwich Point in1 zu veröffentlichen, kann aber auch dem Autor das freie Vev-

vertrag angeboten haben? Wir schweben im Dunkeln und wissen nur, daß Herr v. Bethmann-Hollweg die Homogeni­tät seines Kabinetts immer noch nicht erreicht hat, was wohl an seiner schwachen, schwankenden Zauderpolitik liegt. Ob er nun neue Befehle des Kaisers heim bringt?

Von diesem heißt es jetzt plötzlich, daß er im Juni eine Reise nach England antreten wolle. Es ist auch nur wieder eines jener Gerüchte, die das Volk beunruhigen und darum schädlich wirken. Hängt nun wieder alle Entscheidung beim Kaiser? Die törichte Mitteilung, daß er ein Theater­stückTie Familie" gedichtet habe, nimmt in Deutschland niemand ernst, aber französische und englische Blätter be­richten immer noch Einzelheiten darüber. Das Stück soll, so heißt es, für die väterliche Autorität in der Familie eintreten, und die Völker mit gemeinsamen Interessen müßten sich wie eine Familie zusammenschlicßen und nach gemeinsamer Beratung gleichfalls einer Autorität folgen. So spiegelt sich das Bild des Kaisers in den Köpfen der Ausländer. Und ist es gleich Unsinn, so hat es doch Methode, denn des Kaisers Vorliebe für Vergleiche und Gleichnisse ist bekannt. Es ist aber undenkbar, daß er die Politik seines Landes nach einem Operettenmotiv einrichten würde. Alles ruft nach dem Kanzler, denn er ist der verantwortliche Leiter der Reichspolitik, und wenn er die Gunst und Gnade des Kaisers besitzt, so besitzt er noch nicht das Vertrauen des Volkes. Dieses fordert von dem Leiter des Reichs­geschickes heute vor allem Wahrheit, Offenheit und Deut­lichkeit !

Der Besuch des Reichskanzlers in München, die Audienz beim Prinzregenten könnten zum Teil den auswärtigen Fragen gelten, wie es bekanntlich ja auch Bismarck geliebt hat, in schwierigen auswärtigen Dingen der Zustiminnng der leitenden süddeutschen Kreise sich zu vergewissern. Dann aber wird er mit Freiherrn v. Hertling über den neuesten bayerischen Jesuitenerlaß ein Wörtchen zu sprechen haben. Es geht um Spitzfindigkeiten und Haarspaltereien, wenn der Kanzler es nicht vorzieht, die jesuitischen Auslegungs­künste des Zentrums mit einem Kraftwort beiseite zu schieben. Zuerst hat die Zentrumspresse versucht, es so darzustellen, als ob das bayerische Vorgehen mit dem Erlaß der preußischen Verordnung zum Jesuitengesetz überein- stimmc. Tas hat aber dieNorddeutsche Allg. Ztg." erfreu­licherweise zurückgewiesen. Und jetzt verlegt man sich im Zentrumslaaer darauf, zu beweisen, daß die bayerische Auslegung der bundeSrätlichen Verordnung richtig, die preußische aber fatsch und schikanös sei. Der Streit ent­brennt darum, was unterOrdenstätigkeit" zu verstehen sei. Die bayerischen Gottesstreiter argumentieren so: ein Jesuit ist durch das Reichsgesetz gewissermaßen zu einem Doppel­wesen gemacht worden. Ms Jesuit und Ordensmann darf er kirchliche Funktionen innerhalb der Reichsgrenzen nicht ausüben, aber als Priester darf er in der Seelsorge unein­geschränkt tätig sein. Man sagt das natürlich mit etwas anders lautenden Worten und läßt es mit Duldermiene auf dem Papier stehen, daß die Tätigkeit der Jesuitem innerhalb des eigentl. Aufgabenkomplexes des Ordens" durch Gesetz verboten sei. Die preuß. Regierung hat sich be- sttmmter ausgesprochen und erklärt:Als Ausübung der Ordenstätigkert sei anzusehen jede priesterliche uiib' seel­sorgerische Tätigkeit, insbesondere Predigt, Beichte, Abso­lution, Messe und Sakramentsverwaltung." Auch das Halten von religiös-wissenschaftlichen Vorträgen und der sogenannten Konferenzvorträge durch die Jesuiten sei un­statthaft. Es ist klar, daß man in Bayern versucht, in das Reichsaesetz Durchschlupfpforten hineinzubauen. Das baye­rische Zentrum hielt die Zeitumstände für günstig und man erzählt, cs habe den zögernden Freiherrn v. Hertling zu

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politische Wochenschau.

Gießen, 13. April.

Die amtliche Berichterstattung hat am Ostertage aus Korfu einen hübschen und anschaulichen Stimmungsbcricht geliefert. Schloß und Park Achilleion erstrahlen in neuem Glanz; die Palmen und Blumen sind vermehrt worden, und nun duften weithin die Levkoicn, der Goldlack, die Rosen, die Orangenblüten. Auch zwo Pfefferbäume stehen in der Nähe des Schlosses, und der griechen-begeistertc Kaiser hat eine Büste Homers zu den übrigen Bildnissen stellen lassen. Wirklich, das korfuotische Schloß blinkt wiedes edelgesinn­ten Alkinoos' prächtige Wohnung", von der der blinde Sänger den schönsten seiner Gesänge gedichtet hat. In diese Herrlichkeiten wurde der Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg wie ein anderer Odysseus hineingeführt. Bewun­dernd stand er vor den korfuotischen National-sTänzen; obgleich ihm aber im Glanze des Schlosses das schöngebildete Bette und die geglättete Tafel nicht fehlten, wird er nur stöhnend die Worte des herrlichen Dulders unterdrückt haben:Erbarmt euch mein, und sendet mich eilig zuv Heimat." Und nun kehrt er wieder zurück, über München, wo die Zentrumsgöttin Kalypso ihm vielleicht Unsterblich­keit und nimmer verblühende Jugend verspricht.

ES soll nicht bemäkelt werden, daß der in seiner Wesens­art nüchterne Reichskanzler auf des Kaisers Schiff diesd romantische Fahrt hat machen dürfen. Als stille Klausner denken wir uns des Reiches Lenker nicht. Aber das deutsche Volk hat noch andere Aufgaben als die Phäaken, und es baut seine hurtigen Schiffe nicht zu seinem Vergnügen, sondern $u ernster Wehr. Der zurückkehrende Reichskanzler findet viele höchst unerquickliche Gerüchte bei uns vor. Man erzählt sich, die Tage des Staatssekretärs v. Kiderlen- Wächter seien gezählt, weil er in der englischen Verständi­gungsfrage nicht einig mit dem Kanzler gehe. Und auf der andern Seite fliegen demokratische Wurfgeschosse nach dem Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz, der als Scharfmacher verschrieen wird. Der Aba. Haußmann soll, so munkelt man, seine Pfeile im stillen Einverständnis mit Kiderlen, feinem Jugendfreund, abgesandt haben. Man spürt also alles eher, als einen festen, sicheren Kurs. Und wenn nun wieder einer der Staatssekretäre den Staub von den Füßen schütteln muß, wird der Reichskanzler toi eher um einen Grad unbeliebter werden weil man ihn im* Volke nicht versteht und er, wenn er überhaupt bestimmte Ziele verfolgt, sie versteckt und verschleiert. Wenn jetzt der Standard" dreist und anmaßend den Rücktritt Tirpitzens verlangt, so ist an dieser Entwicklung nicht nur der Abg. Haußmann, sondern letzten Endes auch der Reichskanzler selber schuld. 8

Herr v. Kiderlen-Wächter hat, wie man weiß, schon bei seinem Amtsantritt nicht gerade in Kaiserlicher Huld ge­standen, ist aber dann doch den ihm gegebenen Winken sehr bereitwillig gefolgt. Die äußere Spur seiner Wirksamkeit, oder, um mit Bülow zu reden, fein Markstein, ist der Ab­schluß des Marokko- und Kongovertrages. Der hatte dann allerdings einige für den Staatssekretär, seine Glaub­würdigkeit und die Folgerichtigkeit seiner Entschlüsse un­erwünschte Preßerörterungen zur Folge. Wenn er wirklich nurmißverstanden" worden war, so ist das auch schon kein Ruhmeszeichen für ihn. Dann hieß es, er fei bei Halb an es Besuch in Berlin kaltgestellt worden und fiihle sich zurückgesetzt. Sollte er jetzt wirklich, den man für einen Schüler Bismarcks hielt, den Lockungen oer Engländer folgen wollen, die, so viel wir wissen, uns noch keinen Bündnis-

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