*bet Lage Vorteil! ziehen und Rußlands Interessen schaden würde. Der alte Argwohn wäre dann noch vertieft worden. Anstatt dessen ist, wenn wir auch in Einzelhetten verschiedener Meinung gewesen sein mögen, nie der Verpacht vorhanden gewesen, daß auf einer Seite der Versuch gemacht werden könnte, die Lage in Persien zum Rächten des anderen auszunutzen, und die Tatsache, daß es )o -gewesen ist, ist im Interesse der beiden Länder und des Friedens gewesen. . ..
Grey besprach die Mittel meer frage, btc von größter Bedeutung sei und tatsächlich die auswärtigen Beziehungen ebenso wie die Flottenfrage auf die Tagesordnung setze. Es würde schwierig sein, über die Angelegenheit ein endgültiges Urteil zu fällen, weil es so, voll Ab Ftufungen und Steigerungen und so ausgedehnt sei. Aber er wolle sich bemühen, die Frage in zwei streng geregelte Teile zu sondern. Man dürfe sich n i ch t auf die auswärtige Politik allein für den Schutz des vereinigten Königreichs verlassen. Wenn Sie die Sicheryeits- grenze der Heimatsflotte unter das Maß dessen fallen lassen, was gegen sie aufgebracht werden könnte,^stellen Sic der auswärtigen Politik eine Aufgabe, die Sie ihr nicht stellen dürften. Sie müssen der Flottenmacht eine genügend sichernde Stärke geben, was immer Ihre auswärtige Politik sein mag, sonst wird Ihre auswärtige Politik überhaupt unmöglich, weil sie bei jeder diplomatischen Lage, die entsteht, wenn sie in den heimischen Gewässern gegenüber der Rachbarflotte oder gegenüber den Nachbarflotten unterwertig ist, nachgeben müssen und ähre Stellung dann nicht diejenige einer Großmacht sein wird. Was das Mittelmeer anlangt, so zögere ich nicht, zu sagen, daß wir dort entweder eine genügende Streitmacht haben oder in kurzer Zeit dorthin entsenden müssen, um jedem dort möglicherweise eintretcnden Ereignis begegnen zu können. Uns droht augenblicklich keine Gefahr, aber wir sind im Begriff, das ,Mittelländische Meer aufzugeben und uns selbst in eine Lage zu versetzen, in der wir unsere Interessen im Mittelländischen Meer nicht schützen können. Andererseits ist .cd nicht nötig, eine Streitmacht im Mittelmcer zu unterhalten, die jeden Augenblick imstande ist, sich gegen alle ^Flotten zu behaupten. Gegenwärtig ist keine Aussicht auf irgend einen Streit mit einer anderen Macht im Mittelmeer vorhanden. Ich glaube nicht, daß es eine einzige Macht gibt, die gegen uns feindliche oder nachteilige Pläne erwägt. Aber wenn wir das Mittelmeer gänzlich aufgeben, würde sich die Tendenz herausbilden, mit uns nicht mehr zu rechnen.
Soweit kann ich die Dinge heute abend erkennen. Ich ,gcbe zu, daß wir eine ausreichende Seestreikmacht im Mittelmeer unterhalten müssen, um uns zu den Seemächten des Mttelmeeres zu rechnen. Tie Frage des Stärkestan- dards kann ich nicht erörtern, aber um als eine Seemacht pes Mittelmeeres angesehen zu werden, müssen wir dort über eine ansehnliche Flotte verfügen.
Unsere auswärtige Politik bleibt unverändert. Ter 'Ausgangspunkt jeder Entwickelung unserer auswärtigen europäischen Politik ist die Erhaltung der freundschaftlichen Beziehungen zu Frankreich und Rußland. Nehmen wir das als Ausgangspunkt an, -dann lassen Sie uns die bestmöglichsten Beziehungen zu 'den anderen Ländern haben. Wenn wir Frankreich und ^Rußland im Einklang mit einer großen europäischen Macht in gutem Verhältnis mit ihr sehen, wie das durch das Zusammentreffen des deutschen und russischen Kaisers geschehen ist, so haben wir allen Grund, uns selbst zu be- 'glückwünschen. Wir sind vollständig überzeugt, daß Frankreich und Rußland uns nicht minder freundlich gesinnt sind, als wir ihnen. Nichts, das gelegentlich solcher Zusammenkünfte, wie der letzten, stattfindet, bringt uns Nachteile oder hinterläßt eine störende Wirkung auf die Beziehungen zu Deutschland (Beifall). Grey verlas ein offizielles Kommunique, welches nach dem Entrevue veröffentlicht wurde und sagte, er schließe sich dem an. Ter Redner sprach sodann über die englisch-türkischen Verhandlungen betreffend die Bagdad-Basra-Eisenbahn. Die Türkei stehe in Unterhandlungen über eine Anleihe für eine Eisenbahn unterhalb von Bagdad, die Gegenstand eines Abkommens der Türkei mit Deutschland sei, durch welches die Türkei ihre Aktionsfreiheit bezüglich der Eiscnbahn- dauten unterhalb Bagdad wieder erlangte. Die deutsche Regierung sei vollkommen in Kenntnis gesetzt, daß die Verhandlungen Fortschritte machten. Wenn durch die Verhandlungen deutsche Interessen berührt werden, dann sind wir natürlich vollkommen bereit, die A n g el e g en h e i t mitdcr deutschen Regierung zuerörtern, aber gegenwärtig ist die Basis der Unterhandlungen, ob wir -unsere Zustimmung dazu geben, daß die türkischen Zölle, die die Türkei braucht, erhöht werden. Ferner ist es die wichtige Angelegenheit, die wir zu sichern wünschen, daß zwischen der Türkei und uns eine Verständigung über den Statusquo am persischen Golf zuftandekommt. ES handelt sich allgemein um ein Abkommen mit der Türkei über einen zufriedenstellenden Statusquo im Golf, durch welches der Türkei vollkommen klar gemacht wird, daß wir die Rechte auf diesem Gebiet nicht verletzen wollen und durch welches ebenso klar gemacht wird, daß unsere besondere Stellung im Golf, der wir eine Wich
tigkeit beimessen, diesen Rechten nicht wieder- streitet. Diese Unterhandlungen sind noch nicht
;§um Abschluß gelangt. Wir sind keinem Syndikat verpflichtet und swerden suns keinem Syndikat verpflichten, wenn chic Bedingung «gestellt wird, daß die Eisenbahn über Basra hinausgehe. — Sodann kam Sir Edward Grey auf die stranspersische Eisenbahn zu sprechen und sagte: Großbritannicm erklärte, wenn eine Eisenbahn gebaut werden solle, müsse England sich große Aktionssreiheit bezüglich der Konstruktionen, der Leitung, der Verwaltung, Vertretung der britischen Interessen, Fracht- und Personentarife und besonders der Spurweite ausbedingen, bevor es den Plan unterstützen könne. Bevor England den Plan unterstützen könne, müsse mit Rußland ein Vertrag zustande kommen über die Zweiglinien, über die Kontrolle der Linien in der britischen Sphäre und über die Gleichberechtigung des britischen Verkehrs.
London, 11. Juli. In seiner Rede im Unterhause besprach Sir Edward Grey die Lage im fernen Osten und sagte, die auswärtige Politik und die Flottenstratcgie müßten voneinander abhängen. Tic Beziehungen zwischen der japanischen Allianz und der Flottenstrategie seien sehr eng. Der Wert der japanischen Allianz liege darin, daß trotz all der Unbeständigkeit in China und der «qchwierigteiten, die jfid) dort erheben, keinerlei internationale Komplikationen ^entstanden sind. Die japanische Allianz wirkte nur gutes uni) brachte England nicht in schlechte Beziehungen zu irgend einer fremden Macht. Im Gegenteil, die Beziehungen zwischen Rußland und Japan seien jetzt ausgezeichnet und •er glaube, die Allianz fei mehr denn je im gegenseitigen
Interesse der beiden Länder. Sie sei mit großer Zurückhaltung und vollkommener Loyalität gegeneinander abge- chlossen worden. Sie sei ein großer wohltätiger Faktor in der Erhaltung des Friedens im fernen Osten gerne,en.
Nachdem Sir Edward Grey feine Rede geschlossen hatte, drückte Bonarlaw die allgemeine Billigung für die Erklärungen des Staatssekretärs auS, kritisierte jedoch die Haltung in der Mittelmeerfrage und erklärte, Englands Mittelmeerflotte müsse stark genug sein, um jeder wahrscheinlichen Angriffslombination überlegen zu sein. Was die englisch-deutscyen Beziehungen anlange, so habe England keinen Streit mit Deutschland. Memand wünsche etwas anderes, als mit Deutschland im besten Einvernehmen zu leben. Tic beste Art und Weise, mit Deutschland in möglichst gute Beziehungen zu kommen, sei, wenn in irgend einer Zeit eine Ursache nicht zu einer Reibung sondern zu einer Meinungsverschiedenheit entstände, dieser in der offensten Weise gegenüberzutreten, im übrigen Geduld zu zeigen und sich zu vorgegenwärtigen, daß nur auf diese Weise ein bestes Einvernehmen zustande gebracht werde. Bonarlaw betonte, die Tripelentente sei der Gnindton Englands zur auswärtigen Politik, aber es sei lächerlich, von einer Verteidigungsentente zu sprechen oder zu reden, als ob sie eine Unfreundlichkeit gegen Deutschland sei. .Es sei die natürliche Politik für England, wenn die Unionisten wieder an die Regierung tommen sollten, würde sie auch die Politik der Unionisten sein. Darauf wurde die De- batte geschlossen.__________________________■
Die Lage in der Türkei.
Nach einer Meldung der politischen Korrespondenz in Konstantinopel hält man die Demission des Gesamtkabinetts für wahrscheinlich. Es sollen bereits Verhandlungen mit dem türkischen Botschafter Londons Tewfik Pascha bestehen, um ihn zur Uebernahrne des Großwesirats des Aeußern zu gewinnen.
Es heißt, daß das Portefeuille des Krieges dem Inspekteur des 4, Armeekorps in Erzerum, Osman Pascha, angeboten worden sei. Dieser habe bereits angenommen.
Ein Bataillon ist aus M o n a st i r in Konstantinopel eingetroffen. Die Meuterei in Monastir verliert täglich an Bedeutung. Die desertierten Offiziere dürften, da die Verhandlungen günstig verlaufen sind, in zwei bis drei Tagen zurückkehren. Dack)awid Pascha ließ den Soldaten, die ihre Löl>- nung aus der von den Meuterern mitgenommenen Regimentskasse zu fordern hatten, den Sold auszahlen, womit sich die Soldaten beruhigten. Fadil Pascha hat angeordnet, daß die Mannschaften des Redifregiments von Jschtip, welches sich in Mitrowitza befand, und unter dem eine erregte Stimmung herrschte, die Waffen abliefern und beurlaubt werden. Zwei Bataillone Reservisten ans Anatolien, die bisher in Ipek und Djakowa waren, sind gleichfalls entlassen und in die Heimat zurückbefördert worden. Es sind Maßnahmen getroffen worden, um die erschütterte Tisziplin in den Gendarmeriebataillonen von Ipek und Djakowa durch Zuweisung verläßlicher Offiziere wieder herzustellen.
Der Mali von K o f s o w o berichtet von einem Kampf, der am 6. Juli zwischen den Truppen und den Albanern unter den Unterführern Bairam Zour und Riza-Bey stattgefunden habe. Die Albaner seien unter großen Verlusten zersprengt worden. Tie Truppen hätten sieben Tote und Verwundete. _
Tie Behörden von Dschumaibala berichten, daß im Perim- Gebirge ein Kampf zwischen Gendarmen und einer Bande bulgarischer Woiwoden stattgefunden habe. Tie Behörden haben eine starke Gendarmerieabteilung an den Kampfplatz entsandt.
Der monarchistische putsch in Portugal.
Aus Lissabon wird gemeldet: Den monarchistischen Aufrührern von Cabeeeiras de Basto gelang es, nachts zu entkommen. Sie werden von republikanischer Kavallerie verfolgt. In Cabeeeiras de Basto wurden 27 Personen verhaftet, die im Verdacht stehen, den monarchistischen Putsch begünstigt zu haben.
In Cabeeeiras de Porto hatte ein Kaufmann seinen Wein vergiftet. Ein republikanischer Offizier und ein Soldat tranken davon, wurden aber gerettet. Die Niederlage wurde durch das empörte Volk angezündet. Eine monarchistische Fahne wurde feierlich in Gegenwart der Truppen verbrannt.
Die Kolonne Conceiros flüchtete in die Berge von La- r o u c o. Wie es scheint, wollen die Aufständischen von Cabeeeiras de Basto zu ihnen stoßen. Der Pfarrer nahm 800 Männer mit. In der Ortschaft verblieben nur Frauen, Kinder und Greise.
Nach einer Blättermeldung auS Madrid beschloß der spanische M i n i st e r r a t die Absetzung der Gouverneurs von Orense wegen seines nachlässigen Verhaltens gegenüber den portugiesischen Verschwörern.
Deutsches Reich.
Die „Ho henz ollem" mit dem Kaiser an Bord ist nach guter Fahrt am Donnerstag abend 714 Uhr vor Bergen eingetroffen. An Bord ist alles wohl.
Tie badische Zweite Kammer hat mit den Stimmen der Nationalliberalen, Fortschrittler und Sozialdemokraten gegen die Stimmen des Zentrums und der Konservativen die Forderung für den Münchener Gesandtschaftsposten ab» gelehnt. Staatsminister Freiherr von Dusch gab seinem lebhaften Bedauern über diese Stellungnahme Ausdruck und betonte, daß es sich hier nicht um eine innerbadische Angelegenheit handle, sondern daß diese Frage die Beziehungen zu den Nachbarstaaten berühre und daß die Gesandtschaft gerade nach dieser Richtung hin gutes gewirkt habe.
Ausland.
Paris, 11. Juli. Der Senat hat den marokkanischen Protektoratsvertrag in einfacher Abstimmung angenommen.
Bern, 10. Juli. Bundesrat Tr. med. Adolf T eucher ist heute abend gestorben. Der Verstorbene war in den Jahren 1886, 1897, 1903 und 1909 Bundespräsident.
' Brüssel, 11. Juli. In der belgischen Kammer, die seit ihrem Zusammentritt am Dienstag über die Taktik der Regierungspartei während der Wahlbewegung verhandelte, kam es heute nachmittag zu großen Lärmszenen, in deren Verlauf sich der Alterspräsident veranlaßt sah, die Sitzung auf 3/< Stunden zu unterbrechen. Ten Anlaß zu den Tumulten gab eine Acnßerung des neugewählten Abgeordneten B r i f a u t von der katholischen Partei, die dieser in einer öffentlichen Versammlung am Sonntag in Roulers getan haben soll: „Wenn auch nicht alle Antiklerikalen Kanaillen sind, so sind doch alle Kanaillen Antiklerikale!" Ter Führer der Liberalen, Abg. Heimans, verlangte eine Erklärung wegen dieser Aeußerung. In diesem Augenblick brach der Tumult los, da anscheinend mehrere Mitglieder der katholischen Partei ihren neu gewählten Kollegen in Schutz nehmen wollten. Man hörte Ausdrücke wie Schmub- fink, elender Feigling usw. Der Präsident rief zwei soziallstische Abgeordnete, die sich als Urheber der Zwischenrufe bekannten, zur Ordnung und unterbrach die Sitzung. Am Schluß der Sitzung juchte Brifaut durch eine verklausulierte Erklärung den Zwischenfall mit Heimans zu erledigen, es wurden ,edoch dadurch wiederum ungeheure Lärmszenen verursacht, schließlich bezichtigten die Führer der Liberalen und der sozialisttsck>en Partei Brrfaut der Feigheit und Taktlosigkeit. Unter großer Erregung wurde die Sitzung geschlossen. Infolge dieses Zwischenfalls hat der liberale Deputierte Telfaux dem katholischen Deputierten Brisant seine Zeugen gesandt.
Petersburg, 11. Juli. Ministerpräsident Kokowtzow erklärte in einer Unterredung seine Befriedigung über die
Tage von Baltisch-Port. Aus die Frage, ob die Zufammen- kunst bett türkisch-italienischen Friedensschluß beschleunigen merbe,- antwortete der Ministerpräsident diplomatisch ausweichend, betonte aber, daß Rußland und Deutschland in allem völlig einig; eien. Tie Verhandlungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag seien in Baltisch Port nicht berührt worden.
Moskau, 10. Juli. Ter Reichskanzler v. Selbmann» H 0 llweg traf um 10.30 Uhr auf J»cm Bahnhof ein und wurde vom deutschen Konsul und den Vertretern der dentschen Kolonie empfangen. , ' __
Paris, 11. Juli. Ter „Temps meldet aus Mogador vom 10. Juli: Ter Prätendent El Hiba entsandte einen Stellvertreter nach Tarundant, der den dort befindlichen Deut- 'eben den Befehl erteilte, innerhalb zwölf Stunden bie «tobt zu verlassen. Er bot ihnen gleichzeitig zu ihrer Sicherheit eine Begleitung von 15 Reitern an. Tie Deutschen dürsten sich bereits aus dem Weg nach Agadir befinden.
Arbeiterbewegung.
Hannover, 11. Juli. In der hannoverschen Meta l l i n d u st r i e ist nach beinahe dreimonatigem Kampfe der Friede eingetreten. Rack)dem vorgestern die in den ciuGlichen Gewerkschaften organisierten Arbeiter die neuen Vorschläge der Arbeitgeber angenommen und gestern die Hirsch-Tunckerschen Gc- werkvereine die Arbeit ausgenommen haben, nahmen, die auch im Teutschen Metallarbeiterverband Organisierten geltem und heute in 10 Versammlungen in geheimer Abstimmung mit 2793 gegen 2633 Stimmen die Bedingungen der Arbeitgeber an. Die Einigungskommission tritt morgen früh nochmals zusammen, um über die Wiederaufnahme der Arbeit die letzten Vereinbarungen zu treffen. Tas Angebot der Arbeitgeber besteht in 57 itünbigct Arbeitszeit, die vom 1. Juli 1913 ab auf 56V» StunbcnJjerab- gefetzt wird und in einer Lohnerhöhung um 3 Pfg. pro Stunde.
Zürich, 11. Juli. Tie hiesige A r b e i t e r u n 10 n hak ür morgen den 24 stündigen Generalstreik als Protest gegen die Einführung von Streikbrechern beschlossen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 12. Juli 1912.
•• Die Stadtverordneten besichtigten gestern nachmittag unter Führung von Direktor Steding das Gaswerk und daran anschließend unter Führung von Professor Dr. GiseviuL die Versuchsfelder des Landw. Instituts an der Marburger Straße, der Licher Straße und jenseits dec Lahn.
** Naturtheater Gießen. Die letzten Proben lerechtigten zu schönen Hoffnungen; das Märchcnspiel mit den Nymphenreigen und -gcsängen klappt; unter den Tänzen wird der „Schwälmer" eine besondere Anziehungskraft aus-, üben; insofern ist eine Aenderung im Programm eingetre- ten, als er (der Schwälmer) an fünfter — d. h. an letzter — Stelle kommt, die Ringelreihentänze gehen ihm voraus. Auf mehrfaches Befragen fei auch an dieser Stelle (näheres im Inserat) mitgeteilt, daß Eintrittskarten im Vorverkauf bei Herrn Challier, Neuenweg, und außerdem an den Kassen am Ludwigsbrunnen zu haben sind.
•• DaS fünfte Abonnementskonzert, zu dem Obermusikmeister Löb er wieder ein sehr schönes Programm aufgestellt hatte, war ebenso wie die vorhergehenden wieder so außerordentlich stark besucht, daß Tische und Stühle nicht ausreichten. Das Konzert hatte durch die Mitwirkung deS Cornet a pistou-Vittuosen Wig gert von der Kgl. Oper in Dresden eine besondere Anziehungskraft erhalten. Herr Wiggert handhabte sein Instrument mit Geschmack und Geschicklichkeit und sand bei dem Publikum lebhafteste An-- erkennung. Die von ihm selbst komponierte ungarische Rhapsodie ist zwar nicht ohne fremde Einflüsic, aber frisch und gefällig und kommt den Möglichkeiten des Cornet ä piston in weitgehendem Maße entgegen. Außerdem spielte Herr Wiggert die Schleinitzsche Romanze ohne Worte und die Serenade in Es-dur von Wunderlich. Von den übrigen Programmnummern erwähnen wir die große Fantasie aus der Götterdämmerung, da§ Vorspiel zu den Lustigen Weibern und zu Fra Diaoolo, den Einzug der Gäste auf der Wartburg,! Divertissements aus der Boheme und den vierten Preismarsch aus dem Wettbewerb der „Woche*: Im Schmuck der Waffen.
♦* Straßenbahn. Wie wir erfahren, wird von der Verwaltung beabsichtigt, den Bediensteten der elektrischen Straßenbahn in Anbetracht der beim Turnfest geleisteten Mehrarbeit eine besondere Belohnung zu gewähren.
** Tödlicher Unfall. In einem Neubau der Licher Straße stürzte gestern mittag bei Abnahme, des Gerüstes der 40 Jahre alte Weißbinder Ludwig Eisen- feller aus Hattenrod vom 2. Stock die Trcppenöffnun^ hinab und erlitt derart schwere Verletzungen, daß er kurz nach feiner Einlieferung in die Klinik ftarb.. Eisenfcllcr, der an epileptischen Anfällen gelitten haben soll, befand sich allein im 2. Stockwerk und ist vermutlich beim Eintreten eines solchen Anfalls die Treppenöffnung hinab gefallen. Den Transport des Verletzten führten Mannschaften der Sanitätskolonne aus.
•• Kautionsschwindler. Die Kriminalpolizei im Elberfeld verhaftete einen Unbekannten, der sich Georg Wolf Wülfer auS Deedwood in Kanada nennt und erfolgreichen Kautionsschwindel betrieb, indem er in den Zeitungen für die Firma Conrad & Co. in Esten Kassierer gegen KautionS- leistung suchte, den sich Meldenden das Geld abnahm, aber eine Stelle selbstverständlich nicht existierte. Da der Betrüger! in einer Anzahl von Städten ausgetreten ist, wird die Zahl! der Geprellten wohl nicht unerheblich sein, und sie werden^ gut tun, sich zu melden.
"Wertvolle Geige. 60 000 Mark Wert hat einet aus dem Jahre 1713 stammende Stradivari-Geige, die am- 7. I, Mts. einem SDiufiter in Berlin abhanden gekommen ist. Unter Warnung vor Ankauf hat der Eigentümer eine Belohnung von 500 Mark auf die Wiederherbeischaffung ausgesetzt.
•• Die Schlachtvie hpreise, die die Gießener Metzger heute anlegen, stellen sich wie folgt: Ochsen 9)tf. 10G bis 102, Rinder Mk. 93—95, Kühe Mk. 82—84 Mk., geringere Kühe Mk. 76—80, Kalber 1. Sötte Mk. 92—94, 2. Sorte Mk. 88—90, Schweine Mk. 74—76 der Zentner^ Schlachtgewicht. Der Viehhandel rechnet damit, daß in vier Wochen, wo daS Weidvieh schlachtreif wird, die Rindviehpreise billiger werden und bietet demzufolge jetzt schon fette Ochsen, in 4—5 Wochen lieferbar, mit 2)lf. 96—98 den Zentner an.
Landkreis Gießen.
^Ettingshausen, 11. Juli. Die Bachregulierung des durch unsere Gemarkung fließertden Eschers-' b ach es nimmt ihren Fortgang. Es werden .jetzt die Kurven und Bogen des Flußbettes zwischen Ettingshausen und Münster gerade gelegt. Damit kommt aber auch die bisher einzige günstige Badegelegenheit in Wegfall, denn) auch der Tümpel „Hcunmerfrahl" wird verschüttet werden.'


