Ausgabe 
15.8.1912 Erstes Blatt
 
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Fremdenler schicdenen hiesig

i Staatsmänner von ihren auf die Freigabe der Tardanellcn- durchfahrt gerichteten Wünschen abzubringcn, die den Fran­zosen sehr unbequem sind, tvcil sie cs einmal nicht mit der Türkei verderben wollen, und zweitens begründete <-ck)<u

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2em Prinzen Heinrich von Preußen gingen zu seinem 50. Geburtstage lalstrciche Glückwunschtelegramme zu, dar-

Kurze Nachrichten aus Kunst Und Wissen­schaft. Ter Schriftsteller Johannes Trojan wurde zu seinen" 75. Geburtstag von der Universität Rostock zum Tu phil, ehrenhalber ernannt-.

Hugo leb,Hoflieb IM.dKönigsvSdcton.

Deutscher Ne ich.

Wieder zwei Spione verhaftet.

Der italicnifdptürfndK Krieg.

Rom, 14. Aug Ägencia Stcsani meldet auS Mas- au a: Hierher gelangte Nachrichten aus arabischer Quelle besagen, daß der Scheit Jdriß nach fünftägigem .stampfcdielürkischenTruppcn beim Berge Sljnnt- san geschlagen and ihnen beträchtliche Berluste zuge­fügt habe.

Tic Italiener scheinen sich in der Eirenaika recht fidjcr zu fühlen TaS gebt, wie man uns schreibt, auS einem an bic Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen A. I Tröster in Buh' bad) (imdnclcn Schreiben hervor, in wclckjcm eine Girina in Bcnghafi um die Vertretung deS genannten Kaufes bittet und gleichzeitig eine Bestellung auf landwirtsdjaftliche Maschinen an­gibt. Tas Haus in Benghasi betont besonders die große Frucht- barkeit des LandcS und fetzt große Hossnungen aus eine günstige wirtsdmitliche Entwicklung der olkupierten türkischen Provinz.

>to ustan tinopcl, 15. Ang. Hier wird an einer Grundlage zum Frieden mit Italien gearbeitet, lieber die Basis selbst herrscht unverbrüchliches Schweigen.

Laut Meldung aus Konstantinopel bewegen sich die bedeutend fortgeschrittenen offiziosenFrie- d e n s v e r h a n d lu n g c n auf der Grundlage, daß Italien nur Tripolitaiiien erhalt, die Cyrcnaika aber der Türkei zurückgibt. £

.iwfS S. Ohlendorh i- llhornmarke marke bi der y

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befindlichen TreadnougbtS. Ader das wird nicht unse, letztes Wort sein. ,

Paris, 15. Aug. Ministerpräsident Poincar 6 r,ch« tete vor seiner Abreise nach Moskau an Präsident F a l 1 i <- rcS ein Telegramm, worin er seine volle Zufriedenheit über den Verlauf der Petersburger Verd.indlungen auS- brürft ES seien alle aktuellen fragen erörtert worden.

Moskau, 14. Aug Ministerpräsident PoincarL ist heute hier eingetrossen. .

Zu Ehren des französischen Ministerpräsidenten Pom- carö gab heute der Gouverneur ein Frühstück. Abends veranstaltete die sranzösischc Kolonie ein Festmahl.

Ter BerlinerLokalanzeiger'" meldet auS Peters­burg. Ter hiesige englische Botschafter soll voll- konrmen auf dem Laufenden sein über die französisch» russischen Bcrl^andlungen.

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Karlsruhe, 14. Aug. Hier sind zwei Personen unter dem Verdacht der Spionage verhaftet wor­den, oie sich an Personen deS Soldatemtandes beranflcmadft hatten, um sich militärisch geheim zu haltende Gegenstände^^, verschaffen und diese an Frankreich zu verkaufen. Wie wir erfahren, handelt eS sich um verheiratete Tage­löhner, 30 und 40 Jahre alt, von denen einer in der Fremdenlegion gedient hat. Tie beiden haben sich in ver­schiedenen hiesigen Wirtsckwften an einen Unteroffizier heran- gemacht und ihn durch Versprechen zu bewegen versucht, sich geheim zu haltende Waficnteile und Munitionsgegenstände zu Der- ichaffen, die nach Frankreich zu hohen Preisen verkauft werden sollten. Ter Unterossizier machte hiervon seiner vorgesetzten Behörde Meldung. Tic Untersuchung wird von dem hiesigen Landgericht geführt und die Vorlage des Tatsachenmaterials au den Lberrcichsanwalt steht unmittelbar bevor.

buchen müssen.

Tabei muß nun auffallen, daß sogar die Jnsormationen aus französisckjer Quelle lediglich von Zugeständnissen Frankreichs, nichts aber von russischen Gegenleistungen zu hcrid)tcn wissen. Wenn Frankreich sich zur Unterstütz'.lng der russischen Bestrebungen in der Mongolei grundsätzlich bereit erklärt, wenn es einwilligt, in dem Konsortium der Mächte für die chinesische Anleihe seine Haltung den Souder- Interessen Rußlands cntspreck)cnd cinzurichtcu, und wenn vereinbart wurde, daß die neu zu schaffende Linie der inatolischcn Eisenbahn, deren Konzession in französischen Händen ist, sich nicht allzu sehr der Kaukasusgrenzc nahem oll, um eine Ansammlung türkischer Truppen dort nach Möglichkeit zu verhindern, so sind das drei neue Beweise Sasür, daß das Zarenreich auch außer den Milliarden, die der Alliierte ihm bar gepumpt hat, aus dem Zlveibund Kapital zu schlagen weiß.

banger Entbehrungen und harter grauer Pflichterfüllung nicht ertötet- aber dod) geknebelt hatten. ,

Ter 22jährige Massenet tonnte auf keine lichte lorgloie ^ugcnb zurückblicken, wie sie sonst Kindern vielleicht vergönnt ist, und er brauchte einige Zeit, eljc er aus dem Sd-alren der Vergangenheit den Weg in daS Licht der oft harten aber Haren Wirklichkeit sand. Tas i ü n g st e Ä i n b unter 21 Geschwister n. Tas rhyth­mische Hammern der Schmiede und der harie Auseinanderllang von Meiall auf Metall begleitete die Geburt deS Kindes und auch seine ersten LcbenSjalne. Er selbst, der noch immer arbeitsfrohe und unermüdliche Siebziger, der nun in das Reich der tstfatten ein- getreten ist, liebte es, mit einem milden halbtraurigen Lächeln von jenen fernen, fernen Erinnerungen zu sprechen:Beim Tröhnen schwerer Erzhämmer bin ich geboren". Und wie ent­schuldigend fügt er hinzu:So wemgstens würden früher die Tichtcr gesagt Ijaben". Ter Vater beschäftigte in seiner Fabrik viele Tiroler, und diesen Kindern dcutichcr Alpenwelt, die gern durch heimische Weisen die harte Eintönigkeit ihrer schweren Arbeit verschönern, verdankt der Heine Jules seine critcn mun kalischen Eindrücke, die durstig cingesogen werden, schon das vicr- lährigc Kind meck-amsch zum Klavier treiben und in schüchterner Nackxchmung jener Tiroler Volkslieder die ersten Geheimnis,e des Musikinstrumentes ahnen lassen. 'Tie Eltern zögern nichi, dieje so ursprünglich erwachende Liebe zur Musik zu fordern. Aber als der Neine Jules glücklich sechs Jahre alt ist, Dcntummtn xn ihm die Schmiedehammer und auch die Tiroler Lieder: unter den Wogen der Revolution von 1848 wird die Werkstatt, die Fabrik der Eltern zertrümmert und das Gespenst der Nol treibt fie alle, die vielen Brüder und Schwellern, von der Heimat fort in das rauschende fremde PariS. AlS neunjähriges Kind wird der Heine Massenet »ns Konservatorium ausgenommen, er ipich Beethovens Sonate vp. 18 zum Entzücken der Lehrer, aber ihre Freude vermag fein Heimrr-eb und dasGeftihl trostloser Eimam feit nicht zu mildern. Er flieht sogar aus seinem Gefängnis, flüchtet zur Schwester, die ihn strengen Sinnes der Gendarmerie überliefert: man schleppt ihn nach Lyon zur Mutter, und nur ihrer gütigen Zurede gelingt eS, das Kind von neuem wieder jener Einsamkeit zuzutreiben, über die für ihn der Weg zum Ruhme führt. Bon jener Zeit ob bat der junge Mauertet alle jene Leiden des mittellosen Musikschülers bis zur Neige durck - qekoster, bat im C rd)eiter kleiner Eafehäu- er greifen ünb für 21/. Franks die Nacht hindurchgearbeitet", biS die Müdigkeit ihn überwältigte. Vlbcr gerade in jenen Tagen der Not und der Enge erwackt in ihm als leiser Trost jenes Vertrauen ju seiner Begabung, das fortan, schlicht, still und falt schüchtern, leinen Lebensweg begleitet. In dem Heinen Lrchester des Gare Charles in der Rue des Poifsoninos, wo der wackere, später berühmt gewordene Mariä mit den Gesten eines Königs im Reiche der Tone den Taktstock schwang, schlägt Maifenet dreimal in der Woche nachts wacker die Zimbel, und als der bescheidene blonde Musikschüler zögernd seinemMeister" eine eigene Komposition ju überreichen wagt, eine religiöse Marschmusik für Sankt Peter vom Montmartre, erklärt sich Marts sogar bereit, das Werk zu

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vor einer Aufrollung des Balkanproblems haben. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß in Petersburg der Plan zu einer neuen DermittkungSaktion erwogen wurde, die ja der Unterstützung seitens aller Mächte sicher märe, und ür die angesichts der inneren Wirren in der Türkei zweifel­los jetzt weit günstigere Bedingungen gegeben sind.

Ausfallend still ist es dagegen von der französisch- russischcn Marinekonvention geworden, der ja auch ein erheblicher praktischer Wert nur zukäme, wenn Rußland seine Schwarzc-Meer-Flotte aus den Dardanellen in das Mittelnrcer lausen lasten könnte, und die ebenso wie die russische Flotte selbst nur eine Zukunftsmusik dar­stellt. Der von französischer Seite mit so viel Begeiste­rung verkündete Abschluß der Marinekonvention wird von Petersburg aus mit aller Entschiedenheit bestritten, wie die russischen Politiker Überhaupt beflissen sind, dem Be­uch Poincarös jede Spitze gegen Deutschland zu nehmen. Und das ist ohne weiteres verständlich, denn das Zarenreicki braucht die Freundschaft Deutschlands schon deshalb, um sie im Notfall gegen Frankreich und England ausspielen zu können, ebenso wie es die Bczieljungcn zu Frankreich und England benutzt, um seine Freundschaft den deutschen Staatsmännern begehrenswerter erscheinen zu lassen. Tast die Franzosen über diese Politik der zwei Eisen im Feuer nicht sonderlich entzückt sind, kann man begreifen. Wenn Minister Sasonow versichert hat, daß das französisch- russische Bündnis die Veriolgung einer lohalen Politik zur Aufrechterhaltung des Friedens zum Zweck habe, so wird man sich in Franlreich seufzend erinnern, daß man dort den Zweibund nicht des Friedens, sondern jener Revanche wegen erstrebt hatte, von der man nach GambettaS Wort niemals reden, an die man aber immer denken soll. Wenn die Franzosen von diesem Standpunkt aus die Petersburger Konferenz betrachten und wenn sie auf Grund der Ergeb­nisse von Poincarös Bisite das Kredit und das Debet des Zweibundes bilanzieren, so werden sie vielleicht mit Dem Theaterdirektor Striese in resignierter Wehmut seuf­zen:Blumen, nichts als Blumen."

Ter Vertreter desFigaro", in Petersburg hatte eine Unterredung mit demJlbmiral Bubnow, dem Gehilfen des Marincmintsters. Tiefer gab über die Marinekonvention folgende Erllärung ab: Zweifellos ljütten sich die verbün­deten Flotten int Falle eines Konfliktes auch ohne Kon­vention wechselseitig Hilfe geleistet, aber es sei bei weitem vorzuziehen, daß ihre Attion durch ein genaues Dokument geregelt ist, welches keinen Mißverständ­nissen Raum läßt. Dieses sei ja der Zweck der gegen­wärtigen Kvnvention.Wir betrachten sie nickst allein als wünschenswert, sondern als notwendig infolge der ungeheueren Entwickelung, welche oie deutsche Flotte in den letzten Jahren genommen hat Ich be­trachte die Zukunft mit großem Vertrauen und Dcrjidjerc, daß wir in 12 Jahren tue deutsche Flotte eingeholt habcii und sie noch übertreffen werden, selbst wenn inan au- nimmt, daß die Deutschen jedes Jahr vier Dreadnoughts bauen. Jedenfalls werden im nächsten Jahre unsere vier ersten Dreadnoughts in Dienst gestellt werden und in fün Jahren werden wir in der Ostsee 48 Torpodobootszerstorer und 14 kampfbereite Linienschiffe haben. Im Schwarzen Meer halten mir uns im Augenblick au die drei im Bau

spielen. Die anderen Abende der Woche sitzt Massenet im Theater- ordicfter; die Arbeit ist schwer, aber die Hossnung groß und der Wille heiter. So ringt er sich durch biS zu dem ersten Hellen Sonnenstrahl, bis zur Erlangung des Prst de Rome, der ihm auf

paar Jahre die Sorge ums tägliche Brot abnimmt.

Uno in Rom beginnt auch daS Aufatmen: Liszt, damals,

der große, der vielgcfeierte, nimmt sich deS jungen Savoyarden an, und durch Liszt lernt er auch das junge Mädchen kennen, das nach kurzen Jahren seine Braut und seine Gattin wird/ die reizende zarte Mlle. de Sainte-Marie, erst eine Schülerin Liszts und dann die Mcssenets. Ein einjähriger Aufenthalt in T eutschland folgt, ein weiteres Jahr in Ungarn und Böhmen,' wo die schwermütige tschechische Musik seinen Sinn erweitert.. Aber als die Geliebte nun endlich seine Frau geworden und bic' Stunde der Heimkehr nach Paris schlägt, beginnt auch nach der, Erholungspause der Sorglosigkeit wieder das harte Ringen mit der Wirklichkeit, wieder der schwere mühsame Kampf »ms täglidje Brot. Wieder sieht man Mafien et, schon Komponist zahlreicher Muitkstücke, im EasshauSorchester spielen: und den Tag über hastete er von einem Haus zum anderen, um durch deist Unterricht am Klavier em paar Franks zu verdienen. Seine, ersten Sperrt, seine swlzesten Hoffnungen, liegen daheim in ber Schublade. Fünf Jahre müssen verstreichen, bis die grauen Wolken am Himmel der Sorge sich teilen. Schon will Massenet den Boden Frankreichs verlassen und in die Fremde ziehen. Noch ein letzter Versuch. Er har seine Maria Magdalena voll- cnoet: von seinem Verleger begleitet, wagt er sich zu.,dem gefürchteten PaSdelouv. Es regnet in Strömen,schnell ans Klavier!" sagt Pasdeloup mit seiner gewohnten kaltem Kürze. Und Massenet beginnt mit der Introduktion, Nach den ersten Takten läßt cm Sturmwind die Fenftn erzittern, uno treibt durch den Stamm den Rauch ms Zimmer. Man öffnet die Fenster, schließt sie wieder, Massenet muß wefter spielen) aber der Sturm kommt wieder: fortwährend muß daS Ccnnen. und Schließen der Fcm'ter wiederholt werden. Und unter diesen Umständen soll die Entsdnndung fallen. Endlich iit Massenet, aufs tiefste Deprimiert, mit fernem Vortrag fertig. Er schlietzt daS Klavier. Trocken meint PaSdeloup:Nun, rnern Junge, Sie haben sich Ihr Frühstück ehrlich verdient." Kein Dort roeitcr; irm kurzer Abschied. Bald daraus geht ,^Maria Magdalena" in Szene, der Erfolg ist beispiellos, daS Eis gebrochen.Mich packt man nickt leicht, aber ich habe geheult", sagt sogar der sonst so untzuganglickc Ambroiw Thomas. T-er Sieg war voll­kommen, und nun beginnt der Aufstieg, der den jungen Masscnett von den fiebriger Jahren bis zur Gegenwart zu einem der am' meisten auf geführten und am meisten gefeierten Kompomsten iw Frankreich machen sollte.

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Was Herr pomcare mitbekommt.

Herr Poincars hat mit der Abreise aus Petersburg bcn auck> schon mitFestivitäten" reich durchsetzten politi­schen Teil seines Reiseprogrcnnms erledigt, und bei dem weiteren Aufenthalt im Zarenreiche ist für den französischen Ministerpräsidenten nur noch die Rolle eines freilich sehr ]cjeierteil BergnüflungSreisenden vorgesehen. Man kann ilso schon jetzt einigennaßen das Fazit dieser Reise ziehen, ?o weit das angesichts der einander stark widersprechenden

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Nachrichten aus französischer und aus russischer Quelle iberhaupt möglich ist. Von vornherein muß betont wer- *-en, daß eS hierbei weniger auf die offiziellen Noten an- 'onirnt, die ja eben nur das enthalten, was die Diplomatie ür gut befindet, die Oeffentlichkeit amtlich wissen zu lassen, !.ils vielmehr auf das, Ivas aus den Mitteilungen der fron j.ösisckjen und der russischen Staatsmänner in die Presse l.^urchgesickert ist. Hierbei ist freilich zu beachten, daß man , >idit nur an der Petersburger Sängerbrücke wesentlich chweigsamer war als am Quai d'Qrsay, sondern man nirb auch zwischen den überschwänglichen Kommentaren >er französischen Presse und den vorsichtig zurückhaltenden Äeußemngen der russischen Zeitungen die goldene Mitte

in statt der im S und feil über 45 M i reichen- DaSM en zu veruüacden, aden sofort zu bestili: iet auf Wunsch : Aek.

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Hr. 191 Erster Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 15. fluguft W

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SSS General-Anzeiger für Oberhessen Säe

iwajme oon »njcigen Rotationsörud und Verlag der vrüdl'schen Univ.-Vuch- und Stcinönidcrd B. Lange. Bedaltion, Erpedition und vruckerei: Zchnlstraye t. Land-; «ür den

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Wie aber steht es mit den Gegenleistungen? In per französischen Auszählung, welche die vorher genannten I »iuntte erwähnt, wird in dieser Beziehung eigentlich nur t >ic schon früher einmal aufaeschobene Reise des Groß- ' i ü r ft c n Nikolaus yrikolajewitsch nach Paris iu*ti)nU vtzw-)hl eS doch von rührender Bescheidenheit der ranzöfischen Republikaner zeugen würde, wenn sie diese 1 roß fürstliche Bifite als Aequivalent für wesentliche po- 'tische Zugeständnisse ansähen.

Nun wird allerdings von französischer Seite noch weiter betont, daß bei den Petersburger Besprechungen die kritische Lage auf dem Balkan und die Möglichkeit oer I baldigen Beendigung des türkisch-italienischen Krieges er- J örtert wurde, und daß auch hierbei llebereinfiimmung er- jl \tclt worden sei. Vielleicht darf hieraus geschloffen wer­den, daß cs Herrn'Poincarv gelungen ist, die rusfisck/en .L-itAtit.ititK'r tinn ihrtm mif die Tvreiaabc der Dardanellen^

Jules Massenet f.

Ter Komponist Jules Mafienet ist, wie wir schon mel- ! (beten, in Paris im Alter von 70 Jahren unerwartet einem Schlaganfall erlegen. Im Mai feierte man noch in Pans ' nut den üblichen Fanfarenslößen seinen 70. Geburtstag ; und - letzt ist er, nach kurzem Sommeraufenthalte auf dem Lande, i wo er arbeitete und ivegen eines leicksten Unwohlseins früher abbrach, schnell und schmerzlos geworben Und nun ' wird man in Paris noch viel lauter in die Fanfaren stoßen: denn Ma'senet, der Komponist, war ein kleiner, fpezrjifch französisck)cr Gott, der jedes Jahr feine neue Oper heraus­brachte und jedes Jahr enlhusiaftifch gefeiert wurde. 9htr in Deutschland hat man nicht viel davon nnffen wollen. Er stammt aus St. Etienne an der Loire, wo er am 12 Wat 1842 als der Lohn eines Hüttenbesitzers geboren ist Als be­vorzugter Schüler des großen Ambroife Thomas tarn er auf das Pariser Konservatorium, erhielt 1863 den Romer- preis und gelangte schneller, als er es selbst geahnt, zu großem .Ansehen. Die Reihe feiner Werke wuchs während­des ins Unübersehbare, pünktlich ward er Mitglied des In­stitut de France und von 1878 bis 1896 wirkte er ah? Kom positionsprosefsor am Pariser Konservatorium 2» Deutsch­land kam eigentlich bloß seineManon" (1884^, sein Werther" (1892), der ben alten Goethe mit soroftosefter Ünbefaiiacnlicit verballhornt und höchstens seinJong- 1 e u r v o n N o t r e -T a m e" (1902) zur Aufführung. Alle-, ichrige ward nur in den Hinrmcl von Paris oder Monte ' Earlo acboben. . , ,

Folgende Bckder auS dem Leben MasscnelS werden uns noch *bCrG5tn!ar im Rom der sechziger Jahre, Liizt^der Künstler^und -er Mensch, stand im Mittelpunkt des mwikaliichen Lebens in der «n>igcn Stadl. In jenen Tagen hielt auch ein lunger Janker Bursd'e seinen Einzug in Rom: der neue Lrwendcai de- R o m- greises, ein unbekannter Heiner Savonardcnjungling, ^ilcy emile Frsdsrio Massenet, damals der jüngite Kwodner der Villa JJlcbici. Als Ehapelain, spater der beruhmre Meurer der Geigen- funst, in einer feinen Zeichnung die Zuge des jungen Mu'^an en xteroigte, träumten Maler und Modell gcwis von Ruhm und wählender Zukunft, aber noch hatte kemer von ihnen des ^ckickialS Deücte Lose gezogen. Der Abglanz einer engen rnclan^liichen Vergangenheit, der damals das Antlist des^jugendlichen umsd-anete, mochte Ehavlain angezogen haben: ein ichan ge- -'chnittener bartloser Mund, der ichnierzlicke Gehcimniii^ zu. vn- 'schweigen schien: darüber aber zwei weiche, iicj unter den rauen tingcbcittie Traumeraugen imb eine jait rrauen^in sartc etir , über der die üblichen Ntufikerlockcn, wrglich zuruckgcitridxn, mal.- ten. Erst langsam befreite sich micber tut We,mdre|cs jungm Nenfdjcn jene schlichte, unversiegliche vcrterkeil, die lange ^ahrE.