Ausgabe 
13.2.1912 Erstes Blatt
 
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Beitbewährte

70° » Stromersparnis Grand Prix Brüssel 1910 Durch die EJcktrliitatsw«rke und InstaUation»- «ecblrte zu beziehen.

^.AoerieeelbcheA, Berlin 0.17

tnltgung eine theatralische Abendunterhaltung. Ti- (Sinaftcrxic Radikalkur" undLeutnant Friedrich" wurden von bett Darstellern mit großem Geschick durchgeführt und sande»

Altenburg eine

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OSRAM

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Ernteschäden und sonstige Schäden, die durch militärische Hebungen verursacht iverben, schneller überschätzen.

6 eine Erhöhung des Servisgeldes für Pferde herbeizufuhren.

Ferner wird von ihnen beantragt, den Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen eine reichsgesetz- liche Regelung des Verkehrs mit Handelsdünger, Kraftfuttermitteln und Saatgut herbeigesührt wird.

rücksichtigt werden,

alljährlich den Militärurlaubern einmal freie Eisenbahn- fahrt, unter Benutzung von Schnellrügen, zu gewähren, Ernteurlaich in gröferem Umfange, soweit dies mit den dienstlichen Interessen vereinbar ist, zu bewilligen.

alljährlich nur einmal Kontrollversammlung abzuhalten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 13. Februar 1912.

** Tageskalender für Dienstag, 13. Februar: Stadt­theater: .Julius Cäsar/ Anfang 8 Uhr.

Tie Konservativen.

haben gleichfalls eine Anzahl von Anträgen angebracht. Einer davon lautet dahin, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken.

1. daß mehr kleine Garnisonen geschaffen iverden und besonders solche Städte, die früher schon einmal Militär hatten, tze-

Vom Großherzoglichen Hofe. Beim Groß- Herz ogSpaare fand gestern abend in den Gesellschafts­räumen des Neuen Palais zu Darmstadt ein Tanz fest statt, an dem etwa 150 Personen teilnahmen. DaS Fest war als tee dansant arrangiert. Die Tafelmusik stellte die Musik­kapelle deS Großh. Artilleriekorps Nr. 25.

" HofratS-Verlethung. Bankier H. Marx, In­haber deS Bankhauses H. Marx & Goldschmidt-Mannheim, wurde vom Großherzog von Hessen der Charakter eines HofratS verliehen.

**HofratDr. HermannOeser,Direktordes Wilhelms st ifts f. Es sind zwei Jahre vergangen, seitdem hier in der Sonne an dem Geburtshaus des Volks- schriftstellers O. Glaubrecht (Oeser) eine Gedächtnistafet angebracht worden ist. Der j ün g st e S o h n dieses unseres Landsmanns ist am 3. des laufenden Monats aus dem Leben geschieden. Hermann Oeser wurde 1849 in dem Pfarrhaus zuLindheim aeboren. Bereits im 10. Lebens­jahr verlor er den Vater. Von da an wohnte er mit Mutter und Geschwistern in Gießen. Auf dem Gymnasium und der Universität fand er seine Ausbildung. Nachdem er 1873 das Examen für das höhere Lehramt bestanden hakte, machte er seinen Akzeß an dem hiesigen und fand seine nächste dienstliche Verwendung an dem Wormser Gymnasium. Fünf Jahre später erfolgte seine Verpflanzung nach Baden. Zuerst als Professor am Karlsruher Wilhelms stift, dann ein Jahr als Rektor der höheren Töchterschule in Baden-Baden tätig, fand er im Jahre 1882 seine eigentliche Lebensstellung als Direktor des Wilhelmssttftes, des Karlsruher Lehrerinnen- scminars. Dreißig Jahre lang durfte er diese Stelle be­kleiden. Am 18. Januar d. I. erlitt er in einer Sitzung des Ostmarkenvereins einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholen konnte. Am 3. Februar trat der Tod ein. Bet der Beisetzunasfeier am 6. Februar fand das hohe Maß von .Hochachtung und Verehrung seinen vollen Aus­druck, das der Verstorbene nicht bloß bei seinen Schüle­rinnen, sondern in den verschiedensten Klassen der Bevölke­rung sich erworben hatte. Von seiner amtlichen Stellung als Direktor des Lehrerseminars aus hat Oeser durch Unter­richt, Erziehung und Leitung einen tiefgehenden Einfluß geübt. Aber auch durch seine öffentlichen Vorträge hat er gewirkt, die sich auf literarische und künstlerische Themata erstreckten. Ebenso war er als Schriftsteller tätig, ähnlich wie sein Vater, wenn sich seine Arbeiten auch auf ganz anderen Gebieten bewegten. Es sind meist Skizzen und kleine Erzählungen, geistvoll, fein und originellVom Tage, Stille Leute, Des .Herrn Archemoros Gedanken, Am Wege und abseits, Midaskinder, Aus der kleineren Zahl, Zweisimmen" so lauten ihre Titel. Unvergeßlich wird allen Freunden Lesers seine ganze Persönlichkeit bleiben so, wie sie war, liebenswürdig, ausrichtig, anregend, dienst­willig, fürsorglich und ungewöhnlich tüchtig.

_ ** Lehrerversonalieu. lieber tro -Lktiulamtsasvircinten Rich. Schönheit aus

** Der Turnverei n hielt gestern abend in feine* Vereinslokal eine Hauptversammlung ab, in der -unacvr Bericht über die Vereinstätigkeil und die Vorbereitungen jux Jubiläums - Gauturnfest erstattet wurde. Als Vereins Neid nr j wurde für das Fest und die Zukunft bestimmt blauer Rock, wcifr Hose und schwarzer weicher Hut. Bei der Borstandsergänzung.° wähl wurde anstelle des von hier verzogenen Tumwarls H-usw der seitherige Zeugwarl, Schuhmachermeister Karl Erb gc.nibl. An dessen -stelle wurde als Zeugwart der Turnälteste Kaufman, Paul Treuke und für diesen Graveur Johs. Köhler zuir Turnältesten gewählt.

"Der Maskenball beS MännerturnvereinI in SteinS Garten am Samstag abend war recht gut bestickt und eS entwickelte sich rasch ein fröhliches MaSkentreider, wozu neben einer großen Anzahl schöner Masken eutiec humoristische VtaSlen viel beitrugen. Nach der Demaskierung zeigte die Tamen-Abteilung humoristische lebende Bilder am Pferd, die Turner groteske Stabübungen und einen Clown­reigen. Die Darbietungen fanden stürmischen Beifall und d c Teilnehmer des BalleS konnten sich erst in früher Morgen­stunde entschließen, die Stätte deS Humors zu verlaßen. Ter Sonntag Nachmittag vereinigte die Familien zu einem Aue- flug in .den. Philosophenwald, wo bei Tanz und Gesang ebenfalls einige frohe Stunden verlebt wurden.

Der Gesangverein Lied erkra nz, der in diesem Jahre auf eine 75jährige ersprießliche Tätigkeit zurückblicken kann, veranstaltet am 24. Februar in SteinS Saalbau einen Maskenball, zu dem auch Gäste eingeführt werden können. Die Vorbereitungen hierzu sind in vollem Gange und die Veranstaltung dürfte sich würdig ihren Vorgängern anschließen.

** Karneval. Man schreibt uns: Am Sonntag sand die erste Damen- und Herrensitzung des Narrenbundes im Schivka- vaß statt. Dem Einzug des närrischen Ministeriums folgte ein.* humorvolle Begrüßung, worauf das von Herrn Breitwieier ver­faßte LiedStrömt herbei, ihr Narren alle" angestimmt wurde. Hierauf brachte der Ehrenpräsident Karl Frensdorf einige Boc-j träge zu Gehör Weiter wirkten Fräulein Breitwieser, die Herren Franz Meinhardt, Weber, Enders, I. Arnold, O. Arnold, Sann und Baer mit Erfolg mit.

* Vom Naturheilverein Gießen wird uns gt. schrieben: Tas Thema des morgen statt findenden VortragesM t* dizinaberglaube, Heilmittelunwesen, Impfung, Serumtherapie und Ehrlich Hata 606" bezeichnet recht den Kern dessen, was die Naturheilkunde am schärfsten be­kämpft und bekämpfen muß. Jede rein mechanische und medi­kamentöse Behandlung bedeutet lediglich eine Unterdrückung dc: >lrankheitssymptome, die den Heilvorgang gefährdet und dem Kranken idiaDet. Betrachtet man die Krankheit als eine Aeußerung der Lebenskraft des Körpers, der auf diesem Wege um seine Ge­sundung ritzgt, so viilt es stets den Heilrwrgang zu unterstützen, nicht ihn um jeden Preis zu unterdrücken. Tie Impfung um Serumtherapie aber sind der Geßlerhut der bärtigen Medizin, vor dem die Schule jedermann zwingen will, seine Referenz u beweisen.

** Vom Biograph wird uns geschrieben: Der vorzüglich« diesmalige Svielplan gelangt heute zum letzten Male zur Vcn> suhrung. Es sei besonders auf den diesmaligen SchlagerSpäte Sühne" hingewiesen, ein Sensationsdrama in drei Teilen. Fit diesem Bilde wirken die berühmten Kräfte des Edison-Schauspiel- Ensembles, Neuyork, mit: besonders ragt Miß Mary Fuller hervor, die beliebteste Darstellerin auf dem Gebiete lebender Bilder. Ter Inhalt dieses Films kann nur als hervorragend und span­nend, natürlich und frei von jeglicher Effekthascherei bezeichn« werden. Ein zweites Drama betitelt sich:Die Schauspielerin". Für Humor und Unterhaltung sorgenWenn der Vater mit bem Sohne",Eine billige Badereise" undEine Jagd im Aeroplan'.

Landkreis Gießen.

A Kl ein-Linden, 12. Febr. Unser Kri egec- üeretn faßte gestern den Beschluß, am Samstag, 2. März, in den Sälen der ,Deutschen Eiche* einen öffentlichen Volks- unterhaltungSabend abzuhalten. Außer belehrenden und unterhaltenden Darbietungen gelangt neben anderen Theaterstücken auch die Nödersche Posse .Robert und Bertram' nochmals zur Aufführung, die bei der Geburtstagsfeier befl Kaisers lebhaften Beifall erzielt hatte. Auch das Kostüm« stück yESmaralda' gedenkt man nochmals aufzuführen.

Hj. Watzenborn, 12. Febr. Am Samstag beging bet GesangvereinSänger kranz" imGoldenen Stern" fein Stiftungsfest. Das reichhaltige Programm setzte sich ani theatralischen, humoristischen und Gesangsvorträgen zusammen. Die Theaterstücke waren sehr gut eingeübt und verfehlten ibie Wirkung nicht. Sehr viel Anklang ernteten die Stücke:Majors Guste" undSie will geschieden sein". Die Chöre des Vereins zeigten eine recht schöne Leistung des Dirigenten und der Sänger. Nicht wenig trugen die Konzertvorträge der Kapelle Harnisch- Steinberg zur Verschönerung des Abends bei. Dem Mitglied; Herrn Balthasar Häuser IV. wurde das Ehrendiplom für 25jahria- Mitgliedschaft überreicht. Der TurnvereinWut SS eil' hielt gestern abend imGoldenen Löwen" sein Stiftungsfest at. Herr Georg Schäfer III. eröffnete die Feier mit einer An wracke und schloß mit einem dreifachenGut Heil" auf die Deutsch Turnerschaft. Für Unterhaltung der zahlreichen Besucher wer bestens gesorgt. Allgemeinen Beifall sanden die Borträge dcl Derrn Straub-Gießen Unter Leitung des Turnwarts Karl Hip wurde von 16 Jungfrauen in schöner, geschmackvoller Klciüum ein Reigen ausgeführt. Der reiche Beifall bewies den Tamer, daß ihre Vorbereitungen von Erfolg gekrönt wurden. Aao "Schluß des Programms kam der San* zu seinem Recht.

= Leihgestern, 12. Febr. Silberne Hochzeil eiert heute das Ehepaar BergwerkSausfeher Johannes He i und Frau.

= Lich, 12. Febr. Der rührige hiesige Volks- rildungSverein veranstaltet am nächsten SamStag oben in SteinS Saal feinen zweiten Theaterabend und zwa: unter Mitwirkung von Kräften aus der hiesigen Bürgerschaft Zur Aufführung kommt Heinrich v. Kleists LustspielDe: zerbrochene Krug«. ES steht der Bevölkerung LichS ein genußreicher Abend in Aussicht.

, Dreis a. b. Sy 12. Febr. Einen genußreichen Abcm bereitete gestern der hiesige evangelische Kir ch e n g e sa n g per« ein unter Leitung von Lehrer Walter seinen Gasten und pa'' 'ven Mitgliedern in Benners Saal hier durch Veranstaltung eütrt musikalischen Abendunterhaltung. Nach einer in ein Hoo auf Kaiser und Großherzog ausklingenden Begrüßungsansprache ped Vorsitzen den, der später rwch einen Vortrag überLuther, ber Scliöpser des evangelischen Kirchenliedes" hielt, erfreuten geifa Ittbe und vaterländische Chöre im Wechsel mit ernsten Quar^ etten,Duetten und Sologesängen in fast ununterbrochener Reiben^ tolgc bic Zuhörer die bis zu dem gegen 11 Uhr erfolgendes EU,fe mit sichtlichem Interesse gefesselt wurden.

ch. Duug en, 12. Febr. Gestern abend veranstaltete Turnverein tm vcnnle her f

Die Einsetzung der Republik China.

In China ist definitiv die Republik erklärt worden. Wir erhielten folgende Meldungen:

Peking, 12. Febr. (Petersb. Telegr.-Ag.) Das Edikt über die Abdankung der Dynastie und die Einsetzung der Republik ist heute amtlich veröffentlicht worden.

Heute wurden drei Edikte belanntgegeben. In dem ersten nimmt der Thron die Republik an, in dem zweiten erklärt er sich mit den zwischen Puanschikai und den Re­publikanern festgesetzten Bedingungen einverstanden, drittens werden die Vizekönige und Gouverneure davon unterrichtet, daß der Thron von der politischen Macht zurücktritt, um den Wünschen des Volkes zu ent­sprechen und wird an die Führer der Provinzen die Wei­sung erlassen, das Volk ruhig zu erhalten.

Das Edikt über die Einführung der Republik besagt ferner, daß das Volk die Verantwortung dafür übernehme, daß die Opfer vor dem kaiserlichen Tempel und Mausoleum immer dargebracht werden würden und daß der Kaiser nur auf feine politische Macht verzichte, während der kaiserliche Titel nichtabgeschafft werde. Das Edikt erklärt auch, daß die kaiserlichen Verwandten, Man- dschus, Mohammedaner und Tibetaner sich bemühen werden, sich mit den Chinesen zu verschmelzen und alle Rassen­unterschiede und Rassenvorurteile zu beseitigen.

Die von Vuanschikai erzielte Einigung ist für alle eine Erlösung. Ausländer und Chinesen glauben, daß die Edikte alle Parteien befriedigen werden. Tie Mehrzahl der Republikaner hat folgenden Bedingungen zu - gestimmt: Der Kaiser behält seinen Titel und cryält eine Jahresapanage von 4 Millionen Taels, die nach der Durchführung der Währungsreform 4 Millionen Dollars betragen wird. Das Palastpersonal bleibt, doch sollen die Eunuchen nicht mehr ergänzt werden. Die Mandschupensio- nen werden weiter gezahlt, bis Mittel für den 'Lebensunter­halt der Empfänger gefunden sind. Die Religions­freiheit wird gewährleistet. Der Hof bleibt gegenwärtig in der verbotenen Stadt. In der Folge wird er im Sommer­palast in der Nähe von Peking residieren. Die Anleihe­verhandlungen werden wieder ausgenommen.

lob' das überhaupt noch Parlamentarismus ist. Dieses Hangen und Bangen ähnelt viel mehr einemgrundsätz­lichen" Streit zwischen ein paar Gesangvereinen, die um die Platzfrage uneins geworden sind und das gemeinsam verabredete Konzert damit in Frage stellen. In der Tat rückt bei solchen Zu ständen auch die Reichstagsauflösung wieder in den Bereich der Möglichkeit. Wem aber würde mit Neuwahlen gedient sein? Nachdem durch mancherlei Fehler, an denen nicht zuletzt auch die Kvnfervativen be­teiligt waren, mit den Neuwahlen dieser Zug nach links und die Vermehrung der sozialdemokratischen Mandate ein- getreten ist, müßte dem bei der Präsidentenwahl unseres Erachtens auch Rechnung getragen werden. Die Rechte sträubt sich gegen diese Konsequenz mit Unrecht: denn daß sienicht mitmachen" will, muß als solches Sträuben auf­gefaßt werden. An solcher Willkür aber darf der neu gewählte Reick)stag nicht scheitern. Wir hoffen, daß die von der nationalliberalen Fraktion angesagten Schritte doch noch die Schaffung einesArbeitspräsidiums" ermöglichen. Es wäre jetzt an der Regierung, die durch die Thronrede ja hat verlauten lassen, daß sie g em ein sam e Arbeit will, in diesem Sinne auf die Rechte einzuwirken.

Wir erhalten folgende Meldungen: , i

Neue Beschlüsse der Nasionalliberalen.

Die nationalliberate Fraktion ist, so schreibt dieNcttl. Korresp.", bei der Frage des Reichstagspräsidums von vornherein davon ausgegangen, daß sie weder ausschließ­lich mit der Rechten, noch ausschließlich mit der Linken ein Präsidium bilden könne. Diesem Standpunkt ent­sprechend ist am 9. d. Mts. ein Präsidium gewählt worden, das nack Ansicht der Fraktion als ein reines Ges chäfts- präsioium deswegen am ehesten arbeitsfähig war, weil in ihm die beiden stärksten Parteien des Reichs­tags vertreten waren. Ter Entschluß des Herrn Dr. Spahn, aus diesem Präsidium auszuscheiden, hat die Sachlage so verändert, daß die nationalliberale Partei sich nunmehr außerstande sieht, sich an diesem Präsidium weiterhin zu beteiligen. Darum hat Prinz Schönaich-Carolath abgelehnt, für den sreigewordenen Posten des er ft en Präsidenten zu kandidieren, und die Fraktion hat Herrn Tr. Paasche ersucht, das A m t des zweiten Vizepräsidenten niederzulegen.

Berlin, 13. Febr. (Drahtbericht.) Wie dieTägl. Rundsch." hört, ist der gestrige Beschluß der nationallibe­ralen Fraktion, wonach Dr. Paasche ersucht wurde, das Amt als zweiter Vizepräsident niederzulegen, vonBasser- mann selbst beantragt und so gut wie einstimmig gegen 2 Stimmen angenommen worden. Daraufhin hat Geheim rat Paasche dieMorgenpost" ermächtigt, fol­gende Erklärung zu veröffentlichen:

Ich habe an der Sitzung der Nationalliberalcn nicht teil- gcnommen. Ich wurde telephonisch eingeladen, mußte aber, da ich geschäftlich verhindert war, ablehnen. Mir ist der Beschluß der Fraktion ebeniowenig wie die Absicht, ihn zu fassen, mit- [geteilt worden. I ch muß mir daher meine Stellung S u dem Beschluß noch durchaus Vorbehalten. E S wird s i ch heute bei der Prä sidentenwahl zeigen, ob für mich die Veranlassung vorlicgt, von mei­nem P osten zurück zutreten. Die Möglichkeit ist ja noch vorhanden, daß fein Präsident aus dem Zentrum ober der Rechten gewählt wird, so daß mein Rücktritt mckt erforderlich ist. Ver­handlungen sind ja in dieser Richtung geführt worden.

DasTageblatt" glaubt, daß die Person des zweiten Vizepräsidenten Sche idemaun, der im Reichstage 1909 dem in Preußen regierenden Herrscherhaus Wortbruch vvrwarf, die nationalliberale Fraktion zu dem Beschluß veranlaßte. Das Blatt ist daher überzeugt, daß in 28 Tagen bei der Neuwahl Herr Scheidemann nicht wiedergewählt werden wird.

Dazu wird uns noch aus Berlin geschrieben:

Berlin , 12. Febr. Tie morgige Sitzung d es Reichstags wird voraussichtlich sofort nach Beginn ver­tagt werden, um den Fraktionen Gelegenheit zu geben, zur Neuregelung der Präsidentschaftsfrage Stellung zu nehmen. Tie auf der Tagesordnung stehenden Anfrageri werden von der Regierung erst später beantwortet werden. Der Beginn der Etatsberatungen wird um zwei Tage hin­ausgeschoben werden und voraussichtlich erst am Donners­tag auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Es wird ferner berichtet, daß die Fraktionen der Rech­ten und des Zentrums die Entscheidung in der Besetzung der Präsidentenposten den Parteien der Linken allein überlassen werden und bei einer erneuten Prä­sidentenwahl weiße Zettel abgeben werden. Es ift nicht beabsichtigt, dem Abgeordneten Dr. Spahn den Präsidentenposten nochmals anzubieten, da das Zentrum von. seinem bisherigen Standpunkte nicht abweichen wird.

Bonparlamentarischer Seite" wird dem Wolfffchen Bureau mitgeteilt:

Tie Vorgänge bei der Präsidentenwahl im Reichstage führten äu einer freien Besprechung national- liberaler Vertrauensmänner aus dem Reiche, die am Sonntag unter Teilnahme einer Reihe von Abgeord­neten ftattgehmben hat. Bon der Versammlung wurde folgende Erklärung einstimmig angenommen:

Ernste Nachrichten ans verschiedenen Landesteilen lasten erkennen, daß dort (über die Haltung, die ein Teil unserer ReichS- tagsfraktton bei der Präsidentenwahl eingenommen bat, ftarfc Verstimmung herrscht und das zweifellos mehrfach die Ge­fahr übereilter Entschließungen vorlieat. Unter, dem Ausdruck unseres Vollen Verständnisses für jene Verstimmung möchten wir eilte dringende Mahnung an alle unsere engeren Freunde richten, gerade im gegenwärtigen Augenblick unter allen Umständen bei der alten Fahne zu bleiben. Nur wenn alle treuen Verfechter bedingungslos bei den internationalen und ruhmvollen Ueber> lieferungen unserer Partei geschlossen in der Partei ausharren, können wir über die jetzige Krisis hinweg und zu der Gesun­dung auch der Verhältnisse im Reickislage zurückgelangen.

Die fortschittliche Dolkspartei

hat eine Mtcibc von Jnitiativanträaen ein gebracht . Diese An­lage beziehen sich auf folgende Materien: Einführung von kleinen und kurzen Anfragen. Vollziehung der Wahlen an Sonn- tagen, Unverletzlichkeit des Privateigentums zur See in Kriegs- Beiten zu einem vertragsmäßig anerkannten Grundsatz des Völker- Sicherung der verfassungsmäßigen Ausübung der staats­bürgerlichen Rechte der Reickwbeamten, Erweiterung des Koa- litionSrechts, reichsgesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter und des Gesindes Er. säjwerung der Neubildung von Fideikommissen, Abschaffung des ischeckßempels und der Hündholzlteuer, Erhöhung der Pensionen der Altpensionäre, Errichtung eines Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich und Schaffung eines Ministernerantwortlichkeits-