Nr. 156
Erscheint t>-7tch mtt Aufnahme Connlagft.
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Sie „Siebener FomillenblStter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da« „Krctsblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschastllche, Lett» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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Redaktion. Expedition und Tnttfereil Schul- ftrafce 7. Expedition und Verlag: ea0 5L Redaktion: «ES HL rel.-Sldr^ AnzeigerEieben.
Mittwoch, 12. Juni 1912
•UUftenlbnid und Verlag der Srüblichen UawerfttLt« - Buch- und Sretndruckeret.
St Lange, Gießen.
thekcn betreffend, wurde einer freisinnigen Anregung Folge gegeben, wonach bei einer zum Verkauf stehenden Apotheke den Gemeinden das Vorkaufsrecht gewährt werden soll. Von der Regierung wurde eine Berechnung der Kosten einer Verstaatlichung vorgelegt. Gin Antrag Zuckmeyer über die Vergebung staatlicher Arbeiten an taristreuc Unternehmer wurde besprochen. 3u einer längeren Aussprache führte die Vorstellung der Bauaspiranten.
erheben, zur Hälfte zu den Lasten herangezogen würden x"ie Gemeinden, die mehr als 150 Prozent Konunuualsteuer erheben, sollen freigelassen werden. Danach würde sich eine Minder- belastung der Gemeinden von etwa 70 000—80000 Mark ergeben, welche von den Stählen zu übernehmen sein wurden, wenn der Vorschlag, eine solche Belastung der Gemeinden eimrclcn zu lassen, Aussicht auf Erfolg batte Irgendwelche Beschlüsse wurden aber über diese Punkte noch nicht getaut Morgen wird sich der Ausschuß mit der Sämldentilguug beschäftigen
Auch der vierte Ausschuß hielt heute eine Sitzung ab und genehmigte verschiedene Berichte In der Angelegenheit des Abg. 3 o u ß wurde beschlossen, zwei Berichte auszuarbeuen, wovon
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Tubc^ nur r
Der Untergang des „vendemiaire".
Paris, 11. Juni. Ans Cherbourg wird gemeldek, daß die am Ort der Katastrophe des „Bendömiairc" zurück- gelasfencn Torpedobootszerstörer keinerlei Bestandteile des Unterseebootes gefunden haben. Man vermutet, daß der „Vendemiaire" von der Strömung fortgerissen worden ist und jetzt auf einem 1.50 Meter liefen Meeresgründe in der Nähe des Cap de la Hague liegt.
Paris, 11. Juni. Im Senat richtete der Präsident Dubo st ehrerbietigen Gruß und feierliche Huldigung an die heldenmütigen Opfer des „Vende miaire", die Gefahren für die nationale Verteidigung auf sich genommen hätten. (Beifall.) Marineminister Telcass 6 dankte für die Huldigung, die eine Anerkennung der Marine sei. Diese nehme täglich Hebungen vor, ohne die sie an dem Tage, an dem das Land sie rufe, ihrer Ausgabe nicht gewachsen sein würde. (Beifall.)
Au» Reffen.
Aus den Ausschüssen.
bs. Darmstadt, 11. Juni.
Ter Finanzausschuß, der heute seine Sitzungen wieder auinahm, ist nun ein gut Stück D.ges in seinen Arbeiten rodle r gekommen. Den Hauptgegennand Der Beratung bildeten die G e - halte der Volks schullehrer. öierju wurde vom Bauernbund eine neue Skala ausgestellt, nach welcher die Lehrer der unteren Gehaltsklafsen mit den von der Regierung vorgeschlagenen Sätzen bedacht werden sollen, die der mittleren und höheren Gehaltsklasse dagegen mit mehr Zulage, wie in der Regierungsvorlage vorgesehen. Dadurch würde sich eine Mehrforderung do_n etwa 65000 Mark gegenüber der Vorlage ergeben. Tie geforderte Steigerung auf die Höhe von 15 Prozent wurde aber danach nicht eintreten. Tie Summe, die nötig sein wurde, wenn man allen Klassen Die verlangten 15 Prozent bewilligen wollte, beträgt bekanntlich 188 000 Mark, unter Einbeziehung des Wohnungsgeldes sogar 324 500 Mark.
Weiter wurde im Anschluß daran über die Heranziehung der Landgemeinden zu den höheren Schullasten gesprochen. Wie tu den Plenarsitzungen bereits hervorgehoben wurde, hielt man auch im Ausschuß an der Unterscheidung zwischen leistungsfähigen und den stark belasteten Gemeinden fest. Tie Regierung legte Zahlen darüber vor, wie hoch sich die Belastung der Gemeinden stellen wurde, roenn die Gemeinden, die dis zu 100 Prozent Kommunalsteuer ausschlagen, voll, diejenigen, die 100—150 Proz.
Ud-fN Mgfc
der eine im Bureau der Zweiten Kammer ausjielegl, der andere aber vertraulich behandelt werden soll In Sachen des .......
wiederkehrendeil Antrages Ulrich, Verstaatlichung der Apo-
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"• ~ H- Mtn. Zu hsd- erbtogct.Cdo2d)fl0i ’cnbtoflctic W.
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lvclm «chrader. ••
Au» Stadt und Land.
Gießen, 12. Juni 1912.
** Lehrerpcrsonalicn. Bestätigt wurde dir von dem Grafen von Schlitz genannt von Görtz auf die Lehrcrstelle an der Gcmcindeschulc zu Hemmen präsentierte Schulamtsaspirant Gg. Dürkcs aus Bechtheim; ferner der von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die LehrersteUe an der Gemeindefchulc zu Groß-Gumpeu präsentierte Schul- amtsaspirant Will). Joh. & d) a f f 11 i t aus Wenings.
** Die Hessische Landes-Hypothekenbank gibt bekannt, das; sie in Aendcrung der bisher gültig gewesenen Darlehensbcdingungen den Satz der G c l d b c > ch a f. fungskosten mit Wirkung für die vom 20. Juni ab bei ihr einlaufenden Anträge auf Gewährung von Hypothek- und ztommunawarlehen bis aus weiteres auf 1,9 0 Pr 0 z. festgesetzt hat.
**DiePostagentur in Rödgen (Mr. Gießen), deren Einrichtung wegen nicht rechtzeitiger Erledigung des Reichshaushaltseiats hinausgefchoben werden mußte, tritt nun am 17. Juni in Wirksamkeit.
** Konzert für den Jnvalidendank. Am Mittwoch, 19. Juni, findet in Steins Garten abends ein K 0 nzertder hiesigen gesamten Regiments-Kapelle zu Gunsten des „Jnvalidendank" statt, der sich die Förderung der Erwerbstätigkeit und Unterstützung deutscher Invaliden zum Ziele gesetzt hat. Lbcrmusikmeister Löber wird bestrebt sein, dem Publikum einen angenehmen musikalischen Abend zu bereiten. Hoffentlich wird im Interesse der,guten Sache die Beteiligung recht zahlreich fein.
** Ob st einkochen und Frucht saftbereitung. Man schreibt uns: Tie Firma Lang u. Wiederstein hier lagt, morgen einen Vortrag über Einkochen von Obst, Gemüse usw., sowie über Fruchtsaftbereitung abhalten. Der Vortrag dürste für jede Hausfrau von größtem Interesse fein, wird doch anschließend daran das Dampfkoch-System Lri- ginal Bade Duplex und der neue Fruchtsast-Bereitungs- Einsatz dazu (dieser wird in den seitherigen Topf eingesetzt, also kein neuer Topf nötig, praktisch vorgeführt werden Tie neue Erfindung der Saftgewinnung übertrifft an Ein- fachheit alle bisherigen anderen Apparate. (Siehe Inserat.)
** Gemeinden mit Bevölkerungsabnahme in Hessen. Von 1871 bis 1910 Hal die Bevölkerung in 337 Gemeinden, d. i. rund ein Drittel aller Gemeinden in Hessen, abgenommen. Tie Abnahme ist allerdings n. d. Tstt. Ztg. nicht (ehr erheblich. Sie betragt in dem ganzen Zeitraum 12 156 Personen ober 36 Personen durchschnittlich. Da iedoch diese Gemeinden in der gleichen Zeit einen (Geburtenüberschuß von 51 206 Personen auszuweisen haben, so sind ihnen nicht nur 12 156, sondern 63 362 Personen durch Abwanderung verloren gegangen, und ohne diese starke Abwanderung hätte also ihre Einwohnerzahl, statt int Durchschnitt von 433 aus 397 zu fallen, auf 621 Seelen anwachsen können. Wie man sieht, handelt es sich nicht um große, sondern fast durchweg um kleinere Gemeinden. 309 davon hatten weniger als 1000 Einwohner, 221 sogar weniger als 500. Nur eine Gemeinde, Beerfelden, hatte über 2000 Einwohner (1871: 2643, 1910: 2113,. Tie Mehrzahl der Gemeinden 173,1 findet sich in Ober Hessen, vor allem in ben Kreisen Alsfeld (54), Lauterbach i31 , Schotten (31,. 115 entfallen auf Starkenburg, davon allem 56 aut den Kreis Erbach, 49 auf Rheinhessen. In den Kreisen Darmstadt und Lssenbach gab es feine Gemeinden mit Abnahme; hier hat sich die Bevölkerung in allen Gemeinden vermehrt.
Kreis Büdingen.
Vonhausen, 11. Juni. Von einem jähen Tod wurde der hiesige 67jährige Zimmermeister I 0 st ereilt. Als er heute morgen mit seinem erwachsenen Sohne in Lorbach mit dem Beschlagen von Bauholz beschäftigt war, brach er plötzlich zusammen Ein Herzschlag hatte dem Leben des fleißigen Mannes ein Ende bereitet.
Kreis Alsfeld.
O Brau er sch wend, 10. Juni. Gestern hielt der hiesige Kriegeroerein sein 25jähriges Stiftungsfest ab. Zahlreiche Vereine aus der Umgegend hatten sich dazu eingefunden. Um i?2 Uhr bewegte sich ein stattlicher^ Zug durch die Straßen. An der Spitze befand sich die Schuljugend, dann folgten die Festdamcn und dte auswärtigen Vereine. Alte Veteranen wurden in gejchmuck-
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Genesende, durch erschöpfende Üftai5 enneschwächlsind, trink- guMuBen Altbach rstcr MarliKpradtl irkqaclle. Lein b^' ml an wertvoll. Miners Mrsalzen hebt schnell untenen Kräfte, steif,er. chlig den Avvetit, iöibcr. iLlonwechselu. macht bt rper blutreicher 11. roibn ndSsähiger. i'ebenssreuk it u. Energie kehren rait eder u. verscheuchen bi: >len Reste körperlichen jagens. Lon zahlt. Pt» ioren u. Aerzten nlänzeü intachlel. 8L R Pf. in bc tiberfitäW'lWothcftnir ld. Engel u. in den Tro, . Seibel, W. Kilbingn ug. Roll, C- Tchaas r mit Roll.
gegen erstmals bestrafte Jugendliche verhängten Strafen nach 10 jähriger guter Führung nicht bloß gelöscht, sondern völlig getilgt werden können, sei zu begrüßen.
Hinsichtlich der
A l k 0 h 0 l d e l i k t 0 bezeichnet es der Redner als erfreulich, daß der Strafrechtsaus- sckuß für die in selbstverschuldeter Trunkenlieit begangenen ftra»- baren Handlungen einen besonderen Tatbestand formulieren will. Anzustreben sei: Strafdrohung gegen Wirte und Weinhändler, rocld;e geistige Oktränfc an Kinder und Betrunkene verabfolgen, Wirtshausverbot bei Begehung der Tat in selbstverschuldeter Trun> kenhcit, Unterbringung in eine Trinkerheilanstalt im Jolle der Trunkenheit des Täters: dringend wünschenswert sei die Einführung des z. B. in Amerika und der Schweiz bewährten, sog. Pollardsystems. — In der Frage der
Sittlichkeitsdclikte stimmt der Vortragende den verschärften Bestimmungen des Vor- cntwurss gegen schamlose Schriften und Darstellungen zu, verwirft aber die Reglementierung der Prostitution und fordert die Bestrafung jeder weiblichen Person, die gewerbsmäßige Unzucht treibt, falls sie dadurch den öffentlichen Anstand oder die Gesundheit der Gesellschaft bedroht. Seine Zustimmung findet, daß unter Strafe gestellt werde, wer einen anderen der unmittelbaren Gefahr der Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit aussetzt.
In der Erörterung betonten Landgerichtsdir. Schmeckenbecher- Gießen und Ministerialrat R ö ck e r die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens der Gesetzgeber und Gerichte, die den Faktoren der Inneren Mission für Anregung aus der Praxis stets dankbar seien. Dankbar begrüßt wurden die praktischen Vorschläge des Stuttgarter Jugendgeistlichen Stadtpfarrer Wüterich: Inanspruchnahme des Gutachtens der Jugendgerichts- Hilfe schon int Vorverfahren, zur Feststellung des sittlichen Reifezustandes ; Feststellung der geistigen Zurechnungsfähigkeit durch Ucberroeifung an eine psnckjiatrisch beratene Anstalt; Spezialisierung der Fürsorgeerziehung bei SdntlenUaifenen (schwer und leicht Erziehbare, landwirtschaftliche und gewerbliche Beschäftigung).
Nach eindrucksvollen Ausführungen von Frl. Mathilde Planck- Stuttgart, Pfarrer Bruns- Straßburg und Geheimer Monfiftorialrat Kayser- Frankfurt a. M., die sich
gegen d i e 9i c g 1 e m c n t i e r 11 n g der Prostitution wenden, wird folgende Erklärung einstimmig angenommen:
„Die in Stuttgart am 10. Juni tagende Südwestdeutsche JTbnicrens für Innere Mission spricht auf Grund eines eingehenden Referats von Direktor Schroandner-Ludroigsburg ihre Zustimmung zu dessen Vorschlägen zum Jugendstrafrecht, zur Behandlung der Alkohol- und Sittlichkeitsdelikte aus, insbesondere spricht sie sich einmütig gegen das bisherige System der polizeilichen Reglementierung Der Prostitution aus, weil diese sanitär erfahrungsgemäß so gut wie wertlos, moralisch bedenklich und ein Unrecht gegen das Weib ist, das allein der Reglementierung unterworfen wird, und weil durch ihre Aufhebung die öffentlichen sittlichen Zustände nicht schlimmer, sondern heiler werden. Aus diesem Grund erklärt sie ihr Einverständnis mit den posittven Vorschlägen des Referenten."
In der 2. Hauptversammlung am Nachmittag sprach Prof, v. Schoell-Friedberg in seiner klaren und frifdjen Art über „Volks apologetische Aufgaben der Gegen war t". Durch die Gesamtentwicklung des geistigen Lebens und eine ziel- beroußle antichristliche Agitation sind die religiös-sittlichen Grund Überzeugungen des Ehrisleutums wie feine geschichtlichen Grundlagen Unzähligen erschüttert. Wie ist die Oteiabr adzuwenden? Der Kampf muß im letzten Grund praktisch entschieden werden. Die verstandesmäßige Auseinandersetzung bient zur Erschütterung der antichristlichen Zuversicht, zur Ueberwindung der christlichen Unsicherheit und zur Verhinderung einer unchristlickjen Gesamt- atmosphäre. Ausgabe dieser Apologetik kann nicht sein die wissen- schaftliche Demonstration des Glaubens, sondern negativ die Zerstörung des Scheins, als fei der Unglaube das reine und notwendige Ergebnis des wisfenschaftlichen Lenkens, positiv die Auf- zeigung der eigentlichen Wurzeln und Gründe der christlichen Welt- und Lebensauffassung und der Nachweis der Vereinbarkeit von Glauben und Wissen. Zur literarischen Arbeit der Apologetik rechnet der Redner: Herausgabe aktueller faßlicher Flugschriften für die verschiedenen Bildungsschichten, Verbreitung von Büchern, die, ohne direkt apologetisch und „christlich" zu sein, einen gesunden und kräftigen Geist ausströmen. Die mündliche Apologetik fängt im Religionsunterricht und der Predigt an mit ernsthafter Pflege klarer christlicher Erkenntnis. Hierzu müssen kommen Serienvorträge übet aktuelle Themen mit möglichst weitgesaßter Einladung tu neutralen Räumen sowie in der Einrichtung von Tiskussionsadenden in kleinerem Kreis. Beim Auftreten in gegnerischen Versammlungen gilt cs, dem Gegner gegenüber sachlich, gerecht und weitherzig zu sein, den eigenen Standpunkt aber ohne schwächliche Konzession und ohne Buhlen um Augenblickserfolge überzeugt und entfchieden zu Dertrcten. Hierzu bedarf es der Gewinnung und -lusbildung geeigneter Persönlichkeiten und der planmäßigen Organisation.
Tem Vortrag schloß sich eine lebhafte Erörterung an, an der sich Dekan Groß- Leonberg, Pft. Bölter- Baiereck, Dekan Herzog-Waiblingen, Hoivr. Hoffmann-Stuttgart, Sekretär Fischer- Heilbronn u. a. beteiligten. Einstimmig wurde eine Erklärung angenommen, die die Zustimmung zu den im Vortrag enthaltenen praktischen Vorschlägen ausspricht und eine Organisation der apologetischen Arbeit im südivestdeuttchen Gebiet anregt.
Es folgte eine Veranstaltung im Königsbau, mit der die Konferenz ihren Abschluß sand.
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Zweites Blatt 162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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3um Streit über die christlichen Gewertschaften veröffentlicht llbitore Heiner in der „Köln. Bolksztg." nochmals einen größeren Artikel, in dem er auf Grund päpsl kicher Weisung nochtnals die Richtlinien des Vatikans darlegt, allerdings mit einem etwas größeren Entgegenkommen gegenüber den interkonfessionellen Gewerkschaften, was von der „Köln. Ztg." in ihrem Begleitmort auch hervorgehoben wird. Sachlich ist es aber derselbe Standpunkt, nur daß der Mittelweg oorgeschlagen wird, die katholischen Arbeiter sollten zuerst in den rein katholischen Vereinen, dann viel- leicht auch in den christlichen Gewerkschaften organisiert werden. Dr. Heiner schreibt wörtlich:
Der Apostolische Stuhl hat es ausdrücklich den Bischöfen ftciaestellt, diezemge Richtung der Gewerkschastcii zuzulasfcn und zu billigen oder zu bevorzugen, welche den jeweiligen Bedürfnissen I ihrer Diözesen und Provinzen am besten entspricht: beide Richtungen hat er wegen ihrer Ziele als gut bezeichnet, wenn er auch vom Prinz ipieNen Standpunkte die nicht interkon- fqftonellen Gewerkichaften bevorzugt Was auf der einen Seite grundsätzlich besser ist, kann auf der andern Seite praktisch dennoch gut sein.
.Apostolische Stuhl hat dieser Sachlage und tatsächlichen Verhältnissen Rechnung getragen, und ich kann versichern, daß I cr "och heute auf diesem Standpunkte steht: es ist (einer- I lei Veränderung in seiner bisherigen Stellung der Haltung 1 -u den fttterkonsessioitellen Gewerksckwsten eingetreten. Was der | Heilige Vater stets gefürchtet, das find die Okiabren, welche für bie katholisckxm Arbeiter mit der Zugehörigkeit zu den akon- eftionellen Gewerkschaften verbunden find oder doch verbunden I cm Jönncii; diese Furcht besteht auch jetzt noch. Die rnaß- [ gebenden Faktoren der christlichen Getoerkschaften haben es in der ! Hand, diese Gefahren, soweit sie tatsächlich bestehen, hintanzu- lalten, besonders durch allseitige und intensive Pflege der kon- essioncllen Arbeitervereine. Tas erste und höchste Ziel, das diese konfessionellen oder katholischen Organisattonen zu erstreben haben, liegt auf dem geistigen, religiösen Gebiete. Gerade heute tut es wegen der Gesahren des Sozialismus doppelt not, daß die katholischen Arbeitervereine gepflegt ? und moralisch gehoben werden und ihren religiösen Zweck mit l doppeltem Eifer verfolgen. Für derartige religiös geschulte und Überzeugungstreue Arbeiter bildet dann die Zugehörigkeit zu den I interkonfessionellen Gewerksckxn'ten keine Gefahr: im Gegenteil, V die Arbeiter, die in dieser Weise mit festen katholischen Grund- 1 satzen erfüllt und mit entsprechenden Fachkenntnifsen ausgerüstet t sind, werden auch in der gewerkschaftlichen Tätigkeit den rechten r Weg zu finden, innezuhatten und zu behaupten wissen. Ja, sie | werden die .sterntruppe in der Arbeiterschaft abgeben, und es ist | zu hoffen, daß es durch sie immer mehr gelingt, den sozial- E demokratischen Einfluß allmählich auch in der nichtchristlichen Arbeiterbewegung zu bannen.
Eine leise Drohung mit der Verurteilung der 1 christlichen Gewerkschaften ist aber auch in dieser Kundgebung enthalten. Heiner schreibt nämlich an einer andern I Stelle:
Ter Apostolische Stuhl rechnet eben mit der Tatsache, daß die interkonfessionellen oder „christlichen" Gewerkschaften die Re- k ligiou wenigstens theoretisch ausschließen und deshalb von der ■ Aussicht und Leitung der Kirche abstrahieren. Von seinem Stand- ■ öuntie aus kann der Apostolische Stuhl solche Vereinigungen ■ deshalb nicht loben oder empfehlen, sondern kann ihnen nur I passiv und wachend und mahnend gegenüber» I stehen, ohne sie jedoch deshalb zu verurteilen, solange nicht 6 Tatsachen Oorlicgen, bie eine Duldung untnög» Glich machen und ein Einschreiten gebieten.
Wir halten es für schädlich, die konfessionelle Ab- ( schließung immer weiter zu treiben, wie eS hier auf römische Weisung geschehen soll. Sck)ließlich könnte vom „grundsätzlichen Standpunkt' man auch noch dazu gelangen, rein konfessionelle Friseur- oder Schornsteinfegerinnungen zu gründen. Wir meinen: Die „religiöse Schulung" soll tu der Kirche besorgt tverden, nicht in Berufsvereinen. Das ist praktisch und grundsätzlich besser als der römische Stand- vunkt, den auch die „Köln. Volksztg." wieder mit einigen kritischen Randglossen versah.
Hagen i. Westfalen, 11. Juni. Gestern trat eine Kon- (f e r e n z von 25 evangelischen Arbeitergewerk- jchaftS-Sekretären aus dem Rheinisch-Weftfälifchen Industriegebiet zusammen. Zu der Frage des Gewerkschastsstreites wurde eine Entschließung gefaßt, in der bedauert wird, daß neue Beunruhigungen in die christlich-nationale Gewerkschaftsbewegung bineingetragen worden seien. Die Konferenz nähme mit großer Befriedigung von der Erttärung des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften und der angesckstossenen Unterverbände ' Kenntnis. Durw diese Erklärung fei öffentlich die Inter- konf essionalität, die politische Neutralität und Die Unabhängigkeit der Christlichen Gewerkschaften sestge- 'tellt. Die evangelisckien Kollegen werden ausgefordert, als völlig gleichberechtigter Teil der Christlichen Gewerksckiasten nachdrück- ichst für die Stärkung der evangelischen Gewerksck-aften einzutteten.
Ein neuer päpstlicher Erlaß?
Wie dem „Berliner Tageblatt" aus Rom telegraphiert wird, erscheint in allernächster Zeit ein neuer päpstlicher Erlaß über Die Disziplin des Klerus, lieber den speziellen Inhalt des neuen Motuproprio wird an zuständiger Stelle noch äußerste Tiskretion bewahrt.
$ü6roeftöcutfd)e Konferenj für Innere Mission.
4- Stuttgart, 10. Juni.
Die Sudwestdeutsche Konferenz für Innere Mission begann Mihre 48. Tagung, zu der zahlreiche Vertreter von Baden, Hessen, W Elsaß-Lothringen und der Pfalz eingetrohen waren, am Abend M des 9. Juni mtt einem Festgottesdienst in der Stiftskirche. ^,te ? tigentlid>e Tagung am 10. Juni, inrt 9 Ubr vormittags eronnet j fon Professor D. v. Wur st er, begann mit einem Bottrag von Direktor S ch w a ndn e r - Ludwigsburg über ,,-t 1 e Stellung I ber Inneren Mission zu den Besttrnrnungen des I Lor ent Wurfs zu einem Deutschen^ o t r a rg eie p « i u ch über Jugendstrafrecht, Alkohol- und -Ltttltckkettsdeltkte
I Tcr VoreMwurs, der gegenwärtig stark bie öffentliche - Innung I leschäftige, verdiene eingehende Besprechung in diesem Kreise, k Lezüglich des , t 3
3 u g e n b ft r a T r c cl^t
I cinpsiehlt der Vortrageiide u. a.: die etrajmunbigfeu von 1- £ cuf 14 Jahre hinauszusetzen, ferner die Ltrasbarkett Der jugendlichen abhängig zu machen nicht .blotz von der genngen, • sondern auch von der sittlichen Reife. Vor allem Wille sich | der Gedanke der Erziehung innerbafb des StrarrecbU Babn drecken, 1 mit der ?Mglichkeit für den Richter, sotoohl bei nidu itrar |e ’ieien als bei verurteilten Jugendlichen Erziehungsmatzregeln an I öxorbnen, unter Umständen iiud) von Straw abzusehen. xac Erziehung soll neben der Strafe stehen, nicht an stelle Der cacafe. Ter Beschluß des StrasrechtsausschuUO-', nach dem Die


