Ausgabe 
12.4.1912 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Erster Blatt

|62. Jahrgang

Nr. 86 Erster Blatt 162. Jahrgang Zreitag, 12. April 1912

Der Sietzener Anzeige, JMM7 M M dezngsvrei»:

erscheint täglich, anher n2on,Qt!,*7.o$k'D,crtd*

LSWSSIIM I 4>1X 4>|T j>r f iTXlzI H iz r M»rLÄS sssvjlvilvllvl 4111 ivlUvlsp wirtschaftliche Zettfragen ^F W M ^F ^F^ ^F ^F _ » Chefredakteur: AGoetz.

Fernfprech. Anschlüsse: MM WM Verantwortlich für den

siir die Redaktion 112, < politischen Teil: August

-LLL" General-Anzeiger für Gberhessen LLK- nn°bt?,eiaOcsnummM Rotations&ni(f UN- Verlag -er vnihl'schen Univ.-Vuch- UN- Zteiu-Nttkerei K. Lauge. Redaktion, Lrpe-ttion und Druckerei: Zchulstratze 7. Land": E.Heß^für den bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: zenisprecher Ur. 269 GeschäftsfteSe vahnhofstrahe t6r. Anzeigenteil: 'tz. Beck.

Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten»

Das Homerule-Gesetz für Irland im englischen Unterhaus.

Das englische Parlament hatte gestern Mieder einmal einen großen Tag. Die Iren, auf die der Ministerpräsident bei der parlamentarischen Mehrheitsbildung angewiesen war, sollen entlohnt werden in der Schaffung einer Selbst­regierung für Irland. Asquith hat im Unterhause gestern seine Gesetzesvorlage ausführlich erläutert, und niemand wird die weittragende Bedeutung verkennen, die aus einer solchen gesetzgeberischen Umgestaltung herausspringen würde. Der jetzige ist der dritte gesetzgeberische Versuch, Irland Selbstregierung zu geben, und im jetzigen Augen­blick ist es interessant, die Geschichte der G l a d st o n e s ch e n Homerulevorlagen in die Erinnerung zurückzurufen: die erste Vorlage wurde am 8. April 1886 von Gladstone ein­gebracht und am 8. Juli vom Unterhause mit 343 gegen 313 Stimmen verworfen; die zweite von Gladstone am 13. Februar 1893 dem Hause vorgelegte Bill passierte die zweite Lesung mit 347 gegen 304 Stimmen und wurde schließlich vom Oberhause am 8. Dezember mit 419 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Beidemal machte daraufhin Glad­stone einem konservativen Ministerium Platz.

Die Unionisten scheinen Herrn Asquith tüchtige Schwie­rigkeiten machen zu wollen, und niemand kann es wissen, ob er Sieger blechen wird oder einem konservativen Mi­nister weichen muß. Wir erhielten folgenden Bericht:

London, 11. April.

Im Unterhaus brachte Asquith die Irische Homerule Bill ein. Das Haus war dicht besetzt, aber nicht so stark, wie bei der früheren Einbringung der Vorlage 1886 und 1893. Redmond, der Führer der irischen Nationalisten, B a r s o n, der Führer der irischen Unionisten, Bonar L a w und Asquith wurden bei ihrem Eintritt in das Haus von der: Anhängern laut begrüßt. Bei Einbringung der Bill, welcheBill der Regierung von Irland" genannt wird, er­klärte Asquith, er möchte das Haus ersuchen, zu erwägen, wie sich die Lage für oder g e g en die Homerule Bill durch die Ereignisse" seit 1893 gestaltete. Das Verlangen der Iren nach der Hornerule überdauerte alle politischen Ver­änderungen seit 1893 unverändert. Asquith betonte den gewichtigen Charakter der die Homerule fordernden irischen Stimmen und beschäftigte sich mit den Eirm^endunaen der Unionisterr von Ulster geg^n die vorgeschlagene Aenoerung. Er hätte niemals die Kraft und Entschiedenheit ihres Wider­standes unterschätzt: die Regierung habe sie bei der Ab­fassung der Bill wohl gekannt. Die Regierung könne einer relativ geringen Minorität, namentlich wenn für die Wah­rung ihrer besonderen Interessen gesorgt wird, der un­geheueren Majorität ihrer Landsleute gegenüber nicht das Vetorecht einräumen. Die Homerule für Irland ist der erste Schritt zu einer umfassenden Politik der Befreiung des Reichsparlaments von der Notwendigkeit, sich mit rein ört­lichen Angelegenheiten verschiedener Teile des Königreichs zu befassen und der Uebertragung dieser Angelegenheiten auf deren Sondervertreter. Das irische Parlament wird aus einem Senat und einem Hause der Gemeinden be­stehen. Die höchste Autorität wird das Reichs­parlament unvermindert bleiben.

Asquith fuhr fort: Das Haus der Gemeinen wird aus 164 Mitgliedern bestehen, wovon 59 Ulster vertreten. Es ist sehr erwünscht, daß auch Vertreter der Minorität des Inlands in den Senat komnren, der aus 40 Mitgliedern bestehen wird. Mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse Irlands wird der Senat erstmalig von der Reichsregi.erung für eine be­stimmte Zahl von Jahren ernannt, doch werden diese Mitglieder in gewissem Turnus ausscheiden und ihre Plätze durch von der irischen Exekutive ernannte Mitglieder ausgefüllt werden. Dis irische Unterhaus wird nur die Befugnis der Gesetzgebung über Fragen, die ausschließlich Irland betreffen, besitzen. Für den Schutz der religiösen Gleichberechtigung werden besondere Bestimmungen getroffen. Der Lordleutnant von Irland, der an der Spitze der irischen Exekutive stehen wird, wird die Vollmacht haben, gegen jedes Gesetz auf Anweisung der Reichs- regierung ein Veto einzulegen oder dessen Geltimg aufzuschieben. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Senat und den Gemeinen werden die beiden Häuser eine gemeinsame Sitzung abhalten, gemeinschaftlich beraten und ab­stimmen. Irland wird nur 42 Vertreter int Westmünsterpalast haben. Das irische Parlament wird die Machtbefugnis besitzen, innerhalb gewisser Grenzen die Reichs steuern herabzu­fetzen oder aufzuheben und die Verbrauchsabgaben zu sondern.

Dann kam Asquith auf die finanzielle Frage zu sprechen und sagte, augenblicklich bestehe in der irischen Ver­waltung ein Defizit von 1'» Millionen Pfund Sterling. Bei der Bill sei der Standpunkt zu Grunde gelegt, wo es kein Defizit mehr geben würde. Inzwischen würden aber alle Steuern weiter an den Reichsschatz gezahlt. Die Summe in Höhe der irisckxm Verwaltungskosten werde vom Reichsschatz an den irischen Schatz gezahlt werden. Ferner werden im ersten Jahre an Irland 600 000 Pfund Sterling überwiesen, die sich jährlich um 50 000 verringert: werden, bis der Betrag 200000 Pfund erreicht habe. Irland werde die Zinset: aller Ersparnisse in seiner Bertvaltung erhalten.

Asquith schloß, indem er die Unterstellung entschieden zurückwies, daß die Regierung die Bill unter dem Druck der Nationalisten, eingebracht habe und daß sie den Ueber- zeuaungen der Nationalisten ihre persönliche und ihre poli­tisch: (Ihre ausgeliefert hätte, die Regierung habe die Bill eingebracht, als Verkörperung ihrer ehrlichen und über­legten Meinung. -(Lebhafter Beifall bei den Ministeriellen.)

Asquith sprach Mei Stunden. Hierauf erklärte C a r - s o n nantens der Opposition die Bill für lächerlich und phantastisch und-bezeichnete die in der Bill gegebenen Bürg- schasten als Täuschungen.

Im Namen der 9-ationalisten begrüßte Redmond die Bill als ein großes Werk, das geeignet sei, die Absichten der Regierung zu verwirklichen. Wenn die Bill am 25. !April> der irischen Nationalistenkonvention zur Annahme unter­breitet wird, werde er der Konvention dringend empfehlet:, die Bill gut zu heißen. Mac Donald begrüßte die Bill im Namen der Arbeiterpartei.

Die Aussprache, die am Montag und Dienstag fortgesetzt werden wird, war in einem sehr ruhigen Ton gehalten. Viele Einzelheiten der Vorlage sind noch dunkel und bevor der Text des'Gesetzes veröffentlicht ist, kann volle Klarheit über alle Bestimmungen «nicht eintreten. Inzwischen stehen die Liberalen und die Nationalisten dem Gesetz günstig gegen­über.

Neue Kämpfe der Franzosen in Marotta.

Die Stämme firn Osten Marokkos wollen sich noch immer nicht beruhigen; seit Monaten haben die französischen Truppen sich mit ihren Truppenabteilungen herumzu­schlagen. Heute kommt von diesem Kriegsschauplatz ein

Bericht über ein ziemlich heißes Gefecht in der Nähe der algerischen Grenze bei Debdu, wobei die Franzosen zwanzig Tote unb 63 Verwundete zu verzeichnen hatten:

Udschda, 11. April. 2500 Angehörige des Stammes der Beni Uarain machten gestern bei Tagesanbruch bei Mahiridja am Flusse Han: am, etwa 11 Kilo­meter von Debdu, einen äußerst heftigen An­griff auf eine Rekognoszierungsabteilung unter dem Ober­befehl des Oberstleutnants F e r a u d. Fcraud ging ener­gisch zur Offensive über, zerstreute die Herks und t)er­folgte sie etwa zehn Kilometer. Die Marokkaner ließen zahlreiche Tote auf den: Kampfplatz zurück. Die Fran-, zosen soNen etwa 20 Tote gehabt haben, darunter ein Offizierund vier Unteroffiziere, sowie 63 SJer* wundete, darunter drei Offiziere und ein Unteroffizier.

Diese Meldung wird durch nachfolgenden Bericht er­gänzt:

Tie französischen Truppen sind nach den Kämpfen bei Mahiridja am 9. April nach dem Lager bei Pritissa zurückgekebrt, wo sie eiitstweilen verweilen werden. Auf dem Schlachtfelde wurden etwa 190 tote Marok­kaner gefunden, zu welcher Zahl noch die von den Marokkanern mitgenommenen Leichen zuzurechnen sind, um die feindlichen Verluste zu schätzen. Nach Nach-, richten aus Eingeborenenkreisen haben die Beni Uarain und die Niata eine neue Trtchpenabteilung gebildet, die zwischen T a s z a und dem M u l u j a (dem größten Fluß in dieser Gegend) stehen soll.

vom ita!ieniid)dürfifd)en Kriegsschauplatz.

Die neuen Truppenlandungen der Italiener.

Rom, 11. April. Die Agenzia Stefani veröffentlicht Einzelheiten über die gelungene Aktion, die in den letzten Tagen von der libyschen Küste aus in der Rich­tung der tunesischen Grenze ausgeführt wurde. Einige Hochseetorpedoboote kamen am Morgen des 8. Aprils vor Zuara an und bereiteten die Ankerung der Kriegs-! schiffe vor, die morgens in zwei Linien parallel der Küste' erfolgte. Man begann sofort das Bombardement auf : die Oase, worauf zahlreiche Bewaffnete in vorbereitet«, Laufgräben eilten. Bei Tagesanbruch des 10. April wurde die Ausschiffung von Truppen am östlichen Teil der Küste' bei der obengenannten Oase vorgetäuscht. Trotz des Schein- manüvers, das bis 4 Uhr dauerte, blieb der Gegner ihr seinen ersten Stellungen und gab einige Salven ab. Wäh­rend der Nacht wurde das Bombardement langsam fort­gesetzt, um den Feind in Zuara festzuhalten irnd um in den ersten Stunden desselben Morgens den in Begleitung; von Kriegsschiffen aus Italien abgegangenen Truppen-! transport abzuwarten. Nach der Ankunft besetzten zu-' nächst Matrosen, denen dann Truppen und Kriegsmaterial' folgten, die Halbinsel Macabes. Heute vormittag ging; ein Teil der Truppen Vogt der Halbinsel aus vor. Um 11 Uhr gelang die Besetzung des Forts Buchelec ohne Wider­stand. Dank oer starren Truppenabteilung konnte die Unter­nehmung wirkungsvoll durchgeführt iperben.

Deutsches Reich.

Der Reichskanzler v. B e t h m a n n - H o l l w e g ist nrie* der nach der Heimat unterwegs. Er ist an Bord des Kreuzers Kolberg" von Korfu kommend am Donnerstag in Brindisi

Sonnenfinfternis.

Wer über die Sonnenfinsternis am 17. April in astronomischen Jahrbüchern genaue Angaben sucht, wird bemerken, daß die Zeit und Ortsangaben der verschiedenen Astronomen miteinander nicht völlig in: Einklang stehen. Die sonst so um fehlbare Astronomie ist dieses Mal tatsächlich nicht in der Lage, mit unbedingter Sicherheit anzugeben, ob die bevorstehende Sonnen­finsternis nur ringförmig oder an einzelnen Orten vollständig sein ivirb, ja die Astronomen find sogar über den Verlauf der Mittellinie nicht vollkommen einig. Tas Jahrbuch des Pariser Längenbureaus (1912) gibt z. B. an, in Portugal, Spanien, Frankreich und Belgien sei die Sonnenfinsternis vollständig, während Bigourdan auf Grund seiner Berechnung zu dem Er­gebnisse gelangt ist, auch in diesen Ländern sei die Finsternis längs derZentralitätslinie" nur ringförmig. Eine andere Mei­nungsverschiedenheit besteht zwischen Bigourdan und Flammariou über den Verlauf der Zentralität: Bigourdan läßt die Linie nordwestlich von Paris verlaufen, so daß sie durch die Saint- Germain geht, während Flammarion annimmt, sie lasse Paris nördlich von sich und kreuze Choistz-le-Rois. Tiese Meinungs­verschiedenheiten der Astronomen beruhen in der Unsicherheit der zu Grunde liegenden Zahlenwerte. Bei den Größen, die für die Entscheidung über dieTotalität" und dieZentralitats- linie" in Frage kommen, sind die Kenntnisse der Astronomen trotz aller Vervollkommnung der Instrumente noch nicht aus­reichend.

Wenn die Sonne durch den Mond voUständig verfinstert erscheinen fotl, müssen beide Himmelskörper von der Erde aus unter gleichem Winkel erscheinen. Ob dies der Fall ist, läßt sich nur angeben, wenn nicht nur die wahren Durchmesser der Himmelskörper, sondern auch ihre genauen Abstände bekannt sind. Soweit es sich nun um die Sonne handelt, sind die Angaben ausreichend; anders ist es bei dem Monde. Bei seiner vev- wickelten Bahn ergeben die Berechnungen seiner Lage im Raum zu einer bestimmten Zeit zuweilen Abweichungen von 0,1 Bogen- minuten von der späteren Beobachtung. Wenn der Mond von der Erde nun 385 000 Kilometer entfernt ist, entspricht diese Ab­weichung einer Länge von 11 Kilometer, und gerade diese Strecke kann dieses Mal für die Frage, ob die Sonnenfinsternis voll­ständig oder nur ringförmig ist, entscheidend werden. Völlig verfinstert erscheint die Sonne an allen Punkten der Erde, die vom Kernschatten des Mondes getroffen werden. Tie Verlän­gerung des Kernschattenkegels dagegen trifft alle Orte, an denen eine nur ringförmige Verfinsterung sichtbar ist. Je nachdem, ob die Spitze des Kernschattenkegels nun einige Orte der Erd­oberfläche wirklich erreicht, wie man erwartet, ober nicht, ist die Sonnenfinsternis am 17. April vollständig ober ringförmig.

Tie Gestalt des Mondes spielt hierbei auch noch eine Rolle. Man kennt den Monddurchmefser zwar genau und kann daher

auf ziemlich einfachem geometrischem Wege die Grenzen des Kern- schattens, die sich auf der Erde abzeichnen, berechnen. Tabei wird der Mond aber als eine Kugel betrachtet, was ungenau ist. Bei seinem Halbmesser von 8070 Kilometer spielen Berge von mehr als 5000 Meter Hohe auf seiner Oberfläche eine solche Rolle, daß sie den Kemschatten vergrößern können. Tat­sächlich können die Astronomen also nur an Stelle der Zen­tralität s--Linie" einen 1 bis IV2 Kilometer breiten Streifen auf der Erdoberfläche angeben, innerhalb dessen die wahre Zen­tralitätslinie zu suchen ist, und in den: Verlause dieses Streh- fens kann die Strecke angegeben werden, für die die völlige Verfin­sterung wahrscheinlich, doch nicht ganz sicher ist.

Eine Spur der Mona Lisa. Mehrere römi- s ch e Blätter melden, daß die gestohleneM 0 n a Lisa" Pierpont Morgan in Florenz zum Kauf angeboten wor­den sei.

Bremer Theaterbrief: Tie deutsche Uraufführung von RostandsSamariterin". Aus Bremen wird uns geschrie­ben : Im Bremer Stadttheater fand unter Mitwirkung von Tarnen und Herren der Bremer Gesellschaft die deutsche Uraufführung von Edmond Rostands EvangeliumTie Samariterin" statt. Selten hat wohl ein poetisches Werk an dieser Stätte einen so nachhaltigen und weihevollen Eindruck hinterlassen. Und dies, obwohl es keineswegs im eigentlichen Wortsinne dramatisch ist. Jene befannte Szene aus dem Johannesevangelium, wo Christus die Samariterin um einen Trunk bittet, ist im wesentlichen das Gerüst des Stückes geblieben. Rostand hat nur, was davor, dazwischen und dahinter liegt, poetisch ausgemalt. Aber bleibt der Stoff selbst auf diese Weise durchaus episch, so wirken die einzelne:: Bilder durch ihren meisterhaft gegipfelten Aufbau im stärksten und zugleich vornehmsten Sinne des Worts unvergleich­lich theatralisch. Tie hinreißende Glut und Pracht .ber Sprache, die auch in der Verdeutschung des jungen Bremer Schauspielers Friedrich Begas wohl erkennbar blieb, erhebt auch sie zu Kunst­werken von großartiger geschlossener Wirkung. Tie von Tirektor Hofrat Otto sorgsam und stilvoll durchgeführte Inszenierung ver­diente vollste Anerkennung.

Gin orientalisches Seminar in London. Nach dem Muster des bereits seit Jahren in Berlin befteljenben Orien­talischen Seminars wird nun auch in London eine höhere Lehr­anstalt erstehen, die dem Studium der orientalischen Sprachen ge­widmet sein soll. In der jüngsten Sitzung der Eigentümer der London Institution wurde auf Antrag beschlossen, der Regierung zur Errichtung eines orientalischen Seminars eine erhebliche Summe zur Verfügung zu {teilen. Man wird den sogenannten Finsbury- Zirkus ankaufen, um den Bau in eine Hochschule umzuwandeln: 500 000 Mark für den Umbau und die Ginridjtung werden zur > Verfügung gestellt und nach den bisherigen Plänen werden jährlich

80 000 Mark zum Unterhalt der Anstalt bereit sein. Mit deut Schatzamt schweben bereits Unterhandlungen über die Uebemahme dieses neuen orientalischen Seminars durch den Staat.

Ff. Edison über den Schulkinematographen.. Was beinahe kein Schulbuch zu erreichen imstande ist, die Schul-» linder an die Schulaufgabe zu fesseln, das vermag der Kinemato- graph so behauptet Edison in einem längeren Aufsätze, der sich mit dem Kinematographen in der Schule beschäftigt. Edison ist dabei durchaus nicht bei der Theorie stehen geblieben, sondern vermag seine Behauptung bereits durch Erfahrungen aus der: Praxis zu stützen. In Schulen in Drange hat man versuchsweise den Kinematographen in den Unterricht eingeführt und sich ganz' nach Edisons Vorschriften gerichtet, der auf diesem Wege den Schülern durch das Auge die Anschamlng vermitteln will, die sie sonst aus Worten in gedruckten Büchern schöpfen sollten. Natürlich gibt es Unterrichtsfächer, für die der Kinematograptz von vornherein nicht in Betracht fommt; für andere dagegen scheint er wirklich wertvoll werden zu können. Die Naturwissen­schaften stehen dabei obenan. Edison läßt gegenroärtig^in Afrika Aufnahmen für den geographischen Unterricht machen. Sein Kine­in atograph hat dabei nach seinen eigenen Worten, den Auftrag, alles aufzunehmen, was zwischen Kapstadt und der Nilmnndung überhaupt vorhanden ist Wenn dann in der Schule nicht in einem geographischen Buche eine notdürftige Abbildung etwa von zwei Kaffem zu sehen ist, sondern wirklich an dem Wandschirm die Koffern lebend zu sehen sind, dabei aber auch landschaftliche Auf­nahmen und Bilder aus dem Tierleben, einschließlich derLandes- prcdukte", die im Unterricht gewöhnlich recht unschmackhaft aus- fallen, wird nach Edisons Ansicht der Unterricht mirtlid) m'selnd sein. Bei den übrigen Naturwissenschaften ist die Möglichkeit des kinematographischen Unterrichts genau fo einleuchtend wie bei der Kinematographie. Edison denkt auch daran, Schreiben, Lesen, Lautbildung, physiologische Tinge und Teile der Mathe­matik linematographisch vorzuführen, außerdem bat er bereits Geschichte kinematographffch gelebt:. So z. B. hat er in Drange Films vorführen lassen, die d:e Schlacht boi Lexington und Washing­tons Uebergaug über den Delaware zeigen. Weitere geschichtliche Bilder sind in seiner kinematographischen Werkstatt in Vorbereitung. Von einer amtlichen Einflchrung des kinematographischen Unter­richts in den Vereinigten Staaten hort man vorläufig noch nichts, wohl aber hat man in Europa den Versuch mit Schulkinemato­graphie gemacht. In Versailles werden in einer Schule im; naturwissenschaftlichen Unterricht gegenwärtig Films vorgeführt.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wislen- schaft. Tie freie Vereinigung Berliner Studen­tinnen wird vom 15. April an täglich von 121 Uhr im Damen- zimmer der Universität durch ein Mitglied Auskunft über alle Fragen erteilen lassen, die für die jungen Studentinnen nutzbar; sind.