Ausgabe 
11.7.1912 Erstes Blatt
 
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Au» Stabt und Land.

(Sichen, 11. Juli 1912.

* * Tageskalender für Donnerstag, 11. Juli: L.Abonn» mentskonzert der Regimentsnuisik. Abends 8 Uhr in Steins Garten.

* I n Audienz empfangen wurde vom Groß­herzog am Mittwoch u. a. Bürgermeister Stöp ler von Lauterbach.

"Ordensangelegenheiten. Ter Groß Herzog hat dem Direktor der Zentrale für Mutterschutz und SäuglingS- fürsorge RegicrungSrat Emil Pi stör zu Darmstadt das Ernst- Ludwig-Eleonoren-Kreuz für Verdienste in der Wohlfahrts­pflege, sowie daS Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen: dem Hauptmann a. D. Hede- mann, seither Kompagniechef im Infanterie-Regiment Prinz Carl (4. Hess.) Nr. 118; daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für Verdienste^: dem Vizewachtmeisler a. D. V! ahnkopp, seither Trompeter im Leib-Dragoner-Regiment (2. Hess.) Nr. 24 verliehen. Der Groß herz og hat ferner die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von dem König von Preußen verliehenen Orden er­teilt: dem Minister der Finanzen Dr. Dr.-Jng. Braun zu Darmstadt den Roten Adler-Orden 1. Klasse, dem Geh. Oberbaurat Kilian zu Darmstadt den Königlichen Kronen- Orden 3. Klaffe und dem RegicrungSrat Or. ^ur. Schneider, Mitglied der Eisenbahndirektion zu Mainz, den Roten Adler- Orden 4. Klasse.

Tech nische Hoch schule. Ter Groß Herzog hat den ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule zu Tarmstadt Geh. Baurat Gg. Wickop für die Zeit vom 1. September 1912 bis 31. August 1913 zum Rektor dieser Hochschule ernannt.

Lehrerpersonalien, uebertragen rourbe bem Lehrer Wilh. Niebel zu Nauheim eine Lchrcrstelle an der Gemcindcschule zu Neu-Isenburg, ferner der Schulamts­aspirantin Emilie Donde ans WormS eine Lehrermstelle

Paris, 10. französische

Paris, 10. Juli. Nach einer Blättermeldung aus Ma­drid habe Canalejas int gestrigen Ministerrat angekündigt, daß er den Cortes bei ihrem Wiederzusammentritt im Oktober das spanisch-französische Abkommen vorlegen werde.

2! us IHaroHo.

Juli. Die Kammer nahm das deutsch- Abkommen von 1912 über die Staats- Eingeborenen und Europäer in den ausgo-

Altsland.

B u d a v e ft, 10. Juli. Der Chefredakteur desPefter Lloyd" Sigmund Singer ist zum lebenslänglichen Mitglied des Magnaten­hauses ernannt worden.

Petersburg, 10. Juli. Der Reichskanzler besuchte nach dem Diner beim Ministerpräsidenten das Volkshaus. Vormittags arbeitete der Reichskanzler und besuchte das Winterpalais. Mends findet ein Abschiedsdiner in der deutschen Botschaft statt, wozu der Kommandant und einige Offiziere des SchulschiffesSöam'a", der deutsche Generalkonsul und die Spitzen der deutschen Kolonie geladen sind. Um 11 Uhr reift der Reichskanzler nach Moskau ab.

Parts, 10. Juli. Die Kammer nahm in einer bis Voll Uhr abends andauernden Sitzung den Wahlreformentwurf in seiner Gesamtheit mit 339 gegen 217 Stimmen an. (Stürmischer Beifall bei den Anhängern des Verhältniswahlsystems. Auch die radi­kalen Gegner der Wahlreform applaudierten, da sie der Ansicht sind, das; die Mehrheit der Republikaner sich gegen die Wahl- reform ausgesprochen hat. Einzelne Radikale rufen, zu der Mi­nisterbank gewendet: Demission!) Tie Sitzung wird hierauf unter großem Lärm schlossen.

angehörigkeit der

tauschten Gebieten Aeauatorial-Afrikas an.

Dcntscbcs ttced).

Der Kaiser hat gestern fürs nach 8 Uhr an Bord der Hohenzollern" unter dem Salut der Festung S'.v:n emnn.de die Nordlandreise angetreten. Als Begleitschiffe die­nen der KreuzerBreslau." und das Depeschenboot Sleipner".

LautVerl. Polit. Nachr." wird die K o n t er en ; der b n n d e s st a a t l i ch e n Finanzminifter, die sich mit der B e s i tz st eue r f rag e befassen wird, nicht vor Ende Oktober einberusen werden.

In der gemeinsamen Sitzung der Budgetkommissionen der beiden badischen Kammern wurde über die Frage des Fortbestehens der Münchener Gesandtschaft verhandelt, ohne daß jedoch eine Einigung erzielt worden wäre. Morgen wird sich das Plenum der Zweiten Kammer mit dieser Sache beschäftigen. Der badische Landtag wird am 19. Juli vertagt werden.

Zulagen von 400 Mark zubilligt. Der Antrag hat die Tendenz, einerseits die Lehrer den Bezügen der mittleren Beamten zu näl,>ern aber anoererfeit* auch den in jungen ( Jahren angestelltvn Lehrern die Nachteile der späteren An- stelluna der mitti'enm Beamten mit kosten zu lassen. Der j Antrag setzt deshalb mit einer stärkeren Erhöhung erst etwa mit dem 35. Lebensjahre des Leh-rers ein in dem . der mittlere Beamte nach den derzeitigen Verhältnis,en der Staatsdienstanwäri er angestellt zu w^oen pslegü dieser Antrag, der eine Erhsih "ng von durcyjch.rittlich L> Prozent für die Lehrer vorsieht, -ist ein Minoritätsantrag geblieben. Nicht annehmbar erscheint ftdoch auch der Beschluß ver- ehrlicher Zweiter Kammer au, Erhöhung um lo Prozent aus dem Grunde, well bet dieser Erho-hung der Vol^- . schullehrer in einen Höchste eh alt von 34ö<D Mark käme und damit die höchsten Deznge im ganzen Reiche erlangte, ^.a unsere Mittel verbieten, die mittleren Beamten, und ganz besonders zu unserem Bc-dauern die höhnen Beamten, den Bezügen d^s Reiches und Preußens zu nähern, verbietet es die Rücklicht auf die übrige Beamtenschaft, der den Lehrern eine Ausnahme xu machen und fte über me Sätze von Preußen hinausgehen zu laen. Wenn es bei den Lehrern auch nur ein geringer Betrag ist, mit dem sie über die höchsten preußischen Satze Warnen, fo muß auv prinzipiellen Gründen dieser Regelung widersprochen ^^^ie Mitglieder der Zweiten Kamm'er sind also vor die bittere Notwendigkeit gestellt, entweder die ganze Vorlage scheitern zu sehen, oder sich den Beschlüssen der Ersten Kammer zu fügen. Es ist vielleicht leichter, in diesem Falle den stolzen Mann zu spielen, der sich vor ber 6r,ten Kammer nicht beugen will, als die Vorlage zu schlucken. Fragt sich nur, ob den Beamten nut einer solchen Hals- ftarrigfeit gedient sein lvird. Den Parteien, die bestrebt inb, den Beamten - zumal es sich ja nur um ein Provi­sorium handelt wirklich etwas zu kommen zu lassen, wird sicher der Vorwurf gemacht werden, daß fte sich vor der Ersten Kammer verbeugt hätten, ^m Unteres,e der Be­amtenschaft wird man aber wünschen dürfen, daß mög­lichst allen Parteien dieserVorwurf" gemacht werden kann. Lehnt die Zweite Kammer die Annahme der Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt ab, dann scheitert das ganze Werk. Die Regierung hat das heute außer allem Zweifel ge- lassen.

Die Stiefkinder der vesoldungsvorlage.

Man schreibt uns <rus Lehrerkreisen:

Die Besoldungsvorlage versetzt allmahttch das gesamte Land in einen nervösen Zustand. Woche um Woche ver- qcht und immer noch fein Ergebnis! Dabei ist doch folgen­des fonnenflar: Nach der Begründung, die die Regierung der Befoldungsvorlage für die Beamten beifugte, hat im letzten Jahrzehntder gesamte Haushalt eines Staatsbeam­ten durch die gesteigerten Kosten der gesamten Lebenshal­tung eine Mehrbelastung von etwa 2530 Proz. erfahren".

Dieser Tatsache entsprechend wurde deshalb ja auch von der Regierung für die Beamten eine einigermaßen die Lücken ausgleichende Vorlage eingebracht. 3M aber darin der Volksschullehrerschaft nicht das gleiche Maß zu- gestanden wurde wie den Beamten als wenn die hessischen Volksschullehrer nicht in demselben Staat unter denselben Verhältnissen lebten! erklärte die Zweite Kammer ein­mütig am 8. Mai d. I., daß sie für die Lehrer eine gleiche Behandlung wie für die ihnen gleichzurechnenden mittleren Beamten verlangen müsse; mit anderen Worten: die Zweite Kammer gab die feierliche Zusage, auch den Volks chul- lehrern wie den Beamten von 30004600 Mark lo Proz. Aufbesserung zukommen zu lassen.

Im Finanzausschuß der Zweiten Kammer kam dann endlich nach heißen Kämpfen und langwierigen Verhand­lungen ein Kompromiß zustande, wonach den Beamten die in der Regierungsvorlage zugedachte Aufbesserung (also den mittleren Beamten von 30004600 Mark 15 Prozent ihres Gehaltsleils) und den Volksschullehrern 15 Prozent Erhöhung nicht von dem pensionsfähigen Geho.lt, sondern vom einfachen Stelleneinkommen als einmalige Zulage für 1912 zu-gestanden wurden. Am Donnerstag voriger Woche erhiett dieser Kompromiß von dem Plenum der Zweiten Kammer mit 38 Stimmen Nationalliberale, Zentrum, Fortschrittliche Bolkspartei und Sozialdemo­kraten stimmten geschlossen dafür gegen 11 Stimmen des Bauernbundes die Zustimmung. '

Aber noch ist das Hoffen und Bangen für die Beteilig­ten nicht zu Ende. Man will weniger geben auf der anderen Seite. Wenn auch das schon nicht zu rechfertigen ist, da, wie die Regierung selbst sagt, das Zugestandene das Mindestmaß dessen ist, waS man geben kann, so ist es aber geradezu unbegreiflich, wenn man von dem Beschluß der Zweiten Kammer den Beamten 90 Prozent, den Lehrern aber nur 73i/3 Prozent geben will. Das bedeutet für die mittleren Beamten rund 13,5 Prozent Aufbesserung, für die Lehrer aber mir 11 Prozent.

Das ist die Gerechtigkeit, die man der hessischen Volks- schullehrerschaft widerfahren läßt. Soll dadurch auch ihre Arbeit im Dienste der Voll'sschule eingefchätzt werden? In einer Zeit, in der diese Volksschule von führenden Män­nern des öffentlichen Lebens als das Instrument natio­naler Höherentivickelung und als Gmndfattor für die Be­hauptung unserer Nation auf dem Weltmärkte bezeichnet wird, weigert man sich, der an dieser Volksschule wirken­den Lehrerschaft die bescheidensten Wünsckse zu erfüllen. Oder ist das eine maßlose Forderung, wenn die Lehrer­schaft in der gegenwärtigen Situation unter Zurückstel­lung ihres grundsätzlichen Verlangens eine gleiche Behand­lung wie die ihnen gleichzurechnenden mittlereii Beamten wünscht?

Die auswärtige Politik Großbritanniens.

London, 10. Juli. Unterhaus. Staatssekretär Grey besprach in auspchrlicher Weise die persische An gelegenheit, ging sodann auf die Mittelmeerfrage über und wandte sich hierauf den englisch-deutschen Bcziehung.'n zu. Dabei sagte er, die Beziehungen Englands zu Deutschland seien gegenwärtig a u s g e z e i ch n - t und absolut frei von irgend einer Frage, durch di: die beider- eitigen Interessen berührt würden. Er glaube, falls solche Fragen sich ergeben würden, ob diese nun im Zusammen­hang mit den wechselseitigen Interessen in Südafrika oder aber in Verbindung mit der Bagdadbahn geschehe, würden beide Regierungen die Ueberzeugung hegen, daß ihre g< gen- seitigen Interessen ehrlich ausgeglichen werden könnten. Daneben bestehen andere diplomatische Gruppen, aber er ei nicht der Meinung, daß dies die Freiheit der Aus­sprache in Bezug auf wechselseitige Jnteressenfragen ver­hindern werde. Wenn eine solche Frage auftrete, müßt m diese verschiedenen diplomatischen Gruppen nicht notwen­digerweise in entgegengesetzten diplomatischen Lagern sich befinden.

Earl Ronaldshay (Unionist) unterstützte die Haupt­richtlinien der Greyschen Polittk und führte aus ^Tie Triple­entente war im vergangenen Jahre großen Spannungen unterworfen, die sie überstanden. Greys Aufgabe war es, nichts zu tun, was die guten Beziehungen Englands ;,u Frankreich und Rußland hätte beeinträchtigen können. Grey jatte tatsächlich Mühe, die Aufrichtigkeit des von Eng­land den beiden Ländern entgegengebrachten guten Willens zu beweisen. Es war begreiflich, die Länder um die g'eiche !Kundgebung zu bitten. Er (Ronaldshay) fei im Grunde genommen der Ansicht, daß solche Kundgebungen nicht er- olgten. So zeigte die französische Regierung beispiels- veife in keiner Weise ihre Bereitwilligkeit, auch nur einen Titel ihrer Rechte in Maskat aufzugeben, obwohl es sonst viel leichter gewesen wäre, den Waffenhandel im persischen Golf zu unterdrücken. Tie russische Regierung zeigte große Bereitwilligkeit, die Stellung, die England einnehme und einnehmen müsse, zu würdigen. Ronaldshay bemerkte mit großer Genugtuung, daß die russische Politik in Pirsien unter Sasonow eine erhebliche Aenderung erfahren habe. Redner bat zum' Schlüsse Sir Edward Grey rm eine end­gültige Erklärung über die englische Politik in Bezug auf Persien und um Auskunft über das Bagdcid-Transpersische Bahnprojekt. In den weiteren Erörterungen, die haupt­sächlich Persien und die Eisenbahnfragen behandelten, for­derte P e n s o n b y (Liberal) Sir,Edward Grey auf, Schritte zu unternehmen, um freundschaftlichere Bezieh­ungen zu Deutschland zn schaffen. Er ei klärte, er glaube nicht, daß es unmöglich sei, vollständig freundschaft­liche Beziehungen zu erreichen. _

Nach demDaily Telegraph" steht zu erwarten, daß das Flottenprogramm, das Minister Churchill am 18. März ankündigte, eine gewisse Revision er­fahren und daß die englische Seemacht im Mittelmeer nach Beendigung der Manöver wieder in beträchtlicher Stärke vertreten fein wird.

Grey besprach sodann die Mittelmeerfrage, die von der größten Bedeutung sei, und tatsächlich die aus- toärtigen Beziehungen ebenso wie die Flottenstrategie cuf die Tagesordnung setze. Es würde schwierig fein, über diese Angelegenheit ein endgültiges Urteil zu fällen, weil sie so voll Abstufungen (araduattons) und (Steigerungen (degrees) und ausgedehnt sei, aber er wolle sich bemüher., diese Fragen in zwei streng begrenzte Teile zu sondern 1. dürfe man sich nicht auf die auswärtige Politik allein als der Schutz der vereinigten Königreiche verlassen. (Die Sitzung dauert fort.)

In der Öffentlichkeit versucht man Stimmung gegen die Lebrerfchaft zu machen, aller Groll der Steuerzahler, alle Erbitterung der Beamten soll auf dieunersättlichen" Volksschullehrer, die ein«int 53. Lebensjahr erreichbares Endgetzalt von 3000 Mark beziehen, abgewälzt werden. Und für diese doppelte und dreisache Anfeindung will r-tan ihnen noch nicht einmal das, was man den gleichzurechnen den Beamten gibt, gewähren, sondern sogar noch weniger! Dieser Beschluß des Fi naii zausschuss es der Ersten Kammer ist der härteste Schlag in dieser Gehaltsbewegung, der die Volksschullehrer bis in die Seele trifft.

Die Zweite Kammer will, um es noch einmal zu wieder­holen, da? Mindestmaß dessen geben, was gegeben werden kann. Wir können den Gedanken nicht fassen, daß auch nur einer von den Mgeordneten, die am 4. Juli .tu- stimmten, noch einmal anderen Sinnes werden könnte. Will aber diese Kammer wirlliche Volkskammer sein, dann muß sie ihrem Beschluß vom 4. Juli mannhaft treu blei­ben. Beamten- und Lehrerschaft werden dann dem end- gültigen Ausgang dieser Sackte mit Ruhe entgegensetzen können

Paris, 10. Juli Die Agencc Havas meldet aus Fe, vom 9. ds.Aufständische aus der Gegend von ott r u versuchten von neuem einen £> a ndstrei w gegen die ^tadt. Die Garnison machte einen Ausfall, um der -stabt ~u|t 6u

B a ris, 10. Juli. Aus Madrid wird bezüglich der Ver.- handlungen über die International i s i e r u n g < ange r4. gemeldet, man scheine sich darüber geeinigt zu_ haben, oa& i>tc Verwaltung der Stadt gjnem Arisichutz von 24 Mit­gliedern annertraut werden soll, welche teils von btyt Bewoh­nern von Tanger gewählt, teils von den Vertretern der natarmäaue der Algeeirasakte namhaft gemackt werden tolltn. Die Frage des zu Tanger gehörigen Umfrei 's i . r 'e wohl noch einer längeren Erörterung bedürfen, da Spanien du 'n llmireis nur mit 6 Kilometer, England jedoch mit 1-^ m lomctcr fewetzes wolle Die französischen und iranischen legierten haben sich in der Angelegenheit der Eisenbahn von Tanger nach fyej über die Frage der polizeilick^en Uebenoachung verständigt, die von jedem Land in der ihm zugewieseiien Zone ausgeübt werden w'rd. Ebenw hat man sich darüber grundsätzlich geeinigt, datz Svanien die Befugnis haben soll, die spanische Teilstrecke durch Ankauf zu verstaatlichen.

Aus Hessen.

Gegen die örtlichen Schulvorstände

macht sich in den Kreisen der Schulderwaltungsbeamten und in der Lehrerschaft Hessens eine lebhafte Abnei­gung bemerkbar. Man ist in diesen Kreisen fast allgemein der Ansicht, daß die Ortsschulbehörden die gehegten Er­wartungen nicht erfüllt haben. Schulrat Bauder (Bens^ heim), der seit etwa 20 Jahren als .üreisschulinspektor in drei Kreisen Hessens tätig war, schreibt z. B. in den Pädagogischen Blättern":Die Volksschule ist reif zur Beseitigung ihrer örtlichen Bevormundung. Die Besetti- gung des Ortsschulvorstandes als Behörde liegt nicht bloß im Interesse der Schule und der Lehrer, sondern auch in dem der Gemeinden selbst. Die geschichtliche Entwicklung drängt offenbar auf die reine Staatsvolksschule hin." Dieses Urteil Hingt vielleicht manchem Leser befremdlich, aber die hessischen Schulbehörden stehen fast durchweg auf dem­selben Standpunkt, und die Lehrerschaft, die doch vor allein genötigt ist, das Interesse der Gemeinden für die Schulen zu erhalten, nimmt dieselbe Stellung ein. Ein von dem Landes-Lehrerverein ernannter Ausschuß, der sich mit den Vorschlägen zur Umgestaltung des Schulgesches befaßt, sprach sich einstimmig gegen den jetzigen Sclmlvorstand aus. Auch in den hessischen Städten hat der Schulvorstand keineswegs die Bedeutung erlangt, die man ihm 1874 beim Erlaß des Schulgesetzes zu geben suchte. Die Arbeit wird in der Hauptsache von den betreffenden Fachleuten erledigt, und dabei hat sich das städtische Bolksschulwesen gerade in Hessen recht gut entwickelt.

Der Monarchistenputsch in Portugal

ist, wenn man den Nachrichten der republikanischen Regierung trauen darf, int wesentlichen bereits vereitelt worden. Folgende neuere Nachrichten liegen vor:

Madrid, 10. Juli. Eine amtliche Depesche des Gouver­neurs der Provinz O r e n s e gibt bekannt, daß an der Grenze Ruhe ^rrscht.

Paris, 10. Juli. Ans Madrid wird über den Putsch­versuch der portugiesischen Monarchisten gemeldet, man sei daselbst überzeugt, daßdicverunglückteExpeditionnurunter- nommen wurde, um die Verwendung der von monarchisti­sch en Kapitalisten hergcgebenen Geldsummen zu recht­fertigen. Die portugiesischen Aufrührer feien zweifellos von den Karlisten unterstützt worden. Die Tatsache, daß die portu­giesischen Monarchisten mit Waffen ausgerüstet waren, die aus den Fabriken von Toledo und Oviedo stammen, sei damit zu erklären, daß diese Fabriken die Besteller für Ster tretet einer amerikanischen Republik hielten.

Lissabon, 10. Juli. Etwa 150Royalistender gestern im Norden von Chaves geschlagenen Abteilung ergaben sich der Militärbehörde. Eine Kompagnie Infanterie versuchte die Ge­meinde Cabeceiras de Casto anzugreifen, wurde aber von den Einwohnern zurückgeschlagen. Jetzt belagert das Dorf ein Infanterieregiment. Marineieutnant Manuel Albert S o a- r e s, der als Verschwörer festgenommen und kürzlich freigesprochen worden war, wurde in dem Augenblick, als er in ein Äotel sich zu flüchten suchte, von einem Carbonari durch vier Revolver­schüsse getötet. Der Carbonari wurde verhaftet.

Lissabon, 10. Juli. Die Bande des Kapitäns Son« c e i r o lagert bei ©out el Linho, drei Morneter von der spanischen Grenze entfernt, im Kreise Cabeceiras de Casto, wo überall Aufruhr herrscht. Die republikanische Armee drang in Cabeceiras ein, fand es aber von den Einwohnern, die in die Berge geflüchtet waren, geräumt. In bet Umgegend von Chaves wurden 40 Leichen und ein zweites Geschütz der Aufständischen gefmtben.

Der italiemsch-tiirlische Krieg.

Rom, 10. Juli. Die Agenzia Stesani meldet aus Me- snratas vom 9. Juli: Bei dem gestrigen Kampfe verfügte der Feind über mehr als 5000 Gewehre. Die Flucht erfolgte infolge einer ausgebrochenen Panik nach allen Richtungen. Ein Teil der Flüästlrnge konnte sich in der Richtung ans Gberan südlich von Eslitten vereinigen. Eine genaue Angabe der Verluste des Feindes ist wegen der Ausdehnung bft Schlachtfeldes und der langen Dauer des Kampfes schwierig. Die Italiener beerdigten allein vor Mesuratas 300 gefallene Feinde. Der^ Feind trug schon zu Beginn des Kampfes zahlreiche Seiden Tort und be­stattete sie. Viele weitere Leichen sind noch unbegraben. _ Einige Notabelu kehrten nach Mesuratas zurück. An die Bevölkerung wurde ein Manifest erlassen. Das Leben in Mesuratas, das ein wichtiger hcmdelspolitisckier Stüppunkt ist, kehtt wieder. Die Ge­sundheit der Truppen ist sehr gut.

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