Nr. 59
Drittes Blatt
162. Jahrgang
6r1d)etnt täglich mit Ausnahme be5 Eonntag».
der
nächst bei der Beratun
Kammer wieder an
als Amtsrichter tälft
in an i ft en dazu angeleitet hat, den Ton, die Musik bei der Liedforschung als unentbehrliches Element zu erkennen unb
Tie „Stehener .samUlendlätteti werden dem ,tinaeifler* viermal wördenilick beigetegl. da» „Kretsblan für den Kreis Sieben" zweimal wöchemlich. Die „Landwirttchaflltchen Seit- tragen" erlchemen monatlich zweimal.
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Kann die Zahl der Amtsrichter i.i Hessen vermindert werden?
Von einem Juristen wird uns geschrieben:
von Ausständen und Ausftändische».
Wir sind nachgerade an Riesenausstände gewöhnt loorbcn: vergeht doch kein Jal)r. ohne daß ein solcher dem wirtschaftlichen Leben eines bei- großen Kulturvölker seine Spuren ausprägt. Eng land, das jetzt in dem ungeheuersten Streik steht, bembie Geschichte bisher iwch kennt, sah sich erst voriges Jalw durch.den Massenaus stand der Eisenbahnarbeiter und ihrer Geiwssen völlig lahm, gelegt Das Jahr 1910 hat Frankreich den Riesenausstand auf der französischen ^iordbahn gebracht. Der erste dieser modernen Riesenausstände hat sich auf deutschem Boden vollzogen; es war der historisch gewordene Bergarbeiterousltand des Jahres 1889, der im ganzen 90 000 Arbeiter in Mitleidenschaft zog und durch das Eingreifen des deutschen Kaisers geschlichtet worden ist.
90 000 Ausständische »vollen fteilich beide gar nicht mehr so viel erscheinen, und der Ausstand der 4000 Tuchmachergesellen, der zur Zeit der ftanzösischen Revolution ein gewalltes Aufsehen erregte, würde heute nur als ein kleiner Teilausstand, als ein winziges Bläschen in dem gärenden Ozeane der wirtschaftlichen Kämpfe angesehen werden. Kann aber die Vergangenheit, was die Zahl der Ausstandsteilnehmer anlangt, zweifelsohne den Wettstreit mit der Gegenwart nicht cnimehmen, so ilt sie ihr dafür in einer anderen Beziehung überlegen. Denn es hat im Mittelalter einzelne Fälle gegeben, wo die Slusstände eine Zeitdauer erreichten, zu der die Neuzeit fein Seitenstück aufzuweisen
samstag, 9. März 1912
Rototienfbrud und Verlag der Brüdl'schen UnwersllälS - Buch- und etembnidertu 9L Lange, ©icöen.
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ftebattion, Expedition und Druderet: Sckul» strave 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:et» 112. Tel.-Adr.:AnzeigerÄleven.
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hat es verstanden, daraus einen sehr brauchbaren £ per nie; t zu formen, der dem Zternponisten reiche Gelegenheit zu mannigiacher künstlerischer Betätigung bot. Reiter ist auch in dieser Oper ein vollständig Eigener Wahre und ticfc_ Empfindung redet in dieser Musik eine von Herzen kommende Sprache. Mit Vorliebe chlägt Reiter in einer edlen Melodie volksmästige Töne an. In erster Linie ist er Stimmungsttmstler. Davon zeugen besonders die beiden Aktschlüsse. Aber auch für das Dramatische, für mir* kungsvollen Ausbau und große Steigerungen stehe,i ihm reiche Mittel zu Gebote Alles in allem eine Musik, der man gerade in unserer Zeit starke Syrnpculüen entgegenbringen must. Generalmusikdirektor Franz Mikorey brachte die Oper in gediegener Wiedergabe heraus. Dichter und Komponist wurden oftmals gerufen.
— Die Bergwerkpo nies im Sonnenlicht Bei den vielen dunklen Sorgen und der bitteren Not, die der Str tk der englischen Kohlenbergleutc mit sich bringt, mag auch eines kleinen Lichtblickes gedacht werden, den dieser Lohnkampf für arme lebende Wesen mitbringt: für die Bergwerksponies. Man kennt das traurige Schicksal dieser armen kleinen Pferde, die in die Schächte hinabgeführt roerben, um dort in schwerer Arbeit ihr Leben zu verbringen, im Dunkel, im ewigen Dunkel, denn die Ponies bleiben bis zu ihrem Tode in den Schächten und sehen gewöhnlich das Sonnenlicht nie wieder. Es war ein merkwürdiges und rührendes Schauspiel, als am Sonnabend in Sunderland aus der Wearmoutb-Grube die Ponies ans Tageslicht geschafft wurden. Wearmouth ist die tiefste Grube Großbritanniens und in den dunklen Schächten des Kohlenwerkes fristen lahraus jahrein 400—500 Ponies ihr Leben. Seit Jahren haben sie kein Tageslicht gesehen, und als fie fetzt wieder aus der Finsternis zum Licht emporstiegen, zeigten viele von ihnen Zeichen der Angst und des Schreckens: iie fürchteten sich vor Dem Sonnenlicht. Eine stattliche Anzahl der armen Tiere lebt bereits seit zwanzig Jahren im Schacht. Aber nicht alle halten vergessen, was das Sonnenlicht ist; tne jüngeren, die noch nichts so lange in die Tiefe verbannt waren, begrüßten mit froljem Schnauben den Tag und wälzten sich übermütig am Boden. Sie hatten Die schönen Tage ihrer Jugend noch nicht vergessen, waren noch nicht »‘rümpf geworden wie die anderen älteren Tiere, die sich uh Wandel der Jahre allmählich der ewigen Finsternis angepaßt hatten und nun vor den Sonnenstrahlen zitterten: Tod) ob jung oder alt; jebem von ihnen hat die Grube ihren ^i;mpel aufgedrückt: In der Dunkelheft haben ihre Augen gelitten und sie vermögen im Hellen Lichte des Tages mcht mehr deutlich zu sehen.
Der erste moderne Geograph.
In seinem Buch über das Kartenzeichneti gibt Claudius Ptolemäus, der bedeutendste Geograph der antil en Welt, Uni erricht darin, wie auf einem 26 Karlen enthaltenden Atlas bie Erde zeichnerisch darzustellen sei. Bon diesen 26 .starten nahm Europa 10, Asien 12, Afrika 4 ein. Nach jener Angabe fertigte ein k^ograph des 5. nachchristlichen Jahrhunderts namens Agathodämon die Weltkarten an, die nunmehr 1000 Jahre lang in Geltung blieben. Es erschieneit von ihnen immer neue Ausgaben: bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts sollen c5 56 gewesen sein Zu dieser Zeit brach Gerhard Mereator mit der klassischen Marte- graphie. War sie allein auf Schätzung der Entfernungen und auf einige Längen- und Breitenbestimmungen gegründet, jo legte Mereator zum ersten Mal Spezialkarten an. die mit exakten Vermessungen arbeiteten. Damit war die alte Kartographie erledigt. . Ä
Der Mann, der ihr den Todesstor, Verletzte, war ein Teuticher. Vor 400 Jahren, — am 5. März 1512 — wurde er zu stftigelmonde in Flandern deutschen Eltern geboren; in Löwen studierte er und erlernte dort auch, was für einen Kattemaph.n unbedingt notmenbig war, den Kupferstich. 1552 wurde Mercator ass mograph" des Herzogs von Jülich nach Duisburg berufen, ivo er bis an sein Lebensende (2. Dezember 1594) geblieben ist. Die erste Starte stach er im Jahre 1537, — sie ist nicht mehr erhalten. Von einer ein Jahr darauf erschienenen „Exactissima Flandriae descriplio" lGcnaue Beschreibung von Flandern । dagegen sind noch einige Exemplare auf uns gekommen. 1540 febuf er sein Hauptwerk: eine große Karte von „Vlaeuderen" (1:166 000), die eins der ersten topographischen Werke bedeutet. Sie ist großartig gestochen und Kaiser Karl V. gewidmet; das einzige Eremplar, das davon twrf) existiert, wird im Museum Plantin-Moretus zu Antwerpen viel bewundert. In demselben Jahr setzte »ich Mercator für die Anwendung der Kursivsttnift an Stelle der Fraktur so energisch ein, daß die letztere nicht mehr auf den Erdkarten angewandt wurde. Nachdem er 1554 eine Beschreibung Europas, eine geradezu glänzende Leistung, geschaffen hatte, ließ Mercator 1569 die große Weltkarte erscheinen, die seinen Namen unsterblich machte; denn die hier zum erstenmal angewandte rciuFeltrcue Zylinder- ober Seekartenvrojektion mit vergrößerten oder wachsenden geographischen Breiten ist unter dem Namen „Mercators Projektion" noch heute allgemein gebraucht und befaimt. Ferdinand v. Richthofen nennt Diese Tat des Gelehrten geradezu das Fundament der neuen wissenschaftlichen
soren, die nur aus rung von Amtsrichtern verwendet sind.
Daß angesichts solcher Verhältnisse nicht von einer Verminderung der Amtsrichterstellen die Rede sein kann, ist tlar. Eine andere Einteilung der AmtsgerichtSbezirke, die aber schonende Räch'icht auf die Interessen der beteiligten Gemeind eit zu nehmen hat, wird die eine oder andere Amtsrichterstelle auf dem Lande überflüssig machen. Aber Hand in Hand damit muß gehen die Umwandlung der namentlich in den Städten seit Jahren bestehenden dauernden Assessorenstellen in Richterstellen, damit endlich einem Zustand ein Ende gemacht wird, der weder dem Gesetz ent spricht noch im wohlverstandenen Interesse des Staates und seiner Rechtspflege liegt.
getreten wird.
Die Anregung, Amtsrichterstellen einzuziehen, ist zum I ersten Male im Jahre 1910 gegeben worden, als unerwartet die schlechte Finanzlage Hessens offenbar wurde, und man darnach strebte, Ersparnisse im 2taatshausl)a1t, wo und wie es auch immer sei, zu erzielen. Zur Begründung dieses Verlangens wies man darauf hin, daß verschiedentlich Amtsrichter an kleineren Aintsgerichten auf dem Lande nicht voll beschäftigt seien. Dies traf zu und trifft auch heute noch zu, wenn auch nicht mehr in demselben Maße wie früher. Bei einigen kleineren Amtsgerichten kann die vorhandene Arbeit von einem Richter allein nicht bewältigt werden; der deshalb notwendige weitere Richter findet aber nicht genug Arbeit vor, um voll beschäftigt zu sein. Diese geringere Arbeitslast einzelner Beamten gegenüber . den anderen kommt in alleil Zweigen der Staatsverwaltung vor. Um nur ein Beispiel anzusühren: Der Lehrer an einer Schule mit 20 Schülern ist selbstverständlich tveniger beschäftigt als der Lehrer an einer Schule mit 60 Schülern. Ein gerechter Ausgleich wird sich zumeist nur schwer er» mögüdren lassen. Für die Amtsgerichte kann allein eine andere Einteilung der Bezirke in Frage kommen. Allein bei der Abgrenzung der Gerichtsbezirle müssen auch andere Rücksichten als lediglich die auf die gleichheitliche Verteilung der Arbeitslast unter den Beamten obwalten: die wirtschaftlichen Beziehungen eines Ortes zu dem Amts- gerichtsfitze, an dem sich meist auch die anderen für den Ort zuständigen Behörden (Kreisamt, Finanzamt, Ver- messungsamt, Bezirkskasse) die höhere Schule und die (Spar lasse befinden, und die bestehenden Verkehrsmöglichkeilen. Diese Rücksichten werden nur zu ost eine andere Zuteilung der Orte zu den Amtsgerichten nicht zulassen.
Neuerdings hat inan das Verlangen nach einer Verminderung der Amtsrichterzahk in Hessen auch damit zu begründen versucht, daß man die preußischen Verhältnisse zum Vergleich heranzog. Im „Frankfurter Generalanzeiger" hat jüngst einer, der sich als „gut unterrichtet" be- jeidpiet, ausgerechnet, daß aus ,einen sAmtsriclster in Preußen 10 500, in Hessen aber nur 8000 Einwohner entfallen; teile man bei uns jedem Amtsrichter künftig 2500 Ein wohner mehr zu, so spare man 15 AmtsrichtersteNen. Wären diese Zahlen richtig, so märe damit noch nicht viel bewiesen. Aber die Zahlen sind falsch. Wir haben in Hessen 137 Amtsrichter bei einer Einwohnerzahl von etwas über 1 300 000. Hiernach entfallen bei uns auf einen Amtsrichter rund »500 Einwohner und nicht 8000. Ein Vergleich aber hat nur Sinn, wenn man Vergleichbares miteinander «vergleicht. Zum Vergleich darf nur der Teil von Preußen heran- gewgen werden, dessen Verhältnisse den unseren am meisten entsprechen, also Hessen-Nassau Hier entfallen auf einen Amtsrichter im OberlandeSgerichtSbezirk Frankfurt nur 8400 und im OberlandeSgerichtSbezirk Kassel sogar nur 8200 Einwohner — gegen 9500 in Hessen. .
Doch für die Beurteilung der Geschäftslast eines Amtsgerichts kann die Bevölkerungszahl allein nicht entscheidend «ein. Hier sprechen noch ganz andere Faktoren mit: der mehr oder weniger streitsüchtige Charakter der Bevölkerung, die Art ihrer Beschäftigung, ihr Wohlstand oder ihre
zu würdigen. . .
Es ist bei Lilieneron weder möglich noch forderlich, feine menschlichen von seinen geistigen Eigenschaften abzutrennen. Wenn er als Gelehrter seine größten Erfolge einer natürlichen DivinationSgabe für das Richtige und Bedeutende verdankte, so hat er durch seine menschlichen Eigenschaften der Wissenschaft die größten Dienste geleistet, insofern er sich durch fie zu einem wissenschaftlichenLrganisator vom ersten Range erwies. Das ist ja bekanntlich keinem Unternehmen so zum Vorteile gereicht, wie der von ihm geleiteten Allgemeinen Deutschen Biographie, dem einzigen Unternehmen der Wnchener Historischen Kommission, das glücklich zu Ende geführt werden konnte. Hier bewährte fick) seine unvergleichliche Kunst der Men,chen- behandlung, die es zustande brachte, 1400 deutsche Gelehrte ui gemeinsamer Arbeit zusammenzubringen und zusammenzuhalten. Gelassene Festigkeit und reine Güte Bereinigten jicf) bei Lilieneron zu glücklichster Harmonie, alle seine Mitarbeiter hat er bezaubert und gefesselt, überall, wo er hinkam, gesegnete Spuren hinterlassen und vielen hat er, als echter Menschenfreund, im stillen vorwärts geholfen.
— Kölner Musikbrief: Ein Meft'lerwerk der Cpcrrtte. Aus Köln wird uns geschrieben: Tas M e l r o p o 1 t h e a l e c brachte .Poldis Hochzeit" zu erfolgreicher Uraumchrung. Die Handlung, eine tolle, an Verwechslungen überreiche Münitler- geschichte, die vielleicht besser „Tie beiden Maier" hietzc, rührt von Will» Seibert in Berlin her, dem ehemaligen Oxigen« lehret des deutschen Mawnprinzen, die Musik von dem Kölner ttonservatoriums-Profeffor Au g ult von Lt heg rav en, dem in weiten Kreisen bekannten Lieder- und Chorkomponnten. -tie
-u Poldis Hochzeit" ist entzückend und von einer Feinheft bet Faktur,' wie man sie ähnlich vielleicht bei Heuberger in seinem „Lpernball", aber in der modernen Operette nicht anttisft.
— Dessauer Musikbrief: Klopsteck als Opernheld. Man schreibt uns aus Dessau: Tas Tessauer Hofthealer brachte am 3. März die Uraufführung von ch aber preise die Sieb c", einem lyrischen Spiel in zwei Aufzügen von Max Morold, Musik von 3oicf Reiter. Der Vorwurf behandelt den Besuch Klop- stocks bei Bodmer in Zürich im Jahre 1750 und Max Morold
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bat. Der berühmteste Fall dieser Art ist der AuSuand der Holmnrcr Däckerknechte, der im Jahre 1495 begann und crft 1505, und zwar mit einem Siege der Au-ständischen, j-inen Abschluß sand. ES war dies übrigen- kein Sobnlampi, lonbeni er war ein Kampf um ein alte- Vorrecht, das die BuckerS- kueckne bei der Fronleichnams pro je s s io n zu beanspruchen batte. Da- ist nun eine Ausstandursache, die man heutigen Tage- nicht mehr zu befürchten braucht.
Aber auch jetzt brechen doch noch immer auS den überraschendsten Okünbeii Streiks auS, und der Lohnkampi m nicht immer die entscheidende Streikursache. So sind die Pariser Kellner im Jahre 1907 in einen Ausstand cingetreleii, um ihr freie» Bürgerrecht unn Trag n eines Schnurrbartes zu sch '
Amerika bradi unter den Arbeitern einer Gifcnbabnluu • ein e ireik darum aus, weil die Direktion ihnen nicht erlauben wollte,'bei der Arbeit zu rauchen und ganz absonderlich war ja jener in die allerjüngste Vergangenheit fallende Ausstand der Damen vom Brüsseler Ballett, bei dem c-5 sich um eine Orden Sau. Zeichnung handelte. FrauenauSsiände sind übrigen* in den letzten Jahr- zehnten ganz gewöhnlich geworden, unb manchmal zcht es daher doch netter und genrütlicyer zu, als bei Den Ausständen ihrer niännlirben Genossen. Davon liefert der Ausstand der Pariser Midinetten vom Jahre 1901 cm Beispiel. Tie Ausitändifthen unb Arbeitgeber kämpften damals um die Gunst der jungen Damen mit recht originellen Mitteln: die Ausständischen uäin- lich verteilten Tüten mit Bonbons, um die Arbeitsloftligen zu sich herüberjujicbcn, aber die Unternehmer antworteten mit der Veranstaltung von kostenfreien Mittagsmahlzeilen, von denen damals ein einziger großer Schneider 45Ö am Tage zu bezahlen harte.
Sehr niedlich ist übrigens aus diesem Ausstande auch der Zug, daß der Win des Hauses, in dessen Räumen die ausstäudischen Midinetten sich zur Besprechung der Streillage täglich miammen* znsinden pflegten, ihnen nach wenigen Tagen da> Ola|riecht kündigte. weil der Lärm in den Versammlungen der feiernden Damen nicht auszuhalten sei!
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheffen
Verschuldung, ihre Seßhaftigkeit oder ihr oftmalige. Wechsel, die Zusammenfassung des Grundbesitzes in einigen wenigen Händen oder seine Zersplitterung, sowie der mehr oder weniger häufige Weckftel im Besitze von Grund und Boden. In allen diesen Beziehungeit sind die meisten hessisdicn Amtsgerichte nidjt günstiger gestellt als die preußisd)en. Ihnen ist auch n^ch die recht erhebliche Arbeit verursachende Revision der Standesämter übertragen, die in Preußen von der Derwaltungsbehörde besorgt wird. Zudem liegen in Preußen die Verhältnisse insofern anders, als dort das längst emgelebte Notariat einen großen Teil der Arbeit der freiwilligen Gerid)tsbarkeit (Grundstücks Verkäufe und »belaftungen, Verträge, Testamente, Erbver tOrtungen) besorgt, die in Hessen fast ausschließlich von den Amtsgerichten erledigt ivcrben muß. Das hier nod) nicht einmal überall eingesührte Notariat hat bis jetzt bei der größeren Zahl der Amtsgerichte der Arbeitslast fast feinen Abbruch zu tun vermocht.
Preußen hat in den letzten Jahren die Zahl seiner Amtsrichter ständig vermehrt. Seit dem Jahre 1906 sind dort 507 neue AmtSrickterstellen geschaffen worden. Weitere Stellen sind von dem preußischen Landtag dringend gefordert und von der Regierung für die nächste ^cit zugesagt worden. In Hessen Hal in den letzten Jahren eine nennenswerte Erhöhung der Amtsricksterzahl nicht stattgefunden. Und bod) ist gerade hier die Arbeitslast infolge Bevölle- rungszunahme, Steigerung des Verkehrs, Erweiterung der Zustäridigkeil und vor allem durch Einführung deS neuen Grundbuchsrechts außerordentlich gewachsen. Um die namcntlid) an den größeren Amtsgerichten vorhandene Mehrarbeit bewältigen zu können, hilft man fick) in Hessen damit, daß man Assessoren als Amtsrichter verwendet. Neben den 137 Amtsrichtern sind heute 31 Assessoren dauernd g, nid)t eingered)nci die vielen Asses- Anlaß der vorübergehenden Verhinde-
Ein Menschenleben von ganz seltenem Reichtume und von einer an die quellenden Zeiten der Renarssanee erinnernden Vielseitigkeit ist es gewesen, das jetzt un Vor- srühlinge dieses Jahres zu Koblenz still erloschen ist. Professor A. Kretzschmar hat diese Vielseitigkeit des Freiherrn Rod)uS von Lilieneron glücklid) mit folgenden Worten gekennzeichnet: „Drei Fakultäten dürfen aus ihn. der Theologie, Jurispnldenz und neue Philologie ftutnert hat, Anspruch erheben. Er hat seiner engeren holstenmchen ' Heimat in schwerer Zeit wichtige politische Dienste geleistet, hat an mehr als einer Universität Prosesturen bekleidet, als Intendant, als Bibliotheksdirektor gewirkt idnucre wissenschaftliche Organisationsaufgaben durchgeruhrt. xsahr zehnte lang an hoher Stelle alS Verwaltungsbeamter gestanden und daneben nod) Zeit gefunden, feinen .kamen dauernd in 'die Geschichte deutscher Bildung einzutragen unb sich überall ben Ruf eines Virtuosen ber Geselligkeit zu erwerben " 1820 wurde RochuS von Lilieneron zu Plou geboren. Mit Recht hat man bie Wurzel seines ganzen geistigen Wesens in der ererbten Fün)rteri|d)en Anlage gesucht, die ja bei seinem Neffen, dem Dickster, )o mächtig hervorgebrochen ist. ...
Ein Dichter, wenn auch in befcheibenem Maße, ist auch R. v. Lilieneron gewesen. In seinen I u g e n b e r m n e - tun gen finben fidi reizende Erlebnisse und Beobachtungen
Von der Theologie hatte fiel) ?.^ncron der Jurisprudenz zugewandt, aber er fmid ftch idiheßlid) der Germanistik, die einen immer tieferen Reiz aus ihn ausübte. Am Teetische, der Brüder Grimm stand immer ein Stuhl für ihn bereit, unb als diese von ihm hod>- verehrten Meister seine Arbeit über den Minnejanger ceid- hart von Reuenthal mit Beifall begrüßten, warmem ^.eben^- weg entfd)ieben, und bod) war die tiefste^Neigung seines Geistes wohl aud) nicht bie germanistische ^or)chung crtlem, svnbern ben Hauptteil in seiner künstleri)chen Anlage bildete doch wohl das musikalische Element. Er hat ja aud) in dieser Beziehung Mßerorbentlichev «leistet. Ger inanijt unb Musikkenner vereinigten stch in forschung, ber wir sein Monumentalwerk über b ? deutsche Volkslieb unb zahlreiche hervorragenbe Cm-
Rochus von Liliencron. jdCeiftogen verdanken!
Diese Frage ist in letzter Zeit öfters Gegenstanb Erörterung in ber Presse gewesen Sie wirb auch bem- ~ tnng beS Justizetats in ber hessischen, geschnitten werben unb ben Ausschuß der Landstände für bie Vereinfachung ber Staatsverwal tnng wohl noch eingehenb beschäftigen. Jl)re roeittragenbe Bebeutung nicht nur für bie Frage ber Ersparnisse im Staatshaushalt, soiibern and, für bie Rechtspflege selbst rechtfertigt es, baß and) an biefer Stelle ihr einmal näher


