Ausgabe 
11.11.1912 Erstes Blatt
 
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Die Bulgaren führen, gestützt auf bie bereits gewonnene Position ihren Angriff gegen bie übrigen Linien der Tscha- taldfchastellung mit Aufbietung aller Kräfte durch Dre dritte Armee ist bereits weit in das Waldterrain südlich des DerkosseeS vorgedrungen, während die erste Armee im Kampfe um die türkische Hauptposition östlich JEfaja» taldscha steht. Der bevor st ehendeTurchbruch der türkischen Stellung, die aus mehreren hintereinan­der befindlichen Linien besteht, ist n o ch nicht erfolgt, doch ist das Niederringen der Verteidigung nur mehr eine Frage der kürzesten Zeit. Die türkischen Truppen kämpfen sehr ungleich. Einzelne Ab­teilungen, die offenbar noch nicht im Kampfe waren, leisten hartnäckigen Widerstand, der Rest der Armee Nazim Paschas zeigt nur noch die herabgeminderte Widerstandskraft ge­schlagener Truppen. Bei der Einnahme von Strandza bei dem mißglückten türkischen Vorstoß von Kapakli-Bunar nach Nordosten spielten sich furchtbare Szenen ab. ^ie von drei Seiten von einer Uebermacht angegriffenen Türken stürzten in wilder Flucht auf Kapakli-Bunar zurück, wurden aber, noch ehe sie dieses erreichten, durch das bulgarische Artillerie- und Jnsanteri f uer dezimiert. Dre Bulgaren, obwohl selbst von den Kämpfen und Gewalt­märschen erschöpft, zersprengten durch ihre rücksichtslose Verfolgung alte Verbände der Armee Nazim Paschas.

Der Kriegsberichterstatter derReichspost" meldet aus dem bulgarischen Hauptquartier vom 9. Nov.: Die gemeldete Einnahme zweier türkischer Po­sitionen aus der Südostfront des Adriano- pelerFortsgürtelsburchdieBulgaren erfolgte in der Nacht vom 7. zum 8. November. Nach einem furcht­baren Artillerie feuer wurde eine Brigade, der weitere Re­serven folgten, zum Sturm aus ddie beiden Forts Kartaltepe und Papztepe angesetzt. Trotz der tür­kischen Scheinwerfer und des Geschosthagels, der den An­greifern entgegenschlug, gelang eS der bulgarischen In­fanterie schließlich, die beiden Forts zu stürmen. Die Bulgaren zogen sofort Verstärkungen nach, namentlich Ar­tillerie, wiesen alle Gegenangriffe der Türken zurück und begannen die genommenen Positionen auf der Kehlfront gegenüber Adrianopel zu befestigen. Bon den eroberten giortd wurde besonders Kartaltepe fetyr stark befestigt. Das Fort liegt auf einem 143 Meter hohen Hügel und beherrscht sowohl die Stadt, wie die sich anschließenden Gürtelwerke. Die Einnahme dieser Forts, sowie die gleichzeitig erfolgte Erstürmung des Forts Kartastepe machen die weitere Ver­teidigung aussichtslos. Die Kapitulation der Festung wird stündlich erwartet.

lieber den Kampf um die Tschataldscha-Linie kann nur mitgeteilt werden, daß die bulgarische Angriffs­aktion erfolgreich fortschreitet. Die Bulgaren haben weitere Borpositionen genommen. Der entscheidende Stoß soll mit solcher Gewalt geführt werden, daß die Bul­garen gleichzeitig mit den fliehenden Türken vor den Forts Konstantinopels eintreffen. Durch die unverzügliche Be­setzung der Stadt sollen sowohl die diplomatische Einmischung, wie die drohenden Christen- massakres verhindert werden.

Die Gesamtzahl der türkischen Kriegsge­fangenen beträgt 29 000 Mann. Dazu kommen noch 2000 von Montenegro nach Griechenland geschickte Kriegsge­fangene.

Heber bie Kapitulation von Saloniki erhielt das griechische Kriegsministerium von dem die Truppen befehligenden Thronfolger folgen­den Bericht:

Während des gestrigen Tages (Freitag) überschritt die Armee den AxieSfmß. Die Generalkonsuln von England, Frankreich, Deutschlaird und Oesterreich, der Platzkomman- bant von Saloniki und ein Vertreter Takschin Paschas, des Befehlshabers der türkischen Armee, kamen nach meinem Hauptquartier in Topsin, um mir Vorschläge über die Kapitulation der Stadt und des Heeres zu machen. Sie ver­langten, daß die Armee gegen die Verpflichtung, bis zum Ende des Krieges neutral zu bleiben, die Waffen be­halten sollte. Ich lehnte dies ab und forderte als conbitio sine qua non die Uebergabc der Waffen, wobei ich nur das Zugeständnis machte, daß die Waffen nach Beendi­gung des Krieges zurückgegeben werden sollten. Den Ab­lauf der Frist für eine definitive Antwort setzte ich aus 6 Uhr morgens fest. In der Tat kam um 5 Uhr morgens der Platzkommandant von Saloniki, begleitet von einem diplomatischen Unterhändler, zurück. Er überbrachte einen Gegenvorschlag, welcher die Auslieferung der Waffen im Prinzip zugestand, nach dem jedoch eine Ausnahme mit 5000 Flinten gemacht werden sollte, die zur Ausbildung der Rekruten bestimmt seien. Da dies nicht zugegeben wurde, kehrten sie wieder zurück, nachdem sie eine neue Frist von zwei Stunden erhalten hatten, um sich mit dem Oberkommandierenden zu verständigen. Da die Frist ver­strich, ohne daß eine Antwort erfolgte, gab ich den Befehl zum Vormarsch, der um 9 Uhr morgens begann. Als sich gegen Vsö Uhr nachmittags unsere Linie den Vorposten oeS Feindes näherte, entsandte Takschin Pascha einen Offizier mit einem Bries, in dem er er­klärte, er nehme die Bedingungen an. Ich ließ infolgedessen den Vormarsch unterbrechen und entsandte zwei Offiziere, um das Protokoll der lieb ergäbe der Waffen und der Kapitulation der Stadt aufzusetzen. Unsere Trup­pen stehen vor der Stadt. Kronprinz Konstantin.

Athen, 9. Nov. Die Kapitulation von Saloniki sowie deS Forts Kara Burnu ist gestern abend unterzeichnet worden. 25000 Mann haben sich ergeben.

Der Kronprinz gestattete den gefangenen türkischen Cf fr zieren in Saloniki gegen ehrenwörtliche Versicherung, am Krieg nicht mehr teilzunelxmen, den Degen zu behalten.

Freude in Athen.

Athen, 9. Nov. Als die Nachricht von der Einnahme Salonikis bekannt wurde, entstand unter der Bevölkerung eine stürmische Begeisterung. Die Stadt ist beflaggt und illuminiert. E i n e r r e s i g e M e n s ch e n m e n g e d n r ch - zog die Straßen unter Fahnenschwenken, Ab­singen der Nationalhymne und Hochrufen auf den Kronprinzen und die Armee und den Ministerpräsidenten In der Kathedrale wurde ein Tedeum zelebriert und d i e Glocken aller Kirchen begannen das Festge- taute. Der Umstand, daß die Einnahme Salonikis mit dem Fest des Heiligen Demetrius, dem Schutzherrn Salo­nikis, zusammensiel, machte tiefen Eindruck. Nach dem Tedeum begaben sich der Bürgermeister und der Munizipal rat an der Spitze eines großen Zuges zu dem Minister Präsidenten und überreichten ihm im Namen der Stadl eine Nlückwunsckmdrei's e.

Türkische Trsolqe in Adrianopel.

Konstantinopel, 9. Nov. Ein a m t l i ch e s Tele­gramm des WaliS von Adrianopel an den Groß- . ivesir vom 8. Nov. lautet;

Zwei Eskadronen und ein: feindliche Komvagn e gr ffen unsere Truppen an, die mit der Verteidigung der drei Stun­den von Adrianopel entfernten Eisenbahnstation Urli be­traut sind. 30 Bulgaren wurden getötet, die übrigen zurück- geworsen.

Ein zweites Telegramm berichtet von einem Kampf, der an der Westseite der B e f e ft i g^u n g c n von Adrianopel bei Marasch stattsand, von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends dauerte, nach einer Unterbrechung von einer halben Stunde wieder aufgenommen wurde und bis zum folgenden Abend währte. Das Telegramm sagt: Der Feind konnte den Ba j o n e 11 a n g r i f i e n un­serer Truppen bei Marasch nicht miberftehen und mußte sich unter großen Verlusten in* Unordnung zurück­ziehen. Einige Hundert Mann lich er g ewe h r e und eine Menge Munition fielen in unsere Hände. Auf der Westfront brachte unsere Artillerie die feindlich zum Schweigen. Auf derSüd front wurde der Feind westlich von Karaltepe zurückgetrieben. DaS Gefecht dauerte 36 Stunden und endete mit einem glänzenden Siege, der ein Ehrenblatt in der türkischen Geschichte darstellt.

Tic neue Organisation in dem befreiten Mazedonien.

Sofia, 9. Nov. Eine auS den Abteilungsvorständen der verschiedenen Ministerien und von früheren Konsuln Bulgariens in der Türkei gebildete Kommission bereitet den Entwurf für bie Organisation ber Ver­waltung in dem befreiten Laube vor.

Die Verluste der Serben bei ihren letzten Kämpfen.

Belgrab, 9. 9kov. Heute werben auS^UeSküb Einzelheiten über bie Kämpfe in ben letzten 14 Tagen ge­meldet. Darnach hatten in bem Kampfe um Novibazar bie Serben 500 Tote unb Berwunbete, bie Türken 300 Tote unb 700 Verwundete. Die Serben er­beuteten 57 Geschütze und zahlreiches Kriegsmaterial. Die Kämpfe bei Krus che w o unb Prilep verliefen äußerst blutig, ba bie serbische Infanterie ohne Unterstützung der Artillerie. Bajonettangriffe unternehmen mußte. Schließlich gelang es den serbischen Truppen, bie Türken gegen M o n aftir unb Dibra zu Verbrängen. Die Ein­nahme von Mona st ir steht bevor. Die Albanesen­führer Sabrija Idris, Sefer unb Kasumo ergaben sich ben Serben. Die serbischen Verluste bei Prilep be­trugen 2 5 00 Tote und Verwundete, die Verluste der Türken 6000 Tote.

Ein Teil der Armee beS Serbengenerals F an ko­lb i t s ch hat sich mit den Montenegrinern an der adriatischen Küste bei Allesiv vereinigt und marschiert mit ihm nach Du r azz o.

Die Beschießung Skutaris.

Rjeka, 9. Nov. Gestern wurde die Beschießung Skutaris mit den Belagerungsgeschützen fortgesetzt. Den Berichten zufolge herrscht in der Stadt eine Panik. Die Katholiken flüchteten in die Kathedrale, wo auch der Erz­bischof weilen soll. In Stutari sind bie Preise aller Be­darfsartikel unerschwinglich. Dor französische Konsul soll von seiner Regierung die Weisung erhalten haben, mit ben französischen Staatsangehörigen und etwaigen Schutzbefoh­lenen die Stadt zu verlassen.

Die Einnahme von Djakowitza am 5. d. MtS. er­folgte ohne besonderen Widerstand der Türken. Bei der Besetzung wirkte auch serbische Artillerie, bie auS Prizrend zugekommen war, mit. Die Montenegriner hatten nur geringe Verluste, auf Seiten bcu Türken unb Albanesen Waken bie Verluste größer. Zahlreiche Albanesen meldeten sich bei ben Montenegrinerri als .Kriegsfreiwillige. Sie würben nach dem Bojana-Fluß geschickt.

Der englische Premierminister über die Lage.

London, 9 9äov. Auf dem L or d m ay o r-Ban- kett in der Guildhall sagte Premierminister As­quith heute abend in Erwiderung eines auf die Minister des Königs ausgebrachten Toastes folgendes:

Wir leben in einer bedrängten Zeit unb sind Zuschauer großer und weltbewegender Ereignisse. ES ist eine Genugtuung, die Versicherung geben zu können, daß, soweit unser Land in Frage kommt, seine Beziehungen zu den an­deren Mächten ohne eine einzige Ausnahme nie­mals freundschaftlicher und herzlicher ivaren. Tie Großmächte wirken in enger Fühlung mit einer Offenheit und Aufrichtigkeit des Meinungsaustausches zu­sammen, die bemerkenswert und beinahe unverständlich ist für die, welche glauben, daß die Mächte, weil sie auf Grund gewisser ?lbsichten in verschiedene Gruppen geteilt waren, es jetzt nicht find und deshalb in einer Zeit europäischer KrisiS in gegen­überstehenden Lagern sein müßten. Nichts ist weiter von den Tatsachen entfernt. In einem Punkte ist, glaube ich, die all­gemeine Meinung Europas eines Sinnes: daß den Siegern nicht die Früchte geraubt werden dürfen, die ihnen so teuer zu stehen kamen. ES ist, soviel ich sehe, keine Neigung vorhanden, die Gründe des Streites zu verkleinern, oder über die entscheiden­den Grundlagen beS Erfolges zu streiten. Wir in England haben kein unmittelbares Interesse daran, >vei­che Politik und territoriale Verteilung schließ­lich g e m a ch t w i r d. Es sind andere Mächte vorhanden, deren spezielle Beziehungen geographischer, ökonomischer, ethno­logischer und historischer Natur zu bem Schauplatz des Kon­flikts unb beren Bestimmung derartige sind, baß nicht erwartet werden kann, sie würden nicht verlangen, baß ihre Stimme ge­hört wird, wenn die Zeit für die endgültige Regelung gekommen ist. Ich sehe ^n diesem Stadium der Lage absichtlich davon ab, auch nur in oer allgemeinsten Form diese Punkte anzudeuten, von denen einige voll von Schwierigkeiten sind, die schließlich doch gelöst werben müssen. Für den Moment unb so lange als der Kriegszustand noch weiterhin herrscht, lehnt eS die Regierung des Königs, soiveit ihr Einfluß reicht, ab, vereinzelte Fra­gen aufzuwerfen und zu verfolgen, die, wenn sie getrennt und sogleich vorgebracht werden, wahrscheinlich nicht wieder gut zu machende Differenzen Her­vorrufen, die aber vielleicht ein ganz anderes unb vorteil­hafteres Aussehen gewinnen würden, wenn man sie zurückstellt, um sie dann unter den weiteren Gesichtspunkten des allgemeinen Ausgleichs zu behandeln. Ein Krieg ist etwas furcht­bares, aber von Zeit zu Zeit, wenn die Dinge auf einem ^toten Punkt angekommen sind, mag er eine notwen­dige Form der Entscheidung sein. Keiner seiner schlimm­sten Schläge fehlt dem Feldzug, der jetzt entschieden wird.

Ans Reffen.

Vom Bund b:t Landwirte.

* Alsfeld, 10. Nov. Der Bund der Lanblvirte hielt heute nachmittag im Gasthaus zum Deutschen HauS eine W a h l l r e i s v e r s a m m l u n g für den Reichstags­wahlkreis AlsfeldLauterbachSchotten ab, die recht gut besucht war. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Wahlkreisvorsikeni?en Oekonomierat Schabe Alienbu-g hielten der Landesvorsitzenbe Landtagsabgeordncter Oekono- micrat Korell - Angenrod, unb der stellv. Bundesvor- sitzenbe Oekonomierat Lucke Ansprachen, in denen sie sich über bie Ziele unb Ausgaben des Bundes verbreiteten. Land-

tagSabg. Lutz-Elpenrob sprach über bie Reichspolitik. Er sprach sich u. a. für bie Förberung ber Flotte und eine kräftige Kolonialpolitik aus und forderte die eriverbenden Stände in Stadt unb Land zum Zusammenschluß auf. Zum Schluß sprach SanbtagSabg. Brauer über bie Arbeiten der wirtschaftlichen Bereinigung im hessi­schen Landtag. Aus seinen Ausführungen sei nament- iid) hervorgehoben, daß er sich für bie preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft aussprach. (Ausführlicher Bericht folgt.) -

Ausland.

Das Bef inben bes russischen Thronfolgers ist anbauernb gut. Die Geschwulst nimmt langsam ab.

*

Im russischen Hanbelsministerium wurde unter Teilnahme ber Ressorts unb von Industriellen eint Konferenz eröffnet zum Studium der Frage der Einstellung der Einfuhr deutscher Kornprodukte nach Ruß­land und Finnland zum Schutz der Ausfuhr dieser Pro­dukte auS Rußland. Das Mitglied beS ReichsratS Krestownikosf schlug vor, Korneinsuhrzölle zu erheben. Angesichts ber For­derung Deutschlands nach Fleisch einfuhr aus Rußland setzte das Handelsministerium einen Ausschuß ein, welclwr die Frage prüfen soll, ob es wünschenswert sei, ben Fleischexport nach Deutschland zu steigern._______________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. November 1912.

'* Kolonialfest. ES wirb barauf ausmerksam gemacht, baß bei bem Fest von 30 hiesigen jungen Damen verfertigte Hanbarbeiten nach MunchnerMuster verkauft werben, wozu bie Materialien von hiesigen Geschäftsleuten bezogen wurden. Der Erlös bient als Weihnachtsgabe für bie beutschen Schwestern in unseren Kolonien. Es wäre zu wünschen, baß bie Spenberinnen burch ben finanziellen Erfolg in bie Sage versetzt würben, recht zahlreiche Geschenke nach ben Kolonien absenden zu können.

* Der .Sängerkranz" wirb in einem am 24. November in der neuen UnioersitätS-Aula ftättfinbenben größeren Konzerte, da? wie im vorigen Jahr ber breiteren Oeffentlichkeit zugäng­lich sein wirb, bie .Glocke" nach ber Max Bruch'schen Komposition zu Gehör bringen. Die Popularität beS Werkes, besten eifrige Einstudierung unter der bewahrten Leitung beS Herrn 9Ub. Kasten steht, sowie bie Besetzung ber Solo-Partien burch erste Kräfte bürsten ber Aufführung ein volles Haus sichern.

"Der Gießener Schiklub (Schiklub Wintersport Gießen) hielt am SamStag abenb auf ber Siebigshöhe sein Winterfest ab. Der überaus reich geschmückte Saal, ber auch oerschiebene geschmackvoll eingerichtete Buben unb einen riesigen Schneemann enthielt, war bicht besetzt, unb Spiel unb Tanz hielt bie zahlreichen Anwesenheit bis in bie frühen Morgenstunben zusammen. AuS bem reichen Programm ist bas sehr gut bargestellte lyrische Spiel .Biun enzauber" von Wilh. Holzamer unb eine aus VereinSmitgliebern zusammen­gesetzte serbische Zigeunerkapelle besonbers heroorzuheben.

Stadttheater. Die Abonnenten seien darauf auf­merksam gemacht, daßMebea" mit Fräulein Niza Bajor vom Deutschen Theater in Berlin nur noch morgen im DienStog- abonnement gegeben werben kann. In ber Festvorstellung am 25. November wirb Herr Rudolf He Ubach vom Hof- theater in Cassel den .Königsleutnant" als Gast spielen. Bei seinem bereits angekündigten Gastspiel am 9. Dezember wirb Ernst von Poffart als Rabbiner .Davib Sichel" in Erckmann Chatrians länblichem Sittengemälbe .Freunb Fritz" auftreten.

* * Die Studentischen Unterrichtskurse halten ihre erste Versammlung Dienstag, 12. Nov., punkt */,9 Uhr in ber Universität ab.

Guttemplerloge. Als Vorspiel zu bem am nächsten Sonntag hier ftättfinbenben Gautag der hessischen Abstinenten würbe am gestrigen Sonntag hier eine Loge des internationalen GuttemplerorbenS (I. O. G. T.) aufgetan, bie als LogeHafsia" 398 bem Distrikt 24 .Heffen-Nasiau" unterstellt ist. Zu ben Mitgliedern gehören auch 5 Studenten verschiedener Fakultäten. Die Leitung dec Loge hat Lehrer Schwöbel übernommen. Die Loge wird jeden Mittwoch ver­sammelt sein. Der I. O. G. T. zählt zurzeit in Deutsch­land 53 000 erwachsene und über 20 000 jugendliche Mitglieder.

** VortragüberdenJesuitenorden. Man schreibt unS: Am 14. November wirb auf Veranlassung beS Akabemischen BismarckbimdeS Gras Hoensbroech über:Fesuitismus, Jesuitenorden, Jesuitengesetz" reden. DaS Thema ist durch den bayerischen Jesuitenerlaß wieder aktuell geworden unb ber Reichs­tag wird sich damit beschäftigen. Gerade Graf v. Hoensbroech ist für die Sache authentische Autorität. In der von Jesuiten geleiteten Erziehungsanstalt Feldkirch ausgewachsen und in ihren Idealen erzogen, bat Graf Hoensbroech 13 Jahre lang dem Jesuitenorden angehört unb ist schriftstellerisch zu seiner Ver­teidigung hervor getreten. Unter sehr schweren Gewissens kämpfen und großen persönlichen Opfern hat er sich bann aber aus natio­nalen und kulturellen Gründen vom J-esuiteuorden losgesagt. Sein Lebensbekenntnis13 Jahre Jesuit" schildert in ergreifenden Farben die Nöte und Sorgen einer die Wahrheit suchenden Seele und ihr Durchringen zur Freiheit. In letzter Zeit noch hot man durch eine Gegenüberstellung dessen, was Hoensbroech vor dreißig Jahren über den Jesuiteiwrden und dann nach seiner Absage geschrieben, versuchen wollen, ihn zu einem Heuchler und Wankel- mutigen hinzustellen, um ihn damit persönlich herab-usetzen. Aber wer ihn schon einmal hat reden hören, der muß sagen, alles, was dieser Mann spricht, ist seine feste Ueberzeugung, bie er überall verantwortet. Der Vortrag findet in Steins Garten statt. (Siehe Inserat.)

♦♦ Der Marine-Verein beging am Samstag abend im Gaf6 Leib das Fest seines 20 jährigen Bestehens. Zu der Feier hatten sich Frbr. v. Loew, als Vertreter des Fürsten zu Solms- Hohensolms-Lich, der das Protektorat über die Veranstaltung über­nommen batte. Geb. Kommerzienrat Heichelheim unb Oberstleut­nant v. sfnobctSborf als Mitglieder des Ebrenausschusses und Maior Nücker als Vertreter des Kaiser-Wilbelm-Reginrents ein- gefilnben. Das LinienschifiHessen" batte einen Obermaat und drei Mann hierher abqeorbnet. Ferner waren anwesend Kapitän Schmehl von der Hansa-Linie, der als geborener Gießener den Verein mit begründet hat, Generalleutnant Klingelhösfer, Ver­treter der Marine-Vereine von Wiesbaden, Frankfurt, Heidelberg, Marburg und Kassel, des Flottenvererns Gießen und sämtlicher Militärvereine unserer Stadt. Nachdem der Vorsitzende S ch w a t) die Erschienenen begrüßt hatte, hielt Prwatdozent Tr. Feist die Festrede. Ter Beteranenverein, der beim zehniährigen Stistungs- scst dem Marineverein einen Fahnennagel gestiftet hatte, überreichte einen zweiten Fahnennagel mit dem Versprechen, nach 20Jabren den dritten stiften zu wollen. Ter Verein der 116 er stiftete ebenfalls einen Fahnennagel, während ber Artillerieverein das Bilb bcS Kaisers als Grotzabmiral unb ber Männer-Turnverein ein Bilb bes FlottenslaggschisseS schenkte. Unter Leifiing der Herren Koch und Röbiger unb unter Mitwirkung von Mitgl eoern des Männermrnvcreins wurden bas von Turnwart Fix cui-'