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11.11.1912 Erstes Blatt
 
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Dte heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

m. 266 Erster Platt 162. Jahrgang Montag, 11. November 1912

SGietzenerAnzeiger 1 KJ e- ssssss

SLTL- General-Anzeiger für Olmheyen

innonme oon anjeigen n0tati0n$örutf unö Derlag btt Vrühl'schen Univ.vuch- und Steinitruderei R. fange. R-daMon, drpeöition und Druckerei: Schiliftratz- ?. L^-^Lv'ed: wr d-n

Ms vörmitta^s"uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnhosstrahe 16a. Anzeigenteil. r>. Beck.

DieRetter" der Türkei.

Während die Not des Osmanenreickies auf dem höchsten Gipfel angelangt ist und der Feind an die Tore der Haupt­stadt klopfte, regten sich auch Mieder dieRetter" der Türkei, die Jurmtürken. Sie wollten es wieder besser machen können als die Regierung und präsentierten Schef- ket Pascha als Großwesir. Sie scheinen es auch gewesen zu sein, die den Glaubenskrieg hatten entfesseln wollen, der heute von der Regierung so entschieden abgelehnt wird. Kiamil Pascha scheint auch seinerseits den Bogen wieder zu straff spannen zu wollen, denn daß in einer so bedrängten und schmierigen Lage zwei große Zeitungen einfach unter­drückt wurden, nur weil sie einen Artikel gebracht hatten, der oon der Negierung nicht ganz gebilligt wurde, war doch wohl unklug und nicht gerechtfertigt. Zur Erhöhung der Stimmung und des guten Brutes der Bevölkerung kann das nicht beitragen. Und die Schwierigkeiten türmen sich immer höher auf. Tie Cholera soll in die Hauptstadt geschleppt morden sei und die Bahnlinie nach Tschataldscha soll für den Truppentransport unbrauchbar sein, da eine ungeheure Menge Leiterwagen auf der Bahnstrecke liegen soll. Wie dieses Durcheinander um sich greifen konnte, ist auch wieder ein Rätsel. Daß unter solchen Umständen der Marsch Fuad Pascha noch an Erfolge und sogarUeber- raschungen" glauben will, grenzt ans Wunderbare.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Die Geriichte über eine türkische M in i sterkrisis sind, so wird uns aus Konstantinopel berichtet, auf den Umstand zurückzuführcn, daß der Sultan den gewesenen Scheich Uel Islam Mussa Kiasim und den gewesenen Mi­nister des Innern Nadschi Adil, beide leitende Mitglieder des jungtürkischen Komitees, in Audienz empfangen hat. Andererseits schien der frühere Kriegsminister Mahmud Schefket Pascha leit zwei Tagen aus der Reserve her­vorzutreten; er besuchte den ehemaligen Großwesir Hakki Pascha und andere Persönlichkeiten. Gleichzeitig ging daS Gerücht, daß sich Mahmud Schefket Pascha zur Jnspi zierung der Arntee nach Tschataldscha begeben werde, was als Zeichen dafür gedeutet wird, daß er zum Generalissimus ernannt werden könnte. Es scheint, daß die Jungtürken die Lage auszuuutzen versuchten, um zur Macht zu gelangen.

Die Negierung hatte der türkischen Presse empfohlen, Artikel zu schreiben, in denen die Bevölkerung von-Konstanti- nopel aufgefordert wird, an der Verteidigung der Stadt teilzunehmen. Wie es heißt, wird die Regierung gegen jene Blätter vorgehen, die die Mitteilung des Scheich Uel Islams veröffentlicht haben, in denen die Ulemas auf­gefordert werden, zur Armee zu gehen, und den heiligen Krieg zu predigen. Im allgetneinen scheint die Reyie- rung jetzt vermeiden zu wollen, der nationalen Verteidi- gung beu Charakter des heiligen Krieges zu geben.

Wie verlautet, sind die von den Jungtürken höheren Orts unternommenen Versuche, zur Macht zu gelangen und Mahmud Schefket Pascha zum Generalissimus LU er­nennen, mißlungen.

Zwei türkische Zeitungen suspendiert.

DerTanin" und dieJeni Gazetta" sind wegen aufreizender Artikel suspendiert worden. Es scheint, oaß die Behauptung derJeni Gazetta", die Religion und

das Kalifat feien in Gefal-r, für übertrieben angesehen wird.

TerTanin" hatte einen Leitartikel vorbereitet, in dem als einziges Rettungsmittel aus der Lage die Uebergabe des Oberkommandos an Mahmud Schef fet Pascha bezeichnet wurde. Tie Zeitung wurde nachts konfisziert und die Truckerei polizeilich übcriuadit.

Ein türkisches «Abendblatt fcnelbet, Has iungtürkis ch e Komitee habe in Erwägung des Umstandes, daß die Eintracht das beste Mittel sei, den Erfolg der nationalen Verteidigung zu sichern, eine Abordnung zum Zentraltlub der liberalen Entente geschickt und versprochen, in Verhandlungen einzutreten. ES verlautet, Talaat habe dem Großwesir gelegentlich seines letzten Besuches erklärt, daß das Komitee bereit sei, die Regierung zu Unter stütz en.

Tas Generalsekretariat des Scheich Uel Islam veröffentlicht ein Communiquö, welches cckle an die Ent­sendung der UlemaS zur Armee geknüpften Vermutun­gen als den Tatsachen nicht entsprechend bezeichnet. Tas Großwesirat verständigte lediglich den Scheich Uel Islam, daß gemäß der vom Ministerrat genehmigten Be­schlüsse die Militärverwaltung 100 Ulemas entsenden werde, um den Truppen mit geistlichem Rat beizu­stehen und die Moral zu heben. Tiefem Verlangen kam Uel Islam nach.

Fortwährend gehen Linientruppen mit Artillerie nach der T s ch a t a l d s ch a l i n i e ab. ES heißt, daß die Rediss, welche gegen den Feind nicht standhalten, nicht mehr in der ersten Gefechtslinie verwendet werden sollen.

Ta die Bahnstrecke durch eine ungeheure Menge.Leiter wagen, angeblich auS 350 Dörfern, verlegt ist, erfolgen die Truppen und Artillerie-Trans- poil' nach Tschataldscha auf dem Schwarzen Meer zu Schiff.

Die fremden Kriegsschiffe.

K o n st a n t i n o p e l, 10. Nov. Ter österreichisch-un­garische KreuzerAspern" und der italienische Kreuzer Emanucle Filiberto" trafen gestern chicr ein; es Hegen nunmehr sechs Kreuzer vor Konstantinopel.

Rumänien, Spanien und die Niederlande haben bei der Pforte um die Ermächtigung nachgesucht, je ein Kriegs­schiff nach Konstantinopel - entsenden zu dürfen.

Die Kommandanten der hier eingetroffenen Kriegsschiffe sind gestern nachmittag unter dem VorsiG des französischen Admirals zusammengekommen, um über den Ak tio n s pl an zu beraten, der int Falle von Unruhen in Pera zum Schutz der Fremden Kolonien zur Anwen­dung gelangen soll. Wie verlautet, sind bereits Einzel- ijeiten über die Landung von Truppen und Maschinengewehren au s g e a rb e i t e t. Auf An­ordnung des Scheichs Uel Islam ist der Aufruf zum Hei­ligen Krieg nach Mitternacht aus allen Zeitungen ent­fernt worden.

Obwohl keine große Aufregung unter dem Volk be­merkbar ist, beginnen viele christliche Familien die Stadt, insbesondere die Vororte, zu ver­lassen. Viele begeben sich ins Ausland, andere nach Pera, weil man für den Fall des Rückzugs der Armee von der Tschataldschalinie Unruhen befürchtet.

Konstantinopel, 9. Nov. Viele mohamme­danische Familien aus Adrian opel sind hier eingetroffen. Zahlreiche Verwundete und etwa 3 00 0 Kranke sind gestern hierher gebracht worden. Als

Freiwillige sind gestern ungefähr 100 Moham» in eb an er aus Rußland an gekommen.

Die Cholera ansgcbrochen?

DasDerl. Tagebl." meldot aus Constanca: Unter den aus den Kriegs ge golden nach Konstanti­nopel Geflüchteten ist die Cholera aus ge­brochen. Ter StaatspräfcktJ bestreitet zwar, daß die Cholera auf die Armee Übergriffen habe, gibt aber zu daß Cholerafälle unter den Flüchtlingen aus der Umgebung von Luele-Burgas und aus Silwri vorgekommen seien. Bon anderer Seite'wird versichert, es seien 17 cholera- kranke Soldaten nach Konstantinopel ge­bracht worden. Am Stambuler Hauptbahn- h o f wurde eiligst eine Cholerabaracke mit 400 Betten errichtet.

Angebliche Aeuherungen Kiamil Paschas.

Der Sonderberichterstatter desMalin" meldet, Kia- mit Pascha habe den Botschaftern der Großmächte er<* klärt, daß er die Ordnung sowohl in Konstantinopel, wie in Kleinasien verteidigen werde. Wenn er jedoch durch den Einmarsch des Feindes in Konstantinopel in die Unmög­lichkeit versetzt wurde, die Ordnung aufrechtzuerhalten, wenn man die unglückliche Bevölkerung durch die Greuel des Krieges zur Verzweiflung brächte, bann würde er für die hieraus etwa erwachsenden Folgen das Gewissen Europas verantwortlich machen. Rechnen Sie nicht darauf, habe Kiamil Pascha hinzugefügt, daß ich jemals Konstantinopel im Stiche lassen oder daß der Sultan es verlasse. Eher müßte man meinen Souverän in feinem Paläste und mich in meinem Arbeitszimmer töten.

M arschall Fuad Pascha erklärte, eine Verän­derung der Kriegslage, selbst Ueberrafchun- g e n, st ä n d e n b e v o r. Er selbst reise sogleich nach dem ztriegsschauplatz ab.

Tie Kommandant der Ostarmee, Abdullah Pascha, richtete an die Blätter ein Schreiben, nach dem sein Rückzug wegen der aus militärischen Gründen be­schlossenen Verbindungderer st en Ostarmee, bereit Münirnanbo er hatte, mit der zwditenO starntee erfolgt sei, die beide unter das Kommando des Generalissimus gestellt wurden.

Der neue türkische Botschafter in Rom.

Nabi Bey erklärte einem Berichterstatter, er sei von dem Empfang beim König und'der Königin entzückt gewesen. Er er­zählte, die Königin habe einen Bries des Königs von Montenegro erhalten, in dem dieser seiner ritterlichen Bewunderung Ausdruck gab über die Tapferkeit der Türken, die Skutari verteidigen, lieber den Balkankrieg erklärte er, die Türkei habe vordem Kriege die Allianz der vier Staaten nicht gekannt, die, wie es scheint, in Paris abgeschlossen sei, besonders dank der Bemühungen Venizelos. Tie Allianz sei eine Ueberraschung für jedermann. Tie Türkei tauschte sich, als sie den Frieden mit Italien hinauszögerte und glaubte, die Forts der Linie Adrianopel-Kirk-Kilisse könnten die Bulgaren aushalten. Tie notwendige Zeit, Truppen aus Asien gegen die vier Staaten zu konzentrieren, sei nicht vorhan­den gewesen.Hätten wir noch einige Tage Zeit gehabt," schloß Nabi Bey,so hätten wir uns den Bulgaren gegenüber in einer besseren Lage befunden."

Das weitere vorgehen der Bulgaren.

Der Kriegsberichterstatter der Wiener R e i ch s p o st" bei der bulgarischen Hauptarmee meldet aus dem großen Hauptquartier unter bem 8. b. Mts.:

Goethe; fünfzigster ©eburtstag.

Tie Nation rüstet sich, Gerhart Hauptmanns fünfzigsten Geburtstag zu feiern. Alle Journale bringen seine Bilder ans den verschiedensten Lebensaltern, die Bilder seines Hauses, seiner Familie, alle Zeitungen würdigen ihn in ausführlichen Artikeln, alle Theater bereiten Auffülirungen seiner Werke vor, die Studenten Leipzigs planeii eine großartige Ovation, kurz, dem Liebling nnb Stolz des deutschen Volkes wird gehuldigt, weil er das fünfzigste Lebensjahr vollendet hat. Ta wendet sich unwill­kürlich das Auge zurück zu dem Tage, da unser Größter,, da Goethe diesen Lebensabschnitt erreichte, und man fragt: wie ift das Volk, wie sind die Gebildeten, wie sind die Berufsgenossen, wie find die Freunde an diesem Tage dem größten dichterischen Genius Tcutscklands, Glück wünsckiend, genaht? Ts soll hier Haupt­manns bisheriges Lebenswerl keiner Kritik unterzogen werden, wir wissen, was er uns gegeben; aber was hatte Goethe lemem Volke gegeben, als er die Jahrhundertmitte überschritt ? Reben der Fülle der Lieder, Götz, Clavigo, Stella, Egmont, Iphigenie, Tasso, Werther und die Lehrjahre und kurz vorher: Hermann und Dorothea. Sollte man nicht glauben, daß ein Drängen war, bem verehrten Mann, der seinem Volke so Unvergängliches ge,ck»entt, an diesem äußerlich markanten Tage zu sagen, welche Liebe und Bewunderung er sich erworben? Aber die Goetlieph'.lologen wissen uns nichts darüber zu melden. Kein Zeitschrntenartikel des Jahres 1799 weiß zum 28. Llugust etwas Besonderes zu lagen. Ter wackere Julius W. Braun, der die Klassiker im Urteil ihrer Zeitgenossen dargestellt hat, verzeichnet gerade tn diesem Jache nur einewohlwolleiide" Kritik überHerrmann und Dorothea" und ein aus Wilhelm-Meister-Begeisterung entstandenes Gedick-t ausMignon" von Marie Schmidt? Die Publiziften i dito eigen. Und die Bühnen? Nur eine Theaterkritik aus diesem Jahre ift bekannt- Man gab in BerlinClaudine von Villa Bella" nut der Reichardtschen Musik. Die Theaterdirektoren blieben itumm. Und die Freunde? Schiller hätte Gelegenheit gehabt, einen Gluck Wunsch nach Weimar zu senden, schrieb er doch sowohl am -.«. als auch am 28. August 1799 an Goethe, aber nicht die leifeste An­deutung davon, baß vor 50 Jahren dieser -tagihn der -d. eit gesenkt. Auch Frau Aja hat ihrem Hätschel-Hans keinen ihrer prächtigen Briese geschrieben undkein Kiftgen bepaet mit Gc schencken" bem Postwagen für ihn anvertraut. Goethe ictblt aber hat die Nickübeachtung dieses Tages gar nicht emprunden. -ckr schreibt an Schiller, dessen baldigen Besuch er erwartet, und biftiert das Saturn: 28. August 1799, ohne ,ich der Bedeutung des Tages dabei zu erinnern.

Man klagt heutzutage viel über die Mißachtung der dichter seitens ihres Volkes, und alle Erfolglosen geben dem Materialis­mus der Zeit schuld, wenn ihre Dramen durchfallen, ihre Gedichte

und Romane nicht gekauft werden, und die deutsche Nation sonst die der Denker unt> Dichter wird banausisch gescholten und undankbar. Wie lehrreich ist solchen Tiraden gegenüber ein Ver­gleich zwischen einst und jetzt! Gerade dies Jahr der Fünfzig­jährigen bat überraschend klar gezeigt, für wie weniges schon in unfern Tagen das deutsche Volk dankbar ist, wie herzlich es auch für kleine Gabe zu bauten weiß und zu danken wünscht. Wir wollen allerdings nicht pharisäisch an unsere Brust schlagen und uns deshalb für bessere Menschen, für feinere Genießer, für tiefere Versteher halten, als die Generation von 1799. Wir wissen ganz gut, daß die Ticker ihre so viel größere Popularität nicht ihrem Werk und nicht der Veredlung ihres Publikums zu danken haben, sondern baß die Veränderung bet politischen Verhältnisse, das riesige Anwachsen der Presse in weitestem Sinne, die Erfindung der Photographie, die Billigkeit der Klischierung, die Gründung zahlreicher Tbeater und die dekadente Sucht nach Indiskretionen, nach Intimität mit den Großen, viel dazu bei getragen haben, den Ticktet hinter seinem Werke hervorzuholen und einen Fetischismus mit der Person zu treiben, der nichts mehr mit dem Genüsse eines Kunstwerkes zu tun hat. Mer das alles zugegeben, in dem Wunsch, an einem Tage, wie dem fünfzigsten Geburtstag, einem Ticktet wie z. B. Gerhart Hauptmann sichtbar zu danken für das, was ihm gelang, liegt doch auch ein etwas, das als ein gewisser Kulturfortschritt, als ein erhöhtes ästhetisches Empfinden .gegen­über den Zeitgenossen Goethes und Schillers bezeichnet werden kann.

Gießener Stadttheater. Die Braut von Messina. Zur Feiet von Schillers Geburtstag fand gestern abend unter der umsichtigen Leitung des Herrn Tworkowski eine gut vorbereitete Aufführung der Braut von Messina statt, zu der Fräulein Auguste Scholz vom König!. Theater in Kassel als Fürstin gewonnen war. Der Gast tat sich vor allem durch eine, gegen den Schluß hin allerdings manchmal etwas getrübte Sprach­behandlung hervor und wußte auch durch ein sorgfältiges und sinnvolles Spiel zu fesseln. Als Don Manuel fand Herr Bruch- w t tz manchmal wirkliche Herzcnstöne. Herr Walter Jensen brachte für den Ton Cesar seine jugendliche Begeßterung mit. Eine liebliche Beatrice wat Frl. Tagn». Tie Chöre, die von Herrn M Hemer als Cajetan und Herrn Goll als Bohemund ge­führt wurden, waren recht gut: Herr Kliewet als Cajetan ragte durch einen wuchtigen, den feinen Versen des Dichters mit Ver­ständnis angepaßten Vortrag weit über die Leistung der übrigen «Darsteller hinaus.

T e r Kunst verein für das Großherzogtum H esse n hielt am Samstag nachmittag in Darmstadt seine dies­jährige Hauptversammlung ab. In der vom Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. Willy Merck, eröffneten und begrüßten

I

Versammlung gab dieser bekannt, daß Herr Tt. Freund an Stelle des Herrn Rechnungsrat L a n g e die Geschäftsführung über­nommen habe. Dieser erstattete darauf den Geschäftsbericht für die Jahre 1910/1911, aus dem zu entnehmen ist, daß die Gc- famtcinnalymc im Jahre 1910 30 843 Mark, im Iahte 1911 42 835 Mark betrug, während sich die Gesamtausgabe 1910 auf 29 917 Mark und 1911 auf 41068 Mark belief. Der ebenso wie ^ie beiden Jahtesrechnungen genehmigte Voranschlag für 1912 sieht in Einnahme und Ausgabe 22 930 Mark vor.

ff. Gin neuentdecktes Gem älde des Velazquez. In der bei E. A. Seemann in Leipzig erscheinendenZeit­schrift für bildende Kunst" berichtet einer der besten Kenner der spanischen Kunst und Kunstgeschichte, August L. Mayer, über die Auffindung eines bisher unbekannten Werkes des Velazguez, und zwar aus seiner spätesten und reifsten Zeit. Es handelt fick um ein Bild, das kürzlich aus Mailand in den Besitz des Münchener Kunsthändlers Julius Böhler übergegangen ist, und das ein junges Mädchen als Halbfigur, nur ganz leicht mit einem Hemd und Rock bekleidet, in natürlicher Größe darstellt. Im Profil gesehen, das Mündchen leicht geöffnet, hält das Mädchen nach rechts gewandt mit der Linken eine Tafel, worauf cs mit der Rechten deutet. Die Haltung entspricht etwa der einer Klio, aber das anmutige Köpfchen paßt seinem Charakter nach wenig zu einer hohen Muse. Mayer rühmt die Wiedergabe des perl- iiutterartig schimmernden Fleisches, vor allem aber die Malere' der Hände, die er gleichsam als das Wappen des Velazquez angesehen wissen will.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen^ schäft. Unter dem Vorsitz des Gcheimarts Pros. Tr. Payr wurde in Leipzig dieFreie Vereinigung sächsischer Chir­urgie" gegründet. Ter Archäologe Universitätsprosessor Tr. Georges Perrot in Paris feiert am 12. November seinen 80. Geburtstag Professor Tr. Hermann Kinkelin, der Vertreter der Mathematik an der Universität Basel, feiert ant 11. b. Mts. seinen 80. Geburtstag. Prof. Kinkelin geb. zu Bem), ist seit 1865 Orbinarius in Basel als Nachfolger von C. Neu­mann. In der Technischen Hochschule zu Charlottenburg fand die Enthüllung und Uebergabe des Denkmals für Professor Franz R o u l e a u r - Oranienburg statt. Die juristische Fakultät der Universität Kiel ernannte den Präsidenten der Hamburger Bürger­schaft, Landgerichtspräsidenten Engel, zum Ehrendoktor. Ter Magistrat und die Stadtverordneten von Hirschberg haben beschlossen, Gerhart Hauptmann anläßlich seines 50. Geburtstages zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen.