Kindermehl
Meteorologische Beobachtungen der Station Sieh««
Welter
Sonnenschein
Juli
1912
50,3
-50,6
''50,5
Schwerer Grubenunglück in England.
In bcn Steinkohlenbergwerken bei Dcuaby erfolgte ein fdMütrcd Grubenunglück, dem eine große Anzahl von Bergleuten zuin Opfer fielen. Wir erhielten folgende Drahtnreldungen:
London, 9. Juli. In den Steinkohlenbergwerken bei Denaby ereignete sich frühmorgens eine Explosion, bei der 22 Mann getötet worden sein sollen. Die Zahl der Verwundeten ist unbekannt. Die Bergwerke liegen in der Nabe des Schlosses Conisborough, das der König erst gestern ans seinem Wege nach Wentworib Woodhouse, der Besitzung des Grasen Fitzwilliapi, besuchte. Kurz darnach fanden noch 1 weitere Explosionen statt, wodurch eine Decke einstürzte. Eine Ret- tnngsabteilung soll um'diüttct sein.
London, 9. Juli. Der König und die Königin besuchten heute abend Caüebp, inn aus Anlatz der Grubenkatastrophc persönlich ihre Teilnahme zum Ausdruck bringen zu können. Von der trauernden Menge, die am Grubeneingang auf die neuesten
22,9
18.4
16,4
(5erid)t»faaL
Mainz, 9. Juli. Der Deinhändter Schober aus Ovk-e». heim, der sich vor dem hiesigen Schwurgericht wegen bt. trügerischen Bankerotts zu verantworten hatte, wurd? heute abend zu 4> 2 Jahren Zuchthaus verurteilt, ^eine. ?VIaa erhielt 5 Monate Gefängnis und der Mitangeklagte Ltessa, 14 Tage Gefängnis.
Leipzig, 9. Juli. Das Reichsgericht.verwart fc Revision des Hauptmanns Buies und des Grafen Wolfs, Metternich, welche das Landgericht Berlin am 20. ML wegen Betrugs zu 2*/, Jahren bezw. zu einer Woche Gesangs verurteilte.
Landwirtschaft.
w B c r l i n , 8. Juli Der S a a t c n st a n d i m T eu t sche, Reich anfangs Juli 1912 weist nachstehende Zahlen aus, mtiQ 2 gut, 3 mittel bedeutet: Winterwcizcn 2,3, Sommerweizen 2^ I Spelz 2,0, Ainterroggen 2,4, Sommerroggen 2,3, Gerste 2,1,' Haier 2,5, Kartoffeln 2,6, Klee 3,2, Luzerne 2,5, Bewässerung-, wiesen 2,0, andere Diesen 2,3. In den Bemerkungen zum btut. schen Saatenstandsbericht heitzt es: Tie Witterung im Juni wc: allgemein recht günstig für die Weiterentwickelunq der rreldsrüchh. Zwar mangelte es meist an Sonnenschein. Die Temperaturkr blieben zeinveise etwas hinter mittel zurück, dafür gab es foj überall ausgiebige Nicderscksläge. Die zahlreichen Gewitter ivata stelleiiweise von schweren Hagclschlägen l^egleitet. Infolge btt vielen Niederschläge breitete sich Unkraut aller Art aus^ beicnbtr$ Hederid) ist stark. Soweit Weizen infolge Wmterschäden bünx stand, konnte sich trotz der Niederschläge die Beuockung m« wesentlich verbessern. Beim Roggen soll die Blüte durch bq Regen gelitten haben, so daß die Aehren teilweise sdwrtig g» blieben sind. Immerhin ist der Stand der Winterung als de» friedigend zu bezeichnen. Sommergetreide entwickelte sich bet reud> tem Wetter gut weiter bis auf Hafer. Kartoffeln behielten vieliaij ihren lückenhaften Stand. Tie Ernte in Frühkartosieln hat stellnt, weise begonnen. Sie befriedigt nicht überall. Ter erste Skhinn Klee und Luzerne ist bei dem sdiwachen lückenhaften Stande da Felder meist nicht befriedigend, der zweite Schnitt bietet wesentlich bessere Aussichten. Tie Heuernte ist teils in vollem Gange, teil* schon beendet, und brachte im allgemeinen erheblich größere Et. träge als erwartet. Auch die Güte des Futters läßt meist nicht; zu wünschen übrig. Der zweite Schnitt wächst gut nach.
Müller'sche öadeanftalt
Wasser wärme der Lahn am 10. I u l i : 180 R.
Internationale Bonserenz für drahtlose Telegraphie.
Die internationale Konferenz für drahtlose Telegraphie ist am letzten Freitag in London förmlich geschlossen worden. Auf Veranlassung der englischen Regierung hat die Konferenz der Benutzung der Funkentelegraphie zur Verhütung von Unfällen auf See besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Entschließung, die sich sür die pflichtmätzige Ausstattung der Schiffe mit funkentelegraphischen Apparaten aussprach, wurde einstimmig angenommen. In dieser Entschließung sprach die Kon- jscrenz den Wunsch aus, datz die verschiedenen Regierungen ent» sprechende Maßregeln ergreifen möchten. Ferner erklärt sie ein .internationales Abkommen für wünschenswert, damit eine gleichförmige Grundlage für die Gesetzgebung der einzelnen Staaten ge- sd-affen würde, und schließlich empfiehlt sie den Regierungen die Errichtung von Küstenstationen mit ununterbrochenem Dienst, wie cs den Erfordernissen der Schissahrt entspräche.
Das neue Abtommen enthält eine Bestimmung, daß aus den Schiffen eine besondere Kraftquelle vorhanden sein muß, um den funkentelegraphifchen Apparat mindestens seck)s Stunden lang in Tätigkeit zu erhalten, so daß ein Unfall, der die Schiffsmasdßnen zum Stehen bringt, die Funkentelegraphie nicht beeinträchtigt. Schiffe der 1. Klasse sollen einen ununterbrochenen Dienst haben und braud)en daher mindestens zwei völlig ausgebildete Telegraphenbeamte. Bei Schissen der 2. Klasse, die nur einen Telegraphenbeamten haben, soll dieser die ersten 10 Minuten jeder Stunde am Apparat hören. Für die kleinsten Fahrzeuge, die Fischerboote usw. wird kein regelmäßiger Dienst vorgeschriebeu. Verschiedene Bestimmungen verfolgen den Zweck, Verwirrung durch Durcheinaudcrkrenzcn der Meldungen zu verhüten. Der Tele- araphenbeamte aus dem Sck)ifse wird ausdrücklich dem Befehl des Kapitäns unterstellt. Weitere Bestimmungen regeln den Tele- graphenvcrkehr zwischen dem Schiss und den Küstenstationen, sowie zwischen den Schiffen untereinander, mit Rücksicht auf größere und geringere Entfernungen. Alle beteiligten Staaten erkennen die Verpflichtung der Schiffe an, ungeachtet der Verschiedenheit der Systeme snnkentelegraphisdie Meldungen voneinander aufzunehmen. Die Konferenz kam zu dem Ergebnis, daß es nod) nicht an der Zeit sei, Bestimmungen über d n Dienst zwischen Landstationen aus große Entfernungen aufzustellen. Tie Organisation eines solchen Dienstes wird allen Ländern freigegcbeii, jebod) unter der Voraussetzung, daß Störungen durch verschiedene Stationen nach Möglichkeit vermieden werden und daß die Ver- schiedcnheit der Systeme nicht zum Anlaß genommen wird, den Verkehr abzulehnen. Die nächste Konferenz wird im Jahre 1917 in Washington stattfinden.
Tausendfach bewährte
Nahrung bei:
Brechdurchfall, Diarrhöe, -Krankenkost Darmkatarrh, etc.
10,1 49
11,4 72
11,1 80
Hlärfte.
fc. Frankfurt a.M. Schmeinem arkt bericht vom 10. Juli Aufgetriebeu waren 1672 Schweine. Vollfleifchige Schweine vor 80 bis 100 kg Lebendgeivicht 60.50-62.50 M., Schlachtgewicht 78.00-80.00 Mk., vollslcischige Schiveine unter 80 kg Lebendgewicht 60.00-61.50 Mk., Schlachtgewicht 77-79.-0 9)1 L; vollfleifchi.it Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht ^1.00—62.50. TlL Schlachtgewicht 78—79.00 Mk.-. vollfleifchige Schweine von 120 bis 150 k" Lebendgewicht 60.50-62.00 2)1 Schlachtgeivicht 78.00—79 Mk. Geschäft lebhaft, kein lleberstand.
fc. Frankfurt a. M., 9. Juli. Heu- und St rob markt. Angefahren waren 9 Wagen Heu (2 alte, 7 neue) und 0 Stroh. Ma» notierte: Heu (olt) 4.30—4.50 OJlf., Veit (neu) 2,«0-3,00 Stroh (Kornlangstroh) 0.00-0.00 Mk., Wirrstroh 0,00—0,00 TU Alles für 50 Kilo. Geschäft mittelmäßig. Tie Zufuhren waren aut Cbcrheh’en, den Kreisen Dieburg und Hanau. J
[] Kirchhain, 9 Juli. Bei schwacher Zufuhr entwickelte nd> aut dein heutigen Schweine markt ein flottes Geschält. Le» zahlt luurben für 6.-8 Wo eben alle Ferkel 25—35 Mk., für größere Ware 40-50 Mk. und füt Läufer je nach Größe und Qualität 70 bis 80 Mk.
sonstiger Stiftungen eingewiesen waren.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 9. Juli. Sitzung der Stadtverordneten. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Bürgermeister der großen Verdienste, die sich der seitherige Kommandant unserer Feuerwehr, Stadtv. Ferdinand Damm, um die Ausbildung und langjährige Führung der Wehr erworben ha.be. Er habe das Korps stets schlagfertig und ans der Höhe gehakten, ohne das städtische Budget besonders zu belasten. Da er jetzt aus Gesundheitsrücksichten das Kommando niedergelcgt habe, spricht er ihm den besonderen Dank der Stadt aus. — Die Vergebung der Arbeiten für das Eich- und Sten er am t sowie der Umbau der Gewerbeschule in ein Museum, Lesehalle und Feuerwehrstation gel t auf Antrag des Beigeordneten Falk nochmals an die Baukommission z-urück. — Ein mit Metzgermeister Gröninger durch Beigeordneten Justizrat Windecker abgeschlossener Vertrag und Vergleich, wonach dessen Hofreite für 36 000 Mark in den Besitz der Stadt übergeht, wird genehmigt. — Der von der Stadt bestellte Sachverständige für Herstellung des Verteilungsnetzes für die elektrische Licht- und Kraftzuführung erläutert sodann sein Projekt. Rach dessen Ausführungen wird der Strom von der Provinz in einem unterirdischen Kabel bis zur Uebergabestelle in Drehstrom von 5000 Volt Spannung geliefert und in neun Transformatorstationen, die über die ganze Stadt verteilt sind, in 127—220 Volt Spannung umgeformt. Die Kosten der Anlage in die Häuser bis zum Zahler übernimmt die Stadt. Das .Hochspannungs kabel erforderr eine Ausgabe von 44 000 Mk., die Transformatoren 22 300 Mk., das Verteilungsnetz innerhalb der Stadt 78 000 Mk. Die Gcsamtanlage einschließlich Einführung bis zum Bahnhofsgelände würde sich aus 187 000 Mark stellen, bei Kabel-Erdlegung innerhalb der Stadt etwa 50 000 Mk. mehr. ES wird beschlossen, Freileitung einzuführen und das Projekt wird nach dem Vorschlag des Tipl.-Jng. Dr. Ritsert-Darmstadt genehmigt. Heber den Preis der Kilowattstunde, sowie Tarife für größere Mnehmer und zum maschinellen Betrieb sollen bis in 14 Tagen Tarife ausgearbeitet und bekannt gegeben werden.
Starkenburg und Nhcinhcssen.
m. Offenbach a. M., 9. Juli. Eine eigenartige Verwechslung eines toten und eines lebenden Kindes ereignete sich im Stadtkrankenhaus. Dort waren mehrere Kinder unter gebracht, die an den Masern erkrankt waren. Unter diesen befand sich das Kind einer Frau, deren Mann zurzeit eine Freiheitsstrafe verbüßt. Eins der beiden Kinder starb und man glaubte, daß es sich um das Kind der Frau handle, zumal es von dieser als ihr eigenes anerkannt wurde. Unter deren Namen wurde denn auch das Kind auf Armenkosten beerdigt. Wie es sich fetzt heraus gestellt hat, handelt es sich um eine Venoechslung mit einem unehelichen .And. Der Irrtum wäre wohl nie herausgekommen, wenn nicht die Frau dieser Tage ins Krankenhaus gekommen wäre, um ihr anderes Kind §u besudln. Dabei gewahrte sie unter den übrigen Kranken ihr totgeglaubtes Kind, das sie vor einigen Tagen zu Grabe getragen hatte. Durch eine gerichtliche Entscheidung muß nunmehr die Aufhebung der ftandesamtlid)en Eintragung herbeigeführt werden.
h. Dieburg, 9. Juli. Der älteste katholische Geistliche^ Hessens, der Kapuzinerpater In genuin, feiert am 1. September sein 7 0jähriaes P r i e st e r j u b i l ä u m. Der Greis konnte schon vor 4 Jahren den Gedenktag feiern, an dem er vor 70 Jahren in seiner Tiroler Heimat in den Kapuzinerorden eintrat.
F.C. Viernheim, 9. Juli. Hier wurde eine polnische Arbeitern. von Drillingen entbunben, von denen zwei zusammengewachsen waren. Die Drillinge starben kurz nach der Geburt.
_^rf) warne Sie, verreisen Sie nicht, Effil ebne wenigstens eine Schachtel der ächten Sodener Mineral
Pastillen von Fan in der Handtasche zu haben. Die 9fc -l bringt immer gewisse Gefahren: beiße und trockene Luft, Staut Zug 2c. Alle diefe Gefahren wirken zuerst auf die Racheff schleimhäure u. hier muß ein bequem anzuwendendes Mtic z. Hand fein, das diefen Gefahren sofort begegnen kann. <2 old) er- Mittel und anerkannt. Maßen Favs ächte Sodener Mineral Pastillen, d. mnns.BPf.i. all. Avoihek., Drogerien rc.kaufenkonr
ss
handel,
** Postscheckverkehr. Jrn Reichspostgebiet ist die Zajl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Ium 1912 auf 68 5A gestiegen (Zugang im Monat Juni allein 956). Aut du'v'n. Poi- scheckkonten wurden im Juni gebucht 1171 Millionen Mark Gutschriften und 1194 Millionen Mark Lastschriften. Das Äesami. guthaben der Kontoinhaber betrug im Juni durchschnittlich IKi Millionen Mark. Jrn Verkehr der Reichspostsd>eckamter mit bar Postsparkasscnamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, ber luxemburgischen und belgischen Postverwaltung sowie bcn schweizerischen Postscheckbureaus wurden 6,6 Mllioncu Mark umgest-t und zwar auf 2520 Uebertragungen in der Richtung nach im) auf 12 220 Uebertragungen in der Richtung aus dem 2111-51,0nix
Deutsche Gold- und S i l b e r s ch e i d e a n itali Frankfurt a. M. In der ordentlichen Geueralversammliws wurden die Regularien genehmigt und die Dividende mit 50 Prof festgesetzi. Aus die Anfrage eines Aktionärs über den Beitand voi Holzverkohlungsaktien bei der Gesellschaft wurde von bei Va- waltung mitgeteilt, daß es nicht im Interesse der Ge,ell,<din sei, hierüber Auskunft zu geben. Die Aktien ständen sehr vitk geringer zu Buch, als sie gegenwärtig notierten. Die Akncr der Gesellschaft wurden gestern zum erstenmal exklusive BezugSrcÄ gehandelt. Der Kurs stellte sick) aus 683 Prozent. Dies entspricht legen der letzten Notiz von 1175 inklusive Bezugsvecht einer Kurs- tetgeniitg von etwa 36 Prozent auf die alten ?ffhen berechnet.
§ Chemische Fabrik Griesheim Elektron. Frankfurt a. M. Die Aktien dieser Gesellsd>ast sind in ta letzten Tagen an der Frankfurter Börse um etwa 30 Pro^.»/ » die Höhe getrieben worden. Es hieß, ixiv bi-' Ge,eil 1 chatt ni neues Verfahren zur Azetylgewinnuug ausbeute. Damtt roinix die Kurssteigerung motiviert. Nun meldet die Direktion, datz alle Gerüchte vollständig unbegründet sind. Es habe iidi bet da Gesellschaft in letzter Zeit nichts ereignet, was eine bqonberf Höhcrbewertung der Aktien rechtfertige.
Nachrichten von dem UnglLa wartete, wurden sie ehrerbietigst ndon, 9. Juli. Bei der Explosion in den Steinkohlenbergwerken bei Tenaby wurden nach amtlichen Feststellungen 30 Arbeiter getötet, zwei verletzt.
Loudon, 9. Juli Trotz der Katastrophe in der Eadebv- Grube ist der Stönig nackmiittags in die in demselben Bezirk liegenbe Elsecar-Grube eingesahren. Er sah in einer Tiefe vyn über 100 Fuß das Kohlenbergwerk in vollem Betriebe. Die Toten in der Cadeby-Grube sind einschließlich der 40—50 Mit glieScr der Rettungsabteilung durch den Einsturz einer Decke abgeschnitten. , .. . r .
London, 9. Juli. Nach den letzten Berichten lmd bei dem Grubenunglück bei Denaby mindestens 65 Personen ums Leben gekommen, darunter 3 Regierungsinspcktoren, die sick) bei einer Rettungsabteilung besanden. Bisher sind 31 Leichen geborgen worden, doch wird befürchtet, daß ü>te Zahl 80 erreichen wird.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 10. Juli 1912.
" Das Turnfest hat der städtischen Straßenbahn folgende Einnahmen gebracht: Samstag Mk. 800, Sonntag Mk. 1900 und Montag Mk. 1200, zusammen Mk. 3900. Es wurde wenig mit Fahrmarken gefahren, so daß im Ganzen rund 40 OOÖ Personen besördert wurden. Unsere Elektrische hat mit diesem Verkehr ihre höchste Leistung vollbracht. Das Beamtenpersonal hat aber auch angestrengt gearbeitet. Ganz besonders ist es der Tätigkeit der BLageii- fuhrer zu danken, daß alles geklappt hat, denn sonst wäre es bei dem Massenverkehr nicht möglich gewesen, mit nur 16 Wagen diese Leistung zu bewältigen. Das Publikum kam den Anordnungen der Wagenführer willig nach, so daß eS zu keiner Differenz kam.
•* „Festung* Gießen. Im Großherzogtum Hessen ivurde die Festungshaft seither nur im Provinzialarresthaiis Darmstadt verbüßt. Da aber die Zahl der Festungsgefangenen stets zunimmt, wird jetzt nach einer Verfügung des Mmiste- riums der Justiz auch im ProvinzialarrestbauS Gießen Festungshaft verbüßt, ^m übrigen hat in Hessen die Zahl der Gefangenen erheblich abgenommen, was wohl in erster Linie dem bedingten Strasaufschub zuzuschreiben sein wird.^
** B e i der LandesversickierungsanftaltGroßh. Hessen sind im Juni 316 Anträge eingegangen und zwar: 250 Anträge auf Invaliden- und Krankenrente (I. u. K.), 13 Anträge airr Altersrente (A.), 23 Einträge auf Witwen- und Wit wer- reute (W.), 22 Anträge auf Waisenrente (O.) und 7 Anträge auf Witwengeld (Wg.), 1 Antrag auf Waiseuausstcuer (Da.). Unerledigt wurden in diesen Monat übernommen 455 Anträge, so daß 771 Rentengcsuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 319 Anträge durch Bewilligung (267 I., 19 K„ 11 A., 4 W., 6 Wg., 12 O.), 4 Anträge durch Anwartschastsbesd)eid, 49 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (40 I., 2 233., 1 Wg., 6 O.), 16 Anträge durch andere Weise — Zurücknahme usw. (11 I., 1 A., 3 W., 1 Wg.), M- sammen 388 Anträge, so daß 383 als unerledigt auf den Juli übernommen werden mußten. — In welchem Umfange die Landesversicherungsanstalt Heilverfahrenskosten für ihre Versicherten.übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende Juni 1912 in Anstalten 371 versicherte Personen untergebracht waren. In der Eleonoren- heilstätte befanbcit sich außerdem noch 54 Personen, die teils auf eigene Kosten, teils auf Kosten des Fonds der Großherzogin oder
Droyurrg auf gefaxt werden kann. Das Gerücht ist der Ansicht, daß in Fürsorgesaichen von einer derartigen Untersuchung abzusehen sei. In den Fällen Frauentropteu hatt^ Frau Schapiro besser getan, sich nicht zu beteiligen, als Frau sowohl als auch als Beamtin. Betont |olt werden, daß bei der Pvstkarte von einer Urkundenfälschung nicht Die Rebe sein kann.
Zieht man die Sckftußfolgerungen aus allen Feststellungen, so Haun man sick) dahin aussprechen, daß trob einiger Verstöße der Gesamttätigkeit nur das beste Zeugnis ans- geftellt werdcii kann, daß mit mütterlicher Liebe und Barmherzigkeit und mit außerordentlicher Milde vorgegangeii wurde und alle Härten nach Möglichkeit vermieden wurden Frau Schapiro ist auch weit davon entfernt gewesen, irgendwelche Schnüffeleien zu betreiben.
Die Begründung geht dann näher auf die von dem Angeklagten veröffentlichten Artikel ein.
Der Meineidsvorwurf ist zweifellos von .Hirsch erhoben worden. Ncun geht das Gericht bei oiescr Angelegenheit von der Ueberzeugüng aus, daß eine Eibesverletzung in feiner Weise vorliegt. Tie Persönlichkeit des Herrn Berndt und seine anerkannte Wahrheitsliebe sprechen unter allen Umständen dagegen. Es ist zugunsten des Herrn Hirsch angenommen worden, daß er zuerst an einen Meineid geglaubt habe. Er hat auch mit Mcksicht auf die Rolle, die Herr .Berndt in der ganzen Angelegenheit gespielt hat, etn berechtigtes Interesse daran gelebt, sich gegen diesen Zeugen zu wehren. Dem Angeklagten ist deshalb hier der Schutz des st 193 auch gewälzt worden. Der Angeklagte, der die Macht der Presse kennt, hätte sich aber sagen müssen, daß ein derartiger Borwurf nicht ohne weittragenden Einfluß sein würde'. Wer die Laterne tragt, stolpert leichter als der, der ihr folgt.
Ungeeignet scheint dem Gericht die Verbindung ,ber Furs'orgetätigkeit mit der Polizeitätigkeit, da es sich oft ergeben muß, daß Fran Schapiro von den Fällen, ibte tlyr als Fürsorgedame mitgelerlt werden, auch als Polizeiassistentin Gebrauch macht und umgekehrt. Die Pflichten sind so groß und so vielseitig, daß sie für eine Trennung sprechen. Bei der Trennung beider Tätigkeiten ist ein H and-in-H and arbeit en auch sehr wohl denkbar.
Der scharfe Ton der Erwiderungen Berndts auf die Artikel war nicht notwendig. Es wäre auch vielleicht zweckmäßiger gewesen, einen anderen Beamten mit der Prüfung des Materials zu betrauen. Unzweckmäßig war auch das Nicht zulass en einer Aussprache in der Stadtverordneten- sitzung und die Zurückweisungen der AusMsrungen des Herrn Professor liebel.
Einer der wichtigsten Punkte ist der des Zeugen Bruder. Bruder war zwar nicht mit sittenpolizeilicher Tätigkeit betraut, war aber doch als Instrukteur der Frau Schapiro beschäftigt. Auch war es nicht.gerechtsertigt, mit Bruder Amtshandlungen vorzunehmen. Es hat sich ergeben, daß das Vertrauen, das auf Bruder gesetzt wurde, nicht gerechtfertigt war. Er war viel zu jung, um einen solchen Posten aüszufüllen. Schon der Umstand, daß er mit einigen nls gefährdet bekannten Mädchen sich privat unterhalten habe, hätte Frau Schapiro veranlassen müssen, um einen anderen Instrukteur nachzusuchen. Bruder sei daher auch auf Veranlassung des 2Aeigeordneten Berndt seines Amtes enthoben worden.
Nach Berücksichtigung aller dieser Umstände sind aber die gegen Herrn Berndt und Frau Schapiro gerichteten Borwürfe so schwer, ebenso die Art und Weise, in der diese Vorwürfe erhoben wurden, daß das Gericht nicht auf eine Geldstrafe erkennen konnte. Hier war nur eine Gefängnisstrafe am Platze.
eeil Bip-e °
5=3
WNWl 2
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N 2
Höchste Temperatur am 8. dir 9. Juli =» * 28,0 ’ C.
Niedrigste „ , 8. , 9. , a + 16,1 0 C.
Niederschlag: 0,(J mm.


