162. Jahrgang
Zweiter Blatt
Kr. 160
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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denen bat Kirchenregirnent auf alle Kleinlichkeiten kann mit innen vielen Uulverfitaten viel eher bas Brinzw des -i die Kirche immer schleckst gefahren und die Zeiten I Ausgleichs gelten lassen, als Letten mit inner einen Universität.
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— Wie sich der Eiffelturm reckt. Daß der Eiffelturm wagerechte Bewegungen ausführt, weiß man seit längerer Zeit; daß er sich jedoch auch reckt, daß er sich verlängert und verkürzt, hat jüngst Guillaume, der Leiter des Internationalen Gewichts- und Längenbureaus, festgestellt. Guillaume hat von den einzelnen Plattformen des Turmes zum Boden einen langen, nicht dehnbaren Draht c«is einer Eisen-Nickellegierung, ausgespannt, an bessern unteren Errde ein Schreibstift beseitigt ist, der die Reckung und Verkürzung des Eiffelturms auf einer drehbaren Trommel aufidjreibt Die Kurven, die Guillaume auf
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Prälat Tr. F1 öring verteidigt feinen in der Ersten Kammer vertretenen Standpunkt, den der Vorredner in mancherlei Punkten mißverstanden habe. Es ist nicht richtig, zu verlangen, was, in Preußen möglich ist, muß auch in Lessen möglich sein. Preussen
diese Weise erhalten l)at, sind äußerst lehrreich. Der Gelehrte hat sie mit den Temperaturkurven des Meteorologischen Auues ver- glicksen, und dabei hat fich ergeben, daß der Eiffelturm sich >er Lusterwärmung oder -abkühlung sehr schnell anpaßt, denn seine Streckungskurven entsprechen fast völlig den Temperatur- kurven. Zn den .Tagen der größten Hiße reckt er sich ganz, erheblich; seine L ä n g c n a b w ei ch u n g erreicht dann den Betrag von 33 en tim et et, also etwa ein Zehntausendste^ seiner ganzen Länge.
ff. Abgelehnte Bilder Alma Tademas. Erne reizende, wohl wenig bekannte Geschichte wußte der jüngst ver> torbene Sir Laurence Alma Tadema aus seinen Anfängen yr erzählen. Höchst selbstbewußt hatte er dem Ausschuß für die Kunstausstellung in Brüssel im Jahre 1859 ein Gemälde ein- gereicht. Als er es nun nach Wochen größter Spannung mit einem ablehnenden Bescheide zurückerhielt, da packte den jungen Künstler die Verzweiflung. Aber die äußerte sich bei ihm anders- als bei gewöhnlichen Sterblichen. Er lud seine Freunde ein, unfr dann forderte er sie auf, nach ihm — durch das Bild, welches ein brennendes Haus barftcllte, zu springen. Unb unter Freuden- geheul 'prang bic ganze Horbe durch das „brennenbe Haus". Gin zweites Bild wurde ebenfalls abgewiesen, und Alma Tadema schenkte es seiner Scheuerfrau als Tischtuch. Später erzählte sie ihm, daß es „bedeutend besser" wäre als die gewöhnlichen Wack>stück)er. „Diese sind niemals wasserdicht," so äußerte fie, „bad Bild aber, das Sie mir geschenkt haben, ist doch wenigstens dick und zeigt ein schönes Bild!"
— D i e Sophistik des kleinen Drückebergers. Gin Leser erzählt uns folgende wahre Kindergeschichtchen: Unter vier Jahre aller Kleiner ist kein Rreunb von Mehlspeisen ober Aehulichew, unb wenn cr’5 irgendwie serligbringen kann, sucht er sich am MittagStisch davor zu bewahren. Kürzlich gabs Leber- knödeliuppe, und stugs halte der kleine Bursche, im allgemeinen ein guter Esier, die Brühe vertilgt, die Brocken aber auf dem Teller liegen laßen. Energisch vermahnt, den Rest ebenfalls anfzuessen, ftÖBt er erbarmungswürdigen Tones die Worte hervor: .Ich kann nicht, ich wurde sonst sterben und müßte inS Grabloch!' Auf die erstaunte Frage, wie er denn zu solcher Meinung komme, erwidert der kleine Bursche, der noch keinen Buchstaben eulzißem kann, trocken: „Ich hab's in der Zeitung gelesen!' — Heule sitzt er vor einem Teller mit Spätzle und Kirschen, eigentlich nur noch mit ersteren, denn die Früchte sind bereits in seinem Munde verschwunden. Er fühlt, daß ich ihn beobachte, und auf einmal, nachdem er sichtlich mit sich zu Rate gegangen, sagt er: „Baler, meine Spätzle weinen!' „Wieso?' gab ich ihm zur Antwort. ,Sie weinen, weil ich sie eßen soll, ich laße sie liegen', und flugs rutscht der kleine Samariter von seinem Stuhl herab und kehrt bem, Mittagstisch den Rücken.
Die „fckfoeiter Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger' viermal wöcheiitlich beigelegt, daS „KmsbUrtt für bei Kreis Ofehen" zweimal ivöchenitich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- frage!" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slrahe 7. Expedition unb Verlag: Redaktion:«^! 12. Tel.-Adr.:An»eiger»ie»en.
Mittwoch, s0. Juli 1912 t
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'scheu UniversiläiS - Buch- unb Steindruckerci. R. Lange, Gießen.
waren für die Kirckte traurig, während in den letzten Jahren, tn denen man die Verhältnisse sich ruhig entwickeln ließ, sic sich mtt Ruhe entfaltete. Die frühere scharfe Zensur sei md)t gludud) gewesen, leider sei manche gme Kraft, für die man 'roh gewesen wäre, hinausgetrieben worden Er könne sich Nicht für Jatho begeineru, ebensowenig wie für die Kllndgebung der bi, C5 gehe aber nicht an, das heilige Recht der freien Meinungs- iußernng zu beschränken, selbst wenn es einmal über das hinausschieße Wohl sei cs richtig, daß mandx Gemeinden durch das Barkomnmis beuruhigt wurden, doch komme dies auch durch andere llmitänbc vor, deshalb dürse man nicht durch gcroaltianw Unterdrückung dieser Aeußerungen Sflapcnjinb .iknechle erziehen, wie dies in srüheren Jahrlmnderten zum schaden der Kirche ge fchah Der Redner ist erfreut, daß dc.s Lberkonsistonum die ,"al'igkeii besint, sich über solche Geschichten In nweg zu setzen
BDu Pfarrer Fritsch RiiPPwisburg führt aus, baß Die Erklärung der 87 nicht univibersprocknn bleiben bunte, da Durch bas Stillschweigen sonst eine falsche nachteilige MciMing entstehen könnte. Ter ebner hätte gewünscht, bau die Erklärung der üicgicnmg etwas deutlicher ausgefallen wäre, damit raiclier eine Beruhigung unter der Bevölkerung ein trete. -Ltc Beunruhigung sei besonders durch eine gewisse Presse gefördert worben, xer Redner hat immer im Interesse der Einigkeit gearbeitet unb hat bic Erklärung der 124 sicher zur Beruhigung bcigetragcn. ^cr Redner nimmt Dann die Mitteilungen in Der Enten und Zweiten Kammer, besonders den Adg. Lutz in Sckmtz, der die .Ingelegenheit in würdiger Weise im Sinne der Kirche vertreten habe.
Shn. K rapp- Sickenhofen hätte gewünscht, daß vom lärmen regiment eine beruhigende Erklärung, aber nicht in breiter Seffent-
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Svn. Pfarrer D. Schlosser-Gießen hat die Kundgebung der 87 nicht unterschrieben, doch gehört er zu denen, bic den Spruch bes Kollegiums gegen Jatho bedauert haben, xie cvang. Kirckn? könne es sich erlauben, in der jetzigen Zeit, in der immer schwierigere Probleme auftauchen, auch einen Jatho, der ^ahrc einer für bie Kirche verdienstvollen Tätigkeit hinter sich habe, zu vernehmen und zu beachten. Es muß freilich ei,re Grenze geben, denn es gehe nicht an, ein Sammelsurium aller möglichen Jici- nungen zur Geltung kommen zu lassen. Feststehen muß, was christlich und evangelisch ist. , .
Syn Dingeldcy - Darmstadt gibt eure Erklärung bekannt, »ach der eine Anzahl Abgeordneten den Standpunkt des Ober- kousistoriums teilen, obwohl sic mit dem Vorgehen der 87 nicht einverstanbeu sind. Hierzu sprechen noch bic shnolmlen t o o 5 - Groß-Umstadt, Schaub- Offenbach unb Wahl- -schlitz, sowie Dr. Lucius namens ber positiven Vereinigung.
In ber Nachmittags sitznng würbe bas gleiche Thema weiter behandelt. Syn. Pfarrer Widmann-Darmstadt macht eingehende Ausführungen über die Verhandlungen der beiden Kammern, betr. die Besetzung der Theol. Fakultät an der Laubcsuniversitäl. Obwohl die Leistungen der positiven Gelehrten allseitig anerkannt werben, besetzt man bic Stellen seit Jahren mit liberalen Geistlichen. Den Ausführungen bes Prälaten in ber Ersten Kammer könne er nicht beiftimmen, benn bie wißen- schastlichc Tätigkeit bürfc nickst allein maßgebenb fern Man lollc das Preußische System der Ausgleichsprosessoren cmführen Die Ablehnung der beiden positiven Professoren durch den Herrn Prälaten mit der Begründung, daß nickst die Gesichtspunkte, wie bei ber Pfarrstellenbesetzung maßgebend sein dürfen, sei nicht stichhaltig.
®lefeener Anzeiger
Heneral-AnZeiger für Gberhchen
Der Redner verweist bann auf die Aeußerung des Vertreters der Universität in der Ersten Kammer, daß weder Fakultät noch Senat einseitig verfahren. Gerade in den letzten Jahren sei die Besetzung der Fakultät sehr einseitig gewesen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß fast 2/5 der gesamten heil neben Theologen ausschließlich an der Landesuniversltät vorgebildct werden, und der Tatsache, daß die Erweiterung des Gesichtskreises gefördert würde, hätte man von dieser Einseitigkeit der Fakultät absehen müssen. Wiederholte Malen wolle Redner an einen Auszug des früheren Ministers des Innern Brann erinnern, der goldene Worte sprach von dem Grundsatz der ausgleichenden Gerechtigkeit, von dem die hessische Regierung sich leiten lasse. Nur was zur Tat wird, das hat Wert.
Sehr scharf kritisiert der Redner die Ausführungen bvS Abg Lutz in der 3 realen Kammer, ber die cv äuge linde tanDcönran. an dem Forum des Landes schlecht gemacht hat nut taliajcii Darstellungen und llebcrtrcibungcn. (Zustimmung
Syn. Dr. Eck: Neues zu dieser Frage ist heule mdtf getagt worbeii unb neues kann er Daher auch nicht jagen Der Redner verliest dazu das s. Zt. auf bie Eingabe Domiatt ergangene' Gutachten der Fakultät, aus bem besonders hervor geht, baß die Vorschlagsliste stets auch Hantnbatcn ber sogcnaniitai positiven. Richtung enthält und daß stets nur die witteisichaftllchc Bedeut nug des Einzel neu für die Entscheidung matzgebeud ist sehr ein- gehend unb interessant verbreitet sich ber Redner über Die Definition dcS Wortes „positiv", unb kommt zu Dem ^niliiiic, Dav Die Positiven sich im einzelnen gar nicht cüircbcn lassen, vaw das, was man beule neuere positive Theologie zu nennen bfhcbU so stark vom liberalen Gesichtspunkte Dnrd)$<>gcn unb Durcutrarat ist daß sic uns icljr nahe kommt Wir wahren uns Dagegen^ uns unter bev Bezeichnung „liberal" cinsuorDneu. Die Gegen- I satze zwischeii positiv unb liberal bat der Deutel a.i?gche(n. In Den Liberalen steckt soviel positives unb umgekehrt, baß die Gegensätze nicht nachhaltig sein können. Die Dünsche der Lotttivcw tonnen wir nicht erfüllen. Lieber das Urteil kommen Wir ninr einmal nicht hinweg unb solange dieses unb nicht bic lieber zciiguug gilt, daß ein positiver Kandidat wisicnichaftlich Hoyer steht alS Der liberale, können wir ihn nicht beritten.
Syn. Dieckmann tritt bem Vorredner entgegen -Jrr Ausgleich zwischen positiv unb liberal, den der Vorredner sckwmni möchte, sei nicht angängig. Tie Lehrer müssen sich gefallen lassen, sie nach ihren Früchten zu Int liieren. Das Jmb int jungen Dhcologen. Da sind aber bic Enahrungen Nicht sehr
erfreulich.
Syn. D. Dr. Diehl ist ber Meinung, daß es zum großen Teil richtig ist, was Syn. Tr. Eck gesagt hat, daß mürben Worten positiv unb liberal viel Unfug getrieben wird, fern Urteil Dieckmanns über die jüngeren Theologen mochte er sich nicht ohne weiteres anschließen. Radikale Elemente hat cs zu jeder Zeit gegeben. Der Redner steht ebenfalls aus dem Standpunkt, daß aub pädagogischen Gründen die Mahnung der Einheitlichkeit an unserer Heinen Universität notwendig ist. ^>vnft kann Der junge Student sich in bem Wirrsal sich überhaupt nicht mehr zurecht finden. Es sei eigentlich zu bebauern, datz das Studium auf anderen Universitäten so erleichtert routbe. ES ist bebauerliri), daß die Herren in Gietzen eine andere Theologie haben als viele von uns, aber eine Sprengung der Falultac darf nicht erfolgen, das kann nie von Segen sein.
Syn. Marx-Darmstadt verteidigt die Gießener Fakultät gegen Dieckmanns Angriffe.
Svn Fritsch tritt nochmals für bie positive Richtung an. GZ folgen eine Reihe persönlicher Bemerkungen, xamit ist die Besprechung dieses Themas bccnbcL
schiebenen Zonen untersucht. Dabei zeigte sich, daß die meisten eingeborenen Völker Afrikas, Indiens und Ehinas eine fast vollkommene .Immunität der Zähne" aufwiesen; bie Untersuchung von Kasferschädeln unb lebenden Kafsern ergab beispielswette nicht einen einzigen Fall von Karies unb bei den Chinesen entfiel auf 30 Gebisse nur ein einziger kariöser Zahn. Interessant ist in biesem Zusammenhänge die Tatsache, daß der Kaffer sich nach jeder Mahlzeit sorgsam das Gebiß reinigt, eine Gewohnheit, bie zu einem religiösen Brauch geworben ist. Unb ebenso wirb ein Hindu ober ein Chinese nicht zu essen beginnen, ehe er sich nicht überzeugt hat, daß er nach der Mahlzeit Gelegenheit finden wird, ein Gebiß zu reinigen. Aber unter ben lebenden Menschen besitzen anscheinenb bic Eskimos bic gesündesten und besten Zähne; Unberrooob hat eine ganze Reihe von Eskimogebissen untersuckst, ohne Spuren irgend eines Zahnleidcns zu finden. Diese Tatsache beweist, daß die Verschlechterung des Gebisses bei den gegenwärtig lebenden Kulturvölkern vom Klima vollkommen unabhängig ist unb wahrscheinlich auch von ber Zahnpflege, ba beispielsweise der Eskimo eine Pflege des Gebisses überhaupt nicht.kennt.
Unberwood neigt dazu, die unaufhaltsam fortschreitende Verschlechterung des menschlichen Gebisses in den Kreis der naturwissenschaftlichen Entwicklungstheorie ciwzuordnen: mit dem Zeitpunkt, da der Urmensch zum Menschen wurde unb anstelle der rohen Nahrung eine gekochte trat, verlor das Gebiß naturgemäß an Bedeutung für bie Erhaltung des Lebens, und mit dem Ueberflüssig- werben starker kräftiger Zähne begann auch ber Verfall Das einzige, burch das mir bas Tempo bieser Degeneration bes Gebisses vielleicht verlangsamen können, ist eine sehr ftrenge unb systematische Pflege der Zähne Unberrooob bezeichnet hierin ben Kaffer als vorbilblick, empfiehlt bann eine Reform der Nahrung unb zwar auf eine Kost, die eine stärkere Speichel en twicklung hervorruft, da der Speichel die Wirkung zerstörender Säuren aufhebt. Sehr wichtig aber für die Gesundheit des Gebisses ist die Ernährung neugeborener Kinder durch bie Muttermilch; bic künstliche Ernährung ber Säuglinge rächt sich in erster Linie in ber Entstehung eines Gebisses, das zu Zahnleiden bestimmt erscheint.
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Das Urteil im Zchapiroprozeh.
In dem Prozeß des Beigeordneten Berndt und der Frau Schapiro gegen den Verleger und Chefredakteur des „Neuesten Anzeigers" zu Mainz Heinrich Hirsch hat das Gericht, wie wir gefterti schon mitteilten, den Angeklagten wegen Beleidigung des Beigeordneten Berndt zu 3 Monaten Gefängnis, wegen Beleidigung der Polizeiassistentin Schapiro zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Gesamtstrafe 4 Monate Gefängnis. In den weiteren Beleidigungsprozessen wegen Pffotographierens und fcenim- zeigens eines Briefes sowie Veröffentlichung auswärtiger Blatterstimmen, wobei der Staatsanwalt je 2 Monate Gefängnis beantragt hatte, tg.urde der Angeklagte freigesprochen.
Tic Verlesung des Urteils nahm fünf Viertelstunden in Anspruch. In der Urteilsbegründung wurde u. a. ausgeführt: p
Tie Anstellung der Polizciassistentin erfolgte auf Anregung der sozialdemokratischen Partei. Tie Einrichtung war zunächst als ein Versuch gedacht. Allmählich entwickelte sich die Fürsorgetätiakeit, für die keine gesetzlichen Grundlagen gegeben find; dem Takt, der barmherzigen Liebe ist alles überlassen. In dieser Beziehung zeigt sich, daß der Frau Schapiro Lob überall gespendet wurde.
Die Urteilsbegründung geht dann auf die einzelnen Fälle ein. Im Falle Gmünd ist kein Bewcispunkt, der als
'^SMi.^Dimsionsvfarrcr Licdtkc-Darmstadt wendet sich bei Anerkennung aller Geistesgröße Jatlros gegen die Kundgebung brr 87. Wenn Jatho nicht von allen Seiten außerordentlich anerkannt worden wäre, würde bie Entscheidung gegen ihn viel ciitfadKr gewesen fein. Hier trete die Lehrwirksarnkeit Jatffis in den Vordergrund Die Eristenzbercchtigung Jathos tn ber Eoring. 5Hrrlw werde ihm ja nicht avgesprochen, dock) sei er in feiner" Lehrtätigkeit zu weit gegangen, er habe den Boden der tlistlichen Weltansck>auung und des christlichen Bekenntnisses so» weit verlassen, daß er feinen Anspruch auf wettere Ausübung seines Lehramtes mein machen könne. Die Stellung des t)ber Konsistoriums zu der Kundgebung der 87 sei sehr schwer zu I end al nt, doch dürfte nicht unwidersprochen bleiben, datz eine ornfee Anzahl Glcickigesinntcr bie Kundgebung nicht billigt.
Syn. Landgerickstsdirektor Schm eck ende ch er-Gießcn hält die Erklärung der 87 für unangemessen und nicht für veranlaßt m Hinblick auf unsere hessischen Verhältnisse. Viele der Unter- ridmer haben rm ersten Eifer und ohne besondere Ucberlegung jee Unterschrift gegeben unb haben bies auch schon bedauert, wenn es möglich wäre, hätten sie sie auch schon zurückgezogen, trotz- beii aber dürfe man sic nicht ohne weiteres zu den Jüngern Pathos zählen. Im Interesse des Friedens begrüßt cs ber Redner, tat bas Oberkonsistorium sich von Schärfe fretgehalten habe.
Syn Pfarrer D. Dr. Diehl-Darmstadt verbreitet sich zunächst über seine persönliche Stellung zu ber Frage unb führt Ms, baß er die Kundgebung nicht unterschrieben habe, obwohl er viele persönliche Freunde unter den Unterzeichnern habe unb auch ta zu aufgefordert worden sei. Er muß die Frage, ob das Lder- foiififtorium gegen bic 87 hätte einschreften sollen, verneinen, icnn in alten Zeiten, bie zeitweise noch gar nicht so lange zuruck
Die Vergangenheit und die Zuiunst der menschlichen Zähne.
„Die Menschheit ist auf dem Wege zur Zahnlosigkeit", daS ist b«S pessimistische Endergebnis der Untersuchungen, die eine tührendc englische Autorität auf dem Gebiete ber Zahnheilkunbe^ Pro!. Arthur S. Unberrooob Dom Royal College of Dental Lmrgery in Lonbon, angestellt bat unb deren Ergebnis in einer englilw’n Zeitschrift veröffentlicht wird. Die Schlußfolgerungen des Gelehrten stützen sich auf ein umfassendes Material unb Mvftlff tn t> r Behauptung, baß eine unvermeidliche Folge in der wrtichreiten- ben Kulttrrentwicklung unb der Zivilisation zu allen Zeiten und m aflen Weltteilen diese ist: der Mensch verliert die <ock)önheit, die Widerstandskraft und Die Gesundheit seines Gebisses. Ziviuiation imd Karies sind parallele Erscheinungen.
Unberrooob hat in jahrelanger Forscherarbeit die Gebisse von • ben Schädeln prähistorischer Menschen unb von Menschen des Altertums untersucht unb er fanb bei bem Neanbcrtalimittchcn „eine VoÜkvmmenheit ber Zahnbildung, wie sie sonst nur bei höheren Säugetieren beobachtet worden roar". Auch die L-chadel aus jrühestcr ägyptischer Zeit, aus den prädffnastischen Epochen rociien ausnahmslos eine völlig fehlerfreie prachtvolle Zahnbckdung auf, aber weitere Untcriudningen lassen dann klar erkennen, wie nut Dan Wachsen und ber Vervollkommnung ber ägyptischen Kultur das menschliche Gebiß sich verschlechterr. Nach den Zeiten des Pyra midenbaues erwuchsen, wie Die Sckiädel beweisen, die ZahnleiDen und die Unvollkommenheiten des Gebisses unb zur Blütezeit Der ägyptischen Kultur wiesen nur noch 50 von 500 Schädeln ein abfo lutes gesundes und vollkommenes Gebiß auf. Selbst diese ungünstige Ziffer wäre nach bem Urteil UnDerwoods für bie Gegenwart fast tüt Jdealzustand, benn unter 500 zeitgenössischen Gebisien wirb man kaum ein Zwanzigstel sinben, bic Anspruch auf Gemndheit ' crljcben können. Tic gleiche Degeneration bes rnenichlicben Ge- biffes läßt sich auch bei Den Griechen unb Römern verfolgen !r»:nngleich gerade hier für die früheren Zetten das Beweismaterial - schwerer zu erlangen ist, da man mir die Asche ber Sabingcgangcnen bewahren pflegte. Aber die wenigen noch erhaltenen Schädel ber frühen römischen Zeit bcstäiigcn Undcrwoods Hypothcfc: bie Römer aus den Tagen des Titus Livius, die noch weniger kultiviert waren, weisen ausnahmslos kräftige und völlig gciunbc Gebisse auf, während schon in den Zetten des Pctromus von 148 untersuchten Schübeln nicht weniger als 41 kranke Gebttte zeigten. Die Untersuchungen des englischen Forschers haben fich jeboca TD.cht auf einen Vergleich Der Vergangenheit unb der Gegcnwan beschränkt. Unberrooob hat im Laufe seiner.Arbeiten, auf *in mugewöhnlich reiches Material gestützt, auch die Verhaltnitte der Gcbitzentwicklung bei den verschiedenen Völkern unb in ben ver-
hessllche^önqiFandertynode.
Rm. Darmstadt, 9. Juli.
Ae Synode setzte beute ihre Besprechung des vom Ober- bujiftorimn erstatteten Berichtes über Verhältnisse unb Zustanbc Et der Evangcl. Landeskirche fort. Im Anschluß an Die Er- H -ung des Oderkonsistoriums, daß eS keine Veranlattung gc» Jjcbt Ixibc gegen bie allerdings zu sckfars abgefaßte »hinbgebung >r 87 hessifckfon Geistlichen einzusckfreiten, führte Svn. Jacob- re nz au«, baß die Zott'ur des Cbcrfonfiftoriumd gegenüber Ihr Kundgebung der 87 noch ziemlich scharf sei, auch sei bie > der I. Kammer nickst berubtigt gewesen.
3hn. Pft. Wagner- Darmstabt ist mtt ber Erklärung des ILber-Konsistoriums nickst ganz einverftanben, ba sie ihm nicht
. Den bas Urteil erregt habe, sei , aber erfreulich, feststcllen zu können, daß doch noch Ordnung hi der evangelischen Kirche herrsche. Der Spruch des Kollegiums Lite gezeigt, daß Jatho in der prcußifchen Landeskirche nicht icbr amtieren könne. In der Bevölkerung war man schon darüber limruljigt, bah überhaupt ein Geistlickfer sich gegen das U» jnl nKiuxm könnte. Man müsse alles aufbieten, um bic Kirche irr Irrwegen zu bewahren.
Syn. Arcknvrat D. Herrmann- Darmstabt ist über bie Sritbgcbnng Der 87 erfreut gewesen, wenn auch die Form hätte besser gewählt sein können. In ber Kundgebung werde ja die , sich nicht verteidigt. Niemals werde mau in ber Lage sein, derartige Kundgebungen ganz zu untcrDriidcn. man ängstlich sein, so müsse man auch an ber strengen f rhobone Anstoß nehmen. Schwer sei es, solche Bestrebungen |lt unterdrücken, denn der freie Meinungsaustausch werde sich nicht enbänunen lassen.
S^n D-ickmann fordert als Vertreter der positiven Rich fiüTj, daß mau bic gewährten Freiheiten nicht zu weit gehen eit> den Fortsckmtt bis ins Blaue hinein wachsen lasse. Mau U[r an den apostolischen Glaubensbekenntnissen festhalten, bic f.ixnikenlose Lehrfreiheit führe zu weit. Das Dber-tfonfiftoriun bitte gegen bie Kundgebung schärfer Stellung nehmen sollen.
Syn' Pfr. Widmann-Darmstadt wendet sich gegen bic J'ebe des Svn. Herrmann, der bic Lehrfreiheit allzittehr aus- -d Hut wissen wolle. Mit Recht sei der Fall in den Sonntags Icttcrn besprochen worben, nachdem sich die Tagesprcsse der rage eingehend bemäckstigt hatte. Die Protesterklärung der 87 di Redner zunächst für so maßlos gehalten, daß er cs für i! hielt, sie mit Schweigen zu übergehen, doch kam er zu der »«sicht, daß dies falsch gedeutet werden könne. Die von den Unterzeichnern geführte Sprack;e könne man sicher nicht billigen, viiMrm seien auch nicht alle liberal gesinnten Geistlichen ai.


