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12.2.1912 Erstes Blatt
 
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Montag, 12. Scbruar (912

Erstes Blatt

162. Jahrgang

Die heutige Nummer umfafet 10 Setten-

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aus

ergewödnl. bik (Yin Posten

iünstige ilfigenheit für

$paf)ns Rücktritt.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Ärmer Pe-er Spahn! Nun ist cs nachzwei glück wichen lagen" aus mit Deiner Reichstagspräsidentenherrlicb kni; Am Freitag, infolge eines MitzverstänonisseS zwischen ^olioualliberalen und Sozialdemokraten zum Präsidenten des Reichstag- gewählt, hat man in der Zraktionssitzung Iciner Partei am Samstag beschlossen, das; Tu am Montag schriftlich Deinen Rücktritt vom Präsidentensitz geben sollst. ?os ist traurig, sehr traurig für Dich. Denn erstens fitzt r. sich gut auf dem hochlehnigen wohlgepolsterten Stuhle, und Du selbst hattest es schon in den Wandelgängen ver luudet, b Dn dein Kaiser von der Konstituierung dc-_- Reichstags mit dem Präsidium Spahn-Scheidemann Paasche Mitteilung machen werdest. Du faitdest, da doch Zentrum und Sozialdemokratie so ost in treuer Waffenbrüderschaft Lkhulter an Schulter gefochten, nichts dabei, neben einem Lozialdemokrateir im Präsidium zu sitzen, sondern hattest olfnungslos am Freitag seine Wahl geleitet und das Er gebnis als neugebackener Rcichstagspräfident verkündet. Tenn Du dachtest uicht daran, das; Du Dein eben neu- gewonnenes Amt niederlegen mutztest, sobald Scheidemann gewählt war, nicht weil das Deine Partei so wollte, son­dern weil es die treuen Bundesgenossen, die Konservativen,

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£ , so dekretierten.

Hub sie haben ihren Willen, wie die obige Meldung I ,iigt, auch bei Deiner Partei durchgesetzt. Um Deinen histo- Mifchtn Zhlinderhut magst Du einen Trauerflor schlingen, Mßltichzeitig aber wird ihn die nationale Gloriole wi' ein * Heiligenschein umstrahlen, nachdem Du Dir inzwischen, I Denn auch wider Willen, darüber klar geworden bist, das; Ms sich nicht schickt, neben einem Sozialdemokraten im Reich) V* tagspräsidinm zu fitzen Auch der bescheidenste zweite Prä sidenteustuhl, den Dir die Linke zugedacht hatte, geht Dir run verloren. Denn wenn ein unerhörtes Ereignis

Berlin, 12. Febr. (Drahtbcricht.) Gestern fanden innerhalb der Lin ks pa rt eien Bes p re chung e n statt. Eine gemeinsame Erörterung der Präsidentenfrage war nicht möglich, da zahlreiche Abgeordnete am Freitag Berlin ver­lassen batten, um die ihnen bis zum Dienstag gewährte freie Zeit bei ihren Angehörigen zu verbringen. Die National- liberalen find sich nicht darüber klar, ob für den Präsidenten- hoffen Prinz Schönaich oder Geheimrat Paaschc kan­didieren soll. Prinz Schönaich ist sehr beliebt, aber Paasche besitzt die größere Geschäftsgewandtheil.

Heber die von rechts bekritelte S t e l l u n g der n a t i v - natliberalen Fraktion wird derNationalliberalen Korresp." aus den Kreisen der nationalliberalen Reichstags- fraktion geschrieben:

Nachdem die Wahl des Präsidiums vollzogen ist, dürste cs int Einblick auf die Fülle unrichtiger Pretzkommentare an der

sandtschaflssekrctär geriet und ausriei:Aber das Bild mutz der Kaiser kaufen, es ist eines der bedeutendsten!" Darauf trat der Sekretär ganz dicht an ihn heran, sprach flüstcrttd in ihn hinein, der General zuckte die Achseln und strich Gurlitts Namen der Liste. Rache für den Nollbart!

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Bon einem anderen Beritncr Mitarbeiter wird uns noch geschrieben: Nachdem der Reickstagspräsidcut Dr. Spahn sein Amt nicdcrgclegt hat, werden auch die gewählten Schriftführer des Zentrums Belzer, Engcfen und der Konservative Rogalla v. Die berficitt) das Amt eines Schriftführers nicht annehmen. Bei der Wiederholung der Präsidentenwahl, die voraussichtlich schon am M i 11 iu o (h stattfinden wird, wird die gesamte Rechte und das Zentrum sich an der Präsidentenwahl nicht mehr beteiligen. Man nimmt an, das; ein Nationalliberaler mit Untersuchung der gesamten Linken einen Kandidaten für den Posten des Prä sidenteu stellen werden und daß der 2. Vizepräsident Dr. Paasche sein Amt ebenfalls niedcrlegcn wird, damit ein Mitglied der jotU fckrtttlich.n Volksvartei, wahrscheinlich Kacmvf, zum '2. Vrzc- prö'idcnlcn gcwähll werden kann. Die nächste Präsidentenwahl )uuw. allo tin r e i'i cs Li n ks p r ä si diu m ergeben, da ^der 1 Vizepräsident Scheidemann sein *2lmt behalten wird. Die Bestätigung des Präsidiums ndü) vier Wochen dürste kaum ein anderes Ergebnis haben Die Geschäfte des Präsidiums führt bis zum Mitnvoch der Lizepräsidcut Scheidemann, der auch die Dicnstagsfitzung leiten wird.

;. der sozialdemokratische erste Vizepräsident Scheibemanil am p Tiendtag von Deinem Rücklriltsgesuch dem Reichstag Kennt > ms gibt, und aus die Tagesordnung für Mittwoch als ersten

Punkt:Ersatzwahl für den ;urü(fgetretenen Reichstags l rräsidenten Dr. Spahn" setzt, ist es mit allem vorbei. Am

Mittwoch dürfte aller Wahrscheinlichkeil nach ein^Reichs !gspräsidium zustande kommen, bei dem Priu z Schön - ich -E a r 0 I ath ans den Präsidentenstuhl steift und an kelle des Abgeordneten Pros Dr. Paasche ein Fort- hrittler, vielleicht der Abgeordnete Kämpf, zum leiten Vizepräsidenten gewählt wird.

Dies wäre ein Reichstagspräfidium, das sich lediglich ts Angehörigen der Linken ztisammensetzt und so die äugen- ickliche Lage im deutschen Reichstag 'deutlich zum Ausdruck :ingt. Aber dieses Reichstagspräsidium ist eigentlich nicht erbiem't der Linken, sondern, wie oben anqcdcutet, Bcr dienst der Konservativen, die dem sonst willigen Zentrum tie Mitwirkung an der Präsidinmsbildung untersagten, nm mit seiner S?ilfe dem Präsidium der Linken und seiner äußerst bescheidenen Mehrheit das Leben so sauer wie mög lich zu machen. Wenn man davon absieht, daß nt vier LZochou bei der definitiven Präsidiumswahl der Al'geord- netc Spahn als Reichstagspräsident doch durch den national liberalen Prinzen Schönaich Earolath ersetzt ivordeu wäre, so hätte die Linke doch Herrn Spahn Immerhin den Posten eines zweiten Vizepräsidenten eiugeränmt, um dem ReichstagSpräsidinm Bestand und Dauer zu geben tnb die Konservativen möglichst zu isolieren. Das louitlc diesen natürlich nicht gefallen, sie übten auf das Zentrum einen Druck aus und bewogen das Zentrum, sich unter dem Vorwande, ein Zentrumsmitglied könne unmöglich neben einem Sozialdemokraten im Präsidium sitzen, von

Deutsche» Reich.

Der deutsch-türkische Handelsvertrag, der dem Reichstage zugegangcn ist, beftimmt, bat der geltende deutsch türkische Handelsvertrag, der am 13. Marz d. I. abläuft, bis zum 25. Juni 1914 verlängert wird Zn bet Begründung wird ausgeführt, daß der Vertrag fid) bisher als ein brauchbares Instrument erwiesen hat. DasncueReichs-undStaats- angchörigkeitsgcfctz mit seinen Nebcngcsctzcn ist niiiu mehr dem Reichstage zugegangcn. Die Gruiidzüge des Gesetzes sind bereits halbamtlich bekannt gegeben.

Tie Nationallibcrale Fraktiondes Reichstags hat folgende Anfrage cingcbrichl:Fst der »crr Reickskauzl

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brr Präsidiumsbildung zurückzuziehen. Wie man hört, wol ­len auch die Schriftführer der Konservativen und des Zentrums ihr Amt niederlegen, ja es sollen sogar) die Konservativen mit der Absicht umgehen, am Mittwoch bei der Präsidentenwahl durch Slbweseiiheit zu glänzen. Das bedeutet schon die Verweigerung der Mitarbeit und es wird im Lause der Session wahrscheinlich noch schlimmer kommen, da Konservative und Zentrum und das war

.weck bei ganzen Uebuna versuchen werden, burrb Cbftrultiou die Tätigkeit des neuen Reidhstags lahm zu legen, um so die Regierung zu veranlassen, ihn aufzulosen und Neuwahlen auszuschreiben.

Tas ist unter Umständen richtig spekuliert, xenn leider ist die Mehrheit der Linken eine solche, die wegen der Zugehörigkeit der Sozialdemokratie keine Einheit bar stellt, und die wegen ihrer Geringfügigkeit in allen Fällen versagen wirb, wo ihre Mitglieder weniger zahlreich an­wesend sind, als die der reaktionären Parteien, ja die, wie ein konservativer Abgeordneter kürzlich witzig sagte, sogar davon abhängt, datz keines ihrer Mitglieder die Maiidel eiitzündllng lat. Hub trotzdem ist das Präsidium der Linken gezwungen, ans Gründen des Wohles der Gesamt fjcit die Geschäfte zu übernehmen. Tenn ein reaktionäres Präsidium Hölle erst recht keine Mehrheit hinter sich, und bei einem Geschäflspräsidium, das sich also aus den größten bürgerlichen Parteien zusammensetzeu würde, wäre die Mehrheit ebenso zweifelhalt. Der Versuch, den neuen Reichstag unter der Führung der Linken arbeitsfähig zu machen und zu erhalten, muß jedenfalls unternommen werden. Es ist gewagt, aber immerhin nicht aussichtslos, wenn es zu keiner Zersplitterung innerhalb der Linken kommt, und die auf Grund der Wahlprüsungen stattfiuden- den Ersatzwahlen der Linken noch einige Mandate zuführen.

Zeit fein, eine Aufklärung über die Vorgänge zu gedeu, w.Ick- sich in den letzten Tagen im Schoß der nali "illiberalen Reichs tagSfraktion abgespielt haben. Die national liberale Fraktion m sich non vornherein über zwei Grundsätze vollkommen einig gewesen: einmal darüber, daß sie sich zu einem Präsidium der Rechten ablehnend verhalten mußte und selbst in em derartiges Präsidium einzutreten nicht in der Lage war. Zn bieker Be- zichung war die Fraktion von vornherein cntirfiloiicn, die Kon - seaucnzen aus der nach wie vor feindseligen Haltung der K'onsci valiven und ihrer Presse zu ziehen. Zum iicritcn, bestand darin llcbercinftimmuiig, daß die Bildung eines Präsidiums aus den links vom 3entrum stehenden Parteien ebensowenig möglich >oar. Die Fraktion ging hierbei teils von prinzipiellen Gründen aus, teils war für ne aber auch die praktische tzrwugung mistgebeno, datz ein sogenanntesLinlsprusidium", wenn überhaupt eine Jichi beit dafür vorhanden sein würde, auf die Tauer sedensalls nur eine geringe Lebensfähigkeit gehabt haben wurde, zumal bei der eigenen nuinerischeu Schwäche der Nationalliberalen. Xi untiotwl liberale Fraktion hat deshalb vo>i Anfang an einmüiig ab gelehnt, der f o z i o l de m o k» a t i s ch e n F r a 11. i a n 11 gendwe 1 che bindenden Erklärungen darüber abzn geben, wie sie selbst sich nach vollzogener Wahl eines national liberalen Präsidenten bei der Wahl der beiden Bizepräsidentctr verhalten würbe. Tie Bereckstigung der sozialdeniokratischen Partei al-' der stärksten Fraktion des Reichstages, ini Präsidiuin über Haupt vertreten zu sei«, mag von diesem Gefidstspunkic aus an erkaniit werde» Aber irgend eine Garantie, den sostaldemo kratischcn Kandidaten zum erst n Dizepräsideuten^-u wählen, ist nickst übernommen, vielmehr ausdrücklich erklärt worden, tast hierfür keine Mehrheit in der Fraktion vorlnnbe» sei. Ta gegen wurde in Aussicht gestellt, bar vorbehaltlich der Be­setzung der beiden ersten Stellen bei der Wahl des «weiten Vizepräsidenten die nationallibcralc Fraktion nahezu ein mutig für ben Sozialdemotratcu stimmen werbe. Es ist also über die Haltung der nationalliberalen Fraktion nicht der gc tingfte Zweifel a inn.ii worden, so i n cs im ig ist, n tut in der Presse gesagt wird, sic sei eine mißverständliche gewcicn

Nach der Wahl des Herrn Spahn zum Präsidenten ergab sich eine durchaus neue SiUialiou Di die rechtsstehend 1 ( als ersten Vizepräsidenten Herrn Tum V. als zweiten Herrn Paasche zu wählen beabsichtigten, trat nunmehr die Wei ihr eine» Präsidiums der Rechten unter Anfügung eines nationalliberalen Anhängsels ui greifbare Näht Dieser klusgang

Linie verhindert werden und die nationallib ' h 1 roi sich nunmehr entschlietzen, einen Soziatdemcktaten zum ^ersten Vizepräsidenten zu wählen, weil durch die Wahl des Herrn -Lpah» ein sogenanntesGroßblockpräsidium" mit ferner ganzen, oben angedeuteten Unmögl schlossest war _T.v Grundsatz,

daß bei der einmal geschaffenen Sachlage die ^ozialdemalralie im

gebilligt werden können. Es entspiicku schlietzlich dein Gcsichle ber Billigkeit: ebenso auch der Notwendigkeit, die nnntcriich stärkst.' Partei des Reichstages zu zwingeu, an der Leitung der (Geschäfte teilzunehmeu und sich damit selbst ftir eine ordnungsmäßige Er­ledigung der Reichstagsgeschäste einzusetzen.

Es ist selbstverständlich, datz aus der iuzwischeu erlolgteu Nie- derlcguug des Präsioiums durch Hern, Spahn nicht gegen bic Folgerickstigkeit der vorstehenden Erwägungen hergeleitci werden kann. Es wird dem Zentrum nicht leicht talle.fi, zu rcchtsertigeu, datz cs sickt in einem für das Vaterland wichtigen Moment ber einmal übernommenen Pflicht wiederum eutzoqen hat. Erne grundsätzliche Abneigung gegen jede» Zusammenarbeiten nut der Lozialdemokratie kann nad) den irübcrcu Vorgängen bei ihm doch nidit gut a,igenommen werden! Tie national liberale Fraktion wird sich diesem Sd)adizug gegenüber ivneni ill--' geivochscn Acifini '

lang Schulaufgaben gcken will? Mein Bruder, der schlichte Arbeiter, ist kein schlechter Mensch. Wenn er mich besucht, plaudern wir srcundschaftlich mrleinander. Er arbeitet tapfer bic ganz^ Woche und widmet ben Sonntag seiner Frau und feinen Buder». Aber id) merke es nu», er hat fürchterliche Freunde. DaS find die Leute, die keine Streich holzfchachtelR sehen können, ohne sich zu fragen: wie kann biefc Sd achtel meinem Bruder nützen, dem Arbeiter, dem Armen, bir; oem Volke. Mir crfd)icn die Antwort immer so einfach Steckt möglichst viele und möglichst gute Streich­hölzer in eine anständige Schachtel. Mehr Dcrtaiigcn die Ent­erbten des Reichtums nicht, lind ich aud) nicht Aber jene schlim - men Freunde meines Bruders, jene anonnmen Magister, die denken das nicht. Die Qualität des Streichholzes eine erbärmliche alltägliche Frage mit der ein hoher ibcaler Geist sich nicht be­schäftigt Sie betrachten sich die Schachtel und sie sagen sich: wir wollen dem Volke Ieiner» geben. Mein «ruber, ber Arbeiter, hak feine Zeit in? Museum zu gehen. Höre, armer Mensch: dann betrachte bir wenigstens deine Streichholzschadotetn. Das hat man für meinen armen Bruder getan. Man wollte ihm denKunst- schätz ber aanzen Welt" erschließen, wollteseine Seele erheben". Die Kunst für alle. Und man sagt wirklich bic Kunst Aber rornn mein Bruder, der Arbeiter, diese sch-ußlichm winNgen Reprodak- honen bergroßen Meisterwerke" sieht: er wirb ouf Lebenszeit: bic Muscen verabscheuen. Hnd ich, der ich äbnlid) murfinbe, id; verlange, datz man mir meine schöne Unwissenheit läßt und datz man den Tabakhändlern verbietet, mir täglich Unter rieht in der Kunst zu geben. 3d) jpill für meine zwei Sou mir möglichst viele und möglichst gute Streichhölzer."

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen^ schäft. Der Studiendirektor ber Akademie für Kommunal - Verwaltung in Düsseldorf, Profefsor Dr. Stier-Somlo erfiärte aus Gesundheitsrücksichten feinen Rücktritt. Ver­handlungen über seinen Nachfolger find cingdeitd. In M ün - dien ist der Erzmetzcr Ludwig v. Miller gestorben. Der deutsche ^chillerverein in Brüssel feierte am 11. d. M. sein 50-jähriges Bestehen durch eine Generalvers<wun- lung im Rathaus zu Brüssel.

Eine iuternatioualc Kuustgewcrbc-Aus- stclluug in Paris. Aus Paris wirb berichtet: Der Plan, in bett nächsten Fahren in ber französischen Hauptstadt eine große internationale Ausstellung für Kunstgewcrbe zu man halten, ist setzt endgültig gesichert: im Jahre 1915 sollen sich bic Pfonen dieser Ausstellung öifnen, bereit Ziel es ist, ein möglichst lückenloses Bild ber Leistungen und Bestrebungen modernen Kunstgcwcrbcs aus allen Kulturländern zu vermitteln llriprünglirti bestand der Plan, im Jahre 1920 in Paris wie­derum eine Weltausstellung zu veranstalten, aber bieicr Abndu stellten sich schwerwiegende Bedenken entgegen, und so wurde aus dem Protest bic nunmehr gesicherteErposition internationale bc>? ans decorativeS modernes 1915". xer Gedanke war i'dton im vergamTenen Fahre aufgetaucht und ging auf zwei einflutz reiche Körpcrid»aften zurück: auf den franzöfilchen Zcntralverbauo für Kunstgewerbc und aus der Gesellschaft zur Förderung der Kunst und Fnduftric. Tas Projekt ist von bem fiunftminiiterium genehmigt worden, und nun ist auch in der Kammer der OHdv entwurf eingebradit, ber die Einzelheiten des Hntcrncbmenmcqdt Die Ausstellung wird die erste große und internationale ^onber au'ftdlung fein, die amtlich, auf Antrag des Parlamentes und mit Hntcrstützung der Regierung stattfindet

Gin Protest gegen bie treichholchuIc . Die Wiedergaben berühmter Meisterwerke", die jetzt in Form von winzigen «untbnidbübdk'n bie franzöfifchen^Slrcichholzichachteln fchnuicken, vcranlaffcn Louis Latzarus im ingaro zu krUiichen BetrachtuugeiiFch trat in den TabaNaden, um Streichhölzer zu saufen. Rian gab mir bereit vierzig und einen Deniers. So viel hatte ich für meine zivei ^ous gar nicht verlangt. Morgen wird man mir vielleicht gar einen Rembraydt geben. verlangte nur -kreichbölzer, und man gab mir Untcrndü. Nun trage ich m meiner Westentasche Schule, Bildunä, Kunst, ein Mcistcrn-erk für imei Sou und dazu noch vierzig StrerAolzer. Hnd doch, bic Sache ist angenehm. Meine Biltmug hat Lucken. Äl,o \^oxl 2Lber

Um des Künfflcrs Bart.

i Aui bnt 8 März fällt ber 100. Geburtstag eines treu(idien Rutschen Landschaftsmalers: Louis G u r l it ts. Zu btefeni Tage bereitet der Berliner Verlag von Julius Barb eini Werk iber den Künstler aus ber Feder keines Lohnes Ludwig Gurlstt

I wr, das cüt äußevft wertvoller Beitrag zur deutsdien^Kunst «schichte des 19. Jahrhunderts zn werden veripricht. xtc bei 5 A Seemann erscheinendenMeister der Farbe können au? .Meiern Bucke bereits letzt eine reizende Geichickte mitietlen.

war ini Fahre 1845. Louis Gurlitt, damals iu Rom, batte sich einen wilden Vollbart wachsen lassen, ledigkick aus Äeguemlichkeit uatürlick, und nickt etwa aus demolrattkcker xc i aionstrationSlust. Hm diesen Küustlerbart 'ollte es aber zu einer | drolligen 5->aupt und Staatsaktion kommen. . Als bamalv nnm I ich Zar Nikolaus Rom passierte, veranstaltete die romtidic lünitlcrithaft auf die Aufforderung des rufiifdicit (^'lanbtcii ihm u (ihren eine Kunstausstelliing Fn dem Auskldlungsausickui' - acrtrai Gurlitt die Deuticken Kür; vor ber Anknntt des Kaner-.- tiähltc der ruffifchc Gefandtfdiaftsfckrctär ganz unvermittelt den Künstlern eine Geschichte, die sich in Palermo beim Zaren zuge- ragen haben sollte. Tort habe Prinz Albrecht von Prcuhen ben Maler Helft vorstdlen wollen, aber als der Datier emtrat, lutzle er, sah die Herren an und kehrte bann uhnell in nut 3immer zurück, unb das nur, weil der M a l e r c l T t rinen Vollbart trn g. Dieser Wink mit dein Zaunptahke war 'ehr deutlich. Gs entstand ein allgemeines Schweigen unter den Künstlern, aber bann erklärte Gurlitt:Fck nnbe diele '-lncotS I sehr unterhaltend, aber meinen Bort nehme ick nicht ab as ß bie anderen Herren tun wollen, ist ihre Sacke." vbr wmurmci 5 lictz ihn erkennen, datz er aller Meinung getrosten hatte: der lF4csandtschaftssefretär erblaßte unb zog ab. Der Zar kam, war W jet>r liebenswürdig und äußerte vor Gurlitts Bildern^aus xeutlck dreimal hintereinander:Sehr schön, sehr schön!"^ xrotzdem cr- rCärte ber Sekretär ihm kurz darauf heftig: ,

b<m Kaifer nicht gefallen!" Gurlitt versetzte:Tas ist la^nierk" :oüri)ig! Also ist es Sitte in Rußland, das man von einer Sack^ inc mißfällt, dreimal hintercinanbersehr schön" lagt.3 ~a- nar eine gute Anttvort, aber die Rache blieb Nickt aus. Gurlitts »dgischer Kollege hörte, wie der den Zaren begleitende Owneral iucr seine «ilöcr in eine heftige Anscinandcrfctzung mit dem Gc-

iente neue Gev« und Farben

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