hessische Zweite Kammer.
bs. Tarmstadl, 9. Mai.
Ter Präsident ft ö b (er eröffnet die Sitzung um 9*/* Uhr. Anwesend sind die 3 Minister und einige Ministerialräte.
Aba. Ulrich So} Wenn irgend eine Vorlage enttäuscht hat, so ist es diejenige. Die mir hier beraten. Tie Regierungsvorlage bat uns ui diesem Hause alle enttäuscht. Dir hatten erwartet, haft Diesmal eine Vorlage heraus kommen würde, die eine wirkliche Neuregelung auf Gkunb der Erfahrungen der letzten 14 3abrc bringen würd 3it Der Regierung selbst war man sich nicht klar. Tie Vorlage ist nicht geeignet, Zufriedenheit zu schaffen, die notwenoig ist. 3m Volte sind grotze Kreise, die mit der Vorlage selbst unzufrieden und: die Beamten sind stets gesichert, wie viele andere Volksgenossen. Tie höheren Beamten haben zwar kein glanzendes Einkommen, aber es reicht dock immerhin aus, selbst unter den heutigen Verhältnissen. Anders ist es mit den mittleren und unteren Beamten, langen wir bei den Schrcibgehil'en an, die cs am nötigsten haben. Mit 11—1200 Mk. kann man heule keine Familie mehr durchs Leben streifen. Ich erinnere an die Lage der Bauassistenten. Wir haben auch eine Verpflichtung gegen die nicht fest angestellten Beamten. Prüfe ich aber die Vorlage nach dieser Richtung, bann must ich sagen, dast die Regierung hier versagt bat. Was man den Lchrcibgehilsen auf der einen Seite gibt, das holt man den armen Teufeln aus der anderen Seite wieder weg-. Abg. Fulda ruft: „Sehr richtig?") Auch bei den Bau- und Forstbcarnten sind fast dieselben Verhältnisse. Ich sagte schon, dast man im Volke fragt, ist denn eine Erhöhung überhaupt nötig. Tie heutige Gesellschaftsordnung hat aber solche Zustände geschassen, dast die Notwendigkeit anerkannt werden must. Wenn man oben geben will, muß man vor allem erst unten geben. Tie Zollgsetzgebung hat die Armen ärmer, die Reichen reicher gemacht. Tie Tiffercnzierung zwischen Lehrer und mittleren Beamten ist schädlich. Tic Lehrer sollten eigentlich Staatsbeamte an erster Stelle fein. Nichts ist gefährlicher, wenn der Lehrer in seiner Berufsfreudigkeit herabgedrückt wird. In Bezug auf die Lehrer ist die Vorlage unter allen Umständen nicht akzeptabel. Zunächst macht die Vorlage einen sehr sozialen .Eindruck. Wenn man sie aber genauer betrachtet, dann stellt es sich heraus, daß man unten nur etwa 10 Mark, oben aber etwa 100 Mark monatlich mehr gibt. Tie Minister kriegen wieder das meiste. Ich hatte das Gefühl, dast das Ministerium hätte ausscheiden müssen. Ich bin aber auch enttäuscht, daß man mit der Beamtenbesoldung auch die Erhöhung der Zivilliste verquickt hat. So wie die Vorlage ist, werden wir sie nicht akzeptieren. Tie Vorlage hat dem monarchischen Gedanken feinen Dienst geleistet, das sage ich als Republikaner. Tas Mantelgesetz macht den Eindruck, als ob man auch die Zivil liste mit durck>- drücken wollte.
Betrachte ich mir die Frage der Teckung, so bin ich eigentlich noch unzufriedener. Eine Belastung der Massen lehne ich schlankweg ab. Tas Existenzminimum muß unter allen Umständen frei von der Erhöhung bleiben. Eine Progression der Vermögenssteuer muß einlreteu. Meinetwegen sollen Vermögen dis 10 000 Mark frei von der Erhöhung bleiben. Ter Antrag des :<Mbg. Molthan auf Freilassung der niederen Einkommen findet unsere Zustimmung. Es überkommt mich ein Grauen, wenn ich sehe, dast die Herren vom grünen Tisch sich an das Stempelgesetz machen. Tann suchen sie immer etwas aus der Masse heraus- zuholen. Tie Feuerversicherung zu besteuern ist falsch. Ter Wille, sich zu versichern, ist nur schwach. Man müßte zu einerjtaat= lichen Mobilarversicherung kommen. Ter Stempel für die Feuerversicherung ist eine unmoderne Gesetzgebung. Ich hoffe, daß niemand auch hier für einen solchen Stempel ist. Hoffentlich auch nicht die Nationalliberalen.
Bei einer Belastung der Städte für die Kosten der höheren Schulen kommen die kleinen Städte prozentual schlechte weg als die großen. Wir könnten einen besonderen Ausschuß mit der Prüfung der Vorlage betrauen. Ich stelle also fest: eine este Regelung der Beamtenbesoldung.
Nach der Pause spricht der
Abg. Bach (Natl.): Eine berufsfreudige und tüchtige Beamtenschaft ist wichtig für das Wohl des Staates. Eine Spar- f am feit auf diesem Gebiete erfolgt zum Schaden der Gesamtheit. Nicht die schlechtesten Kräfte sind abgewandert. Tic Aufbesserung der Beamten kommt auch dem Mitielstande wieder zugute, da die ftauffraü der Beamten gestärkt wird. Schon die Geheimnistuerei ließ nichts gutes erwarten. Tas ist denn auch eingetroffen. Tie Vorlage befriedigt in feiner Weise. Ich könnte mich auch mit der Teuerungszulage einverstanden erklären, aber wenn nicht nur der kleine Betrag von etwa 1 Million dazu verwendet würde, sondern der Betrag, der heute in der Vorlage vorgesehen ist. Ferner müßte die Teuerungszulage pensionsfähig gemacht werden.
Auf die Teckungsvorlage will ich nicht eingehen, das ist hier bereits ausführlich geschehen.
WaS die Lehrergehälter anbelangt, so steht Hessen nach der peuen Vorlage keineswegs, wie der Herr Finanzminister sagte, an der Spitze aller Staaten. Ter Redner bespricht dann die Gehälter in anderen Bundesstaaten, insbesondere in Preußen. Tie Gleichstellung der Lehrer mit den Mittleren Beamten ist eine Forderung der Selbstachtung. Sämt- jidje Parteien des Hauses haben es ja anerkannt, und ich hoffe, patz auch die Regierung das einsehen wird. Ter Gesamtzuschlag fei dem Höchstgehalt beträgt 9.71 bei den Lehrern, bei den mittleren Beamten dagegen 22 Prozent. Man hat uns Lehrer von den nittleren Beamten entfernt.
Damit i|t die Debatte über die Beamtenbesoldungsordnung geschlossen.
Punkt 2 der Tagesordnung: Summarische Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Giofchcrzoglichcn Landeskreditkasse in der Finanzperiode 1906 und 1907.
Diese Vorlage wird ohne Aussprache angenommen.
Zu Punkt 3, die Wahl des Aba. Auler-Bensheim, spricht der
Abg. Grünewald (Fortschr. Vp.), der für die U n g ü 11 i g- keitserklärung der Wahl cintritt. Ter Redner begründet seinen Standpunkt damit, daß zwei Wähler int Wahllokal Zettel Don einem Polizeidiener erhalten hätten, und daß ein dritter Zettel mit unterHrichenem Namen abgegeben wurde. Die Hammer müsse darüber zu einem Beschluß kommen.
>lbg. Eißnert (Soz.) will die Wahl in einem Orte für ungültig erklärt haben, weil ein Polizeidiener die Wahl kontrolliert habe.
Bei der 2lbstinnniing wird die Wahl des Abg. Auler gegen die Stimmen der Fortschrittler und Sozialdemokraten für gültig erklärt.
^unTt 4: SBoIji des Abg. Schott. Dazu spricht der
Abg. Rch türortidir. Vp): T*r total ungenüg ericht veranlaßt uns, bte Wahl an den Ausschuß zurück zu . , J® r ü n ewa 1 d zur Geichäftsordiiung: I oob der Abg. Molthan bei den Aiisführungen mei Reh das Wort ^Frechheit" gebraucht hat.
Präsident 'SÄmitt: Ich werde aus dem Stei i feil- stellen lasten, ob dieser Ausdruck gefallen ist.
Abg. Dr Osann (9ttl.): Tie Abg. Grünewald und Eißnert Ausschusses und haben sich ebenfalls für die Gültigkeit der Wahl erklärt.
o 11 bau Ztr. Es ist gesagt worden, daß wir uu/ aus Partciimckiickuen bte Wahl für gültig erklärt haben. tl~r']2l^u ;l' bea ^Ausdruck „Frechheit" zu gebraud>cn
Aa,,n td) öen *lb9- Molthan zur r o n u n g.
„.Abg. Grünewald bestreitet, sich an der Abstimmung beteiligt zu haben. “
Abg. Tr. Ojann NU.): Abg. Eißnert hat sich aber der Stimme md-t enthalten, und wir schließen uns dann dem Aba Elkuert an. -Grotzc Heiterkeit links;
W- Ulrich (Svz.) tritt für Zurückverweisung der Wahi ein.
Jlbg. v. Brentano 3tr. bittet die Sads nicht .um zuverweiien, londern dem 'äcnducmatter Geieaenb i ,lir flanmg zu geben.
'Jlbg. Rch (Fortschr. Bp.- betont itodamals die Dürftigkeii
tiere, unbeö
des Berichtes. Es geht dock nick: an, bar, die Üliajorität hier auf gründ eines so mangelhaften Berichtes abstimmt.
Abg.'B'ä hr lBbdZ als Berichterstatter: Alles was notwendig ist, steht in dem Bericht enthalten. Es hat sich niemand der Abstimmung enthalten.
Abg. Eißnert So; : Ick verstehe nicht, wie der Abg. Bahr behaupten kann, es habe sich niemand der Abstimmung enthalten.
Abg. Grünewald Fortschr. Vp.) legt nochmals kurz dar, wie er sich der Abstimmung enthalten habe.
Abg. Reh Fortschr. Vo. : Was in dem Bericht als geistige Arbeir des Abg. Bähr enthalten ist, umfaßt etwa 3 Druckseiten.
Abg. Bähr Bbd.» verteidigt nochmals seinen Bericht, der von allen Ausschuß Mitgliedern giltgeheißen wurde.
Abg. v. 'Brentano Ztr >: Ter Ausschuß hat das Protokoll geprüft, und ich glaube dem Abg. Bähr ebenso gut wie dem Abg. Grünewald.
Abg. W ol s- Gonsenheim Fortschr Vv): Es fehlen die Punkte in dem Protokoll, die der Ausschuß für unwichtig erklärt hat. Es fehlt die Begründung dafür.
Abg. Eißnert Soz.): Es ist richtig, daß ich dafür gestimmt Ijabc, aber erst in der dritten Sitzung. Tas Protokoll wird den Ausschußmitgliedern nicht vorgelesen, deshalb können auch keine ftorrefrureit daran vorgenommen werden.
Es svrechen ferner die Abg. Adelung Soz), Lang Ntl.).
Präsident Schmitt: Aus dem Stenogramm ersehe ich, daß die Ausdrücke des Abg. Reh zwar scharf sind, sie geben aber nicht das Recht, sie als Frechheit zu bezeichnen.
Abg. Molthan Ztr.): Ick nehme meinen Ausdruck zurück.
Die Abstimmung ergibt, daß die Wahl Schott gegen die Stimmen der Fortschrittlermnd Sozialdemokraten für gültig erklärt wird.
Damit ist die Sitzung um 1 $2 Uhr geschlossen.
Tie Kammer vertagt sich auf unbestimmte Zeit.
In der Sitzung vom Mittwoch hatte Staatsminister Dr. Ewald noch ausgeführt:
Aus den Ausführungen des Abg. Molthan glaube ich auf die Geneigtheit seiner Parteifreunde schließen zu dürfen, auf den Boden der Vorlage — Abänderungen im Einzelnen Vorbehalten — zu treten, daß die Vorlage als Grundlage für eine organische Befoldungsordnung geeignet ist. Er hat aber die Geneigtheit abhängig gemacht von einer bestimmten Erklärung unsererseits, in welcher Frist die Regierung eventuell eine Vorlage zur organischen Besoldungsreform einzudringeu gedenkt. Ich bin heute schon in der Lage, eine Erklärung dahin abzugeben, daß, falls es gelingt, zwischen Regierung und Finanzausschuß eine Einigkeit darüber zu erzielen, welcher Betrag für die Ausgleichung der Unstimmigkeiten zwischen der heutigen Vorlage und der organischen Besoldungsreform verwendet werden darf, und welche Quellen für die Teckung hierfür zur Verfügung stehen, die Regierung in der Lage ist, noch im Lause dieses Etatsjahres die gewünschte Vorlage einzu- bringen. (Lebhaftes Bravo.)
Aus Statt und Laut.
Gießen, 10. Mai 1912.
L.-U. Tic letzte Immatrikulation für das Sommersemester 1912 findet am Samstag, den 11. d. M., mittags 12 Uhr in dem Universitätsgebäudc statt. — Dem Lehramtsassessor Tr. Albert Peppler in Gießen, geboren zu Grünberg in Hessen, wurde am 8. d. Mts. die venia legendi bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversität für das Fach der Meteorologie erteilt. Als Habilitationsschrift reichte er ein „Aerologische Studien über Zyklonen und Antizyklonen".
** Die gestrige Sitzung der Stadtverordnetenversammlung müßte wegen Beschluß - unfähigkeit ausfallen, ein Fall, der in den letzten 20 Jahren nicht vorgekommcn sein soll. Die neue Städteordnung schreibt vor, daß zu Beginn der Sitzung mehr als die Hälfte der gesetzlichen Zahl der Stadtverordneten anwesend sein muß Ta die Zahl der Stadtverordneten in Gießen zurzeit 34 ist, hätten 18 anwesend sein müssen. Aber trotz allen Wartens und ungeachtet aller Bemühungen, noch einige Stadtvätcr herbeizurufen, kam man lange Zeil nicht über die Zahl 16 hinaus und als kurz vor 5 Uhr Stadtv. Orbig als 17. erschien, mußte man die Hornung aufgcben, eine beschlußfähige Versammlung zu erhalten. Tie nächste Sitzung soll am Freitag nach Himmelfahrt statt- finden. Die Beschlußunsähigkeit der Versammlung ist dadurch entstanden, daß eine Anzahl Stadtverordnete verreist war oder krank ist, namentlich aber auch dadurch, daß an der gesetzlichen Zahl zurzeit vier Stadtväter fehlen. — Da wir sonst stets im Sitzungsbericht verzeichnen, iver an den Verhandlungen teilnahm, sollen auch bei der nicht zustande gekommenen Sitzung die Namen der anwesenden Versammlungsmitglieder genannt werden. Anwesend waren: Oberbürgermeister Mecum, Beigeordneter Keller, Beigeordneter Emmclius; Stadtverordnete: Tr. Ebel, Eichenauer, Friedberger, Habenicht, Tr. Habertoru, Heichelheim, Iann, Loder, Orbig, Petri, Plank, Schafsstaedt, Tr. Sommer, Vetters, Wallenfels Tr. Wimmenauer, Winn.
Gießener Volks bad. Im April wurden 9146 Bäder verabreicht gegen 9859 im März 1912 und 9038 im April 1911 oder im Durchschnitt täglich 305 Bäder gegen 318 im März 1912 und 302 im April 1911. Ter Besuch im einzelnen verteilte sich wie folgt:
Schwimmbad: 3558 Männer, darunter 1025 zu 10 Pfg., . 976 Frauen, , 263 , 10
Wannenbäder 1. Klasse 264 Männer, 81 Frauen, . 2. „ 711 , 503
Brausebader 1. Klasse 1023 Männer, 334 Frauen, , , 2. , 1131 , 406
Heißluft- u. Dampfbäder, sowie Massage zus. 127'Männer, 32 Frauen -tie Personenwage wurde von 250 Personen benutzt und das Bad von 3 Personen besichtigt.
Teurer Prozeß. Zu der unter dieser Spitzmarke erschienenen Notiz teilen uns die Anwälte der Stadt (Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch, R.-A. Engisch und R.-A. Arnold) mit, daß bic normalen Prozeßkosten etwa 2000 Mk. (nicht 20000 Mk.) betragen. Dazu könnten für den Kläger aller- höchstenS noch 1000 Mk. für private Gutachten usw. kommen.
.** Warnung. Seit einigen Jahren wird in .Hessen ein schwunghafter Handel mit sogenannten Biehpulvern und ähnlichen Geheimmitteln (Freß-, Mast-, >rrast , Milchpulver und dergleichen) betrieben. Dies muß aber als ein bie Interessen des Bauernstandes in hohem Grade fdjäbi* genber Uevelftand bezeichnet werden. Eine marktschreierische und wahrheuswidrige Reklame, mit der solche Mittel angepriejen werden, ist daraus berechnet und geeignet, die Landwirte irre zu führen und sie zu veranlassen, Mittel zu kaufen, deren Wert und Wirkung in gar keinem Vcr- haltnisse stehen zu den dafür gezahlten Preisen. Ta die ul Betracht kommenden Mittel vielfach als Heilmittel gegen ■aerfranffteiten angepriesen und vertrieben werben, kann bie? leicht die bedenkliche Folge haben, daß deren Auwen- düng die sachgemäße und rechtzeitige Behandlung der cr- tramien -ricii verzögert ober ücrimibcrt. Tie Lanbwirte meroen deshalb vor oeni Ankauf dieser Gehei in mittel gc-
« om m e rh l tze u n d S terbl ichteit. In Fach- erwartet man auch dieses Jahr einen heißen v"0erbUwe v-inflm, bei Sommerhitze aus ben .Gesundheitszustand der cauflimge ijt bekannt.' Trotz
von 5000 Mk., die Gewerbe Akademie
bet i«
als
Ueberschuß von 18 000 Mk. Für die Volks- u. Fortbildungsschule stehen in Ausgabe 67 390 Mk. Die Schillerschule erfordert einen Zuschuß
genommen war, indem sie eine Ucbendiulbung von mehr 1 ÖOO 000 Mark ergeben bai Bei oicicr Sachlage gilt es ausgeschlossen, daß viele Mitglieder die Haftsummen aufbringni to.inen. Wenn bic Regierung nicht hclsenb eingreift, in an Massenkonkurs Der Bewohner des Modautales unvermeidlich. Ern
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 9. Mai. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten beschäftigte sich hauptsächlich mit der Ablegung der Rechnung von 1910 und der Beratung des Voranschlags 1912. Die Rechnung 1910 hat eine Vorprüfung durch- den Finanzausschuß erfahren und ergibt in Einnahme 755 376 Mk., in Ausgabe 614 433 Mk., -so daß ein ftaffenüorrat von 110 943 Mk. verbleibt. In den Ausgaben find 61 356 Mk. für erworbenes Gelände einbegriffen. Das Kapitalvermögen beträgt 700 000 Mk., so daß nach dessen Abzug von den Gesamtschulben 1 534882 Mk. eine Gesamtschulb der Stabt von 800 000 Mk. verbleibt. Die Finanzlage ber Stabt ist somit außerorbentlich günstig, was hauptsächlich ber vorsichtigen unb weitaussclfauenben Finanzführung bes Bürgermeisters zu banken ist. Auf Gruub bieser günstigen Lage konnte ber Voranschlag 1912 trotz erhöhter Ausgaben für Beamtenbesolbung und der vorgesehenen Bauten und Verbesserungen mit dem seit» herigen Steuerausschlag von 102 Proz. aufgestellt werden. Der Voranschlag 1912 schließt mit 925 780 Mk. ab, der des Gaswerks mit 194 296 Mk., des Wasserwerks mit 78877 Mk., der Schillerschule mit 25 341 Mk. Die hauptsächlichsten Titel sind eingestellt Lichlwerk mit einem (rin- nahme-Ueberschuß von 39 050 Mk., Wasserwerk mit einem
Starkenburg und "Rheinhessen.
h- Darmstadt, 9. Mai. Die Konkursbilanz zuiammengebrocdcnen Spar u no Kreditvereins N i e D e l M o D a u HÜ weit u n g ü n ü ig c r als ursprünglich
Landwirt manne geilem ।einem Leben geroaltiam ein Ende, er bic mebcrjchmcttervdi: Nachricht erfridu
2bi Ä"xzi zu tni
einen solchen von 19 000 Mk., worin jeboch 5000 Mk. Tilgung unb 1062 Mk. Verzinsung eingeschlossen sind. Sie wirb zurzeit von 160 Stubierenben besucht. Gymnasium unb Realschule müssen mit einem Zuschuß von 11814 8RL, die Obst- und Landw. Winterschule mit 2700 Mk., die Hanbwerkerschule mit 1064 Mk., bie kausm. Fortbilbungs- schule mit 300 Mk., bie Kleintinberschule mit 2737 Mk. unterstützt werben. Für gemeinnützige Zwecke werben 5818 unb für öffentliche Anlagen 6500 eingestellt. Die Straßenbeleuchtung erforbert 11 700 Mk., bie Feuer-« wehr 1303 Mk., bte Polizei 27 803 Mk. Die allgemeine L Verwaltung steht in Einnahme mit 11423 Mk., in Aus- I gäbe mit 50903 Mk. Das Einkommenfteuerkapital hat । sich seit bein Vorjahr um 10000 Mk. gehoben. An ftäbti- i schen Gcbäuben sind vorgesehen die Erbauung eines itrema- i toriums mit 48000 Mk., wozu bas Kapital von dem Der- i storbenen Rentner Karl Leonhardt gestiftet wurde, Eichamt I mit 67 000 Mk., Umbau der städtischen Pferdeställe zu einer 1 Feuerwehrstation und Volkslesehalle mit Museum Fewner D wurde die Anstellung eines Stadtgärtners beschlossen.
-^ Bad-Nauheim, 9. Mai. Nächsten Samstag, 11. Mat, findet im Konzenhaus ein Konzert zum B c ft c n der Deutschen Vereine vom R o i e n K re u z statt Außer der Kurkapclle unter Leitung des Proiefsors Hans Wind er stein wirkt eine der bedeutendsten Altistinnen unserer Zett, Fräulein Tilly Koenen aus dem Haag mit, eine Sängerin, deren Ruhm wert verbreitet ift und die durch prächtige Stimmtttel, hohe technische Kunst, Intelligenz unb starkes Enrpfinben bie Zuhörer entzückt und de- geistert. Die „Deutsche Zeitung", Berlin, schreibt von ihr: „Eine so wunderbare Stimme ist selten gehört worden. Nun vereinigt Tilly Koenen damit großes Können, einen vollendeten Geschmack und tiefe Empfindung. Hier haben wir eine der wenigen Auscrwählten vor uns." Als ztocite Solistin des Abende fungiert eine jugendliche Geigerin, Agnes Rozgonyi aus Budapest, von der die „Leipziger Zeitung" schreibt: „Gleich mit Dem Mendclsohn-Konzert machte Die 15 jährige Kunstfungcrin Furore In der Bravour, int Vortrag, in der enormen Sicherheil ihres Auflretens ragt sre hoch über ihr Alter hinaus. Wichtiger als ihre Technik Dünkt uns Die natürliche Innigkeit und Wärme, mir der sie eine Kantilene spielt, überhaupt die ganze gesunde Art, wie sie musikalisch denkt und fühlt. Darin liegt unseras Erachtens mehr Garantie für ihren musikalischen Beruf, als in ihrem lechnifchen Können, das fchon fetzt hohe Ansprüche befriedigt um»." Proieffor Winderstetn hat ein Programm zu- lammengeftcllt. Das den Abend zu einem Genuß gestalten wird rote er sich nicht oft bietet.
r^;<n 5 beim hat r^echuh'nach--' ...qtciraitammert ■ Monaten itiüen waren von t
SW Mexiko * zuadalaiara ^cnur.tii, die dteMte ■ytiute wurden beichaMi ^ch^MlermeldiM! Witt -ladt Z a p. flötet wurden. IN ' getötet md 7hck---rusbru<t □
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ber groß "i 5 b.-: /ovigcri Sommers sind von ben Säug»
lingen, bic regelmäßig an die ärztlichen Muttcrberatuny». stellen gebracht wurden, nur verhältnismäßig ir»cni Ser Hitze und ihren Folgen erlegen In Darmstadt und Mainz, wo die Mehrzahl ber Mütter bic Beratungsstellen besuchen, ist dieses günstige Ergebnis besonders hervorgetreten Dort war bic Sterblichkeit geringer als im Durchschnitt der kühlen Vorjahre. Ta fetzt 45 ärztliche Beratungsstellen in Hessen bestehen, so kann ben Müttern nur bringend geraten werden, diese zu besuchen. Wie bekannt, ist diese Einrichtung so wenig eine Sache ber Armenunterstützung wie ber Schularzt ober die Unfallversicherung. Befolgt die Mutter bic Ratschläge bes Arztes ber Beratungsstelle, bann wirb sie auch bei großer Hitze ihr gesund geborenes Kind durch den heißen Sommer bringen. ES ist viel leichter, ein Kind vor Krankheit und besonders vor ben gefährlichen Berbauungsstörungen zu bewahren, als es, wenn es bereits erkrankt ist, zu heilen. — Der Erkrankung vorzubeugen, vr ber Hauvtzweck ber ärztlichen Beratungsstellen ber Zentrale für Mutter- unb Säuglingsfürsorge, bic jetzt in fast allen Gemeinden mit mehr als 3000 Einwohnern bestehen. Auch in den kleineren Landgemeinden werden bald ähnliche Einrichtungen getroffen fein ober sind es bereits. Ter Ertrag der Postkartenwoche ber Großherzogin wirb dazu verwandt.
** I n Amerika verstorbene Hessen. Äg. Bdii Kramer, 69 Jahre alt, aus Ballhausen, in Bucyrus. Chi?: Frau Ella Simon, geb. Simon, 35 Jahre alt, aus Buybad'. in Neuyork: Elise Stelz, 73 Jahre alt, aus Leidhcckcn, in Neuyork: Ivf. Katz, 65 Jahre alt, aus Langgöns, in Neuyork.
Kreis Büdingen.
-- Nidda, 9 Mai Der Stadt Nidda wurde heute von dem Buchdruckereibesitzer und Herausgeber des „Niddaer Anzeigers" Ludwig Cloos zu Nidda eine außerordentlich wertvolle Schenkung zugewiescn. Die Spende besteht in einer größeren Anzahl zum Teil sehr alter, aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert stammenden Land - gräflich Hessischer Dokumente, die für die Stadt von sehr hohem geschichtlichen Wert sind. Dem uneia i- nützigen Geber wurde von der Stadt Nidda öffentliche- Dank ausgefprochen.
Kreis Schotten.
A W i 11 c l i c c m e n, 9 Mai In unserem Orte hielt dic'cr Tage Pfarrer Rieder seinen Giiuug Pf'arrer Rieder flammt aus Bayern, er war längere Jahre ratholifdfcr Priester, trat bann ?um Prorestanrismus über und studierte eoangclu'che Thealogic Er wirkte dann als evangelischer Geistlicher in Messel unb Klein Linden.'
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