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9.3.1912 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

162. Jahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten.

M. 59 ctrncs Blatt 162. Jahrgang Samstag, 9. März 1912

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SKi-s7 General-Anzeiger für Vberhessen SsfeES

^"^"za^Nnmmner Rotationsdruck und Verlag der vrütft'schen Univ.'vuch- und Stcinöruderei H. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. gand^.'E.Hcß:'üii "en dl» oormillaqs !' Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Sefchästsftelle vahnhofstrahe 16a. Anzeigenteil: p. 2'eck.

politische Wochenschau.

Gießen, 9. März.

Die gestrige Reichstagspräsibentcntwahl hat der bangen Ungewißheit und der Sorge vor neuen Krisen ein Ende Ecmacht. Ter Genosse Scheibemann, der nach dein Be hlusse seiner Fraktion nicht in allen Lagen die mit mein Amte verknüpften üblichen Funktionen ausübcn sollte, ist aus dem Präsidium wieder hinausgewählt »vor tcn. Tie Linke aber ist von dem Ergebnis dennoch bc ftikdigt, denn dieses hat gezeigt, daß es eine unbedingte .schwarzblaue Mehrheit" nicht mehr gibt, falls grundsän- l d>e Entscheidungen in Rede stehen. Freilich bedeutet die eine Stimme Mehrheit bei der Wiederwahl des Herrn tampf nicht viel. Man darf nicht vergessen, daß die Präsi­dentenwahl in der Hauptsache nur eine Formsache war. tommen nun die materiellen politischen Entscheidungen, so ist diese Mehrheit kaum ein untrennbares Ganze. Gleich- wohl hat die Linke keineswegs Grund zu klagen. Tenn wenn auch die Regierung nach den Worten des Kanzlers nicht daran denkt, ihre Politik neu zu orientieren: das Zen­trum wird es tun! Die vorgestrige Entscheidung im Ge- schäftsordnungsausschuß des Reichstags ist schon ein Be ireis dafür. TaS Zentrum hat, unter bent verzweifelten Liderstand des konservativen Redners, mit der Linken ge­stimmt, und für die Zukunft lvird der Reichstag in der Lage sein, die Politik des Reichskanzlers in einer bestimmten rache ,,zu billigen", odernicht zu billigen". Tas ist immerhin ein Fortschritt im liberalen Sinne, denn Herr I Bethmann-Hollweg ist sicherlich kein Bismarck, und wenn Hine schwankende und schwache Politik hin und lvicber ,'mmalnicht gebilligt" wird, so ist das kein Schaben für )rs Reich. Bei der gestrigen Wahl der beiden Vizepräsi­denten mußten die Konservativen wieder einmal in den -aucrcn Apfel beißen: wollten sie in Gemeinschaft mit Zentrum die Wahl eines Sozialdemokraten hindern, io mußten sie wohl oder übel für die liberalen Kandidaten itimmen: Dr. Paasche und Tove haben wie Tr Kämpf Die Wahl angenommen. Das Ergebnis der Wahl wird auch in vielen Kreisen insofern mit Genugtuung begrüßt werben, als bic beiben fortschrittlichen Herren, bie in schwieriger Lage in bic Bresche traten, schon eine An- rfennung verbient haben.

Zwei interessante Strafprozesse haben seit einiger Zeit sehr stark bic Lesscntlichlcit beschäftigt. Beibe führten in ein eigenartiges Milieu, und die gerichtlichen Feststellungen, tie einen Umkreis realer Menschenschicksalc an daS Dages­icht förderten, erwecken in allen Zeilunaslcsern einen leb- iflften Widerhall. In dem einen der beiden Prozesse ist liftern das Urteil veröffentlicht worden. In ihm handelte £ sich um das schwerere Verbrechen, und eine ganze Reihe ii n ft er Fragen Hingt uns entgegen, weil der Schauplatz Keses Verbrechensdes Klosters friedliche Zelle" war und )ic Angellagten und jetzt Verurteilten das Kleid des ßriefterd tragen. Es ist gar kein Zweifel, daß die vom -lerichtshof in Petrikau gefällten sieben Schulbtgsprüche das ! Unheil, wie es im Klöster FaSna Gora bei Ezcnstochau oucherte, in seiner ganzen Größe nicht treffen. Der 9tuhm es alten Wallfahrtsortes ist dahin, seine priesterlichen Fn- ' lassen mangelten wirklich alle des Ruhms, den sie vor Mt haben sollten. Denn sie haben geheuchelt und ver- wscht: das Schlechte in ihrer Mitte geduldet und womöglich loch gefördert. Von dem Dodschläger Tamaev Macoch ist s mindestens bekannt gewesen, daß er einen sehr unheiligen Kbenswandel führte, sich regelmäßig betrank und Lieb haften unterhielt. Dennoch durfte er Messen lesen, heilige

Handlungen leisten. Unter seinen Amtsbrüderti hatte er Gesinnungsgenossen, die gleich ihm betrogen und unter schlugen, denen der Kirchenraub zur täglidfen Gewohnheit geworden war Solche Zustände sollten dem Auge des Cbcrcn, des Priors, verborgen geblieben fein? Entweder hat er aus Schwäche und Gleichgültigkeit den Sckimutz ge duldet ober gar selbst aus ben Verbrechen Vorteil gezogen Die unmittelbar Beteiligten aber, bic an das Licht des Gesetzes gezogen werben tonnten, sind mit verhältnismäßig gnädigen Strafen linweggelommen. Tie gerichtliche Vcr Handlung konnte offenbar nur einen Bruchteil ihrer Ver schlungen bloßlegen. Hinter den Klostermauern liegen noch düstere Geheimnisse verborgen. Wer weiß es, ob der zu 12 Fahren Zwangsarbeit verurteilte Hauptschuldige Da mach Macoch ein Dodschläger oder ein Mörder i|t? Es lagen Anzeichen für beide Auffassungen vor, und das Ge­richt mußte sich für die mildere Annahme entschließen, die dem Geständnis des Verbrechers entsprach.

Daß auch ein Priester auf die Bahn des Lasters geraten kann, ist eine Erfahrung, die wir längst besitzen und keine Verwunderung mehr erregen kann. Fm Kloster zu Ezen stochau aber hat das Verbrechen wie eine Seuche wirken können. Schiller würde heute nicht mehr sagen, daß dem im Kloster wohl Gebetteten nichtder Leidenschaft Wilde Gewalt" erschcincii könnte. Nur das eigne G.'wisseii, die Menschlichkeit, die in uns wohnt, kann uns vor Schandtaten behüten. Wer aus der stürmischen Lebenswelle flüchtet, der entgeht wohl manchen Versuchungen, wird aber nicht besser davon. Darnach Macoch tat sich etwas darauf zu gute, seinem sterbenden Vetter, dem er ben löblichen Schlag versetzt hatte, noch bic Llbsolution erteilt zu haben, dam.t er nicht süubenbeflcckt von hinnen gehe. Er beichtete bann auch feinen Morb. Wohnen Lüberlichkeit unb Gläu­bigkeit so nahe beicinanber? Durste ber Gehorsam ber Klosterbiener bie Stimme ihres Gewissens ersticken? Tic Pflege bes Guten ist wie die Sorge um eine zarte Pflanze. Regiert und düngt inan sie zu viel, so gehl sie leicht zu Grunde. Die Moral gedeiht auch nicht vorzugsweise in ber Eingepferchtheit. Sie muß Weltern unb Stürmen stand haltet,. Im Konflikt erst mit Gefahren unb Anfechtungen bewährt sich ber sittliche Mensch.

Ter anbere Strafprozeß ist noch nicht zu Enbe, aber das moralische Urteil, auf bas es hier hauptsächlich anfommt, kann man schon formulieren. Gras Metternich unb sein Mitangeklagter Buies werben voraussichtlich gesetzlichen Strafen entgehen, zum minbesten wirb dies beim Grafen Metternich ber Fall fein, ba bic Beweisaufnahme nichts ergeben hat, lvas ihn als Falschspieler stempelte Ter Abenteurer Buies freilich, ber im Bunbe mit Falschspie­lern unb unter Fälschung seines Namens sich auffällig an bie vornehme Welt hcranbrückte, ist höchst verbächtig. Beibe Angeklagte aber haben in ihrer Weltanschauung viel Aehnlichkeit.Die Welt will betrogen sein", sagt ber eine; ber nnbcrc, mit dem besseren Namen, stürmt gleichfalls, tnittellos, ins Leben wild hinaus unb unternimmt bic ge­wagtesten Kniffe, ohne sich aber über bas Wesen seines Hanbelns genau Rechenschaft abzulegen. Bei ihm ist bie Grenzlinie zwischen Betrug unb fabelhafter Gleichgültig­keit schwer zu ziehen. In ihm räckzen sich auch bie Ge­pflogenheiten einer gewissen Klasse ber menschlichen Ge­sellschaft. Verwöhnte Söhne ausguten" Familien miß­achten ehrliche Arbeit unb bürgerliche Berufe: nach bem finanziellen Ruin werben sie erst rechte Glücksritter. Was sie als Besitzenbe für nobel hielten, sollen sie als Habenichtse verwerfen? Tas ^piel, ber Pump, bic reiche Heirat, bas sind Tinge, bie unterKavalieren" in vollem Ansehen stehen. Ten Zusammenbruch einer solchen Scheinexistenz zeigt uns ber Prozeß Metternich! Dieser sogenannte Aristokrat hat ben letzten Funken natürlicher Sck)am ver­

loren Noch heute pocht er auf feinen Namen, auf die Gewohnheiten feiner Klasse. Er ist wirklich ein Menetekel [ür diese! Es ist hohe Zeit, baß auch in benauserwählten" Bernsen ber Diplomatie unb bes Heeresdienstes nur der Tüchtige etwas gilt, bic Persönlichkeit, nicht ber hohle Fant, ber nur auf feinen Namen, seinen Gelbsack unb bic oben genannten Kavalier-Eigensckwsten sich stützt. Unb ui der menschlichen Eksellsckwst werben nod) zu viele Falsch­spieler gcbiilbct unb sogar geehrt, Falschspieler, bic nicht mit Karten unb Würfeln, aber mit leerem Flimmer und anmaßenbem Dünkel die Gesellsck-ast betrügen unb erniedrigen

Der Kaifer in Bremen.

Bremen, 8. März. Ter Kaiser traf in Begleitung bes Prinzen Heinrich von Preußen mit Gefolge in Auto­mobilen, von Kuxhaven kommenb, um 12*/< Uhr vor dem Verwaltungsgebäube bes N o r b b c u t s ch e n L l o h b s ein, wo er von dem präsidierenden Bürgermeister Stabt- länder unb bem Prüftbentcn bes Aufsichtsrats bes Norb- beutschen Llopb Konsul A ch e l i s unb Direktor Heineken empfangen würbe. Nach etwa cinftünbigcr Anwesenheit im Berwaltungsgebäube bes Norbbeutschen Llopd würbe bic Fahrt zum Ratskeller fortgesetzt. Vor bem Rats­keller würben bem Kaiser zahlreiche Blumensträuße über­reicht, unter anberen von ber Frau Konsul Gerbcs, mit ber sich ber Kaiser mehrere Minuten lang unterhielt. Die Straßen, burch bic ber Kaiser fuhr, waren mit F-ahnen. reich geschmückt Das Publilunt bereitete bem Kaiser allent­halben lebhafte Ovationen. Fm Ratskeller hatte sich ein außerordentlich zahlreiches Publikum eingefunben, das ben Kaiser mit Hurrarufen empfing.

Ter Kaiser verweilte bis 3 Uhr 10 Min im Ratskeller. Beim Verlassen bes Ratskellers würben wieberum herzliche CNationen bargebrarht. Fm Automobil bes Kaisers nahm Bürgermeister Stabtlänber Platz. Auf dem Bahnsteige ver- abschicbetc sich der Kaiser auf das Herzlichste von dem Bürgermeister. Tic Abfahrt erfolgte 3 Uhr 19 Min Der Kaiser wirb um 9 Uhr 45 Min. auf bem Lehrter Bahnhof in Berlin eintreffen.

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Aus den Reichstagsausschüffen.

Ter Budgetausfchuh verhanbelte nur eine Stnnbe unb brach bann die Sitzung ab. Es fanden nur Abstimmungen statt über die Beamten­entschließungen beim Po st haushalt, und es wurden dabei sämtliche Entschließungen angenommen, so­weit sie nicht inzwischen zurückgezogen worden waren. Fn diesen zum Beschluß erhobenen Entschließungen ersuchen ben Reichskanzler

1. bic Nationalliberalen, geeignete Maßnah­men in Erwägung zu ziehen, burch welche eine gerechte Beseitigung ber in ber Festsetzung ber Bezüge, insbeson­dere des W o h n u n g s g c l d z u s ch u k s e s für bic P o st- unterbeamten in einzelnen Fällen hervorgetretenen Härten unb Unstimmigkeiten bewirkt wirb, und vom Reichstag in einem Nachtragsetat die dafür er­forderlichen Mittel anzufordern:

2. die Sozialdemokraten, amendiert durch einen Zentrumsantrag, eine Revision des Besoldungs­gesetzes in bem Sinne vorzunehmen, baß bic in ber zweiten Lesung ber Besolbungsorbnung vom Reichstage be- fchlossenen Gehaltssätze insbesonbere für Post- sch a f f n e r u n b P o st a s s i st e n t e n burchgeführt werben;

3. bas Zentrum, die ersorberlichen Maßnahmen zu treffen, burch bic a) bic in ber R eichspo st Verwal­tung beschäftigten Personen eine ben örtlichen Lohn- unb Lebensverhältnissen entsprechenbe Bezahlung er­halten, b) bie , nwärter für bie Tchaffnerklasse

Die Entdeckung des Südpols?

Als im Herbst 1909 bie erste Melbung von ber Ent tedung bes Norbpolcs burch bie Presse ging, ba war es iuigermaßen verblüffend, baß gleichzeitig zwei ,vor ckungsreisenbe auf verschiebenen Wegen die Entdeckung x-3 viclqcftlchtcn Poles gemacht haben wollten. ?hin gehen )ie Meldungen von der'Entdeckung bes Sübpolcs durch tie Zeitungen und wieder sind es ^wei For s ch c r, die rollig unabhängig voneinander ben oubpol entbeeft haben ollen. Nun verdienen sowohl Amunbsen, der Nor Deger, als auch Stott, ber Englänber, weit mehrBer Tauen unb Achtung, als bic beiben amcrifanqdfcn Nord Jolcntbcdcr, aber trotzdem wirb man vorläufig fehr vor iciitig sein müssen, da wie man aus ben unten itehenben sDrahtnachrichten ersieht schon eine unb bie anbere Mel üing widerrufen wirb. _ ...

In ben letzten Fahren sind nickt unbedeutende Expüntwnen zui krreickunq des Südpols unternommen worben, -jn nuer n nnerumj steht noch bic deutsche antarktische Expedition unter SrngaBti, bie bon 1901-1903 glc.ckze.ttz M.1 -M-M -N°- .' f)cn, schottischen, schwedischen unb sranzo Nicken iattfanb, demnach eine internationale Aktion bedeutete. Cdjon tanalS hatte Kapitän Roben F. Scott, der in Tage -lr der mutmaßliche Entdecker des Südpol-, gcnantU. wird ine Wiiicbc unb wissenschaftliche Oberleitung der von d^n Engländern -iK-gerüfteten Expedition. Tas günftigltc Embruck-tor zurn ^ud W wirb burch das Roßmeer auf der neu)eelaut>na)cn^citL i.. te dargestellt, das bis etwa 79 Grad vordringt, dann aber mrd) eine 50100 Meter hohe Eismauer abge,chlonen M a.a '-atb zu seinen Seiten ist von Beragwfeln ui Alpenhobe g.kro it trägt heute noch Rauck und Asche aus,wtzendc. VuUane, ein '-oaitigcr Gegensatz zu der im Eise erstarrten Land'chatr.

.. Ter Engländer James R o ß entdeckte dmes tu xn bxe pöolare Ländermasse eingescknittene Meer im x*al rt löd.. * ^ten auch die Engländer bei dein internationalen Uu.termynnn m 19001905 das Vorrecht, ihre Exvedition an diese von der l-üur begünstigte Stelle verlegen zu dunen. Dank der binnen Gunst der Verhältnisse gelang cs den Ewglanb-r Iwo -Tmals, bem Pol am nächsten zu kommen, ^cott drang aus einer

94 tägigen Scklittenrcise bis 82 Grad 17' S vor und betrat damit bie südlichste Stelle, die jemals ein Mensch erreichte. Es zeigte sich, daß die Eismassen dieser Regionen nur wenig Hindernisse bieten. Es dürste viel leichter sein, den Südpol zu erreichen, als den Nordpol, dem glatte, schneebedeckte Eisflächen als Zufahrten mangeln.

Die Nachricht, daß Scott den Südpol erreicht habe oder ihm doch sehr nahe gekommen sei, hat große Wahrscheinlichkeit für sich. Bedauerlicherweise wäre hierdurch der deutschen Exp^' bition unter Oberleutnant Filch n e r, die zurzeit ebenfalls_ ijn Vormarsch nack bem Südpol begriffen ist, der Ruhm der Erst entbeefung streitig gemacht Auch ber neben Scott in den letzten Jagen genannte Roald Amunbsen, ein Norweger, gehört zu den bedeutendsten Polarforschern. Bekannt ist seine G j ö a iahrt im Fahre 1903 04, auf ber er bic jetzige Lage des magm tischen Nordpols unb seine Berschiebungsrichtung neu ermittelte unb zum ersten Male bie nordwestliche Durchfahrt im Norden des amerikanischen KoMinentes mit nur einer unfreiwilligen Uebcrmmtcrung unb demselben Schift ynb derselben Mannichan ausführte. Auck an ber belgischen Südvolarexpedition 1897 98 nahm Ämunbfen teil.

Der Kampf um ben Südpol beginnt schon um 1770.

Wir erhielten folgende Trahtnachrichten:

E b r i ft i a n i a, 8. März. Tie ZeitungenAftenposten" unb Didenstegn ' haben folgende vom 7. März 3 Uhr 40 Min. früh datierte Depesche aus Hobart erhalten:

Amunbsen erreichte ben Südpol zwischen bem 14. und 17. Dezember 1911. An Bord alles wohl

Ehristiania, 8. März. Bei Beginn der Sitzung des Stortbing hielt der Präsident anläßlich des glücklickxn Ausialls der Expedition Amundsens eine Ansprache, in der er ausfübrtc: Wir können die heutige Arbeit nicht beginnen, ohne uns zum Aus brud dankbar er Freude in Bewunderung unb Stolz zu vereinigen, die uns alle bei ber Nachricht erfüllte, daß Roald Amunbsen unb seine Leute den Südpol erreicht unb die norwegische Flagge aufgevflanzt haben. Wir sind stolz in bem Gebauten, daß diese Männer unsere Landsleute sind und den Namen Norwegens mit Glan; bedecken konnten. Ter Präsident bat schließlich um die Ermächtigung, Amundsen folgendes Begrüßungstele­gramm zu senden:

Roald Amundsen. Norwegisches Konsulat. Tagmanion. Tas StonHing erhielt mit Freude bie Nachricht, daß Sie und Ihre

Leute glücklich ben Südpol erreicht und dort bie norwegische Flagge gehißt haben. Das Stortbing jenbet seinen wärmsten Gruß und Tank.

Auch der König, die Regierung und bie Geographische Gesell­schaft haben an Amunbjen Glückwunschtelegramme gesandt. Fn der Börse wurde unter großer Begeisterung ein Hoch auf Amundsen ausgebracht Die Stadt ist mit Flaggen geschmückt.

London, 8. März. Reuter) Aus Hobart wird ge­meldet : Amundsen stellt in Abrede, daß er irgendetwas übet Scott telegraphierte.

D i e Universität Helmstedt? Aus Braun­schweig wird gemeldet: Fn der gestrigen Sitzung derLandes- Versammlung kam die Frage der Wiedererrichtung der Universität Helmstedt zur Sprache. Kultusministcr Wols bemerkte, daß der Wiedererrichtung die schwersten, nicht nur finan­ziellen, sondern auch wissenschaftlichen Bedenken entgegenftänben. Er bedauere, daß die so schönen Bestrebungen nicht realisierbar seien.

Neues vom 11 u 11 u m der Stimme Aus Paris wirb berichtet: Tas von der Pariser Universität in ber Sorbonne geschaffene Museum der Stimme hat bereits ein reiches Arbeits­pensum hinter sich und die erfolgreiche Tätigkeit der letzten Mo­nate führt nun zu einem Ausbau der Mittel, durch die man zu­gunsten späterer Geschlechter Zeugnisse der Sprache unserer Zeit sammelt Ter neue Plan gipfelt darin, sofort mit der phono- graplüschen Aufnahme aller französischen Dialekte zu beginnen Die bretonische Sprache, die baskftche unb das Provencalische können kaum als dialektische 2lbarten des Fran- zösischen gelten, sie finb im Grunde eigene Sprachen, deren Ver­breitung immer mehr zurückgehi und deren unaufhaltsames Schick­sal es ist, über für; oder lang völlig aus dem Gebrauch zu ver­schwinden. Die Sorbonne will jetzt ein Automobil ausrüsten, das mit Phonographen unter ber Führung von Sprachforschern Dorf um Dorf ganz Frankreich bereisen soll. Fn jeder Gemeinde sollen phonograplniche 'Aufnahmen von der Sprachweise der Be­völkerung gemacht werden: die Platten werden dann für bie wissenschaftliche Forschung kommender Zeiten verwahrt. Man hat berechnet, daß diese gründliche Arbeit insgesamt zehn Fahre er­fordern würde: bic jährlichen Kosten dieser phonographischen Expei bition stnd auf rund 100000 Francs veranschlagt.