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9.10.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 238

Der Bwielget

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Erstes Blatt

162. Jahrgang

Mittwoch, 9. Oktober 1912

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderheisen

Rotationsdrud und Verlag der vrühl'fchen Untv.-Vuch- und Steinöruderet R. tanae. RedaMon, Srveditton und Vruderet: Zchulftraße 7.

Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschüfttstelie vahnyofsiratze 16a.

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Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Vie Kriegserklärung Montenegros.

Wir erhielten gestern nachmittag folgende Traht- n a ch r i ch t, die wir sogleich durch Aushang bekannt gaben:

London, 8 Oft. Tas Rruternbe Bureau meldet auS Cetinje: Ter montenegrinische Geschäftsträger Hal hegte vormittag in K o nst an t i n o p e l die Kriegs erklär ung überreicht. Ter mo tenegrinische Geschäftsträger Pla- menatz verläßt heute Konstantinopel em hiesigen ottomanifchen Geschäftsträger Halil Bey find die Pässe zugestellt worden.

Dann liefen noch folgende Bestätigungen ein:

Konstantinopel 8. Oft. Heute mittag überreichte der montenegrinische Geschäftsträger der Pforte eine Note, in der erklärt wird: da die Türkei die Wünsche Montenegros, die Streit­fragen zu schlichten, nicht erfüllen wollte, sieht sich Mon­tenegro gezwungen sich mit den Waffen Gerechtig­keit zu verschaffen. Tie Pässe werden noch heute dem türkischen Beamten in Cetinje zugestellt. Der montenegrinische Geschäftsträger ist bereits abgcreift. Ter Schutz der Montenegriner in der Türkei wurde Rußlanb anvertraut.

Konstantinopel, 8. Oft. Auf Befehl der Regierung hat der montenegrinische Geschäftsträger die Be­ziehungen zur Pforte abgebrochen: er reist mit dem SchissKonstantza". Das Schild an der Gesandtschaft ist entfernt.

Reben der Getreideausfuhr ist nun auch die Ausfuhr von Bohnen, Reis und Futtermitteln aus den europäischen Wilaiets verboten worden. Die an die Franzosen verkauften griechischen Schiffe erhielten die Ermächtigung, die Dardanellen zu passieren.

So wäre denn in der Tat erreicht, was die Diplomatie der Mächte in den letzten Tagen zu verhindern emsig sich mühte: Ter Krieg ist erklärt, und das; just der kleinste der vier kriegslüsternen Baltanstaaten ihn erklärt, richtiger vom Zaune bricht, das ist der .Humor bei der Sache. Wahrschein­lich aber will Montenegro die Großmächte Europas vor ein fait accompli stellen und damit alle Friedensbestrebun- gen illusorisch machen. Der Größenwahnsinn Montenegros hat ja den Balkanfrieden schon wiederholt bedroht. Mobili­sierungen Montenegros sind ja nicht eben etwas neues. Aus letzter Zeit erinnert man sich der kriegerischen Rüstun­gen vom Juli 1911, und erst im August dieses Jahres konn­ten die Kriegsaelüste dieses kleinen Landes eben noch be­schwichtigt werden. 1911 wollte es gegen Oesterreich gar zu Felde ziehen, um die Einverleibung Bosniens.in das eigeneReich" zu erkämpfen. DerErbfeind" aber ist die Türkei. Ihr gilt auch jetzt der Kampf. Es scheint überhaupt, daß die Verleihung der Königswürdc die Eitel­keit Nikitas und seines Volles nocl) erhöht hat.

Einige Angaben über Montenegro, insbesondere seine Hccresmacht, dürften daher heule interessieren. Monte­negro ist zwar territorial gewiß alles weniger als groß, aber seine Berge und Schluchten sind ganz außerordentlich zu einem Guerillakrieg geeignet. Tas Voll ist. ungewöhn­lich tämpfeslustig: Schon in frühester Jugend übt es den Gebrauch der Waffe, so daß ihm eine vorzügliche Kennt­nis auf militärischem Gebiete eignet. Tas ganze Land wird heute aus 250000 Einwohner geschätzt, die Gesamtkopfzahl des montenegrinischen Heeres auf etwa 40000 Mann In­fanterie und 1200 bis 1500 Artillerie. Tas Wehrgesetz vom Jahre 1908 setzt die Wehrpflicht auf die Zeit voni 18. bis 60. Lebensjahre fest und zwar dienen alle waffenfähigen

Männer im Alter von 18 bis 20 Jahren in der Rekruten- Nasse, von 20 bis 51 Jahren im aktiven Heere und von 51 bis 60 Jahren in der Reserve. Tic Ausbildung erfolgt in jährlichen .'dürfen von versästedener Länge. Ten Haupt erwerbszwcig der Montenegriner bildet die Vi.hzucht, indes steht auch diese wie alles übrige in Montenegro, tvie Laird- wirtschaft und Handel auf einer sehr niedrigen Stufe. Von Kultur kann kaum die Rede sein.

Bereits im Jahre 1861/62 hatte Nikita, heute- n i g von Montenegro, einen glücklichen Krieg gegen die Türkei geführt, 1876 am serbischen Kriege sich betei­ligt und 1877/78 am russisch türkischen. Tie Erfolge dieser Kriege fanden in der Erreichung einer Gebietsvergrößeruna und Anerkennung der Unabhängigkeit ihren Ausdruck. Tom genügen diese Zugeständnisse des Berliner Vertrages dem Rikita von heute nicht mehr. Wird die Diplomatie der Großmächte, die jetzt nicht einmal mächtig genug war eine Kriegserklärung Montenegros zu verhindern, die aber schon jetzt erklärt, daß sie eine Veränderung des Statusquo aus dem Balkan niemals zulassen würde, mächtig genug sein, dem Hunger Montenegros nach Macht- und Gebietszuwachs den Garaus zu machen? Im August 1911 hatte das eben neu gebackene Königreich Montenegro ja ebenfalls be­reits kriegerische Geuiste, weil eS die angrenzenden Striche Nordalbaniens zu erwerben wünschte. Seinem Sehnen aber ward Erfüllung nicht: Rußland, das man damals um Unterstützung angegangen war, sagte glatt ab. Ein wei­terer Grund war die Erkenntnis der finanziellen Unmög­lichkeit, Tausende von albanesischen Flüchtlingen, die in Podgoritza und Umgebung monatelang von Montenegro un­terhaltet» worden waren, noch länger zu beherbergen. End­lich zwang die Sorge vor der von Nordalbanien drohenden Cholera, den Degen einzustecken.

Der Größenwahn Montenegros hat ja schon wiederholt die heitersten Situationen geschaffen. Als z. B. seine Maje­stät Nikolaus I. (Nikita), der ja, seitdem er im Jahre 1910 zum Könige der schwarzen Berge sich hatte ausrusen lassen, alle erdenkliche Mühe sich gibt, ein wirklicher König vom Scheitel bis zur Sohle zu sein, in Petersburg die Einrichtung einer diplomatischen Mission Montenegros beantragte, da winkte die russische Regierung höflich ab: nicht so sehr zwar aus Staats- und völkerrechtlichen Gründen, sondern weil sie, und sicherlich nicht zu Unrecht, befürchten mußte, daß die finanzielle Unterhaltung dieser montenegrinischen Gesandtschaft oder natürlich Botschaft ja doch ihr selbst zur Last fallen würde. Auch in Deutschland und Oester- reich-Ungarn -wollte Montenegro Gesandtschaften errichten, wie überhaupt Nikitaden diplomatischen Dienst aus­bauen" wollte. Bisher freilich ist es bei diesem Wollen geblieben.

Ob der neueste Krieg dieses kleinen Landes gegen die Türkei seine Wünsche aus Erweiterung seines Gebietes und seiner Stellung im Rate der Völker zur Verwirklichung führen wird? Wir glauben es kaum. S. M. Nikita mag mit Stolz darauf Hinweisen, daß der Zar aller Reußxn seines Enkels Pate ist, er mag an den Glanz jener Tage erinnern, als ihn zahlreiche Fürsten bei der Königsprokla mation in Cetinje umgaben, er mag sich auch in seinen literarischen Neigungen, die uns sein DramaDie Bal­lankaiserin" schenkten, sonnen, das alles kann ihm nichts nützen, denn die Geschichte verlangt von Montenegro na­tionale Entwicklung, und diese ist noch nicht zu er­kennen. Kriegerischer Stolz ist ja gewiß eine sehr schöne Sache, aber diese kriegerische Pose von heute köitute doch ein klägliches Fiasko erleben.

Die Nachrichten, die wir hier weiter verzeichnen, er­geben, daß der verabredete Schritt der Großmächte auch in der montenegrinischen Hanptstadt amtlich mitgctcilt wor­den jft, aber einige Stunden zu spät! Die französische Presse, die sich schon allgemein über denEr­folg" Frankreichs beglückwünschte, hat zu früh gejubelt. ES ist aber bemerkenswert, daß Jaurös in seiner ?,Hu- maiiite" deutschfreundliche Töne angeschlagen bat. Die deutsche Regierung habe Frankreich bei seinem Ver­mittlungsversuch den es hauptsächlich im Interesse seiner bei der Krisis interessierten und bedrohten Finanzleute unternommen hatte loyal unterstützt. Dieses Zusammen­wirken Frankreichs und Deutschlands werde vielleicht das bedeutsamste Ereignis der letzten Jahre sein.

Die Hauptfrage ist nun, was wird derBalkan- b u n d machen? Wird er die gemeinsame Note der Mächte respektieren, in der ausdrücklich steht, daß auch nach einem etwaigen Kriege am Statusquo nichts geändert werden solle? Bisher ist es ganz still: weder aus Athen, Sofia, noch aus Belgrad liegen entscheidende Meldungen vor. Tagegen scheinen die Serben sich Uebcrgriffe gegen Deutsche und Oesterreicher zu erlauben, was ihnen aber bald abgewöhnt werden tanin Erfreulich ist, daß der Vertreter Deutschlands einen llebergriff einem deutschen Landsmanne gegenüber bereits entschieden abgewehrt hat.

In der Türkei wächst natürlich auch die kriegerische Erregung. Man scheint sich auf das Kommende rüstig vor­zubereiten. Wenn cs sich bestätigt, daß die Montenegriner bereits die Grenze überschritten und die Stadt Berana an­gegriffen haben, so werden sic bald die türkische Faust zu spüren bekommen. »

Zu spät.

Paris 8. Okt. (Agencc Havas.) Die französische Regierung hat eine a m t l i ch e B e st ä t i g u n g der K r i e as- erklärung Montenegros an die Türkei erhalten. Der Schritt der Vertreter Rußlands und Oesterreich- Ungarns bei der montenegrinischen Regierung sand heute vor­mittag um 11 Uhr statt, aber schon um 9*/2 Uhr waren dem türkischen Geschäftsträger die Pässe zugestellt worden. Die montenegrinische Regierung konnte also den Ge­sandten Rußlands und Oesterreichs erklären, daß der Schritt der Mächte zu spät komme, da die diplomatischen Beziehungen bereits abgebrochen seien. Sie fügte hinzu, ihre Vorstellungen bei der Türkei seien seit zwei Monaten ergebnislos geblieben und sie habe sich daher, da sie nicht friedlich zum Ziel kommen konnte, genötigt gesehen, zu den Waffen zu greifen. Selbst auf seine eigene Kraft angewiesen, konnte Montenegro nicht anders handeln.

Die Montenegriner bereits über die Grenze.

Konstantinopel, 9. Okt. Die Pforte hat die Nachricht erhalten, daß die Montenegriner gestern abend die Grenze überschritten und Berane an­gegriffen haben. Der Kampf dauert noch an.

lieber die montenegrinische Note an die Pforte ist ergänzend zu bemerken, daß sie insbesondere darauf hin- tvcist, die Pforte habe die Grenzfrage nicht regeln wollen.

Wie dem Wiener Korr.-Bur. aus Saloniki gemeldet wird, stockt dort der ganze (Geschäftsverkehr. Es besteht zwar keine unmittelbare Gefahr, doch empfehle sich für weitere Lieferungen eine abwartende Haltung. Bisher seien feine Zahlungsein st ellungen vorge­kommen.

Kundgebungen in Cetinje.

Cetinje, 8. Okt. Gestern abend kam es wieder zu großen Kundgebungen für den Krieg. Die Menge bereitete dem König und dem Kronprinzen begeisterte Kundgebun-

Kunft, Wijjcnfcbaft unö Leben.

E inG luckstag in der Geschichte der Deut­schen". So bezeichnet der Moburgcr Herzog Ernst II. den Tag, dessen 50. Wiederkehr heute ist, den 9. Oktober 1862, den Tag, an dem eins der folgenschwersten Ereignisse der neuesten Ge­schichte Deutschlands eintrat, die Ernennung des Herrn v. Bis- marct zum Präsidenten des Staatsministeriums imd zwar zum Minister der Auswärtigen Angelegenheiten in Preußen. Herzog Ernst schildert in seinen Erinnerungen den Ernst der Lage jener Zeit, in der die Wogen des politischen Parteikampfes in Preußen hochgingen:Es läßt sich kaum schildern, wie in diesem Augenblicke eine Art von Angst und Schrecken bis in die höchsten Kreise ver­breitet war. Niemand mochte an eine gedeihliche Zukunft glauben, Väter und Söhne schienen durch alle Stände hierdurch entzweit zu sein Zerfahrenheit und Zerwürfnisse erfüllten jedes politische und selbst persönliche Verhältnis. Drei große geflügelte Worte waren seit dem 30. September von Herrn v. Bismarck über ganz Deutschland bis in die fernste Hütte mit Windeseile verbreitet, welche er in der Budgetkommission geäußert haben sollte, deren Wortlaut indessen authentisch niemals festgcstelli worden ist und die daher anch nur das Charakteristische geflügelter Worte be­halten haben.Die katilinarischen Existenzen", die ein großes Interesse an Umwälzungen in Preußen hätten,eine zu große Rüstung für den schmalen Leib", die ungünstigen Grenzen Preußens und endlichBlut und Eisen", durch welche, und nicht durch Reden und Maioritätsbeschlüsse die großen Fragen der Zeit entschieden werden würden. Was ich selbst über das evochemachende Ereignis dachte, läßt sich kaum mit wenigen Worten sagen. Doch darf ich mich wohl darauf berufen, daß die Kan. üdatur des großen Staatsmannes für das Auswärtige Amt be­reits zur Zeit des Ministeriums des Fürsten von Hohenzollern aufgestellt worden war. Jetzt dürste seine Ernennung vielleicht auch die Folge des immer mehr hervortretenden Mangels jeder anderen Persönlichkeit gewesen sein, welche geeignet schien, das Staatsschiff durch die unglaublich aufgetürmten Wogen der Zeit zu steuern. So half das Schicksal, den rechten Mann an, die Spitze der Geschäste zu bringen, von dein man wußte, daß er vor kleinen Rücksichten nicht zurückschreckte. Wenn er die deutsche Frage behandelte wie der DemaM die Glastafel, so konnte man nicht anders erwarten, als daß der Rahmen, nach welchem zu­geschnitten werden mußte, doch der sein werde, den wir seit 1850 bereitgehalten haben. Im Kampfe um die Methode ist von allen Seiten viel Hartes und Herbes gesagt worden, aber ich bin glück­

lich, die Zeit erlebt zu haben, wo jeder Deutsche sich freubig dazu bekennt, den 9. Oktober 1862 als einen Glückstag in seiner Geschichte anzusehen."

Oberhessische Glocken. In den Kirckstn und Ka­pellen des Kreises Friedberg hängen zahlreickst Glocken, große lind kleine, bereit Studium dem Freunde heimisck)cr Kulturgescinchte immer neue Reize bietet. Tie Gl o cke n i n s ch r i f t e n vor allem rollen eine ganze Chronik aus, die lange Jahrhunderte umspannt und noch immer des Lesens wert ist. Ta erfährt man bas Alter der Glocken, ihre Stifter, ihre Gießer, lieft man originelle In schristen ernsten unb frohen Inhalts usw. Die weitaus größte Mehrzahl ber Glocken, 85 an der Zahl, entftanrmt der Zeit vor 1800. Butzbach beherbergt die ältesten, die eine ward 1372, die andere 1379 gegossen, ihre Meister sind unbekannt. Tem 14. Jahrhundert gehörten wahrsck>einlich noch eine Glocke in Ilbenstadt und eine- zu Langenhain an. Ms Gießer ber letzteren nennt sich Magister I o a rn e s. Reicher ist schon bas 15. Jahrhunbert an Glocken, hiervon sinb 16 bekannte, nämlich in Jlbenstabt (2), Ostheim, Butzbach, Großkarben, Hoch­weisel (2), Fauerbach v. b. H. (2), Friebberg (3), Assenheim, Rieber-Erlenbach, Trais-Münzenberg unb Ostheim. Meistens sind ihre Meister unbekannt. Nur von zwei Friebberger Glocken.wissen wir, baß sie Meister Jerg aus Speyer goß. Verhältnismäßig arm ist jdas 16. Jahrhundert, nur fünf sind erwiesen. Jedoch tritt uns 1511 in Ludwig Kaluert aus Butzbach ber erste hessische Glockengießer entgegen, seine Arbeit hängt in Pohl- göns. 10 Glocken entstammen bem 17. Jahrhunbert. Viele dieser Glocken entstammen den damals hochberühmten Glocken­gießereien von Aßlar, wo Jakobus Ryncker und Tilmann Schmidt Meister ihres Gewerbes waren. Alle übrigen Glocken gehören erst der neueren Zeit, dem 18. Jahrhundert an. In diesem Jahrhundert blühte aber auch in Oberhessen die Kunst des Glockengießens außerordentlich. In Gießen lebten und wirkten die Meister Johann Andr. Henschel und die Glockengießer - familie Otto, in Nauheim Philippus Henschel und endlich in .Hungen die Bachs, deren Erzeugnisse noch heute in vielen Orten der Heimat in harmonischem Geläut erschallen.

Darmstädter Hoftheater. Ter 50. Geburtstag M. Treyers war Anlaß zu der Aufführung des Junggefellenschwankes Großmama". Mehr wie ein Schwank, ein Turck-einanderwirbeln längst bekannter Schwanksituationen, ist dieses Spiel nicht. Daß ein harter Junggeselle auch einmal zur Frau bekehrt wird, ist keine Seltenheit, besonders bann, wenn auf seinem abgelegenen Lanbsitz jeber Hans seine Grete finbet. Liebe steckt an. Tie

Großmama", bie hier gefreit wirb, ist eine Frau in ben besten Jahren. O, es gibt sehr scharmante und jugendliche Großmütter, die recht luftig sein können. TreyersGroßmama" aber stammt noch aus Mosers Frühzeit. Sie geljkt in den Glasschrank im Biedermeierstil Wir werden sie deshalb nicht verachten, sondern von Zeit zu Zeil gern einmal betrachten. Und so ist wohl auch bie heutige Aufführung im Hoftheater zu verstehen. Tie Dar­stellung ging auf den Ton des Stückes ein unb unterstrich derb bie Schwankkoleur. Besonders tat bas Herr Jürgas als pol- ternber, aber herzensguter Junggeselle. Frau Mütter-Rudolph war als Großmama unb luftige Witwe noch recht verführerisch. Frl. Uttmann unb Frl. Gothe als ihre Töchter.hatten zwar feine dankbaren Rollen, sie wußten aber doch ihre Szenen recht wir­kungsvoll zu beleben. Herr Petersen spielte einen Ti euer, .wie es tausend Schvankdieuer gibt. Was diese Figur lebendiger mackste, kommt auf bas fronte seines schauspielerischen Talentes. Herr Schneiber hat sich in letzter Zeit als ein gewanbter Tar- fteller gezeigt. Aber mit dem Küchenchef wußte auch er nichts anzufangen. Tie Spielleitung des Herrn Hacker verdient An­erkennung. Daß die Leinwandtüren noch nicht ganz abgeschafft sind, ist nickst seine Schuld.

Schrift mu seum. Die Königl. Säcky. Regierung geht mit der Absicht um, in Dresden ober Leipzig ein Schristmuseum zu eröffnen. Es mag aus biefem Anlaß barauf hingewiesen werben, baß sich in Berlin seit vielen Jahren ein SchrftNnuseum befinbet. Diese interessante unb umfangreiche Sammlung würbe van Rubvlf Blanckertz, bem Inhaber ber Stahlfeberfabrik von Heintze u. Blanckertz in Berlin, angelegt. Wir finden darin baby­lonische vieltausendjährige Keilschrifttafeln unb ägyptische Papyrus- rollcn, inbische Palmblottbückier mit Ritzl'ckwift, Pinselschriften aus Korea unb China, arabische Koranhanbschristen, griechische Schreib­tafeln, römische Bronzefedern, sowie ben kupfernen Stylos ber Griechen Aus aller Herren Länder unb aus allen Zeiten finden wir in diesem bisher einzigartigen Museum Beispiele ber Schrift unb ber Schreibgeräte. Tor Besuch bes in Berlin, Georgen- kirchstraße 44 befinblidjen Schriftmuseums steht jebermann frei gegen vorherige Anmeldung. Im übrigen ist im Buchhandel.unter bem TitelTas Schriftmufeum" eine Besprechung des Berliner Schriftmuseums erschienen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Im Sanatorium Neubabelsberg starb Professor Dr. med. Hans Strehl, Privatdozent für Chirurgie an ber Uni­versität Königsberg i. Pr. im Mter von 40 Iahten.