162 Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 237
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
die Zeit
Dienstag, 8. ©Hoher 1912
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität- • Buch» und 6teinbrudcrel R. Lange, Gießen.
Die „Gießener FamMendlätler" werden dem „Anzeiger' viermal wöcheiulich beigelegt, das „Kreisblatt fir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirttchaftlichen Seit» fragen" eri'chemen monatlich zweunal.
Redaktion, örpcbttion und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und vertag: e^5l. Redaktwn:e^11L. Tel.'4ldruAnzeigerGießen.
fügbaren Staatsgelder hat man im lebten Jahre der Armee zu ! gewandt. Demgemäß ist auch die Ausrüstung und Bewaffnung der । osmanischen Truvven eine völlig moderne. Die Türkei bat dabei « die Ergebnisse jahrelanger Proben europäischer Rationen über ■ nommen und steht deshalb in mancher Hinsicht kriegsmäßiger aus ' gerüstet da, als selbst die großen Militärmächte. Die Farbe auch ’ der Friedensuniform ist feldgrau: auch der tradnwnelle Fes Dt von derselben Farbe und ohne Quaste. Neuerdings hat man auch einen Tornister eingeführt, doch scheint er dem Türken ein über flüssiges Möbel: das Wenige, was diese bedürfnislosen Soldaten brauchen, hat im Brotbeutel völlig Mal.' und im Hauranseldzua des letzten Herbstes bemerkte man, daß tan die Mitnahme des Tornisters bei der heißen Temperatur überhaupt verschm 'N hatte Gewehr, Patronentaschen und Seitengewehr bilden die Bewan nung Die Offiziere, die zur Parade blaue Uniform nut 'Warzen Ausschlägen und Epaulettes tragen, hab sonst dmelbe Inuorm wie die Mannschaften, auch Umlegekragen und kleine branuerlc \inöpic Ihre Abzeichen sind goldene Achselstücke und^em grauer Kaipak (eine Art Pelzmütze, mit kleiner Spitze. Den pabel lietzen sie schon in den Kämpfen der Revolutionstage ^April 909 ,u Hause und tragen statt dessen Gewehr, Seitengewehr und .^eißsches Fernglas. Tie Kavallerie (2an$cnrciter> ’t Lanze, Kara > ner und Sabel, die Artillerie nur den Säbel - sehr gute -ruppfche Nohrrücklaufgeschütze. Train- und Pionierwe,en liegen noch lehr im argen; dagegen gehören die Gendarmerie und die Feuerwehr Konstantinopels zur Armee und nehmen auch an den r ruppen besichtigungen teil. Tie jüngste Einrichtung des türkischen Heeres ist die des Lazarettwesens: das untere ^anttatsver,"Ni' fuhrt an Stelle des verpönten Kreuzes einen roten Halbme- ;if der weißen Armbinde. Auch Maschinengewehrabteilungen, K.-egsauto mobile und Heliographen- und Signaltruppen, ebenso eine aut Maultiere verladene Gebirgsartillerie sowie Aeroplane hat man dem Heere zugeteilt. .. .
Die Einteilung des Heeres Ut eine ähnliche wie m j.eutid^ land Die Armee gliedert sich in 14 Armeekorps nut im ganzen 41 Divisionen und hat vier Armeeinfpektionen ^Konstantinopel, Saloniki, Ersindschan, Bagdad', und zwei selbständige Divisionen in Tripolis und Hedschas. Jede Division besteht unter Fortfall der Brigaden aus drei Regimentern zu je drei Bataillonen mit 500 Mann Kriegsstärke. Im Kriegsfall werden betondere Redit 'Landwehr-) Divisionen ausgestellt. - Mit Einführung der Verfassung wurde die allgemeine, 3—5 Jahre betragende Dicnstpilicht auch aut 'die nichtmohammedanifchen Osmanen ausgedehnt, doch zahlen diese wenig kriegerischen Völker ^Griechen, Armenier, Spaniolen und Syrer, lieber die Befreiungstare von 50 Piuud (gleich 1000 Mk.'. Gebildete junge Leute können einen etniähngcn Kriegsschulkursus durchmachen, woraus sie zu Offizieren der Landwehr befördert werden. Bemerkt sei übrigens, daß neuerdings auch die zahlreick)en schwarzen Eunuchen der türkischen Harems zum Dienst herangezogen werden . , a
Etwa 40 Prozent des türfildten Offizierskorps gehen aus dem Mannschaftsstande hervor (Alaili-Offiziere). Diese Alailis haben meist wenig Aussicht auf Beförderung in höhere «tabsofffzier- stellen: diese sind vielmehr den auf der Kriegsschule vorgcknldcten Mektebli-Offizieren Vorbehalten, die auch in ihrem Auftreten ihre deutsche Erziehung selten verleugnen
Mail kann ohne Uebertreibung behaupten, daß diese Mektebli- Offiziere, die einzige Benifsklasse der Türkei, die über eine abgeschlossene Bildung berlügt den Kem der Armee ausmachen. In ihnen kommen die besten Kräfte des Landes zur Geltung. So kann die Türkei im vollen Vertrauen aus ihre Armee den kommenden Verwicklungen entgegensehen.
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flog aber nicht; sie wirkte lediglich
Die türkischen Balfa-truppcn.
Nachdem wir die Urteile bedeutender Sachkenner über , . , tnipberaegeben haben, wird die nachstehende i
.. t (SAnelüareit zu einem der bedeutendsten Heere ;
mit beifmHlöfcr acbneiligieu Tr ppen trugen in den
der bas verhängnisvolle al der Jndisziplm,
Tagen Abdul varni^ das Stagnation. Ihm galt das
?^?^l?^^mttlenlofes Werkzeug, das in erster Linie nur du n^önOchen Fntercfsen des Sultans verteidigen sollte, oo kam es persönUchen 3'»er N moderne Ausrüstung und Be-
d-nn, daß d'e Jnwntnie woyl uoer kleinsten Felddienst
waffnung vcriu^e aberSultan als verdächtige unternehmen durfte, ent ’oicmr |VU_l r»., h.r unh
Crntfcmuna eines Truppenteils auv der Obacht der sraiernc uno bamit als hochverräterischer Meutereiversuch erschienen. Die Sol banut ats pomvcn Rtauseraewehrc, aber niemals einen
Kaud^bgcfeuert Die Artillerie besaß Geschütze der letzten Schutz daraitS vg Äifrfcblüiie wurden im kaiserlichen PalaiS ÄÄÄ’ bet Tru-pcn entlad,
h^Ä 5>ff?»ierskorVS^ Alle Tüchtigen, die mit technischen gründe
S«®"X Ä«" 14m™. würben unter i«bmjeg,mg v2-r «?äf?e verbannt- in allen beliebten Vorgesetzten die den G^ist de! Triipven zu fassen verstanden, erblickte Abdul Hamid beginnende Militärdiktatoren und den heraufbeichimirenen Schatten d s atten "Janitscharenkorps. Aber der wahre Fortlchr.tt wurde datmrch unterbunden, das, die sE°n M^tjkönner Leu e ohne m.ihitnn imh Gewissen aber gegen Geld Beförderung zu S ®ert«d®n bis in bie höchst Stellen gelangten D^ meistm dieser unfähigen Günstlinge arbeiteten als Spione ^s Sultans, dem sie täglich Berichte über die^ Frechcttsliebe ver- hnrfitinrr Kameraden und die Stimmung der 4,ruppen einianbttn. alber auch die übrigen wurden ohne Rücksicht auf ihre militarifcheu Leistungen roeiterbeförbert, nur um sie bei guter Laune und dem Großherrn gefügig zu erhalten. * f ct^
daß die türkische Marine 1909 noch 6000 Matrosen und - 5500 Offiziere besaß da ja auch der einfachste Soldat bis. zur Generals Arde aufsteigen konnte. Selbst die Leibkapcllc des Sultans bestand zuletzt nur noch aus Offizieren: da iah man mit Bewunde ru?a wie ein „Oberst" mit der des Schreibens unerfahrenen Rechten kräftig die große Trommel schlug oder cm „Maior m Reih und Glied graziös die Flöte blies.
Wenn sich nun trotzdem die türkische Armee zu einer frischen und bedeutenden Macht entwickelt hat, ,o ist diese Veränderung um so höher zu bewerten. Freilich der Hauptumstand, der bicftn über rascheudeu Aufschwung möglich machte, beruht m der naturlicheu militärischen Brauchbarkeit deS Türken, der des Wanenruhms seiner Vorfahreii, die 1682 selbst Wien bedrohten, durchaus würdig ist. Auch der Türke unserer Tage zeigt einen ausgesprochen kriegerischen Charakter: Feigheit hat er tm ^eben ME gekannt. Von robuster Gesundheit, an einfache Sitten gewohnt (der Alkohol teufe! ist ihm fremd, in den Entbehrungen des kar^n anatollschen oder albailesischen Hochlandes auigewachsen, Don Kind «uf durch Strapazen abgehärtet, ein unermüdlicher Marlchierer und bedächtiger Schütze ist der Türke einer der besten Soldaten der Welt.
Von großer Bedeutulig für die Reformierung de- Heeres war jedoch auch die Anwendung des sogen. Tensikatsgefetzes. Hierdurch wurde der Augiasstall endlich gereinigt; alle unfähigen Offiziere wurden verabschiedet, die Gewissenlosen öffentlich gehenkt, die zu schnell beförderten - Said, der Sohn des Großwefirs Kiamil Pascha, war z. B. mit 26 Jahren Admiral, obwohl er m seinem Leben keine Seereise gemacht hatte — degradiert, und alle brauchbaren Kräfte, die so lange hatten brach liegen muficn, m die entscheide,iden Stellen versetzt. Mit dieser Maßregel ergoß fich eine erauickende Flut neuen Lebens in die Annee, die, von ihren Eiterbeulen gereinigt, nunmehr wie durch cm Wunder von Micher Lebenskraft durchströmt ist. Offizierkasinos und Bibliotheken wur den gegründet, eine neue Generalstabsschule (Kriegsakademie, eingerichtet, die Militärschulen wurden reformiert, man bestrebt sich, den Offizier auch gesellschaftlich zu heben, die Gehälter und Pensionen sind erhöht worden, etwa 25 heu tsche OlfizieretraM als Instrukteure ins türkische Heer über, wahrend die doppelte Zab' türkischer Offiziere zur militärischen Ausbildung nach Deutschland entsandt wurde. Ordnung, Pünktlichkeit und .säuberten beginnen iu triumphieren. Man hat Schießstände angelegt, man halt Feld' bienfte und Manöver ab, und der Eiser, mit dem, bte lungen Offi- »tcrc auch ihren theoretischen Studien obliegen, muß direkt vorbildlich genannt werden. Das Volk begleitet diele Reformen mit großer Beoeiüernng und tränt willig die i chweren ^asten; alle ver-
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Hierzu wird uns vom Gießener Lustfahrerverein noch mit* geteilt: * .
Zu den Zeppelinfahrten, die am gestrigen öonntag naamuttag vorn Mainzer Verein für Flugwesen veranstaltet wurden, hatten ich vorn Gießener Sufnahrerocrcin ackst Personen augcmclbct, 3 Damen und 5 Herren. Tie „Viktoria Luise" kam, besetzt von Mitgliedern des Mainzer Vereins, von Frankfurt nach Mainz, und landete kurz nach 3 Uhr auf dem Großen Sand, um die Passagiere auszuwechseln. Von den Gießenern nahmen 5 an der nun folgenden zweiten Fahrt teil. In dem Augenblicke, als das Luftschiff fick, in die Lüste erhob, stieg auch der Leiter der Mainzer Fliegerschule, v. Stoephasius, auf seinem Eindecker in die Höhe und umkreiste in fdyönem Flug den von Tausenden von Menschen umrahmten Ererziervlatz. Die „Viktoria Luise" flog in weitem Bogen über die Stadt Mainz, kreuzte den Rhein nach Wiesbaden hinüber, überflog den .sturpark, wandte sich dann den Rlwingau hinunter, flog bis Rübcsheim und kehrte alsdann über das hessisckie Ufer hinweg nach dem Mainzer Sand zurück. Sie landete gegen 4’ ■> Uhr, um bald darauf zur dritten Fahrt auf* jufteigen, an der sich nun die anderen Gießener Mitfahrer beteiligten Diese Fahrt führte zunächst den Rheingau hinunter, bann über Wiesbaden ins Mainthal und endete gegen 6 Uhr in Fraul-irt. Tas Luftschiff hielt sich auf diesen Fahrten in mäßiger Höhe über dem Erdboden, so daß die Fahrtteilnehmer die nnmber- volle Laildsck>aft, die in der Farbenpracht ihres Herbstgewandes im en Sonnenglanze unter ihnen vorbeizog, in allen Eüizel- f-,eiten wahrnehmen formten. Der unbeschreibliche Reiz einer fold>en Luit fahrt erweckte bei allen Insassen der Gondel die größte Begeisterung. , „ .
? rt sind die Vorbereitungen lür eine Zeppelrnlandung in Gießl im Gange. Am Samstag war ein Ingenieur der Delag hier, uni den Landungsplatz zu besichtigen und die erforderlichen Angaben für die Anlage eines Luftscknffankers zu machen. Hoffen wir, daß sich viele aus Gießen und Gießens Umgebung bereit finden werden, sich den unvergleickstichen Geimß einer Zeppelin- lahrt zu verschaffen.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Cberheffen
Borbeugende Mittel.
„Roch zwei Stationen! Eine wahre Geduldsprobe sind diese Bunlinelzüge!" Mit einem Seufzer lehnt der junge, elegante Reifende, dem es in seinem Abteil, das er allein inne hat, unsäglich langweilig geworden ist, den Kopf m die Polster zurück und schließt die Augen.
Da reißt im letzten Augenblick vor der Weiterfahrt der Srk)asfner die Tür zu dem Abteil nebenan auf, das von seinem nur durch eine haihohe, am Fenster einen Durch gang freilassende Wand geschieden ist. Ter junge Reisende öfsitet die Augen weit — eine junge Dame, mit höchstem Schick gekleidet, einen koketten Federhut aus dem braunen Gelock, springt behend herein — die Tür schlägt ins Schloß, der Zug fährt weiter und singt seine endlose, schläfrige Melodie. , __ .
Aber der jungr Reisende schläft nicht mehr. Mit einem Blick erhaschte er das reizende Gesicht -er jungen Dame imd nun ist er wie elettrisiert. Obwohl sonst Damen gegenüber zurückhaltend und fast schüchtern, spielt er mit dem Gedanken, eine Anknüpfung mit der jungen, holden Reisegefährtin, die sich sicherlich auch langweilt, zu ver tuchen. Aber rote? .
Die Schöne nebenan hat es sich inzwiicden bequem gemacht und läßt, kurz bevor der Zug in die nächste Station einläuft, rasselnd das Fenster herab. Die Winterluft streicht kalt in das geheizte Mteil.
Im ersten Sckzreck muß sich der junge Reisende, an die Wärme auf der langen Fahrt gewöhnt, wohl geräuspert haben: denn die Dame wendet sich, am Fenster bei dem verbindenden Turchgang stehend, seitwärts zu seinem Abteil und sagt: „O, Sie entschuldigen, daß ich das Fen,ter öffnete, ich glaubte mich hier allein und die Winterluft i|t so herb und erfrischeiid!" t r ..
Er beeilte sich, höflich zu versichern, daß ihn das offene Feiisrer durchaus nicht störe, auch er liebe die wintcr liehe Frische. Und obwohl er.ein leises Frösteln verspürte, freute er sich doch, so unerwartet leicht eine Anknupsung gefunden zu haben. Doch die Freude war nicht von -tauer, denn der Zug hielt wieder einmal an einer dieser verwünschten kleinen Stationen und ein würdiger alter Herr stieg nebenan ein.
mehrere Passagierflüge aus, bei denen vor allem die völlig fiebere Fahrt des eleganten Flugzeuges verblüffte Gegen 4'-Uhr landete ftoria Luise" zum zweiten Male und brach nach kurzer ober nach Frankfurt auf. jrl. Mohring, deren Grade-- ebenfalls den ganzen Mittag flugbereit gehalten mürbe, diglich durch ihr hübsck?es lylitger*
§chau- und pafiaoierpgc auf dem Mainzer Mgpiatz.
N. M a i n z, 6. Okt.
Auf dem Flugplatz Großer Sand fanden heute nachmittag Schau- und Paffagierflüge statt, zu denen sich fast ganz Mainz eingefunden hatte. Tie Veranstaltungen waren zwar vom Wetter begünstigt, doch herrschte bisweilen ein so böiger Wind, daß die Flieger nicht starten konnten. Gegen 3 Uhr erschien die Viktoria Luise" über dem Flugplatz und landete unter dem Jubel der Zusckrauer. Darauf nahm sie neue Passagiere auf und stieg nach etwa Vrftündigem Aufenthalt wieder auf, um eine ungefähr cinftünbige Fahrt in den Rheingau zu machen. Bei der Abfahrt umflog der Gradestieger Stoephasius in schwungvollen Schleifen den scheidenden Luftriesen und begleitete ihn eine Zeitlang. Auch später machte derselbe Flieger noch einige wohl- gelungene Flüge, dabei auch einen Gleitstug mit einer Kurve, über das Flugfeld. Herr de Waal führte auf Goedcckereiudecker
Nun hörte der junge Reisende, wie sich die hübsche Dame und der alte Herr gleich als Bekannte begrüßten: „Ah, gnädige Fran, das freut mich, Sie einmal wiederzusehen! Wie geht's? Prächtig, das sah ich an'Ihren schönen roten Wangen!"--Also Frau! Ade Flirt und
Älbenteuer, philosophierte der junge Reisende nebenan. — „Guten Tag, Herr Sanitätsrat! Ich war im Begriff, Sie in der Stadt aufzusuchen."
„Wo fehlt's denn, gnädige Frau?" — Und nun ging das Fragen und Antworten zwischen den beiden hin und her, und der Aerger des um einen fahrtverkürzenden Flirt gekommenen jungen Mannes stieg, je weniger er aus ihren Worten etwas hörte, was ihm irgend ein Interesse bot.
Die junge Frau erzählte, daß ihr Mann eine starke Erkältung sich zugezogen habe und an heftigem Bronchialkatarrh leide. Er habe keinen Appetit und seine Katarrh- beschwerden würden von Tag zu Tag heftiger. Deshalb wolle sie zu ihm, dem Herrn Sanitätsrat und ihn bitten, einmal auf ihr Gut zu kommen: ihr Mann sage allerdings stets: „Das ist nicht schlimm, den Katarrh habe ich jedes Jahr, ein Arzt ist nicht nötig", aber sie habe so große Angst, daß etwa Schwindsucht sich einstellen könne.
Und der alte Arzt fragte nun nach allen Einzelheiten, erklärte, daß es sehr vernünftig sei, einen Arzt in solchen Fällen zu Rate zu ziehen. Und bann gab er ihr Ratschläge --der junge Reisende hörte, in sein Schicksal ergeben, nur noch mit halbem Shr zu '--. „Sehen Sie, gnädige
Frau, in solchen Fällen ist ein Medikament gegen die katarrhalischen Beschwerden und ein Nährpräparat angebracht, das den Körper stählt und *bcn Appetit anregt.
Als bestes Heilmittel für alle Erkrankungen der Atmungsorgane gilt das Guajacol. Es hat sich in der Heil stättenbehandlüng feit Jahren bewährt. Und ein Nährmittel? 9hm, gnädige Frau, Sie kennen doch noch aus der nodi gar nicht so weit zurückliegenden Zeit, wo Sie als aufgeschossenes Backfischlein an der Bleichsucht litten, die unübertreffliche Wirkung der Somatose. Äe hebt den Appetit in überraschender Weise und führt dem Körper eine leichtverdauliche Nahrung zu, so daß der Kranke schnell wieder .i Kräften kommt." „Sie meinen, er soll nun auch Somatose nehmen und dazu noch Medizin." „Nicht nötig, äbige Frau. Man hat den glücklichen Gedanken gehabt, das Heilmittel mit dem Nährmittel zu verbinden.
2ht$ Stadt und Land.
G-'ßen, 8. Oktober 1912.
"Für bie Sitzung der Sta dtverorbneten- Vxrsainm Inn g am Donnerstag, 10. Okt., nachm. 4 Uhr, isf folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Mitteilungen. 2. Baugefuche der Hoch- und Tiefbau-Gesellschaft für bie Marburger Straße. 3. Baugesuch beS Bankiers Herz (Auto- mobilhallc an ber Diczstraße). 4. Anbringung eines Firmen- ,'chilbes Kirchenplatz 11, R. Maf4. 5. Desgleichen SelterS- weg 52, Th. Budde. 6. Entwässerung des AmvesenS Mühlstraße 3 von W. Plank. 7. Baufluchtlinienplan für bie Schützenstraße. 8. Abkommen mit Frau Direktor Schrader unb Profesior v. Eicken wegen 9luSbauc8 ber Friebrichstraße. 9. Verlegung einer Wasicrleitung burch stäbtischeS Gelänbe an ben Bahnhöfen. 10. Entwässerung unb Planierung beS oorberen Teiles beS Trieb. 11. Verbesserung bes FelbwegeL von ber „Schönen Aussicht" nach bem Bergwerk. 12. Anlage von Vogelschutzgehölz. 13. Sammelheizungsanlage für baS Realgymnasium. 14. Rechnung deS JugenbfesteS. 15. Vergebung ber Lieferung von Schreibmaterialien. 16. Vergebung ber Trucksachensteferling. 17. Gesuch deS Ernst Kürschner um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Schiffen- berger Weg 63. 18. Desgl. beS Karl Dietzel für Lubwig- straße 55.
" In ber Herberge ,zur Heimat" kehtten im September 997 Gäste (gegen 1120 im gleichen Monat bes Vorjahres) ein. Darunter waren 748 Selbstzahler (828) unb 249 Wanberer, bie gegen Arbeitsleistung Logis in Anspruch nahmen (292). Die BesuchSzahl im 3. Vierteljahr stellt sich In der Guajaeofe finden wir das Präparat, das imstande ist, Ihren Gemahl in kurzer Zeit wieder herzustellen."
Und dann mußte der junge Mann, dem bas so wenig Interesse bot, noch im einzelnen hören, wie wohltätig die Guajacose wirkt, wie sie den Husten lindert und die Verschleimung beseitigt, wie sie ferner den Körper kräftigt und den Appetit anregt. „Dabei wird sie auch Ihr Gatte, gnädige Frau, gern einnehmen, denn die Guajacose hat einen ganz angenehmen, aromatischen Geschmack. Kaufen Sie sich also, schloß der Arzt, in der nächsten Apotheke eine Flasche Guajacose. Geben Sie bann Ihrem Gemahl täglich 3—4 Teelöffel voll, mit Wasser gelöst, im Anschluß an die Mahlzeiten. Ich werde dann in den nächsten Tagen einmal selbst bei Ihnen vorsprechen. Uebrigens, gnädige Frau, wenn Sie einmal die ersten Anzeichen einer Erkältung verspüren, so denken Sie daran, daß wir in der Guajacose auch ein ausgezeichnetes Vorbeugungsmittel gegen Erkältungskrankheiten besitzen. Sie können dann mit Ihrem Gatten gemeinschaftlich Guajacose einnehmen!"
Der junge Reisende im Nebenabteil hatte der langen Auseinandersetzung des alten Sanitätsrats mit steigendem Grimm zugehört. Er nannte in Gedanken den alten Herrn auch solch ein vorbeugendes Mittel, da er durch sein Dazm- kommen einem Flirt vorgebeugt habe. Da war der Zug an seinem Ziele. Der junge Reisende sah noch, wie bie junge Frau sich von dem alten Herrn verabschiedete und in eine Apotheke ging.
Er stand noch immer da — im Winter, auf ber kalten, zugigen Straße, und ein Frösteln und ein Hustenreiz ließen ihn merken, daß er sich bei der Fahrt am offenen Fenster eine Erkältung zugezogen habe. Er erinnerte sich jetzt mit einer gewissen Dankbarkeit der Worte des alten Sanitäts- rats, ging auch zur Apotheke und forderte.....
Da hatte er den Namen des Mittels vergessen, aber schnell gefaßt, sagte er: „Geben Sie mir bitte, das, was die junge Dame soeben gekauft hat." — „Guajacose^ — „Ja, so heißt es!"
Als er nach kurzer Zeit dieselbe Sttecke reifte, da traf er dieselbe holde Reisegefährtin, aber in Begleitung ihres Mannes, der wieder frisch und gesund war. Sie kamen ins Gespräch, und er erzählte ihnen, wie ihm damals für seine Erkältung das zuverlässigste Mittel empfohlen wurde: die Guajacose. c=i.


