heilen der Katastrophe. Man glaubt, daß das Untersee- boot durchschnitten wurde, da das Meer an der Unglücksstelle mit Lei bedeckt wurde. Der Kommandant war Vater von drei Kindrn. Ter Fähnrich Audio war erst seit dem 1. Juni im Dienst. Ein Mann der Bescchung, der an Land zurückgeblieben war, ist so dem Unglück entgangen.
TaS verunglückte Unterseeboot.DendLvuaire" war nach demselben 7-?ouS gebaut, wie der vor zwei Jahren in der Nähe des .Hafens von Calais non einem Postdampfer in den Grund gebohrte „Pluviose". „Vend4miaire" war mit Heberingen versehen und noch vor kurzem wurden Versuche vvrgenommen, an einem der Heberinge unter Wasser Rctturwsketten zu befestigen. Die Stelle, an welcher das verunglültte Unterseeboot gesunken ist, ist zu tief, als daß die Taucher bis zu ihm gelangen könnten.
Ein Seeoffizier erklärte einem Berichterstatter, daß man sich in Marinekreifen jeden Tag auf ein derartiges Unglück gefaßt mache, denn, wenn die Ängriffsübungen der Unterseeboote auch notwendig seien, so seren sie doch außerordentlich gefährlich. „Bcnd6miaire" habe offenbar das Panzerschiff „St. Louis" gesichtet, das Periskop eingerogen, um zu tauchen und unter dem „St. Louis" durchzuschwim- men. In diesem Augenblick sei „Vendämiaire" wahrscheinlich von einer unbekannten Strömung erfaßt worden und mit dem „St. Louis" zusammengestoßen.
Gefährliche Uebungen.
Paris, 9. Juni Aus Brest wird gemeldet: Der Befehlshaber des „Saint Louis" hatte vor der Abfahrt nach Cherbourg zu einem Freunde gesagt: Die Uebungen, welche wir vorhaben, sind überaus gefahrvoll. Ich werde die Kommandobrücke nicht einen Augenblick verlassen, so sehr fürchte ich eine Kata- st r o p h e. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Panzer „Saint Louis" den „Bendämiaire" entzweigerissen hat. 'Das sofort nach dem Zusammenstoß wahrgenommene Brodeln und Aufschäumen, loclches an zehn Minuten dauerte, wurde von den aus dem Riß des Unterseebootes her ausdrinaend en Luft- m ass en verursacht, die in großen Blasen an die Meeresoberfläche gelangten. Einige Sekunden später breiteten sich auf der Wasseroberfläche fettige Lachen aus, welche von den geborstenen Oel- und Petroleumreservoirs herrühren.
Tie gesamte Preffe
gibt der Trauer und der Bestürzung über den Untergang des „VendSmiaire" Ausdruck. Mehrfach wird bemerkt, baß die französische Kriegsmarine über 50 Unterseeboote besitze, welche seit dem Unglück des „Pluviese" an 6000 Tauchübungen vvrgenommen haben. Bei btefer großen Zahl von Tauchübungen sei es fast unvermeidlich, daß sich eine Katastrophe ereignete. Die Unterseeboote stellten gleich den Flugzeugen eine Ueberlegenheit Frankreichs dar, sie seien aber auch gleich btefen von beständigen Gefahren bedroht. D e l c a s s 6, dessen Politik vor allem das Interesse Englands berücksichtige, habe den Irrtum begangen, die Verteidigung der Nord- küsten fast ausschließlich der Unterseeflottille an- ruvertrauen, welcher dadurch übermäßige und wegen der Meeresverhältnisse besonders gefahrvolle Anstrengungen auserlegt worden seien.
Die Besichtigung des Marineministers.
Cherbourg, 9. Juni. Marineminister Delcasss ist hier vergangene stacht eingetroffen. Er begab sich heute morgen an Bord des Panzerkreuzers „Gloire" zur Unglücksstätte. Den untergegangenen Seeleuten wurden unter allgemeiner Bewegung die letzten Ehren erwiesen. Nach dem Fahnensalut ertönte die „Marseillaise", dann folgten Kanonenschüsse. Nach einem kurzen Besuch an Bord der „Saint Louis" begab sich Delcasss an fianb zurück, wo er die Station der Unterseeboote besuchte. Mittags reifte er nach Paris zurück.
Der zweite Offizier der „Saint Louis" versicherte, er habe den Augenblick des Zusammenstoßes genau gesehen, wie der „Bendsmiaire" in zwei Teile zerschnitten worben sei. Die BesatzungmüsseaugenblicklichdenTod gefunden haben.
Lin Revolveranschlag aus den Banns von Kroatien.
An Stelle des wegen seiner Willkürherrschaft und seiner politischen Mißerfolge bei Volk* und ReichSreaierung gleich unbeliebten Herrn Tomasitsch war am 20. Januar o. I. Herr v. C u v a j zum BanuS von Kroatien ernannt worden. Seine Tätigkeit in Agram begann dieser damit, daß er den vorher schon fünfmal wegen Arbeitsunfähigkeit gesprengten kroatischen Landtag noch vor seinem Zusammentritt aufs neue auflöste. Deswegen verbreitete sich in den national-kroatischen Kreisen eine große Erregung, die auch auf die S t u d e n t e n b e r A gramer Hochschule Übergriff und sich gegen Professoren richtete, die das Regierungsprogramm unterstützen wollten. Uederall, wo Kroaten wohnten, erfolgten Kundgebungen und Einspruchsversammlungen, die das Volk noch mehr verhetzten. Trotz der gesetzlich bestimmten Frist wurden die neuen Wahlen anfangs April noch nicht ausgeschrieben. Statt dessen wurde am 3. April über Kroatien und Slawonien unter Aufhebung der Verfassung, der Ausnahmezustand erklärt und der Banns, Herr v. Cuvaj, zum Königlichen Kommissar ernannt. Eine ungeheure Erbitterung bemächttgte sich der eingesessenen Bevölkerung. 9hm hat ein fanatisch veranlagter junger Student sich von seinen politischen Leiden- schäften zu einem Mvrdanschlag auf den Urheber des kroatischen Ausnahmezustandes hinreißen lassen.
Agram, 8. Juni. Als Baron Eduard Cuvaj heute mittag in Begleitung seiner Gemahlin sowie des Leiters der Unterrickstsabteilnng der Kroattschen Landesregierung tzervoitsch und seines Sekretärs von einer Festlichkeit im Automobil zurückkehrte, feuerte-ein Student einen Revolverschu ß ins Automobil. Der Schuß traf Hervoitsch. Der Attentäter ergriff die Flucht. Er wurde von Polizisten und Gendarmen verfolgt. Auf der Flucht s ch o ß e r einen Schutzmann nieder, der auf der Stelle tot war. Dadurch gewann er einen Vorsprung und verwundete noch einen zweiten ihn verfolgenden Polizeibeamten. Schließ- lich wurde der Attentäter, der von den Verfolgern Der» tounbet worden war, f c |t g e n o m m e n. Er heißt L u k a ö Jukitsch. Er ist etwa 20 Jahre alt, aus Bosnien gebürtig und auf der Universität Agram als Hörer der Rechte inskribiert. Er befindet sich in einer derartigen Aufregung, daß das Verhör mit ihm noch nicht zu Ende geführt werden konnte. Cuvaj wurde von verschiedenen «eiten zu seiner glücklichen Errettung beglückwünscht.
Das ungarische Korr.-Burcau meldet aus Agram: Tic Dlättermeldung vom Tode des Banalsrats Hervoitsch ist falsch. Sein Befinden ist allerdings sehr bedentlich.
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tracht Hörnsheim, einem wertvollen fand ein Festzug sich ein Volksfest Fortsetzung findet.
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Holzhausen bei Wetzlar. In der 3. Klasse errang den mit 211 Punkten Eintracht Hörnsheim, den 2. Punkten Konkordia Holz hausen v. d. H., den 3. Preis Punkten Siederkranz Zellhauü'u. Bei dem EhrenvreiS-
Aus Statt und Land.
Gießen, 10. Juni 1912.
singen erhielt den Ehrenpreis der 1. Klasse Germania Höchu am Main mit 123 Punkten, den der 2. Klasse Frohiinn Ricder-Wöll- stadt mit 120 Punkten, den der 3. Klasse mit 115 Punkten (rin» Jeder Preis bestand aus einem Geldbetrag, Kunstgegenstand und Ehrendiplom. Mittags durch den reichgeschmücklen Ort statt, woran auf der Mockswies anschloß, das heute feine
Preis dem Gesangverein Eintracht Klein-Linden nut 231 Punkten zuerkannt, den 2. Preis erhielt Frohsi......
Wöllstadt mit 226 Punkten, den 3. Preis mit 207 P
irat Le ntze aus Halle „Ueber die
Starkenburg und Rheinhessen.
W. Darmstadt, 8. Juni Heute vormittag hat der Unteroffizier E r n e r den Gefreiten Spahr während einer Felddiensmbung in der Nähe von Eberstadt aus dem Wald- jchutzbereich der Bahn aus Fahrlässigkeit erschossen. Beide gehören Dem Garoe-Dragoner-Regiment Nr. 23 an. D-as Unglück geschah dadurch, daß der Karabiner dies Unteroffiziers sich entlud, als dieser vorn Pferde steigjen wollte. Der Schuß ging dem Gefreiten inS Herz, der sofort tot war.
m Offenbach a. M, 9. ^uni. In dem Tamp'! und
r-1 fcoocltotrf der Firma Philipp Forster u. Sohne brach heute,
Kreis Friedberg.
, u I- h b , 8. Juni. Gemeinderatssitzung beiden Wirtichastspläne über Die Waldungen Stabt Butzbach und des Armensonds Butzbach für dab Wirt- schastsjahr 1913 wurden genehmigt. Die Rechnung eine* Gewerbetreibenden über Renovierung eines dem Armensonds dahier gehörigen, in der Äuldengasse gelegenen Hauses im Betrage von 87.50 Mk. soll zur Auszahlung angewiesen werden, L^ber 'Bedingung,, daß zukünitig ,olck)e Arbeiten, wozu di« Grotzh. Bürgermeisterei keinen Auftrag erteilt hat, nicht mehr be-
— DaS Gesuch des Bauunternehmers Louis Kreh um An.chluß des neuer bauten Wohnhauses deS Lehrers Bauer an die stadtnche Kanal- und Wasserleitung und Herstellung eines RevuionS->L»chachtes m der Taunusstraße — Straßenkreuzung — aut stadtnche Stollen wird genehmigt Die Ausführung der öer- stellungsarbeiten des Reviiionsschachtes wurde dem Herrn Kreh übertragen. — Nach Mitteilungen der Reichstügsabgeorbnet« L-track und Werner und des Strieg8minifterium6, KrregSdeparte« ment, vom 25. 'Utai 1912, biete die bevorstehende Heere, oer- Itärkung nicht die Möglichkeit, die G a r n l s v n der Stadt Butz - bach zu verstärken; auch könne nicht die Zuweisung niet Maichinengewehr-Kompagnie an das erste Bataillon deS Zmwr» tene-Regiments Nr. 16b in Aussicht gestellt werden. — Das Dein Armensonds gehörige, an der Hochweislerstraße gelegene Grundftuck soll dem gememnützigen Bauverein verkauft werden. Ter Antrag Appenheimer, die .nanalleitung ui der Iaunu*iira6e »u verlängern, wurde abgetehnt, da augenblicklich ein Bedürf- nrs noch nicht vorhanden sei .
eiten", cm 2chema, das gerade je»: auch für Gießen l-,
•rage des Unfallkrankenhauie- von Jntere'ie ift,
bislang in jirajt getretenen Bestimmungen Der Re i chs v er« sicherungsordnung", ein Thema, das ebenfalls ncrabe für die Gießener Verhältnisse wegen der geplanten (Jinriditimq einer Professor für soziale Medizin von Bedeutung ist. Die lokalen Vorbereitungen süid von Sanitätsrat st a e * , dem Vorsitzenden deS Bahnärztevereins in Frankfurt a. M., im Einvernehmen mit Professor Sommer ^ctronen. Montag nachmittag findet ein Ausflug nach dem >-chisfenberg statt, Dienstag eine Besichtigung der psnchiatrischen Klinik und sonstiger Universitätsinstitllte, lomic der Siechen- und Irrenanstalt, nachmittags ein Ausflug nach Nauheim mit mcchizinischen Be-.ch- tigungcn, Mittwoch eine entsprechende Fahrt nach Hombura tvtr heißen die Versammlung in Gießen willkommen und wünschen in wissenschaftlicher und geselliger Begehung besten Erfo!g.
•• Zu deut JubiläumS-Gauturnfest Gießen 1912 haben sich bis heute 100 Musierriegen gemeldet. Eine Anzahl von Meldungen steht noch au8, so daß ein außerordentlich starker Besuch zu erwarten ist.
” Der Bau des neuen Amtsgerichts wird, nachdem die Arbeiten an die vereinigten Bauunternehmer von Gießen unter Führung der Hoch» und Tiefbaugesellschaft Winn & Co. für etwa 120 000 Mk. (Erd», Fundament- und Maurerarbeiten) übertragen worden sind, in den nächsten Tagen begonnen.
♦♦ 3000 Mark Belohnung. DaS Amtsgericht Fulda erneuert die Ausschreibung der 3000 Mk. Belohnung für die Ergreifung der Gebrüder Ebender, nachdem sich herausgestellt hat, daß die beiden bei Bischofsheim vcr- hafteten Zigeuner nicht die Ebender sind, sondern tatsächlich Winter heißen und aus der Gegend von Köln stammen. Sie wurden bereits aus der Haft entlassen.
Landkreis Gießen.
fb. Steinberg, 10. Ium. Der Gesangverein „Eintracht" beging gestern die Feier seines 43j übrigen Stiftungsfestes, mit der ein nationaler Gesangswettstreit verbunden war. Durch ein Konzert aus dem Festplav wurde am Samstag abend die Festlichkeit eröffnet. Am Sonntag um 10 Uhr begann das Preis- und Ehrenpreissingen im Saale des Gasthauses zur Krone. An dem SBettftreite beteiligten sich neun Vereine. Es errang in der ersten Klasse Germania Großen _'in- den mit 246 Punkten den 1. Preis, Germania Höchst a. M. mit 243 Punkten den 2. Preis, Mannerchor Nieberwccse!. mit 234 Punkten den 3. Preis. In der zweiten Klasse wurde der erste
Der italienisch-türkische Krieg.
Ein erfolgreicher Vorstoß der Italiener.
Tripolis, 9. Juni. Um die Beherrschung der Oase von Zanzur den Italienern zu sichern, machte eine Abteilung, bestehen» aus 14 Bataillonen Infanterie, einigen Batterien Artillerie und eine Kavallerie-Brigade einen Vorstoß in westlicher Richtung. Tas Ziel waren einige Anhöhen südlich von Marsa und Sidi ab del Gilt. Die Reserve, gebildet aus einem Bataillon Askaris, einer Kavalleriebrigade und einer Batterie Gebirgsgeschüyen, war südlich der dritten Schanze von Gargaresch aufgestellt. Außer diesen Streitkräften in Bumiliana wurde die Brigade M o n t o u r i, bestehend auS fünf Bataillonen Infanterie und einer Batterie Gebirgsgeschützen, bereitgehalten. Um 4hz Uhr verließ die Division Camerana die Verschanzungen von Garagaresch und machte auf den feindlichen Linien mehrere erfolgreiche Angriffe mit dem Bajonett. Gegen 7t/2 Uhr erreichte sie das Ziel. Mehrere Abteilungen des 40. Infanterieregiments vertrieben den Feind durch Bajonettangriffe auS seiner Stellung auf der Höhe bon Sidi ab del Gili. Zur selben Zeit machten ; o b l - reiche feindliche Streitkräfte, die von Süden tarnen, einen heftigen Angriff in der Richtung auf Gar- gar e s ch gegen den linken Flügel der Division Camerana. Die Reserve und die Artillerie der dritten Schanze von Gargaresch griffen schnell in den Kamps ein, brachten den Feind zum Stehen, und trieben ihn mit Hilfe der Brigade Montouri zurück, die in Eilmärschen von Bumiliana kam und dem Gegner in die Flanke fiel. Mittag- war es nur noch in einem Teil der Oase Zanzur, wo sich noch größere Steilungen befanden, aber ein energischer Angriff der Brigade Rainaldi trieb auch diese vollständig in die Flucht. Gegen 1 Uhr war der Feind auf allen Punkten in vollem Rückzüge.
.Popolo Romano" schreibt zu dem offensiven Vorgehen der italienischen Truppen zwischen Tripoli- und Zanzur, es sei hervorzuheben, daß die italienischen Truppen trotz der großen Hitze und des Sandwindes glänzend manöoeriert und den Feind durch kühne Bajonettangriffe zur regellosen Flucht gezwungen hätten. Wenn man berücksichtige, daß das Sager und die Verschanzung des Feindes von diesem selbst als uneinnehmbar bezeichnet worden sei, müsse man die Bedeutung des erreichten Erfolge- anerkennen. Auch „Messagero" und „Vita" heben die besondere Bedeutung des jüngsten offensiven Vorgehens der italienischen Truppen nachdrücklich hervor.
General Caneva telegraphiert über den Kampf am 8. Juni Einzelheiten: Der Vorstoß aus Tranckeen von Gargaresch erfolgte in zwei Kolonnen, bereit erste die Brigade Giardina, 6. und 40. Infanterie-Regiment, dem Meer entlang vorrückte, während die zweite Kolonne, die Brigade Rainaldi, 82. und 84. Infanterie-Regiment, links von Tripolis auf Zanzur vorrückte. Der gut verschanzte Feind wurde um 5 Uhr früh zuerst von Giardina angegriffen und nach heftigem Artillerie- und Jnfanteriekamps geworfen. Desgleichen gelang es Rainaldi, den Feind nach heftigem Artillerie- und Jnsanteriekampf aus seinen Verschanzungen zu vertreiben. Ter Feind hatte starke Verluste. Gegen Mittag waren die feindlichen Truppen auch aus il-ren Stellungen geworfen, auf die sie sich bei Zanzur zurückgezogen hatten und wurden mehrere Kilometer weit verfolgt. Der Gegner befand sich in voller Auslösung. Die Verluste der Feinde betragen nach Maßgabe der aufgefundenen Leichen über tausend Tote. Die Zahl der Verwundeten ist unbekannt. Auf Seiten der Italiener wurden ein Offizier, 19 Soldaten und 10 Askaris getötet, acht Offiziere, 182 Soldaten und 70 Askaris verwundet.
Ei« italieuischcr Erkundiguugszug bei Terna.
Rom, 9. Juni. Die Agenzia Stefani meldet aus Derna vom 8. Juni: Heute früh wurde auf dem linken User des Ouadi ein Erkundiguugszug unter dem Befehl des Obersten Satta unternommen. Der Feind eröffnete das Feuer, das die Italiener erwiderten; sie verwundeten zwei reguläre türkische Soldaten. Darauf zog sich der Feind zurück. Die Italiener hatten keine Verluste.
Auf den Flieger Hauptmann Bolla wurden während eines Fluges, den er unternommen hatte, um die neue Sage des feindlichen Lagers sestzustellen, vierKanonen- chüsseabgegeben, die nicht trafen. Hauptmann Bolla tellte fest, daß frer Feind südwestlich von seinen ersten Stel- ungen Lager bezogen hat.
Angriff auf eine italienische Abteilung bei Homs.
Rom, 8. Juni. Die Agenzia Stefani meldet aus Homs: Morgens ist eine italienische Abteilung in ber Nähe von Margheb 'vom Feinde beschossen worden. Ter Feind erhielt Verstärkungen und war schließlich 500 fVtann stark. Die italienische ArMerie trat unterdessen in Aktton. Ein wirksames Feuer zwang den Feind, sich unter Verlusten, die beträchtlich waren, zurückzuziehen. Der Feind setzte das Feuer aus großer Entfernung fort. Auf feiten der Italiener wurden 5 Soldaten leicht verletzt, einer wird vermißt.
** Bahnärzte-Vereinigung. Der Verein der Bahnärzte des TirektionSbezirkes Salle a. b. S. hat feine diesmalige Jahresversammlung nach Gießen und zwar in die Klimt für psychische und nerochc Krankhenen verlegt- Bisher sind etwa 40 Teilnehmer auS diesem Bezirk gemeldet. Auf die geschäftlichen Verdondlungen folgen Vorträge von Geh. Mcdr- iinalrat Sommer, „Beispiele für die Verwendung psychophysischer Methoden bei der Begutachtung von Unfallsnervenkrank-
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Kreis Büdingen.
? Lindheim, 8. Juni. Der ungefähr zwölfjährige I Sohn eines hiesigen Landwirtes wollte sich im Zielen ■ üben und nahm dazu das an der Wand hängende Flodert 1 E'eines Vaters. Kaum hatte er die Waffe in der Hand — ebenfalls hat er beim Herabnehmen den Hahn berührt —, -a ging ein Schuß los und traf die zufällig abwesende S ch w e st e r des Dienstmädchens, eine Näherin. Zum Glück war das Gewehr nur mit Schrot, sogen. Spatzendunst.W geladen und dadurch trug das Mädchen nur unbedeutend«^ Wunden cm der einen Wange davon. Die Augen blieben verschont.
Kreis Alsfeld.
$= Alsfeld, 8. Juni. Abg. R e h hat bei der Zweiten Kammer beantragt, die Stadt Alsfeld in die zweite Klasse des Wohnungsgeldtarifes einzureihen. Die Regierungsvorlage har Msfeld in die dritte Klasse ein- gereiht.
Kreis Schotten.
« L a u b ach, 8. Juni. Weißbindermeister Spuck von hier erhiett dieser Tage ein Schreiben von einem amerikanischen Rechtsmrwalt, in welchem dieser ihn auffordert, Erbansprüche an das von seinem in Chicago verstorbenen Bruder hinterlassene Vermögen — es soll jidj um die Summe von 05 000 Dollar handeln — zu erheben. Der Verstorbene, der vor ungefähr 28 Jahren nach Amemla ausgewandert war, lebte unter dem Namen Van Sprock in Washington, wo er sich durch Anlegen von großen Äpfelplantagen, die ihm auch den Namen Apselkömg eingebracbi haben, ein so bedeutendes Vermögen ern>orben haben soll. Vor acht Jahren hat er zum letztenmal seine Verwandten hier besucht. Nachdem ihm vor mehreren Jahren nach kinderloser Ehe feine Frau gestorben war, kommen als Erben des bedeutenden Vermögens drei Geschwister hier i in Bettacht.
Aus Heften.
Grünberg, 9. Juni. Gestern abend fand hier im Gaschaus zum Rappen eine öffentliche Wählerversammlung statt. Ten Vorsitz hatte Bürgermeister Ranft von Grünberg übernommen. Ter Landtagsabgeordnele für den Wahlbezirk Grünberg, Gutsbesitzer Eduard Lutz von Elpenrod sprach etwa IVs Stunden über „die hessische Finanzwirtschast". Sparsamkeit müßten die Gesetzgeber in erster Linie sich zur Richtschnur nehmen, damit die Steuern nicht noch lwher und besonders auch die Gemeinden nicht mit neuen Lasten beloben würden. Die Aus» führungen des Redners fanden reichen Beifall. Die Versammlung war, wohl infolge der Heuernte, nicht so stark besucht. Es sprachen außer dem Referenten noch Bürgermeister Ranft und Rektor Angelberger von Grünberg.
Deutsches Reich.
Der preußische 8 an b t a g hat sich am Samstag nach einer Tätigkett von 6 Monaten, die burch l'/> Monate Ferien unterbrochen würbe, bis zum Herbst vertagt.
Dem Botschafter Grafen v. Wolff-Metternich würben bie Brillanten zum Großkreuz bes Roten Ablerortxm- mit Eichenlaub verliehen.
Nach ber „Breslauer Volkszeitung" bringt KarbinalKopp täglich mehrere Stunben außerhalb bes Bett« zu. Sern Kräste- zuftanb hat sich sichtlich gehoben. Der Wunbverlauf ist normal.
Auf bem Parteitag der Zentrurnspartei für den RegierungSbezirkWieSbaden.der am gestrigen Sonntag bei Anwesenheit von 250 Delegierten stattfanb, verwies der Brzeprasibent beS Preußischen LonbtagS Dr. P o r s ch - Breslau auch aus bie Angriffe aufdas Zentrum, bie letzthin sogar von katholttcher Seite erfolgt seien. Er erklärte, daß bao Zentrum auf Winbhorstfchern «oben stetS geroanbell, feinen Schritt bavon abgewichen fei unb auch nicht von ihm obwcichen lverbe. Daß katholischen Zentrumsleuten Mangel an Katholizismus oben» brein von Katholiken vorgeworien werbe, sei Luge unb Ser» leumbung unb so roibetroärlig, baß man sich von bem politischen Leben abwenden mochte.


