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10.6.1912 Erstes Blatt
 
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_____Erster Blatt 162. Jahrgang Montag. 10. Juni 1912

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Siebener Anzeiger

L^r AV Verantwortlich für den

ww < 77 NN politischen Teil: August

General-Anzeiger für Vberhessen

Rotationsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und vruckerei: Schulstrahe 7. ;tl£Äct^für ben vüdingen: Fernsprecher Rr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. sinjeioenteii:«>. Beck.

Eine Regierungserklärung über die veamtenbesoidung in Hessen.

Darmstadt, 8. Juni.

In den heutigen Beratungen der Regierung mit dem Finanzausschuß über die Befoldungsooriagen ufw. gab Staarsrninister Dr. Ewald folgende Erklärung ab:

Nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen im Fincmz- ausschuv glaubt die ÜHcjicrung folgendes annchmen zu müssen:

1. Ter Aussdmß hall cs in seiner Mehrheit für geboten, dah den VolkSschullehrcrn eine Zulage von 15 statt der vorgesehenen 11 Prozern ihres Gehalts gewahrt wird

2. Der Ausschuss hält es an seiner Mehrheit für beben F- lich, daß von den» ourch die Ausbesserung der VolkS'chullehrer- gehalte nach der Regierungsvorlage entstehenden Mehrbedarf ein Betrag von rund 277000 Mk. durch die Gemeinden gedeckt werden soll, und will auch diesen Betrag ganz oder zum größten Teil durch den Staat aufgebracht haben.

3. Der Ausschuß hält es für geboten, das; die zur teilweisen Deckung der Kosten der Besoldungsvorlagen usw. für 1013 und folgende Jahre erforderliche St e n e re r h u n g (5 Prozent Einkommensteuer und 5 Pfennig Vermögenssteuer- ganz oder wenigstens zum Teil m ö g l i ch st hinausgeschoben wird.

Zu 1 und 2: Tie Erfüllung der hier gestellten Verlangen des Ausschusses löürbc die Staatskasse unbestritlenermasten mit tuicr dauernden Mehrausgabe von 188 000 Mk. Obel rag der Mehrsorderuug für die Lehrer) - 277 000 (Beitrag der Gemeinden) *= 165 000 Mk. belasten. Tic Großh. Regierung hat seither stets erklärt, daß es ihr abgesehen von sachlichen Beden­ken auch schon um deswillen unmöglich sei, aus jene Ver­langen einzugeheu, weil ihr die zur Deckung der Gesamtmehr­ausgabe von 165 000 Mk. nötigen Mittel fehlten. Rach noch- maliger sorgfältigen Erwägung aller in Betracht kommenden Um­stände glaubt die Großh. Regierung indes, in der Voraus­setzung, bau sich nur u in diesen Preis eine 95 er» stänbigung mit beiden Kammern der Stände über btc sämtlichen zur Beratung stehenden Vortagen erzielen läßt, unter voller Aufrechterhaltung ihrer grundsätzlichen Bedenken schon jeßt in Aussicht stellen zu können, daß sich bei Beratung des Gesetzentwurfs über die Tilgung der Staatsschuld wohl die Möglichkeit bieten wird, elwadicHälftcjenesBctrages, also etwas über 200 000 Mart weiterhin aus Ei sc n b a h n ü b e r schü sse n für die laufenden Bedürfnisse der allgemeinen Staatsverwaltung dauernd flüssig zu machen.

Für die andere Hälfte kann indes eine dauernde Deckung nicht namhaft gemacht, es müßte also ihre Heber» »ahme aui die Staatskasse tu djieben abgelehnt werden. Tie Großh. Regierung überläßt es nunmehr danach dem Ausschuß, z>l entscheiden, ob er entweder die erhöhten Ansprüche der Bolksschullehrer zu Lasten der Staatskasse befriedigen und dafür Die Gemeinden mit den in der Regierungsvorlage vor' gesehenen Beiträgen zu den kosten der Erhöhung der Volksschul- lehrcrgehalte öder doch wenigstens deren größten Teil dauernd belasten

oder ob er von den Gemeinden die letzterwähnte Lail ab= nehmen und sic der Staatskasse aufcrlcgcn, dagegen die zu Lasten der Staatskasse erhobenen höheren Ansprüche der Lehrer (15 statt 11 Prozent, ablehnen will.

3u 3: Nach dem Urteil, das man sich heute über die Entwuk- lung von Staatseinnahmen und -Ausgaben in den nächsten Jahren Hilden kann, läßt sich eine Steuererhebung zur Deckung eines Teiles des durch die Vorlagen entstehenden Bedarfs nicht um gehen. Sie ganz zu vermeiden, hält die Großh. Regierung, wie jidi die zukünftigen Verhältnisse jetzt darstellen, auch nach noch- maliger sorgfältiger Prüfung für unmöglich Wohl aber würde iieb die Steucrcrhohung für etwa zwei weitere Jahre ganz ver­meiden ober für mehrere Jahre noch etwas vermindern Iahen, so fraü sie e r st nach und n a ch i n voller H ö h c wirkt a m würbe, wenn man die vorgeschlagcnen Grundlätze über bie Tilgung der Staatsschuld erst nach und nach, etwa in einem Zeitraum von 5 Jahren in Geltung treten liehe, nnc

Vie Grundsteinlegung der Germanischen IHujcums in Cambridge.

Boston, 8 Juni. In Gegenwart einer glänzenden Fest- Versammlung und unter Teilnahme der gesamten ^tudentenichatt 'and heule vormittag die Grundsteinlegung für das neue G c rma­nische Museum der varvard-llinversttat in Cambridge tatt Adolph Busch von St. Louis, denen finanzieller Beihilfe der Bau des Mufeuins zu verdanken ist, war aus geiundhettlichen Gründen an der Teilnahme der Feier verhindert, "wurde durch jen Vize-Präsidenten desGcrmanlickfen Mwcums , dem Jitu- yorkei Kunstfreund Hugo R e i s i n g e r, vertreten. Drofe,wrL,r 2owell, der Präsident der Umocmtat, feierte in ieiner Busch als Gründer des Museums, der beutidje .Hoticbafter lu.acb icer die freundschaftlichen Beziehungen ilvO^n ^eutichland und Amerika und Hugo Reisinger roibmcie mne Aus'prach^ bin Ver­diensten des Kurators des Museums, Pro'. Muno orandt, um das Zustandekommen des Vtufeums. -ter eigentlichen Feier der ! Grundsteinlegung folgte ein Frühstück im Unwnklub von .^arvard, an dem die Fakultäten der UniDcrntat und alle -tirdtoreii des *. Seite

Bernstortf übermittelte bie Glnckwünfche des Katferö und des Reichskanzler^ Reiiiiiaer verlas ein schreiben Buschs, IN dem dieser ausfuhrt, daß bie Harvard Universität stets die bcutidwn wissenschaftlichen Ideale vertreten habe, -tas Muieum ki ein inmbol der Beziehungen der Deutsch-Amerikaner zu Deutfchla'td und Amerika. Graf Bernstorff reut auf EornÄius «anderbilt' ^acht zum Empfange des deutschen. Ge-ch-vadcr.' nach ^w'ork.

Tie Gründung des Germannchcn .Viuieumy .vvft'in dmrna aCigemein als bedeutsame Errungen,straft bezeichnet, bu. viel ,azu : beitragen werde, die deutsch-amerlkanifchcn.Bezlehung^n inoch r.i.nr i in gestalten. Tas Museum wirb nach ,einer Fallendung oM Cf tage das bedeutsamste Spiegelbild deut,cher)U,tturani,i.n.e-.m j 6oben sein. Zur Errichtung des Mufeums hat Adolob B <) ganzen dreihunberttaiisend Tollars genutet, ^.a-. -

raube, das nach den Plänen des Dresdener Baumen ec. Pri- . f Festelmayer errichtet wird, ivird nt romaimcheni «tilgtbatkn I ÜUl und drei große Raume enthalten: ic einen für ich.ma 1 , omanische und Renaissance-Kunft. Hugo Hetlinger bewirt i mer Rede, daß das Zustandekommen des Bau.^.- m.i pti. ui I tirmüdlichen Bemühungen des Prof. Franste zu verdanken k , cB der hervorragendste Verfechter deutscher Kultur in gelte. Prof. Franste hat jahrelang Dorgearbeitet, da-germanricr^ -^stseumAgehäAbe. dessen sich Harvard bisher erireute,. wcw nur ül

bies seinerzeit der Herr Abgeordnete Dr. Weber angeregt hatte. Wenn der Finanzausschuß darauf Wert legt, daß in dieser Weife verfahren wirb, ist die Großh. Regierung bereit, eine Beratung des GesetzeMwurfs über die Tilgung der Staatsschuld eine ent- sprechende Nachgabe zu machen, falls zu erwarten ist, daß dieser Entwurf im übrigen in annehmbarer Gestalt die Zustimmung beider Kammern der Stände findet.

Dazu wird uns von unserem Darmstädter Mit­arbeiter noch geschrieben:

^JZit welstum großen Schwierigkeiten der Finanzausschuß bei der Beratung des Beamtenbesoldungsgesetzes zu kämpfen gehabt hat und noch zu kämpfen hat, läßt sich aus der Regierungserklärung ersehen, die bie drei wichtigen Punkte hervorhebt, bie im Aus­schuß zu großen Differenzen zwischen Regierung unb Kammer einerseits und den Parteien untereinander andererseits geführt haben. Diese Schwierigkeiten erstreckten sich demnach nicht nur auf die Frage der Annahme oder Ablehnung der Vorlage, sondern vor allem Darauf, in welcher Art und Weise unb in welcher Höhe bie Bezüge ber Beamten und Pensionäre sowie der Witwen und Waisen festgelegt worden sollten. Aber auch hiermit war die Reihe ber Widerstände noch nicht geschloffen. Die Deckungsfrage führte zu ben größten Meinungsverschiedenheiten. Tabei wurden noch von mandfcr Seite Me^norberungen gestellt, ohne dafür aus­reichende Tcckungsmittel anzugeben.

Zum besseren Verständnis seien hier nochmals einige Zahlen aus ber Regierungsvorlage heroorgelfoben:

Tie Summe, bie notwendig ist, um den Beamten höhere Bezüge zukommen zu lassen, betragt 1 654 630 Mk.; die Erhöhung der Lehrcrgehalter erfordert 335100 Mark: für Pensionäre und Hinterblicbcnengclber sieht der Entwurf 16 000 Mk. vor, für die Versorgung ber Witwen unb Waisen ber Volksschullehrer 4500 Mk. Tie Erhöhung der Zivillistc beansprucht 75 000 Mk. Weiter sind für die Ausbesserung der Bezüge der Staatsdienstanwärter 130 000 Mark und für die oer vorhandenen Pensionäre unb Hinterbliebenen von Beamten unb Volksschullehrern 125 000 Mk. angeforbert. Im ganzen also 2 340 230 Mk. Für das Jahr 1913 ist natürlich mit einer Steigerung dieser Beträge zu rechnen. Nach der Vorlage lassen sich aus den vorhandenen Reserven etwa 1500 000 Mk. flüssig machen, bie aber schon für das nächste Jahr sortsallen würden.

Nach ber Regierungsvorlage werden die unteren Beamten in Hessen besser gestellt sein, als die im Reiche unb in Preußen. Deshalb ist es verständlich, daß diese Kategorie mit ber Vorlage im großen und ganzen auch durchaus einverstanden ist. Tie mitt­leren Beamten kommen den Reichs- und preußischen Beamten fast gleich, nur bie afab^mudfen Beamten bleiben hinter den im Reiche und in Preußen geltenden Sätzen um 10 Proz. zurück.

Besonders die V o l k s s ch u l l e h r e r sind mit der Vorlage un­zufrieden und fordern eine Erhöhung ihrer .Bezüge von 11 auf 15 Proz. Tas würde ein Mehr von 188 000 Mk. erfordern. Will man aber den noch weitergehenden Ansprüchen der Lehrer Genüge tun unb auch den Wohnungsgeldzuschuß ent­sprechend erhöhen, so wären insgesamt 324 500 Mk. aufzubringen.

Diese Forderung der Lehrer sowie die im Regierungsentwurfe vorgesehene Summe von 277 000 Mk., bie von den Gemeinden für bie Kosten ber höheren Schulen zu tragen sein würde, war Gegenstand eingehender Beratungen des Finanzausschusses. Hier haben wir auch die Ursache aller Tifserenzcn zu suchen. Wie hart der Kamm gewesen sein muß, geht aus der Regierungserklä­rung hervor, die als ein Niederschlag jener Beratungen angesehen werden muß. Tie Regierung hat fick) nämlick; bereit gefunden, 200000 Mk. aus Öen Eisenbah »Überschüssen für die lausenden Bedürfnisse der allgemeinen Staatsverwaltung dauernd flüssig zu machen. Dieser Betrag würde etwa die Hälfte von dem ausmachen, was der Finanzausschuß den Lehrern und den Ge­meinden gewähren will (im ganzen 465 000 MkZ. Tie Regie­rung macht dann die oben erwähnte interessante Mitteilung, daß für die andere Hälfte eine dauernde Deckung nicht namhaft ge­macht werden könne, es müsse also ihre Üebernahme auf die Staatskasse entschieden abgelehnt werden. Tie Regierung will also hier offenbar den Kopf aus der Schlinge ziehen. Sie will die Kammer in den Kampf entweder mit den Gemeinden oder den Lehrern schicken.

zwischenzeitiges gedachi. Tie ersten Geschenke für das Museum stiftete der 2cutfd>e Kaiser, seinem Beispiel folgend, inadfteii unter anderem der König von Sachsen, der Prinz-Regent von Bayern, der Herzog von Braunschweig Stiftungen.

Untersuchungen an der Heidelberger Lchlotzruine.

Nachdem die badische Regierung jüngst in der Kammer die Erklärung abgegeben hat, daß von einer weiterenWiederher­stellung" der Heidelberger Schloßruine enbgiltig Abstand genom­men sei, daß hingegen wissenschaftliche Untersuchungen zur ge­nauen Feststellung des baulidien Zustandes der Ruine angeftelit werden würden, bringt nunmehr die SeemannschcKunstchronik" über diese Untersuchungen eingehende und sehr interessante Mit teilungen.

Es ist ber Geheimrat Prosessor Hirschwald, Tirektor des Mineralogisch-Geologischen Institutes der Technischen Hoch­schule zu Eharlottenburg, dein bie badische Regierung mit einer eingehenden Untersuchung des Laugesteines beauftragt hat. Ten weif vorgeschrittenen und nicht mehr aufzuhottenden Ver'all führt Profes'or Hirsdnvald auf zwei Ursachen zurück: auf die natürliche Verwitterung durch vhysikalii'che und chemische Einflüsse, die bie beiderseits schutzlose Mauer treffen, unb auf Zermürbung und Sprengung innerhalb bcs Gesteins, bie fick nur durch Bewegungen in der Mauer erklären lassen. Um diese Bewegung sicher feuzu- ftellen, sind nach Hir'diwalds Angaben drei Vorrickuungen an gebracht worden. Im Meiler des Stto-Heinrico-Baues hat man einen Horizonraivcnbcl zur Aufzeichnung der Bewegungen au*'gc- ftellt, der die Bewegungen der Gcsamrmauer verfolgen soll. Weiter sind nod) 14 Einfoannröhrchen zwilchen seckfs Fenstern des Lber- geschofses angebracht, die Verschiebungen selbst auizcidmen.^ End- lich ist an der Außenseite der Mauer ein ^iey von 137 Stand runtren und an der Rückseite ber Pfeiler beider Frontmauern ein solches von 40 Standpunkten eingelassen, deren Hagcänberung von Drei Punkien aus durch Feinmessungen benimmt werden soll lieber bie Wirkungen dieser Drei Einrichtungen, bie seit einem halben Jahr im Gebrauck) i'inb, läßt sich aber erst nach min bestciis einjähriger Beobachtungszcit ein Urteil gewinnen. Tas Horizontalpenbel hat allerdings schon jetzt die Beobachtung täg­licher Ausweidmngen des Pfeilers am Auihängungspunkt des Pendels ermöglicht, die von der Bestrahlung i.r Sonne her- rühren. Selbn wenn bie stärkste Bestrahlung auf;-gört hat, er­geben fiel! dauernde Verschiebungen, bald nach) Opcn, bald nad) Westen, so baß das Mauerwerk nie in seine ursprüngliche Lage mehr zurückkehr^ Weiter hat das Pendel auch Schwingungen

Von nickst geringerer Bedeutung ist das, was die Regierung über die geplante Steuererhvbnng sagt. Sie verauickl diese Frage mit der Tilgung der Staatsschuld, indem sie auf einen von dem Abg. Tr. Weber cingebraditen Antrag verweist, lieber bie in der Regierungserklärung festgelegten Punkte wird ber Finani aussck'uv in ber nächsten Zeit zu beraten haben. Es wird in.ev ejfant zu beobachten fein, wie er den ihm von der Regierung auf gezwungenen Kampf zu Ende führt. TaS Gesetz über die Sd'uioen- lügung wird im Finanzausschuß Gegenstand einer besonderer B' ratiing sein, da es in engster Verbindung mit der Frage der Steuer erhöhung steht.

Zusammenstotz zweier französischer Uriegrschiffe.

Eherbourg, 8. Juni. (Agence Havas). TaS Untersee­boot .Vendemiaire" stieh mit dein Kreuzer ,6t. VouiB* zusammen unb wurde von diesem entzwei geschnitten. Tas Unterseeboot sank und liegt ans einem 50 Meter tiefem Meeresgründe.

Ter Marineminister Telcass 6 hat kein Glück. Jetzt ist aud) unter seinem Regime Frankreich von einem großen Schisfsunfall betroffen worden, der das Land in Trauer versetzt, aber auch die Schuld frage wieder aufwirft. Tas UnterseebootV^dömiaire" ist infolge eines Zu­sammenstoßes mit einem Linienschiff mit Mann und Maus untcrgegangen. Wenn die von verschiedenen Seiten tom rnenden Hinweise nicht trügen, so haben in letzter Linie die Anordnungen des Marineministers die Mitschuld an dem Unglück, denn er soll die übereinstimmend als g c fahrvo 1 l bezeichneten Flottenübungcn in der Norosce veranlaßt haben.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Tie Ursache.

Ter Zusammenstoß erfolgte einige Seemeilen nöiblid) der Meerenge von Raz-Blanchard mit dem LinienschiffSl Louis". Im Verlaus einer Angrisssübung geriet berBen bemiairc" unter den Vorbcrsicvcu des Linicnschisfes, we! ches das Unterfeeboot wahrscheinlick) durchschnitt. Ein ft a r keS Auf schäumender Lee wurde bemcrlt. An Bord des Unterseebootes befanden sich 25 M ann unter dem Korn in an do des Leutnants Prien l Vermutlich liegt der ,^8end6miairc" in 53 Meter Tiefe Die Bergungsarbeiten find sofort cingeleitet wor­den. Marineminister Telcassv reifte heute nach­mittag 3 Uhr 38 Minuten nacff Eherbourg ab.

Einzelheiten.

Es werden folgende Einzelheiten gcuieldel: Gegen 6.30 Uhr morgens war das Wetter sehr schön. Dw? dritte Geschwader dampfte in einer Linie fünf Meilen nordwestlich von Cap de la Hague. Nachdem es durch die Unterseeboote der Marinestation Eherbourg angegriffen worden war, wurde von dem LinienschiffSt. Louis" cm Periskop bemerkt, das dem Panzer so nahe war, daß ein Ausweichen nicht mehr möglid) war. Sofort entstand ein starkes Auffchäumen. Nach 10 Minuten wurden an der Meeresoberfläche Trümmer vom Verdeck des Unterseebootes gesichtet.St Louis" verankerte am Orte des Untergangs sofort eine Boje. Das Geschwader verblieb eine Stunde in der Nähe, ohne etwas zu bemerken. Tann stieg Nebel auf, worauf das Geschwader nad) Eherbourg dampfte Ter PanzerMarseillaise" und der Torpcdobootszerstörer Gabion" blieben an der Unfallstelle zurück. Um 10 Uhr gab der Marinepräfekt bekannt, daß unmöglid) die Stelle genau anzugebcn fei, da bic Boje abgetrieben fei. Voraus­sichtlich ist die Hebung des Fahrzeuges unmöglich.

Eherbourg, 8. Juni. Zahlreiche Einwohner warten vor der Marinepräfettur angsterfüllt auf Einzel-

der Pfeiler, durch den Wind hervorgerufen, verzeichnet. Tas Erd­beben vom 16. November vorigen Jahres Hal nur deshalb oer Ruine nicht geschadet, weil seine Stöße mil der Richtung der Längsachse des Otto-Heinrickf-Baues übereinftimmten.

ff. Björn st jerne Björ nsons Briefe. Für den Herbst dieses Jahres wirb eine literarische Vcröficntlichung an- gekündigt, die des Interesses weitester Kreise von vornherein gewiß sein darf. Es ist dies eine Ausgabe der Briefe iHjornfijcrne Björnsons. Prosessor Halfban Kohv hat die Briese Bwrnsons gesammelt und daraus das zur Veröffenilichung geeignete Material ausgewählt. Ter erste Band, ber zunächst zur Ausgabe gelangt, wirb gleichzeitig in Kopenhagen unb in deutscher Ausgabe ui Berlin erscheinen. Die Veröffentlilhung wirb ein dovrelies Inter­esse bieten. Erstlick, war Björnson auch als Briefschreiber hervor­ragend und erfüllte seine Briese mit dem ganzen ihm eigenen Temperamente und der vollen Lebendigkeit seines Geistes. Tann aber hat man von seinen Briefen reiche Aufschlüsse über das ganze Literatur- und Geistesleben der bedeutenden Epoche zu er­warten, in deren Entwickelung Biornson selbst so vielfach cinge- griifen hat. Insbesondere ist man natürlich auf die Briefe an Ibsen gespannt.

Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen­schaft. Bei ben Preisarbeiten ber Universität Göttingen konnte nur einer einzigen Arbeit ber Preis zuerkannt werden uno zwar ber philosophischen. Verfaßt war die Arbeit über die erkennt­nis-theoretischen Grundlagen Des Positivismus von Fräulein Hed­wig Martins aus Rostock. In H a n n o v er ist am 3. b. Mts. der Lektor ber russischen Sprache an der dortigen Technisch, n Hoch­schule Hofrat Tr. Georg Böhling im 58. Lebensjahre ge­storben. In Rekawinkel bei Wien verschieb der Tirckior ber zoologischen Abtei!img am 'Raturhistocischen Hof muieum in Wien Regierungsrat Ludwig Ganglbauer, einer der bedeutendsten Entomologen im 56. Lebensjahre. In Lem­berg starb b. o. Professor für Architektur an ber dortigen Tech­nischen Hochschule Edgar Kovats im Alter von 63 Jahren. Ter Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein hält feine Tagung gegenwärtig in M e v ab. Am Sonntag erfolgte bie feierliche Eronnung der mit der Verbandslagung verbundenen Ausstellung, in der hervorragende Werke aus ben gar.5in T^barbs- gcbieten vertreten sind, darunter Elsaß Lothrir'.n mit etwa 10 Werken. In Bern ist ber imizer Maler und Radierer Albert W e 111, ein Schüler Böcklms, im Alter von 50 Jahren gestorben.