Ausgabe 
9.11.1912 Erstes Blatt
 
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Imams zur Armee entsandt werden. Offiziere und Unteroffiziere erhalten den Befehl, die Mannschaften durch tägliche An­sprachen über die Bedeutung des Entscheidungs- kam p f es für die Türker und den Islam aufzuklären. Ter Sul­tan selbst wird heute zum vierten Male seit Beginn des Krieges beim Mantel des Propheten beten.

TasBert. Tagebl." meldet aus Konstantinopel: Gerüchtweise verlautet, daß der deutsch-freundliche MahmudSchefketPaschaanstelledesengland- freundtichcn Kiamil Pascha das Großwes i rat übernehmen werde, um die nationale Verteidigung durchzufüyren und wieder Anschluß an Deutschland zu suchen. Jedoch ist seine Ernennung wieder zweifelhaft ge­worden.

Tie gesamte Presse fordert die Regierung aus, im Wider st and zu beharren, um die militärische Ehre der Türkei zu retten, und den Einzug der Bulgaren in Konstantinopel zu verhindern. TerTannin" glaubt, daß es selbst hinter der Tschataldschalinie möglich fein würde, eine dritteVerteidigungslinie zu bilden, näm­lich die Linie San StefanoTschekmedjeRiathane. Tie ganze Einwohnerschaft K o n st a n t i n o p e l s solle helfen, die Verteidigungswerke aufzuführen, die mit Kanonen armiert würden. Ein nationales Be r t ei d i g u n g s ko r ps müßte organisiert werden. Ter AraberführerIzureschid richtete an den G r o ß w e s i r einen Brief, in dem es heißt, daß die Araber bereit seien, der Türkei 500 000 Mann z u Pferde oder zu Kamelen zur Verfügung zu stellen.

I e n i G a z e t t a" schreibt :

Ter Sitz des Kalifats der islamitischen Welt ist in Gefahr. Ter Sultan und das gesamte kaiserliche Daus haben geschworen, ihr Leben zu opfern. Europa kann alle Ver­träge zerreißen. Der Großwesir, die Minister, die Armee und die Nation haben geschworen, ihren letzten Blutstropfen zu vergießen. Weiterhin fordert das Blatt die -Ottomanen auf, die Gefahr eines bulgarischen Ein­zuges in Konstantinopel unter einer Wiederaufrichtung des Kreuzes in der Sophienkiräfe zu beschwören. ,

Die Blätter fordern alle außer Dienst befindlichen Offiziere aus, den aktiven Dienst wieder aufzunehmen und alle Einwohner, sich als Freiwillige einschreiben zu lassen, selbst als Krankenpfleger oder bei einem anderen Hilfsdienst.

Der Scheik-ul-Islam richtet einen Aufruf an die Geistlichkeit, sie möge das Beispiel der Priester der Gegner nachahmen, die mit dem Kreuze in der Hand den Truppen voran­schritten und so Begeisterung in ihre Reihen trügen.

Die Einzugsplänc der Verbündeten.

DieWiener Allgemeine Zeitung" meldet: Wie in gut unterrichteten diplomatischen Kreisen verlautet, besteht bei den B a l k a n st a a t e n die Absicht, daß jedenfalls die provisorische Besetzung Konstantinopels durch Truppen der drei großen Balkanstaaten stattfinden soll. An dem Einmarsch der Bulgaren nach dem Fall von Tschataldscha sollen auch Abteilungen der ser­bischen und griechischen Armee teilnehmen. Die griechischen Truppen seien im Begriff, im Golf von Karas zu landen und sich von dort mit der bulgarischen Armee zu vereinigen. Es sei beabsichtigt, in Gegenwart der mili­tärischen Vertreter Bulgariens, Griechenlands und Ser­biens einen feierlichen Gottesdienst in der So­fie n k i r ch e abzuhalten.

Das Reutersche Bureau läßt sich melden, Bulgarien beabsichtige nicht, nach dem Krieg in Kon­stantinopel zu bleiben.

Ankunft des deutschen Kreuzers Bineta.

Konstantinopel, 8. Nov. Der deutsche Kreuzer V i n e t a" ist an gekommen.

Gerüchte über Christenmorde.

Der BerlinerLokalanz." meldet aus Wien: Nach einer Meldung aus Bukarest wurden in Konstantza Gerüchte (die doch wohl unz-utreffend sind. Die Red.) über blutige Christenmassakre in Konstantinopel verbreitet. Das S ad- viertel Galata soll in Flammen stehen und große Kurden­abteilungen sollen die Stadt mordend durchziehen. Die türkischen Behörden verweigern jede Auskunft. Tat ächlich luerbcn seit gestern die sonst nach Konstantinopel aus Deutschland über Konstantza übergeleiteten Geldsendungen in Konstantza zurückgehalten. Zwei rumänische Dampfer sind zur Abholung der Landesangehörigen nach Konstanti­nopel abgefahren.

Verträge und Hl inungsaustanfi) der valkanstaate».

DerTcmps" meldet aus Sofia, daß gegemvärtig zwischen den B a l k a n st a a t e n ein eifriger Mei­nungsaustausch stattfindct, um die durch ihre mili­tärischen Erfolge gerechtfertigten gemeinsamen An­sprüche festzusctzen. Die Grundlagen dieser Ver­ständigung bilden die von Bulgarien mit Serbien, Griechen­land und Montenegro abgeschlossenen Verträge. So sei in dem zwischen Bulgarien und Serbien im März 1912 unterzeiclnncken Vertrag die n f t i g e bulgarisch- serbische Grenze durch eine von Vranja über den Ochridasee nach der Adria gehende Linie festgesetzt worden. Zur Regelung etwaiger Streitigkeiten verpfliclsten sich die Parteien, erforderlichenfalls den Schiedsspruch des Kaisers von Rußland anzurufen. In dem im Juli d. Js. abgeschlossenen griechisch-bulgarischen Ab- kv m m c n ließ Griechenlano Saloniki außerhalb der von ihm beanspruchten Zone. In dem montenegrinisch­bulgarischen Abkomme,n sei Montenegro, wie in der angeblich zwischen Montenegro und Oesterreich-Ungarn im Jahre 1910 abgeschlossenen Konvention, ein Teil des Sand­schaks zugesichcrt worden. Diese territorialen Ver- e i n b a r u n g e n seien durch M i l i t-ä r k v n v e n t i o - it e n v e r vo l l st ä n d i g t und die aus diesen erwachsenden Verpflichtungen für 25 Jahre übernommen worden. Aus Rücksicht auf Rußland sei d i e Frage von Konstanti- nopel beiseite gelassen, jedoch beschlossen worden, nicht zuzugeben, daß diese Frage in den Händen gewisser Mächte ein s)JHttet bilde, um die Empfindlichkeit Rußlands wach­zurufen.

Oesterreich und Serbien.

DieWiener Allgemeine Zeitung" meldet aus Ofen­pest: Der österreichisch-ungarische Gesandte kehrte mit neuen Weisungen nach Belgrad zu rück. Er wird morgen dem Ministerpräsidenten Pasitsch mitteilen, daß die Monarchie von dem Bestreben geleitet sei, mit Serbien ein s o gutes Einvernehmen zu unterhalten, wie solches unter dem Grafen Andrassy dem Aeiteren bestanden habe. Die Monarchie sei ge­neigt, die serbische Politik A n d r a s s y s f o r t z u - setzen, wenn Serbien auch zu seinem damaligen Ver­halten zurückkehre und eine diesbezügliche Garantie biete.

Vie Einnahme von Saloniki.

Athen, 8. ytoü. (Agence Havas.) Die Griechen trafen vor Saloniki ein. Der Kronprinz forderte die Stadt zur Uedergabe auf. Man glaubt, daß die Türken keinen Wiberstmid leisten werden, so daß die Griechen heute in Saloniki einziehen können.

Eine spätere Meldung berichtet über den Fall der Stadt:

Paris, 8. Nov. TieAgence Havas" meldet aus Athen von 6 Uhr 30 Min. abends: Die Griechen haben Saloniki mittags eingenommen.

Athen, 9. Nov. Ter König begab sich im Sonder­zug über Gido nach Saloniki.

Die letzten Kämpfe vor Konstantinopel.

Ter Kriegsberichterstatter der Wiener R e i ch s p o ft'; meldet aus dem Hauptquartierder bulgarischen Armee vom 7. Nov. 10 Uhr vormittags über die Anlage und Durchführung des Angriffes der bul­garischen Hauptarmee auf der Linie Tschataldscha:

Nach der dreitägigen Schlacht bei Luete-Burgas Bunar-Hissor Wisa und nach zweitägigen Kämpfen, die nach eintägiger Pause infolge neuer türkischer Vorstöße unter bulgarischer Gegenoffensive am dem westlichen Flügel bei Visa neu entbrannten, rückte die, den linken Flügel der bulgarischen Schlachtsront bildende dritte Armee in starken Kolonnen von Sarai-Sultaebajetich am Strandza vor, um so den südlich stehenden türkischen Straften den Rückzug hinter die Tschaltaldschalinie abzuschneiden. Gleichzeitig ging im Zen­trum und dem rechten Flügel die erste Armee, die neuerlich Verstärkungen von den bet Adrianopel fr eigewordenen Truppen erhalten hat, in mehreren Kolonnen längs der Bahn und mit einer südlichen Umgehungskolonne über Tschajirum zum Angriff gegen die türkische Armee vor, die in einer Karlen befestigten Position bei Tscherkesköi zur Deckung des Rückzuges auf Tscha­taldscha stand. Die erbitterten Kämpfe dauerten den 3., 4. und 5. November. Die Türken kämpften unter dem Ober­befehl Nazim Paschas mit größerer Hartnäckig­keit, als man nach dem fluchtartigen Rückzüge der l e tz t e n ,S ch l a ch t erwartet hatte. Als die bul­garische Umgehungskolonne von Süden fühlbar wurde, unternahmen die Türken mit starken Kräften einen verzweifelten V o rst o ß von Eapakli- bunar gegen Usunhadschri, um das bulgarische Zentrum zu durch­brechen. Der Angriff brach vollständig nieder in dem Feuer der bulgarischen Infanterie und Ar­tillerie. Gleichzeitig ging die dritte bulgarische Armee westlich von Strandza gegen das nördlich von Jeniköi befindliche rechte Zentrum zu einem entscheidenden Angriff vor und warf dieses auf Tscherkesköi zurück. Dies verwandelte die Niederlage des türkischen Angriffs auf Uzunhadscht in eine vollständige Katastrophe. Die unmittelbare Folge der Vernichtung des rechten türkischen Zentrums war der sofortige Rückzug der ganzen noch in starker Stellung be­findlichen südlichen Schlachtfront der Türken. Der Rückzug, der vormittags am 5. November begann, führte im allgemeinen längs der Bahnlinie auf Kinekli, während der äußerste linke Flügel über (Tanta zurückging. Das kräftige Nachdrängen der bulgarischen ersten Armee und speziell das Vodringen der süd­lichen Umgehungskolonne verwandelte den anfangs geordneten Rück­zug der Türken in eine regellose Flucht.

Ter Versuch Nazim Paschas, die Verfolgung der Bulgaren an der Nächhutstellung bei Sejmen aufzuhalten, endete abends mit einem vollständigen Tebaele der letzten türkischen Re­serven, die den bulgarischen 23ajonettang rifr nicht aushielten. Die türkischen Massen flöhen haltlos gegen Tschataldscha, von den bulgarischen Truppen nachdrücklich st verfolgt. Das zweite große Resultat des entfcheidenden Vorstoßes der dritten Armee auf Jeniköi war die vollständige Abtrennung.des rechten türkischen Flügels vom Gros der-türkischen Ar­mee. Dieser Flügel wurde durch den Angriff der dritten Armee von den Höhen östlich von Strandza in das Waldgebiet des Derkessee geworfen und die Verbindung mit dem gleichfalls ge­schlagenen Zentrum durch das Vorgehen bulgarischer Kolonnen südlich des Strandzadereflusses unterbrochen. Unter energischer Fortsetzung der Verfolgung gruppierte sich die dritte Armee für den unmittelbaren Angriff aut den nördlichen Flü - gel in der Tschataldscha-Position im Raume Belgrad- Tschiftliköj, Tarfa und Kalfoköj-Akalan mit Angriffsdirektiven über Lazarsköj und Tschiflik-Hadziomer auf Delijunus und über zwei andere Orte auf den Positionen westlich von Bujanli und Jaoejren. Eine andere Kolonne wurde auf Derkoe angeseyt. Die erste Armee führte den Angriff aus dem Raume Kabaktschaköj- Avren mit einer starken Truppe südlich des Scheitan auf beiden Seiten von Tschataldscha gegen Akbunar. Eine südliche Kolonne geht über Ieiiidze-Hristijan, die äußerste Flügelkolonne in der Rich­tung auf Buejuk-Tschekmedze vor. Gestern sind bereits die V o r - truppen der dritten Armee unter beständigen Kämpfen bis in die Linie Tarfa-Kalfokjöj vorgedrungen. Heute früh warfen die Truppen der ersten Armee die türkischen Truppen von den Höhen von Tscha­taldscha herab. Der Kampf ist bereits aus der ganzenLinieentbrannt. Die Bulgaren gehen mit großem Elan vor. 1

Eine Depesche aus dem Hauptquartier von 2 Uhr nach­mittags besagt: .Ich erfahre, daß die südlich des Derkos-Sves vorgehende Kolonne der dritten Armee die Positionen bei Deli- iunus, den rechten Flügel der türkischen Stellung genommen hat und daß auch die südlich vorgehenden Kolonnen der ersten Armee siegreich Vordringen.

Der Berichterstatter derReichspost" meldet aus dem bulgarischen Hauptquartier vom 7. November, abends 10 Uhr: Die von der dritten Armee genommenen Stellungen des rechten türk schen Flügels b?i D e l i i u n u s bilden ausgezeichnete Stützpuntte für die W'Verführung des Angriffes. Auch auf den südlichen Linien drangen die bulgarischen Truppen bereits in die türkische Haupt- stellung von Tschataldscha ein. In Adrianopel richtet der Typhus unter der Besatzung große Verhee­rungen an. Mehrere tausend Mann sind schon typhus- kraiik. Tie Besatzung der Festung wird trotz vieler Verluste noch auf 40000 bis 50 000 ge schätzt. Einzelne Stellungen der Türken sind sehr stark. Hunger und Krankheit setzen der Besatzung mehr als der Feind zu. Das Kommando der bul­garischen Belagevungstzruppen beabsichtigt keine for­cierte Eroberung der Festung, richtet viemehr das Augenmerk auf eine lückenlose Einschließung.

Sofia, 9. Nov. Gestern trafen hier mehr als 1000 türkische Gefangene, hungernd und abgerissen ein. Nach Erzählungen bulgarischer Verwundeter wur­den in einem T-orf, dessen Bewohner von den Türken massakriert wurden, 10 13jährige Mädchen bestialisch miß­handelt und dann getötet.

Rückzug der Montenegriner.

Die Agence Havas meldet aus C e t i n j e : Wegen der U e b e r s ch w e m m u n g e n und der schwierigen Ver­sorgung mit Lebensrnitteln zogen sich die Montenegriner, welche Bar Balusi jenseits von Bo- jana besetzt hatten, nach Sukiditsch zurück.

Das Ergebnis der Berliner Besprechungen.

Das Wolfsbureau verbreitet folgendes Eommuniqus: Der diesmalige Besuch des italienischen Ministers der aus­wärtigen Angelegenheiten Marchese di San Giuliano, der ja kein Unbekannter in Berlin ist, dessen persönliche und freundschaftliche Beziehungen zu den maßgebenden Ber­liner Persönlichkeiten allen Aussprachen den Charakter rück- haltloser, gegenseitiger Offenheit gaben, hat zu einer völ­ligen Klärung über das gemeinschaftliche Verhalten Ita­liens und Deutschlands, namentlich angesichts der gegenwärtigen Lage im Orient, geführt. Die Besprech­ungen über die Lage, bei denen vor allem den tatsächlichen Ereignissen Rechnung getragen wurde und denen wieder­

holt auch der ö st e r r e i ch i s ch - u n g a r i s ch e B o t s ch a f» ter beiwohnte, habeu die volle Uebercinstim- inung zlvischen den verbündeten Regierungen ergeben, insonderheit dahin, daß sie nicht gewillt sind, sich in die Entwicklung der Tinge im Orient cinju misch en, solange sie nicht von den Mchstinteressierten darum ersucht ober ihre speziellen und dauernden Interessen durch irgendwelche Ereignisse berührt werden Tas ein­mütige Zusammengehen der Verbündeten erleichtert ihnen Die freundschaftliche Fühlungnahme auch mit den anderen Mächten, mit denen sie einzeln und zusammen in dauern­dem Gedankenaustausch stehen. ;

Aus Stadt und (and.

Gießen, 9. November 1912.

* * Tageskalender: Stadttheater: Sonntag nach­mittag 3j Ubr :Matthias Göttinger.* Abend? 7*.', Uhr: ,Tie Braut von Messina."

i n e in a l o a r a v h: Täglich Vorstellung.

B i o g r a v l^L i ch t s p i e l e : Täglich Vorstellung.

B a k o s s K a m m e r - L i ch t s v i e l e: Täglich Vorstellung. ^Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geösiuet Sonntag vorminags 11 1 Uhr unentgeltlich.

Museum für Völkerkunde. Heöffnet an Sonntagen vormittags von 111 Ubr unentgeltlich.

GemäldeausstellungdesKunstvereinsim Turm­haus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 111 Uhr, Sonntags von 118 Uhr, außerdem Mittwoch nachmittag von 35 Uhr.

Der Winter naht. Die Nachrichten, die heute bei den Wetterdienststellen eingclausen siud, lassen darauf schließen, daß der Winter jetzt mit Macht seinen Einzug halten wird. Aus NebgeShain im Vogelsberg wird gemeldet, daß eine geschlossene Schneedecke von dort nach dem Gebirge hinaup liegt und von der Rhön werden 20 bis 25 cm Schneefall gemeldet. Der Brocken hat 12 om und Ostdeutschland im allgemeinen überall einen leichten Schneefall zu verzeichnen, der in Görlitz bis zu 30 cm ansteigt. Dazu wird auS dem binnenländischen Osten starker Frost ( 1215 °) gemeldet, während Memel nur 3 Grad Kälte meldet.

"> Mit der Fertigstellung der Befestigung der Fahrbahn der Ludwig st raße, die in einigen Tagen beendigt sein wird, haben die Straßenverbesserungen für dieses Jahr ihr Ende erreicht. Nachdem nunmehr die Hauptstraßenzüge und die sie verbindenden Querstraßen in der Hauptsache dauerhaft gepflastert oder asphaltiert sind, wird wohl für die Folge die weitere Verbesserung unseres Straßennetzes in einem langsameren Tempo betrieben werden.

* * Obdachlos. Ein Wächter des Bewachungs-In­stituts Neuz überraschte vergangene Nacht gegen 12 Uhr einen Fremden, der sich in einer Hofreite der Marburger Straße in einem Holzschuppen aufhielt. Der Mann wurde der Polizei überliefert.

* * Viehmärkte in Gießen Für die hiesigen Biehmärkte ist nunmehr der Auftrieb hessischen Viehs all­gemein freigegeben worden. Zum nächsten Markt am Diens­tag, 12. November, ist Rindvieh aus den preußischen Kreisen Wetzlar, Biedenkopf, Dillenburg und Limburg, sowie der Schweineauftrieb aus den Kreisen Wetzlar und Biedenkopf zugelassen.

* DerGießenerSchiklub (Schiklub Wintersport, Gießen) veranstaltet als Einleitung zu seinem Winterpro- gramm auf der Liebigshöhe ein Winterfest. Der große Saal rst reich geschmückt und ein lustiger Schneemann mit hulb« vollem Bicheln wird die Anwesenden begrüßen. Um das Schmelzen zu verhindern, sind entsprechende Maßnahmen getroffen worden.

* * Stenographie. Zur Mitteilung über daS Wett- schreiben des Bezirks Gabcksbergerscher Stenographen sei nack- getragen, daß Fräul. M. Luch vom hiesigen Damen-Verein Gabelsberger bei 120 Silben einen zweiten Preis erhielt.

Kreis Friedberg.

Vom Bad-Nauheimer Amtsgericht.

Aus Darmstadt, 8. Nov., wird uns geschrieben: Staatsminister Dr. Ewald besuchte vor einigen Tagen das Amtsgericht in Bad-Nauheim. Ta bei Um­fang der Geschäfte größer geworden ist, hat sich die Not­wendigkeit ergeben, mehr Raum zu schassen. Man hofft durch die Einrichtung von Zentralheizung, wodurch einige bisher unbenutzbare Räume benutzbar werden, diesem Raummangel wenigstens vorläufig abzuhelfen, weil sonst ein Anbau nötig wäre. Der Besuch des Staats­ministers hatte den Zweck, mit der Stadt, der das Ge­bäude gehört, zu verhandeln darüber, ob sie bereit iväre, die Kosten der Einrichtung der Zentralheizung zu über­nehmen. Das Ergebnis war, daß die Stadt die Kosteu tragen will.

Starkenburg und Nhcinhessen.

n. Offenbach, 8. Nov. Aus Veranlassung des hiesigen Vereins für Naturkunde sprach am Donnerstag abetrd im Vor- tragssaale des Isenburger Schlosses Geh. Bergrat Dr. Spott- l e r von der Geologisclten Landesanstalt in Darmstadt überD e n Vogelsberg im Vergleich mit anderen Vulkane n". An der Hand zahlreicher Lichtbilder zeigte der Vortragende mar­kante Aehnlichleiten des Vogelsbergs, der größten Basaltmasse Eurovas, mit den jetzt noch tätigen Vulkanen in Unteritaliai und Island, und besonders waren es Ausnahmen von Groß- Steinheim, Gedern, Michelnau, Lauterback Queckborn u^d vor allem aus der näheren Umgebung Gießens, die Den charakteristischen Aufbau des oberhesfiscken Gebirges drastisch vor Augen führten. Den Krater des ehemaligen Vulkans suchen wir heute vergeblich, dafür ist der Vogelsberg ein zu altes Gebirge.

(m) O f f e n b a ch a. M., 8. Nov. In der heutigen nicktäffent- lichen Sitzung der Stadtverordneten wurde die Aufnahme einer neuen Anleihe von V/4 Million Mark bei der Hessi­schen Landesbyvothekenbank und außerdem die Abhebung der letzten Rate von 500 000 Mark der porhergegangenen 7 Millionenanleihe beschlossen. Die neue Anleihe ist erforderlich durch die zahlreichen Bauten wie Volksschulen, Stadtbad, Zkrarrkenhaus, Kanalisation und durch den umfangreichen Geländeerwerb, der namentlich im letzten Jahre von der Stadt gemacht wurde.

Hessen-Nassau.

^.Wiesbaden, 8. 9too. Ein hier kürzlich ver­storbener russischer Baron vermachte testamentarisch der Stadt Wiesbaden 4 Millionen Mark mit der Maß­gabe, daß drei Viertel der Zinsen alljährlich den hiesigen Krankenhäusern überwiesen werden sollen und em Viertel zum Kapital zuqeschlagen wird.

w. Fulda, 8. Nov. Ein Großfeuer aschette gestern abend 9 Uhr auf der Domäne Johannisberg die M ä hle und drei dazugehörige Scheuern ein. Die Fuldaer Wem und 7 £anbfcuenvebren roarvn bei den Lösckarbeiten tätig. 5» gelang ihnen, den Brand zu lokalisieren, so daß die unritegenbat Wohngebäude und Stallungen oerfd)oitt blieben. Vieh ist nm» umgekommen; der Materialschaden beziffert sich auf 100000 Ml.