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I zu den üb- k bei Festlich- I s empioblen.
)Ust tksterweg 1.
Wert
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162. Jahrgang
Zweites Blatt
Ir. 179
Erscheint täglich mit Aufnahme des Sonntag».
Tie „Gießener ^bmilienblältcr“ werden dem .Anzeiger^ viermal loöchcntlid) beige!egt, dar „Kreisblatt für den Ureis Sichen" zweimal „öchemlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Oonncrstag, 1. August ;-)12
Rotationsdruck nnb Verlag der Br ü bischen Universität» - Bnch- und cteinbrurfeteL R. Lange, Gießeii.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Stbul» (trabe 7. Expedition unb Verlag: .*1.
Sebaftion:e<S 112. Tel.-Adr.: Anzergeremeven.
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gen 1 Uhr ba-5 gesamte Mabinctt, ausgenommen
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azim Pascha, und übergab dem Präsidenten
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Die Dardanellenfahrt der italienischen Torpedoboote.
Die „Agcncia Sresani" veröffentlicht folgenden a us- führlich en Bericht des Kapitäns Millo über dio
Die Lage in der dürfet.
Sei der Fortdauer des Krieges ist es in der Türkei i e schwierige Frage, tuet die alleinige Macht und Ver W Wortung bei einem eventuellen Friedensschluß oder ent »echenden Verhandlungen haben soll Ta» neue Kabinett rt* eilte daher die alte Forderung des Rechtes für den €iünn, di Kammer aufzulösen, falls ungewöhnliche Um* Wilde vorliegett:
Konstantinopel, 31. Juli In der Kammer
Vie Nordlandreife des Kaisers.
Sale ft raub, 31. Juli. Heute vormittag um 11 Uhr erfolgte die Abreise des Kaisers nach Bergen, wo der Kaiser gegen 6 Uhr abends einzutreffen gedenkt. Das Wetter ist trübe, aber angenehm kühl.
Bergen, 31. Juli. Der Kaiser ist heute abend 6 Uhr an Bord der „Hohenzollern" hier eingetroffen.
Die Tragödie in dem Ostseebad vinz erfährt durch ein Schreiben einer Tarne aus Danzig art die „Danziger Neuesten Nachrichten" eine Beleuchtung, die der Badeverwaltung in Binz ebenfalls nicht angenehm sein wird. Die Schreiberin Frl. Beate Schulz aus Danzig, die zurzeit in Sellin als Badegast weilt und an dem Ui> glückstage mit einem Motorboot nach Binz gefahren war, erzählt:
Die Anlegebrücke in Binz für die grossen Salondampser be* steht aus einem schmalen, 7(X) Meter lang in das Meer gebauten Steg, der aus dünnen Brettern zusarnmengesügl ist und schon Tage lang nicht nur beim Anlegen der Schiffe, selbst beim Betreten hin und herschwankte. Bon jedem Reisenden, der ankommt oder abfährt, wird ein Brückenzoll von 10 Pfennig erhoben, die Murtarfarte gibt keine Berechtigung zum Betreten des Steges, so bah täglich Hunderte von Mark der Badeverwaltung durch diese Einnahme zusliesten. Trotzdem tat die Badeverwaltung nichts für eine dem großen Verkehr entsprechende, gründlich fundierte Landungsbrücke. Tast nur niemand ohne Nickel durchgelassen wurde, darüber herrschte scharfe Kontrolle, aber eine Aufsicht
Deutsche Kolonien.
Eine Rede des Staatssekretärs Dr. Solf in Johannesburg.
Johannesburg, 30. Juli. Staatssekretär Dr. S o l sagte heule abend bei einem ihm zu Ehren veranstalteten Banket im Deutschen Klub, er kehre mit der Gewißheit nach Deutschland zurück, daß Deutsch-Südwestafrika eine große Zukunft habe. In Britisch-Südafrika habe er gesehen, wie die Zukunft DeutsclpSüdwestafrika sein werde. Dr. Sols betonte den Wert harmonischer Beziehungen zwischen der deutschen Kolonie und der südafrikanischen Union.
Tardanellenfahrt her fünf Torpedoboote, in dem es u a heisst: Am 18 Juli um 11*; Uhr nc.±to waren die Torpedoboote bei den Dardanellen und fuhren mit einer Gesclurinbigkeit von 12 Seemeilen in die Meer enge, während auf den beiden Eingangsforts „Elles Burun" wie „ttnmkale" Scheinwerfer in Tätigkeit waren. In folge der starken Meeresströmung wurde die Geschwinoig-- teil auf 15 Seemeilen erhöht Ter Scheinwerfer von „Mum- kale" f a h d i e italienische Flotte nicht, auch waren sie dem Bereiche der Scheinwerfer von Mrn Elles bei nahe entkommen, als plötzlich das Torpedoboot „Aslora" von einem Lichtkegel mehrere Minuten verfolgt mürbe. Um »<l Uhr nachts gab „Kap Elles" durch einen Kanonen schuh und eine Rakete ein Alarmzeichen, das die Meeres- enge entlang durch Leuchtsignale weitergegeben wurde Dem Alarmzeichen folgten mehrere Kanonenschüsse. (Gleichwohl setzte Millo die Erkundigungsfahrt mit einer Geschwindigkeit von 20 Seemeilen fort, immer dicht an der europäischen Küste, um die aus gelegten Minen zu. vermeiden. Das Feuer der Türken hatte ausgehört, aber die Leuchtsignale liehen vermuten, daß es sofort wieder ausgenommen würde, sobald Torpedoboote in den Schußbereich der anderen Batterien gekommen sein würden.
Kapitän Millo stellte zahlreiche Scheinwerfer fest unb i.ii) sogar einen Mann einen Scheinwerfer bedienen und hörte das in der Küstenbatterie gegebene .Kommando, deren Schüsse den Schornstein der Torpedoboote an mehreren Stellen durchlöcherten. Die „Spiea" war sodann, während sie setzt mit 23 Meilen dem voransahrenden Geschwader solgte, das Ziel anderer Batterien. Tas Geichwader war auf der Höhe von Kilidbahr, als die „Spica", an deren Bord sich Millo befand, die Fahrt auf einmal verlangsamte unb nach wenigen Metern ganz zum Halten gebracht wurde. Durch ein kühnes Manöver gelang es der „Spica" loszukommen. Während bei" drei Minuten, die das Torpedoboot sestsaß, hatte Millo die Wasserfläche nördlich der Linie Kilibbaßr-Tschanak beobachten können Er bemerkte, dast-die Batterien des Forts Kilidbahr ein regelmäßiges Schnellfeuer aufnahmen, das jedes Fahrzeug, das, um der Minensperre .auszuweichen, dicht an jenem Punkte vorüberfahren mußte, treffen würde. Unter diesen Verhältnissen und da das Ziel der Erkunbungs- fahrt erreicht war, unb man keine Möglichkeit sah, den Feind mit Torpedos anzugreifen, sagte sich Millo, da er auf der anderen Seite sicher war, daß. die Torpedoboote von feindlichen Geschossen zerstört werden würden, daß ein weiteres Vordringen ohne Hoffnung auf Erfolg ein unnützes Opfer an Menschenleben unb Schissen sei, so gab er den Befehl zur Umkehr.
n Dringlichleitsantrag auf Aenderung des Artikels 7 Verfassung bctrcficitb das Recht des Sultans
8. Deutscher Sängerbundcrsest.
~ Nürnberg, 31. Juli.
Ten Absckluß des 8 Deutschen SLnaerbundeSscsteS bildete am heutigen Mittwoch her Deutsche ^ingertag, den» n Verhandlungen besonders wegen der bevorstehenden Walst des Tagungsortes für das 9 Teuticde Längerhun ' ' nut — van nung verfolgt wurden Köln, Hannover und Leipzig l .Uten sich darum beworben und Monate Ian i vorher schon alle, aui teboteit, um hon Sieg zu erringen Alle drei 2täMr hatten je 100 (HK) I. Beitrag zu den »tosten des 9. Deutschen' Sangerbundrsiestes an gefünhigt, und ebenso versprachen sie. einen Teil der Malten für die zu erbauende Fest halle zu übernehmen. Der Mamin der Meinungen wogte zwischen den Delegierten noch am genügen Vorabend aui und nieder, obwohl es an muiüaliidtcn Veranstaltungen auch in den gestrigen Abendstunden noch mancherlei zu sehen und zu hören gab Vor allem war es der dritte unb letzte SängerkommerS in der großen Festhalle, der wiederum Tausende angelockt hatte und dessen Verlaus burdjauS befriedigte.
Bei der Wahl der Feststadt für 1917 sprachen für Leipzig Bürgermeister Dr. Roth unb Musikdirektor Wohlgernnth, für Hannover Senator Fink, für >köln Geheimrat Simon Die Ab stimmung wurde nach Bünden vorgenommen und ergab bei 215 abgegebenen Stimmen: für Leipzig 106, für Hannover <•>, uir Möln 33. Ta somit eine absolute Stimmenmehrheit für keine her in Betracht kommenden Städte vorhanden war, mußte eine Stichwahl Hattfinbcn, die das Ergebnis hatte, daß Hannover mit 114 Stimmen gewählt wurde.
Nach einer kurzen aber lebhaften Debatte über die Frage, ob der angekündigte und beim ersten Kommersabend abgesetzte Vortrag des Reichs und Landtagsabgeordneten Tr. Groß Wien) über die Notlage der Deutschen in den Ostin ar keif zulässig sei, entschied die Versammlung in besahen dem Sinne, »voraus Dr. 6'roß als Obmann des Deutschen SchulvereinS in Wien in kurzen Zügen ein Bild von der Tätigkeit des Tentsckien SchulvereinS in den Ostmarken und von der dortigen Notlage der Deutschen gab. Er sprach zunächst dem Deutschen Sängerbund für die tatkräftige Unterstützung des SchulvereinS feinen Tank aus und schilderte dann die Schwierigkeiten, welche dem Schulvereiu von maßgebenden Stellen, namentlich von den autonomen Landgemeinde- Verwaltungen in den Weg gelegt werden Er betonte, daß das Eindringen des slawischen Elements in die Ostmarken die größte Gefahr für das Deutschtum sei und zeigte an einer Reihe von Fällen, wie der Schulverein arbeite und welche Erfolge er erzielt habe. Er kam bann auf die Roseggerstütung zu sprechen unb schloß mit ber dringenden Bitte an die deutschen Sänger, zum Wohle des Deutschen Volkes dafür zu sorgen, daß das Deutschtum in den Ostmarken nicht zu Grande gehe Der Sängertag beschloß, den im vorigen Jahre gefaßten Beschluß, daß die Einzelbünbe zu der Roseggerstiftung Beiträge zu leisten hätten, zu erneuern.
Ter Rest der Tagesordnung betraf interne Bundesangelegen' Heiken, worauf der Sängertag geschlossen wurde. — Mit einer Abschi ebsseier in der Städtischen Festhalle, die durch musikalische Vorträge der Nürnberger Negimentsmusiken verschönt wurde, erreichte das 8. Deutsche Sängersest sein Ende.
Liur Auslösung ber Kammer Tie Regierung vet laugt, dem Sultan das Recht zu geben, die Kammer, falls 'n zulöscii. iiichbem sich ! gleich falls ber Senat dafür ausgesprochen hat
Tic Wiederaufnahme der Kammersitzung wurde, da Me Kammer nicht beschlußfähig war, aus morgen verschoben Tic Taktik der Jungtürken schellt Obstruktion zu sein
Der Sultan begnadigte 130 Personen, darunter Ific Minister und Würdenträger des Sultans Abdul Hamid.
Trotz des gestrigen Vertrauensvotums unterzieht die jutigtürkische Presse das Regierungsprogramm einer sehr f scharfen Kritik. Der Deputierte Babanzade erklärt im s „Tanin": Obwohl die neue Regierung behaupte, daß sie die Geschäfte nur übernommen habe, um die Ruhe wieder- herzustellen, handele sie doch so, als ob sic den Kampf beginnen wollte. Es sei eine neuerliche Massenentlassung von Beamten zu befürchten. Durch diese Maßregel werde die größte Verwirrung hervorgerufen werden.
Konstantinopel, 31. Juli. „Jkdam" erfährt, daß zahlreiche alvanesischc Rebellen aus Alessia die tztraße Skutari-T irana besetzt hätten. Sie verlangen die Kammerauslösung.
vermehrte Schutzzölle in den Niederlanden.
Haag, 31. Juli. Der Bericht des Ausschusses zur Prüfung des Zolltarifgesetzentwurfs ist veröfsent licht worden. Die Gegner des Schutzzolles bekämpfen den Entwurf erbittert, denn die Industrie, die ihn brauche, wünsche ihn nicht. Tic Gegner sind der Ansicht, daß das Gesetz für Holland gefährlich sei, da Holland so günstig für den Handel liege, noch gefährlicher, weil es der Re gierung das Recht gibt, zu Repressalien zu greifen, wenn das Ausland die Produkte der Industrie, des Handels ober der Schiffahrt der Niederlande belastet. Man wies nach, daß das Ausland bereits Maßnahmen trifft für den Fall, daß der Entwurf Gesetz wird.
Tie Anhänger des Entwurfes betrachten die Re -ressalien als Präventivmaßnahme. Ter Minister des .Aeußcrn verteidigt die Repressalien, indem er hervorhebt, Holland sei zurzeit dem Auslande gegenüber machtlos. — Die Regierung nahm mehrere Abänderungen an den Entwürfen vor, die hauptsächlich in einer Herabsetzung der Zölle auf Mehl, Orangen, Zitronen, Mandarinen und getrocknete Fische bestehen. Auf der anderen Seite sind Zölle aus Holzschuhe, Manusakturwaren, Kleidungsstücke, Salz, Zucker, 4ab(if und Kolonialwaren bestehen geblieben und ein neuer Zoll von einem Gulden auf 100 Kg. für Sananen geschaffen worden. Papier soll fortan mit einem Lertzoll von sechs bis zehn Prozent verzollt werden.
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2Ius neuen Briefen Uhlandr.
Im Herbst dieses Jahres werden fünfzig Jahre verflossen skiu, feit Ludwig Uhland starb Der Scktvä bische Schill er verein «benlt fdton jetzt dieses Tages Uird) die Herausgabe des zweiten WMndes von Uhlands Briefwechsel, ber gleich dem eilten bei I. I? Gotta erscheint. Er bringt außer bereits früher gedruckten Zricien von und an Uhland aus den Jahren 1816—lb33 nicht Weniger als jüuflialbhunderl bisher unbekannte, darunter solche boii unb an Varnhagen, Justinus Kerner, Hermann'stürz, Adal krt Cl-amisso, Friedrich Rückert. Am intimsten gehalten sind die $iicie an die Eltern Uhlands und an seine Frau. Seinen Lieven ttidt er mit Vorliebe Reisebriefe von seinen Fahrten. „Seinem toben, herzlichen Weib" schreibt er von einer Reise, die durchs H gradier und Lcmtcrtal zum Bodensee führte:
„Durch waldige Gegend kamen wir unter anhaltendem starken I legen nach 7 Uhr auf den Heiligenberg, wo wir einen Jierrlichei'.
€nincnuntergang hätten genießen tonnen, wenn die Lonne an iiiicm Tage jemals recht auigegangen wäre. Auch am anderen borgen war es regnerisch und trüb, doch gegen 10 Uhr ward cs tylcr, man übersah den Bodensee, nur das Gebirg wollte nck li.iU entschleiern. In dem Schlosse, das die im vorigen Sommer Erstorbene Fürsten von Fürstenberg bewohnt hatte, sahen wir den poßen Saal, mit einer unzähligen Menge von Ahnenbildern r.l herrlicher Aussicht über die Seegegend Bei Uhldingen, einige ßiunden von Heiligenberg, fuhren wir nach Mainau über. Aw km See ward es mir reckst frisch ums Herz, ick: dachte, wie sich äkinc Frau solcher Wasserfahrten freute: wenn ich sie aber
K't gar sehr vermißte, so entbehrte ich sie doch nicht ganz ungern tur dem wohlbekannten Stege. Wir fernen in Konstanz noch prüde recht an, um den Sonnenuntergang vom Domstübchen tr betrachten, da hätte wieder meine Fran dabei seyn lollen. T r Hi,mmel war nickst so klar wie damals, über UcberHngen im donnerte ein finsteres Gewitter, dennoch gieng die .rönne \ hin ter Hohentwiel und den anderen Hegäuburgen herrlich unter, ' eit dem leuchtenden Widerschein im Untersee. Die Vorarlberger
Ferge waren ganz verhüllt, aber der Säntis und die sieben tubnrften waren recht wunderbar anzuschauen. Der Regen der 1 Trigen Nackst hatte sie weit hinunter mit Schnee bedeckt: ne > raren niemals wolkenlos, aber auf den Schnee und bieJSolfen ’ Md die Sonne ein glühendes Licht, das mit grauen Lchatten H ßbstach und wechselte. Geblendet fliegen wir, ich nun zum dritten- : mal die finstere Tunntrcpve hinunter. Wir hatten uns aur ' knrvfehluug eines Reisenden, diesmal int Hecht, einem guten ' Lirtshause, das Aussicht aui den See hat, einauartiert."
Aus derselben Reise bestieg er den Freudenberg bei Evvis knien. Im Frembenbuch sad er „unsren Namen vom 10. Jul.
' l£20. Lebhaft erinnerte ich mich jenes schonen Tages, an dem
wir den Mittag in Arbon, das ich vor mir sah, unb den Abend auf diesem Freudenberge zugebracht: und so viel Schönes erwartete uns noch auf unserer Reise! Unter den neueren Inschriften des Buchs gefiel mir folgende am besten: „Heute, b. 26 Ülpr. 23 bin ich Martin Rott, Bockwirt von Mühlhausen im Elsaß, hier auf dem Freudenberg gewesen unb habe Alles sehr genau beobachtet, damit ich den Meinigen zu Hause Alles deutlich erklären könnte."
Besonders interessant und wie die bereits zitierten bisher unveröffentlicht ist em Brief, den der T:d)t?r 1825 an Cotta richtete. Bekanntlich hat Uhland zusammen mit Gustav Schwab die Gedichte Hölderlings bei Cotta herausgegebeu — Aus diese Tatsache bezieht sich bas Schreiben, das wertvolle Urteile über Hölderlin enthält: „Euer Hochwohlgeboren empfangen hiebei die Sammlung von Hölderlins Gedichten, wie sich dieselben nunmehr nach Schwabs und meinem Erachten gestalten würde. , Wenn wir Einiges im Hefte durchstreichen zu müssen glaubten, so wird dieses durch das in den Beilagen Hinzugekommene, worunter Mehreres, wie die schonen Fragmente ausgewogen werden. Wir giengen davon aus, daß Alles wegzulassen sep, was aus einer Periode stammt, in der des Dichters ausgezeichnete Eigenthüm lichkeit sich noch garnickst entwickelt hatte, wie dieses z. B mit den Hum neu in den Stäudlinschen Almanachen der Fall ist, welche noch offenbare Nachahmung von Schiller find: sodann, daß auch dasjenige wegbleiben müsse, worin die Klarheit des Geistes schon bedeutend getrübt erscheint. In letzterer Beziehung mag die Grenzlinie schwerer zu ziehen seyn: aber Stücke, wie Pathmos, Chiron usw. konnten nicht wohl ausgenommen werden, wenn daran gelegen ist, daß Hölderlins Poesie, beim ersten Erscheinen feiner gesammelten Gedichte, in ihrer vollen unb gesunden Kraft sich darstelle. Eher könnte vielleicht bei einer künftigen Auflage aus Brot und Wein, Heimkunft usw. noch Einiges hinzugefügt werden, daher auch die Handschriften aufzubewahren senn werden.
■ ber Sinn für eine arostartige Poesie in Deutschland nicht erstorben ist, so muß diese Sammlung Aufsehen machen: es dürfte darum auch räthlich fein, mit der Pcrlagshandliuig nur auf eine Auslage von bestimmter Anzahl Exemplare abzuschließen."
— Eine deutsche arktische Expedition Aus Drontheim wird gemeldet: Sechs Teilnehmer der deutschen arktischen Expedition find hier eingetroffen. Ebenso sind die Ausrüstungsgegenstände und der Proviant für die Expedition an gekommen. Der Leiter der Expedition, Leutnant Schröder, wird hier erwartet. Tas Expeditionsschiff „Herzog Ernst" geht Anfang August nach der Nordostküste von Spitzbergen.
kf. Schmetterlingsfälscher. Dieser Tage hat ein Prozeß in London interessante Enthüllungen über Schmetter lingsfälschungen gebracht. Einem bekannten englischen Schmctter-
lingssammler waren von einem Händler eine Reihe selten schöner Präparate ;um Kauf angeboten worden, und trotzdem er gewöhnlich nicht mit unbekannten Leuten zu unterhandeln pflegte, ging er dock angesichts des billigen Preises und ber außerordentlichen Schönheit der angebotenen Exemplare auf den Kauf ein. Ader, wer begreift sein Erstaunen, als er einige Tage daraus feine Neuerwerbungen einem Londoner Zoologen vorlegte und dieser sie, nachdem er sie durch die Lupe geprüft, als außerordentlich geschickte Fälschungen bezeichnete! Ter Professor, der in dem Prozeß als Sachverständiger geladen war, war auch in der Lage, das Verfahren der Fälscher genau anzugeben. Sie gehen in der Weise vor, daß sie einen ber gewöhnlickwn Schmetterlinge präparieren, seine Flügel bann mit einer dünnen Gummischicht überziehen und diese hierauf in bestimmter Weise mit Farbstaub bestreuen, unb zwar wird der Farbstaub je nach der Farbenzusammenstellung des Originals, das man nachahmen will, ungeordnet Tie Fälscher haben sich aber nicht allein damit begnügt, seltene Schmetterlingsarten nachzuahmen, sondern sie haben auch völlig neue Exemplare „erschaffen", die manchem Gelehrten, der von ihnen betrogen worden ist, viel Kopfzerbrechen verursacht haben mag.
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen- schäft. Tie preußische Akademie der Wissen schaf- ten hat dem Professor der Philosophie an ber Berliner Universität, Geheimrat Tr. Stump', zur Weiterführung bes von ihm begründeten Monogramm-Archivs 1000 Mark und durch die philoiophisck-Histonsche Klasse dem Museum für Völkerkunde in Lübeck zur Veröffentlichung eines Werkes über die Pangwc- Neger 1000 Mark bewilligt. — Den SO. Geburtstag feiert am 2. August ber Professor ber Kunstgeschichte an ber Bonner Universität Geh. Regierungsrat Tr Karl I u st i. Der bekannte Kunsthistoriker ist am 2. August 1832 zu Marburg als Sohn bcs Orientalisten unb Ticksters Professors K. W. Jnsti geboren, studierte in Marburg unb Berlin Theologie unb Philosophie, be- fonbers als Schüler von Ed. Zeller, Theodor Waitz, Joh Gildemeister und Emst Henke unb promovierte am 22. Dezember 1859 mit einer Arbeit über die ästhetischen Elemente in ber Platonischen Philosophie. 1860 habilitierte er sich in Marburg Tür Philosophie, erhielt 1867 ein Extraordinariat für Archäologie unb Kunstgeschichte unb zwei Jahre später das Crbinariat für Philosophie an der Marburger Universität als Nachfolger von Theodor Waitz. 1871 kam er nach Kiel als Nachfolger Wilhelm Diltheys und 1872 als Ordinarius für mittelalterliche und neuere Kunst- geschickte nach Bonn als Nachfolger Anton Springers. Nach dreißigjähriger Tätigkeit an der rheinischen Hochschule trat er im Frühiahr 1901 in den Ruhestand.


