Ausgabe 
8.7.1912 Erstes Blatt
 
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Montag, 8. Juli M2

162. Jahrgang

erster Blatt

ichener AMger

wir diese Gesinnung er

meldet aus Baltisch

Äeußerungen einer freundlichen oder gegen Deutschland gebracht hat. Daß widern, bedarf keiner Versicherung.

vezu chSpret»: monatlich 75Vf^viertel- iäbrlid) Ltk. S.20- durch 'Abhole- u. Zweigstellen monatlich 05 Pf.: öurdj die Bost 'Ulf. 2. viert el- jäbrl. ausschl. Bestellg. ZeilenpreiS: totallö'iii^ auswärts 20 Pfennig. Lhesredatteur: dl. Goetz. Berautivortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille- ton-, .Pennischles' und ^Gerichtssaal": K. Neu­rath-, für .Stadt und Land": E.Heß: für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die Xaiserzusanimenlunst in valtisch port.

Das politische Ergebnis.

Wolffs Bureau berichtet:

Battisch-Port, 6. Juli. Die Begegnung des Kaisers mit dem Kaiser von Rußland trug einen beson­ders herzlichen Charakter und bildete einen neuen beweis für die Freundschaftsbeziehungen, die die beiden Herrscher seit langen Jahren verbinden. Der Gedanken­austausch, der aus diesem Anlaß zwischen den in Begleitung der Majestäten befindlichen Staatsmännern stattgcstlnden har, ergab aufs neue den f e ste n E n tf chlu ß, die zwischen beiden Ländern bestehenden altehrwürdigen Tradi­tionen hochzu halten. Die politischen Aussprachen, die sich auf sämtliche Tagesfragcn erstreckten, befestigten beiderseits die Ueberzeugung, daß es für die Interessen der beiden Nachbarreiche und des allgemeinen Friedens dauernd von der höchsten Bedeutung bleibt, die wechselseitige auf gegenseitigem Vertrauen ruhende Fühlungnahme aufrecht- «rerhalten. Es konnte sich weder um neue Abmachungen handeln, da hierzu ein besonderer Anlaß nicht vorlag, noch auch darum, irgendwelche Aenderungen in der Gruppierung der europäischen Mächte herbeizufuhren, deren Wert für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und des Friedens (ich bereits erprobt hat. Die Begegnung in Baltisch-Port kann daher mit vollem Recht allenthalben mit Genugtuung begrüßt werden. Während sie einerseits eine feste, dauernde Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland bezeugt, bedeutet sic andererseits auch einen beredten Ausdruck der friedlichen Grundrichtungen, die die Politik beider Reiche in gleichem Maße bestimmen.

Ueber den letzten Teil der Zusammenkunft liegen fol-

Alma-Tademas Begräbnis. Sir Laurence dllma-Tadema wurde am Freitag zu Grabe getragen und zwar hat er seine letzte Ruhestätte in der historischen St.- Pauls-Kathedrale zu London gefunden. Seine sterblichen Ueberreste wurden in demMalerwinkel" der Krypta unter­gebracht, und zwar in der Nähe des Grabes, in dem der im September 1910 verstorbene bekannte Maler Hollman Hunt ruht. Selbstverständlich ging die Bestattung mit größter Feierlichkeit, welche dieRoyal Academy" leitete, vor sich. Der Präsident der Akademie, Sir Edward Poyn­ter, und einige andere hervorragende Mitglieder fungierten als Leichenträger.

ff. Napoleon als Opernheld. Am New Yorker Metropolitan-Theater wird im Januar des nächsten Jahres eine neue Oper aufgeführt werden, die Napoleon zum erlten Male singend auf die'Bühne bringt. Es ist eine Overnbearbeitung der Sardouschen dramatischen KomödieMadame sans Göne", die der Italiener Giordano zu einer Textbearbeitung des Librettodichters dLimoni geschrieben hat. Kein geringerer als Verdi war c5, der den Komponisten nach seiner eigenen Erzählung auf den Opern- fiaif hrnwies und seine Einwände, man könne sich Napoleon nicht aut singend aus der Bühne denken, wiederlegte. Was Verdi da­gegen angeführt haben soll, klingt allerdings mcht recht stich­haltig Verdi soll nämlitf) Giordano gefragt haben, ob er etwa Napoleon gekannt habe, und auf die verneinende Antwort er Härt habett:Kennen ihn etwa die Leute, die heute ins Theater gehen? Ich glaube es nicht! Und warum soll er nicht haben fingen können? Ich könnte nun auch einen Napoleon nicht verstehen, der auf der Bühne eine Romanze sänge und dabei typisch die Hand in den Rock streckte. Tas geht nicht. Aber wenn man Napoleon bühnengemäß bearbeitet, kann er auch in der dratischen £per singen." Verdi meinte , ebenfalls, es käme dabei aus den Versuch an, und diesen Versuch will Giordano nun wagen. A^r- dings hat er sich weislich davor gehütet, in seiner OverMadame sans Gene" den Napoleon so fingen zu lassen wie die anderen Mitspielenden. Napoleon, der übrigens erst im dritten und letzten Akte des etwas zusammeirgestrichenen Werkes auftritt, übc^lätzt das Singen eigentlich dem Orchester, während er sich selbst aus eine gesangliche Teklamation beschränkt. Bei der ersten Auf­führung wird die Farrar die Katharina singen, Caruso den.Lefebre

TieKölnische Zeitung" meldet aus Baltisch- Port: Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, herrscht sowohl im deutschen wie im russischen Hoflager eine durchaus befrie­digende Stimmung. Der Verkehr zwischen beiden Kapern und deren Familienmitgliedern gestaltete sich sehr anregend und freundlich. Der Reichstanzler batte loieberbolt längere Be­sprechungen mit den russischen Ministern, die vom Geiste gegen-

Prefststimmkn.

DieNorddeutscheAllgemeineZeitung" schreibt : In deut Geist, wie sie geplant war, ist die Kaiserzusammenkuntt vor Baltisch-Port verlausen. Schöne Tage ungetrübten Bei- ammenseins rourbcn unserem Kaiser durch die Gastfreundlchaft des Kaisers Nikolaus in den russischen Gewässern bereitet. Sie Verliesen in heralirftcm verwandtschaftlichen Verkehr zwischen den Mitgliedern der beiden Herrscherhäuser und boten Gelegenheit zu offener lind vertrauensvoller Beiprechnng der politischen Fragen durch die Monarchen und ihre Minister. Ueberraschungen tollten dabei nicht vorbereitet werden. Der Wert der Aussprache liegt darin, daß sich aus beiden Seiten der Wille gefestigt hat, dauernde Fühlung zwischen Deutschland und Rußland in den großen Tages­ragen zur Wahrung des europäischen Friedens zu unterhalten. Tie vor Baltisch-Port ausgetauschten deutsch russischen Freund 'chastskundgebungen sind in der Presse entstellenden Deutungs- versuck»en weniger ausgesetzt gewesen, als frühere Zusammen- lünste. Wir möchten namentlich mit dem Ausdruck der Befrie­digung darüber nicht zurückhalten, daß bei der Ankunft, Kaiser Wilhelms in den rin Hieben Gewässern die russische Preße viele unbefangenen Gesinnung

)erHohenzollern" konzertierte. Die Abschiedsfrühstücktasel war an Bord desStandart". Nach der Tafel geht die Hohenzollern" mit den Begleitschiffeit in See nach Swine- münde, wo die Ankunft morgen abend vorgesehen ist. Der Kaiser gedenkt sich am Montag vormittag zu kitrzem Aufent- )alt nach dem Neuen Palais zu begeben und am Dienstag nach Swinemünde zurückzukehrcn und von dort die Nord- andsreise anzutretcn. Der Reichskanzler mit dem Wirkt. Geh.-Rat Graf v. Mirbach-Harf und Adjutant Freiherr

. Sell begibt sich heute von hier über Reval nach Petersburg.

Swinemünde, 7. Juli. Diehohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist, gefolgt von demSleipner", heute nachmittag unter dem Salut der Festung hier enige- taufen. Das Wetter ist herrlich.

Potsdam, 7. Juli. Der K a i s e r traf 11 Uhr 6 Mrn. von Swinemüirde kommend im Sonderzug auf der Station Wildpark ein und begab sich ins Neue Palais.

meint": Wir haben unserem Verbündeten niemals die Kränkung angetan, in dieser Monarchnbegegmmg geheime Kombinationen und verstockte Nebenabsichten zu suchen. Untere Vertrauen war immer voll und ganz geblieben. Wir haben diesmal wie m früheren Fällen ohne Beunruhigung geichen, rote bic beibcn JJio- narchcn ihre überlieferungsmäßigen Besuch? anniahmeu und wir bedürfen zu unserer Beruhigung weder der amtlichen Lornrnumque-? noch der balbamtlidwn '-Behauptung derKölnischen Zeittmg. xer französische Botschafter Louis wird von ^asonow die Verticherung erhallen können, daß Rußland und Deutschland fein für ötani reich beunruhigendes Abkommen getroffen haben. -^a*5 amtlich, dormmnnque, welchs feststellt, daß die Stimmung Europas immer mehr den Wunsch nach Gleichn'wicltt kundgibt, daß sich in hen diplomalischn Beziehungen nichts geändert hat und daß die Poliln Rußlands und Deutschlands von friedlichen Abtichten erfüllt ist, wird mit Befriedigung aufgenonrrnen werden. ,

Das Journal des T4bats" schreibt: Die CommnniguoS entsprechen der Erwartung der öffeMlichen Meimmg Europas. 'Wan müßte die Weltgeschichte eines Jahrhunderts verkennen, um sich einzubilden, daß Rußland eine Deutschland feindliche Politik verfolgt. Wenn es sich mit Frankreich verbündet hat, so wollte Htußland nur die Bestrebungen nach einem germanischn Uebergewicht zu Nickste inackwn und Frankreich gegen Herarls" forberungen schützen, also das europäifebe Gleichgewicht stwkrn. England läßt sich von denselben Erwägungen leiten, deshalb kann der Austausch von Freundschaftsbezeugungen zwischen Petersburg, Berlin und London in keiner Weise unser Mißtrauen wachrnfen, es ist unerhört, daß französische Politiker anläßlich derartiger amt­licher Kundgebungen den Argwohn der öffentlichen Meiming bald gegen Rußland, bald gegen England aufreizen. Diese Patrioten arbeiten nur den Gegnern in die Hand. DerGaulois' mant, die Herzlichkeit der Beziehungen zwischen der deuNclwn und der russischen Regierung ivird da mit einem Nachdruck betont, der uns auf den ersten Blick überraschen mag, aber keinesivegs beiinrnIngen darf. Man darf nicht vergessen, daß die beiden Zander ihrer Nachbarsck>aft ioegen die Notwendigkeit empfinden, tu gutem Lin vernehmen zu leben. >

iDienstag und Freitag): iioeiinal monatl. £anb>

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siernsprrch - Anschlüße: __ __

SS General-Anzeiger für Oberheffen

Annahme VON Anzeigen Rotationsönid und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zleindruckerel R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: zchulftraße 7.

U o°rm^tta7"E'h" vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnhosstrahe 16a.

Runft Wissenschaft und Leben.

D i c Bedelitung derSalze für dasLeben. tzeit einiger Zeit ist man in der Lage, einzelne Organe und Zell- foinplere unseres Organismus auch isoliertüberlebend- zu er­halten, lücnn man sie in der sog. Kmgerschen Lösung aufbewahrt. ir-3 ift dies eine Salzlösung, die Kochsalz (Chlornatrium), Ehlor- fnlium und Clilorkalzium in einem Mengenverhältnis von WC : 3,2 :1,5 enthält. In einer gleichen Konzentration sind aber hie Salze im Meerwasser vorhanden. Cffenbar stehen also der Mensch und andere höhere Organismen unter dein Einfluß dieser Salzlösungen. Ties wird schon daraus ersichtlich, daß gewiße Vleerestiere, wenn sie in Seftidierte» Wasier getan werden, ab- terben. 2luch eine einfache Kochsalzlösung schützt sie nicht vor der Vergiftung, solidem stets erst der Zuiatz von Chlorkalzium und T Lilorfalium. Bei einer derartigen Wichtigkeit der Salze ist es uv erefiant, die Frage allgemein zu beantworten, welche Rolle die ^c für die Erhaltung des Lebens svielen. Ter amerikaiiische Zhnsiologe Iacgues Löb beantwortete sie in einer neuen Unter |ud)ung dahin, daß die Salze die Zellumhüllungen .gerben' und nndurchdriiiglich marfjen. Tann kann das für junge Zellen in seiner Konzentration > esoiiderS gütige Kochsalz nicht in sie einbringen 3m übrigen beben die Salze sich gegenseitig in ihren Giftwirlungen dif und machen die Zellhülien sich gegenseitig undurchlässig. Nur in gewißer Koiizentration halten die Salze die Lebensfähigkeit der gelten aufrecht. Tie schädigenden Wirkungen falscher Kombinationen üiißern sich in einer Zerklüftung der Zellen, die oon her Ober­slache ins Innere sortschreitet und sie in kleinste Teilchen zer-

f) a f c f u e a r e - C) o l j". Ein Bibliotheksschrank, der iweifellos einzig in feiner Art ist, gelangt in den nächsten Tagen jit Loiidoii zur Versteigerung. Der Schrank besteht nämlich aus- schließlich aus Holzteilen, die von Orten flammen, welche entweder nut dem großen Tramatiker zu seinen Lebzeiten oerknüvft waren oder in feinen Werken erwähnt sind. Tie Holztette wurden von einem Amerikaiier namens W. C. Prescott, der mein aber in Eng­land weilte, gesammelt: er hat dieser Ausgabe mehr als die wallte eines Lebens gewidmet. 60 historische Gebäude, wie z. B. der Tviver in Loudon, die Westminster Abbey und das bekannte Kenil- worth Cafile haben Holzteile für den Bibliotheksschrank opfern müssen. 'Alles in allem besteht er aus 111 Stucken, und Mr. Wescott hat jeben Zweifel an ihrer Echtheit dadurch unmöglich gemacht, daß er sie sich urkundlich hat beglaubigen lassen.

gcttbc Meldungen vor:

Baltisch-Port, G. Juli. Abends um 8 Uhr war Tafel auf derHohenzollern". Kaiser Wilhelm emp­fing den Kaiser n n b d i e Kaiserin von Rußland und die Prinzcssineu-Töchtcr am Fallreep unb geleitete die Kaiserin in den Speisesaal, wo die Tafel mit reichem Taselschmuck und herrlichen dunkelroten Nelken dekoriert war. Rechts von Kaiser Wilhelm saßen zunächst die Kaiserin von Rußland, Prinz Adalbert, Großfürstin Tatjana, Bot- schifter Graf Pourtales, Großsürstin Anastasia und General ton Tatischtschow, links Großfürstin Olga, Großfiirst Niko­laus ^Nikolajewitsch, Großfürstin Maria, Oberhofmarschall Graf Eulenbitrg, .Hofdame Fürstin Obelenski und Wirklicher Geheimer Rat v. Valentins. Gegenüber dem Kaiser saß der rlaifcr von Rußland; rechts folgten zunächst der Reichs- kanzler v. Bethmann Hollweg, Ministerpräsident Kokowtzow, Srneraladjutant Freister v. Lyncker, Minister des Aeußcrn kassonow unb Generaladjutant Baron v. Rtöllendorff, links Generaloberst v. Plessen, Hausminister Baron Fredericks, : biniral v. Müller, KriegSmiE« General Szuchomlinow und Marineminister Admiral Grigerowitsch. Die Kapelle terHostenzollern" konzertierte. In dem Programm be- Luiben sich Stücke von Tschaikolvski), Glinka und Ganne.

russischen Herrschaften verließen dieHohenzollern" vegen 11 Uhr. Nach dem Diner fanden kinomatographische iwrftil)ruugcn durch den Pstotograplten Jürgensen statt, wobei u. a. Szenen von der Nordlandreise des Kaisers im Jahre 1911 und von der Mittelmeerreise 1912 gezeigt wurden.

Gestern abend nach dem Diner hielten die Majestäten ein Cercle ab, bei dem die Monarchen miteinander eine angeregte Unterhaltung pflogen und bei dem der Kaiser ücii yiüßland den Reichskanzler, wie schon in den ersten - Tagen, abermals in ein längeres Gespräch zog. Heute tormittag 10* , Uhr empfing der Kaiser auf derHohen- ?ollern" das Offizicrkorps des Regiments Nr. 75. Den $)errett wurden Erfrischungen gereicht, während die Kapelle

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fettigen Vertrauens getragen waren.

9iom, 6. Juli. DieTribuna" schreibt zu der Katser- zusarnmenkunst in Baltisch-Port, die Zusammenkunft sei eine Be­kräftigung der P o tsdamer Entrevue und beweise, daß daS von Bismarck erdachte System der Rückversicherung für den Frieden ein regelmäßiger Rhythmus in der europäischen Politik geworden sei. Ob aus der Zusammenkunft der Frieden zwischen der Türkei und Italien hervorgehe, wisse dieTribuna" nicht und wolle es auch nicht erraten. Es sei möglich, daß die beiden Souveräne, deren Friedensliebe bekannt sei, hierüber Ideen aus­tauschten und es sei zu hoffen, daß diese Ideen einem allgemeinen Interesse dienen würden. Ein weiteres Herumraten wäre un­vorsichtig und müßig, besonders für Italien, dessen erste Pflicht sei, aut sich selbst zu rechnen.Popolo Romano" befont in feiner Wochenrundschau, die Wichtigkeit der Zusammenkunft vor Baltisch-Port bestehe in der Konstatierung des lebhaften Wun­sches nach einem allgemeinen Frieden und gegenseitiger Freund­schaft zwischen den mächtigen Nordreick^en, die verschiedenen MlianZ- systemen angehören. Ter bevorstehende Besuch des Reichskanzlers in Petersburg beweise den Wunsch Rußlands, die guten Beziehun­gen mit Deutschland nicht zurückzusetzen gegenüber den Interessen der Allianz mit Frankreich, die durch den bevorstehenden Besuch des Ministerpräsidenten Poineare in Petersburg und des Ministers des Aeußern Sasonow in Paris geschützt würden.

Paris, 7. Juli. Das Kommunique über die Zusammen­kunft von Baltisch-Port wird in der hiesigen Presse im großen und ganzen günstig besprochen. TerTemps"

und der Bariton Amato den Napoleon. Nach der Aufführung in New York soll die Oper in Chicago, Philadelphia und anderen amerikanischen Großstädten über die Bühne gehen, und erst im Jahre 1914 soll sie zum Karneval auf italienischen Bühnen gespielt werden.

Deutsch- amerikanisches Sängersest. Aus Philadelphia, 5. Juli, wird uns gemeldet: Bei dem großen Sängerfest des nordöstlichen Sängerbundes, das unter Teilnahme von Tausenden von J.iitglicDern deutscher Gesangvereine in Gegen­wart einer zahlreichen iZestmenge m den letzten Tagen gefeiert worden ist, siegte in dem Wettsingen um den vom deutschen Kaiser gestifteten Sängerpreis der Junge Mannerchor zu Philadelphia. Ter Käferpreis, den der Männerchor bereits auf dem Sängerfest vor zwei Jahren erwarb, geht mit dem neuen Siege in seinen ballernden Besitz über. An dem Kaiserpreissingen nahmen außer dem oben genannten Verein die Vereine Williamsburg-Säugerbund- Brookliin, Arioll-Brooklyn und Kreuzer Quartettklub New York teil. Terioranteuer Männerchor und die Neuwarker Concordia errangen gemeinsam den vom Kommerzienrat Stollwerck geuiftete» Wander­preis. Tie Stadt Philadelphia, bereu Bürgermeister ein Teulsch- 'Amerikaner ist, zeigte bem Fest-Ausschuß das größte Entgegen­kommen und bewilligte einen Geldbetrag. An dem Festzuge durch die itabt nahmen gegen 20 000 Sänger teil. - Ter Brooklyner Sängerbund hat heute zur Feier semes 50jährigen Bestehens auf dem Norddeutschen Lloyd-TampferKönig Albert" eine Reise nach Deutschland angetreten, die ihn durch alle Teile Deutsch­lands führt.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen« schäft. TerUmschau" zufolge plant Dr. Siegftied Benig­nus im Herbst eine ForsckMngsreise in das alte Welserland Venezuela und zu den OuellengebietendesOrinoco. Die Wichtigkeit des Distrikts liegt nicht nur auf wissenschaft­lichem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete, da dort viel Kautschuk, Kakao, Mineralien, Farbhölzer, vorhanden sind. Der Tirettor der landwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim, Professor Dr. von Ströbel, tritt am 1. Oktober aus GesiMd- heitsrücksichten von seinem Amte zurück. Die Deutsche Arktische Erpedition Schrödcr-Stranz unternimmt Ende dieses Monats eine vorläufige Studienreise in das nördliche Eismeer.

Petersburg, 7. Juli.* Reichskanzler Dr. v. B-eth- mann-Holl weg, dcr Botschafter Graf Pourtalös, Ministerpräsident Kokowtzow und der Minftter des Aeußern Sasonow sind heute morgen hier eingerrossen.

In der «d e u t s ch e n B o t s ch-a f t fand heute ern D i n e r statt, dem Reichskanzler Dr. v. Bethmann-Hollweg, per russische Minister des Aeußern Sasonow-, Kttltusmimster Casso, der neue russische Botschafter in Berlin Serbejcw, General v. Tatischtschow, der deutsche Militärattache Graf v. Posadowsky-Welftrer, der deittsche Marineattachö Kapi­tän zur See Frhr. v. Kayserlingk, der deutsche Militär- bevollmächtigte Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten, die übrigen Mitglieder der deutschen Botschaft unb andere beiwohnten. _____________

Die Vesoldungsvorlage in der Ersten Kammer.

Der Finanzausschuß der Ersten Kammer hat seinen Entschluß, von der in der Regierungsvorlage fest­gesetzten Skala für die Beamtengehaltsverbcsserung nur 9 0 Proz. zu bewilligen und den Bolksschullehrern nicht die von der Zweiten Kammer beschlossene höhere Gehalts­aufbesserung von 15 Proz., sondern nur die von der Re­gierung angesetzte llprozentige Verbesserung zu gewäh'ren, mit einer eingehenden Begründung versehen.

Der Berichterstatter, Fürst zu I s en b ur g- B irste i n, gibt zunächst eine Uebersicht über die Anforderungen der Regierung und bedauert, daß die Zweite 5iammer wegen der in die finanziellen Verhältnisse der Gemeinden zum Teil stark einschneidendcnt Vorlagen der Regierung einige dieser Vorlagett zurückgestellt und damit einen erheblichen Betrag des für die Verabschiedung notwendigen Bedarfs in Frage gestellt hat. Man hätte bei einer Vorlage von so großer Tragweite für das Land auch auf die Aufbringung der Mittel Bedacht nehmen müssen. Dies gelte zunächst von der Vorlage über die Kosten derhöheren Schulen, die für dre Staatskasse eine Einnahme von 230 000 Mk.