Ausgabe 
7.3.1912 Drittes Blatt
 
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Nr 57

trschedü tSglich mit Ausnahme de» Sonntag».

(Beifall.)

Abg. Koelsch (Natl.)

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Abo. Dr. Kcrschenftciner (Vp.):

wichtige Fragen stehen im Vordergründe: Ist zu einet Entwicklung des Staates ein Maximum von unab- Manschen notwendig? Ist die wirtschaftliche Entwick«

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zwiebel gonla usw. ISS ) zu Diensten.

tieileftener LamUlenblätter" werden dem .Ln-eiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da» ^Kretsblatl siir den Kreis riehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen dell» fragen erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion« ExvedMon und Druckerei: Schul- strage 7. Txveditton und Verlag: ey® 6L Redaktiome^AHL Tel.'AdruAnjeigeriLieben»

itte vniktztztz intreinig,

tritt für den kaufmännischen M i t t e l st a n d ein. Ihm wird schwer gemacht, sich politisch zu betätigen, denn überall lauert der Boykott. Der kauimännischc Mittelstand hat sich im Hansa-Bunb eine Crganhation geichasfen. die sich durch- aus bewahrt Hai. (Lachen rechts und im flentr.) In Baden arbeitet das Zentrum mit dem konfessionellen Moments kufl* nct das natürlich ab und bat sich in der Pfalz ein Feigenblatt wählen lassen, einen protestantischen Zentrum» m a n n. (£-citcrfcit.) Der Redner fordert bessere Vorbildung für Die kaufmännischen Lehrlinge und eine gewisse Vorsicht bei der Auf­nahme neuer Lehrlinge Aus den HandelSfackssckulen rann der Religionsunterricht anSfdxibcn. (Lachen im Zentr.) Die ®e- werbesreiheit muh unbedingt erhalten werden. Bei der Sonn­tagsruhe muh ein Unterschied zwischen Stadt und Land gcnmcht werden. Tie kleinen Orte müssen Erleichterungen erhalten. Eine Warcnhailssteuer würde wenig Erfolg haben. (Lachen rechts.) (Mcbcn Sie doch nicht in die Warenhäuser, wenn Sie so dagegen sind. Aber Sic legen sa sogar ihr Geld dort an. Sie kennen doch Herrn Fürstenberg. (Heiterkeit.) Die Warenhäuser sind j a f o fl a r hoffähig geworden. (Heiterkeit.) Legen Sic dem Mittelstand nicht die Lasten auf. nehmen Sie vielmehr die Erbschaftssteuer an. dann werden Sie eine wahre Mittelstandöpolitik treiben. (Lebh. Beifall links.)

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auf.

J-n kluger Weise hat der Hansa-Bund Industrielle und Hand­werker zusammengebracht zur Erörterung der Frage, ob die Groß- betriebe zu den Kosten der Lehrlingsausbildung beitragen sollen. Haben die Großbetriebe wirklich so große Vorteile. Eine Quelle von Mihhclligkciten würde entstehen. Tie Fabriken schaffen auch bereits eigene Lehrlingsschulen. Tie gesetzliche Regelung der Frage würde eine Gesetzgebung ohne Ende sein. Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln. Es würde jährlich zahllose neue An­träge dazu geben. Unsere r.-alistisckxn Anstalten müßen dafür sorgen, dah die Qualität des Mittel st anbes besser toirb. Tie ungeheure Entwicklung des pensionsfähigen VeamtenstandeS, das Einjährigenjahr, lenken leider von den Bahnen ab, tue zur selbständigen Eristenz führen Unsere höheren Schulen tun nichts, um die Neigung d.'r Jugend zur manuellen Betätigung zu for­dern. Auch die Absolventen der realistischen Anstalten betätigen sich nicht genügend im industriellen und Gewerbebetriebe. Und doch war das der Zweck ihrer Gründung. Ta ist rS in Nordamerika JC1'C£ie realistischen Schulen haben ungeheuer an Schülerzahl gewonnen, aber sie haben keine Beziehungen zu m p ra - tischen Leben. Sie müssen neuorganifiert werden, ebenso unsere Volksschulen, damit dcm Mittelstände neue Intelligenzen zugefuhrt werden. Tann wird sich auch die soziale Tugend der Hilfsbereitschaft wieder mehr entwickeln. Auch der Arbeiterstanv wird dadurch pcboben werden. Der Redner fordert bann eme Neuregelung und Förderung des F o r t b i 1 b uin fl\i \ ch u ! wesens. DaS ist bic beste MittelstanbSpolitik. Jetzt fehlt e» noch an der technischen Ausbildung. Tie Lehrlinge sinb in den ersten Monaten nur Dienstmädchen. ES fehlt auch an der kaufmännischen Ausbildung. Daher die rechnernchen F-chlcr bei Kalkulationen und Submissionen. Ick werfe keinen Stein auf bic Meister, aber bie Verhältnisse sind Jo, weil die fiute Fachschule gefehlt hat. Herr Pauli will keine staatsbürger­liche Erziehung haben. Sie ist gewiß Jein ö ei I f er u m gegen bie S o z i a l b e m o ? r a t i e , aber Re stärkt das xn. fereiie am Staat. Es ist eine Ebaraktererziehung. eine Erziehung zum sozialen Sinn. Es kann jemand den Kopf voll staatSburger- l-cher Weisheit haben, aber keinen Funken sozialen Sinn, (rfu- srimmung.) Wir wollen den sozialen Sinn fördern. Ein Muster ist die Schule für Feinmechanik in Göttingen.

Tie Fortbildungsschulen nach Münchner Cvstcm finden setzt überall Nachahmung, auch in Amerika und England. 9hir tm deutschen Norden fehlt es noch ein wenig. Dir in München- Capua scheinen da flcißiaere Leute zu fein. Tiefe Schulen müssen die Freude am praktischen Schaffen fördern, das moralische Be­dürfnis stärken, die Arbeit möglichst gut zu machen und ben sozialen Sinn schärfen. (Beifall.)

Abg. Tombek (Pole):

Tie polnischen Führer lasten sich bei der Lohnbewegung fn Westfalen nickt schieben. Sfe hanbeln nur nach sachlichen Grund­sätzen. Die Lohnbewegung ist notwendig-

Tas Haus vertagt sich.

Weiterberatung Donnerstag 1 Uhr, Schluß 6% Uhr.

befürwortet eine Einschränkung ber Warenlager, t e dem Handwerk eine schwere Konkurrenz bereiten. Dabei sind he Waren meist minderwertig. Tie Handwerker sind oft nur noch «ui Flickarbeit angewiesen. Der Mittelstand aber ist gerade ge­eignet, umstürzlcrisckscn Tendenzen cntgegcnzuwirkcn. In Ort- Ihaften von einer gewissen Größe sollten Warenlager überhaupt riebt geduldet werden. Wir fordern ein Gesetz, daö bald Abhilfe schafft. Der Redner fordert dann eine Besteuerung der Konsumvereine. Verbieten solle man sie nicht, aber cs täte durchaus reckt und billig, sic zu den allgemeinen Lasten mehr feranzuziehen. Auch da erwarten wir ein Gesetz.

Abg. Giebel (Soz.):

Die Konsumvereine sind schon genügend belastet. Sic werden ft gegen jede neue Steuer wehren. Einen Sümpathicstreik dollen auch bic sozialdemokratischen Bergarbeiter nickt. Der Red- rer vermißt in der MittelstandSrede oes Staatssekretärs eine Würdigung der schlechten Vcrhältniffe der Bureauangestellten. Die Privatbcamten wissen ganz genau, daß das Versiebe- t'UngSgesetz von der Furcht vor den ReickStagSwahlen diktiert ist. vbre ganze Fürsorge für die Privatangestellten ist nichts als lrrteipolitisckc Prophylaxe, daß nicht auch sie zur Sozialdemo, hatte geben. Der neue Mittelstand ist ein neuer m i t- tellofc r Stand. Herr Marguart bat das Hohelied deS sozialen Friedens zwischen Privatangestelltcn und Ar- teitgcbcrn gesungen. Dieser soziale Frieden ist Öbbängigfcit tnb widerspruchslose Ausbeutung, in persönlicher Begebung noch schlimmer als bei den Industriearbeitern. Ehe- t-rbotc usw., das reine Militärverhältnis! Der Persönlichkeit-?- frert deS Angestellten wird ertötet, und wirtschaftlich ist eS (mau so.

In bezug auf die Konkurrenzklausel bat der Staats- ifrctär nur von den kaufmännischen, nicht den technischen An- tift'ntcn gesprochen. Daneben die geheimen Abkommen Inter den großen Werken, daß Angestellte, die aus einem Be- ffiebe auStreten, in einem anderen nicht angenommen werden, B. bei den Flugzcugfabriken. Heute ist der Angestellte gerade- tber Knecht des Prinzipals. Das Eri-nderrcckt deS igestelltcn, fein geistiges Eigentum muß unbedingt geschützt erben; wo ist da ftbr' heiliger Eigentumsbegriff? Wir bcan- in unserer Resolution ein einheitliches Privat- nyestelltenrcckt, nach dem Vorbilde Oesterreichs. Tie ihonallibcralcn haben für die Bureauangestellten einen De­ren Antrag eingebrackt. aber auch sie gehören in das ein- Etliche Recht. Die Gleichstellung mit den Handlungsgehilfen tenntc sofort geschehen. Ter Rcdnce bestreitet den Ter roriS- slis in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Gunc Um- *:aSC des Zentralverbandes deutscher Industrieller bei feinen -nterverbänden hat ergeben, doß von 1904 bis 1910 auf je S-> Streiks je ein Etreikvergeben zur ^etrarung gc= -Timen ist. (Hört! Hört! bei den Soz.) Und wie unerhört Jfcng sind die gerichtlichen Strafen geworden bei den unbe- -uiuendsten Vorkommnissen. Demgegenüber der zcrrorivmuS a Unternehmer, auch gegen ihre eigenen Klass.ngenossen! E n des KoalitionSrcchts der Angestellten und Arbeiter ist bnn« frab notwendig. Sie wipcn ganz genau, welche ungeheuren ^hiätze die Großkapitalisten in Staat und Land aus der Aus-

Mb. Deutscher Reichstag.

21. Sitzung, Mittwoch, den 6. März.

Am Tische des BundcSratS: Dr. Delbrück, Caspar. .Präsident Dr. Kaompf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr ibMin.

Der Etat des Reldisamfs des Innern.

(Siebenter Tag.)

Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.):

Massen von Resolutzionen liegen vor. DaS Jahr 1612 hat da einen Rekord aufgestellt l Wie soll der Bundesrat Semit fertig werden? Es besteht die Gefahr, daß bic Sozial­politik durch dieses übertriebene Wettrennen geradezu gehemmt öirb. Man sollte bic zahllosen Initiativanträge nach bestimmten iRaterien orbnen unb einzelnen Kommissionen zur Bearbeitung uberrocifen. Aus den lehrreichen Darlegungen bcs Staats- fekretärs hörte man leider immer nur das Nein! Der Webner wendet sich gegen bic Sozialdemokraten, bic sich mit Un­recht als alleinige Arbeitervertreter hinstellen. Durch die sünstige wirtschaftliche Entwicklung ist ben beutschcn Arbettcrn m ftetgenbem Maße lohnenbe Arbeit gesichert. Der Rcbner bc- loni bie Notwendigkeit einer weitgehenden Wohnungüfärsorgc.

Uebcr den großen Zielen ber Sozialpolitik darf doch die sozialpolitische Kleinarbeit nicht vernachlässigt Derben, so bic Regelung der Verhältnisse der Handelsangestcllten. her Bureaugehilfcn usw. Unrecht ist eS, wenn man, wie bic Sozialdemokraten, in der Reichsversicherungsordnung eine Ver- scklechterung dcö bisherigen Zustandes erblickt. Allerdings ist noch manches zu bessern. Bei der Bemessung von I n v a - libenrenten könnte der FiSkuS großzügiger Vorgehen, man ioQtc bic großen Ueberschüsfe ber Finanz re form baju verwenden. Der konservativen Resolution auf Schaffung cineS ArbeitSwilligengcsetzes kann ich nicht zu- dimmen ; eS würde den Arbeitern nur Schaden zufügen. Ich begreife wohl den Unmut über ben Terrorismus der S o - lialbemolratie, aber das Gesetz würde auch die Arbeiter- erganifationen treffen, bic selbst diesen Terrorismus verurteilen, ithc ©cwcrbcorbnung unb baS Strafgesetz reichen aus. trenn sie angctocnbct werben. Ter Rcbner wendet sich mit großer irfc unb unter lebhaftem Beifall gegen bic Art. in ber die ialbemokratisch organisierten Arbestcr die Mitglicber ber nahe- ««len Arbeiterorganisationen beschimpfen und verunglimpfen und bedrohen.

. Einen Sympathiestreik für bie Engländer laben bie nationalen Bergarbeiter glatt abgelchnt. Die Lage im stuhrrcvier ist außerordentlich übertrieben worben. Die der Börse nahestehenden Blatter schildern die Dinge so, als ob allcö in feiern Aufruhr stänbe. DäS gilt vomBerliner Tageblatt", ber .-frankfurter Zeitung" unb auch von ber sozialdemokratischen Seffe. DaS sind alles sensationelle Ucbcrlrcibungcn. Wo ibt baS Reichsberggcsetz? muß mit der Herrschaft deS kreußischen FiSkuS im Saarrcvier aufräumen. Im Ruhrrcvicr »erlangt man, daß bic Löhne mindestens auf ben Stanb von 1907 kommen. Die Zechen haben versprochen, daß bic Löhne steigen rerben. Die christlichen Gcwerkvcreine warten nun ab, währcnb he Sozialbemokraten weitere Forberungen stellen. Die sozial- bemokratische Presse hetzt: baher sinb Streiks. Disziplinbrüche Wrflcfommcn. Ein allgemeiner Streik würde jetzt nur die eng­lischen Bergarbeiter sckmbigen. DaS hat selbst Hue erklärt. Die idristlichnationalen Arbeiter machen also unter den ebiraltenbcn Umständen keinen Streik mit. Die Bundesstaaten sollten endlich ben Wünschen ber Bergarbeiter mehr Gehör schenken.

Heiken darin. (Heiterkeit.) Tic Verantwortung ist groß, wenn bic Bergarbeiter in eine Bewegung hineingezogen werden. (Lacken bei den Soz.) W i r haben dieses Verantwortungsgefühl. DeSdilb trauen wir bem alten Verbände nicht. Wir wünsckien aber, daß wilde Streiks nickt mehr vorkommen, baß alle Disziplinbrüche vermieden werden, und daß die Bewegung ruhig verläuft. Ten Staatssekretär bitte ich, bic Verhältnisse nicht bloß im Auge zu behalten unb bic Sache an sich herantreten zu lassen, sondern rechtzeitig bicJnitiative zu ergreifen. Es muh endlich zwischen den Grubenbesitzern und den Arbeitern eine Verhand­lung i'tattfintcn, damit der Boden geschaffen wirb, auf dem künftig in bcfricbigcnbcr Weise bie Lohnbifferenzen autgetragen werden. Tie prcußisck'c Regierung soll aber im Kohlensyndikat nickt nur b'ic Preise Hocktreiben, fonbern auch für anständige Löhne sorgen. Ter Redner fordert dann eine gründliche Revision ber Bestimmungen über bic Arbeitszeit in ben Nebenbetrieben t:r ist so gestellt, biß sie ben Ar­beitern gute Löhne und ArbeitSverbältnisse gewähren kann. Und wenn sic cS nicht tut, bann muß bic Regierung cingreifcn.

Wucherung ber orteifenbf n ' lassen gezogen haben. In ber Sozialpolitik hilft kein Mundspitzen mehr, co Wutz gepfiffen werben.

Abg^Giesberks (Zentr ):

Es gibt kein Mundspitzen mehr. daS gilt in diesem ReickStag für bic Sozialbemokraten. («ehr put 1) Tas Privatbeamtengesed ein Angstprobukt? Kein Wcfcb ist so sorgfältig vorbereitet worden, wie biescS, unb wenn c8 noch in ber Nachsession verabschiebet würbe, so war eS aus ber Besorgnis, baß vielleicht ber neue ReickStag nicht bazu in der Lage wäre. (Sehr wahrl) Käme baS Gesetz noch einmal unb stellten Sie alle Fbre Anträge und brächten sic burck. ich bin sehr zweifelhaft, ob bann bas Gesetz verabschiebet würbe. (Lebhafte Zustimmung.) Ter Rcbner spricht bann zur

Vergarbciterfrage.

Sic kann bie Aufmerksamkeit bc« Parlament? beanspruchen. Wollen wir gesunde Verhältnisse in ber Bergbaiiinbilstrie für die Dauer, bann muß bic Gesetzgebung ben Wünschen ber Arbeiter mehr Rechnung tragen und vor allen Dingen auch die Arbeitgeber, und Pflickt des Parlaments unb ber Regierung ist eS, Mittel und Wege zu diesem Ziele zu finden, ohne daß unser ganzes Wirt- schaftsleben durch Streik erschüttert wird. Tie Frage dcö Minimallohns ist bei den Buchdruckern bis zu einem ge­wissen Grade gelöst: Mindestlöhne für Mindest- Leistungen. ES ist also keine ganz ungewöhnliche und neue Forderung. Ter Bergmann hat sckon, bevor er seine Hand an die Kohle setzen kann, eine harte Arbeit, trifft ermüdet am Ar- bcitSpunkte ein, und darum ist bic Firierung eines maßvollen Minimallohneö gerade für ihn ernsthaft zu prüfen. Tie Fest- setzung der Mindestleistung bat freilich eine große Schwierigkeit, aber sie ist zu überwinden. Auch der Maurerverband halte in seinem Tarifvertrag eine Bestimmung, baß eine bestimmte Zahl von Steinen in der Stunde gemauert werden sollte, aber bic Arbeit­geber haben hernach keinen Wert darauf gelegt, ba sich heraus- stellte, baß auch ohne biefe Bestimmung die Arbeiter ihre Pflicht tun.

Man hört viele Klagen der Arbeitgeber über bic mobernen Arbeiterbcstrebungen, aber baS wagt man bis jetzt ben beutscken Arbeitern nicht zum Vorwurf zu machen, baß sie für ben Lohn, ben sie erstreben, nicht eine entsprcchenbe Arbeit leisten. Mir haben Arbeitgeber, bic sehr hübet ihren Willen zur Anerkennung des Tarifs gezwungen würben, erklärt, daß sie mit bem Tarif durchaus zufrieden feien, da bic Arbeitsleistung nicht nur ge­stiegen, fonbern mehr Pünktlichkeit ufw. in den ganzen Betrieb gekommen fei. (Hört, hört!) Auch bas preußische Berggesetz hat einige Anklänge an bcu Minbestlohn. Ich lasse bahingestellt, ob daö Verhalten ber englischen fBergarbciterorganifation, ob baS Eingreifen bet Gesetzgebung klug ist; so, wie bic Dinge liegen, haben wir ein englisches Gesetz zu erwarten unb man kann gespannt sein, in welcher Form unb Art man hort biescS Minbcstlohnprinzip burchzuführen gebenkt. Die sozial- bcmofratifchen Webner hier haben ebenso wie Herr BehrenS er­klärt, baß nickt daran zu benfen ist, baß bic deutschen Bergarbeiter irgendwie einen S Y m p a t b i e st r c i k für ihre englischen.Kollegen inszenieren. Dafür ist in der deutschen Bergarbeitetschaft keine Neigung, die öffentliche Meinung würde eS nicht verstehen, und auch den englischen Bergleuten wurde es nichts nützen. Die Eng- länber haben ja selbst erklärt, baß sie allein fertig Werben; sie haben mit ben Transportarbeitern vereinbart, daß biefe sich bem Streik anschließen, sowie Kohle auS bem Ausland» kommt. Diese Frage wirb uns also weniger berühren. Aber man wirb auch er­warten bürfen. daß bic deutschen Grubenbesitzer nicht etwa deutsche Kohle nach England liefern. DaS Würbe die Situation im Inlande ganz erheblich verschärfen unb erschweren unb sich in Wiberspruch setzen mit ber öffentlichen Meinung, cS würbe der deutschen Volkswirtschaft wohl größeren Schaden tun, als der einzelne Zechenbesitzet vielleicht Vorteil hat.

Die deutsche Industrie hat anderes zu tun; die englische Kohlciieinfuhr ist ganz außerordentlich gestiegen, und wenn bie deutsche Industrie es so machen würde, wie die Engländer bei unseren' AnSstand 1905, wo fie Deutschland Absatzgebiete weg- zunehmen suchten, so wäre baS nur eine gerechte Ver­geltung. Tic Lohnbewegung ber beutfehen Bergarbeiter, wie sie sich feit 1910 abfpiclt, bat ihre Berechtigung in sich, sie braucht keinen Anstoß von England. Tie Behandlung der Lohnfrage durch bie Grubenbesitzer im letzten Jahre war unklug und sozial ungerecht. Seit 1909 sind bie Löhne der Berg­arbeiter um 200 bis 300 Mark heruntergegangen, trotz ber Der- tcucrung ber Lebensmittel, und bie beutscken Gruben rentieren sich so gut, baß solche Lohnsenkungen unnötig sinb unb man für ftaoilc Löhne Jorgen könnte. 1910 bekamen bie Berg­arbeiter auf ihre Lohneingabe ein ablehnende Antwort. Inzwischen sind bie .Kohlenpreise erhöht Die Grundbesitzer würden sich um alle Reputation in der Welt selbst bringen, wenn sic nicht jetzt für entsprechende Erhöhung der Löhne sorgen würden. Tic deutsche Kohle ist dock scklienlick nicht ein Ausbcutilngs- und Aussaugungsprodukt der Kapitalisten, sondern dient ber gesamten Industrie und soll auch den Arbeitern, bie mit so schwerer Lebensgefahr und großer Mühe die Äoble zutage fördern, eine ent,brechende Lebenshaltung gewährleisten. Tun bic Gruben- besitzer jetzt nicht ihre Schuldigkeit, bann soll man ein Syn - dikatsgcietz machen wtc für b en Kalibergbau. Herr Sachse beschäftigt sich nur mit den westfälischen Berg- arbeitern. Er soll sich um fein schlesisches Gebiet kümmern, wo die Löhne um 20 bis 30 Prozent niedriger sind. (Lebhafter Bei- fall im Zentrum.)

Wenn bie Zechcnbesiher bic Löhne erheben wollen, warum verhandeln sic bann nicht mit den Arbeitern über bic zweck- mäßigste Art? Tann wäre ein Bobcn zu frieblicher Weiterarbeit geschaffen. Tic christlichen Bergarbeiter haben ein außer- ordentlich großes Mißtrauen gegen die ehrlichen Ab- sichten des sozialdemokratischen Verbandes. (Sehr_ richtig! im Zentrum.) Tic Erfahrungen des Streiks von 1905 machen un­vorsichtig. Der Redner verliest Aeußcrungcn der ,Leipziger Volkszeitung", in denen aufgeforbert würbe, bic Gelegenheit zu benutzen, ben christlichen Verband zu zertrümmern und einen großen Fischzug zu tun. (Hört! Hört! im Zentr.) Die Herren Sachse und Hue werden von den Massen und den radikalen Elementen geschoben. Ihre Pläne werden von diesen Radikalen durchkreuzt. Da war der Verschmelzungsrummel, man wollte alle Bergarbeiter vereinigen. Aber zwischen ben christlichen und den sozialdemokratischen Bergarbeitern sind unüberbrückbare Gegensätze. (Sehr richtig! im Zentr. Zuruf bei den Soz.: Sie werden geschoben!) Von wem? Kommen Sie endlich mit Be­weisen, sonst werden wir hier einmal mit Ihnen gründliche Abrechnung halten. (Lautes Gelächter bei den Soz.) Die neueren Kollegen scheinen sehr nervös zu sein.

Man hat die .Köln. Volkszeitung- gegen uns ausgespielt. Tas ist ein angesehenes Blatt, aber ab und zu stehen auch Dumm-

Liingigen Manschen notwendig? Ist bic wirtschaftliche Entwick­lung so, baß ber Mittelstaub zerrieben werben muß? Unb wenn bas nicht ber Fall ist: Welches ist die richtige Mittelstands­politik? Der Redner kommt in eingehenden iiationalökonomischen Darlegungen zu dem Schluß, baß ber Mittelstand existenzbercch- ligt ist, und daß man an seiner Entwicklung nicht zu verzweifeln brauche. Die mittleren Betriebe sind erheblich an Zahl gestiegen, freilich auch bic Großbetriebe. Notwendig ist eine wirk­same Erziehungspolitik. Leiber liebt ber Deutsche nicht ben wirtschaftlichen freien Kampf. Unsere jungen Männer nehmen lieber mit mageren nieberen Staatsstellen vorlieb, als in ben freien Wirtsckaftskamvf hincinzugehen. Eine gewisse Schutzzollpolitik ist nicht zu verwerfen, freilich barf nicht ein Schutz gegen bie Rechte anbercr sein, sonbcrn ein Schutz gegen unberechtigte Uebergrisse anbeter. Da kommt die Rechte mit ihren Mittelstanbsforber'lna-n. bic -ur Zünftelei führen müssen. Tie ganze Leibenszeit bcS HanbwerkS steigt toieber

162, Jahrgang Domicrstag, 7. März 15)13

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General-Anzeiger für Gberheffen