Ausgabe 
8.5.1912 Erstes Blatt
 
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Der Jahresbericht der hessischen Sewerbeinspettoren über ihre amtliche Tätigkeit un Jahre 1911 ist erschienen. Diese Berichte sind gesetzlich vorgeschrieben und eigentlich nur zur Vor­lage an den Bundesrat und Reichstag bestimmt. Sie sollen den Vorschriften entsprechend theoretische Erörterungen möglichst ver­meiden und sich nur auf die Mitteilung von Tatsachen und Wahrnehmungen beschränken. Die Berichte enthalten wiederum vieles in sozialpolitischer und volkswirtschaftlicher Beziehung inter­essantes Material. Dem Berichte des Beamten für Oberhessen entnehmen wir folgendes: 1735 Betriebe unterstehen der Auf­sicht der Gewerbeinspektion und beschäftigen zusammen 20 226 Arbeiter männlichen und weiblicl^en Geschlechts. Davon ent­fallen auf den Kreis Gießen 648 Anlagen mW 10 475 Arbeiter, auf den Kreis Alsfeld 167 Anlagen und 1517 Arbeiter, auf den Kreis Büdingen 171 Anlagen mW 1668 Arbeiter, auf den Kreis Friedberg 497 Anlagen und 4246 Arbeiter, auf den Kreis Lauterbach 127 Anlagen und 1413 Arbeiter, auf den Kreis Schotten 125 Anlagen und 907 Arbeiter.

Unverkennbar ist in der aesamten Industrie der Provinz, besonders aber in der der Nahrungsmittelindustrie sowie im Bekleidungs- und Neinigungsgewerbe die wachsende Zuhilfenahme weiblicher Arbeitskräfte. So hat die Z i g a r r e n i n d u st r i e, die vor allem im Kreis Gießen daheim ist, im vergangenen Jahr 285 Arbeiterinnen mchr beschäftigt. In der Stadt Gießen liegen 21 Zigarrenfabriken mit 1131 Arbeitern, auf den umliegenden hessischen Dörfern 41 Fabriken mit 1889 Arbeitern. Insgesamt finden danach rund 3000 Personen in der Zigarrcnindustrie des Kreises Gießen Beschäftigung.

Für weibliche Arbeiter schreibt die neue Gewerbe­ordnung einen Max i malar b e its t a g von 10 Stunden und Samstags von 8 Stunden vor. Auch muß Samstags um 5 Uhr Feierabend sein. Wer zur Ueberarbcit genötigt ist, kann dazu Mter bestimmten Voraussetzungen für 40 Tage im Jahre die iMSamUiche Erlaubnis erhallen. In dem letzten trockenen und langen Sommer kam diese Ueberarbcit den Saisonbetrieben der Provinz den Dampjwaschanstalten und Mineralwassersabriken sehr zu itatten. Die Verwendung lugendlicher, d. h, unter 16 Jahre alter Arbeiter zu Ueberarbcit urw wahrend der Nachtzeit ist redoch verboten und es mußten wegen Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot einige Fabrikanten angezeigt werden.

Den Gawvirtsgchilfen muß nach der Gewerbeordnung in größeren Städten alle 14 Tage ein 24 stündiger Ruhetag ge­währt werdeii. Davon wollen aber selbst manche Gehilfen ivegen des Verdienstentgangs nicht viel wissen und es ist in B a d -N a u - herm vorgekommen, datz die Kellner und Köche verschiedener Hotels verabredclermaßen ihrem eigenen Betrieb 24 Stunden fern blieben, diese Zelt über aber in einem anderen gleichen petrub Dienste verrichteten. Man tauschte miteinander.

Streiks fanden in 4 Gewerbebetrieben statt. Sie brachten nur teilweise Erlolge für die Ausständigen. In 2 Betrieben gingen die,e sogar ihrer Arbeitsstellen verlustig t,-.?ÜJrr^Kbcbtet1ncbeK lnu Lehrlingsausbildung bietet vielleicht die folgende Entscheidung über die Haltung von Lehrlingen einiges Interesse. 0

In einer Apparatebauanstall und Kesselschmiede, in der in der Hauptsache ein «pezialartikel «Gasometer für Azetylenaas- apparate hergestellt wurde, die Arbeitsverrichtungen Fellen Bohren, Nieten, Schmieden u. dergl.) aber die gleichen sind wie in jeder Schlofterwerkuatt, fand der Beamte bei insgesamt Ar­beitskräften ^darunter 3 Söhne des Betriebsinl-abers, 15 Lehr­linge Mit schriftlichen Lehrvertrag eingestellt. Ter Betrieb trua einen sabrikartlgen Charakter und der Jichaber wollte von einer Zugehörigkeit zur Handwerkskammer nichts wissen. Es «vurd: daher au, Ersuchen der Gewerbcinspcklion durch die Orlsvolizeibehördc dem Lehrherrn, weil er eine im Mißverhältnis ;u dem Umfang uiw der Art des Betriebes stehende Zahl von Lehrlingen halte und dadurch die Ausbildung derselben gelahrdct ici, auigeaeben' die Weiterami ahme von Lehrlingen so lange ;n Unterlasten bis chre Za^ Zen uw Schtosjer^det.rrehe «ultigcn Vorschriften der

diese Vortagen wohl bei keinem Kammermitglied gesunden. Es wurde allgemein dem Bedauern darüber Ausdruck ge­geben, daß die Negierung trotz der langen Hinauszögerung der ganzen Angelegenheit statt der seit Zähren geforderten organischen Besoldungsreform doch nur ein vorgelegt und eine prozentuale Gehaltsaufbenerung rn Vor­schlag gebracht lut. Es erscheint ausae schloßen, daß sich für die Regierungsvorlagen eine Mehrheit in der Kammer finden wird. Tie Stimmung in der nationalliberalen Par­tei gelft allgemein dahin, daß auf Grund der jetzigen Re- gierungsvorfchläge für dieses Jahr eine pensio^ns- sähige Teuerungszulage für das laufende ^zahr bewilligt und die Regierung um s ch le un i a st e V o r l ag e einer organischen Besoldungsordnung ersucht wird. Die der Lehrerschaft von der Regierung bewil­ligte Verbesserung erscheint der Partei zu gering: es soll dahin gewirkt werden, daß wie bei den mittleren Beamten statt der 11 prozentigen eine 15prozentige Gehaltsaufbesse­rung für die Lehrerschaft erreicht wird.

Die Oberbürgermeisterposten in Berlin und Zranffurt.

Berlin, 8. Mai. Da nach wie vor mit dem Rück­tritt des Oberbürgermeisters Kirschner gerech­net wird, besprachen gestern die Frakttonsvorstände im Stadtverordneten kollegium die in der Hauptsache in Frage kommenden Kandidaten. Dem BerlinerLokalanA." zu­folge handelt es sich zurzeit um folgende Persönlichkeiten: Oberbürgermeister Dr. rte-Königsberg i. P., Ober­bürgermeister Riebe-Halle a. d. S., Staatssekretär a. D. Dernburg und Staatssekretär Wermuth.

DasBerliner Tageblatt" meint, es könne schon jetzt kaum noch von einer Kandidatur Wermuths, sondern von dessen bereits ziemlich sicher bevorstehenden Wahl gesprochen werden. Verschiedene Blätter schreiben, Wermuth würde auch in Frankfurt a. M. als Nach­folger des Oberbürgermeisters Adickes gerne geseben, es verlaute fedoch, daß er lieber in Berlin bleiben würde. Ein Morgenblatt will wissen, Herr Wermuth habe sich schon bereit erklärt, das Oberbürgermeisteramt zu übernehmen.

Deutscher Reich.

Zur Stichwahl in Varcl-Jcvcr, die am 9. Mai stattfindct, hat die nationalliberale Reichstagsfraktion folgendes Telegramm an die Parteigenossen des Wahlkreises gerichtet:

Für die bevorstehende Stichwahl können wir unsere dortigen Parteifreunde nur dringendbitten, alle etwa vorhandenen Gvürwe und Ver st immun gen beiseite zu setzen und einmütig für Herrn Dr. Wiemer einzutreten. Möchte dieser Mahnruf in letzter Stunde nicht unbeachtet verhallen. Wir bitten um Veröffeutlichuna dieses Telegramms in der dor­tigen Presse und möglichste Verbreitung unter den dorttgen Parteifreunden.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Der Reichs­kanzler empfing den Botschafter in Konstantinopel Freiherrn Marschall v. Bieber st ein.

Arbeiterbewegung.

Von den nationalen Arbeiterverbanden.

TieTägliche Rundschau" meldet aus Berlin: Der Haupt­ausschuß der nationalen Arbeiterverbände hat an den Verein deutscher Arbeitgeberverbande die Bitte gerich­tet, vei Aussperrungen Arbeiter der nationalen Verbände nicht mitauszuspcrren und sie, falls es zu einer Betriebscinstel- lung kommt, durch Einstellung in andere Verbände vor Not zu schützen. Ter Arbeitgeber-Verein hat seine Mitglieder von der An­regung in Kenntnis gefetzt und sie ersucht, sich gegebenenfalls, seiner Vermittelung zu bedienen.

Hessischen Handiverkskammem angepaßt sei. Nach bicicn durften überhaupt nicht mehr als 8 Lehrlinge eingestellt werden, dies war die Höchstzahl. Auf Beschwerde des Inhabers enttchrcd der Kreisausschuß, daß das Verhättnis von 15 Lehrbuben zu 7 Ge­sellen als ein Mißverhältnis angesehen werden müsse und der Ausbildung nadtfeilig sei. Es sei eine allgemein gültige Grenze aber für die Höchstzahl der Lehrlinge könne nicht angegeben werden, weil dies von der Lage des einzelnen Falles abhänge. Einerseits sei hier zu berücksichtigen, daß zu den Gesellen die drei Söbne des Firmeninhabcrs zählten, die ihrer Ausblldung nach über den Durchschnitt gewöhnlicher Gesellen .stehen, andererseits zu bedenken, daß bei Ucberhäufung mit Aufträgen man sich wenig oder gar nicht mit den Jungen abgeben könne.

Den Gewerbeinsoektoren ist auch die Durchführung des Kinderschutzgesetzes übertragen. Nach den ftatiitifdien (Er­hebungen werden unter 49185 Schulkindern der Provinz 500 Kinder mit gewerblichen Arbeiten beschäftigt, d. i. 1 Prozent aller Schulkinder. Davon wiederum tragen nicht weniger als 300 Zeitungen aus. Nur 28 Kinder verrichten eigentliche Werk- stattarbellen wie Garnspulen, Tabakentrippen, Stuhlsitzflechten, Putzlumpennähen. Ihre Beschäftigung kann, wie dies auch manche Klagen von Lehrern bestätigt haben, unter Umitänden die Gesund­heit und den Schulunterricht nachtcllig beeinflussen. Tie Kontrolle dieser Beschäftigungen in den elterlichen Wohnungen bietet afcer mannigfache Schwierigkeiten, zumal die Eltern selbst alle Hebel in Bewegung setzen, die Beamten zu täuschen und sogar nicht davor zurückschrecken, ihre Kinder zu unwahren Aussagen zu veranlassen.

Ein Wirt bat die Gewerbeinspektion, auf Grund des Kinder- schutzgesetzes ihm selbst die Beschäftigung von Schulkindern zu untersagen, die auf einen in seinem Garten befindlichen und an einen Verein verpachteten Lawn-Tcnnisplatz beim Spiel die Bälle sammelten. Man möge ihn für den Arbeitgeber erflären, er wolle die Jungen, die sich stundenlang müßig auf seinem Anwesen Herumtreiben und alles Mögliche anstellen, los werden. Auch die Lehrer der Jungen machten eine Eingabe an den Schul­vorstand, er solle, well diese Beschäftigung die Kinder in der An­fertigung ihrer Schularbeiten hindere, ein Verbot bei Großh. Kreis­amt erwirken Es lag aber keine gewerbliche Kinderarbeit vor, sondern eine sportliche Veranstaltung eines Vereins, der nicht zum Wirtschaftsbetrieb gehört. Tas Kinderschutzgesetz konnte also nicht in Anwendung kommen.

Betriebsunfälle wurden im Jahre 1911 der Gewerbe­inspektion 358 mitgeteilt: darunter befanden sich verhältnismäßig wenig schwere Unfälle. Zwei verliefen tätlich. Während in einem Falle niemand eine Schuld traf, mußte in dem zweiten Falle ein Backsteinfabrikant, in dessen Lehmkautc infolge unvorschrifts­mäßigen Abgrabens ein Arbeiter verschüttet wurde, wegen fahr­lässiger Tötung angezeigt werden. Tcr Bericht erwähnt auch den tödlichen Unfall eines Sträflings, der die überaus große Feuer­gefährlichkeit des Zelluloids dartut. Ter Gefangene wollte nach Feierabend die ganz wenigen Abfälle vom Boden auflesen, diese fingen Feuer und im Nu stand der Mann ist Flammen.

In den Schuhfabriken des Bezirks sind auf Grund der neuen berussgenossenschaftlichen Vorschriften die Maschinen in praktischer Weste mit Schutzvorrichtungen versehen worden. In zwei Mineral- wasterfabrilcn hat man durch die Anschaffung verschiedener selbst­tätiger Maschinen (Spülmaschine, Abfüllapparate) die früher häu­figen Schnittwundenverletzungen erheblich vermindett. In den Steinbrüchen ist im allgemeinen ein vorschriftsmäßigeres Arbeiten zu verzeichnen gewesen. In der Regel sind es aber immer die­selben Brüche, die zu einem strengeren Einschreiten veranlassen. In einem Steinbruch traten .sogar einige Arbeiter bei der Revision an den Gewerbeinspektor heran und brachten in Gegenwart des Aufsehers bittere Beschwerde wegen des gefahrbringenden Ab­baues, zu dem sie angcbalten würden, vor. In einer Bierbrauerei erwies sich der von der Berufsgenossen schäft vorgeschriebene Schutz­helm mit künstlicher Zufuhr reiner Luft sehr zweckdienlich; durch seine Zuhilfenahme wurde nämlich ein großes Unglück vermieden, als aus der Eismaschine Amoniakgas in den Ärbeitsraum ge­treten war. (

Unter der außergewöhnlichen Hitze und deren langen An­halten im Sommer 1911 hatten in vielen geschlossenen Werk­stätten die Arbeller mehr oder weniger zu leiden. Besonders in den Tampfwaschanstalten (an den Mangen und Bügelstationen) setzte die hohe Temperatur in Verbindung mit der geringen Lust- beroegung den Arbeitern sehr zu. In einer Anstalt sind deshalb die Bügelöfen beseitigt und an ihrer Stelle die elektrisch heizbaren Bügeleisen eingeführt worden. In demselben Betriebe hatten die Arbeiter schon seit dessen .Bestellen trotz der großen Höhe und Geräumigkeit des Arbeitssaales über hie Hitze und den geringen Luftzug geklagt, und diesen stlebclstand vermochten auch die in der gewölbten Decke angebrachten «etwa 4 Meter hohen Tunst- schächte nicht cÜMhclfen. Erst die Einsetzung eines elektrisch be­triebenen Ventilators in einen .Schacht bewirkte einen derartig außerordentlich günstigen Luftzug, daß die Klagen verstummten. Die Fabrik liegt abseits.in einer wenig staubigen Gegend. In der zwellen an einer .belebten staubigen Straße gelegenen Anstatt wurde durch einen ähnlichen unter der Decke angebrachten Venti­lator zwar das gleiche Ergebnis erzielt, infolge des von außen eindringenden Staubes aber die Wäsche derartig verunreinigt, daß man den Ventilator abstellen mußte. Die Arbeiterinnen einer Dampswäscherei klagten infolge des stundenlangen Stehens und Tretens auf dem harten Fußboden. Um diesen Uebelstand zu be­heben, ließ der Betriebsinhaber die bloß 1 Zentimeter dicken elastischen Holzmatten der Firma Menzel u. Hammer in Secken­heim i. B. anschaffen, die eine unverkennbar wohltätige Wirkung crusübten. In einer Bierbrauerei ist der. Haustrunk, der auf den Kopf täglich 5 Liter betrug, auf 3 Liter im Durchschnitt heruntergegangen, seitdem den Gehilfen täglid) zweimal guter Kaffee auf Betriebskosten gekocht wird, und ferner die Arbeitszeit um 12 Stunden gellirzt worden ist. In einer zweiten Brauerei (der Gambrinusbrauerei in Butzbach) ist im lausenden Jahre zwischen dem Betriebsinhaber und Arbeitspersonal die A b l ö s u n g des Haustrunkes vereinbart worden. Ter nicht genossene Haustrunk wird jedem Arbeller mit 15 Pfg. für den Liter ver­gütet. Den Brauern, Küfern und Mälzern stehen 6 Liter, den Maschinisten, Heizern, Schlossern, Schmieden und Installateuren 5 Lllcr, den übrigen Handwerkern und Taglöhnern 3 Liter, den Fahrburschen 2 Liter an jebent Arbeitstag zur Verfügung. Die Arbeiter haben mit dieser Ablösung einen finanziellen Vorteil erreicht. Insgesamt wurden im ersten Vierteljahr nach der Ab­lösung an barem Geldc, an 34 Arbeiter für nicht genossenen Haus- trunt 725 Mark 25 .Pfennige ausdezahtt.

Auf der chemischen Fabrik Friedrichshütte ist den Arbellern in Anbetracht der durch die Mißernte des Jahres 1911 entstandenen Erhöhung der Lebensmittelpreise eine außerordentliche Teuerungszulage bewilligt worden und zwar auf die Dauer von 10 Ätonaren. Es. er hält ein lebiger Arbeller 2 Mark monatlich, ein verheirateter Mann ohne Srinber 3 Mark, ein verheirateter Mann mit 13 Kindern 5 Mark, ein verheirateter Mann mit 45 Kindern 6 IVtarl, ein verheirateter '.Viawi mit mehr als 5 Kindern 7 Mark.

Etliche andere Fabriken haben auS bem gleichen Grunde ver­schiedene Lebensmlltel für ihre.Arbeiter im Großen bezogen. Tie Erfahrungen waren jedoch hinsichtlich der Preise und Güte ber Waren, sowie auch bet Wünsche ber Arbeller vielfach nicht er- mutigend.

^ic Buderusschcn Eisenwerke zu »Lollar geben den Arbellern, die Gelb auf ber Sparkasse zu Lollar einlegen, zu den von ber Jtanc gewahrten Zinsen alljährlich so viel zu, daß diese 5 Prozent betragen. Anfangs waren manche Arbeiter mißtrauisch und mein­ten, es würde ihnen, .wenn sie viel sparten und die Betriebsleitung oavon erfahre, Lohnkürzungen bevorstehen. v Tas Mißtrauen in jeboen bald geichwunden. Tie Zahl der Sparer ist eine verhüttnis- Unter ihnen werben alljährlich auf WeihnacAen lutn.« art >2varpr ämie des Werkes als Gewmn verlost und den I* ®övlnnern als Sparguthaben guigefd?rieben. Auf je 3 Mark etfpartes Geld erhält der Sparer cm Los, jedoch im ganzen nicht metr andrer Lose.

m , Eisenwerke Hugo Buderus in Hirzenhain haben eine crnd.,ct 'N', dcm Zw-ck-, ö.ü Angehörigen rn^rCn mits -amlcit anzulLgcn. Die Einlagen

werden mll o verzinst. »

Tie Firma I. B. Noll in Gießen ft riete anläßlich bc< 100 jahngen Bestehens ihrer Zigarrenfabrik,20 000 Mark, deren Zinsen unter alle über .10 Jahre im Geschäfte tätigen Arbeiter verlellt werden. < fl,z . _ r -

Tie Zigarrenfabrik von Rinn u. Eloos in Heuchellvi'n hat Anfang 1911 die Einrichtung getroffen, daß den Zigarrenrollern eine besondere Vergütung zuteil wird, die eine nach fachmännischer Ansicht mögliche bestimmte Menge .Zigarren aus einem Prunv (Tabak) Teckblattmaterial anfertigen. Wer.die Durchschnittsleistung nicht erreicht, den trifft -keine Lohneinbußc. In einigen Fabriken der Firma verhielten sich die Arbeiter gegen diese Arbeitsweise ablehnend, arbeiteten aber dennoch derartig, daß ber größte Teil auf Weihnachten Prämien erhielt. , Unter 244 Zigarrcnrvl i n in den 5 hessischen Fabriken ber Firma kamen rund 1400 Mark ;ur Verteilung, in einer Fabrik jedoch nahmen die organisierten Ar beiter die Prämien nicht an.

Dr. Look in Eiehen.

Gießen, 8. Mai.

Im großen Saale des Hotels Großherzog von Hessen sprach gestern abend ber bekannte Polarforscher Dr. Freberick A. Eook vor einer ansehnlichen Zuhörerschaft über seine letzte Polarreise, auf ber er, wie allgemein bekannt ist, unter großen Müdialen und Beschwerden und nur von den beiden Eskimos Jturnonk und Apilak begleitet am 21. April 1908 den Nordpol erreicht haben will.

Unter außerordentlichem Jubel war Eook im Herbst des Jahres 1909 in die Zivilisation zurückgekehrt, und verschiedene gelehrte Körperschaften feierten ihn damals als den Utcherwinder der Arktis und bedachten ihn mll ihren höchsten Auszeichnungen, von denen, wie der Begleiter Dr. Cooks in seinen einleitenden Worten hervorhob. bis heute auch noch keine widerrufen ist. Dr. Cook hatte sich als Gefährte Pearhs früher bereits auf mehreren Fahrten in das Polareis, wo er dreimal unter großen Entbehrungen überwinterte, als tüchtiger und zuverlässiger Mann bewährt, an ber belgischen Südvolar-Erpedition vom Jahre 1897/98 hatte er mit Auszeichnung ilgenommen und in der Erforschung ber Hochgebirge von Alaska batte er sich ebenfalls bedeutende Verdienste erworben. Er gatt dahe. für durchaus glaubwürdig, als er sich, unter Vorlegung seiner Aufzeichnungen und Beobachtungen, vor der Kopenhagener Universität als den Entdecker des Nordpols bezeichnete, bis Robert E. Pearv acht Tage später aus ber Arktis zurückkehrte und mit der Behauptung, er habe am 6. April 1909 den Nordpol entdeckt, die Welt ver- bluffte. Nun begann in der von der deutschen durchaus Dm schiedenen amerikanischen Presse eine wahre Hetze aut Cook, und sowohl die Kopenhagener Universität als^ auch mehrere private Gelehrte Körperschaften kamen zu dem Schluß, daß Cook feint Entdeckung des Poles nicht zweifelsfrei nachgewiesen habe. Als Schwindler und Abenteurer wurde er von den Wissenschaftlern nicht bezeichnet, sondern nur von der amerikanischen und der ihr verwandten Presse. Es entwickelte^ sich das reinste Coolsieber, und als der Verfolgte sich in die Stille verbarg, verdachte man ihm auch dies und siel erst recht über ihn her während Peary, der sich energisch weigerte, seine Auszeichnungen und Beobachtungen einem Ausschuß zur Prüfung vorzulegen, als der wahre Held des Poles gefeiert wurde, ohne daß er auch nur den Schatten eines Beweises dafür erbracht hätte.

Dr. Cook hat lange zu allem geschwiegen, nun reift er als Vortragender umher, um durch sein persönliches Auftreten ein gerechteres Urteil zu erlangen, und der Eindruck, den der kräftige, ruhige Mann, desien Stirn gramvoll umbüftert erscheint, gestern aus seine Zuhörer machte, war burchaus vertrauenerweckend und sympathisch. Ohne jede Ziererei, einfach und vielleicht gar zu schlicht, um auf die Masse zu wirken, schilderte er an Hand zahlreicher Lichtbilder seine Reise nach dem Pol, und was er jagte, das machte den Eindruck völliger Glaubwürdigkeit. In schwersälliaem Deutsch, manchmal zögernd, nach dem Ausdruck suchend, schilderte Cook seine Vorbereitungen zu der gefahrvollen Reise, die er ganz mit eigenem Vermögen bestellt, seinen Ansent- balt unter den Eskimos, die entbehrungsreiche Fahrt nach bem Pol, die wochenlang über fast unpassierbar scheinendes Packer» führte, seine Abenteuer mit Bären und Moschusochsen uub schließlich seine Freude, als er am 21. April feststen en konnte, daß er in unmittelbarer Nähe bes PoleS sei. Ob er bei der Mangelhaftigkeit ber Instrumente genau den Punkt erreicht hat, den man in ber 'Theorie als den Nordpol bezeichnet, das vermag Cook nicht zu sagen, daß er aber unter den obwaltenden Umständen dem Pol so nahe gekommen ist, als es chm seine Berechnungen ermöglichten, das behauptet er mit aller Energie.

Als wichtigsten Beweis dasür, daß er den Pol erreicht habe, sieht Cook den Umstand an, daß die Sonnenhöhe an bem frag­lichen Punkte sich Tag und Nacht gleich blieb. Die Ortsbestim­mung mit dem Sektanten muß redoch sehr ungenau aussallen, well die Sonne nur wenige Grad über dem Gesichtskreis steht.

Sehr viel interessantes bot auch die Schilderung seiner Rück­reise, die besonders entbehrungsreich war und die Leute mehrfach zun7 Hungern zwang. Um sich wenigstens am Leben zu erhalten, aßen sie rohes Hundefleisch und einmal sogar einen seit Monaten im Schnee dergrabenen Seehund. Als ihnen die Munition aus­gegangen war, fertigten [ie sich aus Schlittentellen Speere und Pfeile und schließlich mutzten sie sich sogar cm Boot Herstellen, das kaum 12 Fuß lang war und sie über weites ossenes Wasser tragen mußte, bis sie fast völlig erschöpft endlich wieder unter Menschen kamen. Hier blieben seine beiden Gefährten zurück und Cook setzte bann mit anderen Begleitern seine Reise nach dem Süden fort.

Zum Schlüsse feinte Ausführungen bat Dr. Eook, baß man mit einem endgültigen Urteil über ihn zurückhatten möge, bis er im Herbst des Jahres sein Buch über die Polarsahrt veröffent­licht habe, in dem er sein ganzes Material der gesamten Welt unterbreite.

Der Beifall, den ber Forscher für seinen etwa einstündigen Vortrag erntete, war stark und ehrlich. N.

Au- Stadt und Land.

Gießen, 8. Mai 1912.

Oberbürgermeister Mecum wicdergcwähtt.

Gestern nachmittag fand eine nichtöffentliche Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung unter dem Vorsitz des Beigeordneten EmmeliuS statt, in der die Oberbürgermei st erwähl vorgenommen wurde. Ober­bürgermeister Mecum, besten Amtszeit im Monat Dezemb« dS. IS. zu Ende geht, wurde bei Abgabe eines weißen Zettels einstimmig auf 12 Jahre wiedergewählt.

"Tageskalender für Mittwoch, 8.Mai: Konten- verein. Letztes Konzert: Destoff'scher Frauenchor auS jranb furt a. M. Abends 6 Uhr in der vtadtklrche.

Landesuniversität. Der außerord. Profestot Dr. Richard Laqueur in Straßburg hat den Ruf als Nach­folger des ord. ProfestorS Strack angenommen.

** Für die Sitzung ber Stabtverorbneten- verfammlung am Donnerstag, 9. Mai, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt. 1. Mit­teilungen. 2. Baugesuch Oskar Gutmann für West-Anlagc 31. 2a. Baugesuch S. H Sondheim für Nord-Anlage 11. 3. Ge­such des Engelbert Bürck wegen Anbringung eines Schau­kastens am Haufe Seltersweg 10. 4. Bauliche Herstellungen in der Volkslesehalle am Setterstor 5. Errichtung etncs Stallgebäudes bei der Forstwartwohnung an der Licher Straße. 6. Bauveränderung im Hause Frankfurter Straße Nr. 63. 7. Uebernahrne der Klinikstrage in städtisares E.gcn- tum. 8. Umgestaltung der West-Anlage. 9. Neudeftin- flung ber Fahrbahn in der Schulstraßc. 10. Verbesserung des Feldivcas von öc; Schotten Ausftcyt nach betn tyb' werk. 1L Verlegung des StadtbacheinlausL an der Möstr-

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1KX, MM« rrifi« Sauger auS Su H hWien. M-n b-° ^lenden Tübingen ein - ,j Verfügung stehen. Schwerin geht ebenfall |4b nach Gießener Mulle - uh'chuß angesehener pianimelt hat und weite j.ni bevorstehenden 750j ktadt dem Magistrat da pa?t übergeben zu kömu "Wegen eines smd gestern mittag an Ort i'tfln anschließend eine! rindgras-Philipp-Platz Lalbe-Darmstadt, Geh faunrt Reuling-Darmsta ÜaiernngSrat Langermm : wnter des Kreises, B rtvüt @«bel als Vei v. ulrnq, Gennal-Ageni £' liauhrnm.

** Gin teurer \ >hrm schwebende Proz ieben wegen 18 Quc ' ückeS, aus dem einst d - aue stand (eS handelt 'mnaligen, durch dieK« i; nunmehr vom Obe Gunsten der Stadt .eugen- und Anwaltskc

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