Ausgabe 
7.3.1912 Zweites Blatt
 
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Niedrigste Niederschlag: 4,8 mm.

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V Hauptabteilung: Direkte steuern, Regalien, direkte Auslagen unb Einnahmen aus verschiedenen Quellen.

Tuberkulose Lungeiientzüiidung Influenza Blutvergiftung Herzfehler Lchlaqfluv Tarmkatarrh

Kapitel 12:

Abg. Wolf-Stadecken (Bhd.). Wir stehen vor einer Höhung der Bezüge unserer Staatsbahnen. Ich kann nicht ligen, daß man die höheren Einkonrmen nicht höher besteuern soll. Wir sollen uns nicht zu sehr nach dem Reiche richten, sondern unseren Charakter wahren. Redner wünscht Ernführrurg der Deklarationspflicht auch für die zweite Klasse. Ern Teü der

am 5. bi- 6.

, 5. , 6.

Der Antrag Henrich und Gen. wird gegen die Stimmen der Fortschrittler und Sozialdemokraten abgelehnt.

Der Antrag Tr. Weber wird einstimmig angenommen.

Kapitel 11, Lotterie: Ter Antrag des Ausschusses, die Ein­nahme von 806 810 Mark zu bewilligen, wird einstimmig "

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Vie lilofterbrüder von Lzenftochau.

sh. Petrikau, 6. März.

Tie Plaidoh er- der beiden Staatsanwälte und der sechs Verteidiger int Prozeß gegen die Klosterbrüder von Czenstochau nahmen insgesamt drei Tage in Anspruch und fanden erst am heutigen Mittwoch ihr Ende. Als erster Verteidiger nahm Rechts­anwalt Kloin, der Rechtsbeistand des Angeklagten Tamazy M a z o ch , das Wort. Er entschuldigte sich einleitend gewisser­maßen dafür, daß er als Katholik und Pole die Verteidigung eines Mannes übernommen habe, der auf geweihtem Boden ein so schmutziges Verbrechen begangen habe. Er habe aber vor Gericht die Rolle eines Offizialverteidigers bekommen. Ten An­geklagten wolle er nicht reinwaschen, zumal dieser selbst eingestan­den habe, den Mord und den Raub begangen zu haben. Es müsse aber die Frage geprüft werden, ob btc Tat mit Absicht geschehen sei oder in einem Zustande, der die freie Dillcns- bestimmung ausschließe. Ta sei es Pflicht, den Motiven nach­zugehen, die zu der Tat geführt haben könnten. Waclav habe in retdxm Maße die Freigebigkeit seines Vetters in Anspruch genommen, ihm aber dennoch mit Drohungen zugesetzt. Er be­leidigte ihn am Tage der Tat in seiner Zelle, indem er ihn Schubrakwiez" (einen niederträchtigen Menschen) nannte. Außer­dem war Tamazy Mazoch in dem betreffenden Augenblicke be- ttunken, und in diesem Erregungszustände hat er bann den Wenzel getötet. Bei den Diebstählen an bet Klosterkasse kann von Raup keine Rede sein. Es liegt einfacher Diebstahl vor.

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von audroärd nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

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AirchUche Nachrichten.

3sraelitifche Rehgionsgemeinöe.

Gotlerdienst in der Spnagoae (Süd-Anlage), Sam4 tag, den 9. März 1912: Dorabend: 6.00 Ut)t.

RtorgenS: 9.00 Uhr. Predigt.

Nach ittags. 3.30 llhc.

SabbatauSgan g: 7.00 Uhr.

3sraelitifd)e tteltciionrgesellschast. Sotterdienst.

Sabbatfeier am 9. März 1912:

Freitag abend 5.50 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr.

Samstag nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbat-'KuSgang 7.05 llhc.

Wochengottesdienst: Morgens 6.45 Uhr, abends 7.00Ubt.

der noch dadurch gemildert wird, daß die Einnahmen des Klosters zum Teil ihm gehörten, so daß er das B er fügungsrecht barübe* besaß. Ter Verteidiger kommt zum Schluß und bittet für seiner ttienten um die Gewährung milbernber Umstände.

Hieraus kam der Verteidiger des Angeklagten Paulanermönche^ Isidor Starczewski, der Advokat Kafimir Rudnicki u Worte. Ter Verteidiger bemühte sich nachzuweisen, daß den An geklagten keine Schuld tresfen könne. Tie Beweisaufnahme hab vor allem nach keiner Richtung hin ergeben, daß sein Äticn: von dem beabsichtigten Morde etwas gewußt habe.

Es folgten die Plädopers der übrigen Verteidiger, die sich verhältnismäßig kurz faßten, während z. B. der Rechtsanwal: Kleina einen ganzen Vormittag gesprochen hatte. Auch sie vcr traten den Standpunkt, daß ihre Klienten unschuldig seien un. «her sreigesprochen werden müßten. Wenn sie sich schuldi: gemacht hätten, so hätten sie doch nur als das Werkzeug i- ben Händen Tamazy Macochs gedient, dessen Befehlen die niederer Klostcrdiener nachkommen mußten. _ Auch der Verteidiger der Helene Macoch wies darauf hin, daß ihr Handeln und ihr Ver­hältnis zu Tamazy Macoch zwar nicht einwandfrei gewesen fr, ie habe sich aber nichts zu schulden kommen lassen, was der Ärund für eine rechtliche Bestrafung bilden könnte. Man mufft >er Angeklagten glauben, daß sie der Ansicht war, Tama^ Macoch fei ein reicher Mann und wohl imstande, ihr aus eigenem Vermögen Geschenke zu machen. Tie Angeklagten legten während des Plädoyers ihr gewöhnliches Benehmen an den Tag Helene Macoch schluchzte mehrmals laut aus und Tamazy Macock verbarg sein Antlitz hinter der Barriere der Anklagebank. Du übrigen Angeklagten schienen gefaßter zu sein.

Nach Beendigung der Plädoyers wurden die schuldsrager gegen alle acht Angellagten formuliert. Tas Urteil selbst, denen Bekanntgabe erst in den späten Nachtstunden erfolgt, bringt ledig lief) die Bekanntgabe der Strafen, nicht die Begründung. Dies erfolgt vielmehr in etwa vierzehn Tagen schriftlich. Gegen da: Urteil steht den Angeklagten das Rechtsmittel der Berufung an das Obergericht in Warickau zu. Wie es heißt, werden sämtlich Angeklagten auf dieses Rechtsmittel nicht verzichten, so daß de: Prozeß in vollem Umfange noch einmal in Warschau jur Ver­handlung gelangen dürfte.

Blinddarmentzündung 1

Leberentzündung 1 (1)

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Summa: 18 (7)

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Sicher und RchmerrloN wirk! ba6 echte Wablauerirfic ougenmittel. Fl. 60 Big. Nur echt auS der ttroneu Avotve c, Berlin W.8. Devot in den meisten Avotheken und Drogencn.

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schallt laut und frei und am Tage vorher so überanKestreru worden, da.-s am Abend kein * mehr heraus kam. Ein paar« ype Tabletten haben die btimme der rein, den Hals frei gemacht.

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der viel und laut zu sprechen hat Eine Schachtel mit ca Tabletten kostet in allen Apotheken nur 1 Mark. "i Niederlage in Giessen: Pelikan-Apotheke KreuzplÄ»

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ba5 eine aber könne er aus seiner Erfahrung als, Vertreter etneS großen industriellen Unternehmens feststellen, daß über tragen, die das Arbeitsverhältnis, Lohn, Arbeitszeit, Behandlung, be­träfen, viel besser mit gewerkschaftlich organisierten ^»eitern zu verhandeln unb auszukommen sei als mit nicht gewerkschaftlich organinerten. Was bic Wertzuwachssteuer betreffe, so könne man ja, wie mit Recht Herr Geheimrat Becker hervorhebe, jetzt noch kein Urteil über die Wirkungen dieser Steuer fällen; er, Redner, habe die Meinung gewonnen, daß die hohen auf den Weckfd des Grundeigentums gelegten Abgaben, Stempel und Steuern, erdrosselnd wirkten auf den Verkehr mit Immobilien und auch auf die Bautätigkeit. Letzten Endes drückten diese Lasten Die Mieten in die Höhe. Er bedauere, daß in Gießen Zuschläge zu der Reichswertzuwachssteuer beschlossen worden seien, und er bereue, dabei mitgewirkt zu haben. Er, Redner, sei gewiß damit einverstanden, baß man die Einkommen bis 900 Mk. srerlane, aber dies erfordere eine Million und für diesen Ausfall fei zunächst fein Ersatz da. Bei Verschärfung der höheren Ein­kommen sei der Wegzug Reicher zu befürchten, Frankfurt |ei nahe bei Offenbach und in der Schweiz bezahle man im Jahr nur so diel Steuern wie in Ofserchach in einem , (Zuruf Ulrichs: Dafür ist man auch in Offenbach!) Redner, ivrtfahrend: Auch das Vergnügen, mit Herrn Ulrich in Offenbach zu wohnen, ersetze nicht den Steuernachteil. Es sei bekannt, daß er, Redner, mit seinen politischen Freunden für die Erhöhung der Deamten- gehälter eintrete, auch wenn eine Steuererhöhuna nötig roerbe. Tie Regierung soll nur einmal sagen, was sie beabsichtige. _ Sehr wichtig sei die Beobachtung und Beurteilung der wirft chaftltchen Sage: mache die Hochkonjunktur jetzt nur eine Noppe, hole sie nur Atem ober neige sich bereits bie Kurve abwärts? Danach entscheide sich, ob man dauernd auf hohe Eisenbahnerträge rechnen könne Er komme beim Minister des Innern hierauf zurück.

(Beifall.) , . t _

Abg. Kredel (natl.) bittet um Berücksichtigung der Eichen- schaden bei der Steuererklärung.

Abg. Lang (natl.) unterstützt diesen Antrag.

Abg. Dr. Osann (natl.) wendet sich gegen bie Ausführungen des Abg. Grünewald und zitiert Artikel der Frankfurter Zeitung und des Berliner Tageblatts. Er betont, daß gegen Steuerbefrau- banten Freiheitsstrafen am Platze seien. Er mühe dafür eintreten, daß solche empfindlichen Strafen in Fällen wissentlicher Steuer» Hinterziehung angeroenbet werden. Die fortschrittliche Volkspartei habe er nicht angegriffen, sondern nur auf deren Presse hingewiesen.

Geheimrat Becker. Man hat bei der Erbschaftssteuer wohl die Möglichkeit, zu prüfen, ob eine richtige Steuereinschätzung vor­genommen wurde. Wer aber zu Lebzeiten Steuerhinterziehungen begangen hat, wird auch dafür Sorge tragen, daß auch nach seinem Tobe ber hinterzogene Betrag dem Staate unerreichbar bleibt, was ja sehr leicht geschehen kann. Es ist auch die Frage ber Deklarationspflicht der zweiten Abteilung berührt worben. Der Abg. Grünewald hat vorgeschlagen, amtliche Personen mit ber Deklaration solcher Steuerpflichtigen zu betrauen, für bie eine Deklaration Schwierigkeiten bietet. Aber man niuß bebenfen, daß viele Steuerpflichtige gar keine Unterlagen für bie Einschätzung haben. Der Abg. Busolb hat eine Gewerkschaftsdebatte herbei- aeführt. Ich muß dagegen Verwahrung einlegen, daß er gesagt hat, baß eine Animosität der Veranlagungsbeamten gegen bie Ge­werkschaften bestehe. Bezüglich bei Wanbergewerbescheine muß gesagt werden, daß alle diejenigen, die ein Wandergewerbe be­treiben, auch 'bie Erlaubnis dazu einholen müssen. Es bleibt uns also nichts übrig, als ihnen bie Steuer abzunehmen. Versagen wir biete Scheine, so wird das Gewerbe ohne solche betrieben, unb die Betreffenden müssen bestraft werben. Was bie Warenhaus steuer angeht, so können wir über bie bestehende Gesetzgebung nicht hinaus. Bezüglich ber Organisation der Untererheber liegt ein Antrag Schönberger vor, und wird man sich daher darüber dem­nächst noch unterhalten. Geheimrat Becker wendet sich bann energisch gegen bie Ausführungen bes Abg. Ulrich.

Abg. Raab (Soz.) oerteibigt die Ausführungen feines Partei­freundes Busold.

Es folgen noch persönliche Bemerkungen ber Abgg. Grüne- walb und Dr. Osann.

Es wird bann zur Abstimmung geschritten. Die Ausschuß- anträge lauten: Die Einnahme mit 24 215 770 Mark, die Aus­gabe mit 2 773 984 Mark zu bewilligen: unter Titel 2 ber Aus­gaben5 Kontrollbeamte ber Lokalkasseftellen" eine Stelle dieser Beamten auf den Inhaber zu bewilligen.

Die Anträge werden einstimmig angenommen.

Schluß ber Sitzung 6*/3 Uhr. Fortsetzung morgen vormittag 9 Uhr.

Heber Lisenbahnschmerzen bet Reidistagsabgeoröncten wird uns aus Abgeorbnetenkreisen geschrieben: Wie bekannt, steht ben Reichstagsabgeordneten auf ben beutfdjen Eisenbahnen bie Be­nutzung aller Wagenklassen zu. Im allgemeinen wirb ber 1.Wagen­klasse aus naheliegenden Gründen bei ben Reisen ber Abgeord­neten ber Vorzug gegeben. Man reift bort bequemer, ist meistens allein und kann auf ben teilweise recht langen Reisen seine Ar­beiten etwas förbem. Auf einigen unserer Häuptlingen, namentlich auf ben Linien nach Süddeutschlanb, macht sich jeboch in letzter Zeit eine starke Benutzung ber 1. Wagenklasse bemerkbar, zumal die guten Züge nach Süddeutschlanb keine 3. Wagenklasse mehr führen. Es wirb barüber geklagt, baß bei biefer Ueberfüllung biefer Züge, die übrigens auch in bet 2. Wagenklasse überfüllt sind, es Faunt noch möglich ist, im Bedarfsfälle mit zwei ober drei Kollegen allein zu sein, um interne Besprechungen abzuhalten. In Ab- georbnetenkreisen wirb verlangt, daß bie Eifenbahnverwaltung auf biefen überfüllten Strecken, bie ihr gut bekannt finb, mehr Wagen einstellt, benn auch aus ben Kreisen ber zahlreichen Reisenden liegen viele Klagen vor. Auf Nebenlinien liegen bie Verhältnisse noch ungünstiger. Hier finb bie Abteile ber oberen Klassen sehr knapp bemessen, so baß oft Abgeorbnete gezwungen finb, in bie unteren Klassen abzuwanbern. ES ist beobachtet worben, baß z. B. bie wenigen Abteile 1. Klasse auf diesen Linien sehr oft als Dienstabteile höherer Beamten benutzt werden, die dem Personal Anweisung erteilen, weitere Reisende hier nicht zuzulassen, weil sie sich auf diesen Reisen oft von Untergebenen Vortrag halten lassen.

Weitere Klagen werden geführt über die unnötigen Belästig­ungen von Abgeordneten durch daS Eisenbahnpersonal, bas noch immer nicht genügenb instruiert zu sein scheint, obgleich ber Eisen­bahnminister angewiesen hat, daß die Reichstagsabgeorbneten wie zahlenbe Reisende behandelt werden sollen, kommt es noch immer vor, daß Abgeordnete vom Fahrpersonal aufgefordert werden, eine befhnnnte Klasse zu räumen.

Landwirte ist zu hoch besteuert. ___

Abg. Henrich (Fortschr. Vp.) macht Vereinfachungsvorschlage und spricht dann über die Tätigkeit der Kontrollbeamten bet ben Finanzämtern. Aus ben Steuerunterer Hebern erwachse eine neue Beamtenkategorie. (Reimer ist schwer verständlich.)

Abg. Busolb (Soz.). Mit Hilfe ber öen>erf|c^Tten ift es den Arbeitern gelungen, bessere Löhne zu erzielen. Die Bei- träge zu ben Gewerkschaften müßten abzuasfähig fein. Es ist soweit gekommen, baß die Arbeitslosenunterstützungen zur Steuer herangezogen worben finb. Es besteht eine Animosität gegen bie Gewerkschaften. Sie finb notwenbig und haben auch dem Staate Vorteile gebracht.

Abg. Ulrich (Soz.). Die Aengstlichkeit unseres Finanz­ministeriums, die Besitzenden zur höheren Besteuerung heranzu- ziehen, ist unbegründet Wir haben weder einen Abzug neuer* ' fähiger Leute zu verzeichnen, noch hat der Zuzug gelitten. Diese Furcht ist den unteren Klassen gegenüber nicht vorhanden. Un­sere Vorschläge sind seinerzeit abgelehnt worden.

Abg. Wigand (Zentrum): Eine Notlage herrscht unter den Kreisamtsgehilfen und Finanzamtsgehilfen. Letztere tragen eine große Verantwortung. Die Finanzamtsgehilfen dürfen wohl auch einen anderen Titel beanspruchen.

Abg. Lutz (Bbd.): Wandergewerbescheine sollen nickt an Zigeuner ausgegeben werden. Große Warenhäuser versenden Kataloge unb bieten allerhand feil, ohne ein Lager zu haben. Die Grundstücksübertragungsstempel sind zu hoch. Unsere Untcr- erhebet kosten uns nur 183 000 Mk., wahrend unsere Bezirls- kassierer etwas über 300 000 Mk. kosten. Man mützte das In­stitut der Untersteuererheber derartig ausbauen, daß wir in icber Gemeinde einen Untereinnehmer anstellen. Die Untererheber würden zur Vereinfachung der Verwaltung beitragen. Wenn wir die Staatssteuer von den Gemeindeerhebern erheben lassen, bann entstehen keine so großen Kosten.

Abg. Finger (natl.): Wir haben bas Unterer&eberfoftem eingeführt, um zu einer Vereinfachung zu kommen. Jebe Ge- meinbe soll seinen Untereinnehmer erhalten.

'Abg. Grünewald (Fortschr. Vp.) erklärt, er habe sich entschlossen, an polemischen Verhandlungen sich nur insoweit zu beteiligen, als ein Angriff gegen ihn ober seine Freunde erfolge. Er sei der Ansicht, daß solche polemische Erörterungen dem Lande nichts nützen. Nun habe der Abg. Osann hervorgehoben, daß bie freisinnige Presse sich der ©teuerbefraubanten angenommen habe, indem sie Gründe gegen bie Einführung von Freiheits­strafen betonten. Zu ber Frage selbst wolle er, Redner, nicht Stellung nehmen, aber feststellen, daß die Presseäußerungen zurück­führten auf eine juristische unb rechtspolitische Darlegung von Justizrat Heinitz in der Deutschen Juristenzeitung. Dieser Schrift­steller er >verbe bemnächst mitteilen, ob berselbe konservativ, nationalliberal ober freisinnig sei mache juristische Gründe gegen bie Verschärfung ber Strafen geltend unb bie Blätter aller Parteien, nicht bloß der fortschrittlichen, hätten referierenb über die Heinitzsche Darlegung sich geäußert. Er, Redner, müsse sich daher gegen die Art und Weise verwahren, mit der man die Fortschrittspartei versteckt verdächtige, die Steuerdefraudanten zu begünstigen. Er verteidige manchmal einen Verbrecher, wie dies fein Beruf erfordere, aber nicht das Verbrechen. Die beste Hilfe zur Herbeiführung richtiger Deklarationen werde die Erbschafts­steuer leisten; er verweise in dieser Hinsicht auf die Delbrücksche Enquete. Wenn der Herr Uebel geäußert habe, die Aktiengesell­schaften fielen nicht unter die Erbschaftssteuer, so übersehe er, daß eine Aktienaefellschaft nicht sterbe. Sterben tun die Aktio­näre unb deren Vermögen falle unter die Erbschaftssteuer. (Zwi­schenruf: Das Vermögen der Aktiengesellschaften!) Ja, das Vermögen der Aktiengesellschaften werde verkörpert durch die Aktie, sie fei der Träger desselben unb sie vererbe sich; es sei denn, daß ber Eigentümer im Auslande wohne und der in­ländischen Steuer nicht unterliege.

Zweckmäßig werde, damit die erwünschte Deklaration auch die zweite Abteilung ergreife, es vielleicht sein, bestimmte Personen zu bezeichnen, welche ben Pflichtigen die Deklarationen fertigten. Denn bie Abgabe einer Steuererklärung seieine schwierige Aufgabe, deren richtige Lösung oft an mangelnder Rechtskenntnis und unrichtiger Auslegung des Gesetzes scheitere". (Heinitz.) Heber die von dem Abg. Busold angeregte Frage der Anrechnungs­fähigkeit gewerkschaftlicher Beiträge wolle er sich nicht äußern, Gesang" wieder ab, bie nun den geistreichen Käufer erst recht beglückte.

Gurlitt, dem bic berufensten Kenner nachrühmten, er habe Italien am besten zu malen verstanden, hat später oft bebauert, hinaus in bie Weite, nach Dalmatien, nach Griechenland, nach Spanien, gegangen zu fein.Das alles habe ihn, so sagte er, r nur verwirrt; könnte er nochmals anfangen, so würde er in Holstein geblieben fein, dessen Töne er in späteren Jahren mit Sehnsucht wiederzufinden suchte." Der vertrauteste Lebenssreund des Malers, ihm durch Landsmannschaft und gleiche Gesinnung verwandt, war Friedrich Hebbel, ber an ihn fein schönes Sonett über bie Landschaftsmalerei gerichtet hat. Am Jahresschluß 1844 schrieb Hebbel zu Rom in sein Tagebuch, ber wichtigste Er­trag bes Jahres an Bekanntschaften sei die Freundschaft mit Gurlitt gewesen,der sich meiner in kranken und gesunden Tagen wacker angenommen". Es war eine Verbindung fürs Leben, die die beiden geschlossen: für ihre Innigkeit ist das beste Denkmal ihr bedeutender unb gebankenreicher Briefwechsel. Gurlitt unter­stützte ben bamals noch schwer fämpfenben Hebbel nicht nur burch Darlehen, fonbem er regte ihn auch an durch ergötzliche Geschichten, spendete ihm aus dem reichen Schatze seiner Ideen, die Hebbel treulich im Tagebuch verzeichnet. So gebührt nicht nur in ber Kunst fonbern auch in der Literaturgeschichte Louis Gurlitt ein lehren­voller Platz als Anreger und echtem Künstler.

ErforschungdesKaiserin-Augusta-Flusses. Der Aufbruch der vom Kolonialamt und ber deutschen Kvlonial- gesellschaft gemeinschaftlich ausgerüsteten Expedition zur Fort­setzung ber Forschungen im Gebiete bes Kaiserin-Augusta-FlusscS stehtPeterm. Mittigen." zufolge unmittelbar bevor, nachdem der zu diesem Zwecke neuerbaute DampferKolonialgesellschaft" am 3. Februar die Fahrt von Hongkong nach Neuguinea ange­treten hat Der Führer der Expeditton, Bergassessor Dr. S t o 116 , bet bereits seit vier Jahren in Neuguinea tätig ist und als Geolog an ber Erforschung des Flusses unter Prof. Dr. L. Schultze tcilgenommen hat, bat mit seinen wissenschaftlichen Begleitern Dr. Behrrnann, Assistent am Geographischen Institut ber Uni versität in Berlin, als Geograph und Kartograph, Privatdozent Dr. meb. Bürgers auS Königsberg i. Pr. als Arzt und Zoologe, Lebermann als Botaniker unb Dr. Röesicke als Ethnologe am 28. Dezember 1911 Genua verlassen.

Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen­schaft. Der Professor für Kunstgeschichte unb Archäologie an ber Eidgen. Technischen Hochschule zu Zürich, Tr. Johann Rudolf Rahn, wurde auf sein Ansuchen auf 1. Oktober 1912 in den Ruhestand versetzt. Professor Rahn steht im 71. Lcbeirsjahre. In Großlichter selbe ist ber klassische Philologe, frühere Direktor bes Kgl. WilhelmSgnrn- nasiurns in Berlin, Geh. Regierungsrat Dr. phil. Otto Küblet, im 85. Lebensjahre gestorben. In Koblenz ist ber Germanist und Musikhistoriker Rockvis Freiherr v. Lt- liencroii im 92. Lebcnsiahrc gcftocb.cn.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Arttkel übernimmt bie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wieseck. Wohl jeder, selbst ber größte Gegner, muß »r. geben, der Auto-Verkehr nach Wicseck ist sehr nett und auch rentabel. Aber eins, nämlich der Fahrplan, will mir noch nickt so reckt in den Sinn. Der Wagen fährt infolge bes übermäßigen Ge­dränges, so daß einem der Chauffeur leid sein kann, immer nm hin und her, verpaßt aber hierdurch die Hauptverkehrszeiten

Wie gut wäre cs z. B. wenn der Wagen statt 12.5 Uhr, 12.10 ober 12.15 Uhr ab Walltor führe und 12.50 ober 12.55 Uhr ab Wieseck, damit doch wenigstens ben Arbeitern Gelegenhex geboten wäre, in der Mittagsstunde statt zu Rad, mit dem Äuu nach Hause zu fahren, und trotzdem doch wieder pünktlich zur Stelle zu sein. Ebenso ist es für solche Leute, die um 2 Uhr im Ge­schäft sein müssen, wie es doch wieder eine ganze Menge t.r Wieseck gibt. Beiden Teilen ist es zufolge des jetzt bestehenden Fahrplans nicht möglich, den schon so lange ersehnten Verkehrs­weg zu benützen. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, btt noch bestehenden Mängel zu beseitigen, um allerwärts Zufrieden. heit zu erlangen.E

wöchenÜ. Uederfichl der Toüersäüe L fr. Statt Gießen.

9. Woche. Vom 25. Februar biS 2. März 1912. Einwohnerzahl: angenommen zu 31 700 (intL 1600 lüaiui Militär, Sterblichkeitsziffer: 21,6

nach Abzug von 7 Ortsirenrden 9,87 *7~.

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