Ausgabe 
9.2.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umsaszt 12 Seiten.

sicht lick die ciiuclncn irrafltoncn jede für sich vorgehen. Er- ift dann au-aeschlosscn, das' eine Entscheidung int ersten Wahlgang erfolgt Jin zweiten Wahlgang wollen die Sozialdemokraten für einen National liberalen als Präsidenten stimmen, die frort schriulcr desglrickren. Sollte sckiließlich fern Nalionattiberalcr, sondern ein konservativer als Präiidenl g^ivählt werden, so dürfte die Fortschritt! icke Volkspanei eine Beteiligung tnt Präsidium, wie an der weiteren Wahl des Vizepräsidenten ablebnen.

DieG erinania" erhärt in ihrer Nachtausgabe in aut fälligem ,Fettdruck, die Verhandlungen znnschen den Na 11 o n a 111 b c r a l e n und den r eck tsstehenden Parteien betreffend die Reickstagspräsrdentensrage sind in vorgerückter Abend stunde gescheitert. ES nnrd also aller Wahrsäielnlickkeit nack> morgen, Freitag, auf eine Kraftprobe zwischen der Linken und der Nennen ankommen.

In Uebercinmmmung mit dieser sensationellen Meldung er­fährt derBerliner Lokalanzeiger", das; die liberalen Parteien glauben, bei der Machtprobe ilircn Willen durchleben zu rönnen; cm liberales Präsidium, in dem sie den Sozialb'invkraten einen Gib überlassen wollen, weil diese erklärten, bafe sie nur die höfischen Pflicht en abwcisen, aber alle staatSrecktliel>en Pflichten auf sich neliia.ii werden. Darnach nn'irde das Präsidrum aus einem Na tionallibirnlen, einem Sozialdemokraten und einem Volksparlriler bestehen.

fiilil der Sicherheit im Besitz, dem allgemeinen Rechtsgrinhl, eine feste Griurdlage gegeben worden. Wege und Eisenbahnen sind angelegt lvorden imb regelmäßige Postdanrpferfahrten können die Neisenden mühelos bis in das 5)er; Afrikas befördern. Ter näche handelstsweg führte von Ehartum nach Suakim. Da aber der dortige >?afen für große Schiffe infolge von tltiffbilbung unzugänglich trat, so wurde UO Kilometer nördlich davon in sechs fahren 1903 bis 1909) der neue Hafen Port Sudan an­gelegt und mit allen Hilfsmitteln der Neuzeit ausgestattel. Zwei- drittel des ganzen sudanesischen Handels bewegt sich deshalb über die beiden Hafenstädte zum roten Meer. Zur Ausfuhr gelangen Kautschuk, Holz und die Erzeugnisse des Ackerbaues, wie Turrha Negerl'irfe , Sesam, Morn, Mais und vor allem Baumwolle. Zm Jahre 1910 betrug der Baumwollenertrag bereits 50 Millionen Mark.

Am Ende des Vortrags führte eine Reihe fron Lickttnldern noch einmal die Hafenanlagen, Ansichten von Ehartum, Dampf und Segelschiffe, Scköm'räber und Patirnosterwerke, sowie Typen der Bevölkerung den zahlreich erschienenen Zuhörern vor Augen.

Der englilch-ägyplijche Sudan.

Gießen, 9. frebruar.

Keine eigentliche Entdeckungs-, sondern eine reine Forschung: reise war es', über die »Testern Mend Prof. Dr. L. Neumann .uiä Freiburg in derOkiclUdiaft für Erd und Völkerkunde" be' lichtete Im März vorigen Jahres begab er sich über Port 3aib, Kairo, Suez und Port Sudan nach Ehartum, nm den nglisch-ägyptischcn Sudan aus eigener Anschauung kennen ;n lernen lieber den kulturellen Stand dieses Gebiets zu prechen, hatte er sich gestern Abend als besondere Aufgabe gestellt.

Ter Sudan war bereits um 1820 von Mehemed Ali, dem -kalisen von Aegyvten, erobert, Ehartum gegründet und das Land einer gewissen Kultur entgegen geführt worden. Alle dteic ver- hnßungsfrollen ,Ansätze wurden sedock jäh vernichtet, als der Mahdi, Mrohamed Ackmet, fein Banner des Aufstandes entrollte. Ehartum fiel und begrub feinen tapferen Verteidiger, Gordon, irücr feinen Trümmern. Hunderte von ~ örtern oendiroanpen bogt Erdboden und die Befrölkerungszitier lant 1883 btö l.Wi von acht Millionen auf zwei Millionen Enuvohncr. total anb ah ohne weiteres die Notwendigkeit ein, dieser ^chr ecken sh er r ckaft ein Ende zu macken, wenn seine kolonuatorucke Lattgieit n Aegypten dauernden Erfolg versprechen sollte. 'Jm ssxbtcniber 1898 wurde der Mahdi bei Lmdurnian von Lord M Heben et enb gültig geschlagen und damit englische Ausbaner und engli'ches Molonisationsgcschick vor die schwere Aufgabe gcHefit, aus 'n innen neues Kulturleben herfrorzuzaubern. Zwölf Fahre haben genügt, um der Welt zu zeigen, bau die Engländer duner Rieieuaiisgabe lewachfen waren. Mit benkbarst kleinen Mitteln haben lie weite Gebiete des Landes unter Kultur gestellt und Einrichtungen ge­schaffen, die die neidlose Betounderung jedes Kenners erringen. Ta die Regenmenge bei Ehartum nur JöO Millimeter betragt, so kann in solch regcuarmcit Strecken ein Anbau nur ermöglicht iverden durch künstliche Bewässerung. Mehrere Stauwerke liciern das Wasser, um weite Strecken Oeblaud in fruchtbares Ackerland iimzuwandeln. Infolge des geringen Gefälls 1:120 000)iub lionc Gebiete des Nillaufs versumpft. Durch Entwäsierungs- fanälc soll hier Wandel geschaffen und haburri) nicht nur anbau ckhiges Land, sondern auch unerschöpfliche Mengen Berieselunas- iaa)fer gewonnen werden. Tem Heldeti von Ehanmn in^aus irciroilligrit Beiträgen ein Denkmal geschaffen worden in Form -irtcr groszartigen Sckule, dem Gordon-Eollege. Aus Stiftungs- initteln verfügt diese über eine Iahressunrme von 920 000 Mark. Mehrere hundert Eingeborene werden hier zu Bolksschullehrern, Werkmeistern und Geometern ausgebildet, und für die Zwecke des lindes werden hier außerdem nock chemische, botanische, geologische Mb htigicnifdx: Institute unterhalten. 3300 Luadralkilometer des ^tndes sind bereits katastral vermessen, und damit ist dem Gfe*

kf. Erinnerungen an Napoleon Hl. veröffenllicht gegenwärtig der Leibar-l des kaiserlichen Prinzen, Tr. B a r t h e ;, in derRevue de Paris", und es findet sich in diesen (Erinne­rungen manclier neue und charakteristische Zug zu dem Porträt Napoleons III. Wir erfahren, ba« Napoleon, wenn er ging, bei nabe hinkte, indem er fick immer etwas nach links überlehnte: wenn er aber lief, daun bewegte er Arme und Schultern ruck­weise, gleich als wollte er feinen reckt kurz geratenen Beinen nackdelTen. Stand er, so war fein Mops immer etwas nach der Seite geneigt, nie hielt er ihn gerade. Napoleon fand viel Vergnügen daran, seine Umgebung ein bischen zu schrauben Er war erst kurze Zeit verheiratet, als beim Mahle btC Rede aut Bäume, die an dem Tage der Geburt der >?aiferin (iugenie gepflanzt worden waren, kam. Neckend meinte der Kaiser: Die müssen dann jent .ziemlich alt fein, weuigitens 36!" -ISorauf die junge Maiserin lackenderwidene:Wie drent!'.r-olien mich nöl' viel älter machen, als ick bin." Die junge schöne Kaiserin Eugenie war eine leidenschaftliche Tänzerin, und oft wurden in der Hofgesellschaft kleine intime Bälle improvisiert. Bei diesen pflegte General Ney, out vorzüglicher Mlaviersvieler, die Musik zu machen. Die Kaiserin beteiligte sich an kleinen Quadrillen bie man damals Boulangeres nannte, aber der Tanz, den iic allen anderen vorzog, war der sogenannte Carillon de Dunkeryuc Eines Abenbs aber vergnügte Napoleon die ganze Gesellfckast, in­dem er selbst einen Tanz zu hopfen begann, wobei er klein- akrobatische Kunststücke zum Besten gab, als wäre er noch ein junger Mann. Auch gab er einen komischen Vortrag des Gesanges

Kein Ncsenlschalttwechsel in Bayern.

Die Korrespondenz Hoffmann meldet: In auswärtigen Blättern werden Gerüchte über einen bevorstehenden W c A> scl der Regentschaft in Bayern verbreitet. An diesen Gerüchten ist fein wahres Wort. Ein Re­gentschaftswechsel ist in den letzten Tagen und Wochen nie in Frage gekommen. Tas Befinden Seiner .stHniglicken Hoheit des Prinzregenten ist sehr gut.

Tic Korrespondenz Hoffmann meldet ferner: ^Seine Königliche Hoheit der Prinzregent hat den Reichst-at Frei Herrn v. Hertling neuerdings zu sich berufen. «Frei Herr v. Hertling, der an der Eröffnung dcS Reichstages teilnahm, reift heute nach München und tvird morgen, Freitag, vom Regenten empfangen werden. Seine König lüfte Hoheit Prinz Ludwig begibt sich heute vormittag 9 Uhr 25 Minuten mit dem Schnellzug nach Wien,^lm an den dortigen Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen. Sodann reift der Prinz nach Miel zum Stapellauf des Limen-' fchiffesPrinzregent Luitpold", bei dem auch Ihre König­liche Hoheit Prinzessin Therese anwesend sein wird.

Berlin, 9. Febr. Wie tuGerm a nia" erklärt, glaubt man in Zentrumskreisen, das; fr^vierr v Hert­ling das Anerbieten des Pii:izregenten, das neue Mini iicrium zu bilden, annehmen werde. Auch der Münchener Vertreter derTäglichen Rundschau" erklärt als feststehend, daß Frhr. v. .Hertling mit der < i.dung des neuen Kabinetts beanstragt wurde und daß er heute dem Prinzregenten die neuen Minister Vorschlägen werde. Der neue Kurs sei be­reits daran zu erkennen, daß die baiiciifdic Regierung bei dem Bundesrat einen Antrag auf authentische Znterp'reta- tioit der Bollzugsvorschriften znm Jes, i engesetz, insbeson- öcrc des Begriffs Ordenstätigt^i, eingereicht habe.

Der englische Kriegsmimfter in Berlin.

Berlin, 9. frebr. Bei dem Lunch, den der britische Botschafter in Berlin dem britischen Kriegsminister Hal baue zu Ehren gab, war auch der Reichskanzler von Beth m a n n > H o l l w e g anwesend. Haldane antwortete auf die fragen der ihn int HotelBristol" bestürmenden Vertreter der Presse über den Zweck seiner Anwesenheit in Berlin: Ich habe viele Freunde hier, die ich besuchen will. Meine Besuckw haben mit amtlichen Dingen nichts zu tun. Aber ich werde auch mit vielen sehr interessanten Persönlich- feiten in Berlin zusammenkommen. Ferner äußerte Kriegs- minifter Haldane, der mindestens zwei bis drei Tage sich in Berlin auf halten will: Ich hoffe, daß mein Besuch in Berlin die deutsch-englischen Beziehungen fördert. Auch m England glaubt man, daß wichtige Verhandlungen in Berlin zurzeit zwischen England und Deutschland gepflogen werden.

DemBerliner Lokalanzeiger" wird aus London ge- drahtet: Man hält hier Haldane für ausnehmend geetg nct, nm Verhandlungen mit der deutschen Regierung zu führen, die, wie man annimmt, das Ergebnis des jüngsten wichtigen KabinettStates und der Audienzen Lord Haldanes, Sir Edward Olrens und Lord Lansdownes bei dem Könige sind.

Zu demselben Thema erhält dieTägliche Rundschau" von hoher diplomatischer Seite die Aufsehen er­regende Mitteilung, daß die deutsch-englischen Beziehungen vor einem entscheidenden Wendepunkte stehen ES sind wichtige Verhandlungen im Zuge, die auf eine dauernde deutscki-britische Verständigung hinaus- laufen. Tie englisck)e Regierung habe in Berlin vertrau­lich sondieren lassen, ob dte politischen und wirtschaftlichen Interessengegensätze auf dem Wege einer Abgrenzung der deutschen und englischen Interessen s p h ä r e dauernd beseitigt werden könnten. Es verlautet, daß diese Anregung in Berlin großes Entgegenkommen gefunden habe. Das geplante 90) fo mm en soll sich auf Kolonialfragen, Eisenbahnfragen und voraus sichtlich auch auf Marineangelegenheiten er­strecken.

Der Reichstag in Verlegenheit.

Im Reichstag ist am gestrigen Donnerstag die Bildung Lcs Präsidiums auf Freitag vertagt worden, und zwar darum, weil die Parteien über die Präsidentenfrage nicht einig werden konnten. Es ist in der Tat eine nicht ein sacke Sache, denn diese erste Tat des Reichstags wird der politischen Lage den Stempel ausdrücken. Was di. größte Fraktion, die Sozialdeinokraten, für Ansprüche stellen will, hat sie bisher diploinatisch verhüllt Auch sie befindet sich einigermaßen in Verlegenheit. Will man die höfischen Pflichten erfüllen oder nicht, und wen wollte Herr Bebel etwa ansersehen und für begabt genug halten, den ersten Präsidentenstuhl im deutschen Parlament zu besetzen? Ein so recht dankbarer Posten ift es nicht und es gehören niJ'i unbeträchtliche Mittel dazu. Von Interesse ist, was die linksnastionalliberaleKöln. Ztg." zu dieser Frage sagt

Was die Thronrede ankündigte, war nickt viel anderes als ein dicker Strich durch berarttge Wünsche. Eiii Reichstag, den, die Sorge mit auf ben Weg gegeben worden ist, bas Scküvert scharf ui hallen, der ben Schuh der nationalen Arbeit für eine Jangc Reihe von Jahren sichern soll, und der auch nach^ben Worten des tiaiferd für eine vernünftige Weiterführung der Sozialpolitik ein uitrctcn hat, muß andere Mehrheiten haben, als solche, die von den Sozialdemokraten abhängig sind, bie sich also in diesen bm Grundfragen Bankerott erklären müßten.

Dann wendet sich das Blatc auch zu den Ansprüchen derGenossen" und führt außer den höfischen Pflichten auch nochGründe auf dem Boden der politischen BLoral" an, die es unmöglich machten, einen Sozialdemokraten zum Präsidenten zu wählen:

Aber gegen einen iozialdemokratiickeu Reick)stagsvräfide>Ueu ipredKn auch noch andere Gründe, und sie liegen auf dem Boden der politischen Moral. Nach ihren, bisherigen Verhalten, nicht nur im Reick-stage, auch im preußischen -Ibgeordnetenhaus und andereii Parlamenten, bat die Sozialdemokratie das Recht auf eine parlamentarische Vorzugsstellung verwirkt. Nieinand hat so wie die Sozialdemokratie in ben lebten Jahren mit turbulenten Szenen unb rücksichtslosem Drang uili ereil auf das parlamentarische Niveau gebrückt.

3um Schluß äußert ba*5 Blatt noch folgende Bedenken:

Dos Amt uud bie Ehre, Präsibent des deutschen Reichstags ;u sein, erfordert reiche Mittel. JSlan mag das gründe iätzlick bedauern und der Ansicht sein, baß das Reich die Ehren­pflicht habe, dem Vertreter des deutschen Reick)stags die Gelder zu einer würdigen Hofhaltung zu gewahren. Man hat dem Präsidenten rin großes Haus gebaut, aber man hat ihm nicht die ''Kittel bewilligt, darin zu leben unb bie kostspieligen Reprasen- lationspslichten zu erfüllen. Das kann anders werden, vorläufig spricht aber auch dieser Grund gegen die Rtöglichtrit, den Präsi­denten des beiitschen Reichstags lediglich auS Rücksichten auf die 3ablcnmengc und ohne besondere Hintergedanken zu wühlen.

Wir erholten über die Lage im Reichstag noch folgende Drahtnachricht:,

Berlin, 9. Febr. Die so zialdemokra tische Frak­tion des Reichstages beschloß die Eiickringimg einer An- itdge wegen Aufhebung des K a r t o f f el; o l l e s und der Zölle auf Gerste und M a i s. Als erster IniiiatioaMrag soll die Reform der Geschäftsordnung des Reichstages vur Verhandlung gebrnriü werden.

Gestern mittag Ijattcn sämtliche Fraktionen des Reichstages wiederum Besprechungen zu der Präfi denlcnwahl abgehalti-n. Zu einem Ergebnis haben die Ver- Ixmöiunnen nicht gefulnt. DieBofsiscke Zeitung" schreibt: Kommt cs morgen bei den neuen interfraktionellen Besprechungen abermals ;.u keiner Verständigung, so ifrerbcn in der nacknten <^ibung vo ans

m. 54 Erstes Blatt 162. Jahrgang zreitag, 9. Zedruar (9(2

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crfcbrini täglich, außer monatlidi«jl%üierte.-

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geruivrech-Anschlüße: N MM Perainwottlick 'm dci,

für die Redaktion 112, wV^ politischen Teil: August

NKL" Seneral-Anzeiger für Gderhefsen

No'ationidruck unö Verlag 6tr Brübl'fdien Univ.-Vuchr und Sttinöruderti H. Lauge. Ncdaltion, trpeöition und Orudcrti; Schnlftratze 7. 2«ni-;,e.$.«ü'°ürbtn

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politische Tagesschau.

Frhr. v. Zedl'tz über die Steuerprobleme.

In der neuesten Nummer desTag" erörtert der frei« konservative Führer Frhr. v. Zedlitz die Frage, wie die neuen Ausgaben des Reiches jur Heer und Flotte gedeckt werden tonnten. Er lammt dabei zu bestimmten Vorschlägen, in dem er u. a. schreibt:

Die Hoffnung, durch die Reickissinanzreform das Gleickfgewrchl. im Reich.-haushalt gefidjert zn haben, muß angesicksts der Mehr ausgaben für Heer unb Flotte enbgüüig aufgegeben werben. Das Reick ist genötigt, aufs neue an die Sleuerkrast seiner Bürger zu appellieren. Die Verbraudtsabgaben fimnmen habet schwerlich mehr ernstlich in Befrackt.

Einkommen-' unb Vermög en steuern schriden aus. Ohne srbweren Einbruch in das noch der Natur des tx'utscheu Bunde staats dessen Gliedern vorbehallene Stenergebict läßt sich kein-' Besteuerung fron Vermögen oder Einkommen burd) das Reid) denken.

Wenn aber formt auch bie Besteuerung des Einkommens und Vermögens ben Bundesstaaten verbleibt, fo trifft unsere Gin (ommenbeftnierung dockt auch Stenevobjekle, ivelche streng genommen nicht unter ben Begriff des Einkommens fallen, vielmehr bereits icr.t Dom Reiche in Anspruch genommenen ©teuergebieten angc hören. Dahin gehört u. a. der nicht gewerbsmäßige spekulativlisgewinn, der betreffs Grundftüde schon fron dem Umsatzstempel unb her Wertzuwachssteuer im Reiche erfaßt wird. .

Nack; her vorliegenden Novelle yim preuwichen Einkommen- steuergesetz soll aud) auf Heranziehung dieses Gewinnes zur Ein kommen (teuer verzidrtet werden. Ferner gehört hierher die so» genannte Einkommensteuer der nichtphysischen Personen. Herr Tis-inoi" zum Besten. Seine Versuche zu singen waren ge­wöhnlich arge Mißerfolge. Von Malerei verstand er nichts, aber er liebte es doch, von einigen Meistern seiner Zeit, wie Horace Vcrnet, Mrisfonnier und Rosa Bonheur, mit vieler Bel­ehrung zu ffrrcdten. Vielleicht backte er, daß von dem Ruhme dieser seiner Zritgeiwssen ein Strahl aud) auf seine eigene Re­gierung fallen könnte

Ein Kreuzzug gegen den Staub. In Amerika iit man wieder einmal in großer Ausrcgung und bat einem besonders schlimmen Schödling des menschlichen Geschlechts den Mrieg bis aufs Messer erklärt, dent Staub. Berschüoene angesehene HygiL- nifer bei Vereinigten Staaten stoßen Warnungsruje aus und behaupten, bar wir :,u tnd Staub mit Miseren Nahrungsmitteln und auf andere Wrisc versdümken und daß her größte Teil aller Mrankhriten von den Bazill'm erreat ivirb, die wir unbewußt ui unseren Organismus cinbringen lassen. Die Regierungen der Einzelstaaleit lyobcn bie Sache in die Hand genommen und strenge Gesetze au sc,carbeit.ck, um diesem cer Allgemeinheit so furditbarcm liebel ein Ende zu bereiten. So hat man in Columbia das Gesetz erlassen, daß Mauileute, die Zuckerwaren unb Bäckereien feil halten, sie irur unter Wasglocken ausstellen dürfen unb daß überhaupt alle Waren im Freien mir Tüchern bedeckt ioerben müssen, lun »Fliegen von ihnen fern zu halten. In Texas unb Inbüma »st cs bei sehr strengen Strafen verboten, in den KauÜaben ober Restaurants irgenb ein Lebensmittel unbedeckt stehen zu haben, bas einen Herd für Mikroben abgeben könnte. Besonders streng soll beim Zucker auf diese Bestimmungen geachtet werden, benn nunt ftlauln entbedt zu lxwen, baß der Stand sich hier besonders fett - ctzt unb der 11 eberträger von infektiösen Erkrankungen wird, die die inneren Organe an greifen. Sdü immer noch aber, wie den Kaufleuten ihren Läden ergeht eS den Straßcnhändlem, die mit ihren Waren herum ziehen. 2i* werden Don bet Polizei auf das sorgfältigste beobadr.ct und dürfen ihr Gemüse und ilyrc Früchte nur verkaufen, wenn sic sie völlig gegen Staub abgeschloffen'haben unb terhinhern, daß irqntb ein .ittrnfer sic etwa in die Hand nimmt. Wichtiger tteiltd) noch o.lc- diese von der Regierung ungeordnet" BeMifsicknigung der Händler :odre es, dem Publikum die llebmeugung brizubrtngen, das: cs bei dem Kauf hygienisch nicht genügend befÄätztcr Waren die Gesundheit gefährde.

Kurze Nachrichten aus Kun st und Wissen- -ckaft. In Kastelruth Tirol- starb am G. b. Mts. Prvf. "ttbert Scobel, wiffem'ckaülicher Leiter der (Geographischen An­stalt von Vclhagen u. Klafing m Leipzig im 62. Lebensjahre Ter 15. internationale Kongreß für Hygiene unb Volkskunde wirb vom 23. bis 28. Sevteinber b. I. in Washington stattfinden. Mit dem Kongreß ist eine Aus- .ttlung orrbunden.