Ausgabe 
6.3.1912 Drittes Blatt
 
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Vermietbare Safes (Schrankfächer)

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Gokhein hat von Ich weih nicht,

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Regierung ganz versagt. DaS Haus vertagt sich.

einheimischen Marktes bei der Großh. Regierung befürwortet.

5. Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche, einer Eingabe an das Grohh. Ministerium deS Innern hat

persönliche Bemerkung zu machen. (Heiterkeit.) Ich will jeden­falls nicht, daß durck meine Weste die Ordnung des HauseS unter­brochen wird, deshalb begnüge ich mich mit der Feststellung, dah Herr Gothcin d-i schwarzen Rand an meiner Weste mißverstanden hat. (Heiterkeit.)

Weiterbcratung: Mittwoch, 1 Ugr,

Schluß 6% Ubr.

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Bank für Handel und Industrie

Niederlassung Giessen

Die Direktion:

Abg. Tr. Qertel (Kons., persönlich'): Herr dem schwarzen Rande ..reiner Weste gesprochen. _ . ob es mir möglich ist, im Namen meiner Weste eine

die Handelskammer die Bitte ausgesprochen, Anweisungen zu treffen, dah bei der praktischen Durchführung und Handhabung der Maßregeln zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche auch Rücksicht aus die berechtigten Interessen des Biehhandels genommen werden möge.

6. Zollabfertigung von Kleie. Durch die strengen ttontrollvorschristen bei der Einfuhr von Kleie wird der Handel seit Jahren beunruhigt. Beständig ist der Kleiehändler der Gefahr ausgesetzt, daß die von ihm gekaufte und zur Zoll­abfertigung vorgeführte Ware entweder für zollpflichtig oder nur unter der Bedingung vorgängiger Denaturierung mit Kohlenstaub für zollfrei erhört wird. Ein praktischer Fall gab der Handeltz-

Luftjcyiffahrt.

Berlin, 5.». Gestern nachmittag stieg derParse- vall VI/' zu einer Rellamefahrt auf und kehrte um 9 Uhr zurück. Die Mannschaften hatten den Ballon bis dicht vor die Valle gezogen, als er plötzlich von einer Windböe erfaßt und ab­getrieben wurde. Der Ballon ging zwischen BieSdorf und Ober-Schöneweide gegen 11 Uhr nachts in der Nahe der Siemens- schen Ballonhalle nieder. Bei der Notlandung um 11 Uhr in BieSdorf, die durch Reißen der Leine erfolgte, wurde der Ballon­führers Nobbes g e t ö t e t, der als einziger zum Schluß daS Schlepp­tau festgehalten hatte und sich dabei verwickelte.

Abg. Gofhein (Bp.)S

Wir würden dem Staatssekretär auch fein Gehalt bewilligen, selbst wenn er nickt täglich eine anderthalbstündige Rede halten wurde. (Heilere Zustimmung.) Vielleicht kommt noch einmal ein Sckuhgeseh gegen allzu ausgedehnte Ministerredcn. (Heiter- feit.) Das Bemerkenswerteste an Herrn Oertel ist, daß seine weiße Weste einen breiten schwarzen Trauerrand zeigt. (Heiterkeit.) Trauert er über den AuSgang der Wahlen? Unter dem neuen Zolltarif ist noch jeder Handelsvertrag schlechter geworden als seine Vorgänger. Tie Konjunktur wird überschätzt, sie ist gar nicht so günstig wie immer behauptet w«rd. Gewiß haben wir reichliche Beschäftigung, auch die Löhne sind gestiegen, aber wegen be* UebenSmittelteuerung.

Der F'SkuS sollte regulierend wirken. Statt dessen treibt er die Preise in die Höhe. Siehe Kohlensyndikatl Der FiökuS ist eben sisfalisch, er schreibtverdienen groß. Auch beim Kalishndikat hat der preußische HandelSmm-ster den Handel mißhandelt. Von den Reden des Zentrums halte ich nickt?. Man will fick nur vor den Wählern saldieren, hält schöne Reden, aber praktisch geschieht nichts. Der Kartellgesetzentwurf deS Zentrums ist ganz harmlosweiße Salbe". Es gibt nur eine Methode, d i e Auswüchse der Kartelle zu beseitigen, nam'ick: eine Konkurrenzmöglichkeit schaffen. Der StaatSiekretär hielt sich seinerzeit von den Kaliverhandlungen auffällig fern. (Staats- sekretär Dr. Delbrück: Ick war krank.) War das eine diplo- matische Krankheit? Der Staatssekretär sagte sich wohl: Hier kommt nicht viel Gutes heraus!

Tie Schutzzollpolitik erschwert der VerfeinerungSindustrie ihre Produktion. Kartellfähig sind nur konzentrierte Betriebe der Groß­industrie. An die Stelle der MeistbegünstigungSver- träge ist schwer etwas besseres zu setzen. Unsere stärksten In- dustrien verlangen durchaus nicht einen lückenlosen Zolltarif. Für die neuen Handelsverträge brauchen wir eine sichere P r o - d u k t i o n s st atist. k; sie würde am besten von den Fachvereini­gungen geliefert werden. Es ist auch nicht nötig, daß die Er- Hebungen in aller Stille vorgenommen werden; im Gegenteil, eine solche Enquete wäre möglichst öffentlich zu verhandeln. Die Frage der Getreidezölle ist jedenfalls in allen Einzelheiten außerordentlich umstritten. Tie frühere Erhebung über die Ren- tabilität der Landwirtschaft war auch nicht zweifellos. Von über 2 Millionen Betrieben hat man gerade fünf, die typisch waren,- herauAgesucht. Tie ganze Erhebung war Humbug, ein Faust- schlag ins Gesicht der Wissenschaft. Der Redner verweist dann auf das Steigen der Güterpreise und die damit in Zusammenhang stehende Entvölkerung des platten Landes.

Die Aararier wollen die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter

und eine gewisse Kunstfertigkeit deS Meisters erfordern. (Sehr richtig! links.)

Man muß die Fähigkeiten deS jungen RachwuckseS in der Weise förde u, daß sie sich zu den genannten Zweigen deS Hand- hinneigen. Ferner muß man bestrebt sem, dem Handwerk womöglich alle die Vorteile des Großbetriebs zugänglich zu machen, also Kapital, Kredit, Kalkulation und womöglich Motorkräfte. Aber alles daS sind Mittel, die nicht für daS Reich, sondern nur für d i e Bundes st aaten durch­führbar sind, und in allererster Linie für die Gemeinden. So hat z. B. die Gemeinde Köln geradezu Musterhaftes darin geleistet. Es lieg: nun in der Natur der Tinge, daß gewisse Handwerksbetriebe als solche verschwinden, aber andere haben für große Zweige des Handwerks neue Berufsmöglichkeiten eröffnet. Die Klempnerei hat sich in Verbindung mit der In­stallation zu einem neuen erfolgreichen Handwerk umgebildet. Die Statistik des Deutschen Ha n d w e r ker t a g e S hat darüber sehr interessante Mitteilungen gemacht.

' Der Staatssekretär gibt eine Hebersicht der Statistik, in der allerdings in einigen Zweigen des Handwerks die Zahl der Be­schäftigten zurückgegangen ist, während sie sich in anderen s o - gar erheblich vermehrt hat. Die Vermehrung sei gerade bei normalen Betrieben, solchen, die zwei und fünf Menschen beschäftigen, verhältnismäßig am stärksten gewesen. Bei den be­trieben, die zurückgegangen seien, läßt sich unschwer eine Tendenz aum Großbetrieb feststellen, ebenso bei denjenigen, die einen Still- stand verzeichnen. Diejenigen aber, die zugenommen haben, be­tragen ungefähr die Hälfte. Die Gesetzgebung ist in der Hand- Werkerfrage nicht untätig gewesen, namentlich auch nicht die

2. Sitzung Großherzoglichcr Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

P r o t o f o 11 '.u u ö i ii q.

Gießen, den 19. Februar 1912.

Anwesend sind die Herren: Geh. Kommerzienrat Heichelheim als Vorsitzender, Kommerzienrat Schirmer als 1. stellvertr. Vor­sitzender, Kommerzienrat Grünewald als 2. stellvertr. Bor sitzender, Friedberger, Grünewald, Kommerzienrat Hoos, Jhring, Noll, Ramspeck, Rinn, Röhr, Stammler, Zurbuch und der Syndikus.

1. Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Den hessischen Handelskammern ist der Entwurf eines Gesetzes, bett, die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, zur vertraulichen Kenntnis­nahme und gutachtlichen Aeußerung zugcgangen. Die Handelskammer hat den Entwurf einer einaehcnden Beratung unterzogen und ihre Wünsche hierzu dem Großh. Ministerium deS Innern mitgeteilt.

2. Entwurf einer Tabaksteuerordnung. Die Handelskammer hatte Gelegenheit, sich zu dem Entwurf einer Tabaksteuerordnung, welche den Zweiten Teil der Ausführungs­bestimmungen zum Tabaksteueraesetz vom 15. Juli 1909 bilden soll, in einem Bericht an das Ministerium deS Innern gutachttich zu äußern.

3. Die Brüsseler Zuckerkonvention. Die Land- wirtschastskammer für daS Großherzogtum Hessen hatte beantragt, daß der Vertreter Hessens im Bundesrate gegen die Erhöhung deS AuSsuhrkontingents für russischen Zucker Stellung nehmen möge. Die Handelskammer hat sich im Interesse des Fortbestehens der Zuckerkonvention, welche sich durchaus bewährt hat, gegen

Reichsgesetzgebung. ES ist die Frage, ob sich daS Hand- toerk die Gesetzgebung in der richtigen Weiss zunutze gemacht hat. Zum Beispiel ist daS deutsche Ge- noffenschaftSgesetz in erster Linie durch die Not deS Kleingewerbes zustande gekommen, aber erst andere Zweige unserer Volkswirt- schäft haben es sich dienstbar gemacht hauptsächlich gerade die Landwirtschaft, die daS Genossenschaftswesen weit mehr benutzt als daS Handwerk. Auch andere gesetzliche Maßnahmen, die Neu- Regelung des PrüfungswesenS, die Einrichtung der Handwerks- kammern, der kleine Befähigungsnachweis sind in diesem Sinne von der ReichSgesetzgebung geschaffen worden, sie haben auch tat* sächlich dem Handwerk genutzt, Schwierigkeiten sind manchmal dadurch entstanden, wie bei den Handwerkskammern, daß die ge­setzliche Regelung durch daS Reich die Errichtung der Kammern aber durch den einzelnen Bundesstaat erfolgt.

Tie Reibungen und Schwierigkeiten werden sich mit der Zeit beseitigen laffen, wenn nicht anders, so wieder durch ein neues Einschreiten der Gesetzgebung. Ter Wunsch, daß die In. dustrie für die Kosten der Lehrlingsausbildung mit in Anspruch genommen werden soll, wird jetzt Wohl von allen Parteien deS Hauses geteilt Eine strikte Durchführung deS Wunsches würoe das Handwerk vielleicht eher schädigen als för- dem. Wir sindaber geneigt, eine Möglichkeit zu schaffen, daß der Industrie eine Beitrags- Pflicht z u den Kosten der Lehrlingsausbildung auferlegt wird. Vielleicht kommen wir auf diesem Wege zum Ziele. Die Erteilung von Wandergewerbescheinen von der Bedürfnisfrage abhängig zu machen, durfte außerordentlich schwierig sein. TaS Bedürfnis gilt nur für begrenzte Bezirke. Die Beteiligung des Kleingewerbes an den Handelskammern wird gern erwogen werden. An dem heutigen Submissionswesen hängt zweifellos ein bureaukratischer Zopf; jedenfalls soll dem Handwerk nicht die Möglichkeit genommen werden, sich an Submissionen jju beteiligen. DaS sind Nützlichkeitsfragen, die man nickt gesetzlich regeln kann. Ta kann man höchstens Richtlinien geben. Aber im Verwaltungswege muß dafür gesorgt werden, daß das Hand, werk berücksichtigt wird. Dementsprechend ist auch in Preußen 1905 eine Submissionsordnung erlassen worden. Nun wurde ge- klagt, daß Nachgeordnete Behörden sich nicht daran gekehrt haben, daß die Bestimmungen bureaukratisch gehandhabt wurden. Ta müssen die EhefS der einzelnen Verwaltungen dafür sorgen, daß diese Verordnungen auch befolgt werden. (Abg. Pauli (Kons.): Sie iun'S aber nickt 1) Tie preußischen Vorschriften sind auch im Reiche geführt. Vielleicht können mit Hilfe deS Handwerks, der Innungen Normen für einheitliche Preise festgestellt werden, bie den Behörden bei der Kalkulation einen Anhalt geben.

Die Versuche, die von Reichsbehörden in dieser Hinsicht gemacht worden sind, sind noch nicht abgeschlossen. Ich werde dafür sorgen, daß in den Reichsbetrieben in diesem Sinne weiter gearbeitet wird. In Sachsen hat daS organisierte Handwerk ein Submissionat geschaffen, bafl den Behörden und den Hand- Werkern mit Ratschlägen zur Seite steht. Vielleicht liegt in dieser Richtung der Ansatz zu einer erfolgreichen Lösung der Frage. Gegen die Aufhebung bc8 § lOOq äußert der Staatssekretär Be- denken. Auch verschiedene Bundesstaaten find gegen die Auf. Hebung, u. a. auch der preußiscke Handelsminister. Die gesetzliche Festlegung der Mindestpreise würde zur Forderung der Mindestlöhne führen. Ter Staatssekretär teilt mit, daß er noch in diesem Frühjahr eine Handwerkerkonferenz ein- berufen werde, um neben anderen auch diese Frage prüfen zu lassen. Weiter soll eine Kommission über die Frage des Kleingewerbes beraten, besonders darüber, in welchem Umfange eine Enquete auf diesem Gebiete veranstaltet werden soll. Ick habe volles Verständnis für die schwierige Situation deS Handwerks und bin redlich bemüht, mit allen mir zur Verfügung flehenden Mitteln zu helfen. (Beifall.)

rachtermäßigung für Steinbruch er zeug- nisse Da sich herausgestellt hat, daß die Stellung der in )c'itn vorhandenen Steinbrucknnduftrie gegenüber den von Verbanden der deutschen Hartsteinindustrie gestellten Anträgen auf orachtermaßl qung für Steinbrucherzeugnisse eine überwiegend ablehnende in, war die Handelskammer aufgefordert worden, nochmals bei den Stein- industriellen ihres Bezirks entsprechende Erhebungen anzunellen Interesse der kleinen und mittleren «leinbruchbttriek bat 'ub die Handelskammer in ihrem Bericht an das ®Jini-

lertum deS Innern wiederum für die beantragten tfracptermaBig- ungen ausgesprochen. _ . . .

8 Gleichartigkeit von Wern und Svirituoien. Tie Handelskammer in Frankfurt a. M. hat bei dem Kai, erlichen Patentamt beantragt, daß 23ein, Spirituosen und Liköre als gleichartige Waren im Sinne deS Gesetzes zum schütze der Darrn bezeichnungen erklärt werden. Die Handelskammer ttmnle sich nach Anhörung der beteiligten Kreise der Begründung die,es An­trags, daß diese Waren eine ganze Reihe gemein,amer Merkmale ausweisen, nicht anschließen: sie hat vielmehr den Standrunkt vertreten, daß Wein, Spirituosen und Liköre hin.ichtlich des Waren- »eichenschutzes verschieden zu beurteilen und -u behandeln seien, auch schon aus dem Grunde, daß , Wein ein Naturprodukt ,ei, während Spirituosen und Liköre sich als Fabrikate baritcllen.

9 Tarifierung von Kun st wolle. Nach Anhörung der sachverständigen Kreise hat die Handelskammer einen Antrag auf Versetzung von Kunstwolle auS dem ^oezraltarif 111 in Spezialtar.s I bei der König!. Eisenbahndircklion Frankfurt a.M. ocfü^worlet^ ^^ErbindungnachBayern. In Gemeinschaft mit der Handelskammer in Wetzlar ist die Handelskammer wegen Verbesserung der Zugverbindungen nach Bayern durch entspr^endc Verlegung der Fahrzeiten der v-Züge 44 und 88 bei der König!. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. vorstellig geworden

11. Zugvermehrung auf der S t r e ck e G i e ß en - Fulda. Tie Handelskammer hat die Einstellung des schon wiederholt beantragten neuen ZugpaareS auf der Strecke Gießen- Fulda für den diesjährigen Sommerfahrplan von neuem be­fürwortet. Die Entscheidung hierüber steht jedoch noch aus. da­gegen konnte ein von interessierter Seite gestellter Antrag um Arüherlegung des um 5,01 Uhr vormittags in Fulda abgehenden Personenzuges nicht unterstützt werden, weil dadurch der ganzen Strecke GietzenFulda der wichtige Anschluß an den NachtschneU zug aus Berlin verloren gehen würde.

12. Beschädigung von Postpaketen. Wiederholte Klagen über Beschädigung von Postpaketen mit Zigarren haben der Handelskammer Veranlassung gegeben, beim Reichspoitamte dahin vorstellig zu werden, daß die Pakete aus der Post beim Ein- und Ausladen eine sorgfältigere Behandlung erfahren.

13 Bahnpoft aus der Lahnbahn. Da e- sehr störend empfunden worden ist, daß in der Zeit von mittag» 12 Uhr biS abends 9 Uhr keine Bahnpost lahnabwärts verkehrt, haben bie Handelskammern Wetzlar, Limburg und Gießen die Einstellung einer Bahnpost in den Zug 412 (ab Gießen 3.13) beantragt.

14. Po st Paketbeförderung zwischen Leipzig und Gießen. Zwecks Herbeiführung einer schnelleren Be- förberung von Postpaketen zwisck>cn Leipzig und Gietzen, wriche jetzt durch den Rangierdienst auf dem Bahnhos tn Bebra behindert wird, ist die Handelskammer bei der zuständigen Eisenbahnver­waltung vorstellig geworden. _

15. Erhebung von Strafporto. Die Handelskammer in Erfurt hat an den Deutschen Handelstag das Ersuchen gerichtet, den solgenden Antrag an den int nächsten Jahre in Madrid statt- findenden Weltpostkongreß weiterzugeben:TaS Straworto tn der bisherigen Form fällt fort. Statt dessen wird neben dem fehlenden Portobetrag ein Zuschlag von 5 Pfg. als Gebühr für bie besondere Behandlung bet ungenügend oder gar nicht fran­kierten Briese erhoben." Die Handelskammer erklärt ihre Zu­stimmung zu diesem Anträge.

16. Anmeldung von Betrieben zur Uns all der- sicherung. Nach § 537 Ziffer 10 und 11 der ReichSverfiche- rungsordnung wird sich, sobald diese Bestimmungen durch Kaiser­liche Verordnung in Kraft gesetzt sind, die Unfallversicherung au, alle Betriebe zur Beförderung von Personen ober Gütern, auf Holzfällungsbetriebe sowie auf die Betriebe zur Behandlung und Handhabung der Waren erstrecken, wenn sie mit einem kauf­männischen Unternehmen verbunden sind, das über den Umfang des Kleinbetriebes hinausgeht. DaS ReichS-VersicherunaSamt hat den deutschen Handelskammern im Hinblick auf die Wichtigkeit dieser Neugestaltung der Unfallversicherung für die Handel-weit einen Abdruck seiner Bekanntmachung vom 15. Januar 1912 übersandt, nach welcher die Anmeldung unsallversicherungSpflich- tiger Betriebe unb Tätigkeiten bis zum 15. März 1912 einschließlich zu erfolgen hat. Ist die Anmeldung versäumt ober unvollständig, so hat das Versicherungsamt selbst die Angaben nach eigener Kenntnis der Verhältnisse auszustellen oder zu ergänzen. DaS Versicherungsamt ist befugt, die Unternehmer durch Geldstrafen bis zu 100 Mark anzuhalten, binnen einer gesetzten Frist Aus­kunft zu erteilen (Artikel 50 des Einführungsgesetzes zur Reichs« Versicherungsordnung).

Der an sie ergangenen Aufforderung entsprechend bringt die Handelskammer dies hierdurch den Interessenten zur Kenntnis.

17. Von unterrichteter Seite liegen der Handelskammer noch Mitteilungen vor, worüber Näheres Interessenten auf dem S»b--tariate der Handelskammer erfahren:

1. Wirtschaftliche Unternehmungen in Abessinien.

2. Handelsverkehr nach Britisch-Südajrika.

3. Absatz deutscher Waren nach der Türkei.

4. Winke zur Einführung deutscher Textilwaren nach Kanton.

5. Bezugsquellen für Klee- und Rübsamen an» Rußland. 6. Weltausstellung in Gent 1913.

7. Moderner Telegrammschlüssel in deutscher Sprache.

8. Zweifelhafte Firmen im AuSlande (Belgien, Groß­britannien, Italien, Rußland, Rumänien, Bereinigte Staaten von Amerika, asiatische Türkei). 1

5Tbg. Marquardt (Natk.)k

Hochverehrte Anwesende! (Heiterkeit.) Ta? Grundproblem der Wirtschaftspolitik ist: Wie ''ckaifen wir Arbeitsgelegenheit für das große deutsche Volk. Früher hatte die deutsche Vol.Swirt- schäft ihren natürlichen Abfluß. DaS Reicrvoir der deutschen Bevölkerung floß damals inS Ausland über. Redner wendet sich wiederholt an daS Hau» mit der Anrede: Hockverebrtel waS jedeSmal von neuem Heiterkeit im Hause erregt. Er er- klärt, daß eS ihn mit Freude erfüllen wurde wenn Hand in Hand Mit dem WackStum der deutschen Bevölkerung ein Wachs- tum der deutschen Wirtschaft bergehen wurde und daß e» Auf- gäbe der Zukunft fei, alle Zeit einen arbeitsfreudigen deut'chen Arbeiterstand zu hoben. Er kommt dann auf die Interessen deS neuen M 111 e l st a n d - S" -u sprechen und fordert inS- befondere für die HandlungSgebilsen erweiterte Sonntagsruhe und einen festen frühzeitigen Ladenschluß.

Die Frage der Konkurrenzklausel bedarf dringend einer Rege- [ung, und wir wünschen, daß sie möglich ft bald erfolgt Cb die Schaffung eines einheitlichen Privatbeamtenrechts möglich ist, das von verschiedenen Parteien de» Hause» gewünscht wird, wird erst durck sorgfältige Erhebungen der bestehenden ver­schiedenartigen Verhältnisse festgcstellt werden. TaS weitgehendste Koalitionsrecht ist unbedingt erforderlich. Freiheit der Per, sönlichkeit, daS muß d,e Losung sein. Notwendig ift, em ReichSeinigungSamt. Wir wollen eine starke deutsche Sezialr.ferm für unser gesundes, arbeitStüchtige- und arbeitsfrohes Volk. (Beifall.)

sgewerbe hfTrb lm Neichsjustizämt behandelt, und' wir müffen ab- warten, was sich daraus ergibt, bevor wir unsererseits her Frage jnäffertreten können. Eine Dritte Materie unter den Angestellten- fragen ist die deS Erfinderrechts. Sie kann zweckent­sprechend nur zusammen mit einer Neuregelung dcS Patentwesens geregelt werden. Ich kann daher alle Be- ttiligten nur bitten, zu warten, bis ich in der Lage bin und Zch hoffe bald dazu in der Lage zu sein, die Neurege- lung des Patentwesens vorzuschlagen.

Nun zum selbständigen Gewerbe, dem eigent­lichen Mittelstand, für den ja die meisten Vorredner be- sonders warm eingetreten sind. Es wird niemand bestreiten können, daß sich seit geraumer Zeit die Klagen deS Mittelstandes häufen und daß sie zum ganz erheblichen Teil ihre Berechti­gung haben. (Hört, hört!) Während alle anderen Stände vor- wärts gekommen find, fahrt man das vom Handwerk nickt be­haupten. Jeder Handtverker, der besonders intelligent ist, drangt nach oben und kommt in beabsichtigter oder unbeabsichtigter Weise zum Teil unter dem Truck der Gesetzgebung in die Groß­betriebe hinein. (Hört, hört! links.) So geben dem Mittel'tand seine besten Kräfte verloren, indem sie mit ihrem Kapital und mit ihrer Intelligenz zum Großgewerbe übergehem (Sehr richtig!) Auf der anderen Seite arbeitet am Rande deS Hanowerks der vierte Stand. Ein großer.Teil der Kreise, die vor 60 Jahren Kleinmeister wurden, gehen jetzt in den un- selbständigen Stand des Arbeiters, des Vorarbeiters, des Meisters in der Fabrik über, weil sie dort zwar nicht die Selbständigkeit, aber doch ein gesickertes Einkommen haben und nicht von den Sorgen bedrückt werden, mit denen der Mittelstand jetzt im Gegen­satz zu der Zeit vor 50 Jahren zu kämpfen hat. Diese beiden Punkte muß man sich vor Augen halten.

Ter Umstand, daß die Löhne der Arbeiter, Vorarbeiter, Fabrikmeister steigen, daß die Existenz dieser Kategorien eine immer bessere, gesicherte wird, ist nicht au8 der Welt zu schassen. Daher strömt ein großer Teil der Kräfte aus dem Handwerk zu den Unselbständigen ab. Auf der anderen Seite ist die Tatsache, daß die Maschinen der Fabriken einen großen Teil der gewerb­lichen Arbeiten für den Kleinbetrieb unrentabel gemacht haben, nicht aus der Welt zu schaffen. Sie werden e8 niemals aus der Welt schaffen, daß der klein- Schuhmacher, der nach Maß arbeitet, mit der Schuhfabrik nicht konkurrieren kann, es sei denn, daß er sehr geschickt ist und zugleich mit Kunden zu tun hat, denen auf zwanzig Mark nicht ankommt. Hat man dies vor Augen, so ist es nicht schwer, die richtigen Maßregeln zum Schutze des Handwerks zu finden. Man muß zunächst diejenigen Sachen ausscheiden, auf die ein Versuch aussichtslos und entmutigend wirkt. Man muß auf der anderen Seite aber auch bestrebt fein, diejenigen Zweige des Handwerks herauSzu- greifen, die ihrer Natur nach zum Kleinbetrieb gehören, nämlich diejenigen, die einen gewissen Individualismus

?ar nicht verbessern. Ausländer sind ihnen lieber, weil wie der onservative G.af v. Zedlih-Trützschler sagte diese nicht so unbotmäßig unb aufsässig seien wie die deutschen. (Hört, hörll links.) Ohne ein gutes Landarbeit er recht kann der Landflucht nicht gesteuert werden. Wir werden einen Gesetzentwurf über eine R e i ch s g e s i n d e o r d n u n g einreichen

diesen Antrag ausgesprochen.

4. Eingangszoll für Kartoffeln. (Einer Anregung auS Jnteressentenkreiien Folge gebend, pat die Handelskammer die vorübergehende Aushebung des EingangSzollS für Kartoffeln

1 Mark für den Doppelzentner zwecks ausreichender Versorgung